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Full text of "Jahrbuch der Kaiserlich-Koniglichen Geologischen Reichsanstalt"

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JAHRBUCH 

DER 

KAISERLICH  - KÖNIGLICHEN 


GEOLOGISCHEN  REICHSANSTALT. 


XII.  BAND. 

1861  UND  1862. 

MIT  X TAFELN. 


BEI  WILHELM  BRAUMÜLLER,  BUCHHÄNDLER  DES  K.  K.  HOFES. 


Vorwort  zum  zwölften  Bande 


Zum  neuen  Jahre  1862  war  es  uns  gelungen,  nach  dem  Wiederbeginne 
unserer  Druckarbeiten  ein  Heft,  das  erste  des  gegenwärtigen  zwölften  Bandes 
zum  Abschlüsse  zu  bringen,  zum  neuen  Jahre  1863  ist  der  Band  selbst 
geschlossen  und  wir  dürfen  nun  die  Lücke  der  Störungen  des  Jahres  1860  als 
ausgefüllt  und  unsern  Gang  als  von  nun  an  vollständig  regelmässig  betrachten. 
Der  Band  schliesst  in  den  laufenden  Aufgaben  mit  dem  16.  December  ab,  doch 
verlangte  die  Sitzung  am  16.,  dass  zur  Vervollständigung  auch  diese  noch  ein- 
bezogen werde. 

Was  ich  am  10.  Juli  1861,  im  Vorworte  des  eilften  Bandes  als  Hoffnung 
aussprach,  das  nennen  wir  nun  mit  frohem  Muthe  Erfüllung.  Der  zwölfte  Band 
hat  nun  wieder  seine  vier  Hefte  gewonnen,  während  der  eilfte  mit  dem  zweiten 
abgeschlossen  werden  musste,  aber  es  war  unvermeidlich,  ihn  über  die  beiden 
Jahre  1861  und  1862  auszudehnen.  Indessen,  einmal  in  die  wünschenswerthe 
Zeit  gebracht,  soll  es  unser  lebhaftestes  Bestreben  sein,  sie  auch  für  spätere 
Abschnitte  einzuhalten. 

Der  Band  enthält  zwei  Jahresansprachen,  am  19.  November  1861  und  am 
4.  November  1862.  Sie  geben  ein  Bild  unserer  Fortschritte  während  dieser 
zwei  Jahre  in  grossen  Umrissen,  als  feste  Punkte  in  der  Reihe  unserer  fort- 
laufenden Berichte  über  Sitzungen  und  über  die  Arbeiten  des  Sommers.  In  den 
einzelnen,  im  Inhalte  verzeichneten,  wissenschaftlichen  Beiträgen  begegnen  wir 
jenen  von  hochgeehrten  Forschern,  welche  bereits  aus  unserem  näheren  Ver- 
bände ausgeschieden  sind,  des  Freiherrn  v.  Richthofen  und  des  verewigten 
Jokely;  von  auswärtigen  Freunden,  des  Herrn  Professors  Krejci  und  des 
nun  ebenfalls  verewigten  Th.  v.  Zollikofer,  den  umfassenderen  Arbeiten 
unseres  hochgeehrten  Mitgliedes  Herrn  k.  k.  Bergrathes  L ip  o 1 d,  zum  Theil  aus 
jener  früheren -Zeit  herrührend,  und  kürzeren  Beiträgen  der  Herren  Stur,  Sto- 
liczka,  Pichler,  über  das  chemische  Laboratorium  von  Herrn  Karl  Ritter 
v.  Hauer,  endlich  einem  mehr  Erörterungen  von  Ansichten  gewidmeten  des  hoch- 
geehrten Erforschers  der  silurischen  Gebirge  in  Böhmen,  Herrn  Joachim  B ar  r a n d e, 
dem  auch  ich  einige  Bemerkungen  beizufügen  mich  veranlasst  gesehen  hatte. 

A* 


IV 


Die  Bibliotheks-Berichte  besorgte  fortwährend  Herr  Ritter  A.  Senoner. 

Das  Register  fertigte  wie  bisher  Herr  Graf  v.  Marschall.  Ihm  sind  wir 
auch  für  das,  gleichzeitig  dem  Schlüsse  nahe  „Generalregister  für  die  10  ersten 
Bände  des  Jahrbuches“  zu  wahrem  Danke  verpflichtet. 

Der  Umschlag  gibt,  wie  bisher  die  Übersicht  der  bis  jetzt  von  uns  durch- 
gefuhrten  Kartenaufnahmen,  und  zwar  108  Sectionen  Specialkarten  des 
k.  k.  General-Quartiermeisterstabes  in  dem  Maasse  von  2.000  Klafter  = 1 Zoll 
(1  : 144.000  der  Natur);  36  Sectionen  Generalkarten  von  4.000  Klafter 
= 1 Zoll  (1  : 288.000)  und  9 Sectionen  Strassenkarten  von  6.000  Klafter 
= 1 Zoll  (1  : 432.000),  wie  die  nachstehende  Übersicht  ausführlicher  zeigt. 


Kronland  Sectionen  Preis 

Kroniand  Sectionen  Preis 

Oe.  W. 

Oe.  W. 

1'  = 2000°  Oesterreich  ob 

Lombardieund 

und  unter  der 

Venedig  . . 

4 

fl. 

34 

Enns  .... 

28 

fl.  143 

Tirol  und  Vor- 

Böhmen . . . 

38 

„ 167.50 

arlberg  . . . 

2 

30 

Salzburg  . . 

13 

„ 46.75 

Banat  .... 

4 

» 

8 

Steiermark  u. 

Steiermark . . 

4 

» 

36 

Illyrien  . . 

29 

„ 121.50 

36 

fl. 

263.50 

108 

fl.  478.75 

1'  ==j  6000°  Siebenbürgen  . 

2 

fl. 

9 

1 ' = 40000  Ungarn  . . . 

17 

fl.  65.50 

Galizien  u.s.w. 

3 

» 

9 

Salzburg  . . 

1 

„ 30 

Croatien . . . 

1 

» 

3.50 

Kärnthen,Krain 

Slavonien  . . 

i 

» 

2.50 

und  Istrien  . 

4 

„ 60 

Dalmatien  . . 

2 

» 

4 

9 

fl. 

28 

Ich  glaube  es  erheischt  es  meine  Pflicht  gerade  an  dem  gegenwärtigen  Orte 
des  Berichtes  zu  gedenken,  noch  in  unserer  letzten  Sitzung  am  16.  December 
(S.  306)  auch  von  meinem  hochverehrten  Freunde,  Herrn  k.  k.  Bergrath  Franz 
Ritter  von  Hauer  vorgelegt,  welchen  in  wohlwollendster  Weise  der  ausgezeich- 
nete Naturforscher,  Herr  ßuintino  Sella  in  Turin,  früher  daselbst  k.  Finanz- 
minister, über  unsere  k.  k.  geologische  Reichsanstalt,  am  8.  October  1861 
erstattet  hat,  in  seiner  Darstellung:  Sul  modo  di  fare  la  carta  geologica  del 
regno  d'Italia.  Relazione  del  Commendatore  Quintino  Sella  al  Sig.  Commen - 
datore  Cordova , ministro  di  agricoltura,  industria  e commercio.  (Aus  den 
Atti  della  Societä  Italiana  di  Scienze  naturali  in  Milano.  Vol.  IV.  Seduta  del 
29  giugtio  1862.)  Er  hatte  eine  Rundreise  nach  Frankreich,  England,  Belgien, 
Deutschland  unternommen,  und  gibt  hier  viele  Nachrichten  aufgesammelt,  die 
auch  für  uns  von  grösster  Wichtigkeit  sind.  Billig  spricht  Herr  Sella  die  höchste 
Anerkennung  den  Karten  der  in  England  unter  Sir  Henry  De  la  ßeche  gegrün- 
deten geologischen  Landesaufnahme,  nun  unter  Sir  Roderick  I.  Murchison 
unbedingt  aus.  Auch  wir  dürfen  darin  vollkommen  mit  ihm  übereinstimmen.  Sie 
waren  und  sind  noch  stets  das  Ziel,  dem  wir  uns  zu  nähern  bestreben,  so  weit 
dieses  auf  den  Grundlagen,  über  welche  wir  gebieten,  möglich  ist.  Mit  grosser 
Sachkenntnis  beurtheilt  er  auch  die  Ursachen,  welche  bei  uns  eine  vollständig 


V 


gleiche  Nachbildung  bisher  verhindert  haben,  und  es  wird  uns  auch  von  ihm  ein 
entsprechender  Grad  von  Anerkennung  keineswegs  vorenthalten.  Ich  darf  dies 
hier  um  so  weniger  übersehen,  als  Herr  Sella  es  war,  der  bereits  auf  der  Pariser 
Ausstellung  im  Jahre  1 855  in  der  damaligen  internationalen  Beurtheilungscom- 
mission  sich  warm  der  Verdienste  der  von  uns  eingesandten  geologischen  Kar- 
ten annahm,  während  sie  von  anderen  Beurtheilern  gleichgiltiger  aufgenommen 
worden  waren,  worauf  ich  damals  aufmerksam  machen  zu  müssen  glaubte.  (Jahr- 
buch 1856,  S.  198,  364,  376.) 

Was  die  Sache  selbst  anbelangt,  den  Hauptpunkt  in  den  Bemerkungen, 
welche  Herr  Sella  als  Ergebniss  seiner  Forschungen  gibt,  so  wird  allerdings 
in  vielen  Gegenden  eine  Karte  in  dem  Maasse  von  1 : 144.000,  oder  2000  Klafter 
= 1 Zoll  nicht  genügen,  um  dasjenige  darzustellen,  was  eine  Karte  von  dem 
Maasse  von  1 : 63.360  gibt,  oder  von  880  Klaftern  auf  den  Zoll,  also  2*27  Mal 
grösser  linear,  mehr  als  fünfmal  grösser  in  der  Fläche.  Allein  die  erstgenannte 
Grösse  ist  einmal  diejenige,  welche  uns  vorliegt,  und  wir  bescheiden  uns  daher, 
in  dieser  so  viel  darzulegen,  als  es  uns  überhaupt  möglich  ist. 

Ein  zweites  Bedenken  wird  erhoben,  ob  denn  die  Karten  auch  überall  hin- 
länglich genau  sein  mögen,  da  doch  die  Aufnahmen  mit  so  grosser  Raschheit 
vor  sich  gehen,  dass  ein  so  eingehendes  Studium  wie  in  England  sich  in  so 
kurzer  Zeit  gar  nicht  durchführen  lässt.  Ich  glaube  hier  von  einer  Seite  wohl 
auf  die  Anerkennung  eines  langjährigen  hochgeehrten  Gönners  und  Freundes, 
des  gegenwärtigen  Directors  der  geologischen  Landesaufnahme  in  England,  Sir 
Roderick  Murchison  selbst,  in  meiner  Ansprache  vom  4.  November  (V.  S.  270) 
einen  grossen  Werth  legen  zu  dürfen.  Es  kann  sich  ein  solches  Urtheil  freilich 
nur  auf  einzelne  Gegenden  beziehen,  aber  das  doch  nur  auf  zufällig  aus  der 
ganzen  Oberfläche  gewählte.  Aber  was  man  von  dieser  Grösse  der  Karten  vor- 
aussetzen kann,  das  glaube  ich  versichern  zu  dürfen,  wird  man  auch  in  ander- 
weitigen Sectionen  in  gleicher  Genauigkeit  dargestellt  vorfinden. 

Aber  über  die  Lage  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  selbst,  und  den 
Zustand  der  geologischen  Wissenschaft  überhaupt,  glaube  ich  ein  Wort  beifügen 
zu  müssen,  so  wie  über  die  Natur  unserer  geologischen  Grundlage,  den  Boden 
selbst.  Dass  uns  England  in  der  Zeit  der  Entwickelung  der  Geologie  weit  voran 
steht,  bedarf  wohl  kaum  einer  neuerlichen  Angabe,  wo  selbst  die  Londoner  geo- 
logische Gesellschaft  bis  in  das  Jahr  1808  zurückreicht,  der  vielfachen  gesell- 
schaftlich- wissenschaftlichen  Verbindungen  nicht  zu  gedenken,  welche  auch  vor 
jener  Zeit  die  Naturwissenschaften  förderten.  Als  die  geologische  Landesdurch- 
forschung im  Jahre  1835  unter  Sir  Henry  de  la  Be  che  begann  und  sich  alhnälig 
erweiterte,  war  schon  sehr  viele  wissenschaftliche  Grundlage  gewonnen. 

Ganz  anders  bei  uns.  Erst  in  neuester  Zeit  wurde  dem  Rufe  nach  Pflege 
der  Wissenschaft  um  ihrer  selbst  Willen,  der  Erweiterung  derselben,  in  der 
Gründung  unserer  Kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften  am  30.  Mai  1846 
ein  Ausdruck  gegeben.  Zur  Zeit  der  Gründung  der  k.  k.  geologischen  Reichs- 
anstalt am  15.  November  1849  fanden  wir  nur  sehr  vereinzelte  Bruchstücke, 


VI 


wenn  auch  manche  von  grossem  Werthe  für  die  geologische  Landeskenntniss 
vor.  Wir  mussten  einen  raschen  Plan  der  Forschung  uns  auferlegen,  um  doch 
innerhalb  eines  Menschenalters  ein  Ganzes  in  dem  Wege  der  Darstellung  durch 
geologische  Karten  vorlegen  zu  können.  Daher  die  Bestimmung  der  dreissig 
Jahre  für  die  erste  genauere  Detailforschung  im  Ganzen  festgehalten  wurde.  Als 
wir  vor  einigen  Jahren  in  dieser  Weise  fortgeschritten  waren,  zeigte  sich  aber 
selbst  ein  unabweisbares  Bedürfniss,  durch  vorhergehende Uebersichtsaufnahmen 
in  noch  vermehrter  Schnelligkeit  zu  einer  vorläufigen  Kenntniss  des  Zusammen- 
hanges im  Ganzen  zu  gelangen,  während  die  Aufgabe  genauerer  Forschungen 
zum  Theil  gleichzeitig  durchgeführt  wurde,  zum  Theile  noch  vorliegt.  So 
war  es  immer  unser  Bestreben  der  Natur  der  unserer  Sorge  zur  geologischen 
Durchforschung  anvertrauten  Gegenden  entsprechend,  das  gerade  vorliegende 
Bedürfniss  zu  befriedigen.  Die  Uebersichtsaufnahmen  nun  wurden  im  Verlaufe 
des  letzten  Sommers  mit  der  Aufnahme  des  südlichen  Theiles,  der  Karlstädter 
k.  k.  Militärgrenze  und  Dalmatiens  geschlossen.  Eine  bereits  weit  über  die 
früheren  Kenntnisse  vorgeschrittene  Uebersichtskarte  wird  nun  zur  Veröffent- 
lichung vorbereitet.  Von  jetzt  an  theilen  sich  unsere  Obliegenheiten  in  drei 
Richtungen.  Alle  unsere  Kraft  wurde  bis  zum  Schlüsse  dieser  Aufgabe,  den  Ueber- 
sichtsaufnahmen, möglichst  zugewendet.  Es  gelingt  uns  jetzt  einen  Theil  mehr 
für  Arbeiten  im  Mittelpunkte  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  zu  verwenden, 
während  ein  zweiter,  in  dem  bisherigen  Gange  den  Detailaufnahmen  gewidmet 
bleibt,  ein  dritter  Theil  unserer  Kräfte  aber  für  Aufgaben  im  Felde  Vorbehalten 
wird,  welche  sich  auf  einzelne  wissenschaftliche  Fragen  beziehen,  namentlich 
in  Gegenden , wo  auch  die  bisherigen  Detailaufnahmen  für  die  harten  von  dem 
Maassstabe  von  1:144.000  zu  viel  zu  wünschen  übrig  liessen,  und  mehr  noch  als 
das  in  den  Gegenden  von  höherer  volkswirtschaftlicher  Bedeutung,  wie  es  die 
Mittelpunkte  montanistischer  Thätigkeit  sind.  Wir  schliessen  uns  in  dieser  Weise 
auf  das  Genaueste  dem  wahren  Landesbedürfnisse  an,  welches  nicht  nur  die 
Pflicht  der  wissenschaftlichen  Kenntniss  des  Bodens  umfasst,  sondern  auch  die 
Anwendung  derselben  auf  die  materielle  Volkswohlfahrt  vorbereitet. 

Meinem  hochgeehrten  Gönner  und  Freunde,  Herrn  Quintino  Sella,  bin  ich 
nicht  nur  für  die  mich  persönlich  so  hoch  ehrenden  Stellen  in  seinem  Berichte 
zu  dem  grössten  Danke  verpflichtet , sondern  auch  für  die  durch  denselben 
mir  so  günstig  gebotene  Veranlassung,  ein  Wort  über  die  Grundsätze  zu  sagen, 
welche  unsere  Aufnahmen  beleben,  in  deren  Ausführung  meine  hochverehrten 
Freunde,  die  Mitglieder  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt,  für  unser  schönes 
Vaterland  unverw’elkliche  Verdienste  erworben  haben.  Dank  und  Anerkennung 
sei  hier  den  hochverehrten  gegenwärtigen  Theilnehmern  an  unseren  Arbeiten  im 
Felde  ausgesprochen,  den  Herren  Franz  Ritter  v.  Hauer,  Lipoid,  Foetterle, 
Stur,  Stäche,  Wolf,  Freih.v.  And  rian,  Paul,  während  wir  aber  auch  gewiss 
treues,  dankbares  Gedächtniss  den  Freunden  bewahren,  die  aus  unserem  Verbände, 
zum  Theile  selbst  aus  diesem  irdischen  Leben  geschieden  sind,  den  verewigten 
Forschern  Czjzek,  Kuder natsch,  Jokely,  unseren  noch  rüstigen  Freunden 


VII 


und  erfolgreichen  Forschern  Pri  nzinger,  Ritter  v.  Zepharovich,  Peters, 
v.  Lidl,  v.  Hochstetter,  Freiherrn  v.  Richthofen,  Stoliczka  und  so 
vielen  andern  Freunden,  welche  in  kürzeren  Zeitabschnitten  sich  unseren  Auf- 
nahmsarbeiten freundlichst  angeschlossen  haben. 

Einen  Augenblick  erheischt  die  Pflicht  der  Anerkennung  und  des  innigsten 
tief  gefühlten  Dankes  auf  dem  reichen  Verzeichnisse  der  wohlwollenden  Gönner 
und  Correspondenten  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  zu  verweilen,  welches 
dem  gegenwärtigen  Rande  zur  höchsten  Zierde  gereicht.  Es  stellt  dies  für  den 
zweijährigen  Zeitraum  von  1861  und  1862  eine  Reihe  thatsächlicher  Verbin- 
dungen aus  unserer  Geschichte  vor.  Einer  Gesellschaft,  einem  wissenschaft- 
lichen Vereine,  je  nach  ihren  Statuten,  können  Ehrenmitglieder,  correspon- 
dirende  Mitglieder  durch  wirkliche  Wahl  angehören.  Diese  Form  wäre  bei  einem 
Institute  von  der  Natur  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  nicht  durchzuführen. 
„Aber“  wie  ich  dies  bereits  bei  der  ersten  Veranlassung  (V.  Bd.  1864)  bemerkte, 
„es  gibt  ein  schönes  Bild  ihrer  ausgedehnten  und  erfolgreichen  Beziehungen,  wenn 
diese  wie  hier  an  die  Namen  der  Personen  geknüpft  werden.  Die  Aufzählung 
derselben  in  einem  Verzeichnisse,  die  Anzeige,  dass  die  Eintragung  in  dasselbe 
stattgefunden  hat,  stellen  einen  Theil,  ein  Merkmal  des  Dankes  und  der  Aner- 
kennung vor,  welche  diejenigen  Männer  in  vollem  Masse  verdienen,  welche  uns 
in  der  bezeichneten  Weise  ihre  Theilnahme  für  unsere  Arbeiten  und  ihre  Bei- 
hilfe zur  Förderung  derselben  bewiesen  haben“.  Und  ich  darf  nun  nach  acht 
Jahren  der  Uebung  gewiss  in  wahrer  Begründung  sagen,  was  wir  freundlich  und 
dankerfüllt  ausgesprochen  und  dargebracht,  das  ist  auch  in  allen  Schichten 
menschlicher  Gesellschaft  huldreich  und  wohlwollend  aufgenommen  worden. 

Den  höchsten  Glanz,  unter  dem  Allerhöchsten  Schutze  Seiner 
k.  k.  Apostolischen  Majestät  desKaisers  brachte  uns  die  A 1 1er  h öchste 
Besichtigung  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  selbst,  am  15.  Februar,  aus 
Veranlassung  der  Vor-  Ausstellung  für  das  grosse  International-Unternehmen  des 
Sommers  1862  in  London.  Man  erkennt  dies  auf  den  ersten  Blick  in  dem  Ver- 
zeichnisse. Es  wird  uns  für  immer  die  anregendste  Erinnerung  bewahren. 

Allen  hochgeehrten  Theilnehmern  an  unseren  Arbeiten  bringe  ich  hier 
meinen  innigsten  Dank  dar  für  ihr  freundliches  Wirken  in  den  eben  so  verschie- 
denartigen Aufgaben,  welche  uns  im  Verlaufe  dieser  beiden  Jahre  Vorlagen.  Ins- 
besondere muss  ich  noch  meinen  hochverehrten  Freund,  Herrn  k.  k.  Bergrath 
Franz  Ritter  v.  Hauer  benennen,  in  der  Gewinnung  und  Durchführung  der 
Druckarbeiten  für  das  gegenwärtige  Jahrbuch  selbst.  Vortheilhaft  wie  in  vielen 
Beziehungen  die  uns  gewährte  Benützung  eines  so  grossen  technischen  Unter- 
nehmens ist,  wie  die  k.  k.  Hof-  und  Staatsdruckerei  unter  ihrem  hochverdienten 
Director  Herrn  k.  k.  Hofrath  Auer  Ritter  v.  Welsbach,  so  erheischen  doch 
gerade  die  eigentümlichen  Obliegenheiten  eines  solchen,  dass  auch  in  den  ein- 
zelnen Abtheilungen  die  grösste  Sorgfalt  verwendet  werde,  und  auch  hier  darf 
ich  der  erfolgreichen  Bestrebungen  nicht  vergessen,  welche  uns  Herr  Factor 
A.  Kn  ob  lieh  in  der  Ausführung  stets  bereit  gehalten  hat. 


VIII 


Wohl  darf  man  auch  an  Grösseres  denken,  wenn  das  weniger  Umfassende 
selbst  für  uns  Grosses  ist,  und  uns  so  ganz  erfüllt,  wie  die  uns  obliegenden 
Arbeiten,  hier  wieder  zu  einem  Abschlüsse  gelangt,  zu  dem  Abschlüsse  des  zwölf- 
ten Bandes  unseres  Jahrbuches,  der  so  nahe  in  der  Zeit  zusammen  trifft  mit  dem 
Schlüsse  dieses  erhebendsten  Abschnittes  unserer  Geschichte,  der  gemein- 
samen Arbeit  der  ersten  Reihe  der  Sitzungen  in  unserem  hohen  Reichsrathe 
für  das  grosse  Kaiserreich,  unter  der  Waltung  unseres  Aller  gnädigsten 
Kaisers  und  Herrn,  Franz  Joseph  I«  Uns,  die  wir  unter  dem  Schutze 
Seiner  Excellenz  des  Herrn  k.  k.  Staatsministers  Ritters  v.  Schmerling  wieder 
aufgelebt  und  neu  bekräftigt  uns  fühlen,  müssen  die  erreichten  Bewilligungen 
unseres  Bestehens  die  höchste  Anregung  bringen,  um  auch  unsererseits  die 
Pflicht  zu  erfüllen,  welche  Oesterreich  von  uns  erwartet. 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt,  Wien,  am  24.  December  1862. 

W.  Haidinger. 


Au  s dem  Jahrbuche 


12.  Band. 


der  k.  k.  geologischen 


Jahrgang 


Reichsanstalt. 


1861  und  1862. 


Personalstand  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt. 


1.  Oberste  Leitung. 

K.  K.  Staatsministerium. 

Minister:  Seine  Excellenz,  Herr  Anton  Ritter  von  Schmerling,  Grosskreuz 
des  österreichisch-kaiserlichen  Leopold-Ordens,  Grosskreuz  desgrossherzog- 
lich-baden’schen  Ordens  der  Treue,  sämmtlicher  Rechte  Doctor,  k.  k.  wirk- 
licher Geheimer  Rath  , Curators-Stellvertreter  der  Kaiserlichen  Akademie 
der  Wissenschaften  u.  s.  w. 

2.  Mitglieder. 

Director:  Wilhelm  Karl  Haidinger,  Med.  und  Phil.  Dr. , Ritter  des  kaiserlich- 
österreichischen Franz  Joseph-Ordens,  der  k.  preussischen  Friedensclasse 
Pour  le  Merite,  des  k bayerischen  Maximilians-Ordens  für  Wissenschaft  und 
Kunst,  Commandeur  des  k.  portugiesischen  Christus-Ordens,  Ritter  des  k. 
sächsischen  Albrechts-Ordens  und  des  k.  schwedischen  Nordstern-Ordens, 
k.  k.  wirklicher  Hofrath,  M.  K.  A. 

Erster  Geologe:  Franz  Ritter  v.  Hauer,  k.  k.  wirklicher  Bergrath,  M.  K.  A. 

Zweiter  Geologe:  Marcus  Vincenz  Lipoid,  k.  k.  wirklicher  Bergrath. 

Archivar:  August  Friedrich  Graf  Marschall  auf  Burgholzhausen,  Erb- 
marschall in  Thüringen,  k.  k.  wirklicher  Kämmerer. 

Assistent:  Franz  Foetterle,  k.  k.  wirklicher  Bergrath. 

Geologen:  Dionys  Stur. 

Guido  Stäche,  Phil.  Dr. 

Heinrich  Wolf. 

Ferdinand  Freiherr  v.  And rian -Werburg. 

Karl  M.  Paul. 

Verstand  des  chemischen  Laboratoriums:  Karl  Ritter  v.  Hauer,  k.  k.  Haupt  mann 
in  Pension. 

Bibliotheks-Cnstos : Adolph  Senoner,  Ritter  des  k.  russischen  St.  Stanislaus- 
Ordens  III.  CI.  und  des  k.  griechischen  Erlöser-Ordens,  Mag.  Chir. 

Zeichner:  Eduard  Jahn. 

Auswärtig:  Moriz  Hörn  es,  Phil.  Dr.,  Commandeur  des  k.  portugiesischen  Christus- 
Ordens  , Custos  und  Vorstand  des  k.  k.  Hof-Mineraliencabinets.  C.  M.  K.  A. 

3.  Diener. 

Cabinetsdiener:  Joseph  Richter,  Besitzer  des  k.  k.  silbernen  Verdienstkreuzes 
mit  der  Krone. 

Laborant:  Franz  Frei dlin g. 

Amtdieners-Gehilfen:  Erster:  Johann  Suttner. 

Zweiter:  Johann  Ostermayer. 

R.  k.  Militär-Invalide  als  Portier:  Unterofficier  Anton  Gärtner. 

Heizer:  Clemens  Kreil. 

Nachtwächter:  Andreas  Z eil ler. 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  IV.  Heft. 


B 


X 


Gönner  und  Correspondenten. 

Fortsetzung  des  Verzeichnisses  im  XI.  Bande  des  Jahrbuches. 


(Die  aämmtlichen  hochverehrten  Namen  sind  hier,  wie  in  den  verflossenen  Jahren,  in  eine  einzige  alphabetisch  fort- 
laufende Reihe  geordnet  und  durch  Buchstaben  die  Veranlassung  zur  Einschreibung  derselben  ausgedrückt.  A die 
Mittheilung  von  wissenschaftlichen  Arbeiten;  B die  Schriftführung  für  Behörden,  Gesellschaften  und  Institute;  C die 
Geschenke  von  selbstverfassten  oder  D fremden  Druckgegenständen  oder  E von  Mineralien;  endlich  E als  Ausdruck 
des  Dankes  überhaupt  und  für  Förderung  specieller  Arbeiten  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt,  wodurch  diese 

zu  dem  grössten  Danke  verpflichtet  ist.) 


Seine  Majestät 

Kaiser  Ferdinand,  f. 

Ihre  kaiserliche  Hoheit  die  durchlauchtigste  Prinzessin  und  Frau 

Erzherzogin  Sophie,  f. 

Seine  kaiserliche  Hoheit  der  durchlauchtigste  Prinz  und  Herr 

Erzherzog  Karl  Ludwig,  f. 

Seine  kaiserliche  Hoheit  der  durchlauchtigste  Prinz  und  Herr 

Erzherzog  Ferdinand  IV., 

Grossherzog  von  Toscana.  F. 

Seine  kaiserliche  Hoheit  der  durchlauchtigste  Prinz  und  Herr 

Erzherzog  Karl  Ferdinand,  f. 

Seine  kaiserliche  Hoheit  der  hoch  würdigst- durchlauc  h tigste 

Prinz  und  Herr 

Erzherzog  Wilhelm.  f. 

Seine  kaiserliche  Hoheit  der  durchlauchtigste  Prinz  und  Herr 

Erzherzog  Leopold,  f. 

Seine  kaiserliche  Hoheit  der  durchlauchtigste  Prinz  und  Herr 

Erzherzog  Sigismund,  f. 

Seine  kaiserliche  Hoheit  der  durchlauchtigste  Prinz  und  Herr 

Erzherzog  Rainer,  f. 


XI 

Seine  Majestät  der  König  von  Bayern 

Maximilian  Joseph  II.  D. 

•J*  Seine  Majestät  der  König  von  Portugal 

Dom  Pedro  V.  f. 

Seine  Majestät  der  König  von  Schweden  und  Norwegen,  der 
Gothen  und  Wenden 

Karl  XV.  F. 

Seine  königliche  Hoheit  der  Kurfürst  von  Hessen-Kassel 

Wilhelm  I.  F. 

Seine  Durchlaucht 

Georg  Adolph,  Regierender  Fürst  zu  Schadmburg-Lippe.  f. 

Die  Frauen: 

Gräfin  v.  Egger,  Nothburga,  Klagenfurt.  F. 

Ö ster lein,  Anna,  Lilienfeld,  Oesterreich.  F. 

Gräfin  v.  W a Idstein,  Antonia,  Dux,  Böhmen.  F. 

Die  H erren : 

Abert,  H.  L.,  Lieut.  U.  S.  Topograph.  Engineers,  Washington.  B. 

Adler,  Procop,  Oberstlieutenant  im  Ottocaner  k.  k.  Mil.-Grenz-Infanterie- 
Regiment,  Ottocac.  F. 

Alb  recht,  Johann,  Werksbesitzer,  Mies,  Böhmen.  F. 

Ritter  v.  Amon,  Karl,  k.  k.  Eisenwerksverweser  zu  Diosgyör,  Ungarn.  F. 
Andre  e,  Albert,  Werksdirector,  Witkowitz.  F. 

Antoine,  Franz,  k.  k.  Hofgärtner.  F. 

Auer,  Anton,  k.  k.  Bergmeister,  St.  Benigna,  Mauth,  Böhmen.  F. 

Bagge,  Harald,  Med.  Dr.,  Bibliothekar  der  Sen  kenb er g’schen  Gesellschaft, 
Frankfurt.  B. 

Baidinger,  Mathias,  Werksbesitzer,  Griftnergut,  Zell,  Vöklabruck,  Oester- 
reich. F. 

Balea,  F.,  Deputato  di  Lesina,  Dalmatien.  F. 

Balfour,  Dr.  John  Hutton,  General-Secretär  der  Royal  Society.  Edinburg.  B. 
Balling,  Joseph,  fürstl.  v.  Metternich’scher  Director,  Plass.  F. 

Ball us,  Sigismund,  Bergverwalter,  Annathal,  Ungarn.  F. 

Bamberger,  Mathias,  k.  k.  Berg-  und  Hammerverwalter,  Kastengstatt,  Tirol.  F. 
Barbieri,  Stephan,  k.  k.  Statthalterei-Secretär,  Zara.  F. 

Baumayer,  Eduard,  k.  k.  Berghauptmann,  Leoben.  F. 

Bayer,  Ant.,  Bergverwalterder  westböhmischen  ßergwerksgesellschaft,  Bilin.  F. 
Becker,  Heinr.,  kurfürstl.  Hessen’scher  Bergverwalter,  Komorau,  Horowic.  F. 
Bello,  Dr.  Andreas,  Rector  der  Universität  von  Chili,  Santiago.  B. 

Bermann,  Adolph,  k.  k.  Oberst  und  Commandant  des  k.  k.  Liccaner  Ersten 
Karlstädter  Militär-Grenz-Infanterie-Regiments,  Gospich.  F. 

Graf  v.  Blacas  d’Aulps,  Stanislaus,  Gutsbesitzer,  Kirchberg  am  Wald, 
Schrems,  Oesterreich.  F. 

Borcich,  Se.  Hochwürden  Pietro,  Pfarrer  in  Comisa,  Lissa,  Dalmatien.  F. 

B* 


XII 


B o rc  k enstein,  Georg,  k.  k.  priv.  Grosshändler.  F. 

Graf  v.  Bray,  Otto,  Grosskreuz,  kön.  bayer.  ausserordentlicher  Gesandter  und 
bevollmächtigter  Minister.  B. 

Broch,  Dr.  0.  J.,  Professorder  Mathematik  an  der  Universität  zu  Christiania.  D. 
Brorsen,  Dr.  Theodor,  Astronom,  Senftenberg,  Böhmen. 

Brosch,  J.,  Med.  Dr.,  Rokitzan.  F. 

Brunner,  Anton,  Wegmeister,  Baltavar.  Vasvär,  Formend.  F. 

Bucich,  Gutsbesitzer,  Lesina,  Dalmatien.  F. 

Graf  v.  Buquoi,  Georg,  k.  k.  wirklicher  Kämmerer,  Gratzen,  Böhmen.  F. 
Busch,  Karl,  Bergverwalter,  Wirtatobel,  Vorarlberg.  F. 

Busse,,  August,  Bergmeister,  Klein-Schwadowitz.  F. 

Busse,  Hermann,  Ober-Berggeschworner,  Klein-Schwadowitz.  F. 
v.  Calo,  Franz,  Bergverwalter,  Voitsberg,  Steiermark.  F. 

Ca  ndeze,  M.  E.,  Med.  Dr.,  Gen.-Secr.-Adjunct  der  kön.  Gesellschaft  der  Wissen- 
schaften, Lüttich.  B. 

Cannissie,  Correspondirender  Secretär  der  Soc.  Imp.  des  Sciences,  Lille.  B. 
Cassels,  Dr.  J.  L.,  Choctaws,  Ohio.  E. 

Castel,  Emil,  Central-Director  der  k.  k.  priv.  Südbahn-Gesellschaft.  F. 
Castelli,  Albin,  Bevollmächtiger  der  Gewerkschaften  Salesl , Gross-Priesen, 
Böhmen.  F. 

Catergy,  Se.  Hochw.  P.  Jos.,  MechParisten-Ordens-Priester,  Constantinopel.  E. 
Celotta,  Julian,  k.  k.  Bezirksactuar,  Verlicea,  Sebenico,  Dalmatien.  F. 
Cervello,  Nicolö,  Med.  Dr.,  Professor,  Palermo.  B. 

Chalaupka,  Moriz,  k.  k.  Lieutenant  in  der  Verwaltung  des  österr.  k.  k.  5.  Mili- 
tär-Grenzregiments in  Vukovic.  F. 

Christen,  Dr.  Adolph,  Rokitnitz,  Böhmen.  F. 

Edler  v.  Comelli,  Vincenz,  k.  k.  priv.  südl.  Staats-Eisenbahn-Beamter.  F. 
Cramer,  Professor,  Actuar  der  naturforschenden  Gesellchaft  in  Zürich.  B. 
Croy,  Engelbert,  Bergverwalter,  Chotieschau,  Böhmen,  F. 

Czegka,  Eduard,  Werksbevollmächtigter,  Petrovagora,  Topusko,  1.  k.  k.  Banal- 
Militärgrenze.  F. 

Czerny,  Friedrich,  k.  k.  Bergmeister,  Wossek,  Hollaubkau,  Böhmen.  F. 
D4aky,  Emanuel,  Kästner,  Csäkvär,  Stuhlweissenburg.  F. 

Delaharpe,  J.,  Med.  Dr.,  Archivar  der  Societö  Vaudoise  des  Sciences  naturelles, 
Lausanne.  B. 

D eile  Grazie,  Cäsar,  Werksbevollmächtigter,  Berzaszka,  k. k. Militärgrenze.  F. 
Doimi,  P.  D.,  Podestä  in  Lissa,  Dalmatien.  F. 

Dollfus,  August,  Geologe,  Paris.  C. 

Domas,  Se.  Hochw.  P.  Stephan,  k.  k.  Professor,  Mährisch-Triibau.  E. 
Dragancic  Edler  v.  Drachenfels,  Stanislaus,  k.  k.  Hauptmann,  Podlapac, 
Gospic,  croatische  Militärgrenze.  F. 

Dräsche,  Heinrich,  Werkshesitzer.  F. 

Draugentz,  C.  Friedrich,  k.  k.  Lieutenant,  Postencommandant  in  Obrovazzo, 
Zara,  Dalmatien.  F. 

Eckl,  Adalbert,  k.  k.  Berghauptmann,  Pilsen.  F. 

Ehlig,  Wenzel,  Werksbesitzer,  Hostomitz,  Teplitz,  Böhmen.  F. 

Ehrenberg,  Emil,  Berg-Director,  Trautenau.  F. 

v.  Elter  lein,  Gustav  Alexander,  Werksbesitzer,  Aussig,  Böhmen.  F. 

Ezer,  Karl,  Bergverwalter,  Miröschau,  Böhmen.  F. 

FearnI  ey,  Dr.  C.,  Prof,  der  Astronomie  an  der  Universität  zu  Christiania.  D. 
Fehr,  Alexander,  k.  k.  Schiffsfähnrich,  Lissa,  Dalmatien.  F. 


XIII 


F eistmantel,  F.,  fürstl.  v.  Fürs tenberg’scher  Hüttenmeister, Bras, Radnitz. F. 
Fichtner,  Johann,  k.  k.  priv.  Fabriksbesitzer,  Atzgersdorf,  Wien,  Wildpret- 
markt  Nr.  850.  F. 

Fiedler,  Leopold,  k.  k.  Bergrath,  Berginspector,  Mährisch-Ostrau.  A. 

Fischer,  Anton,  Werksbesitzer,  Tradigist,  Kirchberg  an  der  Bielach,  Oester- 
reich. F. 

Fitz,  Johann,  Werksverwalter,  Padochau,  Mähren.  F. 

Forcher,  Vincenz,  Ainbach  bei  Kniltelfeld,  Steiermark.  F. 

Graf  Forg ach  v.  Ghymes  und  Gäcs,  Seine  Exc.  Anton,  Ritter,  k.  k.  wirklicher 
Geh.  Rath,  Kämmerer,  kön.  Ungar.  Hofkanzler.  F. 

Fortis,  Dr.,  k.  k.  Prätor  in  Benkoväc,  Zara,  Dalmatien.  F. 

Frank,  Rudolph,  k.  k.  Einfahrer  in  Magura,  Csertest,  Siebenbürgen.  E. 

Frenz,  Johann,  Hausbesitzer,  Baltavar,  Körmend,  Vasvär.  F. 

Frey,  G.  N.,  Werksbesitzer  zu  Kleinzell,  Oesterreich,  Wien.  F. 

Frey,  Karl  August,  Eisenwerks-Director,  Store,  Cilli.  E. 

Ritter  v.  Fridau,  Franz,  Guts-  und  Werksbesitzer.  F. 

Friedrich,  Joseph,  Oberförster,  Gratzen,  Böhmen.  F. 

Fries,  Elias,  Med.  Dr.,  Secretär  der  königl.  Gesellschaft  der  Wissenschaften 
zu  Upsala.  B. 

Fritsch,  Anton,  Med.  Dr.,  Custos  am  böhm.  National-Museum,  Prag.  F. 
Fritsch,  Kronstadt.  F. 

Fuchs,  Michael,  Werksbesitzer,  Berzaszka,  k.  k.  Militärgrenze.  F. 

Fülepp,  Alexander,  Werksbesitzer,  Neu-Moldowa.  Banat.  F. 

Landgraf  v.  Fürstenberg,  Seine  fürstliche  Gnaden,  Friedrich,  Fürsterzbischof 
zu  Olmütz.  F. 

Galvani,  Vincenz,  Werksbesitzer,  Siverich,  Dalmatien.  F. 

Gatscher,  Seine  Hochw.  Albert,  Director  des  k.  k.  Ober-Gymnasiums  zu  den 
Schotten.  B. 

Gerzabek,  Ferdinand,  k k.  Oberlieutenant  in  Comisa,  Lissa,  Dalmatien.  F. 
Giraudier,  Balthasar,  Manila,  Lu^on,  Philippinen.  F. 

Girl,  Armin,  Bergverwalter,  Sagor,  Krain.  F. 

Gistel,  Dr.  Johannes,  Professor,  Regensburg.  D. 

Gö  dicke,  Jakob,  Berg-Ingenieur,  Reschitza,  Banat.  F. 

Gollitsch,  Gustav,  Werksbevollmächtigter,  Cilli.  F. 

Grass,  Moriz,  Eigenthümer  des  Wanderer.  D. 

Gregory,  Karl,  Inspector  der  Herrschaft  Besko,  Galizien.  A. 
v.  Grenze  n st  ei  n,  Gustav,  Werksbesitzer,  Kronstadt,  Siebenbürgen.  F. 
Grosse,  Wilhelm,  fürstlich  Fürstenberg’schen  Berg-  und  Hütten-Inspector, 
Althütten  bei  Beraun,  Böhmen.  F. 

Güdl,  Franz,  Werksbesitzer,  Pitten.  F. 

Guldberg,  C.  M.,  Candidat,  Universität  zu  Christiania.  D. 

Gunning,  J.  W.,  Secretär  der  Provincial-Utrecht’schen  Gesellschaft  für  Kunst 
und  Wissenschaft.  B. 

Gwinner,  Ernest,  k.  k.  Marine-Lieutenant,  Sebenico,  Dalmatien.  F. 

Haecker,  Ludwig,  erzherzogl.  Verwalter  der  technischen  Gewerbe,  Wieselburg, 
Ungarn.  F. 

Hager,  Albert,  Dr.,  A.  M.  Proctorsville,  Vorment.  V.  S.  N.  A.  B. 

Haidinger,  Rudolph,  junior,  k.  k.  pr.  Fabriksbesitzer,  Elbogen.  A. 

Halla,  Joseph,  Ritter,  k.  k.  Major  und  Referent,  Beiovar.  F. 

Haluska,  Johann,  k.  k.  ßerghauptmann  zu  Lemberg.  F. 

Ritter  v.  Hampe,  Joseph,  k.  k.  Bergrath,  Eibiswald,  Steiermark.  F. 


XIV 


Han,  Alexius,  Oekonomie  - Beamter,  Puszta  Bänhäza,  Ersemjen,  Szabolcs, 
Ungarn.  F. 

Hanl,  Anton,  Werksleiter,  Zbeschau,  Mähren.  F. 

Graf  v.  Ha  rtig,  Seine  Exc.  Franz,  Grosskreuz,  k.  k.  w.  Geh.  Rath  und  Kämmerer, 
Erblicher  k.  k.  Reichsrath  im  Herrenhause  u.  s.  w.  F. 

Hartisch,  Karl,  Werksdirector,  Bustehrad,  Böhmen.  F. 

Haupt,  Theodor,  toscanischer  Bergrath.  D. 

Haurand,  C.  W.  Th.,  Oekonomierath.  C. 

Hawelka,  Joseph  Ernst,  Bergverwalter,  Gaya,  Mähren.  F. 

Hecker,  Julian,  Werksbesitzer,  Myszyn,  Galizien.  F. 

Heine,  Joseph,  Med.  Dr.,  k.  Regierungs-  und  Medicinalrath,  Speyer.  B. 

Held,  Theodor,  Buchhalter  der  Gewerkschaft  Saxonia,  Karbitz,  Böhmen.  F. 
Freiherr  v.  H eifert,  Jos.  Alexander,  Ritter  II.  CI.  des  österr.  kais.  Ordens  der 
eisernen  Krone,  k.  k.  w.  Geh.  Rath,  Unter-Staatssecretär.  F. 

Ritter  v.  Helms,  Julius,  k.  k.  Sectionsrath,  Berg-  und  Forstdirector.  F. 

Graf  Henckel  v.  Donnersmark,  Werksbesitzer,  Wolfsberg,  Kärnthen.  F. 
Henzi,  R.,  Med.  Dr.,  Secretär  der  naturforschenden  Gesellschaft,  Bern.  B. 
Herda,  Franz,  Berg-  und  Hiittendirector  zu  Engenthal  bei  Eisenbrod,  Böhmen.  F. 
Hets,  Paul,  Herrschafts-Inspector,  Nagy-Vaszony,  Veszprim.  F. 

Hirche,  Seine  Ehrw.  Gottlob  Traugott  Leberecht,  Pastor  emerit.,  Secretär  der 
Oberlausitzisch.  Gesellschaft  der  Wissenschaften. 

Heyrowsky,  Emil,  Berg-Inspector,  Wiesenau,  Kärnthen.  F. 

Hitchcock,  Eduard,  J.  Med.  Dr.,  Professor,  Amherst  College,  Massachusetts.  B. 
Hitchcock,  Karl  A.,  A.  M..  Geologe  des  Staates  Maide,  Amherst  College, 
Massachusetts.  B. 

Ritter  v.  Hoch  berge  r,  Gallus,  Med.  Dr. , Ritter  des  österr.  kais.  Ordens  der 
eisernen  Krone,  Hofrath,  Karlsbad.  F. 

Hodoly,  Seine  Hochw.  Bela,  Pfarrer  zu  Lokut.  F. 

H offmann,  Alexander,  Bergdirector,  Prödlitz,  Böhmen.  F. 

Hoffman  ns,  Ch.,  k.  k.  General-Consulatskanzler,  Paris.  B. 

Hofmann,  E.,  Director  der  kais.  Gesellschaft  für  Mineralogie.  St.  Petersburg.  B. 
Edler  v.  Hohendorf,  Theodor  Tobias,  k.  k.  Bergcommissär,  Teplitz.  E. 
Holler,  Karl,  Werksdirector,  Johannesthal,  Laibach,  Krain.  F. 

Homatsch,  Anton,  Guts-  und  Eisenwerksverweser,  Gradatz,  Krain.  F. 

Ritter  v.  Horstig,  Moriz,  Werksbesitzer,  Graden,  Lankowitz,  Steiermark.  F. 
Humphreys,  A.  A.,  Capt.  U.  S.  Topograph.  Eugineers,  Washington.  B. 

Inkey  v.  Pallin,  Ferd.,  k.  k.  w.  Kämmerer,  Gutsbesitzer,  Raszina,  Croatien.  F. 
Ivacskovits,  Mathias,  k.  k.  Bergbauleiter,  Dios-Györ,  Ungarn.  F. 

Ivanics,  Joseph,  k.  k.  Bergcommissär,  Zara.  F. 

Jackson,  Charles  T.,  Med.  Dr.,  Ritter  u.  s.  w.  F. 

Jahn,  A.,  Berggeschworner  zu  Rochlitz.  F. 

Jahnl,  Franz,  Werksbesitzer,  Miröschau,  Böhmen.  F. 

Graf  Jankovic  v.  Daruvar,  Julius,  Ritter  des  österr.  kais.  Ordens  der  eisernen 
Krone,  Obergespan  des  Pozegaer  Coinitates.  F. 

Jereb,  Johann,  Werksbesitzer,  Schönegg,  Cilli,  Steiermark.  F. 

Jessler,  Karl,  Bergbeamter  zu  Tergove,  Kostajnica,  k.  k.  Militärgrenze  des 
2.  Banal-Regiments.  F. 

Jezek,  Martin,  Bergverwalter,  Boskowitz,  Mähren.  F. 

Jochmann,  Dr.  E.,  Herausgeber  der  „Fortschritte  der  Physik“  im  J.  1859.  B. 
Kaczwinsky,  Karl,  k.  k.  Controlor,  Radoboj,  Krapina.  F. 

Kaehler,  Karl,  Werksdirector,  Karwin,  Schlesien.  F. 


XV 


Kahler,  Karl,  Werksleiter,  Jamnik,  Böhmen.  F. 

Kanitz,  August,  Mitgl.  d.  Ungar.  Naturforscher-Gesellschaft.  D. 

Kawka,  Egyd,  Professor  am  k.  k.  Ober-Gymnasium  zu  Jicin.  F. 

Keller,  Adalbert,  Med.  Dr.,  k.  k.  Regimentsarzt,  Ottocae.  F. 

Keller,  Dr.  F.,  Professor,  Speyer.  B. 

v.  Kiepach,  Albin,  Werksbesitzer,  Bregana,  Croatien.  F. 

Killias,  Dr.,  Präsident  der  naturforschenden  Gesellschaft,  Chur.  B. 

Kippist,  Richard,  Bibliothekar  der  Linnean-Society,  London,  ß. 

Kjerulf,  Theodor,  Professor  an  der  Universität  zu  Christiania.  D. 

Klaus,  Aug.,  Bevollmächtigter  der  Gewerkschaft  Saxonia,  Karbitz,  Böhmen.  F. 
Edler  v.  Klein,  Albert,  Werksbesitzer. 

Klein,  Karl,  k.  k.  priv.  Grosshändler.  F. 

K 1 ein  di  e ns t,  Franz,  Werksbesitzer,  Eibiswald.  F. 

K lein  d ienst,  Joseph,  Werksbesitzer,  Eibiswald.  F. 

K lein peter,  Franz,  Werksdirector,  F.  E.  Bergrath,  Friedland,  Mähren.  F. 

K I ema  n n,  Alois,  Werksbevollmächtigter,  Ivanec,  Croatien.  F. 

Ritter  v.  Knesevic,  Emanuel,  Ritter  E.  K. , k.  k.  Oberst  und  Commandant  des 
Oguliner  Milit.-Grenz-Regiments,  Ogulin.  F. 

KnÖtgen,  Bergverwalter,  Kulm,  Böhmen.  F. 

Knoll,  Karl,  Werksbesitzer,  Ottowitz,  Karlsbad,  Böhmen.  F. 

Köhler,  Stud.  Phil.,  Ausschuss  des  akademischen  Lesevereins.  B. 

Ko  lisch,  Rudolph,  Bergwerksbesitzer,  Göding,  Mähren.  F. 

Kopetzky,  Adolph,  k.  k.  Bergcommissär,  Pilsen.  F. 

Kopp,  Emil,  Centraldirector  des  Communications-Betriebes  der  k.  k.  priv.  öster- 
reichischen Siaatseisenbahn-Gesellschaft.  F. 

Korizmits,  Seine  bischöfl.  Gnaden,  Anton,  Bischof  von  Bäcs,  Hofrath  und 
Referent  in  der  k.  ungar.  Hofkanzlei.  F. 

Kraetschmer,  Wilhelm,  Bergverwalter,  Brennberg,  Ungarn.  F. 

Krammer,  Ernst,  k.  k.  Berghauptmann,  Oravitza.  F. 

Kronig,  Lucas,  k.  k.  Berghauptmann,  Klagenfurt.  F. 

Kröschel,  Ludwig,  Werksdirector,  Klein-Schwadowitz.  F. 

Kube,  Ludwig,  Besitzer  des  k.  k.  goldenen  Verdienstkreuzes  rnit  der  Krone, 
Kreisvorsteher,  Zaleszczyk,  Galizien.  A. 

K ul isch,  Gustav,  Berggeschworner  zu  Rochlitz.  F. 

Ku  s che  1,  Ludwig,  Werksbesitzer  von  Johannesthal,  Krain,  in  Wien.  F. 
Kutschker,  Joh.  Florian,  k.  k.  Hauptzollamts-Oflicial,  Vils  bei  Reute,  Wien. 
Lacoeilhe,  Emil,  Secretär  der  Gesellschaft  für  Kunst,  Wissenschaft  u.  s.  w., 
St.  Quentin.  B. 

Lancia,  Duca  di  Castel  Brolo,  Dr.  Federico,  Generalsecretär  der  Akademie 
der  Wissenschaften  und  Literatur  in  Palermo.  B. 

Graf  v.  Lanckoronski-Brzezie,  Seine  Exc.  Karl,  Ritter  des  goldenen 
Vliesses,  k.  k.  wirkl.  geh.  Rath,  Kämmerer,  Oberstkämmerer.  B. 

Lang,  Adolph,  Director  des  k.  k.  Gymnasiums,  Marburg.  B. 

Langweil,  Maximilian,  Schichtenmeister,  Rokitzan.  F. 

Graf  v.  Larisch-Monnich,  Eugen,  Werksbesitzer,  Karwin,  Schlesien.  F. 
Graf  v.  Lariseh-Mönnich,  Johann,  Werksbesitzer,  Karwin,  Schlesien.  F. 

L atino-Co el h o,  J.  M.,  Secretär  der  königl.  Akademie  der  Wissenschaften, 
Lissabon.  B. 

Laukotzky,  Vincenz,  k.  k.  Landes-Schulrath,  Triest.  F. 

Lenaz,  Anton,  See-Capo,  Klada,  Ottocaner  Regiment.  F. 

Lepk  owski,  Michael,  Curland.  A. 


XVI 


Lindner,  Johann,  k.  k.  Berghauptmann,  Elbogen.  F. 

Litke,  Laurenz,  Werksbesitzer,  Fünfkirchen.  F. 

Lioy,  Paul,  Venedig.  D. 

Lösebner,  Joseph,  Med.  Dr.  und  Professor,  k.  k.  Statthallerei-  und  Landes- 
Medicinalrath,  Prag.  F. 

Loos,  Franz,  ßergverwalter,  Mährisch-Ostrau.  F. 

Lorenz,  Wenzel,  Schichtmeister,  Wolfsegg.  Oesterreich.  F. 

Ludwig,  Seine  Hochw.  Johann,  Ehrendomherr,  Erzdechant,  k.  k.  Waisenhaus- 
Director  u.  s.  w.  Hermannstadt.  B. 

Macale,  Anton,  Werksbesitzer,  Sebenico,  Dalmatien.  F. 
y.  Machiedo,  Hieronymus,  Gutsbesitzer,  Gjelsa,  Lesina,  Dalmatien, 
v.  Makaj,  August,  pens.  Eisenwerks-Director  und  Bergbau-Unternehmer,  Gross- 
wardein. A.  E. 

Maloch,  Anton  Zephyrin,  Professor  am  k.  k.  Obergymnasium  zu  Jicin.  F. 
Freiherr  v.  Mamula,  Seine  Exc.  Lazarus,  Ritter  des  Mil.  Maria  Ther.-O.,  Gross- 
kreuz u.  s.  w.,  k.  k wirkl.  geh.  Rath,  FML.,  Gouverneur  von  Dalmatien.  F. 
Maravic,  Ernanuel,  Ritter  d.  0.  K.  0.  der  eisernen  Krone,  M.  V.  K.,  k.  k. 

Oberstlieutenant  und  Regimentscomrnandanf,  Petrinia.  F. 

Marin  co vich,  J.  R.,  Agente  di  Porto  e Sanitä  in  Comisa,  Lissa,  Dalmatien.  F. 
Maryska,  Seine  Hochwürden  P.  Joseph,  Pfarrer  zu  Liebstadtl.  F. 

Matiegka,  Karl,  k.  k.  Berghauptmann,  Kuttenberg.  F. 

Mayer,  Erasmus,  Werksbesilzer,  Griftnergut,  Zell,  Vöklabruck,  Oesterreich.  F. 
May  erb  ofer,  Georg,  Werkshesitzer,  Tregist,  Steiermark.  F. 

Mayr  Edler  von  Weinhof,  Franz,  Eisenwerks-  und  Bergbaubesitzer,  k.  k. 
Reichsrath  1860.  F. 

Freiherr  v.  Medl,  Theodor,  Ritter  des  0.  K.  Leopold-Ordens  u.  s.  w.,  k.  k. 

Generalmajor  und  Brigadier,  Ottocac.  F. 

Meiling,  Franz,  k.  k.  Controlor,  Eibiswald,  Steiermark.  F. 

Mendelein,  Rudolph,  k.  k.  Hauptmann  in  Lesina,  Dalmatien.  F. 

Graf  y.  Mensdorff-Po  uilly,  Alphons,  Werksbesitzer,  Boskowitz. 

Menzel,  Se.  Hochw.  P.  Georg,  jub.  Dechant,  Schönwald,  Friedland,  Böhmen.  E. 
Graf  v.  Meran,  Franz,  k.  k.  erblicher  Reichsrath. 

Mer  kl,  Anton,  Bergbaubesitzer,  Swojanow,  Policzka,  Böhmen.  F. 

Ritter  v.  Mertens,  Ludwig,  Bürgermeister,  Salzburg.  F. 

Michel,  Johann,  Generaldirector  der  k.  k.  priv.  Südbahn-Gesellschaft.  F. 

Mi  eg,  Ludwig,  Vorsteher  des  Bergrevieres  Karlsbad,  Pirkenhammer,  Böhmen.  F. 
Miko  v.  Bölön,  Samuel,  k.  k.  Oberbergrath  und  Referent,  Klausenburg,  Sieben- 
bürgen. E. 

Mirko  vic,  Serdar  und  Colonneneommandant,  in  Benkovac,  Zara,  Dalmatien.  F. 
Mischler,  Peter,  J.  U.  u.  Ph.  Dr.,  k.  k.  o.  o.  Universitäts-Professor,  Prag.  D. 
Mitchell,  J.,  Lieutn.  R.  C.  S.,  Museumsdirector,  Madras.  A. 

Mitsch,  Ernanuel,  Jur.  Dr.,  Kuttenberg,  Böhmen.  F. 

Mitterer,  Andreas,  k.  k.  Schichtmeister,  Häring,  Kastengstatt,  Tirol.  F. 

Mitte  sei*  v.  Dervent,  Joseph,  Ritter,  k.  k.  Oberstlieutenant,  Beiovar.  F. 
Möbius,  Dr.  K.,  Prof.  Secretär  des  naturwissenschaftlichen  Vereines  zu  Ham- 
burg. B. 

Mohn,  H.  Candidat  an  der  Universität  in  Christiania.  D. 

Monrad,  M.  J.,  Dr.,  Professor  an  der  Universität  zu  Christiania.  D. 

Mraovic.  Joseph,  M.  V.  K.  k.  k.  w.  Oberst  und  Commandant  des  k.  k.  Ersten 
Banal-Militär-Grenz-Infanterie-Regiments  zu  Glina.  F. 

Mr o ule,  Franz,  k.  k.  Berghauptmann,  Cilli,  Steiermark.  F. 


XVII 


Müller,  Karl,  Oberverwalter,  Reschitza,  Banat.  F. 

Mül  ln  er,  Alphons,  Studirender.  C. 

Müllner,  Fortunat,  M.  D.  k.  k.  Bezirksarzt,  Radmansdorf.  E. 

Muntzel,  Hermann,  Bürgermeister,  Pecka,  Jicin,  Böhmen.  F. 

Ritter  v.  Murmann,  Peter,  Ritter  des  0.  K.  0.  der  eis.  Kr.  k.  k.  Rath  u.  priv. 
Grosshändler.  F. 

Nakich,  J.,  k.  k.  Gubernialsecretär  Zara.  D. 

Neu  mann,  C.  Phil.  Dr.  Schriftführer  der  naturforschenden  Gesellschaft,  Halle.  B. 
Newberry,  John  S.  Med.  Dr.  Professor  am  Columbia  College,  Washington.  D. 
Norton,  Karl  B.,  Buchhändler  New-York.  D. 

Ob  erst  ein  er,  F.,  Bergverwalter  in  Sivericb,  Spalato,  Dalmatien.  F. 

Odersky,  Ernst,  Fabriksdirector,  Burgau,  Ilz,  Steiermark.  F. 

Ritter  v.  Oroscheny-Bohdanowicz,  Gutsbesitzer  u.  s.  w.  Mojdan  Lukawetz, 
Wysnica,  Bukowina.  E. 

0 z e g o v i c Freiherr  v.  Barlabasevec  undBela  Ludwig,  Gutsbesitzer.  F. 
Edier  v.  Paitoni,  Friedrich,  k.  k.  Kreisrath,  Zara. 

Edler  v.  Paitoni,  Seine  Hochw.  Joseph,  k.  k.  Gubernialrath,  Triest.  F. 
Palmieri,  Luigi,  Neapel.  D. 

Pa  n kratz,  Franz,  Jur.  Dr.  Pilsen,  Böhmen.  F. 

Pauler,  Dr.,  Theodor,  Rector  der  könig.  Ungarischen  Universität,  Pest.  B. 
Pauli,  Eduard,  k.  k.  Revierförster,  Hryniawa,  Kuty,  Galizien.  F. 

Paulus,  Georg,  Bergmeister  der  Stadt  Pilsen.  F. 

Pen  dl,  Johann,  k.  k.  Bezirksrichter,  Graz.  F. 

Petric,  Daniel,  Besitzer  des  k.  k.  Mil.  V.  K.  (Kr.  Dec.)  k.  k.  Oberstlieutenant 
und  Platz-Commandant  zu  Castelnuovo,  Oesterreichisch-Albanien.  F. 

Petz,  Eduard,  Major  im  k.  k.  Kriegsarchiv. 

Pfeiffer,  Franz,  Phil.  Dr.  k.  k.  Universitäts-Professor,  Wien.  D. 

Pichler,  Vincenz,  Bergverweser,  Turrach,  Steiermark.  F. 

Pi  nt  er.  Seine  Hochw.  Anton,  Pfarrer  zu  Oszlop.  F. 

Plotzek,  Franz,  Berg-  und  Hüttenverwalter,  Wrzischt  bei  Nemetzky  (Neustadt!) 
in  Mähren.  F. 

Popovic,  Demeter,  Pozeg,  Slavonien.  F. 

Posepny,  Franz,  k.  k.  Expectant,  Nagybänya.  A. 

Graf  Potocki,  Adam  k.  k.  w.  Kämmerer,  Werksbesitzer,  Krzezowice,  Krakau.  F. 
Prodanow,  Arsenius,  k.  k.  Oberst -Lieutenant  und  Regiments  - Commandant, 
Ottocac.  F. 

Quaglio,  Julius,  Ingenieur.  F. 

Quincke,  Dr.  G.,  Schriftführer  der  physikalischen  Gesellschaft,  Berlin.  B. 
Rahn,  Anton,  Werksbesilzer.  F. 

Rainer,  Magnus,  k.  k.  Controlor,  Kastengstatt,  Tirol.  F. 

Ran  da,  Franz,  k.  k.  Bezirksamts-Vorsteher,  in  Neupaka,  Jicin,  Böhmen.  F. 
Ranzinger,  Anton,  Werksbesitzer,  Gotschee,  Krain.  F. 

Ranzinger,  Franz,  Werksbesitzer,  Gotschee,  Krain.  F. 

Ranzinger,  Nikolaus,  Werksbesitzer,  Gotschee,  Krain.  F. 

Rath,  Franz,  k.  k.  Bergverwalter,  Jaworzno,  Krakau. 

Ratz,  Thomas,  k.  k.  Berghauptmann,  Agram.  F. 

Reich,  Johann,  Oberingenieur  und  Bergverwalter,  Brandeisei,  Böhmen.  F. 
Reichenbach,  Ludwig,  Werksbevollmächtigter,  Sziersza,  Krakau.  F. 
Remschmidt,  Joseph,  Bergwerks-  und  Hotelbesitzer,  Karlstadt,  Croatien.  F. 
Resucsek,  Seine  Hochw.  und  Gnaden  Anton  Emerich,  infulirter  Abt  der  ver- 
einigten Abteien  Zirez,  Pilis  und  Päsztö.  F. 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862,  IV.  Heft. 


c 


XVIII 


Rhees,  Wilhelm,  Kanzlei-Director,  Washington.  B. 

Richter,  Raimund,  k.  k.  Oberförster,  Gospic,  Militärgrenze.  F. 

Rick,  Karl,  Vorstand  der  Künstlergesellschaft  Aurora.  F. 

Riegel,  Anton,  Werksbesitzer,  Fünfkirchen.  E. 

Rieger,  Johann,  Schichtmeister,  Höllenstein,  Oesterreich.  F. 

Ri g aut,  Secretär  der  Societe  academique  des  Sciences,  St.  Quentin.  B. 

Roh  rau  er,  Georg,  k.  k.  Telegraphenamtsleiter,  Ottocac.  F. 

Römer,  Seine  Hochw.  Florian,  Phil.  Dr.  Professor,  Pesth.  F. 

Rost,  Gustav,  Schichtmeister,  Nirschau,  Böhmen.  F. 

Edler  v.  Rosthorn,  Adolph,  Werksbesitzer,  Prävali,  Kärnthen.  F. 

Freiherr  v.  Rothschild,  Anselm,  Werksbesitzer  u.  s.  w.  F. 

Freiherr  v.  Rothschild,  Jakob,  k.  k.  Generalconsul,  Paris.  B. 

Rotte r.  Seine  Hochw.  und  Gnaden,  Johann  Nep.  Ignaz,  Dr.,  Commandeur, 
Prälat  von  Brewnow  und  Braunau,  Böhmen. 

Ru  st  ler,  Rudolph,  Med.  Dr.  Chefarzt  des  22.  k.  k.  Feldjäger-Bataillons,  Karl- 
stadt, Croatien.  F. 

Sabljar,  Michael,  k.  k.  Major  in  Pension,  Goljak  bei  Sused,  Agram.  F. 
Saemann,  Ludwig,  Geologe,  Paris. 

Freiherr  v.  Sallaba,  Seine  Exc.  Johann,  Grosskreuz,  k.  k.  w.  Geh.  Rath, 
F.  M.  L.,  Obersthofmeister  Seiner  kaiserlichen  Hoheit  des  hochw. -durchl. 
Herrn  Erzherzogs  Wilhelm.  B. 

Graf  Sändor  v.  Slavnicza,  Moriz,  k.  k.  w.  Kämmerer,  Gutsbesitzer.  F. 
Sapetza,  Joseph,  Lehramtscandidat.  A. 

Sarkäny,  Seine  Hochw.  u.  Gnaden,  Nikolaus,  Th.  Dr.,  Ritter,  Abt  zu  Bakonybel.  F. 
Sars,  Dr.  Michael,  Professor  an  der  Universität  zu  Christiania.  D. 
v.  Sartori,  Franz,  Werksbesitzer,  Steinbrück  bei  Cilly.  E. 

Satter,  Franz  Xaver,  Werksbesitzer,  Schaflos,  Cilly,  Steiermark.  F. 
Sauerländer,  Johann,  Werksbevollmächtigter.  F. 

Saun d er s,  Reginald  F.,  kön.  Grossbrit.  Deputy-Commissioner , Dhurmsala, 
Kangra,  Punjab.  B. 

Scacchi,  Arcangelo,  Neapel.  D. 

Schaarschmidt,  Georg,  k.  k.  Hüttenverwalter  in  Csertest,  Siebenbürgen.  E. 
Scheliessnigg,  Jakob,  Werksinspector,  Klagenfurt. 

Scheller,. Wilhelm,  Secretär  des  Naturhistorischen  Vereines,  Augsburg.  B. 
Scherl,  Theodor,  Fabriksdirector,  Wolfsberg,  Kärnthen.  F. 

Schiff,  Theodor,  Vorstand  des  k.  k.  Telegraphen- Amtes  in  Sign,  Spalato, 
Dalmatien.  F. 

Schmid,  Paul,  Bergverwalter,  Ivanec,  Croatien.  F. 

Schrnidl,  Ignaz,  Bergverwalter,  Locke,  Krain.  F. 

Schmidt,  Hermann,  k.  k.  Ingenieur-Assistent,  Liezen,  Steiermark.  A. 

Freiherr  v.  Schneeburg,  Oswald,  k.  k.  w.  Kämmerer  und  Hauptmann,  Dienst- 
kämmerer Seiner  kaiserlichen  Hoheit  des  durchlauchtigsten  Herrn  Erzherzogs 
Karl  Ludwig.  B. 

Schneider,  Hermann,  Werksleiter,  Kleinzell,  Oesterreich.  F. 

Schnitzel,  Joseph,  k.  k.  Werksverwalter,  Radoboj,  Krapina.  F. 

Schönbuche r,  Alexander,  Berg-  und  Hiittendirector  in  Tergove,  Kostajnica, 
k.  k.  Militärgrenze  des  2.  Banal-  Regimentes.  F. 

Schott,  Ferdinand,  k.  k.  Bergmeister,  Jaworzno,  Krakau.  F. 

Schretter  v.  Wo hlgemuthsheim,  k.  k.  pens.  Rechnungs-Official.  D. 
Schroll,  Joseph,  Bergverwalter,  Fünfkirchen.  F. 

Schuscha,  Franz,  Buchberg,  Cilli.  F. 


XIX 


Schwanberg,  Wenzel,  Comitats-  Ingenieur,  Steinamanger.  F. 

Schwarzer,  Ignaz,  Bergmeister,  Domanin,  Mähren.  F. 

Schwenger,  Karl,  Werksbesitzer,  Wirtatobel,  Vorarlberg.  F. 

Seifert,  Alexander,  Werksbesitzer,  Mies,  Böhmen.  F. 

Seifert,  Alois,  Bergbauunternehmer,  Hohenelbe.  E. 

Seifert,  Cornel,  Werksbesitzer,  Mies,  Böhmen.  F. 

Seykotta,  Mathias  Alois,  jub.  k.  k.  Salz- Speditions- Verwalter,  Wieliczka.  A. 
Sharswood,  Judge,  V.  P.  American  Phil.  Soc.  Philadelphia.  B. 

Sichrovsky,  Heinrich,  General-Secretär  der  k.  k.  a.  pr.  Kaiser-Ferdinands- 
Nordbahn.  F. 

Sieber,  Wilhelm,  Bergverwalter,  Dux,  Böhmen.  F. 

Sieb  er  er.  Seine  Hochw.  P.  Maurus,  Stifts-Prior,  k.  k.  Gymnasial^  Director, 
Kremsmünster.  B. 

Freiherr  v.  Sil  herstein,  Adolph,  Werksbesitzer,  Schatzlar,  Böhmen.  F. 
Simettinger,  Michael,  fürstl.  Lie chtenstein’scher Bergingenieur,  Mährisch- 
Trübau.  E. 

Spiske,  Karl,  Bergverwalter,  Fohnsdorf,  Steiermark.  F. 

Sprung,  Budolpb,  Werksbesitzer,  Voitsberg,  Steiermark.  F. 
v.  Sta  nisavljevic,  Daniel,  k.  k.  Oberfinanz-Bath,  Agram.  F. 

Steinbrecher,  Franz  Sales,  Bürgermeister,  Mährisch-Trübau.  F. 

Stein vorth,  Mitglied  des  Vorstandes  des  naturwissenschaftlichen  Vereines  für 
das  Fürstenthum  Lüneburg.  B. 

Stewardson,  Thomas,  Med.  Dr.,  correspondirender  Secretär  der  Academy 
of  Natural  Sciences  of  Philadelphia.  B. 

Stoliczka,  Ferdinand,  Phil.  Dr.,  Assistent  der  k.  geologischen  Aufnahme  von 
Indien,  Calcutta.  A. 

Storch,  Alois,  B.  Apotheker,  Bokitzan.  F. 

Graf  v.  Strachwitz,  Moriz,  k.  k.  Kämmerer,  Werksbesitzer.  F. 

Strauss,  C.  F.,  Werksbesitzer  zu  Kleinzell,  Oesterreich,  Wien.  F. 
Strippelmann,  Leo,  Berg-  und  Eisenwerksdirector,  Komorau.  Böhmen.  F. 
Strossmayer,  Seine  Exc.  Joseph  Georg,  Th.  und  Phil.  Dr.,  apost.  Vicar, 
k.  k.  w.  geh.  Rath,  Bischof  von  Diakovär.  F. 

Stüdl,  Andreas,  Werksbesitzer,  Prag.  F. 

Stüdl,  Joseph,  Werksbesitzer,  Prag.  F. 

Sturm,  Johann,  Bürger,  Pecka,  Jicin,  Böhmen.  F. 

Sturm,  Vincenz,  Stadt-Steuereinnehmer,  Pecka,  Jicin,  Böhmen.  F. 

Graf  Szesen  v.  Temerin,  Anton,  k.  k.  w.  geh.  Rath  und  Kämmerer,  u.s.  w.  F. 
Szentkiralyi  v.  Komjätszegh,  k.  k.  Berghauptmann.  Zalathna.  F. 
Tempsky,  Friedrich,  Buchhändler,  Prag.  F. 

Thies,  Heinrich,  könig.  preuss. Bergamts-Assessor  A.  D.,  Vassas,  Fünfkirchen.  F. 
Thomas,  Justus,  k.  k.  w.  Bergrath,  Salzburg.  F. 

Ticknor,  Georg,  Directionsmitglied  der  städtischen  Bibliothek,  Boston.  B» 
Topp  er,  Andreas,  Werksbesitzer,  Scheibbs,  Oesterreich.  F. 

Tom  sich,  Peter,  k.  k.  Hafencapitän,  Zara.  F. 

Ritter  v.  Toppo,  Alexander,  Generalsecretär  der  Dampfschifffahrts-Gesellschaft 
des  österreichischen  Lloyd,  Triest.  F. 

Trajer,  Seine  Hochw.  P.  Johann,  Bischöfl.  Consistorial-Archivar,  Budweis.  D. 
Triger,  Geologe,  Paris. 

Tyson,  Philipp  T.,  Staatschemiker,  Annapolis,  Maryland.  D. 

Uranitseh,  Dr.  Anton,  Secretär  der  Handels- und  Gewerbekammer.  Lemberg.  B. 
v.  Urbanitzky,  Karl,  k,  k.  Berghauptmann,  St.  Pölten.  F. 

C* 


XX 


Urfuss,  Franz,  Werksbesifzer,  Dallwitz,  Böhmen.  F. 

Vogel,  Joseph,  Phil.,  Med.  u.  Chir.  Dr.,  k.  k.  Badearzt  in  Vöslau.  u.  s.  w.  A. 
Vogt,  Karl,  Bergverwalter,  Petrovagora,  zu  Topuszko  F. 

Waagner,  Ignaz,  Berg-  und  Hüttenverwalter,  Rüde  bei  Samobor,  Croatien.  F. 
Waberer,  Anton,  k.  k.  Oberlieutenant,  Ingenieur,  Virje,  Beiovar.  F. 

Ritter  v.  Wachtier,  Joseph,  Hohen wang,  Steiermark.  F. 

Graf  v.  Walderdorff,  Rudolph,  k.  k.  w.  Kämmeier,  Hauptmarin  und  Platz- 
Commandant  in  Castel  Lastua  bei  Cattaro.  F. 

Graf  v.  W ald  stein- Warte nberg,  Georg,  Dux,  Böhmen.  F. 

v.  Walther  zu  Herbstenburg,  Alois,  k.  k.  Berghauptmann,  Hall  in  Tirol.  F. 

Wanke,  Friedrich,  Bergdirector,  Wilkiscben,  Böhmen.  F. 

Weber,  Seine  Hochw.  Dr.  Dionys,  Prior  der  Abtei  Bakonybel.  F. 

Weissmann,  Johann,  Jur.  Dr.  k.  k.  w.  Ministerialrath  im  Staatsministerium.  E. 
Wessely,  Ignaz,  Bergverwalter,  Schwarzbach,  Böhmen.  F. 

Reichsgraf  v.  Westphalen-Fürstenberg,  Ritter  des  Oe.  K.  0.  d.  eisernen 
Krone,  Kulm,  Böhmen.  F. 

Graf  v.  Wickenburg,  Seine  Exc.  Mathias  Cons'antin,  Grosskreuz,  k.  k.  w. 

geh.  Rath  und  Kämmerer.  Handelsminister.  B. 

Wiebel,  Med.  Dr.  Prof,  Präsident  des  naturwissenschaftlichen  Vereines  zu 
Hamburg.  B. 

Graf  v.  Wimpffen,  Felix,  Ritler,  k.  k.  w.  Kämmerer  und  Legationsrath  in 
London.  B. 

Wi  nda  kiewic  z,  Eduard,  Grubendirector,  Vassas,  Fünfkircher.  F. 
Wittmann,  Alois,  Director  der  DampfschitFfahrts-Gesellschaft  des  österreichi- 
schen Lloyd,  Triest.  F. 

Wodiczka,  Franz,  k.  k.  Bergverwalter,  Cilli.  F. 

Wo r mustin y,  Eduard,  Assistent  am  Landesmuseum,  Agram.  F. 

Wüllner,  Adolph,  Phil.  Dr.,  Privatdocent  der  Physik,  Univ.  Marburg.  D. 
Young,  Charles  A.,  Professor,  Western  Reserve  College,  Hudson,  Ohio.  B.  E. 
v.  Zanchi,  Franz,  k.  k.  Stadthaltereirath,  Kreisvorstand,  Berghauptmann,  Zara.  F. 
Ritter  v.  Zastavnikovic,  Gideon,  Ritter  des  Oe.  K.  Orden  der  E.  K.  k.  k. 
Oberst  und  Commandant  des  Szluiner  k.  k.  Mil.-Grenz-Regiments,  Karl- 
stadt. F. 

Zech,  Johann,  Bergingenieur,  Reschitza,  Banat.  F. 

Zecic,  Mathias,  k.  k.  Lieutenant,  Carlopago,  croatische  Militäj  grenze.  F. 
Zemlinsky,  Rudolph,  Bergdirector,  Schatzlar,  Böhmen.  F. 

Zerzer,  Karl,  Verweser,  Steyeregg,  Cilli,  Steiermark.  F. 

Zeynek,  Gustav,  Lehrer  an  dem  k.  k.  Theresianischen  katholischen  Waisen- 
hause, Hermannstadt.  E. 

Ritter  v.  Ziernfeld,  Hermann,  Berg-und  Hüttenverwalter,  Kogel,  Steiermark.  F. 
Zittel,  Karl,  Phil.  Dr.,  Heidelberg.  A. 


XXI 


Inhalt. 


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Seite 

Vorwort  III 

Personalstand  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt IX 

Correspondenten  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  aus  den  Jahren  1861  und  1862  . X 

1.  Heft.  Jänner  bis  December  1861. 

I.  Ueber  Herrn  J.  ßarrande’s  Colonien  in  der  Silurformation  Böhmens.  Von 

M.  V.  Lipoid i 

II.  Arbeiten  in  dem  chemischen  Laboratorium  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  Von 

Karl  Ritter  von  Hau  er ß7 

III.  Verzeichnis  der  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  gelangten  Einsendungen  an 

Mineralien,  Gebirgsarten,  Petrefacten  u.  s.  w 72 

IV.  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher, 

Karten  u.  s.  w 75 

2.  Heft.  Jänner,  Februar,  März,  April  1862. 

I.  Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol.  Zweite  Abtheilung.  Von  Ferdinand 

Freiherrn  von  Richthof en 87 

II.  Aus  Herrn  Joach.  B ar ran d e’s  Schrift:  „Defense  des  Colonies,  1.  Groupe pro- 

batoire“  Uebersetzt  von  A.  Fr.  Grafen  Marschall  207 

III.  Bericht  über  die  im  Jahre  1859  ausgeführlen  geologischen  Aufnahmen  bei  Prag 

und  Beraun.  Von  Johann  Krej cl 223 

IV.  Die  neogen-tertiären  Ablagerungen  von  West-Slavonien.  Von  Dionys  Stur  . . . 285 

V.  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  gelangten  Einsendungen 
von  Mineralien,  Gebirgsarten,  Petrefacten  u.  s.  w.  Vom  10.  December  1861  bis 


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VI.  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher, 

Karten  u.  s.  w.  Vom  1.  Jänner  bis  15.  April  1862  306 

3.  Heft.  Mai,  Juni,  Juli,  August  1862. 

I.  Die  geologischen  Verhältnisse  des  südöstlichen  Theiles  von  Unter-Steiermark. 

Von  Theobald  von  Z o 1 li  k o f e r . 31  i 

II.  Die  Quader-  und  Pläner-Ablagerungen  des  Bunzlauer  Kreises  in  Böhmen.  Von 

Johann  Jokely 367 

III.  Pflanzenreste  aus  dem  Basalttuffe  von  Alt-Warnsdorf  in  Nord-Böhmen.  Von  Johann 

Jokely 379 

IV.  Allgemeine  Uebersicht  über  die  Gliederung  und  die  Lagerungsverhältnisse  desßoth- 
liegenden  im  westlichen  Theile  des  Jiciner  Kreises  in  Böhmen.  Von  Joh.  Jokely  381 

V.  Das  Riesengebirge  in  Böhmen.  Von  Johann  Jokely 396 

VI.  Arbeiten  im  chemischen  Laboratorium  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  Von 

Karl  Ritter  v.  Hauer 421 

VII.  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  gelangten  Einsendungen 

von  Mineralien,  Gebirgsarten,  Petrefacten  u.  s.  w.  Vom  15.  April  bis  15.  August  1862  425 

VIII.  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher, 

Karten  u.  s.  w.  Vom  16.  April  bis  15.  August  1862  426 


XXII 


Seite 

4.  Heft.  September,  October,  November,  December  1862. 


I.  Das  Steinkohlengebiet  im  nordwestlichen  Theile  des  Prager  Kreises  in  Böhmen. 

Von  M.  V.  Lipoid 431 

II.  Die  geologischen  Verhältnisse  der  Bezirke  des  Oguliner  und  der  südlichen  Com- 
pagnien des  Szluiner  Regimentes  in  der  Karlstädter  k.  k.  Militärgrenze.  Von 

Dr.  Ferdinand  S toi iczka 526 

III.  Zur  Geognosie  Tirols.  Von  Adolph  Pichl  er 531 

IV.  Arbeiten  im  chemischen  Laboratorium  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  Von 

Karl  Ritter  v.  Hauer 533 

V.  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  gelangten  Einsendungen 

von  Mineralien,  Gebirgsarten,  Petrefacten  u.  s.  w.  Vom  16.  August  bis  15.  Decem- 
ber 1862  537 

VI.  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher, 

Karten  u.  s.  w.  Vom  16.  August  bis  15.  December  1862  539 


Verhandlungen  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt. 

Sitzungsberichte. 

1.  Sitzung  am  15.  Jänner  1861. 

W.  Haidinger,  F.  X.  M.  Zippe’s  siebenzigster  Geburtstag  1.  — Franz 
v.  Hauer,  Fogarascher  Gebirge  1.  — Bausteine  für  den  St.  Stephansthurm  2.  — 
Gümbel,  Scaphites  multinodosus  3.  — M.  V.  Lipoid,  J.  Biefel,  Petrefacten 
aus  Mähren  3.  — K.  v.  Hauer,  R.  Maly,  Ambrit  4.  — Freih.  v.  Andrian, 
geologische  Karte  des  Kaurzimer  und  Taborer  Kreises  5.  — G.  Stäche,  Eocen 
im  nordwestlichen  Siebenbürgen  5.  — Fr.  Foette  r I e,  „Das  Wasser  in  und  um 
Wien“  7.  — P.  Turczmanovich,  Steinsalz  von  Wieliczka 8 

2.  Sitzung  am  29.  Jänner  1861. 

Fr.  Foetterle,  Geschenke  vom  naturwissenschaftlichen  Verein  in  Augs- 
burg 9.  — K.  v.  Hauer,  H.  C.  Sorby,  mikroskopische  Structur  der  Krystalle  9. 

— Sammlung  künstlicher  Krystalle  10.  — W.  Haidinger,  C.  W.  Zenger, 

Mineralien  und  Hüttenprodacte  von  Neusohl  10.  — Th.  v.  Z ol  1 i ko  f e r,  Gratzer 
Tertiärbecken  11.  — W.  Haidinger,  Dank  an  Zollikofer  12.  — D.  Stur, 
Retjezat-Gebirg  12.  — H.  Wolf,  Körösthal  14.  — F.  Stoliczka,  Petrefacte 
aus  den  Südalpen  16.  — W.  Hai  dinge  r,  V.  v.  Zepharovich,  terminologische 
Sammlung  der  Universität  Krakau 18 

3.  Sitzung  am  26.  Februar  1861. 

M.  V.  Lipoid,  Aufnahmen  in  der  Umgegend  von  Olmütz  19.  — Ed.  Klesz- 
czynski,  Eruptivgestein  und  Cokes  von  Prziwos  19.  — F.  v.  Hochstetter, 
dessgleichen  von  Hruschau  19.  — Fr.  v.  Hauer,  Burzenländer  Gebirge  20.  — 

H.  Wolf,  geologische  Aufnahmen  in  Mähren  20.  — Gebirgsarten,  gesendet  von 
Herrn  Ambros  22.  — Mastodonknochen  von  Atzgersdorf  22.  — Fr.  Foetterle, 

J.  B.  Kraus,  Montanhandbuch  22.  — F.  v.  Ho  chst etter,  Schreiben  des  Herrn 
H.  Ulrich  aus  Australien 23 

4.  Sitzung  am  12.  März  1861. 

M.  V.  Lipoid,  J.  Jokely,  Rothliegendes  im  Jiciner  Kreise  29.  — Roth- 
liegendes  bei  Schwarzkosteletz  und  Böhmischbrod  30.  — G.  Stäche,  Quell- 
gebiet des  kleinen  Szamos  31.  — K.  v.  Hauer,  Analyse  von  Donauwasser  34.  — 

W.  Haidinger,  fliessendes  Wasser  nimmt  nicht  Kohlensäure  aus  der  Luft  auf  36. 

— Herrn.  Dauber  todt  36.  — Wollaston-Medaille  38.  — Wahlen  der  geologi- 

schen Gesellschaft  in  London  38.  — O.  Freih.  v.  Hingenau,  allgemeine  Ver- 
sammlung des  Werner-Vereines 38 

5.  Sitzung  am  16.  April  1861. 

W.  Haidinger,  Berichte  über  unsere  Sitzungen  im  „Berggeiste“  39.  — 

Fr.  v.  Hauer,  W.  Gümbel,  die  bayerischen  Alpen  39.  — Bronn’s  von  der 
Pariser  Akademie  gekrönte  Preisschrift  45.  — N.  Woldrich,  Becken  von 
Eperies  46.  — Ammoniten  von  Mariathal  bei  Stampfen  46.  — Curioni,  „ sulla 
Industria  del  ferro“  47.  — M.  V.  Lipoid,  Kreideformation  im  Prager  und  Bunz- 
lauer  Kreise  48.  — K.  v.  Hauer,  krystaliogenetische  Studien  49.  — H.  Wolf, 


XXIII 


Seite 

Tertiär  und  Diluvium  zwischen  OJmütz  und  Brünn  51.  — Fr.  Foetterle, 

J.  Leinmüller,  Petrefacten  von  Gurkfeld 53 

6.  Sitzung  am  30.  April  1861. 

W.  Kaidinger,  Karten  und  Jahrbuch  an  Seine  k.  k.  Apostol.  Majestät  54. 

— Sommerplan  für  1861  54.  — Localitäten  der  Anstalt  55.  — Verein  zur  Ver- 
breitung naturwissenschaftlicher  Kenntnisse  55.  — K.  v.  Hauer,  Quellen  von 
Mauer  56.  — Dr.  K.  Peters,  geologische  Verhältnisse  des  Baranyer  Comita- 
tes  58.  — M.  V.  Lipoid,  J.  Jokely,  das  Riesengebirge  in  Böhmen  59.  — 

D.  Stur,  Tertiäres  in  Südwest-Siebenbürgen  59.  — F.  Freih.  v.  Andrian, 
Granitgebiet  von  Beneschau  61.  — Fr.  Fo  etterle,  geologische  Uebersichts- 


karte  des  Banates  62.  — W.  Haidinger,  Danksagung 62 

7.  Sitzung  am  28.  Mai  1861. 

Fr.  Foetterle,  A.  Letocha  schenkt  Tertiär-Petrefacten  63.  — W.  Hai- 


dinger, Miethe  des  Local  es  für  die  Anstalt  erneuert  63.  — Unabhängige  Stellung 
der  Anstalt  angeordnet  63.  — Hauynfels  von  Ditro  64.  — Forcherit  64.  — 
Grund-  und  Profilrisse  über  die  Gangzüge  des  Oberharzes  66.  — Fr.  v.  Hauer, 
Petrefacten  aus  dem  Bakonyerwald  67.  — M.  V.  Lipoid,  geologische  Karte 
von  Böhmen  68.  — H.  Wolf,  Correspondenzen  der  Herren  F.  Römer  und 
Göppert  69.  — W.  Haidinger,  Schlusswort 70 

Monatsberichte. 

Bericht  vom  30.  Juni  1861. 

Audienz  des  Directors  bei  Seiner  k.  k.  Apostolischen  Majestät  71.  — 
Berichterstattung  Schrotte r’s  in  der  feierlichen  Sitzung  der  Kaiserlichen 
Akademie  der  Wissenschaften  71.  — Fr.  v.  Hauer’s  Festrede  in  dieser  Sitzung  71. 

— J.  Richter  erhält  das  silberne  Verdienslkreuz  mit  der  Krone  71.  — Geogra- 
phische Gesellschaft  72.  — Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  72.  — 
Berichte  von  M.  V.  Li  po  1 d aus  Hollaubkau  72.  — von  J.  J o k e 1 y aus  Jicin  73. 

— von  Fr.  v.  Hauer  aus  Raab  73.  — H.  Wolf,  Aufsammlung  von  Tertiär- 
Petrefacten  in  Mähren  73.  — Einsendungen  von  Mineralien  und  Druckwerken  . 74 

Bericht  vom  31.  Juli  1861. 

Seine  kais.  Hoheit  Erzherzog  Rainer  besucht  die  Anstalt  75.  — Berichte  von 
M.  V.  Lipoid  aus  Kolin  75.  — von  J.  Jokely  aus  Schatzlar  72.  — von  Fr. 
v.  Hauer  aus  dem  Vertesgebirge  und  dem  Bakonyerwalde  76.  — von  F.  Sto- 
liczka  aus  Güns  78.  — von  Fr.  Foetterle  aus  Warasdin  und  über  den  Avanza- 
Graben  im  Venetianischen  78.  — von  H.  Wolf  aus  Belovär  79.  — Analyse  von 
Mineralwässern  aus  Kärnthen  79.  — Einsendungen  und  Geschenke  der  Herren 
Schmidt  in  Lietzen,  M aryska  in  Liebstadt],  Sapetza,  Müller  in  Melbourne, 

Th.  Oldham  in  Calcutta  79.  — Einladungen  zu  Versammlungen 80 

Bericht  vom  31.  August  1861. 

Berichte  von  M.  V.  Li  p o ld  aus  Neu-ßidschow  81. — von  Freih.  v.  Andrian 
aus  Chotebor  81.  — von  J.  Jo k e ly  aus  Schwadowitz  81.  — von  F.  Foetterl  e 


aus  Agram  82.  — von  D.  Stur  aus  Posega  83.  — von  H.  Wolf  aus  Warasdin  83. 

— von  Fr.  v.  Hauer  aus  dem  Bakonyerwalde  83.  — K.  v.  Hauer,  Untersuchung 
des  Suliguli-Säuerlings  85.  — Untersuchung  der  Quelle  von  Mauer85. — F.  Schott, 
Galmei  von  Dlugoszyn  85.  — A.  Breithaupt,  Paradoxit  86.  — Einsendungen 
von  Mineralien  und  Druckwerken  durch  die  Herren  Freih.  v.  Merck,  Sapetza, 
Delesse  86.  — M.  A.  Seykotta,  Salzerzeugung  in  Wieliczka 87 


Sitzungsberichte. 


Sitzung  am  19.  November  1861. 

W.  Haidiger,  Jahres-Anspraehe 89 

M.  V.  Lipoid,  geologische  Karte  der  Umgebungen  von  Pardubitz  und  Elbe- 
teinitz  105.  — K.  v.  Hauer,  Quellen  von  Gars  t07.  — Fr.  Foetterle,  Fahlerz- 
vorkommen im  Avanzagraben  107.  — Einsendungen 108 

Sitzung  am  3.  December  1861. 

Fr.  F o ette  r 1 e , Collectiv-Ausstellung  von  fossilen  Brennstoffen  für  Lon- 


don 109.  — Fr.  v.  Hauer,  geolog.  Uebersichtskarte  von  Südwest-Ungarn  110.  — 


XXIV 


Seite 

B.  v.  Cotta,  Erzlagerstätten  112.  — Dr.  F.  Stoliczka,  krystallinisehe  Schiefer- 
gebilde in  Südwest-Ungarn  114.  — K.  v,  Hauer,  Verhalten  von  Metallen  in  der 
Flamme  von  Schwefelkohlenstoff  115.  — D.  Stur,  geologische  Karte  von  West- 
Slavonien  115.  — M.  V.  Lipoid,  Einsendungen  der  Herren  Dr.  Müllner, 

Freih.  v.  Merck,  J.  Sapetza  und  Frau  Jos.  Ka bl i k 118 

Sitzung  am  17.  December  1861. 

Dr.  M.  Hörnes,  Lieferung  14 — 15  der  „fossilen  Mollusken  des  Tertiär- 
beckens  von  Wien“  119.  — Dr.  F.  Zirkel,  Gesteine  des  Melegyhegy  121  — 

Fr.  Foetterle,  geologische  Karte  von  Croatien  123.  — Dr.  G.  Stäche, 
jüngere  Tertiärschichten  des  Bakonyer  Waldes  124.  — Freih.  v.  Andrian, 
geologische  Karte  des  Czaslauer  und  Chrudimer  Kreises  127.  — M.  V.  Lipoid, 
Petrefacte,  gesendet  von  K rejci  128.  — Fr.  v.  Hauer,  Binkhorst  über  die 
Gasteropoden  der  oberen  Kreide  von  Limburg  129.  — A.  Pichler,  Fossilien  der 
Hierlatz-Schichten  in  Tirol  130.  — C.  W.  Gümbel,  die  Dachsteinbivalve  130.  — 

W.  Haidinger,  Druckwerke  von  L.  Hohenegg  er  (Karte  der  Nord-Karpa- 
then) 131  — und  Baronin  L.  v.  Kotz  (Was  ich  erlebte!)  133.  — Schlusswort  . 133 

Sitzung  am  7.  Jänner  1862. 

M.  V.  Lipoid,  Galmei  und  Braunkohlenbergbau  in  Ivanec  135.  — Karl 
v.  Hauer,  Kohle  der  Beatensglückgrube  139.  — D.  Stur,  fossile  Pflanzen  von 
Miröschau,  Bras  und  Swina  140.  — Dr.  Braun,  fossile  Pflanzen  von  Bayreuth  143. 

— Dr.  G.  S ta  c h e,  Basaltterrain  am  Plattensee  145.  — W.  Haidinger,  Jahr- 
buch, Bd.  XII,  Heft  1 148.  — Barrand  e’s  Defense  des  Colonies  148.  — 

C.  v.  E t ti  n gsh  aus  e n , Reelnmation  151.  — Geognostische  Karte  der  Banater 
Domäne  152.  — Bücher 152 

Sitzung  am  21.  Jänner  1862. 

E.  S u ess,  Brief  über  die  Barr  and  e’schen  Colonien  153.  — F.  F o e tte  rl  e, 
Braunkohlenvorkommen  von  Valdagno  154.  — M.  V.  Lipoid,  Basalte  von  Pardu- 
bitz 155.  — H.  Wolf,  das  Vrdnik-Gebirge  158.  — Dr.  F.  Stoliczka,  Reste  der 
Diluvialzeit,  gesendet  von  Herrn  Boucher  de  Perthes  160.  — Fr.  v.  Hauer, 
Triaskalke  im  Bakonyer  Wald  164.  — Ammoniten  aus  dem  Medolo 166 

Sitzung  am  4 Februar  1862. 

W.  H a i d i n g e r , K.  C.  v.  Leonhard  todt  167.  — J.  Jokely,  Professor 
am  Josephs-Polytechnicum  in  Ofen  168.  — J.  Jokely,  Geologisches  aus  dem 
Königgrätzer  Kreise  169.  — M.  V.  Lipoid,  Eisensteinlager  in  der  Silurforma- 
tion in  Böhmen  175.  — F.  Freih.  v.  Andrian,  Gneisse  aus  dem  Czaslauer  und 
Chrudimer  Kreise  177.  — P.  v.  Tchihatchef,  der  Vesuv  im  December  1861  . 179 

Sitzung  am  18.  März  1862. 

W.  Hai  d i n ge  r,  Vor-Ausstellung  für  London  183.  — Besuch  S ei  n e r k.  k. 
Apostolischen  Majestät  184.  — J.  J o k e ly’s  erste  Vorlesung  in  Ofen  188.  — 
Besucher  der  Anstalt  für  Dinstag  eingeladen  189.  — Granit  von  Bregenz,  gesendet 
von  Freih.  v.  Seyffertitz  189.  — K.  v.  H auer,  Untersuchung  von  Cokes  189. 

— Freih.  v.  Hingenau,  General-Versammlung  des  Werner-Vereines  189.  — 

Fr.  v.  Hauer,  Vorkommen  von  Phosphorverbindungen  im  Mineralreich  190.  — 

Fr.  Posepny’s  geognostische  Karte  des  Mittellaufes  der  Lapos  192.  — 

Al.  v.  Pävai,  Petrefaeten  aus  Nordost-Siebenbürgen  194.  — Ad.  Pichler,  zur 
Geognosie  des  Haller  Salzberges  194.  — M.  V.  Li p old,  Gänge  am  Giftherge  195. 

— Fr.  Foetterle,  K.  Gregory,  Naphthaquellen  in  Galizien  196.  — D.  Stur, 

Prof.  Braun,  Pflanzenlager  von  Veitlahm  199.  — Uebersichtsaufnahme  von 
West-Slavonien  200.  — K.  M.  Paul,  Verrucano  und  Werfener  Schiefer  im 
Bakonyer  Walde 205 

Sitzung  am  1.  April  1862. 

W.  Haidinger,  J.  Barrande’s  Defense  de  Colonies  207.  — Jahres- 
versammlung der  geologischen  Gesellschaft  in  London  209.  — Photographien  von 
- C.  v.Renard  und  Al.  P e r r e y 210.  — Dr.  G.  Stäche,  Eocenablagerungen  im 
Bakonyer  Wald  210.  — K.  v.  Hauer,  Untersuchung  der  Kohlen  von  Reschitza 
und  Steierdorf  212.  — Fr.  Foetterle,  Lagerungsverhältnisse  dieser  Kohlen  214. 

— H.  Wolf,  geologische  Aufnahme  der  Warasdiner  Grenzregimenter  215.  — 

Dr.  F.  Stoliczka,  jüngere  Tertiärschichten  in  Süd west-Ungarn 


217 


XXV 


Seite 

Sitzung  am  29.  April  1862. 

W.  Haidinger,  Karten  und  Druckwerke  an  Seine  k.  k.  Apostolische 
Majestät  219.  — Sommerplan  für  1862  221.  — Schwefelwasser  von  Hryniawa 
222.  — Freih.  v.  Härdtl’s  „Heilquellen  des  österreichischen  Kaiserstaates“  223. 

— H.  Wolf,  Profil  der  Kaiserin  Elisabeth-Westbahn  223.  — M.  V.  Lipoid, 
Eisensteinlager  der  Silurformation  in  Böhmen  224.  — Petrefacten,  gesendet  von 
Fr.  Jos.  K ablik,  J.  F.  Kutschker  und  Fr.  Posepny  225.  — K.  M.  Paul, 
Rhätische,  Lias-  und  Jura-Bildungen  im  Bakonyer  Gebirge  226.  — H.  Wolf,  das 


Kalnikgebirge  229.  — W.  Hai  dinge  r,  Schlusswort . 230 

Die  allgemeine  Farbentafel  für  die  10  geologisch-colorirten  Karten  der  inter- 
nationalen Ausstellung  in  London 231 


Monatsberichte. 

Bericht  vom  31.  Mai  1862. 

Audienz  des  Directors  bei  Seiner  k.  k.  Apostolischen  Majestät  233. 
— Begünstigung  der  Geologen  der  Anstalt  durch  Freikarten  233.  — Berichte  der 
Herren  M.  V.  Lipoid,  H.  Wolf,  Freih.  v.  Andrian  und  K.  Paul  aus  Ost- 
Böhmen  234.  — von  D.  Stur  aus  Karlstadt  234.  — von  Dr.  F.  Stoliczka  aus 
Ogulin235.  — von  Dr.  G.  Stac  h e aus  Zara235.  — Geschenke  von  Büchern  236. 
— Das  Skelet  von  Cervus  Euryceros  in  den  Thiergarten  übertragen  237.  — 


Zweites  Heft  des  Jahrbuches  vollendet 237 

Ber  eht  vom  30.  Juni  1862. 

W.  Haidinger  zum  wirklichen  Hofrath  ernannt  238.  — Berichte  von  M.  V. 
Lipoid  aus  Policzka  238.  — von  Freih.  v.  Andrian  aus  Deutschbrod  239.  — von 
C.  M.  Paul  aus  Brandeis  239.  — von  Dr.  F.  Stoliczka  aus  Ogulin  239.  — von 


D.  Stur  aus  Samobor  240.  ■ — von  Fr.  v.  Hauer  und  Dr.  G.  Stäche  aus  Spa- 
lato  241.  — von  Fr.  Foetterle  aus  Zen gg  241.  — Ausstellung  in  London  243. 
— C.  W.  Gümbel’s  Werk  über  die  bayerischen  Alpen  243.  — N.  St.  Maske- 
lyne,  Meteoriten  des  Britischen  Museums  244.  — Brief  von  Freih.  v.  Richt- 


hofen aus  Calcutta  244.  — Geschenke  an  Mineralien,  Büchern  u.  s.  w 245 

Wilhelm  Haidinger:  „Der  Boden  der  Stadt  Wien , von  Ed.  Suess  . . . 247 

Bericht  vom  31.  Juli  1862. 

Fünf  Medaillen  in  London  uns  zuerkannt  251.  — Berichte  von  M.  V.  Lipoid 
aus  Policzka  252.  — von  Freih.  v.  Andrian  aus  Neu-Reichenau  253.  — von 
C.  M.  Paul  aus  Chotzen  253.  — von  H.  Wolf  über  das  Rothliegende  253.  — 
von  Fr.  Foetterle  aus  Ottocac  254.  — von  D.  Stur  aus  Petrinia  256.  — von 


Fr.  v.  Hauer  und  Dr.  G.  Stäche  aus  Spalato  257.  — Ed.  Suess,  alpine  Trias- 
Petrefacten  vomHimalaya  258.  — Frau  Jos.  Kablik  sendet  Fische  aus  dem  Roth- 
liegenden  von  Hohenelbe  259.  — DesCloizeaux,  Manuel  de  Mineralogie  259. 

— K.  Naumann,  Lehrbuch  der  Geognosie  259.  — Auszeichnungen  den  Herren 
D.  G.  Kieser,  Rokitansky  und  Hyrtl  verliehen  ...........  259 

Sitzungsberichte. 

Sitzung  am  4.  November  1862. 

W.  Haidinger,  Jahres-Ansprache 261 

F.  v.  Hochstetter,  Publicationen  der  Novara-Expedition  280.  — Dank  für 
eine  Kohlensammlung  280.  — Fr.  v.  Hauer,  Gümbel’s  Werk  über  die  bayeri- 
schen Alpen  280.  — M.  V.  Lipoid,  Karte  des  Silurterrains  in  Böhmen  284.  — 

Dr.  F.  Stoliczka,  Abschiedsworte  285.  — Fr.  v.  Hauer,  Antwort 285 

Sitzung  am  18.  November  1862. 

E.  Suess,  Säugethier-Reste  vom  k.  k.  Hof-Mineraliencabinete  acquirirt  286. 

— Fr.  v.  Hauer,  Paralleltafeln  für  die  Farbenschemata  der  Karten  der  k.  k. 
geologischen  Reichsanstalt  287.  — M.  Y.  Lipoid,  Aufnahmen  in  Böhmen  288. 

— K.  v.  Hauer,  Kohlen-Untersuchungen  288.  — Fr.  Foetterle,  Kohlen- 
vorkommen im  Neograder  Comitat  290.  — Mammuthreste  von  Kasperowce  . . . 290 

Sitzung  am  2.  December  1862. 

E.  v.  Mojsisovics,  Lagerung  der  Hierlatz  - Schichten  291.  — M.  V. 
Lipoid,  Erzvorkommen  von  Raibl  292.  — D.  Stur,  Fisch-  und  Pflanzenreste 
von  Hohenelbe  293.  — F.  Römer  silurische  Schichten  von  Zaleszczyki  294.  — 

K.  Paul,  Aufnahmen  im  östlichen  Böhmen  295.  — H.  Wolf,  Tertiärpetrefacten 
von  Jaromieric  297.  — Fr.  Fo  etterle,  geologische  Karte  der  Licca  . ....  298 

K,  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  IV.  Heft. 


D 


Sitzung  am  16.  December  1862. 

M.  Y.  Lipoid,  Eisensteinvorkommen  von  Prasberg  299.  — Mineralien  aus 
Klein-Asien,  geschenkt  von  M.  L i 1 1 v.  L i 1 i e n b a c h 299.  — Freih.  v.  A n d r i a n, 
Eisensteinvorkommen  vom  Kohlberg  und  Kogelanger  300.  — K.  v.  Hauer,  Anti- 
monerze von  Pinkafeld  302.  — Eisensteine  vom  Kohlberg  und  Kogelanger  302. 
— H.  Wolf,  Geologie  des  Chrudimer  und  Czaslauer  Kreises  303.  — W.  Haidin- 
ger, Glimmer-Pseudornorphosen  nach  Cordierit  von  Greinburg  304.  — Franz 
v.  Hauer,  zur  Gedgnosie  Tirols,  von  A.  Pichler  304.  — Fossilien  aus  dem 
Tegel  von  Olmütz,  gesendet  von  J.  N.  W o 1 d ric h 304.  — Naturwissenschaft- 
licher Verein  für  Steiermark  305.  — Bericht  über  die  geologische  Landesauf- 
nahme von  Italien,  von  Q.  Sella 


JAHRBUCH 


DER 


KAISERLICH  - KÖNIGLICHEN 


GEOLOGISCHEN  REICHSANSTALT. 


JAHRGANG  1861  UND  1862.  XII.  BAND. 
NB0  1.  JÄNNER  BIS  DECEMBER  1861. 


WIEN. 

AUS  DER  K.  K.  HOF-  UND  STAATSDRUCKEREI. 


BEI  WILHELM  BRAUMÜLLER,  BUCHHÄNDLER  DES  K.  K.  HOFES. 


■ 


- 


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I.  lieft. 


12.  Band.  1861  ».1861  JAHRBUCH 

DER 

KAIS.  KÖN.  GEOLOGISCHEN  REICHS-ANSTALT. 


I.  Ueber  Herrn  J.  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur- 

Formation  Böhmens. 

Von  M.  V.  Lipoid, 

kaiserlich-königlichem  wirklichen  Bergrathe. 

(Mit  2 Tafeln  und  3 Holzschnitten.) 

Vorgelegt  in  der  Sitzung  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  am  11.  December  1860. 


V o r w o r t. 

In  dem  Terrain  der  sibirischen  Grauvvackenformation  Böhmens,  welches  durch 
die  langjährigen  unermüdlichen  Arbeiten  des  gelehrten  und  hochverdienten  Natur- 
forschers Herrn  Joachim  Barrande  für  die  Paläontologie  ein  „classischer  Boden44 
geworden  ist,  hat  wohl  keine  Erscheinung  eine  so  grosse  Sensation  unter  den 
Geologen  hervorgerufen,  als  jene  der  „Colonien44.  Es  ist  bekannt,  dass  Herr 
Barrande  gewisse  isolirte  Partien  von  Schichten  aus  seiner  obersilurischen  Etage 
E,  welche  zwischen  Schichten  seiner  untersilurischen  Etage  D auftreten,  mit  dem 
Namen  „Colonien44  belegt  hat  und  annimmt,  dass  die  ersteren  in  normaler 
Beihenfolge  zwischen  den  letzteren  abgelagert  wurden.  Die  Fauna  der  Colonien, 
welche  jener  der  Etage  E entspricht,  wäre  in  das  böhmische  Silurbecken  zur 
Zeit,  als  daselbst  die  Ablagerungen  der  Etage  D erfolgten,  aus”  einem  ausserhalb 
dieses  Beckens  gelegenen  Meere,  wo  sie  bereits  existirte,  auf  einige  Zeit  „ein- 
gewandert“. 

Als  im  Sommer  des  Jahres  1859  Herr  Johann  Krejci , damals  Lehrer  an  der 
k.  böhmischen  Oberrealschule  zu  Prag,  derzeit  Direetor  der  Oberrealschule  zu 
Pisek,  an  den  Arbeiten  der  I.  Section  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt, 
welche  ich  als  Chefgeologe  zu  leiten  hatte,  Antheil  zu  nehmen  freundlichst  sich 
erbot,  und  die  geologische  Aufnahme  des  ihm  aus  früheren  Forschungen  viel- 
fach bekannten  Terrains  um  und  westlich  von  Prag  übernahm,  hatte  derselbe 
in  dem  über  seine  Arbeiten  im  Monate  August  an  die  Direction  der  k.  k.  geolo- 
gischen Reichsanstalt  erstatteten  Berichte  *)  die  Mittheilung  gemacht,  „dass  er  mit 
grösster  Aufmerksamkeit  den  Verlauf  der  Schichten  in  ihrem  Streichen  verfolgte, 
und  in  Bezug  auf  den  so  wichtigen  Begriff  der  B arr  a n d e’schen  „Colonien“  in 
den  Localitäten  von  Motol  und  dem  Beranka-Wirthshause,  wo  Schichten  mit 
Petrefacten  der  Etage  E in  Schichten  der  Etage  D eingelagert  sind,  sowie  in  der 
von  Gross-Kuhel  zu  der  Annahme  gelangt  ist,  dass  diese  Anomalien 
durch  wirkliche  Dislocationen  erklärt  werden  können“. 

Es  ist  erklärlich,  dass  diese  Behauptung  des  Herrn  Directors  Krej  ei,  welche 
der  bereits  von  hochgeachteten  Geologen  angenommenen  Erklärungsart  des  Herrn 


D Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  X.  Jahrg.,  1859.  Verhandlungen,  S.  112. 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  13.  Band,  1861  uud  1863.  I.  Heit,  1 


2 


M.  V.  Lipoid. 


[2] 


Barrande  über  die  „Colonien“  geradezu  entgegengesetzt  war,  unter  den  Wiener 
Geologen  Aufsehen  erregte,  und  dass  mein  hochverehrter  Freund  Herr  Professor 
Eduard  Suess,  sobald  er  hievon  Kenntniss  erhielt,  nach  Prag  eilte,  um  über 
diese  für  seine  eigenen  paläontologischen  Forschungen  so  hochwichtige  Frage 
Aufklärung  zu  erlangen.  Durch  Herrn  Suess,  und  später  aus  dem  Berichte  der 
k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  für  den  Monat  August  1859  gelangte  auch  Herr 
J.  Barrande  in  die  Kenntniss  von  der  Ansicht  des  Herrn  Krejci  über  die  „Colo- 
nien“. Beiden  Herren  gab  die  Behauptung  des  Herrn  Krejci  Veranlassung,  diesen 
Gegenstand  betreffende  Zuschriften  an  meinen  hochgeschätzten  Lehrer  und 
Director,  Herrn  Hofrath  W.  Haidinger,  zu  richten.  Herr  J.  Barrande  erklärte 
in  seinem  diesfälligen  Schreiben1)  von  Prag  den  17.  October  1859,  dass  „er 
gegen  diese  angebliche  Entdeckung“  des  Herrn  Krejci  „protestire “,  — „dass 
die  Colonien  wirklich  eine  anomale  Erscheinung  sind,  und  nichts  mit  den  in  dein 
silurischen  Becken  von  Böhmen  so  gewöhnlichen  Dislocationen  gemein  haben“, 
— und  dass  er  „ohne  zu  wanken,  an  seiner  Lehre  von  den  Colonien  festhalte“. 
Er  theilte  mit,  dass  er  demnächst  seine  Lehre  von  den  Colonien  in  einer  Arbeit 
darstellen2)  und  dieselbe  auf  Thatsachen  stützen  werde,  welche  man  in  den  zu- 
nächst bei  Prag  gelegenen  Colonien,  die  er  „Colonie  Zippe“,  „Colonie  Haidinger“ 
und  „Colonie  Krejci“  benannte,  beobachtet.  Auch  Herr  Professor  E.  Suess 
erklärte  sich  in  seinem  Schreiben  von  „Wien,  November  1859“  3)  für  die  Ansicht 
des  Herrn  Barrande,  stützte  sich  jedoch  hauptsächlich  auf  Thatsachen,  welche 
der  „Colonie  Zippe“,  die  in  der  „Bruska“  in  Prag  seihst  liegt,  entnommen  wurden, 
uud  meint,  „dass  in  der  Bruska  von  einer  Erklärung  der  Vorkommnisse  durch 
Schichtenstörung  keine  Rede  sein  könne“,  und  dass  man  es  an  dieser  Stelle 
„sicher  mit  einer  ursprünglichen  Einlagerung,  einer  Colonie,  und  nicht  mit  einer 
Schichtenstörung  zu  thun  habe“. 

Diese  Erklärungen  der  beiden  gelehrten  Herren  bestimmten  Herrn  Hofrath 
Haidinger  in  seinem  Schreiben  vom  18.  Februar  1860  an  Herrn  Barrande  die 
Meinung  auszusprechen,  „dass  die  Behauptung  des  Herrn  Krejci  auf  einer  Täu- 
schung und  nicht  auf  Thatsachen  beruhe,  und  dass  die  Colonien  neuerdings  an 
Terrain  gewonnen  hätten“.  Als  jedoch  Herr  Director  Krejci  im  Monate  April 
1860  den  Bericht  über  seine  im  Sommer  1859  für  die  Reichsanstalt  ausgeführten 
geologischen  Aufnahmen  dem  Herrn  Hofrathe  Haidinger  zur  Vorlage  brachte, 
und  in  diesem  Berichte4)  nicht  nur  seine  Ansicht  über  die  Colonien  theilweise  voll- 
ständig aufrecht  erhält,  sondern  auch  Thatsachen  anführt,  welche,  deren  Rich- 
tigkeit vorausgesetzt,  die  Lehre  des  Herrn  Barrande  über  die  Colonien  in  der 
That  zu  erschüttern  vermöchten,  — so  veranlasste  dieser  Zwiespalt  der  Meinungen 
den  Herrn  Hofrath,  mich  mit  folgendem  Aufträge  zu  beehren: 

„Seiner  u.  s.  w.  Herrn  M.  V.  Lipol  d,  k.  k.  w.  Bergrathe  und  Chefgeologen 
der  I.  Section  in  Böhmen. 

Hochgeehrter  Herr  k.  k.  Bergrath!  In  der  Frage  der  Barrande’schen  Colo- 
nien ist  im  Verlaufe  der  Detail- Aufnahme  des  diesjährigen  Sommers  eine  einge- 
hende Untersuchung  durch  den  vielerfahrnen  Chefgeologen  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt  in  dem  betreffenden  Bezirke  höchst  wichtig  und  unerlässlich. 

Ich  ersuche  Euer  Hochwohlgeboren  daher  an  Einer  der  „Colonien“,  wo  Herr 
Professor  Krejci  eine  von  der  des  Herrn  Barrande  verschiedene  Ansicht  sich 


!)  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  X.  Jahrgang,  1859.  Seite  479. 

2)  Ist  seitdem  erschienen. 

3)  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  X.  Jahrgang,  1859.  Seite  491. 

4)  Derselbe  wird  im  nächsten  Hefte  des  Jahrbuches  erscheinen. 


Ueber  Herrn  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


3 


[3] 


gebildet  hat,  alle  Verhältnisse  so  genau  zu  untersuchen  und  hinlängliche  Auf- 
sammlungen von  Fossilresten  einzuleiten,  um  zu  einem  sicheren  Schlüsse  zu 
gelangen,  so  dass  kein  Zweifel  übrig  bleibt.  Es  ist  gleichgiltig,  welche  dieser 
Colonien  dazu  ausgewählt  wird;  je  klarer  die  Verhältnisse,  desto  wünschens- 
werther  für  die  eigene  Untersuchung  sowohl,  als  um  andere  Geologen  darauf 
hinweisen  zu  können. 

Ich  ersuche  E.  H.  für  die  Erfolge  der  Untersuchung  an  diesem  Orte  sodann 
seiner  Zeit  bei  den  Ausarbeitungen  im  Herbste  und  Winter  eine  monographische 
Darstellung  vorzubereiten. 

Mit  ausgezeichneter  Hochachtung  u.  s.  w. 

Wien,  den  28.  Mai  1860.  W.  Hai  ding  er  m/p.“ 

Dies  ist  die  Veranlassung,  aus  welcher  ich  mich  an  der  Frage  über  die 
„Colonien"  im  böhmischen  Silurbecken  betheilige.  Gewiss  wird  es  Niemand 
wundern,  dass  der  Auftrag  meines  hochverehrten  Chefs,  so  ehrenvoll  und  schmei- 
chelhaft er  mir  einerseits  erscheinen  musste,  mich  andererseits  in  eine  peinliche 
Lage  versetzte.  Galt  es  doch  eine  Frage  wo  möglich  zur  Entscheidung  zu 
bringen,  welche  bereits  von  so  hochgestellten  Autoritäten  der  Wissenschaft,  wie 
Barrande,  Murchison,  Lyell,  Bronn,  Suess  u.  a.  besprochen  und  als 
entschieden  betrachtet  wurde!  — mit  der  Aussicht,  entweder  diesen  Autoritäten, 
deren  vielfache  Erfahrungen  die  meinigen  bei  Weitem  übertreffen,  — oder  meinem 
verehrten  Freunde,  Herrn  Director  Krejci,  der  die  Frage  wieder  in  Anregung 
brachte,  und  in  dessen  genaue  kenntnissreiche  Beobachtungen  ich  volles  Vertrauen 
zu  setzen  Grund  hatte,  entgegentreten  zu  müssen!  Doch,  hier  galt  kein  Zögern; 
— dem  Aufträge  meines  Herrn  Chefs  musste  Folge  geleistet  werden,  und  so 
machte  ich  mich  denn  an  die  Lösung  der  mir  gewordenen  Aufgabe  mit  dem 
ernsten  Vorsatze,  die  Thatsachen,  wie  sie  sind,  gewissenhaft  zu 
erheben  und  mitzutheilen.  Ohne  die  am  nördlichen  Rande  der  obersiluri- 
schen  Ablagerungen  nächst  Prag  befindlichen  Colonien  „Zippe“  und  „Motol“ 
gänzlich  ausser  Acht  zu  lassen,  hatte  ich  doch  vorzugsweise  die  am  südlichen  Rande 
jener  Ablagerungen  nächst  Gross-Kuhel  befindlichen  Colonien  „Haidinger"  und 
„Krejci"  in  das  Bereich  meiner  Untersuchungen  gezogen.  Jedoch  durch  Herrn 
Krejci’s  Erhebungen  darauf  aufmerksam  gemacht,  und  um  überhaupt  ein  klares 
Bild  über  die  betreffenden  Etagen  des  Herrn  Barrande  und  deren  Lagerungsver- 
hältnisse zu  erlangen,  fand  ich  es  nothwendig,  den  Kreis  meiner  Untersuchungen 
über  die  Colonien  hinaus  zu  ziehen,  und  dieselben  an  dem  südlichen  Rande  der 
obersilurischen  Ablagerungen  von  Gross-Kuhel  aus  in  südwestlicher  Richtung  in 
einer  Längenerstreckung  von  ungefähr  3 Meilen,  bis  in  die  Gegend  von  Litten, 
Mnienan  und  Winaric  auszudehnen.  Das  Resultat  dieser  im  Sommer  1860  gepflo- 
genen Untersuchungen  lege  ich  in  den  zwei  angehefteten  geologischen  Karten, 
Taf.  I und  Taf.  II,  und  in  mehreren  Profilen  vor,  zu  deren  Erläuterung  die 
nachfolgenden  Mittheilungen  dienen  sollen.  In  so  weit  die  geologische  Karte, 
Taf.  I,  in  Nordwesten  das  obersilurische  Kalkgebiet  umfasst,  ist  dieselbe  nach  den 
geologischen  Aufnahmen  des  Herrn  J.  Krejci  vom  Jahre  1859  zusammengestellt. 


1* 


M.  V.  Lipoid. 


m 


Einleitung. 

Es  wird  nicht  überflüssig  erscheinen,  der  Mittheilung  über  meine  thatsäeh- 
lichen  Erhebungen  bei  den  „Colonien“  einige  Angaben  über  die  silurischen  Ab- 
lagerungen Böhmens  im  Allgemeinen,  und  über  die  Geschichte  der  „Colonien“ 
insbesondere  vorangehen  zu  lassen. 

Was  nun  die  Ablagerungen  der  Silurformation  Böhmens  im 
Allgemeinen  betrifft,  so  brauche  ich  nicht  erst  daraufhinzuweisen,  dass  es 
Herr  J.  Barrande  ist,  dessen  höchst  werthvollen  und  gediegenen  Arbeiten  die 
gelehrte  Welt  die  erste  genaue  Kenntniss  über  jene  Ablagerungen  verdankt. 
Seine  in  dem  berühmten  Werke:  „ Systeme  Sibirien  du  centre  de  la  Boheme  — 
Par  Joachim  Barrande,  IiSre  Partie,  1852“,  und  zwar  im  „Esquisse  geologique" 
bekannt  gemachte  Einteilung  der  böhmischen  Silur-Ablagerungen  ist  auf  viel- 
jährige Erfahrungen  und  zahlreiche  Thatsachen  gestützt,  und  gründet  sich 
auf  die  Ueberlagerung,  auf  den  paläontologischen,  und  auf  den  petrographischen 
Charakter  der  einzelnen  Glieder.  — Herr  J.  Barrande  unterscheidet  im  böhmi- 
schen Silurbecken  eine  „untersiluris  che“  und  eine  „o be  rsiluris che“ 
Abtheilung,  und  sondert  jede  derselben  in  mehrere  „Etagen“. 

Die  u n t er silur is che  Abtheilung  umfasst  von  unten  nach  oben  die 
Etage  A — krystallinische  Schiefer-Etage; 

* B — Schiefer-  und  Conglomerat-Etage  — beide  „azoisch“,  — petre- 
„ factenleer; 

„ C — protozoische  Schiefer -Etage  — mit  der  „Primordial -Fauna“; 
„ endlich 

„ D — Quarzit-Etage,  welche  die  zweite  Silur -Fauna  Böhmens  beher- 
bergt, und  fünf  mit  dx,  d2 , d3 , d 4 und  db  bezeichnte  Unterabthei- 
lungen erhielt. 

Die  obersilu rische  Abtheilung  mit  der  dritten  Fauna  zerfällt  von 
unten  nach  oben  in  die 

Etage  E — untere  Kalk-Etage; 

„ F — mittlere  „ 

„ G — obere  „ 

„ H — oberste  Schiefer-Etage. 

Diese  Eintheilung  des  Silursystems  in  Böhmen  diente  den  geologischen  Auf- 
nahmen der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  in  diesem  Königreiche  zur  Grundlage, 
und  ist  von  den  betreffenden  Geologen,  wie  es  nicht  anders  zu  erwarten  war,  als 
vollkommen  begründet  befunden  worden.  Indessen  fanden  wir  es  nothwendig, 
zu  unserem  Gebrauche  von  der  Barrande’schen  Bezeichnung  der  einzelnen 
Glieder  der  böhmischen  Silurformation  mittelst  Buchstaben  abzuweichen,  und  statt 
derselben  die  Benennung  der  Glieder  nach  Localitäten,  an  denen  jedes  derselben 
besonders  charakteristisch  oder  verbreitet  auftritt,  vorzunehmen.  Es  geschah 
dies  auf  Veranlassung  des  Herrn  Directors,  nicht  etwa  aus  blosser  Neuerungs- 
sucht, sondern  ans  einem  zweifachen  Grunde.  Einerseits  erschien  es  nämlich 
angemessen,  die  bei  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  übliche,  und  vielfach, 
insbesondere  in  den  Alpen,  angewendete  Bezeichnung  einzelner  Formationsglieder 
nach  Localitäten,  als  diejenige,  welche  von  den  meisten  Geologen  benützt 
wurde  und  am  leichtesten  dem  Gedächtnisse  angeeignet  wird,  auch  bei  der 
Gliederung  der  böhmischen  Silurformation  in  Anwendung  zu  bringen.  Anderer- 


Ueber  Herrn  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


[S] 


s 


seits  fanden  wir  es  nothwendig,  bei  den  geologischen  Aufnahmen  in  der  böhmi- 
schen Silurformation  und  in  den  betreffenden  geologischen  Karten,  welche  zu- 
gleich praktischen  Zwecken  zur  Grundlage  dienen  sollen,  nicht  nur  eine 
Trennung  der  Glieder  auf  Grundlage  der  paläontologischen  Merkmale,  wie  es 
Herr  Barrande  gethan,  sondern  auch  eine  Ausscheidung  derselbennachpe- 
trographis  chen  Unterschieden  vorzunehmen,  wodurch  die  von  den  Geologen 
der  k.  k.  geol.  Reichsanstalt  durchgeführte  Gliederung  der  böhmischen  Silurfor- 
mation rücksichtlich  der  Anzahl  der  Glieder  von  jener  des  Herrn  Barrande 
abweichend  wurde,  und  desshalb  auch  eine  abweichende  Bezeichnung  erheischte. 

Ich  habe  die  in  den  Karten  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  durchge- 
führte Gliederung  der  böhmischen  Silurformation  und  deren  Bezeichnung  bereits 
in  der  Sitzung  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  vom  21.  April  1860  *)  be- 
kannt gegeben,  will  jedoch  hier  dieselbe  mit  der  Bemerkung  wiederholen,  dass 
in  der  bekannt  gegebenen  Gliederung  die  „Kossower  Schichten“,  deren  Aus- 
scheidung erst  später  erfolgte,  fehlen. 

Die  B arr  an de 'sehe  Etage  A wurde  von  uns  als  „Urthonschiefer“  ausge- 
schieden. Die  übrigen  Etagen  des  Herrn  Barrande  erhielten  von  unten  nach 
oben  folgende  Gliederung  und  Benennung: 


1.  Pfibramer  Schiefer 

2.  „ Grauwacke 

3.  Jinecer . Schichten 

4.  Krusnahora  . . 

5.  Komorauer  . . 

6.  Brda  

7.  Vinicer  .... 

8.  Zahoraner  . . . 

9.  Königshofer  . . 

10.  Kossower  . . . 

11.  Littener  . . . 

12.  Kuhelbader  . . 

13.  Konepruser  . . 

14.  Braniker  . . . 

13.  Hluboceper  . . 


(Hostomnicer) 


> B a r r a n d e's 

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H. 

Von  diesen  verschiedenen  „Schichten“  werden  uns  in  der  Folge  fast  aus- 
schliesslich die  „Königshofer“,  die  „Kossower“  und  die  „Littener“  Schichten 
beschäftigen , wesshalb  ich  nur  von  diesen  Schichten  eine  kurze  Beschreibung 
beizufügen  für  nöthig  erachte. 

Die  Königshofer  Schichten  bestehen  aus  Schiefern  von  gelblich- 
oder  braungrauer  Farbe.  Diese  Schiefer  sind  sehr  dünnblätterig,  kurzklüftig 
und  leicht  brüchig,  an  den  Schieferungsflächen  glänzend,  im  Bruche  matt  und 
erdig,  und  enthalten  nur  sehr  wenig  Glimmer,  und  auch  diesen  nur  sparsam  in 
mit  freiem  Auge  kaum  sichtbaren  zarten  Blättchen  beigemengt.  Es  sind  Herrn 
Barrande’s  „schistes  gris-jaundtres“ . Die  Kossower  Schichten  dagegen 
bestehen  aus  Quarz-Sandsteinen  von  verschwindend  kleinem  Korn  und  von 
licht-  und  dunkel-  auch  braungrauer  Farbe.  Nur  Quarz,  mit  feinen  Glimmer- 
blättchen sparsam  gemengt,  bildet  die  Bestandtheile  dieses  Sandsteins,  an 
dessen  Schichtungsflächen  man  meist  pflanzenähnliche  wulstige  Erhabenheiten 
vorfindet.  Er  tritt  in  Schichten  von  i/a  Zoll  bis  zu  1 Fuss  Mächtigkeit  auf. 


D Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  XI.  Jahrgang,  1860.  Verhandlungen,  S.  88. 


6 


M.  V.  Lipoid. 


[•] 


Herr  Barrande  hat  die  Königshofer  und  Kossower  Schichten  in  seiner 
Unterabtheilung  db  der  Etage  D vereinigt,  zweifelsohne  auf  Grundlage  des 
gleichen  paläontologischen  Charakters.  Wir  hatten  die  Schiefer  und  Sandsteine 
dieser  Unterabtheilung  Herrn  Barr  an  de ’s  so  weit  als  möglich  als  „Königshofer“ 
und  „Kossower“  Schichten  besonders  ausgeschieden,  da  sie  einen  verschiedenen 
Einfluss  auf  die  Bodenbeschaffenheit  und  die  Configuration  des  Landes  nehmen. 
Allerdings  treten  die  Königshofer  Schiefer  und  die  Kossower  Sandsteine  auch  in 
Wechsellagerung,  und  so  wie  in  den  Königshofer  Schichten  Lagen  von  sandigen 
Schiefern  und  Sandsteinen,  eben  so  trifft  man  zwischen  den  Sandsteinen  der 
Kossower  Schichten  schiefrige  Mittel  untergeordnet  eingelagert.  Die  Königs- 
hofer Schichten  bestehen  demnach  entweder  ausschliesslich  oder  doch  bei 
weitem  vorwiegend  aus  Schiefern,  während  die  Kossower  Schichten  vorherr- 
schend von  Sandsteinen  gebildet  werden.  Bezüglich  ihrer  Stellung  zu  einander 
haben  ich  und  Herr  Kr  ejci  aus  vielfachen  Beobachtungen  die  bereits  von  Herrn 
Barrande  angeführte  Thatsache  constatirt,  dass  überall,  wo  eine  normale  nicht 
gestörte  Lagerung  zu  finden  ist,  die  Königs hofer  Schichten  die  tiefere 
Lage  einnehmen,  nach  oben  mit  Sandsteinen  in  Wechsellagerung  treten, 
und  endlich  von  den  Kossower  Schichten  überlagert  werden. 

Rücksichtlich  der  Fauna  der  Königshofer  und  Kossower  Schichten  muss  ich 
auf  Herrn  Barrande  V oben  angeführtes  Werk  „ Systeme  silurien  dti  centre  de 
la  Boheme “ hinweisen,  in  welchem,  Seite  69,  die  Fauna  der  Etage  D mitge- 
theilt  wird.  Abgesehen  nämlieh  davon,  dass  ich  in  der  verhältnissmässig  kurzen 
Zeit,  welche  ich  meinen  Erhebungen  über  die  Colonien  widmen  konnte,  unmög- 
lich auf  eine  erschöpfende  Ausbeutung  der  Petrefacten  obiger  Schichten  denken 
konnte,  um  so  weniger,  als  ich  auf  das  bei  den  Colonien  höchst  wichtige  Moment 
der  Feststellung  der  Lagerungsverhältnisse  mein  besonderes  Augen- 
merk richten  musste;  müsste  ich  in  der  That  selbst  auch  nur  den  Versuch,  die 
Resultate  der  erschöpfenden  paläontologischen  Forschungen  des  Herrn 
Barrande  im  böhmischen  Silurbecken  verbessern  zu  wollen,  als  eine  Anmas- 
sung  erklären.  Ich  begnüge  mich  desshalb  aus  Herrn  Barrande's  obigem 
Werke  anzuführen,  dass  ihm  bis  zum  Jahre  1852  seine  Etage  D 23  Genera  mit 
61  Species  von  Thieren  geliefert  hat,  unter  welchen  die  Trilobiten  vorherrschen, 
und  von  welchen  5 — 6 Genera  erst  in  den  Königshofer  und  Kossower  Schichten 
erschienen  sind.  Von  den  bezeichneten  61  Species  sind  fast  alle  der  Etage  D 
eigentümlich,  und  nur  ein  paar  in  die  obersilurische  Etage  E übergegangen. 

Die  „Littener“  Schichten  bestehen  aus  Grünsteinen,  aus  Schiefern 
und  aus  Kalksph äroiden.  Die  Grünsteine  (Trappe)  sind  durchaus  kalk- 
hältig,  und  gehören  in  die  Classe  der  Diabase.  Sie  bilden  die  Basis  der  Littener 
Schichten,  indem  sie  unmittelbar  den  Kossower  Schichten  auflagern,  finden  sich 
aber  auch  in  höheren  Horizonten  innerhalb  der  Schiefer,  in  Wechsellagerung 
mit  diesen,  vor,  so  dass  man  mehrere  successive  Ablagerungen  der  Grünsteine 
annehmen  darf.  Man  trifft  sie  bald,  anderen  Eruptivgesteinen  ähnlich,  in  massi- 
gem Zustande,  bald  schön  geschichtet  in  förmlichen  Bänken  an.  Diese  Grün- 
steine sind  d en  Littener  Schichten  eigenthümlich  , und  wir  haben 
sie  in  normaler  Lagerung  in  den  tieferen  Kossower  und  Königs- 
hofer Schichten  nicht  vo rgefu nden *).  — Die  Schiefer  der  Littener 


J)  Allerdings  treten  Trappgesteine  auch  in  den  tieferen  Schichten  der  Etage  D des  Herrn 
Barrande,  nämlich  in  den  „Komorauer  Schichten“,  wohl  auch  in  den  Zahoraner 
Schichten  auf.  Die  Trappgesteine  der  Komorauer  Schichten  unterscheiden  sich  jedoch 
theils  durch  ihre  Schalstein-  und  Mandelsteinbildung,  theils  durch  die  Begleitung  von 


Ueber  Herrn  ßarrande's  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


7 


F] 

Schichten  sind  dünnblätterig,  im  Bruche  erdig  oder  sandig,  einzelne  sehr  dünn- 
plattige Lagen  derselben  kalkhaltig,  und  schwarz  oder  dunkel-blaugrau,  nur  im 
verwitterten  Zustande  auch  braun-  selbst  licht-  und  weissgrau  von  Farbe.  Glimmer 
findet  sich  in  ihnen  nicht  vor.  Dagegen  sind  sie  besonders  charakterisirt  durch 
die  grosse  Menge  von  Graptolithen,  welche  man  an  den  Schieferungsflächen 
antrifft,  und  welche  selten  einem  Handstücke  gänzlich  fehlen.  Zwischen  diesen 
Schiefern  liegen,  indenhöherenLagender  selben,  zerstreute  sphäroidale, 
abgeplattete  Concretionen  von  Kalk  (Anthrakonit)  — Kalksphäroide  — in  der 
Grösse  von  1 Zoll  bis  über  2 Fuss,  welche  in  der  Regel  sehr  reich  an  Petre- 
facten  sind,  und  nach  oben  an  Zahl  so  zunehmen,  dass  sie  förmliche  Bänke 
bilden.  — Ueberhaupt  treten  auch  die  Schiefer  der  Littener  Schichten  nach  oben 
mit  dunklen  bituminösen  Kalksteinen  in  Wechsellagerung , bis  diese  letzteren 
allein  das  Hangende  der  Littener  Schichten  bilden.  Die  letztgenannten  Kalksteine, 
welche  Herr  Barr  aride  noch  in  seine  Etage  E einbezieht,  konnte  ihrer  petro- 
graphischen  Verschiedenheit  wegen  Herr  K r ej  ci  in  seiner  geologischen  Karte 
über  die  Umgebungen  von  Prag  besonders  ausscheiden,  und  hat  dieselben  mit 
dem  Namen  „Kuhelbader  Schichten^  belegt. 

Auch  rücksichtlich  der  Fauna  der  Littener  Schichten  darf  ich  mich  auf 
Herrn  ßarrande’s  oben  angeführtes  Werk  berufen,  in  welchem  er,  Seite  72  f., 
eine  Uebersicht  der  Fauna  seiner  die  Littener  und  Kuhelbader  Schichten  um- 
fassenden Etage  E gibt,  welche  nach  Herrn  Barrande  die  petrefactenreichste 
aller  Abtheilungen  der  böhmischen  Silurformation  ist. 

Was  nun  das  Geschichtliche  der  Colonien  des  böhmischen  Silur- 
beckens anbelangt,  so  hat  Herr  Barrande  das  Thatsächliche  und  die  Theorie 
derselben  zuerst  in  seinem  grossen  Werke  „ Systeme  Sibirien  du  centre  de  la 
Boheme.  1852“  der  gelehrten  Welt  umständlicher  zur  Kenntniss  gebracht.  Er 
theilt  — Seite  69 — mit,  dass,  ungeachtet  die  untersi lur ischen  Ablage- 
rungen in  Böhmen  durch  den  Mangel  von  Kalkstein-Formationen  ausgezeichnet 
sind,  sich  dennoch  innerhalb  der  sehr  glimmen* eichen  S chiefer  der 
Etage  D zwei  sehr  merkwürdige  Einlagerungen  von  Kalksphäroiden  mit  Grap- 
tolithenschiefern,  welche  jenen  der  Etage  E ganz  ähnlich  sind,  vorfinden,  je 
eine  an  jeder  Seite  der  Axe  des  böhmischen  Silurbeckens,  u.  z.  die  eine  mit 
Grünsteinen  nächst  Motol  und  des  Beranka-Wirthshauses  (an  der  nördlichen 
Seite  des  Beckens) , die  andere  oberhalb  Gross-Kuhel  (an  der  südlichen  Seite 
des  Beckens),  und  beide  mit  Fossilien,  welche  den  charakteristischen  Fossilien 
der  Etage  ^vollkommen  ähnlich  sind,  und  dass  auch  Herr  Professor  Zippe 
in  der  „Bruska“  innerhalb  Prag’s  mitten  in  der  Etage  D eine  Kalksteinschichte 
beobachtet  habe,  deren  Fossilien  jenen  der  Etage  E ähnlich  sind.  Er  bezeichnet 
— Seite  71  — diese  in  der  Formation  der  glimmerreichen  Schiefer  d 4 der  Etage 
D Vorgefundenen  Einlagerungen  von  Graptolithenschiefern  und  Kalksphäroiden, 
deren  Fossilen  vollständig  verschieden  von  jenen  der  (untersilurischen) 
zweiten  Fauna,  und  identisch  mit  jenen  der  (obersilurischen)  dritten  Fauna  sind, 
mit  dem  Namen  „Colonien“.  Er  gibt  ferner  — Seite  72  a — ein  Verzeichniss 
der  Fauna  der  „Colonien“,  nach  welchem  die  bis  dahin  in  denselben  gesammelten 
Thierreste  63  Species,  u.  z.  hievon  4 Sp  ecies  ausschliesslich  den  Colo- 


Roogeneisensteinen  leicht  von  den  Grünsteinen  der  Littener  Schichten.  Herr  Director 
Krejci  bereitet  übrigens  eine  umfassendere  Arbeit  über  die  Grünsteine  der  böhmischen 
Silurformation  vor.  Herr  Krejci  beobachtete  Grünsteine  in  beschränkten  Verhältnissen 
noch  an  der  Basis  der  Hluboceper  Schichten  im  Thale  zwischen  Tachlovic,  Chejnie  und 
Chotec,  ohne  dass  deren  Durchbruch  durch  die  Konepruser  und  Braniker  Schichten 
sichtbar  wäre. 


8 


M.  V.  Lipoid. 


[8] 


nien,  2 (der  Colonie  in  der  „Bruska“  entnommene)  Species  den  Colonien  und 
der  zweiten  Fauna,  und  57  Species  den  Colonien  und  der  dritten  Fauna  gemein- 
schaftlich angehören,  — und  fügt  am  Schlüsse  bei,  dass  zu  Folge  dieses  Sach- 
verhaltes dieFauna  der  Colonien  alsidentischmitderdritten  Fauna, 
in  Böhmen,  u.  z.  mit  jener  der  Etage  E,  betrachtet  werden  müsse, 
und  dass  diese  coloniale  Fauna,  welche  nach  einer  kurzen  Existenz  erloschen 
ist,  erst  nach  der  gänzlichen  durch  die  Ausbrüche  der  Grünsteine  plötzlich  erfolg- 
ten Vernichtung  der  zweiten  Fauna  wieder  erschienen  sei  und  sich  weiter  ent- 
wickelt habe.  Nachdem  endlich  Herr  B a r r a n d e — Seite  72  e — noch  bemerkt, 
dass  die  mineralogisch  e Identität  der  Graptolithenschiefer,  der  Grünsteine 
und  Kalksphäroide  in  den  Colonien  und  in  der  Etage  E auf  einen  gleichen 
Ursprung  und  eine  gleichartige  Bildungsart  derselben  in  verschiedenen 
Epochen  hindeute,  sucht  er,  Seite  73 — 75,  die  Erscheinung  der  Colonien 
zu  erklären.  Er  setzt  hiebei  als  feststehende  Thatsache  voraus:  „t.,  dass  eine 
aus  Grünsteinen,  Graptolithenschiefern  und  Kalksphäroiden  bestehende  Einlagerung 
sehr  regelmässig  und  in  concordanter  Lagerung  den  Schichten  der 
sehr  glimmerreichen  Schiefer  d11  (der  Etage  D)  zwischengelagert  sei;  2.,  dass 
diese  Einlagerung  fast  einzig  und  allein  Fossilien  der  dritten  Fauna,  d.  i.  57 
unter  63  Species,  einschliesse,  während  sowohl  die  darunter,  als  die  darüber 
liegenden  Schichten  der  glimmerreichen  Schiefer  nur  charakteristische  Formen 
der  zweiten  Fauna  darbieten“;  — und  nimmt  nun  an,  dass  1.  die  bezüglich  der 
Einlagerung  tiefer  liegenden  Schichten  der  glimmerreichen  Schiefer  d *,  welche 
ausschliesslich  Fossilien  der  zweiten  Fauna  enthalten,  am  Grunde  eines  mehr 
oder  weniger  tiefen  Meeres  abgesetzt  wurden;  dass  2.  dieser  Meeresgrund  sich 
auf  ein  höheres  Niveau  der  Meeresfluthen  erhoben  habe,  um  die  Schichten  der 
Einlagerung,  d.  i.  die  Grünsteine,  Graptolithenschiefer  und  Kalksphäroide,  in 
welchen  die  ersten  Repräsentanten  der  dritten  Fauna  erscheinen,  aufzunehmen; 
dass  3.  derselbe  Meeresgrund  sich  hierauf  unter  das  Wasser  senkte,  und  wieder 
von  einer  neuen  mächtigen  Schichtenfolge  der  glimmerreichen  Schiefer  d 4 be- 
deckt wurde,  welche,  der  Einlagerung  aufliegend,  dieselben  Fossilien  der 
zweiten  Fauna,  welche  die  unter  der  Einlagerung  befindlichen  Schiefer  dk 
charakterisiren,  enthält,  und  dass  4.  der  Meeresgrund  sich  ein  zweites  Mal  auf 
ein  höheres  Niveau  der  Meeresfluthen  hob,  um  neuerdings  Ablagerungen  von 
Grünsteinen,  Graptolithenschiefern  und  Kalksphäroiden,  ähnlich  jenen  der  Ein- 
lagerung, aufzunehmen,  welche  aber  bereits  die  Basis  der  Kalk-Etage  E bilden, 
und  die  dritte  Fauna,  d.  i.  jene  der  obersilurischen  Abtheilung,  in  ihrer  ganzen 
Entwickelung  enthalten.  Die  dritte  Fauna  der  zwischen  den  Schiefern  d 4befind- 
lichen  Einlagerung  wäre  — nach  Herrn  Barrande  — aus  einem  ausserhalb  des 
böhmischen  Silurbeckens  gelegenen  Verbreitungsbezirke,  wo  sie,  u.  z.  gleich- 
zeitig mit  der  zweiten  Fauna  der  Quarzit-Etage  D des  böhmischen  Silur- 
Meeres,  bereits  existirte,  wegen  günstiger  Lebenshedingungen , als  welche  die 
Bildung  der  Graptolithenschiefer  und  Kalksteine  anzusehen  sind,  u.  z.  von  Nord- 
osten in  das  Becken  Böhmens  eingewandert,  und  sei  nach  Aufhören  dieser 
Lebensbedingungen  verschwunden,  um  später  wieder  zu  erscheinen,  — während 
die  die  Etage  D charakterisirende  zweite  Fauna,  welche  weder  unter  noch 
ober  der  colonialen  Einlagerung  mit  Fossilien  dieser  letzteren  gemengt  erscheint, 
zur  Zeit  und  dort,  als  und  wo  die  Graptolithenschiefer  der  Einlagerung  abgesetzt 
wurden,  die  Meeresufer  verlassen  haben  müsse. 

Herr  J.  Bar  ran  d e hat  in  Folge  der  von  Herrn  Director  J.Krejcf  neuerlich 
gegen  den  Bestand  der  „Colonien“  erhobenen  Bedenken  eine  neue  umfassende 
Abhandlung  über  die  Colonien,  wie  er  sie  in  seinem  Schreiben  an  Herrn  Hofrath 


Ueber  Herrn  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


9 


[9] 


Haidinger  ddo.  17.  October  1859  ankündigte,  bereits  in  der  Sitzung  vom  4.  Juni 
1860  der  geologischen  Gesellschaft  von  Frankreich  in  Paris  vorgelegt,  aus 
welcher  ein  Auszug  in  dem  „ Bulletin  de  la  societe  geologique  de  France , 
2.  serie , t.  XVII,  p.  602“  unter  dem  Titel:  „Colonies  dans  le  bassin  silurien 
de  la  Boheme ; par  M.  J.  Barrande“  erschienen  ist.  Herr  Barrande  hatte  die 
Güte,  mich  durch  Uebersendung  eines  Abdruckes  jenes  Auszuges  zu  erfreuen, 
was  ich  mit  um  so  grösserem  Danke  erwähne,  als  ich  aus  demselben  so  manche 
Belehrung  rücksichtlich  der  Fauna  der  Colonien  schöpfte,  und  durch  denselben 
in  die  Kenntniss  der  neuesten  Ansichten  Herrn  Barrande’s  über  die  Colonien 
gelangt  bin.  In  diesem  Auszuge  aus  der  Abhandlung  gibt  Herr  Barrande  bekannt: 

1.  die  Beschreibung  und  Parallele  der  drei  Colonien:  Zippe,  Haidinger  und  Krejci; 

2.  die  Uebereinstimmungen  und  die  Gegensätze  zwischen  den  Colonien  und  den 
Etagen  D und  E ; 3.  die  Beziehungen  der  zweiten  und  dritten  Fauna  Böhmens 
und  Englands  hinsichtlich  der  Colonien:  4.  die  Beziehungen  zwischen  den  sibi- 
rischen Faunen  der  verschiedenen  Begionen  Nord-Amerika’s;  5.  die  Unterbre- 
chungen in  der  jurassischen  Fauna  Englands  und  in  der  zweiten  silurischen  Fauna 
Böhmens;  endlich  6.  die  Erklärung  der  Colonien  Böhmens. 

Ich  werde  später  Gelegenheit  haben,  mich  mehrfach  auf  Herrn  Barrande’s 
neueste  Mittheilungen  über  die  „Colonien“  zu  berufen,  indessen  muss  ich  hier 
schon  auf  einige  wichtige  Umstände  aufmerksam  machen. 

Vor  Allem  hat  HerrBarrande  die  Ueberzeugung  gewonnen,  dass  nicht  alle 
Colonien  in  den  Zahoraner  Schichten  ( d 4),  wie  er  es  anfänglich  bekannt  gab, 
auftreten,  sondern  dass  nur  die  Colonie  „Zippe“  in  den  Zahoraner  Schichten, 
die  Colonien  „Haidinger“  und  „Krejci“  dagegen  in  den  Königshofer  und  Kossower 
Schichten  ( d 5)  sich  vorfinden,  und  zwar  die  beiden  letzteren  in  verschie- 
denen Horizonten.  ( Bulletin . Seite  616.) 

Daraus  folgt  von  selbst,  dass  nach  Herrn  Bar  ran  de  eine  dreimalige  Ein- 
und  Auswanderung  der  obersilurischen  Colonial-Fauna  in  das  böhmische  Silur- 
becken zu  verschiedenen  weit  aus  einander  liegenden  Zeiten  der  untersilurischen 
Epoche  angenommen  werden  müsse.  ( Bulletin . Seite  626.) 

Weiters  berichtiget  Herr  Barrande  selbst  {Bull.  Seite  625  und  628)  seine 
im  „ Systeme  silurien “ gemachte  Angabe,  dass  von  der  Fauna  der  Colonien 
4 Species  den  Colonien  eigenthümlich  seien,  dahin,  dass  er  nach  Ver- 
lauf von  mehr  als  15  Jahren  diese  4 Species  auch  in  den  Littener  Schichten  {E) 
vorgefunden  habe,  und  dass  daher  unter  der  Fauna  der  drei  in  Rede  stehenden 
Colonien  sich  bisher  keine  denselben  ausschliesslich  eigene  Species 
vorgefunden  habe.  Uebrigens  geht  Herr  Barrande  auch  in  seiner  neuesten  Arbeit 
über  die  Colonien  von  der  Ueberzeugung  aus,  dass  die  Colonien  den  Königshofer 
und  Kossower,  respective  den  Zahoraner  Schichten  r e gel rn ässig  u n d con- 
cordant  zwischengelagert  seien  {Bull.  Seite  610,  616  u.  m.  a.) , und  es 
ergibt  sich  aus  seiner  Beschreibung  der  Colonien  „Haidinger“  und  „Krejci“, 
dass  dieselben  aus  Grünsteinen  und  Graptolithenschiefern,  letztere  auch  aus  Kalk- 
sphäroiden,  somit  aus  Gesteinen  zusammengesetzt  sind,  welche  auch  die  Littener 
Schichten  charakterisiren.  (Siehe  auch  Bull.  Seite  660.) 

Die  Erklärung,  welche  Herr  Barrande  in  seiner  letzten  Notiz  {Bull.  Seite 
658  u.  f.)  über  die  Colonien  gibt,  entspricht  im  Allgemeinen  jener,  die  ich  aus 
seinem  „ Systeme  silurien“  anführte.  Ich  werde  später  dieselbe  näher  erörtern. 

Haben  auch  einzelne  bekannte  Geologen  und  Naturforscher,  wie  Herr  Vicomte 
d'Archiac  (Histoire  des  progres  de  la  geologie  1863) , Herr  Eduard  Forbes 
(Quart.  Journ,  of  the  London  geolog.  Society.  Anniv.  address  1864)  und  neuer- 
lich, wie  uns  Herr  Barrande  {Bull.  Seite  602)  mittheilt,  Herr  Bayl  e gegen  den 

% 


k.  geologische  Reichsanstalt.  12,  Band,  1861  und  1S62.  I.  Heft. 


10 


M.  V.  Lipoid. 


m 

Bestand  der  Colonien  im  Sinne  des  Herrn  Barrande  Zweifel  erhoben  und  die  Er- 
scheinung derColonien  auf  eine  andere  Art  zu  erklären  versucht;  so  haben  dagegen 
andere  berühmte  Naturforscher,  welche  man  bezüglich  der  Geologie  und  Paläon- 
tologie mit  Hecht  als  „Autoritäten“  zu  bezeichnen  gewohnt  ist,  sich  den  Ansichten 
des  Herrn  Barrande  über  die  Colonien  angeschlossen,  und  die  B a r r a n d e’sche 
Theorie  und  Lehre  über  die  Colonien  in  ihre  Schriften  aufgenommen.  So  spricht 
sich  Herr  Charles  Lyell  in  seinem  „ Supplement  of  tlie  fifth  edition  of  a 
Manual  of  elementary  geology“ . London  1857.  Seite  29  u.  f.  für  die  Colonial- 
Theorie  des  Herrn  Barrande  aus,  nachdem  er  im  Sommer  1856  Prag  besuchte, 
und  Herrn  Barrande’s  grosse^Sammlungen  zu  besichtigen  und  in  dessen  Gesell- 
schaft „die  Ordnung  und  Aufeinanderfolge  der  durch  ihn  erklärten  Gesteine  zu 
beobachten“  Gelegenheit  hatte.  Ebenso  gibt  Herr  Professor  Dr.  H.  G.  Bronn 
in  seiner  von  der  französischen  Akademie  im  Jahre  1857  gekrönten  Preisschrift: 
„Unters  uchungenüberdieEntwickelungsgesetzederorganischen 
Welt  während  der  Bildungszeit  unserer  Erdoberfläche“.  Stuttgart 
1858,  Seite  294,  in  dem  Abschnitte  44.  Ana  chronische  Colonien“  die 
Erscheinung  und  die  Theorie  der  Colonien  des  böhmischen  Silurbeckens  nach 
Herrn  Barrande  bekannt,  und  bekräftiget  dieselbe  durch  Anführung  anderer 
„analoger  Fälle“.  Nicht  minder  bespricht  Herr  B.  I.  Murchison  in  seinem 
Prachtwerke  „ Siluria “.  III.  Edition.  London  1859 , Seite  400  die  „Colonien“ 
des  Herrn  Barrande,  und  zieht  deren  Bestand  nicht  in  Zweifel.  Endlich 
widmet  Herr  Professor  Eduard  Suess  in  seiner  Abhandlung:  „Ueber  die  Wohn- 
sitze der  Brachiopoden“  *)  den  „Colonien“  des  böhmischen  Silurbeckens  mehrere 
Seiten,  indem  er  den  durch  das  obangeführte  Schreiben  an  Herrn  Hofrath 
Haid*inger  eingenommenen  Standpunkt  festhält.  Ich  werde  später  auf  die  oben 
citirten  Stellen  aus  den  Werken  der  Herren  Lyell,  Bronn,  Murchison  und 
Suess  zurückkommen,  und  hiebei  die  von  denselben  gegebenen  Erklärungen  der 
böhmischen  „Colonien“  im  Silursysteme,  welche  theilweise  von  der  Erklärungsart 
des  Herrn  Barrande  abweichen,  näher  ausführen. 

Nach  diesen  einleitenden  Vorbemerkungen  werde  ich  zuerst 

A.  Eine  Beschreibung  der  „Colonien“  an  der  Südseite  des  böhmischen 
Silurbeckens  liefern,  — sodann 

B.  Die  Erklärung  der  Erscheinung  dieser  „Colonien“  folgen  lassen,  und  endlich 

C.  Ueber  die  Colonien  an  der  Nordseite  des  böhmischen  Silurbeckens  einige 
Bemerkungen  anschliessen. 


A.  Beschreibung  der  Colonien  an  der  Südseite  des  böhmischen 

Silurbeckens. 

An  der  Südseite  des  böhmischen  Silurbeckens  befinden  sich  die  von  Herrn 
Barrande  bezeichneten  und  beschriebenen  Colonien  „Haidinger“  und 
„Krejcf“  nächst  Gross-Kuhel.  Wie  aus  der  unter  Tafel  I beigefügten  „Geolo- 
gischen Karte“  ersichtlich  ist,  finden  sich  den  Colonien  „Haidinger“  und  „Krejcf“ 


*)  Sitzungsberichte  der  mathem.-naturw.  Classe  der  Kais.  Akademie  der  Wissenschaften. 
Jahrgang  1859.  38.  Band,  Seite  185;  39.  Band,  Seite  151.  — Auch  im  Separat- 
abdrucke „Aus  der  k.  k.  Hof-  und  Staatsdruckerei“  Wien  1860.  In  Commission  bei 
Karl  Gerold’s  Sohn.“  Seite  107  u.  f. 


Ueber  Herrn  ßarrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


11 


tu] 

ähnliche  Erscheinungen  von  Littener  Schichten  zwischen  Kossower  und  Königs- 
hofer Schichten  in  südwestlicher  Richtung  von  Gross-Kuhel  bei  Radotin,  südlich 
von  Kosor,  nördlich  von  Cernositz,  bei  Wonoklas,  Karlik,  Treban,  Belec,  und 
zwischen  Litten  und  Korno  vor.  Die  Colonien  „Krejci“  und  „Haidinger“  sind  die 
nordöstlichsten  von  Allen,  ungefähr  eine  Meile  südlich  von  Prag  bei  Gross- 
Kuhel,  am  linken  Ufer  des  Moldau-Flusses,  und  an  dem  Gehirgsgehänge 
gelegen,  welches  hier  ziemlich  steil  in  das  Moldauthal  abfällt.  Bei  Lahowitz 
ergiesst  sich  der  Beraun-Fluss  in  die  Moldau,  welche  von  hier  an  in  nördlicher 
Richtung  gegen  Prag  zu  die  sibirischen  Gebirgsschiehten,  deren  Streichungs- 
richtung im  Allgemeinen  eine  nordöstliche  ist,  durchbrochen,  zum  Theile  weg- 
geschwemmt und  blossgelegt  hat.  Die  ziemlich  steilen  Gehänge  des  linken  Moldau- 
Ufers  zwischen  Lahowitz  und  Prag  entblössen  gleichsam  die  Ausgehenden  der 
obersilurischen  und  eines  Theiles  der  untersilurischen  Gebirgsschiehten  gegen 
das  Moldauthal.  Der  besonderen  Wichtigkeit  wegen,  welche  die  beiden  Colonien 
„Krejci“  und  „Haidinger“  besitzen,  habe  ich  dieselben  in  einem  zehnfach 
grösseren  Maassstabe,  als  auf  der  Karte  Tafel  I,  in  Tafel  II  ersichtlich  gemacht, 
und  hiebei  nebst  der  geologischen  Bezeichnung  der  besseren  Orientirung  wegen 
auch  die  Terrainzeichnung  ausgeführt  *).  Die  übrigen  der  obgenannten  Colonien 
befinden  sich  im  Beraun-Thale,  bis  Treban  am  linken,  dann  am  rechten  Ufer  des 
Beraun-Flusses.  Da  die  Karte  Tafel  I eine  Copie  der  Original-Aufnahmskarten 
des  k.  k.  General-Quartiermeisterstabes  ist,  und  somit  bezüglich  des  Terrains  auf 
vollkommene  Genauigkeit  Anspruch  hat,  so  wird  sie  mich  in  der  Folge  von  einer 
detaillirten  Localisirung  einzelner  Punkte , da  sie  ohnedem  in  der  Karte  genau 
ersichtlich  ist,  entbinden. 

Ich  lasse  nun  die  Beschreibung  der  „Colonien“  folgen,  indem  ich  hiebei  von 
Nordosten  gegen  Südwesten  fortschreite. 

Colonie  „Krejci“. 

Herr  Barrande  gibt  in  dem  oben  angeführten  Auszuge  seiner  neuesten 
Abhandlung  über  die  Colonien  ( Bullet . 1860.  Seite  621  u.  f.)  eine  detaillirte 
Beschreibung  von  dieser  Colonie,  auf  welche  ich  hier  verweise.  In  Tafel  II  ist 
deren  Lage  ersichtlich,  und  eine  „vordere  Ansicht“  nebst  zwei  „Profilen“  von 
derselben  gegeben.  Die  zwischen  den  zwei  Profilen  verzeichnete  „Vordere 
Ansicht“  erhält  man,  wenn  man  sich  gegenüber  der  Colonie  (ungefähr  bei  Punkto?) 
aufstellt.  Sie  gibt  ein  Totalbild  von  der  Colonie,  welche  die  Mitte  derselben 
einnimmt,  und  sich  in  einem  kleinen  Graben  befindet,  der  in  etwas  schiefer  Rich- 
tung das  Gehirgsgehänge  durchschneidet.  Bei  näherer  Betrachtung  der  Gesteins- 
arten, welche  die  Colonie  zusammensetzen,  wird  Jedermann,  der  die  einzelnen 
Gebirgsglieder  der  böhmischen  Silurformation  einigermassen  kennen  gelernt  hat, 
in  denselben  allsogleich  die  „Littener  Schichten“  erkennen,  sowohl  was  die 
Graptolithenschiefer,  als  auch  die  Grünsteine  und  insbesondere  die  Kalksphäroide, 
welche  diese  Colonie  führt,  anbelangt.  Wenigstens  konnte  ich  meinerseits  keinen 
wesentlichen  Unterschied  zwischen  den  Gesteinsarten  der  Colonie,  und  jenen, 
welche  die  Littener  Schichten  im  Allgemeinen  charakterisiren,  wahrnehmen. 

Das  viel  wichtigere  Moment,  welches  bei  der  Colonie  „Krejci“  zu  beobachten 
kommt,  sind  die  Verhältnisse  der  Lagerung.  Die  bis  in  den  Thalgrund  herab- 
reichende Colonie  zeigt  in  der  Mitte  eine  steil  aufgerichtete  Stellung  der 


i)  Die  genaue  trigonometrische  Aufnahme  des  in  Tafel  II  verzeiehneten  Terrains  und  der 
Höhendistanzen  hatte  Herr  Director  J.  Krejci  die  Güte  zu  besorgen  und  zu  veranlassen. 

2 * 


12 


M.  V.  Lipoid. 


[12] 


Schichten  der  Graptolitenschiefer  in  einer  Breite  von  10  bis  12  Klaftern.  Die 
Schichten  stehen  theils  saiger,  theils  sind  sie  unter  70  bis  80  Grad  nach  Nord- 
nordost oder  nach  Südsüdwest  geneigt,  und  gerade  in  dem  mittleren  Wasser- 
risse des  Grabens  beobachtet  man  eine  steil  convergirend^  Stellung  der 
Schichten.  Das  Streichen  dieser  Graptolithenschiefer  geht  nach  Stunde  5 (0.  15* 
N.).  — Sehr  verschieden  ist  nun  die  südliche  (linkseitige)  und  die  nördliche 
(rechtseitige)  Begrenzung  der  Colonie.  — Gegen  Süden  wird  die  Colonie  von 
„Kossower  Schichten“  begrenzt,  welche  an  dem  Gebirgsgehänge  an  einigen 
Stellen  entblösst  sind,  und  zu  unterst  ein  Streichen  nach  Stunde  4 (0.  30°  N.), 
höher  ein  solches  nach  Stunde  3 (N.  0.),  und  zu  oberst,  über  dem  hier  bestan- 
denen Steinbruche,  ein  Streichen  nach  Stunde  1 (N.  15°  0.),  aber  durchaus  nur 
ein  widersinnisches  Einfallen  der  Schichten  in  das  Gebirge  von  nur  30  bis  40,  ja 
seihst  nur  von  15  Graden  abnehmen  lassen.  Nur  unmittelbar  neben  der  Colonie  zu 
unterst  derselben  ist  eine  Partie  von  Kossower  Schichten  entblösst,  deren  Strei- 
chen nach  Stunde  4 (0.  30°  N.)  läuft,  deren  Einfallen  jedoch  bei  80  Grad  nach 
Nordwest  beträgt.  Zu  oberst  lagern  auf  den  Kossower  Schichten  Grünsteine  und 
Schiefer  der  Littener  Schichten,  — leider  nur  wenig  entblösst,  da  sie  alsbald  von 
Gebirgsschutt  und  Diluvialschotter  überdeckt  werden.  Schutt  und  Schotter  ver- 
hindern auch  den  unmittelbaren  Zusammenhang  zu  sehen,  in  welchem  diese  eben- 
genannte oberste  Partie  der  Littener  Schichten  mit  der  erstbezeichneten  mächti- 
gen Partie  derselben  im  Thalgrunde  steht.  Gegen  Norden  dagegen  wird  die  Co- 
lonie zunächst  von  „Königshofer  Schichten“  begrenzt,  die  wie  die  Schiefer  der 
Colonie,  steil  aufgerichtet  sind  und  nach  Stunde  5 (0.  15°  N.)  streichen.  Die 
Schiefer  der  Königshofer  Schichten,  die  in  einem  völlig  zermalmten  Zu- 
stande sich  vorfinden,  werden  weiter  nördlich  von  Kossower  Schichten 
überlagert,  die  an  einigen  Entblösungen  zu  Tag  treten,  und  daselbst  ein  verschie- 
denes Streichen  theils  nach  Stunde  4 (0.  30°  N.),  theils  nach  Stunde  7 (0. 15°  S.) 
und  ebenfalls  nur  ein  geringes  widersinnischen  Einfallen  von  30  bis  35  Grad 
nach  Norden  zeigen. 

Vergleicht  man  die  Streichungsrichtung  und  die  Stellung  der  Schichten  der 
Littener  Schichten  in  der  Hauptmasse  der  Colonie  mit  der  Streichungsrichtung 
und  Schichtenstellung  der  südlich  und  nördlich  von  ihr  auftretenden  Kossower 
Schichten,  so  wird  man  sich  kaum  berechtiget  finden,  eine  „concor  d ante“ 
Lagerung  beider,  und  überhaupt  eine  „regelmässige  Zwischenlagerung“ 
der  Littener  Schichten  der  Colonie  zwischen  den  Königshofer  und  Kossower 
Schichten  anzunehmen.  Vielmehr  deuten  die  zwischen  die  Kossower  und  Königs- 
hofer Schichten  förmlich  eingekeilten  Littener  Schichten  der  Hauptmasse  der 
Colonie  auf  eine  Unregelmässigkeit  in  der  Lagerung  hin,  welche  nur  in  Folge 
einer  Dislocation  Statt  haben  konnte.  Herr  Barrande  selbst  supponirt  eine 
solche,  indem  er  bei  der  Beschreibung  der  Colonie  „Krejci“  (Seite  621)  bemerkt : 
„Eine  merkliche  aber  graduelle  Abweichung  in  der  Neigung  der  Schichten  am 
ganzen  Gehänge  bezeuget  eine  Bewegung  des  Bodens  während  ihrer  Ablagerung, 
oder  eine  Unr egelmässigkeit  bei  ihrer  Hebung“. 

Die  oben  angedeutete  Art  der  Lagerung  versinnlichen  die  beiden  Profile  A B 
und  CD  in  Tafel  II,  deren  letzterer  nahe  am  Fusse  der  Colonie  quer  durch 
dieselbe,  ersterer  hingegen  nach  dem  südlichen  Gehänge  aufwärts  gezogen  ist, 
und  den  oberen  Theil  der  Colonie,  so  wie  (ideal)  die  Fortsetzung  des  unteren 
grösseren  Theiles  derselben  durchschneidet. 

Herr  Barrande  bezeichnet  (Seite  623)  die  Hauptmasse  der  Schiefer, 
welche  die  Colonie  „Krejci“  zusammensetzen,  als  „unreine  Schiefer 
(schistes  impurs)“,  und  hält  sie  für  eine  Mengung  der  Materie  der  eigent- 


Ueber  Herrn  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


13 


[13] 

liehen  Littener  Schiefer  und  der  Königshofer  Schiefer.  Ich  meinestheils  bin 
geneigt,  die  Entstehung  dieser  „unreinen  Schiefer“  der  Hebung  zuzuschreiben 
welche,  wie  erwähnt,  aus  den  Lagerungsverhältnissen  der  Colonie  gefolgert 
werden  muss,  indem  man  als  eine  natürliche  Folge  der  durch  die  Hebung  veran- 
lassten  Schiehtenstörung  annehmen  kann,  dass  dabei  in  der  That  eine  Mengung 
der  Littener  Schichten  mit  Königshofer  Schichten  und  nebstdem  eine  mehr 
minder  bedeutende  Veränderung  ihres  sonstigen  petrographischen  Charakters 
Statt  gefunden  habe,  wie  dies  auch  die  zermalmten  Königshofer  Schichten 
rechts  nächst  der  Colonie  andeuten.  Ich  habe  mich  desshalb  auch  im  Vorher- 
gehenden in  keine  subtile  Beschreibung  der  Colonie  „Krejci'“  eingelassen  * weil 
sich  einzelne  kleine  Unregelmässigkeiten  einfach  durch  die,  wie 
ich  glaube,  constatirte  Thatsache,  dass  bei  der  Colonie  „Krejci“ 
eine  Schichtenstörung  in  Folge  einer  Dislocation  vor  liege, 
erklären  lassen. 

Die  Fossilien,  welche  Herr  Barrande  bisher  aus  der  Colonie  „Krejci“ 
gesammelt  hat,  führt  derselbe  in  seinem  Auszuge  {Bull.  Seite  624)  namentlich  an. 
Es  sind  40  Species,  von  welchen  Herr  Barrande  erklärt,  dass  sie  Alle 
auch  in  seiner  unteren  Kalk-Etage  ^erscheinen.  Die  Colonie  „Krejci“ 
besteht  demnach  nicht  nur  aus  Gesteinen,  die  die  „Littener  Schichten“  charak- 
terisiren,  sondern  sie  führt  auch  nur  solche  Fossilreste,  die  den  „Littener 
Schichten“  eigenthümlich  sind.  Ich  begnüge  mich  mit  diesen  Angaben  und  werde 
auch  in  der  Folge  bezüglich  der  Petrefactenführung  nur  Herrn  B arr a n d e‘s 
gewiss  vollkommen  verlässliche  Daten  citiren,  indem  überhaupt,  wie  es  sich 
später  zeigen  wird,  bei  der  Erklärung  der  Erscheinung  der  Colonien  der  Schwer- 
punkt nicht  blos  in  den  Vorgefundenen  Fossilresten,  als  vielmehr  vor  Allem  in 
den  Lagerungsverhältnissen  gesucht  werden  muss. 

Ich  habe  schon  oben  erwähnt,  dass  die  oberste  Partie  der  Littener  Schichten, 
welche  die  Colonie  Krejci  zusammensetzen  , von  Gebirgsschutt  und  Diluvial- 
schotter bedeckt  wird.  Letztere  verhindern  es  auch,  dass  man  die  südwestliche 
Fortsetzung  der  Colonie  unmittelbar  verfolgen  könnte.  Geht  man  jedoch  in  süd- 
westlicher Dichtung  von  der  Colonie  Krejci  aus  nach  dem  Gebirgsgehänge  in 
ziemlicher  Höhe  von  der  Thalsohle  an  der  Begrenzung  der  Diluvialablagerungen 
und  der  Kossower  Schichten  vorwärts,  so  trifft  man  an  ein  paar  Stellen  Littener 
Schichten,  u.  z.  Grünsteine  und  Graptolithenschiefer,  unter  dem  Schotter  aus- 
beissen  und  auf  Kossower  Schichten  aufliegen , die  im  Allgemeinen  ein  geringes 
widersinnisches  Einfallen  nach  Nordwesten  besitzen.  Der  Zuhammenhang  dieser 
Kossower  Schichten  mit  jenen,  welche  die  südliche  Begrenzung  der  Colonie 
Krejci  bilden,  und  auf  welchen  die  bezeichnete  oberste  Partie  der  Colonie  ruhet, 
ist  ein  ununterbrochener,  und  es  kann  somit  keinem  Zweifel  unterliegen, 
dass  die  obenerwähnten  und  in  der  Karte  Tafel  II  angedeuteten  Ausbi  sse 
der  Littener  Schichten  die  weitere  südwestliche  Fortsetzung 
der  Colonie  „Krejci“  sind,  deren  Erscheinen  am  Tage  nur  durch  die 
Diluvial-  und  Schuttablagerungen  mehrmals  unterbrochen  wird.  Unter  den 
Kossower  Schichten  lagern  bei  diesen  Ausbissen,  wie  es  die  Karte  zeigt,  die 
Königshofer  Schiefer. 

Colonie  ,,flaidinger“. 

Auch  diese  Colonie  beschreibt  Herr  Barrande  in  seinem  angeführten  Aus- 
zuge {Bull.  Seite  616,  618  u.  f.)  im  Detail,  und  ich  habe  dieser  Beschreibung 
der  Colonie  „Haidinger“,  welche  sich  an  dem  Gebirgsgehänge  südwestlich  von 


M.  V.  Lipoid. 


14 


[14] 


der  am  Wege  zwischen  Kuhei  und  Radotin  befindlichen  Schäferei  (siehe  Karte 
Tafel  II)  befindet,  nur  Folgendes  beizufügen. 

Wenn  man  in  dem  ersten,  in  der  Karte  mit  „I“  bezeichneten  Graben, 
welcher  südwestlich  von  der  Schäferei  das  ziemlich  steile  Gebirgsgehänge  durch- 
schneidet, von  unten  nach  aufwärts  steigt,  so  findet  man  zu  unterst  Kossower 
Schichten,  sodann  Königshofer  Schichten,  endlich  gegen  die  Höhe  zu  wieder 
Kossower  Schichten,  die  aber  bald  von  Diluvialschottern  bedeckt  werden,  welche 
das  Hochplateau  einnehmen.  Die  Kossower  Schichten  zeigen  durchgehends 
ein  widersinnisches  nordwestliches  Einfallen  ihrer  Schichten  unter  einem  meist 
sehr  geringem  Einfallwinkel.  Die  zwischen  denselben  befindlichen 
Königshofer  Schichten  dagegen,  welche  den  grössten  Theil  des 
Grabens  einnehmen,  besitzen  eine  sehr  verworrene  Lagerung, 
indem  ihre  Schichten  nicht  nur  verschiedene  Streichungsrichtungen  abnehmen 
lassen,  sondern  auch  grösstentheils  ein  steiles  Einfallen,  und  zwar  bald  ein  wider- 
sinnisches, bald  ein  rechtsinnisches,  besitzen,  und  stellenweise  saiger  aufgerichtet 
erscheinen.  In  diesem  Graben  sind  keine  Spuren  von  Littener  Schichten 
anzutreffen.  Hingegen  stehen  an  dem  Grate  des  Gebirgsvorsprunges , welchen 
das  Gehänge  links  (südwestlich)  von  diesem  Graben  besitzt,  Littener  Schichten, 
und  zwar  Grünsteine  und  Graptolithenschiefer  an,  welche  man  nach  dem  Gebirgs- 
gehänge in  südwestlicher  Richtung  ungefähr  200  Klafter  weit  durch  zwei  Gräben 
verfolgen  kann,  bis  deren  Fortsetzung  gleichfalls  durch  Schult  und  Diluvial- 
schotter verdeckt  wird.  (Siehe  Karte,  Tafel  II.)  Diese  Grünsteine  und  Grapto- 
lithenschiefer, welche  die  Colonie  „Haidinger“  bilden,  stimmen  petrographisch 
vollkommen  mit  den  Grünsteinen  und  Graptolithenschiefern  der  Littener  Schichten 
im  Allgemeinen  überein.  Die  Mächtigkeit  der  Littener  Schichten  ist  5 bis  6 
Klafter,  und  sind  bald  die  Grünsteine,  bald  die  Schiefer  vorwaltend. 

Um  über  die  Lagerungsverhältnisse  der  Colonie  „Haidinger“  ein  genaues 
und  getreues  Bild  zu  erlangen,  habe  ich  in  dem  zweiten  südwestlich  von  der 
Schäferei  befindlichen,  in  der  Karte  mit  „II“  bezeichneten  Graben , in  welchem 
die  Colonie  erscheint,  und  in  welchem  die  Gesteinschichten  sehr  schön  entblösst 
sind,  die  Reihenfolge  der  Schichten  mit  ihrem  Streichen  und  Fallen  erhoben,  und 
in  dem  Profile  EF  (Tafel  II)  ersichtlich  gemacht.  Der  Graben  selbst  ist  zwar, 
hauptsächlich  in  seinem  tieferen  Theile  unter  der  Colonie,  sehr  schroff,  und 
dessen  Passirung  beschwerlich ; allein  die  Ueberwindung  dieser  Schwierigkeit 
ist  um  so  nothwendiger  und  lohnender,  als  man  nur  dadurch  zu  einem  klaren 
Bilde  von  den  Lagerungsverhältnissen  der  Colonie,  welche  für  die  Erklärung  der 
Erscheinung  von  besonderer  Wichtigkeit  sind,  gelangen  kann.  Zu  unterst  nun 
in  diesem  Graben  stehen  Königshofer  Schichten  an,  auf  welche  nach  oben  bis 
zu  der  Colonie  in  steilen  Abfällen  Kossower  Schichten  folgen.  Beide  zeigen  ein 
gleichmässiges  Streichen  nach  Stunde  3 (N.  0.),  und  ein  widersinnisches  Einfallen 
nach  Nordwest.  Das  Einfallen  der  Kossower  Schichten  ist  jedoch  ein  sehr  geringes 
und  beträgt  durchschnittlich  kaum  10  Grade;  ja  einzelne  Bänke  derselben 
liegen  ganz  horizontal.  Auf  diesen  Kossower  Schichten  liegt  die  Colonie,  und 
zwar  die  Grünsteine  denselben  gleichmässig  aufruhend,  während  die  Graptolithen- 
schiefer ein  Streichen  nach  Stunde  3 (0.  15°  N.)  bis  6 (0.),  und  an  ihrer 
nördlichen  Begrenzung  ein  nördliches  Einfällen  von  40  Graden  abnehmen 
lassen.  Auf  die  Graptolithenschiefer  folgen  nach  aufwärts,  die  Colonie  im  Nord- 
westen begrenzend,  abermals  Königshofer  Schichten,  und  zwar  nehmen  sie  den 
grössten  Theil  der  oberen  Hälfte  des  Grabens  ein,  und  gehen  erst  gegen  das 
Plateau  in  die  Kossower  Schichten  über,  welche  als  höchstes  anstehendes  Ge- 
birgsglied  in  dem  Graben  beobachtet  werden  können,  worauf  auch  hier  das  Pia- 


Ueber  Herrn  Barrande's  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


[18] 


18 


teau  von  Diluvialablagerungen  bedeckt  wird.  — Die  Königshofer  Schichten  nun, 
welche  auf  die  Colonie  folgen,  zeigen  in  ihrer  ganzen  Mächtigkeit  verschiedene 
Streichungsrichtungen  zwischen  Stunde  1 (N.  lö°  0.)  bis  h (0.  16°  N.),  aber 
schon  unmittelbar  an  der  Colonie  ist  ihr  widersinnisches  Einfallen  ein 
s t eiles  unter  70  u nd  m e hr  Gr  ad  , und  bleibt  es  bis  hoch  hinauf  im  Graben, 
indem  einzelne  Partien  derselben  selbst  vollkommen  saiger  aufgerichtet 
erscheinen.  Erst  gegen  den  Ausgang  des  Grabens  nach  oben  erhalten  die  Schich- 
ten einen  geringeren  Einfallswinkel,  der  jedoch  immer  noch  so  gross  ist,  dass 
selbst  die  obersten  sichtbaren  Kossower  Schichten  noch  mit  40  Grad  nach 
Nordwesten  verflachen. 

Fasst  man  nun  das  naturgetreue  Profil  EF  in  Tafel  II  in’s  Auge,  so  sieht 
man,  dass  zwischen  den  zum  Theile  horizontal  liegenden  und  höchstens  mit 
10  Grad  verflachenden  unteren  Kossower  Schichten,  welchen  die  Colonie  auf- 
ruhet, und  den  mit  40  bis  fiO  Grad  einfallenden  oberen  Kossower  Schichten 
die  Königshofer  Schichten  in  steiler,  selbst  saigerer  oder  verticaler  Schichten- 
stellung auftreten.  Man  wird  mir  daher  kaum  Unrecht  geben,  wenn  ich  die  bei 
der  Colonie  Haidinger  erhobene  Schichtenfolge  als  keine  concordante,  und 
die  Lagerung  der  Colonie  selbst  als  keine  regelmässige  Zwisch  enlage- 
rung  bezeichne.  Es  lässt  sich  vielmehr,  wie  bei  der  Colonie  Krejci,  so  auch  bei 
der  Colonie  Haidinger  aus  der  Unregelmässigkeit  der  Schichtenstellung  folgern, 
dass  auch  hier  eine  Störung  der  Lagerung  in  Folge  irgend  welcher  Dis- 
location Statt  gehabt  habe.  Die  Littener  Schichten  der  Colonie  erscheinen 
nach  dem  Profile  durch  die  Königshofer  Schichten  abgeschnitten,  und 
erstrecken  sich  demnach  nach  dem  Verflächen  nicht  weit  in  das  Gebirge  hinein. 
Der  Beweis  hiefür  liegt  auch  vor,  indem  die  Littener  Schichten  der  Colonie  an 
dem  vorspringenden  Grate  zwischen  den  beiden  Gräben  II  und  I der  Karte  sich 
verlieren,  und  in  den  Graben  I nicht  herabreichen,  wo  sie  doch  min- 
destens in  Spuren  erscheinen  müssten,  wenn  sie  den  Kossower  und  Königshofer 
Schichten  regelmässig  und  concordant  zwischengelagert  wären. 

Die  Fossilreste,  welche  Herr  Barrande  aus  der  Colonie  Haidinger 
(a.  a.  0.  Seite  621)  anführt,  beschränken  sich  auf  8 Species,  was  wohl  dem 
Umstande  zuzuschreiben  ist,  dass  in  dieser  Colonie  keine  Kalksphäroide,  die  in 
der  Colonie  Krejci  die  meisten  Fossilien  lieferten,  Vorkommen.  Alle  8 Species 
der  Colonie  Haidinger  fand  Herr  Barrande  jedoch  auch  „an  verschie- 
denen Orten  in  der  tiefsten  Zone  seiner  unteren  Kal k- E ta ge  E.“ 

Die  wichtigsten  Thatsachen  nun,  welche  aus  dem  Yorgesagten  folgen  und 
besonders  beachtet  werden  müssen,  sind,  dass  auch  die  Grünsteine  und  Grapto- 
lithenschiefer,  welche  die  „Colonie  Haidinger44  bilden,  petrographisch  jenen  der 
Littener  Schichten  überhaupt  identisch  sind,  — dass  die  Lagerung  der  Colonie 
keine  regelmässige  sondern  eine  gestörte  ist,  — und  dass  die  Fossilreste,  welche 
die  Colonie  lieferte,  alle  auch  den  Littener  Schichten,  und  zwar  der  tiefsten 
Zone  derselben,  eigenthümlich  sind.  Das  Auftreten  von  kleinen  Partien  der 
Kossower  oder  Königshofer  Schichten  zwischen  den  Littener  Schichten  der 
Colonie,  wie  solches  Herr  Barrande  in  seiner  Beschreibung  der  Colonie 
Haidinger  anführt,  wird,  sobald  man  eine  statt  geh  abte  Schichten- 
störung in  Folge  einer  Dislocation  zugibt,  eben  so  wenig  überraschend 
erscheinen,  als  die  oben  angedeutete  Mengung  der  gleichen  Schichten  bei  der 
Colonie  „Krejci44. 

Aus  der  geologischen  Karte  Tafel  II  ist  ersichtlich,  dass  die  Colonien 
„Krejci44  und  „Haidinger44  nicht  einem  und  demselben,  sondern  zwei  ver- 
schiedenen durch  Königshofer  Schichten  getrennten  Zügen  der 


16 


M.  V.  Lipoid. 


rie] 


Kossower  Schichten  aufruhen,  dass  sie  demnach  nicht  als  Fortsetzung  einer 
von  der  andern  angesehen  werden  können.  Die  Colonie  „Krejcf“  käme,  wenn 
deren  südwestliche  Fortsetzung  nach  dem  Streichen  sichtbar  wäre,  über  und 
auf  die  obere  Partie  der  Kossower  Schichten  zu  liegen,  welche  man  im 
Graben  II  durchquert,  und  auf  deren  unteren  tieferen  Partie  die  Colonie  „Hai- 
dinger" erscheint.  Herr  Barrande  hat  demnach  vollkommen  Recht,  wenn  er, 
unter  der  Voraussetzung,  dass  die  Lagerung  der  Colonie n eine 
regelmässige  und  concordante  sei  (a.  a.  0.  Seite  616  und  626), 
die  Angabe  macht,  dass  die  beiden  Colonien  „Krejcf"  und  „Haidinger"  zwei 
verschiedenen  Horizonten  angehören,  und  zwar  die  Colonie  „Haidinger“ 
dem  tieferen  und  die  Colonie  „Krejcf“  einem  höheren  Horizonte.  Mir  gilt  diese 
Thatsache  als  Beweis , das  in  dem  Terrain  der  beiden  Colonien  eine 
Störung  der  normalen  Lagerung  nach  zwei  zu  einander  paral- 
lelen Richtungen  von  Nordost  in  Süd  west  stattgefunden  habe, 
deren  eine  Richtung  durch  die  Colonie  Haidinger,  und  die  andere  durch  die 
Colonie  Krejcf  und  ihre  südwestliche  Fortsetzung  angedeutet  wird. 


Dass  Herr  B arr an  d e ausser  den  von  ihm  in  dem  ofterwähnten  Auszuge 
beschriebenen  Colonien  „Haidinger“,  „Krejcf“  und  „Zippe“  noch  mehrere  den 
Colonien  gleiche  Erscheinungen  im  böhmischen  Silurhecken  kennt,  folgt  aus 
seinen  Bemerkungen  Seite  609  und  625  des  Bull.  Auch  mir  sind  bei  der 
geologischen  Aufnahme  des  Terrains  zwischen  Gross-Kuhel  und  Litten  mehrere 
den  Colonien  „Haidinger“  und  „Krejcf"  analoge  Erscheinungen  vorgekommen, 
die  ich  auch  mit  dem  Namen  Colonien  belegen  will,  und  die  ich  im  Nachfolgenden 
in  kurzen  Umrissen  schildern  werde.  Ich  behaupte  hiebei  durchaus  nicht,  alle 
den  Colonien  ähnliche  Erscheinungen  zwischen  Kuhei  und  Litten  erschöpft  zu 
haben , indem  hei  dem  theils  mit  Diluvien  bedeckten , theils  stark  bewaldeten 
Terrain  es  sehr  leicht  möglich  ist,  dass  man  eine  oder  die  andere  dergleichen 
Erscheinung  verfehlet,  und  sie  in  der  Folge  zufällig  entdeckt  wird.  Nur  bin  ich 
überzeugt,  dass,  je  mehr  „Colonien“  in  dem  bezeichneten  Terrain  ausser  den 
von  mir  zu  beschreibenden  bekannt  würden,  man  dadurch  nur  desto  mehr  Anhalts- 
punkte zu  jener  Erklärung  der  „Colonien“  gewänne,  die  sich  aus  deren  Lage- 
rungsverhältnissen ergeben  wird. 

Colonie  „Radotin“. 

Ich  habe  schon  oben  erwähnt,  dass  die  Verfolgung  der  südwestlichen  Fort- 
setzung der  Colonie  „Haidinger“  wegen  jüngerer  Schutt-  und  Schotterablage- 
rungen nicht  thunlich  ist.  Allein  auf  den  Feldern  am  Plateau  nordöstlich  von 
Radotin  findet  man  zwischen  Geschieben  der  Kossower  Schichten  auch  einzelne 
seltene  Geschiebe  von  Graptolithenschiefern  der  Littener  Schichten,  und  am  Wege, 
der  nach  dem  Gehänge  von  Radotin  nach  Lochkow  führt,  nächst  den  „Lahowska“ 
benannten  Häusern,  trifft  man  in  anstehendem  Gebirge  eine  Partie  Littener 
Schichten,  bestehend  aus  Grünsteinen  und  Graptolithenschiefern,  mitten  unter 
Kossower  und  Königshofer  Schichten  ausbeissend.  Dieser  Ausbiss  von  Littener 
Schichten,  den  ich  Colonie  „Radotin“  bezeichne,  liegt,  wenn  man  ihn  nebst  den 
Stellen,  wo  Findlinge  von  Graptolithenschiefern  zu  sehen  sind,  in  der  Karte  ver- 
zeichnet, wie  ich  es  in  der  „Geologischen  Karte“  Tafel  I.  that,  genau  in  der  süd- 
westlichen Fortsetzung  der  Colonie  „Haidinger“,  und  ich  nehme  keinen  Anstand, 
die  Colonie  „Radotin“  als  südwestliche  Fortsetzung  der  Colonie  „Haidinger“ 
zu  bezeichnen. 


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Ueber  Herrn  Barrande's  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


17 


Das  Profil  DE  in  Tafel  I.  erläutert  die  Lagerungsverhältnisse  der  Colonie 
„Radotin.“  Dasselbe  ist  über  das  östlich  vom  Radotiner  Bache  befindliche  Pla- 
teau von  Südost  nach  Nordwest  gezogen,  und  vorzugsweise  aus  den  Beobachtun- 
gen zusammengestellt,  welche  ich  an  den  schön  entblössten  Gebirgsgehängen 
am  linken  Ufer  des  Radotiner  Baches  machen  konnte.  Uutersucht  man  nun  dieses 
rechtseitige  (östliche)  Gebirgsgehänge  nach  dem  Graben  aufwärts,  so  ver- 
misst man  vor  Allem  zwischen  den  daselbst  anstehenden  Königshofer  und  Kos- 
sower  Schichten  das  Erscheinen  von  Littener  Schichten,  welche  nach  dem  Strei- 
chen der  Littener  Schichten  in  der  Colonie  „Radotin“  als  Fortsetzung  dieser 
letzteren  an  irgend  einer  Stelle  dieses  Gehänges  zu  Tag  treten  sollten.  Man 
muss  hieraus  den  Schluss  ziehen,  dass  die  Littener  Schichten  der 
Colonie  „Radotin“  nach  dem  Verflächen  nicht  weit  in  das  Ge- 
birge hinein  reichen,  weil  sie  sonst  in  dem  Radotiner  Graben  an  dem 
Berggehänge  zu  Tage  kommen  würden,  sondern  dass  dieselben,  gleich  den  Lit- 
tener Schichten  in  der  Colonie  „Haidinger“,  als  deren  Fortsetzung  sich  die 
Colonie  Radotin  auch  darstellt,  durch  die  Königshofer  Schichten  in  der  Art  ab- 
geschnitten werden,  wie  ich  es  im  Profile  DE  verzeichnete. 

Weiter  gegen  Nordwesten  trifft  das  Profil  eine  mächtige  Partie  von  Litte- 
ner Schichten,  die  auf  Kossower  Schichten  lagern.  Diese  Littener  Schichten 
gehören  jedoch  bereits  der  normalen  Ablagerung  derselben  an,  da  sie  von 
Kuhelbader  Schichten  normal  bedeckt  werden,  und  somit  die  Reihe  der  norma- 
len obersilurischen  Schichtengruppen  eröffnen.  Indessen  findet  man  bei  genauer 
Untersuchung  dieser  Littener  Schichten  in  dem  Radotiner  Graben,  dass  nahe  an 
der  südöstlichen  oder  Liegendgrenze  dieser  Ablagerung  von  der  Thalsohle  an 
eine  Partie  von  Kossower  Schichten  in  die  Littener  Schichten  keilförmig  hinauf- 
ragt, und  diese  letzteren  in  ihrer  Lagerung  gestört  hat,  ohne  jedoch  die- 
selben ganz  durchzusetzen  und  bis  an  das  obere  Plateau  zu  reichen.  Ich  habe 
diese  Störung  der  normalen  Littener  Schichten  durch  Kossower  Schichten  in 
dem  Profile  DE  angedeutet,  während  die  letzteren  nach  Obigem  in  der  Karte 
selbst  nicht  ersichtlich  sind. 

Ich  bezeichne  diese  letztangeführte  Störung  der  Lagerung  der  norma- 
len Littener  Schichten  durch  Kossower  Schichten  als  besonders  bemerkenswerth, 
da  es  sich  hieraus  ergibt,  dass  auch  in  dem  Terrain  der  Colonie  „Radotin“  die 
Königshofer  und  Kossower  Schichten  in  ihrem  regelmässigen  Einfallen  zwei  Stö- 
rungen erlitten  haben,  deren  eine  sich  bei  der  Colonie  „Radotin“  selbst,  die  an- 
dere durch  das  erwähnte  keilförmige  Hineinragen  der  Kossower  Schichten  in  die 
normalen  Littener  Schichten  kund  gibt.  Beide  Störungen  können  nur  Disloca- 
tionen  der  Schichten  ihren  Ursprung  verdanken,  und  wenn  man  die  Schich- 
tenstörung bei  der  Colonie  „Radotin“  als  südwestliche  Fortsetzung  derjenigen 
Schichtenstörung,  welche  bei  der  Colonie  „Haidinger“  nachgewiesen 
wurde,  meines  Erachtens  mit  Recht  annimmt,  so  ergibt  sich  völlig  von  selbst  die 
Vermuthung,  dass  die  nördlichere,  in  den  normalen  Littener  Schichten  beobach- 
tete Schichtenstörung  die  südwestliche  Fortsetzung  jener  Schichtenstörung  sei, 
welche  aus  den  Lagerungsverhältnissen  bei  der  Colonie  „Krejci“  gefolgert 
werden  muss. 

Zu  beachten  ist  ferner,  dass  auch  am  linkseitigen  (westlichen)  Gebirgs- 
gehänge des  Radotiner  Grabens  ein  Anstehen  von  Littener  Schichten  zwischen 
Königshofer  und  Kossower  Schichten  im  Thalgrunde  nicht  aufgefunden  werden 
konnte,  und  die  Littener  Schichten  auch  an  diesem  Thalgehänge  erst  dort  auf- 
treten,  wo  sie  bereits  ihre  normale  Lage  zwischen  den  Kossower  Schichten  und 
den  obersilurischen  Kalksteinablagerungen  einnehmen.  Die  höheren  Theile  dieses 

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K.  k.  geologische  Reichsanstalt,  12.  Band,  1861  und  1862.  I.  Heft. 


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westlichen  Thalgehänges,  wie  auch  die  Höhen  selbst,  die  sich  daselbst  erheben, 
sind  stark  bewaldet,  und  daher  geologischen  Beobachlungen  ungünstig,  und  es 
bleibt  immerhin  möglich,  dass  an  irgend  einem  Punkte  dieser  Höhen  „Colonien“ 
sich  vorfinden,  die  ich  nicht  beobachtete,  und  nicht  in  die  Karte  verzeichnen  konnte. 


Colonie  „Kosor“. 

Mit  diesem  Namen  bezeichne  ich  jene  „Colonie“  von  Littener  Schichten 
zwischen  Kossower  Schichten,  welche  man  an  dem  östlichen  Gehänge  des  Gra- 
bens südöstlich  vom  Dorfe  Kosor  beobachten  kann.  (Taf.  I.)  Die  Colonie  selbst 
ist  nur  einige  Klafter  mächtig,  und  besteht  aus  Grünsteinen  und  Graptolithen- 
schiefern,  welche  zwischen  den  nach  Nordwest  einfallenden  Kossower  Schichten 
auftreten.  Die  Lagerungsverhältnisse  dieser  Colonie,  welche  ich  im  Profile  FG , 
Taf.  I darstellte,  sind  gleichfalls  keine  vollkommen  regelmässigen.  Die  Kossower 
Schichten  nämlich,  welche  die  Colonie  in  Südosten  und  Nordwesten  begrenzen, 
fallen  zwar  beiderseits  nach  Nordwesten  ein;  aber  der  Einfallswinkel  der  süd- 
östlichen (oder  Liegend-)  Kossower  Schichten  ist  ein  kleiner  und  viel  gerin- 
gerer, als  der  Einfallswinkel  der  nordwestlichen  (oder  Hangend-)  Kossower 
Schichten,  der  sich  nächst  der  Colonie  bis  70  Grad  erhebt.  Dieser  verschiedene 
Verflächungswinkel  der  Kossower  Schichten  muss  mich  bestimmen,  auch  hei  der 
Colonie  „Kosor“  eine  Schichtenstörung  vorauszusetzen,  und  auch  hier  anzu- 
nehmen, dass  die  Littener  Schichten  der  Colonie  keine  tiefgehende  Einlagerung 
in  den  Kossower  Schichten  bilden,  sondern  durch  die  im  Hangenden  (Nordwest) 
der  Colonie  auftretenden  Kossower  Schichten  abgeschnitten  werden.  Gewiss  ist 
es,  dass  die  Littener  Schichten  der  Colonie  nach  dem  Streichen  in  Nordosten 
irgendwo  an  den  bewaldeten  Höhen  sich  auskeilen  müssen,  weil  sie  in  der  Thal- 
sohle des  Radotiner  Grabens,  wie  ich  oben  erwähnte,  nicht  vorgefunden  wurden, 
und  sie  doch  in  diesem  Thale  zu  Tage  treten  müssten,  wenn  sie  eine  reguläre 
Einlagerung  in  den  Kossower  Schichten  bildeten.  Zum  besseren  Verständniss 
dieser  Lagerungsverhältnisse  muss  ich  noch  beifügen,  dass  der  Punkt,  wo  sich 
die  Colonie  „Kosor“  befindet,  ziemlich  hoch  im  Gebirge,  und  mindestens  200 
Fuss  höher  sich  befindet,  als  die  Thalsohle  des  Radotiner  Grabens  ob  Radotin, 
woraus  es  erklärlich  wird,  warum  die,  allem  Anscheine  nach,  nach  ihrem  Verflä- 
chen  abgeschnittenen  Littener  Schichten  der  Colonie  „Kosor“  in  der  Thalsohle 
des  Radotiner  Grabens  nicht  mehr  vorgefunden  werden.  Die  südwestliche  Fort- 
setzung der  Colonie  „Kosor“  ist  durch  Diluvial-Ablagerungen,  welche  das  grosse 
Hochplateau  südlich  von  Kosor  bedecken,  über  Tag  unterbrochen,  obwohl  man 
dieselbe  unter  den  Diluvien  vermuthen  darf. 

Auf  die  Kossower  Schichten,  welche  die  Colonie  im  Nordwesten  begrenzen, 
folgen  nach  aufwärts  die  normalen  Littener  Schichten,  denen  gegen  Kosor  zu 
die  Kuhelbader,  Konepruser  und  Braniker  Schichten  regulär  auflagern. 

Colonien  „Cernositz“. 

Nordwestlich  von  dem  am  Beraunflusse  gelegenen  Dorfe  Cernositz  befindet 
sich  ein  Graben,  der  das  nach  Südost  abfallende  Gebirgsgehänge  ziemlich  tief 
durchschneidet.  An  der  rechten  (östlichen)  Seite  dieses  Grabens  stehen  am 
Fusse  des  steilen  Gehänges  Königshofer  Schichten  an,  welche  nach  aufwärts 
in  Kossower  Schichten  übergehen,  auf  die  gegen  die  Höhe  grosse  Steinbrüche 
im  Betriebe  stehen.  Sowohl  die  Königshofer  als  auch  die  sie  überlagernden  Kos- 
sower Schichten  besitzen  ein  durchschnittliches  Streichen  nach  Stunde  3,  und 


Ueber  Herrn  ßarrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


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ein  widersinnisches  Verflachen  nach  Nordwesten.  In  ähnlicher  Art  folgen  auch 
an  dem  Gebirgsgehänge  links  (westlich)  vom  Graben  von  unten  nach  oben  auf 
die  Königshofer  die  Kossower  Schichten.  Geht  man  nun  nach  dem  Hauptgraben 
aufwärts,  so  findet  man  in  der  oberen  Hälfte  desselben  bis  zu  dem  Hochplateau, 
das  von  Diluvien  bedeckt  ist,  nichts  als  Kossower  Schichten  anstehend.  Hingegen 
trifft  man  an  beiden  Seiten  des  Hauptgrabens  fast  in  der  Höhe  des  Plateaus  mitten 
zwischen  Kossower  Schichten  Partien  von  Littener  Schichten  ausbeissend.  An 
der  linken  Seite  des  Hauptgrabens  stösst  man  auf  die  aus  Grünsteinen  und  Grap- 
tolithenschiefern  bestehende  Partie  der  Littener  Schichten  am  Wege,  welcher 
an  dieser  Seite  des  Grabens  von  Cernositz  nach  Tfebotow  führt.  An  der  rechten 
(östlichen)  Seite  des  Hauptgrabens  hingegen  zweigt  sich  ein  kleiner  aber  schrof- 
fer Seitengraben  nach  Nord  osten  ab,  auf  dessen  steilen  von  Kossower  Schichten 
gebildeten  Felswänden  sich  Partien  von  Grünsteinen  der  Littener  Schichten 
vorfinden.  Diese  isolirten  Partien  von  Littener  Schichten  bilden  die  Colonien 
„Cernositz“.  Sie  besitzen  nur  eine  Mächtigkeit  von  4 bis  5 Klaftern. 

Was  die  Lagerungsverhältnisse  dieser  Colonien  betrifft,  so  ist  deren  unmit- 
telbare Auflagerung  auf  Kossower  Schichten,  die  mit  40  bis  50  Grad  nach 
Nordwest  einfallen,  sichtbar;  weniger  klar  dagegen  ist  deren  Ueb erläge  r u ng, 
obschon  nach  den  vorhandenen  Entblössungen  es  keinem  Zweifel  unterliegt,  dass 
auch  im  Hangenden  der  Colonien,  d.  i.  an  der  nördlichen  Begrenzung  derselben, 
Kossower  Schichten  mit  steilem  nordwestlichen  Einfallen  auftreten.  Da  jedoch 
in  dem  Umstande,  dass  die  Littener  Schichten,  ungeachtet  sie  an  beiden  Sei- 
ten des  Hauptgrabens  und  zwar  genau  in  der  dem  Streichen  der  Gebirgsschichten 
entsprechenden  Richtung  in  der  Höhe  zu  Tag  treten,  in  dem  Hauptgraben  selbst, 
welchen  sie  nach  dem  Streichen  durchschneiden  sollten,  nirgends  in  der  Tiefe 
anstehend  gefunden  werden,  der  Beweis  vorliegt,  dass  die  Littener  Schichten 
sich  nach  dem  Verflächen  in  das  Gebirge  auskeilen  oder  durch  die  Kossower 
Schichten  abgeschnitten  werden;  so  habeich  diesem  entsprechend  das  Profil  HI 
in  Taf.  I entworfen,  welches  demnach  auch  ein  begründetes  Bild  von  den  Lage- 
rungsverhältnissen der  Colonien  „Cernositz“  gibt. 

Das  Hochplateau,  auf  dessen  Höhe  die  Colonien  „Cernositz“  nahezu  auf- 
treten, ist  mit  Diluvien  bedeckt.  Man  ist  daher  nicht  im  Stande,  weder  die 
westliche  noch  die  östliche  Colonie  nach  ihrem  Streichen  zu  verfolgen,  und  den 
allfälligen  Zusammenhang  der  letzeren  mit  der  Colonie  „Kosor“  zu  constatiren. 
Westlich  von  dem  Cernositzer  Graben  ist  überdies  das  Gebirge  bewaldet,  und 
diese  Waldungen,  die  bis  zu  dem  Solopisker  Graben  reichen,  verhinderten  auch 
eine  Begehung  der  Gehänge  gegen  diesen  Graben.  Am  Wege,  welcher  nach  dem 
Solopisker  Graben  von  Solopisk  nach  Cernositz  führt,  fand  ich  zwar  an  einer 
Stelle,  wo  am  Gehänge  nur  Kossower  Schichten  anstehen,  eine  kleine  Partie 
von  Graptolithenschiefern  der  Littener  Schichten;  da  ich  jedoch  zur  Beurtheilung 
der  Lagerungsverhältnisse  derselben  keine  festen  Anhaltspuncte  gwinnen  konnte, 
so  begnüge  ich  mich,  hievon  einfach  Erwähnung  zu  machen.  In  diesem  Graben 
sind  jedoch  bei  Solopisk,  d.  i.  südlich  vom  Orte,  die  normalen  Littener  Schich- 
ten sehr  mächtig  entwickelt,  und  ich  konnte  daselbst  drei  mächtige  Partien  von 
Grünsteinen  zwischen  Graptolithenschiefern  beobachten.  Leider  gestatteten  mir 
das  Wetter,  die  Zeit,  und  das  theilweise  dicht  bewaldete  Terrain  nicht,  diese 
Ablagerung  der  Littener  Schichten  einer  vollkommen  detaillirten  Aufnahme  zu 
unterziehen,  die  vielleicht  interessante  Daten  über  die  Lagerung  dieser  Littener 
Schichten  geliefert,  vielleicht  selbst  eine  coloniale  Erscheinung  von  Kossower 
Schichten  zwischen  denselben  nachgewiesen  hätte,  wesshalb  ich  spätere  Forscher 
auf  diese  Stelle  besonders  aufmerksam  zu  machen  mir  erlaube. 


3 * 


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Colonie  „Wonoklas“. 

Das  Dorf  Wonoklas  (siehe  Karte  Taf.  I)  steht  auf  Littener  Schichten,  wel- 
che, da  sie  nördlich  vom  Orte  normal  von  Kuhelbader  und  weiters  von  Kone- 
pruser,  Braniker  und  Hluboceper  Schichten  überlagert  werden,  als  die  normale 
Ablagerung  der  Littener  Schichten  in  der  Beihe  der  obersilurischen  Schichten- 
gruppen anzusehen  sind.  Diese  Littener  Schichten  lagern  auf  Kossower  Schichten, 
wie  man  dies  in  dem  Graben  südlich  vom  Dorfe  beobachten  kann.  In  dem  erwähn- 
ten Graben  findet  man  in  der  Thalsohle  an  beiden  Gehängen  abwärts  bis  zu  der 
Wendung  desselben  gegen  Osten  nur  Kossower  Schichten  anstehend;  dort  treten 
Königshofer  Schichten  unter  denselben  auf.  An  den  Gehängen  zunächst 
der  Thalsohlewerden  demnach  keineLittener  Schichten  zwischen 
den  Kossower  Schichten  bemerkbar.  Allein  in  der  halben  Höhe  des 
östlichen  Thalgehänges,  und  zwar  an  der  Stelle,  wo  ein  Steinbruch  auf  die  Kosso- 
wer Sandsteine  eröffnet  ist,  zeigt  sich  ein  höchst  interessantes  Auftreten  von 
Grünsteinen  der  Littener  Schichten  zwischen  Kossower  Schichten.  Letztere 
bilden  nämlich  daselbst  eine  Faltung  und  eine  Biegung,  und  die  Grünsteine 
der  Littener  Schichten  werden,  wie  man  dies  bei  dem  Steinbruche  deutlich 
sieht,  von  den  Falten  der  Kossower  Schichten  eingeschlossen,  so  dass  sie  nur 
nach  oben  frei  zu  Tag  treten,  nicht  aber  in  das  Gebirge  sich  erstrecken. 

Dieses  Auftreten  von  Littener  Schichten  zwischen  Kossower  Schichten, 
welches  ich  als  Colonie  „Wonoklas“  bezeichne,  habe  ich  in  dem  Profile  KK  in 
Tafel  I dargestellt.  Der  Grünstein  tritt  nur  in  geringer  Masse  auf,  aber  in  einer 
Art,  die  klar  zeigt,  dass  derselbe  den  Kossower  Schichten  nicht  zwischen- 
gelagert, sondern  aufgelagert  sei,  und  nur  in  Folge  einer  Dis  lo cation  der 
letzteren  zwischen  dieselben  eingezwängt  wurde. 

Colonien  „Karlik“. 

Der  tiefe  Einschnitt,  welchen  der  Rubriner  Bach  nördlich  von  Karlik  (siehe 
Taf.  I)  in  das  Gebirge  macht,  und  durch  welchen  die  Gebirgsschichten  ihrem 
Streichen  in’sKreuz  durchbrochen  werden,  gestattet  auch  eine  genauere  Ermittlung 
der  Reihenfolge  der  Gebirgsschichten  in  diesem  Thale.  Das  Profil  LM  in  Tafel  I, 
welches  von  Karlik  aus  nach  Nordvvesten  über  die  Gehänge  am  linken  Bachufer 
gezogen  ist,  versinnlichet  die  beobachtete  Reihenfolge  der  Schichten. 

Das  steile  Gehänge,  welches  sich  bei  Karlik  aus  der  Dobfichowicer  Ebene 
erhebt,  besteht  am  Fusse  aus  Kossower  Schichten,  welche  nach  Stunde  3 (N.  0.) 
bis  4 (0.  30°  N.)  streichen,  und  nach  Nordwesten  einfallen.  Auf  den  Kossower 
Schichten  lagern  concordant  Littener  Schichten,  und  zwar  Grünsteine  und 
Graptolithenschiefer  mit  Kalksphäroiden ; die  Grünsteine,  steile  Felswände  am  Ein- 
gänge in’s  Rubriner  Thal,  eine  Art  Felsenthor,  bildend,  die  Graptolithenschiefer 
ebenfalls,  wie  die  Kossower  Schichten,  nach  Nordwesten  verflächend.  Die 
Mächtigkeit  der  Littener  Schichten  ist  bedeutend,  und  beträgt,  wie  man  dies  am 
rechten  Bachufer  bei  Karlik  entnehmen  kann,  viele  Klafter.  Hinter  dem  ersten 
Bergrücken,  welcher  aus  den  oben  bezeichneten  Kossower  und  Littener  Schich- 
ten zusammengesetzt  ist,  breitet  sich  eine  kleine  Fläche  aus,  von  welcher  nach 
Nordosten  und  Südwesten  Gräben  auslaufen.  In  diesen  Gräben  findet  man  Königs- 
hofer Schichten  anstehend,  welche,  wie  die  genannten  Littener  Schichten,  auf 
welche  sie  folgen,  im  Allgemeinen  gleichfalls  ein  nordwestliches  Einfallen 
zeigen,  das  aber  steiler  ist,  als  jenes  des  Littener  Schichten.  Die  erwähnte  kleine 


Ueber  Herrn  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


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[21] 


Fläche  begrenzt  nördlich  ein  zweiter  Bergrücken,  an  dessen  Fusse  noch  die  Königs- 
hofer Schichten  zu  sehen  sind,  dessen  steile  Gehänge  aber  die  Kossower  Schich- 
ten bilden,  welche  zwar  ein  Streichen  nach  Stunde  4 (0.  30°N.)  bis  5 (0. 13°N.) 
abnehmen  lassen,  aber  auch  ein  nordwestliches  Einfallen  besitzen,  somit  die  Königs- 
hofer Schichten  überlagern.  Verfolgt  man  die  Schlucht,  welche  diesen  zweiten 
Bergrücken  quer  durchschneidet,  und  durch  welche  der  Rubriner  Bach  fliesst, 
weiter  aufwärts,  so  beobachtet  man  am  Gehänge  des  linken  Bachufers  eine  zweite 
kleinere  Partie  yon  Littener  Schichten,  und  zwar  Grünsteine,  welche  deutlich  den 
Kossower  Schichten  auflagern.  Es  folgen  sodann  gegen  Norden  neuerdings  Kos- 
sower und  Königshofer  Schichten,  deren  Lagerungsverhältnisse , insbesondere 
gegen  die  letzterwähnten  Littener  Schichten,  aber  wegen  des  coupirten  Terrains 
nicht  bestimmt  erhoben  werden  konnten.  Erst  entfernter  von  diesen  Littener 
Schichten  kann  man  das  nordwestliche  Einfallen  der  Kossower  Schichten 
wieder  beobachten,  und  auf  diese  Kossower  Schichten  folgen  endlich  gegen 
Norden  in  concordanter  Lagerung  die  normalen  Littener  Schichten,  die  von 
den  Kuhelbader  und  höheren  Kalkschichten  überlagert  werden. 

Das  eben  erörterte  Profil  LM  zeigt  demnach,  dass  sich  in  dem  Graben  ob 
Karlikzwei  Colonien  von  Littener  Schichten  zwischen  Königshofer  und  Kosso- 
wer Schichten  vorfiuden,  und  dass  diese  Colonien  zu  einander  nahezu  parallel 
streichen.  Ich  habe  die  südlichere  Colonie  mit  x>  die  nördlichere  mit  y , 
und  die  normalen  Littener  Schichten  mit  * bezeichnet.  Verfolgt  man  die  Colo- 
nien „Karlik“  nach  dem  Streichen  gegen  Nordosten,  so  gewahrt  man,  dass  ihre 
Mächtigkeit  in  dieser  Richtung  abnimmt,  und  dass  sie  am  Bergrücken  zwischen 
dem  Karliker  und  Wonoklaser  Graben  sich  verlieren.  Man  findet  sie  auch  in  der 
That  im  Wonoklaser  Graben  am  westlichen  Gehänge  des  rechten  Bachufers 
nirgends  zu  Tag  treten,  — ein  Beweis,  dass  sie  sich  in  dieser  Richtung  aus- 
gekeilt haben,  und  daher  nach  dem  Verflächen  nicht  tief  in  das  Ge- 
birge eing reifen.  In  südwestlicher  Richtung  dagegen  halten  die  Colonien 
„Karlik“  nach  dem  Streichen  an,  und  sie  stehen  in  dieser  Richtung  in  unmittel- 
barem Zusammenhänge  mit  den  zunächst  zu  beschreibenden  Colonien. 


Colonien  „Treban“. 


Das  coloniale  Auftreten  von  Littener  Schichten  zwischen  Kossower  und 
Königshofer  Schichten  östlich  von  Treban,  welches  ich  als  Colonien  „Treban“  in 
dem  von  Rewnitz  am  Beraunflusse  nach  Nordwest  zum  Plesiwec-Berge  gezogenen 
Profile  NO  in  Tafel  I darstellte,  verdient  eine  vorzügliche  Beachtung.  Einerseits 
hat  der  Beraunfluss,  welcher  bei  Rewnitz  aus  dem  obersilurischen  Gebirgsterrain, 
das  er  quer  durchbrochen  hatte,  tritt,  die  Gebirgsschichten  an  beiden  Ufern  in 
einer  Art  blossgelegt,  dass  man  deren  Lagerungsverhältnisse  leicht  erheben  kann. 
Andererseits  erscheinen  in  den  Trebaner  Colonien  die  Littener  Schichten  bereits 
in  so  grosser  Mächtigkeit  zwischen  den  Königshofer  und  Kossower  Schichten, 
dass  sie  diesbezüglich  selbst  den  normalen  Ablagerungen  derselben  nicht 
viel  nachstehen. 

Untersucht  man  die  grösstentbeils  schön  entblössten  Gebirgsschichten,  wie 
sie  von  Rewnitz  an  in  nordwestlicher  Richtung  auf  einander  folgen,  so  stehen  ob 
der  Mahlmühle  am  linken  Ufer  des  Beraunflusses  gegenüber  von  Rewnitz  zu- 
nächst Königshofer  und  über  diesen  Kossower  Schichten  an,  die  nach  Stunde  3 
streichen  und  mit  33  Grad  nach  Nordwesten  einfallen.  Sie  werden  unmittelbar 
von  Grünsteinen  der  Littener  Schichten  überlagert,  deren  Auflagerung  auf  den 
Kossower  Schichten  besonders  schön  am  rechten  Ufer  der  Beraun  in  der  süd- 


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westlichen  Fortsetzung  des  Streichens  beobachtet  werden  kann,  wo  die  Griin- 
steine  in  Bänke  geschichtet  das  gleiche  Streichen  und  Fallen  mit  den  Kossower 
Schichten  besitzen.  Auf  den  Grünsteinen  liegen  Graptolithenschiefer  der  Litte- 
ner  Schichten. 

Es  folgt  nun  ein  kleiner  Thaleinschnitt  in  das  Gebirge,  der  sich  vom  Beraun- 
flusse  in  nordöstlicher  Richtung  gegen  das  Dorf  Rowina  hinaufzieht.  An  der 
Nordseite  dieses  Thaleinschnittes  erhebt  sich  von  Nordost  nach  Südwest  strei- 
chend ein  zweiter  schroffer  Hügelzug,  welcher  am  Beraunflusse  in  steilen  Fels- 
wänden „cerna  Skala“  genannt,  endet.  Am  südlichen  Fusse  dieses  Hügelzuges 
kommen  noch  Graptolithenschiefer  mit  Kalksphäroiden  der  Litte ner  Schich- 
ten zu  Tag,  und  ich  konnte  an  einer  Stelle  deren  Streichen  nach  Stunde  5 
(0.  15o  N.)  bis  6 (0.)  mit  nördlichem  Einfallen  unter  20  bis  30  Grad  ab- 
nehmen.  Auf  den  Schiefern  der  Littener  Schichten  lagern  Grünsteine  derselben 
in  einer  Mächtigkeit  von  mehreren  Klaftern,  an  dem  südlichen  Gehänge  des 
erwähnten  Hügelzuges  steile  Abstürze  bildend.  Diese  Grünsteine  findet  man,  auf 
der  Höhe  des  Gehänges  angelangt,  sehr  schön  und  deutlich  von  Kossower  Schich- 
ten überlagert,  welche  wieder  ein  Streichen  nach  Stunde  3 (N.  0.)  bis  4 
(0.  30°  N.),  und  ein  nordwestliches  Einfallen  von  35  Grad  besitzen.  In  der 
kleinen  Einbuchtung,  welche  der  Hügelzug  nördlich  von  der  oben  erwähnten  von 
Kossower  Schichte  gebildeten  Höhe  besitzt,  sieht  man  auf  die  Kossower  Schichten 
die  Königshofer  Schichten  folgen,  welche  die  ganze  Einbuchtung  einnehmen.  Höchst 
beachtenswerth  ist  an  dieser  Stelle  der  Umstand,  dass  man  die  Königshofer 
Schichten,  wenn  man  deren  unmittelbare  Auflagerung  auf  Kossower  Schichten 
in  südwestlicher  Richtung  verfolgt,  nach  und  nach  diese  letz  teren  über- 
greifend bedecken  sieht,  so  dass  das  zu  Tagetreten  der  Kossower  Schich- 
ten in  dieser  Richtung  sich  auskeilt,  und  die  Königshofer  Schichten  zunächst  am 
Beraunflusse  unmittelbar  auf  die  Grünsteine  der  Littener  Schichten  zu  liegen 
kommen.  (Siehe  Karte  Taf.  I.)  Es  zeigt  sich  hier  klar  eine  Ueberschiebung 
der  Königshofer  Schichten  über  die  Kossower  Schichten,  und  ich 
muss  auf  diese  hier  deutlich  sichtbare  Thatsache  ein  um  so  grösseres  Gewicht 
legen,  als  dieselbe  geeignet  ist,  auf  manche  nicht  so  klar  vorliegende  Erscheinun- 
gen bei  anderen  Colonien  ein  Licht  zu  werfen. 

Auf  die  Königshofer  Schiefer  folgen  am  nördlichen  Rande  der  kleinen 
Einbuchtung  wieder  Kossower  Schichten  mit  einem  Streichen  nach  Stunde  4 
(0.  30°  N.)  und  mit  einem  Verflächen  von  35  Grad  nach  Nordwesten,  somit  un- 
bestritten die  ersteren  überlagernd.  Diese  Kossower  Schichten  werden  weiters 
gegen  Norden  abermals  von  Littener  Schichten  bedeckt,  welche  zunächst  der 
Kossower  Schichten  ein  Streichen  nach  Stunde  6 (0.)  und  auch  ein  nördliches 
Einfallen  mit  35  Grad  besitzen.  Diese  Littener  Schichten  nehmen  das  ganze  nörd- 
liche Gehänge  des  Hügelzuges,  dessen  geologische  Zusammensetzung  eben  erörtert 
wurde,  ein,  und  lassen  sich  bis  in  den  Grund  des  Thaies  verfolgen,  welches,  von 
der  Trebaner  Alluvialebene  ausgehend,  sich  gegen  Nordosten  in  das  Gebirge 
erstreckt,  und  den  erwähnten  Hügelzug  von  dem  nördlichen  Hauptgebirgszuge 
scheidet.  Die  Littener  Schichten  an  diesem  Gehänge  zeigen  mehrfachen  Wech- 
sel von  Grünsteinen  und  Graptolithenschiefern  mit  Kalksphäroiden , aber  wenig 
Puncte,  wo  deren  Streichen  und  Fallen  mit  Sicherheit  erhoben  werden  könnte. 

Der  bezeichnete  Hauptgebirgszug  an  der  nördlichen  Seite  des  erwähnten 
Thaies  besteht  an  seiner  südlichen  Abdachung  aus  Kossower  und  Königshofer 
Schichten,  die  am  Fusse  des  Gebirges  ebenfalls  ein  nordwestliches  Einfallen 
zeigen,  auf  den  Höhen  aber  grösstentheils  von  Gebirgsschutt  und  Diluvialschotter 
bedeckt  sind.  Diese  sehr  mächtige  Zone  von  Kossower  und  Königshofer  Schichten 


Ueber  Herrn  Barrande's  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


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[23] 


besitzt  übrigens  sehr  u nreg  elmäss  ige  Lagerungsverhältnisse,  wie  man  dies 
theils  an  den  Gehängen  des  linken  Beraunufers,  besonders  aber  in  der  Fortsetzung 
ihrer  Streichungsrichtung  am  rechten  Ufer  der  Beraun,  worauf  ich  später 
zurückkommen  werde,  beobachten  kann.  Erst  in  ziemlicher  Höhe  stösst  man  auf 
dem  Wege,  der  von  Vorder-Treban  nach  Karlstein  führt,  auf  Littener  Schichten, 
die  den  Kossower  Schichten  normal  auflagern,  und  auch,  da  auf  dieselben  bereits 
die  obersilurischen  Kalksteinschichten  folgen,  die  normale  Ablagerung  der 
Littener  Schichten  sind. 

Das  so  eben  beschriebene  Profil  NO  in  Tafel  I weiset  nach,  dass  auch 
nördlich  von  Bewnitz  bei  „Treban“  zwei  „Colonien“  von  Littener  Schichten 
zwischen  Kossower  und  Königshofer  Schichten  auftreten.  Ich  habe  auch  hier 
die  südlichere  Colonie  mit  x , die  nördlichere  mit  y , und  die  normale  Ablagerung 
der  Littener  Schichten  mit  z bezeichnet. 

Keine  der  Colonien,  die  ich  bereits  beschrieben,  und  noch  beschreiben 
werde,  bietet  bei  oberflächlicher  Aufnahme  scheinbar  eine  so  grosse  Begel- 
mässigkeit  in  der  Lagerung  dar,  als  dies  bei  der  Colonie  x von  Treban  der  Fall 
ist,  welche  eben  desshalb  als  die  interessanteste  von  Allen  bezeichnet  werden 
muss.  Denn  sowohl  die  liegendsten  Kossower  Schichten  (in  der  Karte  mit  zz 
bezeichnet)  , als  auch  die  die  beiden  Colonien  x und  y trennenden  Kossower 
Schichten  (?/?/)  besitzen  das  gleiche  Streichen  nach  Stunde  3 (N.  0.)  bis  4 (0.  30° 
N.)  und  dasselbe  Verflachen  mit  35  Grad  nach  Nordwesten,  und  die  dazwischen 
liegende  Colonie  x selbst  fällt  scheinbar  gleichmässig  ein.  Gewiss  Jedermann,  der 
die  Trebaner  Colonie  x besichtiget,  wird  den  Eindruck  erhalten , dass  daselbst 
eine  regelmässige  Zwischenlagerung  von  Littener  Schichten  zwischen 
Kossower  Schichten  Platz  greife,  da  man  den  Unterschied  und  die  Abweichung 
im  Streichen  der  Littener  Schichten,  welches  nach  Stunde  5 (0.  15°  N.)  bis 
6 (0.)  läuft,  ohne  nähere  Untersuchung  kaum  wahrnehmen  kann.  Indessen  werde 
ich  in  der  Folge,  weniger  gestützt  auf  die  oben  erwähnte  verschiedene  Strei- 
chungsrichtung, die  für  sich  allein  kaum  maassgebend  wäre,  als  vielmehr 
durch  andere  Beweismittel  zu  begründen  suchen,  dass  auch  bei  dieser  Colonie 
eine  Störung  der  Lagerungsverhältnisse  erfolgt  sei,  und  die  scheinbar  regel- 
mässige Zwiscbenlagerung  eine  abnorme  Lagerung  in  sich  begreife. 

Die  Colonien  „Treban“  sind,  wie  ich  schon  oben  andeutete,  auch  desshalb 
von  besonderem  Interesse,  da  sie  zusammengenommen  eine  Breite  (nicht 
Mächtigkeit)  von  nahezu  400  Klaftern, — die  Colonie  x nahezu  eine  Breite 
von  120  Klaftern  — besitzen  *),  während  die  zwischen  den  beiden  Colonien 
befindlichen  Königshofer  und  Kossower  Schichten  (yy)  nur  in  einer  Breite  von 
ungefähr  50  Klaftern  zu  Tag  treten,  so  dass  man  es  hier  mehr  mit  einer 
Colonie  vonKönigshoferundKossower  Schichten  zwischen  Litte- 
ner Schichten,  als  mit  Colonien  von  Littener  Schichten  zu  thun  zu  haben 
vermeint. 

Betreff  der  Ausdehnung  der  Colonien  „Treban“  nach  dem  Streichen  habe 
ich  bereits  bei  den  Colonien  „Karlik“  darauf  hingedeutet,  dass  dieselben  mit 
jenen  von  Treban  in  einem  ununterbrochenen  Zusammenhänge  stehen.  In  der 


4)  Die  Mächtigkeit  und  Breitenausdehnung  der  einzelnen  Gebirgsglieder  ist  selbstver- 
ständlich in  der  Karte  und  in  den  Profilen  Tafel  I nicht  genau  nach  dem  Maassstabe 
angegeben,  sondern  meisten  theils  viel  vergrössert,  um  dadurch  die  Karte  selbst,  beson- 
ders aber  die  Profile  deutlicher  zu  machen.  Bei  dem  kleinen  Maassstabe  der  Karte  wäre 
ohnedem  die  genaue  Zeichnung  der  Mächtigkeit  von  einigen  Klaftern  gar  nicht  ausführbar, 
daher  der  Maassstab  nur  auf  das  Terrain  im  Allgemeinen,  nicht  auch  auf  die  geologischen 
Daten  angewendet  werden  kann. 


24 


M.  V.  Lipoid. 


[24] 

That  bilden  die  Colonien  x und  y von  Karlik  und  Tfeban,  wie  dies  aus  der 
geologischen  Karte  Tafel  I ersichtlich  ist,  zwei  zu  einander  parallel  laufende 
Züge  von  Littener  Schichten  zwischen  Königshofer  und  Kossower  Schichten. 
Gegen  Südwesten  werden  die  Colonien  „Tfeban“  durch  das  Beraunthal  abge- 
schnitten, und  ist  durch  das  letztere  ihre  u nm  ittelhare  Fortsetzung  unter- 
brochen. Nichtsdestoweniger  setzen  diese  beiden  Colonien  am  rechten  Ufer 
der  Beraun  nach  Südwesten  fort,  da  die  an  den  Gebirgsgehängen  am  rechten 
Beraun-Ufer  zwischen  Kossower  und  Königshofer  Schichten  auftretenden,  genau 
in  der  südwestlichen  Streichungsrichtung  der  Colonien  von  Tfeban  liegenden 
Littener  Schichten,  von  welchen  bei  der  nächstfolgenden  Beschreibung  der 
Colonien  „Belec“  die  Bede  sein  wird,  nur  als  die  südwestliche  Fortsetzung  der 
Colonien  „Tfeban“  betrachtet  werden  können. 


Colonien  „Bflec“. 


Das  Profil  P Q in  Tafel  I,  welches  von  Lhotka  in  nordnordwestlicher  Dichtung 
über  das  Dorf  Belec  und  über  den  Woskowberg  in  das  Beraunthal  gezogen  ist, 
gibt  ein  Bild  von  dem  Auftreten  der  als  Colonien  „Belec“  bezeichnten  Littener 
Schichten  zwischen  Königshofer  und  Kossower  Schichten  in  diesem  Terrain. 
Man  erhält  dieses  Profil,  wenn  man  von  dem  Bergrücken  südlich  von  dem  Belecer 
Thale  an  der  Strasse,  die  von  Lhotka  nach  Belec  führt,  in  das  Dorf  Belec  geht, 
sodann  nach  dem  kleinen  Graben,  der  im  Dorfe  Belec  in  den  Mnienaner  Bach 
mündet,  und  von  dem  Woskower  südlichen  Gebirgsgehänge  herabzieht,  von  dem 
unteren  in  das  obere  Dorf  Belec  steigt,  von  dort  in  nördlicher  Dichtung  an  den 
Rücken  des  Woskowberges  und  endlich  nach  dem  nördlichen  Gehänge  desselben 
zum  Beraunflusse  sich  verfügt.  Man  verquert  auf  diesem  Wege  zweimal 
Littener  Schichten,  abwechselnd  mit  Königshofer  und  Kossower  Schichten,  die 
somit  zwei  auf  einander  folgende  Colonien  bilden,  wovon  ich  die  südlichere 
wieder  mit  x,  die  nördlichere  mit  y bezeichnete.  Am  nördlichen  Gehänge  des 
Woskowberges  stösst  man  endlich  auf  eine  dritte  Ablagerung  von  LittenerSchichten 
(z),  welche  sich  jedoch  als  die  normale  Ablagerung  dieser  Schichten  erweiset, 
da  sie  gegen  Krupna  zu,  so  wie  auch  am  linken  Beraunufer  normal  von  den 
Kalksteinen  der  Kuhelbader  Schichten  überlagert  wird. 

Was  nun  die  hiebei  beobachteten  Lagerungsverhältnisse  anbelangt, 
so  ist  vor  allem  zu  bemerken,  dass  die  liegendsten  Kossower  und  Königshofer 
Schichten,  welche,  in  der  Karte  Taf.  I mit  22  bezeichnet,  gleichsam  als  die 
normale  Ablagerung  dieser  Schichten  gelten  können  und  bei  den  bisher  be- 
schriebenen Colonien  stets  eine  grosse  Regelmässigkeit  in  ihrem  nordwestlichen 
Einfallen  beobachtet  hatten,  nächst  Belec  eine  grosse  Unregelmässigkeit  in  der 


Fig.  A. 


Lagerung  besitzen,  ln  einem  kleinen,  unge- 
fähr 100  Klafter  unterhalb  (östlich)  des  Dorfes 
Belec  am  rechten  Ufer  des  Mnienaner  Baches  am 
südlichen  Gebirgsgehänge  befindlichen  Graben 
zeigen  sich  die  Kossower  Schichten  in  der  Art 
gebrochen  und  gefaltet,  wie  es  Fig.  A darstellt. 

Am  linken  Ufer  des  Baches,  gegenüber  dem 
Graben,  stehen  am  Fusse  des  nördlichen  Ge- 
hänges ebenfalls  Kossower  Schichten  mit  nörd- 
lichem Einfallen  an,  und  sie  werden  daselbst 
gegen  die  Höhe  von  Grünsteinen  (der  Colonie  x)  bedeckt.  Auch  die  Königs- 
hofer Schichten,  die  man  am  südlichen  Gehänge  zwischen  dem  erwähnten  Graben 


Schichtenstörung  der  Kossower  Schichten, 
östlich  von  Belee. 


lieber  Herrn  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


25 


[25] 

und  dem  Dorfe  Beiec  antrifft,  zeigen  eine  sehr  gestörte  Lagerung,  und  die 
Kossower  Schichten,  welche  in  einer  Mächtigkeit  von  kaum  ein  paar 
Klaftern  die  südliche  Begrenzung  der  im  Dorfe  Beiec  anstehenden  Colonie  x 
bilden,  sind  steil  und  beinahe  senkrecht  aufgerichtet. 

An  diese  Kossower  Schichten  lagert  sich  die  Colonie  x an,  und  sie  beginnt 
am  südlichen  Gehänge  des  Mnienaner  Baches  am  Wege  vom  Dorfe  Beleß  nach 
Lhotka  mit  Grünsteinen,  auf  welche  Graptolithenschiefer  der  Littener  Schichten 
folgen.  Letztere  nehmen  dem  Dorfe  zu  ein  flacheres  nordwestliches 
Einfallen  an,  und  stehen  bis  zur  Thalsole  an.  Am  linken  Bachufer  erheben  sich 
wieder  Grünsteinfelsen,  von  Graptolithenschiefern  beiderseits  umlagert,  und,  wenn 
man  in  dem  kleinen  aber  tief  eingeschnittenen  Graben , der  vom  Oberdorfe 
herabkommt,  und  im  Unterdorfe  in  den  Mnienaner  Bach  mündet,  die  Gebirgs- 
schichten  untersucht,  so  findet  man,  dass  mitten  z wisch  en  di  e s en ' Schi  e- 
fern  und  Grünsteinen  eine  kaum  einige  Fuss  mächtige  Partie  von 
Kossower  Schichten  in  dieselben  hinauf  ragt,  und  die  Colonie  x 
gleichsam  in  zwei  Colonien  scheidet.  Diese  Kossower  Schichten,  deren  steiles 
Emporragen  ich  im  Profile  PQ  ersichtlich  machte,  sind  jedoch  nur  im  Graben 
sichtbar,  und  treten  an  der  Oberfläche  nirgends  kenntlich  zu  Tag. 

Von  da  an  nach  dem  Graben  aufwärts  und  durch  das  Oberdorf  beobachtet 
man  noch  einen  zweimaligen  Wechsel  von  Grünsteinen  und  Graptolithenschiefern 
der  Littener  Schichten,  u.  z.  mit  widersinnischem,  nordwestlichem  Verflächen, 
bis  man  oberhalb  des  Dorfes  an  die  nördliche  Begrenzung  der  Colonie  x gelangt, 
welche  aus  Kossower  Schichten  besteht,  die  auf  Grünsteinen  lagern,  nach 
St.  5 (0. 15°  N.)  streichen,  und  mit  50  Grad  widersinnisch  nach  Norden  einfallen. 

Steigt  man  nun  das  südliche  Gehänge  des  Woskow-Berges  hinan,  so  treten 
zuerst  nebst  Kossower  auch  Königshofer  Schichten  (yy) , an  der  halben  Höhe 
des  Gehänges  abermals  Grünsteine  und  Graptolithenschiefer  der  Littener  Schich- 
ten (Colonie  y)>  und  endlich  gegen  die  Höhe  des  Woskow  Berges  und  auf  der- 
selben wieder  Königshofer  und  Kossower  Schichten,  in  der  Karte  mit  xx  be- 
zeichnet, zu  Tag.  Die  Lagerungsverhältnisse  dieser  verschiedenen  Schichten 
lassen  sich  jedoch  an  dem  südlichen  Berggehänge  nicht  genau  ermitteln  , und 
erst  am  nördlichen  Gehänge  des  Woskow-Berges  sieht  man  die  Kossower 
Schichten  wieder  deutlich  nach  Nord  einfallen,  und  die  sie  überlagernden 
normalen  Littener  Schichten  unterteufen.  Hingegen  geben  zur  Beurtheilung 
der  Lagerungsverhältnisse  der  erwähnten  Schichten  die  schönen  Gebirgsent- 
blössungen,  welche  die  schroffen  Abstürze  am  rechten  Ufer  der  Beraun  von 
Paucnik  abwärts  darbieten,  genügende  Anhaltspunkte  an  die  Hand.  — Unter 
den  (normalen)  Littener  Schichten,  welche  von  Paucnik  an  bis  zu  der  südlich 
davon  am  Beraunflusse  befindlichen  Mahlmühle  zu  Klucic  anstehen,  u.  z.  unter 
den  Grünsteinen  dieser  Schichten  lagern  nächst  der  Klucicer  Mühle  Kosso- 
wer Schichten,  welche  deutlich  nach  Norden  einfallen.  Von  da  an  abwärts  nach 
der  Beraun  aber  zeigen  die  Königshofer  und  Kossower  Schichten  (des  Zuges  xx) 
eine  ausserordentlich  gestörte  Lagerung.  Ich  war  bemüht,  eine  möglichst  genaue 
Skizze  dieser  Lagerung  zu  nehmen,  die  ich  in  der  rückwärtsstehenden  Fig.  B. 
mittheile,  um  mit  desto  grösserer  Sicherheit  daraufhinweisen  zu  können,  dass 
diese  Lagerungsverhältnisse  einen  genügenden  Beweis  liefern  von  den  grossartigen 
Störungen  und  Dislocationen,  welche  die  bunt  durcheinander  geworfenen  Königs- 
hofer und  Kossower  Schichten  dieses  Zuges  erlitten  haben  mussten.  An  der 
südlichen  Begrenzung  dieser  Schichten  sieht  man  an  die  vorherrschenden  und 
zuletzt  unter  70  bis  80  Grad  nach  Süd  verfiächenden  Königshofer  Schichten 
Grünsteine  anlagern,  die,  zur  Colonie  y gehörig,  schroffe  Felswände  bilden. 

4 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  I.  Heft. 


2« 


M.  V.  Lipoid. 


[2ß] 


Noch  lassen  sich  die  zwischen  den  beiden  Colonien  y und  x 
befindlichen  Königshofer  und  Kossower  Schichten  yy  am 
rechten  Ufer  der  Beraun  mit  Bestimmtheit  beobachten,  aber 
eine  genaue  Erhebung  ihrer  Lagerungsverhältnisse  ist  wegen 
des  coupirten  Terrains  auch  hier  nicht  thunlich  gewesen.  Die 
beiden  Colonien  selbst  erscheinen  daselbst  theils  aus  Grapto- 
lithenschiefern,  theils  aus  Grünsteinen  zusammengesetzt,  und 
insbesondere  sind  es  die  letzteren,  welche  man  unterhalb 
Hinter-Treban  den  Kossower  Schichten  zz  normal  und  gleich- 
massig  auflagern  sieht. 

Bei  Betrachtung  der  geologischen  Karte  Taf.  1 kann  es, 
wie  ich  schon  bei  Beschreibung  der  Colonien  „Treban“  am 
Schlüsse  bemerkte,  keinem  Zweifel  unterliegen,  dass  die 
auch  am  rechten  Ufer  der  Beraun  zu  Tag  tretenden  Colonien 
„Belec“  als  die  südwestliche  Fortsetzung  der  Colonien  „Treban“ 
angesehen  werden  müssen,  und  dass  der  aus  ihrer  Streichungs- 
richtung gefolgerte  unmittelbare  Zusammenhang  nur  durch  den 
Durchbruch  des  Beraun-FMusses  eine  Unterbrechung  erlitten 
hatte.  So  wie  aber  die  Colonien  „Belec“  gegen  Nordosten 
fortsetzen,  eben  so  finden  sie  auch  gegen  Südwesten  ihre 
weitere  Fortsetzung,  die  ich  näher  erörtern  muss. 

Verfolgt  man  zuerst  die  Belecer  Colonie  x,  die  schon  in 
Belec  eine  Breite  von  mindestens  400  Klaftern  besitzt,  somit 
von  Nordosten  her  an  Breite  bedeutend  zugenommen  hat,  vom 
Dorfe  Belec  gegen  Südwesten,  so  findet  man,  dass  die  Littener 
Schichten  dieser  Colonie  sich  gegen  Litten  immer  mehr  aus- 
breiten, und  selbst  nach  allen  Bichtungen  eine  grosse  Ausdeh- 
nung erlangen.  Südwestlich  von  Litten  nun  erhebt  sich  das 
Winaritzer  Kalkgebirge,  ein  von  dem  Hauptgebirgszuge  der 
obersilurischen  Kalke  durch  eine  schmale  mit  Littener  Schichten 
ausgefüllte  Einbuchtung  zwischen  Mnienan  und  Koneprus 
getrennter  Kalkgebirgsstock.  Steigt  man  von  Litten  aus  dem 
östlichen  Vorsprunge  dieses  Kalkgebirges,  dem  Mramor-Berge, 
zu,  so  findet  man  an  dem  Gehänge  desselben  die  Kalke  der 
K u h e 1 b a d e r Schichten  anstehend,  und  man  ge- 
winnt die  Ueber zeugung,  dass  diese  Kalke  den 
Littener  Schichten,  welche  man  von  der  Belecer 
Colonie  x aus  bis  zum  Fusse  des  Mramor - Berges 
ununterbrochen  verfolgte,  unmittelbar  und  normal 
auflagern. 

Ganz  anders  gestaltet  sich  das  Auftreten  der  zwischen  den 
Belecer  Colonien  x und  y befindlichen  Königshofer  und 
Kossower  Schichten  yy , wenn  man  dieselben  nach  Südwesten 
im  Streichen  verfolgt.  Diese  Schichten  nehmen  in  ihrer  durch 
Diluvien  theilweise  bedeckten  südwestlichen  Fortsetzung  an 
Breitenausdehnung  immer  mehr  ab,  so  dass  man  bei  dem  Dorfe 
Wienetz  nur  mehr  Kossower  Schichten  in  einer  Mächtigkeit 
von  kaum  ein  paar  Klaftern  zwischen  den  Littener  Schichten 
zu  Tage  treten  sieht.  Dagegen  setzen  sowohl  die  Littener 
Schichten  der  Colonie  y,  als  auch  die  am  breitesten  ent- 
wickelten Königshofer  und  Kossower  Schichten  des  Woskow- 


Ueber  Herrn  Barrande ’s  “Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


27 


[27] 

Berges  (xx),  letztere  einen  Bergrücken  bildend  und  an  der  nördlichen  Abdachung 
von  den  n o rm al en  Littener  Schichten  überlagert,  in  wenig  veränderter  Breite 
nach  Südwesten  fort. 

Colonie  „Korno“. 

Es  ist  dies  die  letzte  „Colonie“,  welche  ich  noch  zu  beschreiben  habe.  Sie 
ist  in  dem  nach  der  gebrochenen  Linie  RST  gezogenen  letzten  Profile  in 
Tafel  I dargestellt.  Das  Profil  läuft  von  dem  südlich  von  Litten  befindlichen  Berg- 
rücken in  nordwestlicher  Richtung  zum  Mramor-Berge,  und  von  da  in  nördlicher 
Richtung  zum  Dorfe  Korno. 

Das  Dorf  Korno  liegt  an  der  Grenze  von  Littener  und  Kuhelbader  Schichten, 
welche  letzteren  die  Littener  Schichten  regelmässig  überlagern,  und  dadurch  die- 
selben als  die  normale  Ablagerung  der  obersilurischen  Schichten  charakteri- 
siren.  Südlich  von  Korno  erhebt  sich  nach  einer  kleinen  Einbuchtung,  in  welcher 
die  Littener  Schichten  anstehen,  ein  niederer  Bergrücken,  welcher  zunächst  von 
Grünsteinen  der  Littener  Schichten  und  dann  von  Kossower  und  Königshofer 
Schichten  gebildet  wird,  die  vom  Woskow-Berge  hieher  streichen  und  dem  Zuge 
xx  angehören.  Geht  man  von  dem  Rücken  an  der  Strasse,  die  von  Korno  nach 
Litten  führt,  abwärts,  so  sieht  man  die  erwähnten  Kossower  und  Königshofer 
Schichten  auch  südlich  von  Grünsteinen  begrenzt,  die  nach  abwärts  von  Grapto- 
lithenschiefern  der  Littener  Schichten  unterteuft  werden.  Letztere  zeigen  zunächst 
dem  Grünsteine  ein  flaches  nördliches  Einfallen,  das  aber  immer  steiler 
wird,  je  tiefer  man  nach  dem  Gehänge  herabsteigt.  Verlässt  man 
die  Strasse,  und  verfügt  sich  in  einen  rechts  (westlich)  von  derselben  befindli- 
chen ziemlich  tief  eingeschnittenen  kleinen  Graben,  so  beobachtet  man  auf  die 
steil  aufgerichteten  Graptolithenschiefer  nach  abwärts  wieder  Grünsteine,  u.  z. 
in  einer  Mächtigkeit  von  einigen  Klaftern  folgen.  Mitten  zwischen  diesen 
Grünsteinen  nun  zeigt  sich  eine  kaum  4 bis  6 Fuss  mächtige  Ent- 
blössung  von  Königs hofer  und  Kossower  Schichten  — mit  yy  be- 
zeichnet — welche  auch  eine  fast  saigere  Schichtenstellung  be- 
sitzen. Die  auf  die  Grünsteine  im  Graben  abwärts  folgenden  Graptolithenschiefer 
zeigen  dieselbe  steile  und  eine  sehr  gestörte,  bald  nach  Nord,  bald  nach  Süd 
geneigte  Schichtenstellung,  bis  man  gegen  die  Thalsohle  zu  wahrnimmt,  dass  die 
Schiefer,  welche  hier  zahlreiche  Kalksphäroide  einschliessen,  ein  flacheres  aber 
südliches  Einfallen  annehmen.  Vom  rechten  Ufer  des  Mnienaner  Baches  am 
südlichen  Gehänge  des  Thalgrundes  gelangt  man  auf  den  Mramor-Berg  über 
Littener  Schichten,  die  gegen  die  Höhe  des  Berges  von  Kuhelbader  Kalken 
bedeckt  werden,  und  von  dem  Kalksteinrücken  des  Mramor-Berges  in  südöst- 
licher Richtung  durch  eine  kleine  Thaleinbuchtung,  in  welcher  wieder  Littener 
Schichten  anstehen,  an  den  südlichen  Bergrücken,  der  aus  Kossower  Schichten 
(zz)  gebildet  ist,  welche  das  Profil  in  Süden  abschliessen.  Die  am  rechten  Ufer 
des  Mnienaner  Baches  auftretenden,  den  Mramor-Berg  umgebenden  Littener 
Schichten  bestehen  aus  Graptolithenschieferri,  häufig  mit  Kalksphäroiden,  und  aus 
Grünsteinen,  welche  nach  den  gemachten  Beobachtungen  theils  unter  den  Schie- 
fern liegen,  theils  mit  denselben  wechsellagern.  Am  Mramor-Berge  selbst  scheinen 
die  Grünsteine  theil weise  unmittelbar  unter  den  Kuhelbader  Schichten  zu  liegen, 
und  somit  die  Littener  Schichten  nach  oben  abzuschliessen.  Die  eben  erwähnten 
Littener  Schichten  besitzen  keine  constante  regelmässige  Lagerung,  scheinen 
vielmehr  mehrere  wellenförmige  Biegungen  zu  machen,  wie  man  dies 
am  Wege  von  Litten  nach  Wienetz,  an  jenem  von  Litten  nach  Korno,  so  wie  am 

4* 


28  M.  V.  Lipoid.  [28] 

Wege  yon  Litten  zum  Mramor-Berge  sehen  kann,  wo  man  überall  unzweifel- 
hafte Schichtenstörungen  beobachtet. 

Das  eben  erläuterte  Profiil  RST  in  Tafel  I zeigt  nun  gleichfalls  zwei  Zwi- 
schenlagerungen von  Littener  Schichten  zwischen  Kossower  und  Königshofbr 
Schichten.  Aber  die  südlichere  dieser  Zwischenlagerungen,  jene  nämlich  zwi- 
schen den  Kossower  Schichten  zz  und  yy,  deren  unmittelbaren  Zusammenhang 
mit  der  Colonie  x von  Belec  ich  schon  oben  nachwies,  und  welche  bereits  eine 
Breitenausdehnung  von  mehr  als  1000  Klaftern  besitzt,  wird  am  Mramor-Berge 
vou  Kuhelbader  Schichten  bedeckt.  Ihre  Einreihung  unter  die  „Colonien“ 
erscheint  desshalb  nicht  mehr  zulässig,  und  ich  werde  bald  Gelegenheit  haben 
dieselbe  näher  zu  charakterisiren.  Die  zweite  Zwischenlagerung  von  Littener 
Schichten  ( y ) zwischen  den  Kossower  und  Königshofer  Schichten  (,r.r  und  yy ), 
obschon  sie  an  Breitenausdehnung  den  letztgenannten  Schichten  xx  fast  gleich- 
kommt, und  jene  von  yy  bei  weitem  übertrifft,  besitzt  dagegen  noch  vollständig 
den  Charakter  einer  Colonie,  daher  ich  dieselbe  als  Colonie  „Korno“  bezeichne. 

Die  Zusammensetzung  und  die  Lagerungsverhältnisse  der  Colonie  „Korno“ 
ergeben  sich  zum  Theil  aus  der  vorhergehenden  Beschreibung  des  Profils  RST. 
Die  Stellung  der  Schichten  ist  keine  durchaus  gleichartige;  sie  ist  steil  an  der 
südlichen,  und  flacher  an  der  nördlichen  Begrenzung.  Ihr  Verhältnis  zu  den 
südlichen  Kossower  Schichten  (jjy)  liegt  klar  vor,  und  das  steile  Emporragen 
der  letzteren  deutet  auf  eine  durch  Hebung  erfolgte  Störung  der 
S chic  hten  hin,  an  welcher  auch  die  Littener  Schi«  hten  der  Colonie  Theil 
nahmen.  Hingegen  konnte  ich  das  Verhalten  der  Littener  Schichten  der  Colonie 
zu  den  Königshofer  und  Kossower  Schichten  xx  nicht  ermitteln,  da  letztere 
nirgends  mit  Sicherheit  ein  Streichen  und  Verflachen  abnehmen  Hessen. 

Untersucht  man,  wie  ich  es  bisher  bei  allen  Colonien  gethan  habe,  auch 
bei  der  Colonie  „Korno“  ihre  Fortsetzung  nach  dem  Streichen,  so  stellt  es  sich, 
ungeachtet  einer  durch  Diluvien  herbeigeführten  Unterbrechung,  aus  dem  Strei- 
chen der  Schichten  dennoch  als  unzweifelhaft  heraus,  dass  die  Colonie  „Korno“ 
in  nordöstlicher  Richtung  mit  der  Colonie  „Belec“  y in  unmittelbarem  Zusammen- 
hänge steht,  und  daher  als  die  südwestliche  Fortsetzung  der  letzteren  angesehen 
werden  muss.  Andere  und  höchst  interessante  Verhältnisse  treten  zu  Tag,  wenn 
man  die  Colonie  „Korno“  und  die  sie  begrenzenden  Kossower  Schichten  in  ihrem 
westsüdwestlichen  Streichen  weiter  verfolgt. 

Vorerst  verlieren  sich  in  dieser  Richtung  alsbald  die  Kossower  Schichten 
„yy“  unter  den  Littener  Schichten,  denn  man  findet  keine  Spuren  mehr  davon 
zwischen  den  Littener  Schichten  westlich  von  dem  kleinen  Graben,  in  welchem 
ich  sie  beobachtete,  weder  an  dem  nördlichen  noch  an  dem  südlichen  Gebirgs- 
gehänge.  Durch  das  Auskeilen  dieser  Kossower  Schichten  treten  demnach  die 
Littener  Schichten  der  Colonie  „Korno"  in  unmittelbare  Verbindung  mit  den 
Littener  Schichten  am  Fusse  des  Mramor-Berges,  d.  h.  die  Littener  Schich- 
ten der  Colonie  y vereinigen  sich  mit  den  Littener  Schichten,  welche 
nächst  Litten  die  C o I o n i e n x v e rt  r e t e n,  zwischen  Litten  und  M n i e n a n 
zu  einer  und  derselben  Ablagerung. 

Wie  die  Kossower  Schichten  yy,  eben  so  verlieren  sich  auch  die  Königs- 
hofer und  Kossower  Schichten  xx,  welche  die  Colonie  y von  der  normalen 
Ablagerung  der  Littener  Schichten  z trennen,  in  westlicher  Richtung  zwischen 
den  LittenerSchichten.  Denn,  während  man  an  dem  Gehänge  nördlich  vom  Dorfe 
Mnienan  noch  die  westliche  Fortsetzung  dieser  Schichten  in  einem  schmalen 
Streifen  beobachten  kann,  finden  sie  sich  an  dem  westlicher  befindlichen  Sattel, 
über  welchen  die  Strasse  von  Litten  nach  Koneprus  führt  und  auf  welchem  nur 


Ueber  Herrn  Barrande's  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


29 


[29] 

Littener  Schichten  anstehen,  nicht  mehr  vor.  Die  Kossower  Schichten  xx  haben 
demnach  ebenfalls  zwischen  Mnienan  und  dem  erwähnten  Sattel  in  den  Littener 
Schichten  sich  ausgekeilt,  und  die  normale  Ablagerung  z der  Littener  Schich- 
ten, welche  man  von  Krnpna  über  Korno  am  Rande  der  Kuhelbader  Schichten  bis 
an  den  bezeichneten  Sattel  verfolgen  kann,  tritt  in  unmittelbare  Verbindung  mit 
denjenigen  Littener  Schichten,  welche  sich  am  nördlichen  Fusse  des  Mramor- 
Berges,  ausbreiten,  das  heisst,  die  normalen  Littener  Schichten  z ver- 
einigen sich  am  Sattel  zwischen  Mnienan  und  Koneprus  mit  den 
obberührten,  die  Colonien  x und  y r epr äse ntirenden  Littener 
Schichten  zu  einer  und  derselben  Ablagerung. 


Ich  bin  nun  an  dem  Punkte  angelangt,  von  welchem  aus  ich  zu  einer  Erklä- 
rung der  Erscheinung  der  Colonien  schreiten  kann,  was  ich  auch  im  nächsten 
Abschnitte  thun  will.  Ehe  ich  jedoch  zu  dieser  Erklärung  schreite,  muss  ich 
bezüglich  der  Petrefactenführung  der  von  mir  beschriebenen  Colonien 
einige  Bemerkungen  machen,  welche  sicherlich  bei  den  einzelnen  Beschreibungen 
bereits  vermisst  worden  sind. 

Ich  habe  schon  bei  Beschreibung  der  Colonie  „Krejcf“  angedeutet,  dass 
auf  die  Erklärung  der  „Colonien44,  wie  sie  sich  aus  den  Lagerungsverhältnissen 
ergibt,  die  in  denselben  Vorgefundenen  Fossilreste  keinen  entscheidenden  Einfluss 
nehmen,  sobald  es  festgestellt  ist,  dass  die  in  den  „Colonien44  vorfindigen  Fossil- 
reste im  Allgemeinen  die  „Littener  Schichten44  und  nur  diese  charakterisiren ; 
das  „Mehr"  oder  „Weniger44  von  Fossilresten  ist,  wie  es  sich  später  heraus- 
steilen wird,  zufällig  und  daher  unwesentlich. 

Ich  habe  nun  bei  sämmtlichen  obbeschriebenen  Colonien  in  den  vorhandenen 
Graptolithenschiefern  bald  mehr  bald  weniger,  aber  immer  nur  solche  Spe- 
ciesvon  Graptolithen  vorgefunden,  welche  Herr  Bar  ran  de  als  bezeich- 
nend für  seine  untere  Kalk-Etage  E,  und  zwar  für  die  tiefste  Zone  dieser 
Etage,  d.  i.  für  die  Littener  Schichten,  anführt.  Dasselbe  ist  der  Fall  mit 
den  Kalksphäroiden,  die  in  den  Graptolithenschiefern  einiger  Colonien  Vorkommen; 
auch  diese  zeigten  nur  Fossilreste  der  Etage  E des  Herrn  B arrande.  Eine 
specifische  Aufzählung  dieser  Fossilreste  darf  ich  daher  um  so  mehr  übergehen, 
als  die  eben  erwähnte  Wahrnehmung  bezüglich  der  Fossilreste,  im  Vereine  mit 
der  unverkennbaren  U eb er  e i n s ti  m m u n g in  den  petro graphischen  Merk- 
malen, mir  als  ein  hinreichender  Bew  eis  erscheinen,  dass  diesbezüglich  zwischen 
den  Littener  Schichten  der  Colonien  und  jenen  der  normalen  Ablagerungen 
kein  wesentlicher  Unterschied  Statt  finde,  dass  also  die  Ablagerungen, 
aus  welchen  die  Colonien  bestehen,  bezüglich  ihres  petrogra- 
phi sehen  Charakters  und  ihrer  Petr efactenführung,  mit  den  „Lit- 
tener Schichten44  im  Allgemeinen  vollkommen  identisch  sind.  Ich 
habe  in  der  Einleitung  angedeutet,  wie  und  wo  bereits  Herr  Barrande  selbst 
die  Identität  der  eben  erwähnten  Schichten  in  seinem  „ Systeme  silurien 44  und  in 
seiner  neuesten  Schrift  über  die  „Colonien44  ausspricht. 

Viel  seltener  sind  Fossilreste  zu  finden  in  den  Königshofer  und  Kossower 
Schichten,  welche  die  Colonien  umgeben.  Die  wenigen  Fossilreste,  die  in 
diesen  Schichten  bei  Radotin,  Cernositz  und  nächst  Treban  beobachtet  wurden, 
gehören  unstreitig  Herrn  Barrande’s  Etage  D an.  Wenn  indessen  die  Schiefer 
und  Quarzitsandsteine,  welche  die  Colonien  „Krejci44  und  „Haidinger44  begren- 
zen — wie  es  Herr  Barrande  selbst  anführt  — zu  dessen  Abtheilung  d5 


30 


M.  V.  Lipoid. 


m 

(schistes  gris-jaunatr es)  der  Etage  D gehören,  d.  i.  Königshofer  und  Kossou  er 
Schichten  sind,  so  liefern  nicht  nur  die  sich  gleich  bleibenden  petrographischen 
Merkmale,  sondern  auch  die  Lagerungsverhältnisse  den  Beweis,  dass  auch  die 
Schiefer  und  Quarzitsandsteine  nächst  den  übrigen  Colonien  denselben  Schichten 
angehören;  denn  dieselben  Schiefer  und  Sandsteine,  die  man  bei  den  Colonien 
„Krejcf“  und  „Haidinger“  findet,  setzen  von  dort,  wie  es  aus  der  Karte  Tafel  I 
ersichtlich  ist,  ununterbrochen  mit  demselben  petrographischen  Charakter 
und  mit  einem  gleichmässigen  südwestlichen  Streichen  bis  in  die  Umgebung  von 
Litten  fort.  Indessen  will  ich  hiemit  die  Möglichkeit  nicht  ausschliessen,  sondern 
sogar  die  Wahrscheinlichkeit  zugeben,  dass  in  dem  Terrain,  welches  die  Karte 
Tafel  I umfasst,  unter  den  Königshofer  Schichten  auch  stellenweise  Zahoraner 
Schichten  (^4)  zu  Tag  kommen,  weil  ich  mich  überzeugte,  dass  die  Königshofer 
und  Kossower  Schichten  in  dem  fraglichen  Terrain  Dislocationen  erlitten  haben, 
welche  ein  zu  Tagetreten  der  tieferen  Zahoraner  Schichten  ganz  wohl  möglich 
erscheinen  lassen.  Ich  meinestheils  habe  jedoch  die  Zahoraner  Schichten  nirgends 
beobachtet. 


B.  Erklärung  der  Erscheinung  der  Colonien  an  der  Südseite 
des  böhmischen  Silurbeckens. 

a)  Aus  den  Lagerungsverhältnissen. 

Um  die  Erscheinung  der  „Colonien“  aus  den  Lagerungs  verhäl  tnis- 
sen  zu  erklären,  was  ich  zunächst  versuchen  werde,  schlage  ich  den  entgegen- 
gesetzten Weg  ein  von  dem,  welchen  ich  bei  der  Beschreibung  der  Colonien 
verfolgte.  Ich  werde  nämlich  im  Südwesten  von  der  Umgebung  Litten’s  ausgehen, 
und  von  da  nach  Nordosten  vorwärts  schreiten. 

Ich  bringe  vorerst  die  Reihenfolge  der  Schichten,  wie  sie  im  böhmischen 
Silurbecken  zuerst  Herr  Barrande  feststellte  und  ich  sie  in  der  „Einleitung“ 
mittheilte,  in  Erinnerung,  wonach  von  unten  nach  oben  in  der  normalen 
Reihenfolge  auf  die  Königshofer  und  Kossower  Schichten  (Bar.  Dd 5)  die 
Littener  und  Kuhelbader  (Bar.  E ),  auf  die  letzteren  die  Konepruser  Schichten 
(Bar.  F ),  und  endlich  auf  diese  die  Braniker  und  Hlubeceper  Schichten  (Bar.  G 
und  H ) folgen. 

Verfugt  man  sich  nun  von  dem  bereits  oben  erwähnten  Sattel,  über  welchen 
die  Strasse  von  Mnienan  nach  Koneprus  führt,  und  auf  welchem  die  Littener 
Schichten  anstehen,  zuerst  in  nördlicher  Richtung  gegen  das  Dorf  Tobolka, 
(Siehe  Taf.  I),  so  findet  man  über  den  Littener  Schichten  zuerst  die  Kuhel- 
bader Schichten,  und  über  denselben  die  Konepruser  Schichten  lagern.  Die- 
selbe Reihenfolge  der  Schichten  trifft  man  an,  wenn  man  von  dem  Sattel 
in  südlicher  Richtung  die  Strasse  gen  Winaric  verfolgt.  Die  Littener 
Schichten  am  Sattel  zwischen  Mnienan  und  Koneprus  befinden 
sich  demnach  in  vollkommen  normaler  Lagerung. 

Verfolgt  man  die  Littener  Schichten  von  dem  erwähnten  Sattel  in  östlicher 
und  nordöstlicher  Richtung  am  Fusse  der  Kalksteingebirge,  so  findet  man  sie 
daselbst  über  Korno,  Paucnfk,  Morin,  Wonoklas  bis  nördlich  von  Gross-Kuhel  in 
einem  nur  stellenweise  durch  Diluvien  unterbrochenen  Zuge  stets  die  normale  La- 
gerung einnehmen,  daher  ich  diesen  in  der  Karte  Tafel  I mit  „zu  bezeichnetenZug 
von  Littener  Schichten  bereits  oben  mit  dem  Namen  „normale“  Littener  Schieb- 


Uebei'  Herrn  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


31 


[31] 

ten  belegte.  Allein  verfolgt  man  von  d em  selb  e n Sattel  die  Litten  er  Schich- 
ten am  Fusse  des  südlichen  (Winaricer)  Kalkgebirges  gegen  Südosten  und 
Süden,  so  sieht  man  sie  ununterbrochen  am  Fusse  des  Plesivec-Berges  und 
des  Mramor-Berges  zu  Tage  treten,  und  südöstlich  vom  Mramor-Berge  den 
Kossower  und  Königshofer  Schichten  aufiagern.  Es  kann  daher  auch  keinem 
Zweifel  unterliegen,  dass  auch  die  ebenerwähnten  Littener  Schichten  am  Fusse 
des  Mramor-Berges  sich  in  normaler  Lagerung  befinden.  Da  nun,  wie  ich  eben 
dargethan,  sowohl  die  Littener  Schichten  des  (normalen)  Zuges  „z*9  als  auch 
die  Littener  Schichten  am  Fusse  des  Mramor-Berges  eine  normale  Lagerung 
besitzen,  da  sie  ferner  in  einem  ununterbrochenen  Zusammenhänge  stehen 
und  am  ofterwähnten  Sattel  sich  zu  einer  und  derselben  Ablagerung 
vereinigen,  so  folgt  daraus  von  selbst,  dass  dieselben  einer  und  dersel- 
ben Bildungsepoche  ihren  Ursprung  verdanken,  oder,  um  mich 
geologisch  auszudrücken,  dass  dieselben  „gleichen  Alters“  sind.  Dasselbe 
gleiche  Alter  muss  aber  auch  für  jene  Littener  Schichten  in  Anspruch  genommen 
werden,  welche  in  grosser  Verbreitung  zwischen  Mnienan  und  Litten  und  in  der 
Umgebung  des  letzteren  Ortes  auftreten,  denn  sie  stehen  mit  den  Littener 
Schichten  am  Fusse  des  Mramor-Berges  in  unmittelbarer  Verbindung,  und  bilden 
mit  denselben  eine  und  dieselbe  Ablagerung.  Die  Littener  Schichten  in 
der  Umgebung  von  Litten  sind  demnach  gleichen  Alters  mit  jenen 
Littener  Schichten,  welche  den  normalen,  in  der  Karte  Tafel  1 
mit  * be zeichneten  Zug  derselben  am  Fusse  der  Kalksteinzone 
bilden. 

Die  geologische  Untersuchung  des  Terrains,  deren  Resultat  eben  in  der 
geologischen  Karte  Tafel  I niedergelegt  ist,  hat  nun  gelehrt,  dass  in  der  Umge- 
bung von  Mnienan  und  Litten  mitten  aus  den  Littener  Schichten  zwei  Züge  von 
Königshofer  und  Kossower  Schichten  auftauchen.  Diese  zwei  von  Südwest  nach 
Nordost  streichenden  Züge  von  Königshofer  und  Kossower  Schichten,  deren 
nördlicherer  in  der  Karte  mit  „xx“,  der  südlichere  mit  „ yy “ bezeichnet  ist, 
haben  die  Littener  Schichten,  welche  nächst  Litten,  am  Fusse  des  Mramor- 
Berges,  respective  am  Konepruser  Sattel  noch  vereinigt  sind,  in  drei  Partien 
geschieden,  die  sich  gleichfalls  in  drei  zu  einander  nahe  parallelen  Zügen 
kenntlich  machen.  Diese  drei  Züge  von  Littener  Schichten,  deren  nördlichster 
in  der  Karte  mit  „z“,  der  miltlere  mit  „y“,  und  der  südliche  mit  „x“  bezeichnet 
ist,  streichen  gleichfalls  von  Südwest  nach  Nordost.  Der  nördliche  Zug  z9  schon 
wiederholt  als  der  normale  Zug  der  Littener  Schichten  besprochen,  wird  auf 
der  nordwestlichen  Seite  von  Kalksteinen  überlagert,  und  zieht  sich  ununterbro- 
chen fort  bis  an  das  Moldau-Ufer  unterhalb  Gross-Kuhel.  Die  beiden  anderen 
Züge  von  Littener  Schichten  sind,  da  auch  südöstlich  vom  Zuge  x Kossower 
Schichten  anstehen,  beiderseits  von  Königshofer  und  Kossower  Schichten  umge- 
ben, und  nehmen  Antheil  an  der  Zusammensetzung  der  oben  beschriebenen 
Colonien  x und  y von  Korno,  ßelec,  Trebaii  und  Karlik.  Bei  der  Beschreibung 
dieser  Colonien  habe  ich  bereits  darauf  hingewiesen,  dass  die  Colonien  x einer- 
seits, und  y andererseits  von  Karlik,  bezüglich  vom  Wonoklaser  Graben  an, 
in  einem  ununterbrochenen  Zusammenhänge  stehen,  und  sich  endlich  nächst 
Litten  und  Mnienan  mit  den  dortigen  Littener  Schichten  zu  einer  und  d er- 
selben  Ablagerung  vereinigen.  Gehören  aber  die  Littener  Schichten  der 
beiden  Züge  x und  y und  die  Littener  Schichten  in  der  Umgebung  von  Litten 
und  Mnienan,  wie  es  nicht  bezweifelt  werden  kann,  einer  und  derselben 
Ablagerung  an,  so  müssen  sie  auch  gleichen  Alters  sein,  — und  da  die 
Littener  Schichten  in  der  Umgebung  von  Litten,  wie  oben  nachgewiesen  wurde, 


M.  V.  Lipoid. 


[32] 


gleichen  Alters  sind  mit  den  Litlener  Schichten  des  Zuges  z,  so  ergibt  sich 
hieraus  der  richtige  Schluss,  d a ss  die  beiden  Züge  x und  y vonLittener 
Schichten,  welche  sich  aus  der  Umgebung  von  Litten  in  nord- 
östlicher Richtung  zwischen  Königshofer  und  Kossower  Schich- 
ten ununterbrochen  bis  nahe  zum  Wonoklaser  Graben  fortziehen, 
somit  auch  die  in  diesen  Zügen  ver zeichneten  „Colonien“  .rund  y , 
sowohl  unter  sich,  als  auch  mit  de  nLittener  Schichten  desZuges  * 
gleichen  Alters  sind.  Das  Gegentheil  anzunehmen,  dass  nämlich  die  Littener 
Schichten  der  Züge  x und  y unter  sich,  als  auch  bezüglich  des  Zuges  * ver- 
schied enen  Alte  rs  seien,  würde  zu  einem  offenbaren  Widerspruche  führen, 
da  man  dieselben  Littener  Schichten,  die  man  z.  B.  bei  den  Colonien  „Karlik, 
Treban“  u.  s.  f.  als  „verschieden  alt“  bezeichnete , in  ihrer  weiteren 
ununterbrochenen  südwestlichen  Fortsetzung  in  der  Umgebung  von  Litten 
und  am  Konepruser  Sattel  nothgedrungen  als  einer  und  derselben  Ablagerung 
angehörig,  und  daher  als  „gleich  alt“  anerkennen  müsste.  Ich  möchte  hier 
noch  auf  den  Umstand  hin  weisen,  dass  auch  die  Königshofer  und  Kossower 
Schichten,  welche  die  Züge  x,  y und  * der  Littener  Schichten  begrenzen, 
und  welche  laut  der  geologischen  Karte  gleichfalls  in  drei  Partien  xx,  yy  und 
zz,  von  welchen  die  letztere  gleichsam  als  das  eigentliche  Liegende  — als 
normale  Lagerung  anzusehen  ist,  auftreten,  — in  allen  drei  Partien  oder 
Zügen  einen  vollkommen  gleichen  petrograp bischen  Charakter 
besitzen,  und  die  gleichen  Fossilreste  enthalten,  und  dass  aus 
diesem  Grunde  auch  für  die  Königshofer  und  Kossower  Schichten  der  Züge  xx, 
yy  und  zz  a priori  die  Vermuthung  ausgesprochen  werden  muss,  dass  diesel- 
ben einer  und  derselben  Bildungsepoche  angeboren,  und  daher  unter  sich 
„gleichen  Alters“  sind. 

Nachdem  ich  nun  auf  einem  allerdings  weiten  Um  wege,  wie  ich  hoffe,  die  Ueber- 
zeugung  herbeigeführt  habe,  dass  die  Littener  Schichten,  welche  die  Colonien  x 
und  y von  „Karlik“,  „Treban“,  „Beiec“  und  „Korno“  bilden,  mit  den  normal 
gelagerten  Littener  Schichten  * gleichen  Alters  sind,  und  dass  es  den  Lagerungs- 
verhältnissen geradezu  widersprechend  wäre,  wenn  man  für  diese  drei  Ablage- 
rungen von  Littener  Schichten  verschiedene  Bildungszeiten  und  verschiedene 
Bildungsarten  annehmen  würde;  so  entsteht  ganz  natürlich  zunächst  die  Frage: 
Aus  welchem  Grunde  nehmen  die  so  eben  als  gleich  alt  bezeichneten  Littener 
Schichten  x , y und  * eine  verschiedene  Lage  ein?  — welches  ist  die  Ursache 
ihrer  Trennung? 

Auch  auf  diese  Frage  gehen  uns  die  beobachteten  Lagerungsverhältnisse 
eine  natürliche  Antwort,  und  ich  bin  dessen  gewiss,  dass  Jedermann,  der  mit 
Bedacht  und  ohne  eine  vorgefasste  Meinung  meine  Beschreibung  der  „Colonien“ 
und  die  bisherigen  Erörterungen  über  dieselben  verfolgte,  sich  schon  längst 
hierüber  ein  Urtheil  gebildet  bat,  und  mit  mir  den  Ausspruch  machen  wird,  dass 
diese  Trennung  der  gleich  alten  Littener  Schichten  in  drei  Züge 
durch  petrographisch  und  paläontologisch  identische  Königs- 
hofer und  Kossower  Schichten  nur  eine  Folge  von  Dislocationen 
sein  könne,  welche  die  Gebirgsschichten  erlitten  haben.  Dass 
aber  die  Gebirgsschichten  in  dem  Terrain,  das  uns  eben  beschäftiget,  wirklich 
Dislocationen  erlitten  haben,  darüber  liefern  uns  die  beobachteten  Thatsachen 
unumstössliche  Beweise.  Ich  brauche  nur  auf  das  hinzuweisen,  was  ich  bei 
Beschreibung  der  Colonien  über  die  Lagerung  der  Littener  Schichten  nächst 
Litten,  über  das  saigere  Emporragen  von  Kossower  Schichten  bei  den  Colonien 
„Korno“  und  „Beiec“,  über  die  Störung  der  Kossower  Schichten  östlich  von 


lieber  Herrn  ßarrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Foimation  Böhmens. 


33 


[33] 

Belec  (Fi g.  A oben),  und  besonders  über  die  Störung  der  Königshofer  und 
Kossovver  Schichten  am  rechten  Beraun-Ufer  unterhalb  Paucnfk  (Fig.  B)  ange- 
führt habe. 

Die  durchaus  gegen  den  Horizont  geneigte  und  nicht  selten  steile  und  selbst 
saigere  Stellung  der  Schichten  deutet  nun  vorerst  dahin,  dass  die  erwähnten 
Dislocationen  in  Folge  von  Hebungen  entstanden  sind,  wodurch  eben  die 
normalen  Ablagerungen  gesprengt,  die  höheren  Littener  Schichten  zerrissen  und 
in  drei  Züge  getrennt,  und  die  tieferen  Kossower  und  Königshofer  Schichten 
zwischen  diesen  Zügen  an  den  Tag  gebracht  wurden.  Allein  die  beobachteten 
Lagerungsverhältnisse  bei  den  Colonien  „Korno“  bis  „Karlik“  lassen  nicht  nur 
auf  einfache  Hebungen  schliessen,  sondern  auch  auf  Faltungen  und  Ueber- 
schiebungen,  welche  die  Gebirgsschichten  erlitten  haben  mussten.  Dass 
Faltungen  und  U eher s c hieb  u ngen  der  Gebirgsschichten  überhaupt  Statt 
fanden,  darüber  belehren  uns  alle  Lehrbücher  der  Geologie.  Wir  finden  solche 
in  den  Alpen  in  allen  Formationen  nicht  selten1)*  Sir  R.  I.  Murchison  führt 
uns  in  seiner  neuesten  „ Siluria “ solche  Faltungen  und  Ueberschiebungen  der 
ältesten  Sedimentschichten  Seite  57,  79,  121,  151,  191,  369,  429,  467  u.m.a. 
in  schönen  Profilen  vor.  Sie  lassen  sich  auch  bei  den  „Colonien“  am  Südrande 
des  böhmischen  Silurbeckens  nachweisen.  Ich  führe  hier  als  Beispiel  die  Colonie 
„Treban“  (Profil  NO  Taf.  I)  an.  Es  folgen  dort  von  Süden  gegen  Norden  auf 
die  Königshofer  die  Kossower  Schichten,  auf  diese  die  Grünsteine  der  Littener 
Schichten,  auf  die  Grünsteine  die  Graptolithenschiefer  derselben  Schichten,  und 
sodann  gerade  in  umgekehrter  Ordnung  auf  die  Schiefer  wieder  Grün- 
steine, auf  diese  wieder  Kossower  und  auf  diese  die  Königshofer  Schichten,  denen 
neuerdings  Kossower,  sodann  Littener  Schichten  folgen,  — sämmtlich  mit 
geringen  Abweichungen  im  Streichen  und  im  Fallwinke!,  mit  nordwestlichem 
Ein  fallen.  Sind  nun,  wie  erwiesen,  die  Littener  Schichten  x und  y gleich  alt 
und  zusammengehörig,  so  lässt  sich  das  Auflagern  der  Kossower  Schichten  auf 
den  Littener  Schichten  x nur  durch  Annahme  einer  Faltung  der  Schichten 
erklären,  welche  Annahme  eben  in  der  umgekehrten  Reihenfolge  der 
Schichten  ihre  Rechtfertigung  und  Bestätigung  findet.  Dieselbe  Colonie  „Treban“ 
x bietet  auch,  wie  ich  es  bei  der  Beschreibung  derselben  angeführt  habe,  ein 
Beispiel  von  einer  offenbaren  Ueberschiebung  der  Königshofer  über  die  Kos- 
sower Schichten.  Durch  die  oben  nachgewiesenen  Dislocationen  erhält  wohl 
auch  die  oben  a priori  ausgesprochene  Vermut liung,  dass  die  Königshofer  und 
Kossower  Schichten  der  drei  Züge  xx,  yy  und  zz  unter  sich  zusammengehörig 
und  „gleich  alt“  sind,  eine  genügende  geologische  Begründung. 

In  der  durch  Thatsachen  begründeten  Ueberzeugung,  dass  die  Littener 
Schichten  der  Colonien  x und  y unter  sich  und  mit  jenen  des  normalen  Zuges  z 
„gleichen  Alters“,  und  auch  die  Königshofer  und  Kossower  Schichtender 
drei  getrennt  erscheinenden  Ablagerungen  xx,  yy  und  zz  unter  sich  „gleich  alt“ 
sind,  und  dass  die  beobachteten  abnormen  Lagerungsverhältnisse  bei  den  Colonien 
eine  Folge  von  Hebungen,  Faltungen  und  Ueberschiebungen  sind,  habe  ich  es 
unternommen,  bei  den  in  den  Profilen  BST,  PQ , NO  und  LM  in  Tafel  I dar- 
gestellten Colonien  „Korno“,  „Belec“,  „Treban“  und  „Karlik“  die  betreffenden 
Faltungen  und  Ueberschiebungen,  so  wie  die  Verbindung  der  einzelnen  Schichten, 
durch  punktirte  Linien  anzudeuten.  Es  ergibt  sich  hiebei  das  für  die  Erklärung 


1)  Siehe  zum  Beispiel  die  schönen  Profile  Ferdinand  Freih.  v.  Richthofen’s  aus  den 
Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol  im  Jahrbuche  der  k.  k.  geologischen  Reichs- 
anstalt, X.  Band,  18S9,  Seite  72. 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  I.  Heft. 


o 


34 


M.  V.  Lipoid. 


[34] 


der  übrige«  Colonien  nicht  unwichtige  Resultat,  dass  es,  wenn  man  die  kleine  im 
Dorfe  Belec  und  nächst  Litten  beobachtete  Hebung  ausser  Acht  lässt,  hauptsäch- 
lich zwei  grosse  Falten  und  Ueberschiebungen  von  Königshofer 
und  Kossower  Schichten  ( xx  und  yy)  sind,  welche  die  Erscheinung 
ebenfalls  zweier  paralleler  Colonien  von  Littener  Schichten 
begründen,  und  sich  über  Tags,  wie  es  die  Karte  Tafel  I zeigt,  in  zwei  langen 
Zügen  von  Königshofer  und  Kossower  Schichten  zwischen  Littener  Schichten 
kenntlich  machen.  Obschon  übrigens  meine  eigenen  Untersuchungen  sich  über 
Winaric  hinaus  weiter  gegen  Westen  nicht  erstreckten,  und  ich  auch  die  geolo- 
gische Karte  Tafel  I daselbst  abschliessen  musste,  so  muss  ich  doch  darauf 
aufmerksam  machen,  dass,  wie  es  sich  aus  den  geologischen  Aufnahmen  des 
Herrn  Directors  J.  Krejcf  ergibt,  die  eben  erwähnten  Faltungen  der  Kossower 
Schichten  sich  auch  am  westlichen  Fusse  des  Winaricer  Kalksteingebirges  durch 
Rücken  von  Kossower  Schichten,  welche  bei  Launin  und  Borek  in  den  Littener 
Schichten  zu  Tag  treten,  kenntlich  machen,  und  dass  aller  Wahrscheinlichkeit 
nach  auch  die  obersilurischen  Kalksteine  des  Winaricer  Gebirges  an  diesen 
Dislocationen  Antheil  genommen  haben.  Gewiss  sind  die  eben  erwähnten  Rücken 
yon  Kossower  Schichten  bei  Launin  und  Borek  sehr  geeignet,  von  den  Disloca- 
tionen der  Kossower  und  Littener  Schichten  am  östlichen  Fusse  des  Winaricer 
Gebirges  ein  noch  klareres  Bild  zu  liefern,  da  die  zwischen  den  beiden  Rücken 
befindlichen  Littener  Schichten  auch  von  Kuhelbader  Schichten  bedeckt  werden, 
und  ich  muss  desshalb  um  so  mehr  zu  ferneren  Untersuchungen  auf  das  bezeich- 
nete  Terrain  hinweisen,  dasich  bei  der  gedrängten  Zeit  nur  desshalb  nicht  in 
das  Bereich  meiner  Aufnahme  zog,  weil  mir  meine  Aufnahmen  an  der  Ostseite 
des  Winaricer  Gebirges  bereits  genügende  und  überweisende  Anhaltspunkte  zu 
einer  naturgemässen  Erklärung  der  Erscheinung  der  „Colonien“  aus  den  Lage- 
rungsverhältnissen an  die  Hand  gegeben  haben. 

Ehe  ich  in  der  Erklärung  der  Erscheinung  der  „Colonien“  weiter  schreite, 
muss  ich  einige  Betrachtungen  und  Schlussfolgerungen  vorausschicken,  welche 
sich  aus  dem  bisher  gewonnenen  Resultate  meiner  Erhebungen  ergeben,  wonach 
die  Colonien  der  Züge  x und?/  zwischen  Mnienan  undKarlikaus 
wahren,  normalen  Littener  Schichten  bestehen,  welche  durch 
Hebungen,  Faltungen  und  Ueberschiebungen  zwischen  die  tiefer 
liegenden  Königshofer  und  Kossower  Schichten  eingekeilt  wur- 
den. Es  ergibt  sich  aus  diesem  Resultate: 

1.  Dass  die  Littener  Schichten  der  Colonien  keine  regelmässige  und 
concordante  Zwischenlagerung  in  den  Königshofer  und  Kossower  Schich- 
ten bilden,  und 

2.  nicht  tief  in  das  Gebirge  eingreifen  können,  sondern  sich  nach  dem 
Verflachen  in  das  Gebirge  zwischen  den  Königshofer  oder  Kossower 
Schichten  auskeilen  müssen; 

3.  dass,  je  niedriger  das  Gebirge  wird,  beziehungsweise  je  mehr  von  dessen 
ursprünglich  ausbeissenden  Schichten  bereits  zerstört  und  weggeschafft  wurde, 
desto  geringer  auch  die  Mächtigkeit  und  Masse  der  colonialen  Littener  Schichten 
werden  müsse; 

4.  dass  bei  einer  sehr  weit  vorgeschrittenen  Zerstörung  der  Oberfläche  des 
Gebirges  es  möglich  wird,  dass  die  Littener  Schichten  der  Colonien  gänzlich 
weggeschafft  und  in  ihrem  Zusammenhänge  unterbrochen  werden; 

5.  dass  es  zufolge  2.  als  eine  ganz  natürliche  Erscheinung  angesehen  wer- 
den müsste,  wenn  bei  sehr  tiefen  Einschnitten  in  das  Gebirge  oder  bei  Gräben, 
welche  der  Streichungsrichtung  der  colonialen  Littener  Schichten  in’s  Kreuz, 


Ueber  Herrn  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


35 


[3S] 

das  ist  von  Süd  oder  Südost  nach  Nord  oder  Nordwest,  auslaufen,  die  Littener 
Schichten  der  Colonien  wohl  an  den  Höhen  der  Gehänge,  nicht  aber  auch  in  der 
Tiefe  der  Einschnitte  oder  in  den  Thalsohlen  der  Gräben  erscheinen  und  vor- 
gefunden würden; 

6.  dass  umgekehrt,  je  höher  das  Terrain  in  dem  Streichen  der  Colonien 
ansteigt,  voraussichtlich  auch  die  Mächtigkeit  und  Breitensausdehnung  der  Colo- 
nien zunehmen  werde; 

7.  dass,  sobald  die  Littener  Schichten  der  Colonien  in  die  normale  Lage- 
rung eintreten,  das  ist  von  Kuhelbader  Schichten  bedeckt  werden,  die  die  Colonien 
trennenden  Königshofer  und  Kossower  Schichten  nicht  mehr  über  Tags  erscheinen 
können;  endlich 

8.  dass,  in  je  grösserer  Mächtigkeit  die  Littener  Schichten  während  der 
Entstehung  der  „Colonien“  bei  ein  oder  der  anderen  derselben  zwischen  die 
Königshofer  und  Kossower  Schichten  eingekeilt  wurden,  und  je  weniger  von 
diesen  Schichten  im  Laufe  der  Zeit  zerstört  und  entfernt  wurde,  ein  desto  grös- 
serer Reichthum  von  Fossilresten  auch  bei  der  betreffenden  Colonie  vorausgesetzt 
werden  müsse,  und  dass  daher  das  „Mehr“  oder  „Weniger“  von  Fossilien,  die 
in  einer  Colonie  vorgefunden  werden,  nur  von  Zufälligk  ei  ten,  welche  bei 
oder  nach  der  durch  Dislocationen  bewirkten  Bildung  der  „Colonie“  als  solcher 
eintraten,  abhänge. 

Einige  dieser  a priori  gezogenen  Schlussfolgerungen  finden  wir  bereits  in 
dem  Terrain  zwischen  dem  Mramor-  Berge  bei  Litten  und  dem  Wonoklaser 
Graben  nordwestlich  von  Karlik  bestätiget.  Das  Terrain  ist  in  der  Umgebung 
von  Litten  am  höchsten,  und  die  absolute  Höhe  der  Gebirge  wie  der  Thäler 
nimmt  gegen  Karlik  zu  immer  mehr  ab,  wie  letzteres  der  Lauf  der  Flüsse  von 
selbst  andeutet.  Dem  entsprechend  (3.)  nehmen  auch  die  zwischen  Königshofer 
und  Kossower  Schichten  eingekeilten  Littener  Schichten  der  Züge  x und  y von 
Mnienan  und  Litten  aus  in  nordöstlicher  Richtung  gegen  Karlik  immer  mehr  an 
Mächtigkeit  und  Breitenausdehnung  ab,  bis  sie  am  Plateau  nordöstlich  von  Karlik 
gänzlich  verschwinden,  wobei  eben  zu  bemerken  ist,  dass  die  Hügel  am  linken  Ufer 
des  Wonoklaser  Baches  viel  niedriger  sind,  als  das  Hochplateau  nordöstlich  von 
Karlik.  Man  findet  auch  (entsprechend  2.  und  5.)  die  Littener  Schichten  x und  y 
an  den  Thalgehängen  des  rechten  Bachufers  so  wenig,  wie  in  den  Gehängen 
nächst  der  Thalsohle  am  linken  Ufer  des  Wonoklaser  Baches  zu  Tage  tretend. 
Umgekehrt  sehen  wir  mit  dem  Ansteigen  des  Terrains  von  Nordost  nach  Süd- 
west auch  die  Littener  Schichten  der  Züge  x und  y (entsprechend  6.  und  7.)  an 
Verbreitung  zunehmen,  und  in  der  Umgebung  von  Litten  und  Mnienan,  wo  sie 
bereits  eine  sehr  grosse  Ausdehnung  gewinnen,  von  Kuhelbader  Kalken  bedeckt, 
zugleich  aber  auch  die  die  Züge  x}  y und  % trennenden  Kossower  und  Königshofer 
Schichten  unter  den  Littener  Schichten  verschwinden. 

So  wie  ich  im  Vorhergehenden  den  directen  Beweis  geliefert  habe,  dass  die 
Colonien  „Korno,  Belec,  Treban  und  Karlik“  nur  aus  echten  und  normalen 
Littener  Schichten  zusammengesetzt  sein  können,  welche  durch  Dislocationen 
des  Gebirges  aus  ihrer  ursprünglichen  normalen  Lagerung  gerissen  wurden, 
eben  so  werde  ich  .suchen,  im  Nachfolgenden  auf  indireete  Weise  darzuthun, 
dass  auch  die  Colonien  „Wonoklas,  Cernositz,  Kosor,  Radotin,  Haidinger  und 
Krejci“  nur  von  wahren  und  normalen  Littener  Schichten  gebildet  werden.  Ich 
werde  desshalb  zu  erweisen  haben,  dass  die  letztgenannten  Colonien  mit  den 
Littener  Schichten  jener  oftberührten-zwei  Züge  x und  'y,  die  sich  vom  Karliker 
Plateau  in  südwestlicher  Richtung  bis  in  die  Umgegend  von  Litten  erstrecken,  in 
einem  unverkennbaren  inneren  Zusammenhänge  stehen,  und  dass  daher  die 


36 


M.  V.  Lipoid. 


[36] 


Colonien  „Wonoklas“  u.  s.  w bis  „Krejci“  nur  als  weitere  nord- 
östliche Fortsetzungen  der  beiden  Züge  x und  y von  Littener 
Schichten  angesehen  werden  können.  Dieser  Beweis  wird  sich  aus 
folgenden  Thatsachen  und  Betrachtungen  ergeben: 

1.  Die  Colonien  „Wonoklas,  Cernositz,  Kosor,  Treban,  Haidinger  und 
Krejcf“  sind  aus  Gesteinen  zusammengesetzt,  welche  pe  trographisch  den 
Littener  Schichten  der  Züge  x und  y identisch  sind.  Es  sind  dieselben 
Grünsteine  und  Graptolithenschiefer  beiderseits  anzutreffen.  Das  gleichzeitige 
Auftreten  beider  Gesteinsarten  ist  jedoch,  wie  ich  später  zeigen  werde,  nicht 
wesentlich  nothwendig,  und  der  Mangel  einer  oder  der  anderen  Gesteinsart  ist  aus 
localen  Verhältnissen  leicht  erklärbar. 

Dasselbe  gilt  von  den  die  südöstlichen  sowohl  wie  die  nordöstlichen  Colonien 
begrenzenden  Königshofer  und  Kossower  Schichten,  welche  in  ihrer  ganzen 
Erstreckung  von  der  Umgehung  von  Litten  bis  zum  Moldauflusse  hei  Kuhei  durch- 
aus denselben  gleichen  petrographischen  und  paläontologischen  Charakter  hei- 
behalten. 

2.  Sämmtliche  obige  Colonien  folgen  genau  in  derselben  nordöst- 
lichen Streichungsrichtung  auf  einander,  welche  die  beiden  Züge  x und 
y der  Littener  Schichten  nächst  Karlik  besitzen. 

Ebenso  liegen  die  die  genannten  nordöstlichen  Colonien  umgebenden 
Königshofer  und  Kossower  Schichten  genau  im  Streichen  jener  Königshofer 
und  Kossower  Schichten,  welche  die  erwähnten  Züge  der  Littener  Schichten 
nächst  Karlik  begleiten,  und  stehen  beide  sogar  in  einem  unmittelbaren  ununter- 
brochenen Zusammenhänge. 

Die  gleiche  Richtung  des  Streichens  lässt  auf  einen  causalen  Zusammen- 
hang schliessen.  Bei  der  Beschreibung  der  Colonien  habe  ich  übrigens  bereits 
darauf  hingewiesen,  dass  und  in  wie  weit  die  südwestlichen  Colonien 
als  Fortsetzungen  der  nordöstlichen  betrachtet  werden  müssen. 

3.  Das  Terrain  nimmt  von  Karlik  abwärts  gegen  das  Moldau- 
thal an  absoluter  Höhe  ab,  und  der  von  Unter-Mokropes  an  mehr  gegen 
Norden  gerichtete  Lauf  des  Beraun-Flusses  und  sein  Annähern  zu  dem  Gebirgs- 
zuge, welcher  die  Colonien  beherbergt,  mussten  eine  grössere  und  tiefer 
gehende  Zerstörung  der  Oberfläche  und  der  Gehänge  dieses  Gebirgszuges  im 
Gefolge  haben.  Ganz  entsprechend  nun  dem,  was  ich  oben  sub  3.  und  4.  als 
Folgerung  des  bei  den  Zügen  x und  y gewonnenen  Resultates  anführte,  besitzen 
auch  die  in  Rede  stehenden  Colonien  im  Allgemeinen  nur  eine  geringe 
Mächtigkeit  und  Breitenausdehnung,  und  sind  aus  ihrem  unmittelbaren 
ununterbrochenen  Zusammenhänge  gelangt.  Dieser  grösseren  Zerstörung 
des  Gebirges  muss  es  auch  zugeschrieben  werden , dass  ein  paar  Colonien , wie 
jene  von  Wonoklas,  nur  aus  Grünsteinen  bestehen,  welche  fast  allenthalben  als 
das  tiefste  Glied  der  Littener  Schichten  vorgefunden  werden,  und  dass  man 
daselbst  die  in  der  Regel  auf  den  Grünsteinen  lagernden  Graptolithenschiefer 
nicht  mehr  vorfindet.  Das  Auftreten  der  Colonien  „Wonoklas“  u.  s.  f.  entspricht 
demnach  auch  in  dieser  Beziehung  einem  Merkmale,  das  sich  aus  den  Lage- 
rungsverhältnissen der  Littener  Schichten  in  den  Zügen  x und  y ergibt. 

4.  So  wie  die  Littener  Schichten  der  mehrerwähnten  Züge  x und  y gemäss 
ihrer  Lagerung  und  nordöstlich  von  Karlik  auch  nachweislich  nicht  tief  in  das 
Gebirge  eind ringen,  eben  so  keilen  sich  die  obgenannten  nordöst- 
lichenColoniennachdem  Verflächenin  das  Gebirgeaus,  und  werden 

o.  wohl  an  den  Höhen  und  an  den  höheren  Theilen  der  Gehänge,  nicht 
aber  auch  in  den  dieselben  querdurch  schneidenden  Thalgründen 


9 


Ueber  Herrn  Rarrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens.  t 


37 


[37] 


undtieferenEin  schnitten  vorgefunden.  Beide  den  Littener  Schichten 
der  Züge  x und y eigentümliche  Eigenschaften  sind  oben  bei  der  Beschrei- 
bung der  fraglichen  Colonien  auch  von  diesen  letzteren  nach  ge  wiesen  worden. 

6.  So  wie  sich  ferner  die  Trennung  der  Littener  Schichten  in  die  zwei 
Züge  x und  y derselben  als  eine  Folge  von  Dislo  cationen  und  Störungen, 
welche  die  Gebirgschichten  erlitten,  herausgestellt  hat,  — eben  so  zeigen  sich  bei 
den  Colonien  „Wonoklas  u.  s.  f.  bis  „Krejcf“  offenbare  Dislocationen  und 
Störungen  der  Gebirgsschichten , wie  ich  dies  gleichfalls  bei  der  Beschreibung 
dieser  Colonien  hervorgehoben  habe. 

7.  Endlich  scheint  es  kein  blosser  Zufall,  sondern  ein  augenfälliger  Beweis 
eines  causalen  Zusammenhanges  zu  sein,  dass  so  wie  in  dem  südwestlichen 
Terrain  hauptsächlich  zwei  Züge  von  Littener  Schichten  durch  zwei  parallele 
Hebungs-  und  Fa  Itungslinien  entstanden  sich  darstellen.  eben  so  auch  bei 
den  nordöstlichen  Colonien  namentlich  hei  den  Colonien  „Cernositz,  Radotin“ 
und  bei  den  Gross-Kuhler  Colonien  „Haidinger  und  Krejcfff, — wie  ich  bereits 
bei  der  Beschreibung  dieser  Colonien  darauf  hinwies,  — in  der  Richtung  des  Ein- 
fallens  der  Schichten  zwei  parallele  Ablagerungen  von  Colonien,  und  zwei 
Störungen  der  Gebirgsschichten  nach  dem  Einfallen — oder  was  dasselbe  ist,  eben- 
falls zwei  parallele  Hebungslinien  sich  kenntlich  machen. 

Dass  an  einzelnen  Punkten,  wie  bei  Kosor  und  Wonoklas  nur  ein e Colonie 
vorgefunden  wurde,  kann  die  Kraft  des  letztangeführten  Beweises  nicht  schwächen. 
Denn  in  Berücksichtigung  dessen,  was  bezüglich  des  Anhaltens  der  Colonien  nach 
dem  Verflachen  bereits  oben  erörtert  wurde,  lässt  sich  die  Abwesenheit  einer 
zweiten  parallelen  Colonie  in  Folge  einer  gänzlichen  Zerstörung  der- 
selben sehr  wohl  begreifen,  und  gerade  nächst  Wonoklas  deutet  die  verhält- 
nissmässig  geringe  Höhe  der  Vorberge  dahin,  dass  ein  grosser  Theil  ihrer  Ober- 
fläche und  Gehänge,  und  mit  diesem  auch  die  zweite  Colonie  zerstört  worden 
sein  möge.  Andererseits  ist  das  Terrain,  namentlich  auf  den  Hochplateaus,  und 
speciel  südlich  von  Kosor,  theils  mit  Diluvien  überdeckt,  theils  von 
Waldungen*  occupirt,  und  daher  ist  aus  dem  Grunde,  dass  ich  local  nur  eine 
Colonie  vorfand  und  meinen  Erhebungen  gemäss  in  die  Karte  Taf.  I aufnahm, 
die  Wahrscheinlichkeit  durchaus  nicht  ausgeschlossen,  dass  an  den  betreffenden 
Punkten  auch  noch  eine  zweite  parallele  Colonie  existire.  Ich,  muss  hier  insbe- 
sondere, wie  ich  es  bereits  bei  Beschreibung  der  Colonien  „Cernositz“  gethan 
habe,  auf  das  Terrain  südlich  von  Solopisk,  in  welchem  sich  in  der  Karte  Taf.  I 
eine  grössere  Unterbrechung  der  colonialen  Ablagerungen  zeigt,  aufmerksam 
machen,  indem  ich  es  für  höchst  wahrscheinlich  halte,  dass  es  späteren  glück- 
licheren Forschern  gelingen  werde,  auch  in  diesem  Terrain  „Colonien“  zu 
entdecken. 

Durch  die  eben  angeführten  Thatsachen  und  Betrachtungen  glaube  ich  die 
unzweifelhafte  Uebereinstimmung  und  den  innigen  Zusammenhang,  in  welchem 
die  nordöstlichen  Colonien  mit  den  südwestlichen  Zügen  x und  y der  Littener 
Schichten  stehen,  genügend  dargethan  und  dadurch  auch  den  überzeugenden 
Beweis  hergestellt  zu  haben,  dass  die  Colonien  „Wo  noklas,  Cernositz, 
Kosor,  Radotin,  Haidinger  und  Krejcf“  die  nordöstliche  Fort- 
setzung jener  Littener  Schichten  sind,  welche  von  Mnienan  und 
Litten  aus  bis  oberhalb  Karlik  zwischen  Königs hofer  und  Kos- 
sower  Schichten  zwei  Züge  (x  und  y ) bilden. 

Ist  nun  dieses,  wie  ich  hoffe  erwiesen  zu  haben,  der  Fall,  so  kann  man  füg- 
lich für  die  Littener  Schichten  der  nordöstlichen  Colonien  und  für  die  südwest- 
lichen Züge  ( x und  y)  nur  eine  und  dieselbe  Bildungsart  und  Bildungszeit 


38 


M.  V.  Lipoid. 


[38] 

armehmen,  und  muss  daher  den  Litten  er  Schichten  der  nordöst- 
lichen Coionien  und  jenen  der  Züge  x und  y ein  gleiches  Alter 
z u s ehr  eib  e n. 

Da  nun  aber  die  Littener  Schichten  der  südwestlichen  Züge  x und  y,  wie 
ich  oben  nachgewiesen  habe,  sowohl  unter  sich  als  auch  mit  den  Littener  Schich- 
ten des  noch  normal  gelagerten  Zuges  z „gl  ei  che n Alters“  sind,  so  folgt  daraus, 
dass  auch  die  Littener  Schichten  der  nordöstlichen  Coionien 
„Wonoklas“  u.  s.  f.  bis  „Krejcf“  sowohl  unter  sich  als  auch  mit  den 
Littener  Schichten  des  sobenannten  „normalen“  Zuges  * gleichen 
Alters  seien. 

Es  ist  einleuchtend,  dass  man  der  abnormen  Stellung  der  Littener 
Schichten  in  den  nordöstlichen  Coionien  — da  sie  nur  die  theilweise  unter- 
brochene nordwestliche  Fortsetzung  der  zusammenhängenden  Littener  Schichten 
in  den  Zügen  x und  y sind  — dieselbe  Erklärungsart,  die  sich  bei  den 
letzteren  als  begründet  ergeben  hat,  zu  Grunde  legen  kann  und  muss.  Auch 
die  Littener  Schichten  der  nordöstlichen  Coionien  können  dem- 
nach nur  in  Folge  von  Dislocationen,  d.  i.  in  Folge  von  Hebungen, 
Faltungen  und  U eberschieb ungen,  welche  die  Gebirgsschichten  erlitten 
haben,  aus  ihrer  ursprünglichen  normalen  Lagerung  gebracht,  und  zwischen 
die  tieferen  Kossower  und  Königs hofer  Schichten  eiu gekeilt 
worden  sein.  Dass  solche  Dislocationen  und  Schichtenstörungen  bei  den  nord- 
östlichen Coionien  wirklich  Statt  gefunden  haben,  habe  ich,  wie  bereits 
wiederholt  erwähnt,  hei  der  Beschreibung  jeder  einzelnen  derselben  nach- 
gewiesen. Ebenso  ergibt  es  sich  aus  der  oben  in  sieben  Punkten  ausgeführten 
Vergleichung  der  nordöstlichen  colonialen  Erscheinungen  mit  den  südwestlichen 
Zügen  x und  y der  Littener  Schichten,  dass  sämmtliche  Thatsachen,  welche 
bei  der  Untersuchung  dieser  Coionien  festgestellt  wurden,  der  obigen  Erklär- 
ungsart nicht  nur  nicht  widersprechen , sondern  dieselbe  in  allen  Punkten 
bekräftigen. 

Hieristes  wieder  am  Platze,  von  der  Petrefactenführung  der  „Coio- 
nien“, und  insbesondere  der  nordöstlichen  Coionien,  zu  sprechen,  obschon 
ich  im  Allgemeinen  nur  das  wiederholen  kann,  was  ich  über  diesen  Gegenstand 
bereits  oben  gesagt  habe.  Ich  glaube  es  nämlich  als  etwas  ganz  Natürliches 
erklären  zu  müssen,  dass  bei  der  Art  und  Weise,  wie  die  Ablagerungen  der 
Littener  Schichten  in  den  „Coionien“  in  ihre  gegenwärtige  Stellung  gelangt 
sind,  man  an  und  für  sich  eine  gleiche  Mächtigkeit  derselben  nicht 
erwarten  kann,  und  eben  so  auch,  dass  die  spätere  Zerstörung  und  En t- 
fernu  n g der  colonialen  Schichten  nicht  durchgehends  gl  ei  c lim  ä s sig,  sondern 
je  nach  den  localen  Verhältnissen  bald  grösser,  bald  geringer  sein  konnte.  Die 
verschiedene  Mächtigkeit  der  Littener  Schichten  in  den  Coionien  ist  dem- 
nach in  der  Erklärungsart  der  Coionien,  wie  sie  sich  aus  den  Lagerungsver- 
hältnissen ergibt,  begründet,  und  bängt  nicht  ab  von  der  ursprünglichen 
Bildung  der  Littener  Schichten,  sondern  von  späteren  Zufällen,  welchen 
diese  Schichten  unterlagen.  Von  der  zufälligen  grösseren  oder  geringeren 
Mächtigkeit  der  Littener  Schichten,  welche  eine  Colonie  beherbergt,  hängt 
aber  auch  die  grössere  oder  geringere  Menge  von  Fossilresten  ab,  welche 
man  in  derselben  vorfindet.  Enthält  daher  eine  Colonie  nur  das  gewöhnlich 
tiefste  Glied  der  Littener  Schichten,  nämlich  blos  Grün  st  eine,  die  in  der 
Begel  petrefactenleer  sind,  so  kann  es  möglich  sein,  dass  eine  solche  „Colonie“ 
gar  keine  Fossil  reste  enthüllt,  was  hei  der  Colonie  „Wonoklas“  wirklich  der 
Fall  zu  sein  scheint.  Treten  zu  den  Grünsteinen  der  Colonie  noch  die  auf  die 


Ueber  Herrn  ßarrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


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[39] 

Grünsteine  folgenden  Graptont  heu  schiefer  hinzu,  so  wird  man  auch  die 
diese  Schiefer  charakterisirende  Fauna  darin  antreffen.  Wir  sehen  dies  bei  der 
Colonie  „Haidinger“  bestätiget,  die  bei  der  ge  rin  g e n Mächtigkeit  von  5 — 6 
Klaftern  nebst  Grünsteinen  auch  die  nächstfolgenden  Graptolitlienschiefer  besitzt, 
und  desshalb  auch  nur,  wie  uns  Herr  ßarrande  belehrt,  acht  Species  von  Fos- 
silien führt,  die  aber  eben  der  „tiefsten  Zone“  der  Etage  E eigentümlich 
sind.  Ich  habe  ferner  in  der  „Einleitung“  erwähnt,  dass  sich  den  Graptolithen- 
schiefern  in  den  höheren  Lagen  der Littener Schichten  auch  Kalks  phäroide 
beigesellen,  die  gewöhnlich  reich  an  Fossilresten  sind.  Erlangt  daher  irgend 
eine  Colonie  eine  solche  Mächtigkeit,  dass  sie  auch  die  höheren  Lagen  der 
Littener  Schichten  mit  den  Kalksphäroiden  in  sich  fasst,  so  wird  ihr  Reichthum  an 
Fossilresten  bedeutend  gesteigert,  und  die  Colonie  nebst  Graptolithen  auch  solche 
Fossilreste  enthalten,  die  man  in  den  Kalksphäroiden  der  Littener  Schichten  zu 
finden  pflegt.  Wir  sehen  dies  abermals  bei  der  Colonie  „Krejcf“  bestätiget, 
die  schon  eine  Mächtigkeit  von  10  — 12  Klaftern  besitzt,  und  bereits  auch  die 
höheren  Lagen  der  Littener  Schichten,  nämlich  die  Kalksphäroide 
einschliessenden  Graptolithenschiefer  in  sich  fasst.  Diese  Colonie  führt  nach 
Herrn  ßarrande’s  Angabe  bereits  40  Species  von  Fossilresten,  welche  Herrn 
Barrande’s  Etage  E eigen  sind.  Dass  aber  auch  die  Colonie  „Krejcf“  noch  nicht 
alle  und  einen  verhältnissmässig  nur  kleinen  Theil  jener  Fossilreste  aufzuweisen 
hat,  welche  Herrn  ßarrande  aus  seiner  Etage  E bekannt  wurden,  ist  wohl  ganz 
begreiflich,  da  die  Littener  Schichten  in  der  Colonie  „Krejcf“  noch  bei 
weitem  nicht  in  jener  Mächtigkeit  auftreten,  die  diese  Schichten  in  der  nor- 
malen Lagerung  besitzen,  da  eben  erst  in  den  der  Colonie  fehlenden  höchsten 
Lagen  der  Littener  Schichten  petrefactenreiche  Kalksteinbänke  mit  Graptolithen- 
schiefern  in  WechseJlagerung  treten,  und  da  endlich  Herr  ßarrande  auch  die 
sehr  fossilreichen  Kalke  der  „Kuhelbader“  Schichten  in  seine  Etage  E einbezieht. 

In  dem  über  die  Petrefactenführung  der  Colonien  bisher  Gesagten  wird 
man  die  Entschuldigung  finden,  warum  ich  den  Fossilresten  der  Colonien 
nicht  jene  Zeit  und  Mühe  zuwendete,  welche  sie  Verdientermassen  sonst  in  An- 
spruch nehmen,  und  warum  ich  mich  in  meiner  gegenwärtigen  Abhandlung 
nur  mit  allgemeinen  Angaben,  und  insbesonders  mit  den  durch  Herrn  Barrande 
constatirten  Thatsachen  begnüge.  Was  ich  übrigens  im  Vorhergehenden  über  die 
Petrefactenführung  der  Littener  Schichten  in  den  „Colonien“  bemerkte,  findet 
volle  Anwendung  auch  auf  die  Petrefactenführung  der  Königshofer  und  Kossower 
Schichten,  welche  die  Colonien  umgeben. 

Wie  bei  den  Profilen,  welche  die  südwestlichen  Colonien  darstellen,  habe 
ich  auch  bei  den  Profilen  KK,  HJ,  FG , DE,  BC  und  A in  Tafel  I,  welche  die 
Colonien  „Wonoklas“,  „Cernositz“,  „Kosor“,  „Radotin“,  „Haidinger“  und 
„Krejcf“  zur  Ansicht  bringen,  es  unternommen,  auf  Grundlage  der  Erklärungs- 
art der  Erscheinung  dieser  Colonien  die  Störungen,  welche  die  Gebirgsschichten 
erlitten  haben  mochten,  durch  punktirte  Linien  anzudeuten.  Dass,  wie  es  sich 
aus  den  Profilen  herausstellt,  bei  manchen  Colonien  nur  die  höheren  Kossower 
Schichten  zu  Tag  treten,  bei  manchen  die  Königshofer  Schichten  unmittelbar 
mit  den  Littener  Schichten  der  Colonie  in  Berührung  kommen,  wird  wohl  Nie- 
manden Wunder  nehmen,  den  es  mir  gelungen  ist  zu  überzeugen,  dass  die 
colonialen  Erscheinungen,  Hebungen,  Faltungen  und  (Jeberschiebungen  der 
Gebirgsschichten  ihre  Entstehung  verdanken.  Demgemäss  lässt  sich  die  Reihen- 
folge und  Stellung  der  Schichten  bei  der  Colonie  „Haidinger“  durch  eine  ein- 
fache Hebung,  bei  der  Colonie  „Wonoklas“  durch  eine  Faltung,  bei  der  Colonie 
„Krejcf“  durch  eine  Ueberschiebung  Her  Schichten  u.  s,  f.  erklären. 


40  M.  V.  Lipoid.  [40] 

Insbesondere  habe  ich  aber  in  den  Profilen  auch  durch  punktirte  Linien  jene 
Schichtengruppen  der  einzelnen  Profile  mit  einander  verbunden , welche  theils 
zufolge  der  geologischen  Karte,  theils  zufolge  der  oben  erörterten  Lagerungs- 
verhältnisse als  zusammengehörig  anzusehen  sind.  Diese  Verbindung  aller  Profile 
unter  einander  versinnlichet  am  besten  und  schnellsten  die  Art  und  Weise,  wie 
die  Erscheinung  der  „Colonien“  aus  den  Lagerungsverhältnissen  erklärt  werden 
könne  und  müsse.  Sie  versinnlichet,  wie  man  von  der  Colonie  „Haidinger“  bei 
Grosskuhei  endlich  an  den  Mramor-Berg  bei  Litten,  d.  i.  aus  den  zweifelhaften 
Lagerungsverhältnissen  der  „Colonie“  zu  den  unzweifelhaften  normalen  Lage- 
rungsverhältnissen gelangt.  Sie  versinnlichet  endlich  auch  insbesondere  eine  der 
geologisch  interessantesten  Thatsachen,  dass  sich  nämlich  die  zwei 
grossen  Faltungen  und  Ueberschiebungen  der  Gebirgsschichten,  welche  so  deut- 
lich in  der  Umgebung  von  Treban  beobachtet  werden,  an  den  Ufern  der  Mol- 
dau in  einer  Entfernung  von  mehr  als  2 Meilen,  u.  z.  in  den  zwei  Colonie  n 
„Haidinger“  und  „Krejcf“,  noch  immer  klar  ausgeprägt  finden. 

Fassen  wir  das  bis  nun  Gesagte  zusammen,  so  ergibt  sich  für  die  Er- 
scheinung der  „Colonien“  aus  den  Lagerungsverhältnissen  fol- 
gende Erklärung: 

„Die„Colonien“  an  der  Südseite  des  böhrnischenSilurbeckens, 
namentlich  auch  die  Colonien  „Haidinger“  und  „Krejcf“,  — beste- 
hen aus  und  sind  Ueberreste  von  wahren  normalen  Littener 
Schichten,  welche  in  Folge  von  Hebungen,  Faltungen  und  Ueber- 
scbiebungen  der  Ge  birg  schichten  zwischen  die  tieferen  Kosso- 
wer  und  Königshofer  Schichten  eingekeilt  wurden. 

Ehe  ich  diesen  Abschnitt  schliesse,  will  ich  nur  noch  bemerken,  dass  die  so 
eben  angeführte  Erklärung  der  Colonien  dieselbe  ist,  welche  Herr  Director  Joh. 
Krejcf  aufstellte,  und  durch  die  in  seiner  im  April  1860  an  die  k.  k.  geologische 
Reichsanstalt  eingesendeten  Abhandlung !)  angeführten  Thatsachen  unterstützte, 
und  welche  eben  die  Veranlassung  dieser  Abhandlung  wurde.  Ist  es  mir  nun  ge- 
lungen, wie  ich  hoffe,  die  Ueberzeugung  von  der  Richtigkeit  der  obigen  Erklärung 
zu  begründen,  so  gebührt  dennoch  Herrn  Krej  cf  das  Verdienst,  die  Lagerungs- 
verhältnisse, und  insbesondere  den  höchst  wichtigen  Zusammenhang,  in  welchem 
die  Littener  Schichten  der  Colonien  mit  den  Littener  Schichten  in  der  Umgebung 
von  Litten  stehen,  zuerst  richtig  erkannt  zu  haben,  und  es  gereicht  mir  zum  be- 
sonderen Vergnügen,  meinem  hochgeschätzten  Freunde  durch  Anerkennung 
seines  Verdienstes  jene  Genugtuung  zu  verschaffen,  welche  ihm  meines  Erach- 
tens, in  Folge  der  neuesten  Mittheilungen  des  Herrn  Barrande  über  die  „Colo- 
nien“, die  Wissenschaft  schuldet. 

b)  Nach  Herrn  Barrande’s  Theorie. 

Während  ich  im  Vorhergehenden  bei  Erklärung  der  Erscheinung  der  „Co- 
lonien“ an  der  Südseite  des  böhmischen  Silurbeckens  aus  den  Lagerungsver- 
hältnissen von  dem  Standpunkte  ausging,  dass  die  Ablagerungen  der  „Colonien“ 
unter  sich  und  mit  den  „Littener Schichten“  im  Allgemeinen  „gleichen  Alte  rs“ 
sind,  stützt  Herr  Barrande  seine  zur  Erklärung  der  colonialen  Erscheinungen 
aufgestellte  Theorie  auf  die  Annahme,  dass  die  Ablagerungen  der  „Colonien“, 
weder  im  Vergleiche  zu  einander,  noch  im  Vergleiche  zu  den  regulären  „Littener 


!)  Die  Drucklegung  dieser  Abhandlung  wurde  durch  die  zeitweilige  Sistirung  des  Jahr- 
buches der  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  verzögert;  sie  erscheint  jedoch  im  nächsten  Hefte. 


Ueber  Herrn  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


4 t 


[41] 

Schichten“,  „gleichen  Alters“  seien,  sondern  verschiedenen  Bildungs- 
epochen ihren  Ursprung  verdanken.  Herr  Barrande  setzt  demgemäss  eine 
sich  mehrmals  wiederholende,  suceessive,  regelmässige  Ablagerung  der  colonialen 
Schichten  im  Wechsel  mit  Schichten  seiner  Etage  B voraus. 

Es  ist  einleuchtend,  dass  diese  Voraussetzung  sich  nur  auf  die  Thatsache 
stützen  könne,  dass  die  Gebirgsschichten,  in  welchen  die  Colonien  auftreten, 
eine  regelmässige  Aufeinanderfolge  zeigen,  und  dass  die  colonialen 
Schichten  eine  concordante  Lager ung  zwischen  den  Schichten  der  Etage  D 
besitzen.  In  der  That  nimmt  Herr  Barrande  diese  Thatsache  als  feststehend  an. 
In  dem  bereits  in  der  „Einleitung“  citirten  Auszuge  seiner  neuesten  Abhandlung 
„ Colonies  dans  le  bassin  silurien  de  la  Boheme “ *)  erklärt  nämlich  Herr  Bar- 
rande bei  der  Mittheilung  der  allgemeinen  Beziehungen  zwischen  den  Colonien 
„Haidinger“  und  „Krejcf“  (Seite  616),  dass  „die  eine  und  die  andere“ 
dieser  Colonien  „in  concor danter  Lagerung  zwischen  die  Schichten 
der  mächtigen  Formation  der  graugelblichen  Schiefer  db,  welche 
die  Quarzit-EtageD  abschliessen,  eingeschaltet  sind.“  Insbesondere 
theilt  Herr  Barrande  bei  Beschreibung  der  „Colonie  Haidinger“  (a  a.  0. 
Seite  620)  mit,  indem  er  die  Reihenfolge  der  Schichten  nach  einem  Durch- 
schnitte der  Colonie  anführt,  dass  „dieser  Durchschnitt,  am  Punkte  der  grössten 
Mächtigkeit  genommen,  um  so  leichter  zu  messen  sei,  als  die  Colonie  an 
dieser  Stelle  von  einem  sehr  tiefen  Graben  durchschnitten  wird, 
an  dessen  Gehänge  man  sehr  deutlich  alle  Schichten  regelmässig, 
unter  einem  Winkel  von  ungefähr  45  Graden,  gegen  das  Innere 
des  Hügels,  einfallen  sieht“.  Herr  Barrande  fährt  fort:  „Indem  wir 
diesen  und  alle  übrigen  Gräben,  welche  diese  Abdachung  durchschneiden, 
aufmerksam  studirten,  ist  es  uns  unmöglich  gewesen,  daselbst  die 
mindeste  Spur  irgend  welcher  Störung  in  der  Regelmässigkeit 
der  Lagerung  zu  entdecken.“ 

Ich  übergehe  die  Detailbeschreibung,  welche  Herr  Barrande  von  den 
Colonien  „Haidinger“  und  „Krejcf“  gibt,  die  Vergleichung  derselben  unter 
einander  und  mit  der  Colonie  „Zippe“,  und  die  die  Fülle  paläontologischer 
Kenntnisse,  welche  Herrn  Barrande  auszeichnet,  bekräftigende  Vergleichung 
der  Fauna  der  „Colonien“  mit  der  Fauna  aller  bekannten  Silurablagerungen,  und 
gehe  zur  Hauptsache  über,  zur  Erklärung  nämlich,  welche  Herr  Barrande 
(a.  a.  0.  Seite  658)  von  den  Colonien  Böhmens  gibt.  Er  sagt  daselbst: 

„Wir  nehmen  an,  dass  während  der  Zeitperiode,  welche  in  Böhmen  durch 
die  zweite  Fauna  gemessen  wird,  unsere  dritte  Fauna  in  mehr  oder  minder  ent- 
fernten Gewässern  zu  existiren  begonnen  habe;  jedoch  nicht  in  der  Vollständig- 
keit ihrer  Entwicklung,  nicht  einmal  in  dem  ganzen  Reichthum  ihrer  ersten,  in 
unserer  Etage  E vertretenen  Phase,  sondern  mit  einer  gewissen  Anzahl  von 
Formen  verschiedener  Classen,  welche  die  ersten  Elemente  ihrer  zoologischen 
Entwicklung  bilden.  Zwischen  Böhmen  und  diesen  unbekannten  Gewässern 
sind  während  der  zweiten  Hälfte  der  Dauer  der  zweiten  Fauna  zufällige  Ver- 
bindungen eröffnet  worden.  In  Folge  des  Zusammentreffens  günstiger  Umstände 
sind  eine  gewisse  Anzahl  von  Species  der  driften  Fauna  zu  wiederholten  Malen 
in  unser  Becken  eingezogen,  und  haben  sich  daselbst  an  beschränkten  Orten, 
weiche  zweifellos  ihrer  Existenz  am  zuträglichsten  waren,  niedergelassen.  Sie 
haben  daselbst  während  einer  gewissen  Zeit  gelebt,  ohne  sich  im  Allgemeinen 


0 Bulletin  de  la  societe  geologique  de  France , 2.  Serie , t.  XVII , p.  602  — seance  du 
4.  Juin  1860. 


ii.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  I.  Heft. 


6 


42 


M.  V.  Lipoid. 


[42] 


mit  den  Formen  der  zweiten  Fauna,  welche  die  benachbarten  Gewässer  be- 
wohnte, zu  vermengen  *).  Indessen  fand  eine  Vermengung  ausnahmsweise  an 
einigen  Punkten  2)  Statt.  Durch  das  Aufhören  der  günstigen  Umstände , welche 
wir  vorausgesetzt  haben,  der  zu  ihrem  Leben  unerlässlichen  Elemente  beraubt, 
sind  die  eingewanderten  Species,  das  ist  die  Colonien,  schnell  ausgestorben. 
Die  beschränkten  Niederlassungen,  welche  sie  bewohnt  hatten,  wurden  wieder 
durch  die  gewöhnlichen  Niederschläge  der  Etage  D bedeckt,  und  die  zweite 
Fauna  hat  über  ihnen,  wie  vor  der  Einwanderung,  wieder  ihre  ausschliessliche 
Herrschaft  eingenommen.“ 

„Diese  Erscheinungen  würden  sich  mindestens  dreimal  wiederholt  haben, 
weil  wir  auf  drei  verschiedenen  Horizonten  Colonien  finden:  die  tiefste  gegen 
die  halbe  Höhe  dk,  und  die  beiden  andern  in  der  Abtheilung  d'\u 

„Später  ist  die  zweite  Fauna  gänzlich  ausgestorben,  wahrscheinlich  in 
Folge  der  grossen  Ausbrüche  von  Grünsteinen,  welche  die  ganze  Oberfläche 
unseres  Beckens  bedeckten.  Als  hierauf  ähnliche  Umstände,  wie  jene,  welche 
die  Einwanderung  der  Colonien  begünstiget  hatten,  in  einem  grösseren  Maassstabe 
eintraten,  bemächtigte  sich  die  dritte  Fauna  der  verlassenen  Gewässer  Böhmens, 
deren  ganze  Fläche  sie  nach  und  nach  wieder  bevölkerte.  Es  ist  wichtig  zu 
bemerken,  dass  zur  Zeit  dieser  allgemeinen  Einwanderung,  das  ist  an  der  Basis 
der  Etage  E,  die  dritte  Fauna,  obschon  mit  vielen  in  den  Colonien  unbekannten 
Species  bereichert,  noch  weit  entfernt  war  von  dem  Maximum  ihrer  ersten  Phase, 
welche  sich  allmählig  in  der  Höhe  dieser  Etage  mit  einem  Reichthum  und  mit 
einer  Mannigfaltigkeit  von  Formen  entwickelte,  welche  bisher  in  der  sibirischen 
Welt  ohne  Gleichen  dasteht.“ 

Diese  Erklärung  beruht,  nach  Herrn  Barrande,  hauptsächlich  auf  zwei 
Vorstellungen,  die  da  sind: 

„1.  Die  theilweise  Gleichzeitigkeit  zweier  Faunen,  welche, 
in  ihrer  Gesammtheit  betrachtet,  dennoch  aufeinanderfolgend 
sind.“ 

„2.  Die  wiederholten  Wanderungen  gewisser  Species,  um  die 
abwechselnden  Erscheinungen  derselben  in  einer  und  derselben 
Gegend  zu  erklären.“ 

Die  Ursa  chen  und  die  Umstände,  welche  diese  Erscheinungen  veran- 
lasst haben,  erörtert  Herr  Barrande  (a.  a.  0.  Seite  660)  folgender  Art: 

„Vergleicht  man  die  Colonien  mit  der  Basis  der  Etage  E , so  bemerkt  man 
auf  diesen  verschiedenen  Horizonten  das  ähnliche  Auftreten  von  Graptolithen- 
schiefern,  von  mehr  oder  minder  häufigen  Kalksteinen,  und  von  Grünsteinlagern. 
Da  die  Graptolithenschiefer  und  die  Kalksteine  keinen  Bestandtheil  der  Nieder- 
schläge bilden,  welche  unsere  Etage  D zusammensetzen,  ausser  bei  den  Colo- 
nien, so  folgern  wir  daraus,  dass  dieselben  durch  neue  Ströme  und  Zuflüsse, 
welche  aus  anderen  Gegenden  kamen,  als  woher  bis  dahin  die  andern  Nieder- 
schläge geliefert  wurden,  in  unser  Becken  eingeführt  worden  sind.  Dieser 
Schluss  findet  vor  Allem  auf  die  Kalksteine  Anwendung,  welche  in  der  ganzen 
Mächtigkeit  der  Etage  D nur  in  unseren  Colonien  beobachtet  werden  können. 
Aber  welche  Umstände  konnten  in  unser  Becken  jene  neuen  Ströme  und  Zuflüsse 
eingeführt  haben,  welche  die  zarte  Masse  der  Graptolithenschiefer  mit  sich 


!)  Wie  ich  schon  oben  in  der  „Einleitung“  erwähnte,  fand  eine  Mengung  der  zweiten 
Fauna  mit  der  dritten  bei  den  Colonien  „Haidinger“  und  „Krejci“  nach  Herrn  Bar- 
rande’s  eigenen  Angaben  nicht  Statt. 

3)  Bezieht  sich  auf  die  Colonie  „Zippe“. 


Ueber  Herrn  Barrande’s  „Colonien"  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


43 


[43] 

führten,  und  kohlensauren  Kalk  aufgelöst  enthielten?"  — „Offenbar  könn- 
ten diese  Umstände  in  einem  seht*  natürlichen  Zusammenhänge  sein  mit  den 
Ausbrüchen  von  Grünsteinen,  welche  in  denselben  Epochen  Statt  hatten.  In  der 
That  lehren  uns  die  Beobachtungen  in  vulcanischen  Gegenden,  dass,  sobald  der 
Boden  einer  Gegend  genöthigt  ist  sich  zu  öffnen,  um  den  Strömen  der  feurigen 
Materie  einen  Ausweg  zu  gewähren,  die  Oberfläche  dieses  Bodens  Verschiebungen 
und  Schwankungen  ausgesetzt  ist,  welche  eben  so  im  Grunde  des  Meeres  wie 
im  Niveau  der  gehobenen  Erdstriche  Veränderungen  hervorbringen.  Aehnliche 
Schwankungen,  welche  die  gewöhnliche  Neigung  der  Oberfläche  verändern, 
können  leicht  in  ein  Becken  neue  Zuflüsse  einführen;  oder  sie  können  mit 
benachbarten  Meeren  Verbindungswege  eröffnen,  erweitern  oder  vertiefen,  in 
der  Art,  dass  Ströme  hineingeleitet  werden,  welche  bis  dahin  von  den  fraglichen 
Gewässern  ausgeschlossen  waren.  — Kurz,  die  beständige  Gegenwart  von 
Graptolithenschiefern , Kalken  und  Grünsteinen  in  den  Colonien,  so  wie  an  der 
Basis  der  Etage  E führt  uns  dahin,  die  Umstände,  welche  die  Einwanderungen 
begünstiget  haben , in  folgenden  allgemeinen  Ausdrücken  zusammen  zu  fassen: 
„Schwankungen  des  Bodens  und  Einführung  fremd  artiger  Nieder- 
schläge mit  Hilfe  neuer  Zuflüsse  und  Ströme  unter  dem  allge- 
meinen Einflüsse  plutonischer  Erscheinungen". 

Ich  habe  im  Vorhergehenden  Herrn  Ba  rr  an  de's  Theorie  über  die  Colonien 
mit  dessen  eigenen  Worten  wiedergegeben , um  dessen  Ansicht  hierüber  getreu 
auszudrücken.  Es  würde  mich  jedoch  zu  weit  führen,  wollte  ich  die  mehreren 
sinn- und  geistreichen  Beweise  anführen , durch  welche  Herr  Barrande  seine 
Theorie  zu  bekräftigen  und  die  gegen  dieselbe  erhobenen  Einwendungen  zu 
beheben  sucht.  Während  ich  daher  bezüglich  der  weiteren  Erörterungen  Herrn 
Barrande’s  über  die  Colonien  auf  dessen  Abhandlung  hierüber  verweise,  bin 
ich  dennoch  bemüssigt,  seiner  Theorie  einige  au  f Th  atsac  hen  gegründete 
Bedenken  entgegen  zu  stellen. 

Vorerst  sind  es  die  bei  den  Colonien  statthabenden  L agerungs Verhält- 
nisse, welche  der  Theorie  des  Herrn  Barrande’s  entgegentreten.  Ich  stimme 
nämlich  vollkommen  der  Ansicht  des  Herrn  Vicomte  d’Archiac  *)  hei,  wenn  er 
in  der  „Histoire  des  pro gr es  de  la  geologie,  T.  V,  p.  7"  als  einen  auf  That- 
sachen  gestützten  Grundsatz  der  Paläontologie  hinstellt,  „dass  die  Organismen 
ohne  Unterlass  sich  derart  veränderten,  dass  eine  und  dieselbe  Fauna 
sich  niemals  wiederholt  habe",  und  wenn  er  erklärt,  er  könne  Aus- 
nahmen von  diesem  Gesetze  so  lange  nicht  zugeben  als  dieselben  nicht  in 
vollkommen  regulären,  horizontalen  oder  in  ihrer  ursprüng- 
lichen Lagerung  nicht  gestörten  Terrains  beobachtet  worden 
sind.  Letztere  Anforderung  muss  man  bei  den  „Colonien"  am  Südrande  des  böh- 
mischen Silurbeckens  um  so  mehr  stellen,  als  einerseits  die  Ablagerungen  der 
Colonien  (Grünsteine  und  Graptolithenschiefer)  mit  den  Gesteinsarten  der  normal 
gelagerten  „Littener  Schichten",  das  ist  mit  den  an  der  Basis  der  Etage  E 
des  Herrn  Barrande  vorkommenden  Gesteinsarten  petrographisch  voll- 
kommen identisch  sind,  und  als  andererseits  in  den  Colonien  keine  anderen, 
sondern  ausschliesslich  nur  solche  und  speci fisch  ganz  gleiche  Fossilien 
vorgefunden  werden,  welche  zugleich  in  den  „Littener  Schichten"  an  der  er- 
wähnten Basis  der  Etage  E auftreten,  und  als  aus  diesem  Grunde  jeder  Geologe 
sich  gewiss  berechtiget  halten  wird,  a priori  anzunehmen,  dass  die  Colonien  und 
die  „normalen"  Littener  Schichten  gleichzeitige  Bildungen  sind.  Das  Gegen- 


O „B  a r r a n d e"  a.  a.  0.  Seite  602. 


6* 


44 


M.  V.  Lipoid. 


[44] 


theil  könnte  nur  durch  klare  Lagerungsverhältnisse , und  durch  evident 
normale  und  ungestörte  Z wisch  enlagerungen  der  colonialen  Schich- 
ten zwischen  den  älteren  untersilurischen  Schichten  bewiesen  werden. 

Meine  Untersuchungen  der  Colonien  an  der  Südseite  des  böhmischen  Silur- 
beckens haben  nun  gerade  das  umgekehrte  Resultat  gehabt.  Bei  allen  Colonien 
nämlich,  bei  welchen  die  Lagerungsverhältnisse  erhoben  werden  konnten,  zeigten 
sich  offenbare  Störungen  und  Dislocationen,  welche  die  Gebirgs- 
schichten  erlitten  hatten.  Ich  verweise  diesbezüglich  auf  meine  Beschreibung 
der  Colonien,  insbesondere  der  beiden  Colonien  „Krejci“  und  „Haidinger“.  Bei 
der  Colonie  „Krejci'“  gibt  > Herr  Barrande  (a.  a.  0.  Seite  62 i ) selbst  „eine 
Bewegung  des  Bodens  während  der  Bildung  des  Terrains,  oder  eine  Unregel- 
mässigkeit bei  seiner  Heb  u ng“  zu.  Hingegen  behauptet  Herr  Barrande,  wie 
ich  oben  erwähnte,  bei  der  Colonie  „Haidinger“  die  deutlichste  Regelmässig- 
keit in  der  Lagerung  und  nicht  die  mindeste  Spur  irgend  welcher  Stö- 
rung in  dieser  Regelmässigkeit  der  Lagerung  vor  gefunden  zu 
haben,  während  ich  daselbst  laut  meiner  Beschreibung  derColonie  „Haidinger“ 
und  des  Profiles  EF  in  Tafel  II  eine  gewaltige  Störung  der  Lagerung  beob- 
achtete. Dies  ist  nun  freilich  eine  sehr  wesentliche  Streitfrage,  die  sich  zwischen 
mir  und  Herrn  Bar  ran  de  erhebt,  aber  es  ist  eine  Streitfrage,  deren  Lösung 
durch  einen  einzigen  Besuch  der  Localität  möglich  ist,  und  deren  Entscheidung 
ich  meinestheils  sehr  gerne  jedem  unbefangenen  Geologen  anheimstelle.  Was 
mich  betrifft,  so  kann  ich  in  der  That  die  Lagerung  der  Schichten,  wie 
sie  sich  in  dem  ersten  östlichen  Graben  (II.  Karte),  in  welchem  die  Colonie 
„Haidinger“  erscheint,  darstellt,  als  eine  regelmässige  nicht  anerkennen, 
indem  daselbst  auf  den  wenig  geneigten  fast  horizontal  liegenden 
Kossower  Schichten  die  „Colonie“  lagert,  und  unmittelbar  über  derselben  die 
Königshofer  Schichten  eine  steil  aufgerichtete,  zum  Theil  saigere 
Schichtenstellung  besitzen. 

Ich  muss  daher  bei  der  Beurtheilung  der  Theorie  des  Herrn  Barrande 
über  die  „Colonien“  von  derThatsache  ausgehen,  dass  die  Lagerung 
der  Colonien  keine  regelmässigeund  concordante,  sondern  eine 
gestörteist.  Durch  diese  Thatsache  wird  aber  die  wichtigste  Voraus- 
setzung, auf  welcher  die  Theorie  des  Herrn  Barrande  beruhet,  als  irrig 
nachgewiesen,  und  die  Basis,  auf  welcher  Herr  Barrande  seine  Theorie  über 
die  „Colonien“  aufgebaut  hat,  muss  als  haltlos  und  zerstört  angesehen  werden. 
Ist  aber  die  Basis  zerstört,  so  muss  auch  das  ganze  darauf  ruhende  Gebäude 
schwanken,  das  heisst,  sind  die  Voraussetzungen  irrig,  welche  Herr  Barrande 
seiner  Theorie  unterlegte,  so  können  auch  die  daraus  gezogenen  Folgerungen 
auf  eine  Wahrscheinlichkeit  keinen  Anspruch  machen. 

An  sich  genügt  diese  einzige  so  eben  erwähnte  Nachweisung,  dass  die 
„Colonien“  keine  concordante  Lagerung  besitzen,  um  die  Theorie 
des  Herrn  Barrand  e über  die  „Colonien“  als  ihrer  Grundlage  beraubt,  und 
somit  als  wid  e r 1 egt  zu  betrachten,  und  ich  könnte  füglich  weitere  Erörte- 
rungen hierüber  übergehen.  Dennoch  will  ich  noch  einige  kurze  Bemerkungen 
beifügen,  welche,  wenn  auch  nicht  einzeln  die  Theorie  des  Herrn  Barrande 
zu  widerlegen,  dennoch  höchst  bedeutsame  Bedenken  gegen  dieselbe  rege  zu 
machen  im  Stande  sind. 

Wiekommt  es,  dass  die  Colonien  nicht  tief  in  das  Gebirge 
eingreifen,  sondern  sich  sehr  bald  nach  dem  Verflachen  auskeilen  oder 
abgeschnitteji  werden,  wie  dies  bei  den  Colonien  „Haidinger“,  „Radotin“, 
„Kosorff,  „Cernositz“,  „Wonoklas“  und  „Karlik“  als  erwiesen  vorliegt?  Da  die 


Ueber  Herrn  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


45 


[«] 

Einwanderung  der  colonialen  Fauna  von  Süden  her  nicht  stattfinden  konnte, 
weil  sich  die  fraglichen  Colonien  am  Südrande  der  obersilurischen  Ablagerungen 
befinden,  so  konnte  diese  Einwanderung  nur  von  Norden,  oder  wie  Herr 
Barrande  in  seinem  „ Systeme  silurien “ annimmt,  von  Nordosten  her  Platz 
greifen,  und  da  sollte  man  doch  meinen,  dass  die  durch  Ströme  von  Nord  her- 
beigeführten colonialen  Ablagerungen  sich  eben  in  der  nördlichen  Richtung 
des  Einfallens  weiter  in  das  Innere  des  Beckens  verbreiten  sollten!  Dass  dieses 
Auskeilen  und  Abschneiden  der  colonialen  Schichten  nach  dem  Verflachen  eine 
Folge  späterer  Dislocatio  nen  sei,  wird  Herr  Barrande  wohl  nicht 
zugeben,  weil  er  dadurch  seiner  Theorie  selbst  die  Grundstütze  wegnähme,  und 
weil  sich  sodann  die  colonialen  Erscheinungen  viel  einfacher  und  natürlicher 
ohne  Zuhilfenahme  einer  neuen  Theorie,  wie  ich  es  gethan  habe,  aus  den  Lage- 
rungsverhältnissen, eben  als  eine  Folge  von  späteren  Dislocationen,  welche  das 
Terrain  erlitt,  erklären  lassen. 

Herrßarrande  bemerkt  weiter,  dass  nach  einer  mindestens  dreimal 
wied erhol  ten  Ein-und Auswanderung  der  colonialen  (dritten)  Fauna  die  zweite 
Fauna  endlich  gänzlich  ausgestorben  sei,  wahrs  cheinlich  in  Fol  ge 
der  grossen  Ausbrüche  von  Grünsteinen,  welche  die  ganze  Oberfläche 
des  Beckens  bedeckten.  Gewiss,  sind  auch  die  Grünsteinausbrüche  vielleicht 
nicht  gerade  die  unmittelbare  Ursache  des  gänzlichen  Aussterbens  der  zweiten 
Fauna  gewesen,  so  lässt  sich  doch  nicht  bezweifeln,  dass  die  Ausbrüche  der 
Grünsteine  und  die  Bildung  der  Graptolithenschiefer  in  einer  unmittelbaren  Wech- 
selwirkung und  in  einem  innigen  Zusammenhänge  mit  den  Ursachen  gestanden 
haben  mussten,  welche  das  gänzliche  Erlöschen  der  zweiten  Fauna  zur  Folge 
hatten.  Nun  fragt  es  sich  aber,  warum  ist  die  zweite  Fauna  nicht 
sogleich  das  erste  Mal,  als  die  coloniale  dritte  Fauna  in  Folge  von 
Grünsteinausbrüchen  und  Bildung  von  Graptolithenschiefern 
einwanderte,  das  ist  zur  Zeit  der  Entstehung  der  „Colonien",  welche  doch 
die  gleichen  Grünsteine,  wie  sie  an  der  Basis  der  Etage  E auftreten,  führen, 
gänzlich  ausgestorben?  Warum  haben  die  Fossilien,  welche  zur  Zeit,  als 
die  Bildung  der  ersten  Colonien  am  Südrande  des  böhmischen  Silurbeckens 
(Colonie  „Haidinger“)  begann,  lebten,  nämlich  die  Fossilien  der  Königshofer  und 
Kossower  Schichten,  un  verkümmert  fortgelebt,  wie  es  nach  Herrn  Barrande 
die  Fossilien  der  zwischen  den  Colonien  „Haidinger“  und  „Krejci“  auftre- 
tenden Königshofer  und  Kossower  Schichten  darthun,  — warum  haben  sie,  ohne 
auch  nur  die  mindeste  speci fische  Veränderung  zu  erleiden,  zwei- 
mal eine  Katastrophe  überlebt,  welche,  wie  wir  vorausgesetzt  haben 
und  vorauszusetzen  berechtiget  sind,  bei  Beginn  der  Ablagerung  der  „normalen“ 
Littener  Schichten,  das  ist  an  der  Basis  der  Etage  E des  Herrn  Barrande,  ihr 
gänzliches  Auss.terben  zur  Folge  hatte?  — Ich  weiss,  man  wird  mir  ant- 
worten: Weil  die  Grünsteinausbrüehe  und  die  Bildung  von  Graptolithenschiefern 
zur  Zeit  der  colonialen  Wanderungen  nur  local  an  einzelnen  Punkten  Statt 
hatten,  und  sich  nicht  über  das  ganze  böhmische  Becken,  wie  später,  aus- 
dehnten, daher  auch  die  „Colonien“  nur  local  vorgefunden  werden,  und  linsen- 
förmige Ablagerungen  zwischen  den  untersilurischen  Schichten  bilden. 
Abgesehen  davon,  dass  sich  letztere  Annahme  mit  der  Annahme  des  Herrn  Bar- 
rande, dass  die  colonialen  Ablagerungen  durch  Ströme  aus  anderen  Gewässern 
und  Gegenden  dem  böhmischen  Becken  zugeführt  wurden,  nicht  wohl  verein- 
baren lasse,  weil  diese  Ströme,  von  Norden  oder  Nordosten  kommend,  die 
ganze  Breite  des  Beckens  passiren  mussten,  um  an  den  südlichen  Rand  des- 
selben zu  gelangen,  und  die  mit  sich  geführte  Materie  der  Niederschläge  doch 


46 


M.  V.  Lipoid. 


m 


nicht  blos  an  den  Rändern  des  Beckens,  sondern  auf  ihrem  ganzen  Wege,  im 
ganzen  Becken  absetzen  mussten;  gibt  diese  Annahme  dem  folgenden  viel 
grösseren  Bedenken  den  weitesten  Spielraum.  Wenn  nämlich  die  coloniale 
Fauna  blos  an  beschränkten  Localitäten,  an  einzelnen  isolirten  nicht 
zusammenhängenden  Punkten  des  böhmischen  Beckens  leben  konnte  und  lebte, 
und  in  derselben  Zeit,  wie  Herr  Barrande  annimmt,  die  zweite  Fauna  die 
benachbarten  G ewässer  bewohnte,  so  mussten  die  colonialen  Niederlas- 
sungen ringsum  von  Gewässern  umgeben  sein,  in  denen  die  zweite  Fauna  leben 
konnte  und  lebte,  das  ist,  man  muss  sich  die  coloniale  Fauna  allseits  von  der 
zweiten  Fauna  umschwärmt  denken.  Ist  es  nun  möglich  bei  den  so  nahen  und  so 
vielen  Berührungspunkten,  in  welchen  die  coloniale  und  die  zweite  Fauna  zu 
einander  stehen  mussten,  sich  eine  andere  Vorstellung  zu  machen,  als  dass  die 
beiden  Faunen  sich  wenigstens  an  den  Berührungspunkten  mit  einander  ver- 
mengten, und  dass  die  Reste  der  colonialen  und  der  zweiten  Fauna  mindestens 
an  den  Grenzpunkten  ihres  Lebensbezirkes  zahlreich  mit  einander  vermischt  in  den 
betreffenden  Niederschlägen  eingebacken  wurden?  Und  dennoch  ist  von  dem 
Südrande  des  böhmischen  Silurbeckens  bisher  eine  solche  Mischung  der 
colonialen  und  der  zweiten  Fauna,  welche  sich  nach  Obigem  gerade  an 
den  meist  entblössten  Rändern  der  Colonien  im  grossen  Umfange  deutlich  zeigen 
müsste,  nirgends  be  obachtet  worden!!  Die  „Colonien“  führen  n u r Fos- 
silien der  dritten  Fauna,  die  dazwischen  liegenden  Königshofer  und  Kossower 
Schichten  nur  Fossilien  der  zweiten  Fauna,  und  zwar  die  ersteren  ganz  die- 
selben Formen,  wie  sie  unverändert  an  der  Basis  der  Etage  E , das  ist  in 
den  Littener  Schichten,  wiederz ufind en  sind,  und  die  letzteren  genau  die- 
selben Species  von  Thieren,  welche  die  Königshofer  und  Kossower  Schichten 
überhaupt  charakterisiren. 

Die  eben  erwähnten  Thatsachen,  so  wie  sie  einerseits  die  oben  gegebene 
Erklärung  der  colonialen  Erscheinungen  „aus  den  Lageru  ngs  Ver- 
hältnissen“ besonders  zu  unterstützen  befähigt  sind , sind  andererseits 
sehr  geeignet,  gegen  die  Richtigkeit  der  Theorie  des  Herrn  Barrande  Zweifel 
zu  erregen.  Es  widerspricht  nämlich  allen  bisherigen  paläontologischen  Erfah- 
rungen und  Grundsätzen,  wenn  man  nach  Herrn  Barrande’s  Ansinnen  annimmt, 
dass  eine  und  dieselbe  Fauna  in  ganz  unverändertem  Zustande  mit  den 
ganz  gleichen  Species  in  weit  von  einander  abstehenden  Epochen  sich 
wiederholt  habe,  ohne  in  den  zwischenliegenden  Ablagerungen,  — welche 
eine  ganz  vers  chi  edene,  aber  auch  mehrmals  und  stets  in  gleichen  For- 
men sich  wiederholende  Fauna  enthält,  — auch  nur  die  mindeste  Spur 
ihres  Daseins  zu  hinterlassen.  Die  Analogien,  die  aus  anderen  Terrains  angeführt 
werden,  kann  ich,  wie  ich  später  berühren  werde,  nicht  gelten  lassen.  Auch  der 
Umstand,  dass  die  Etage  E mehr  Fossilien  enthält,  als  die  Colonien,  kann  obigen 
Zweifel  nicht  mindern,  denn  es  bleibt  doch  wahr,  dass  die  Fauna  der  „Colonien“ 
sich  in  den  tiefsten  Schichten  der  Etage  E,  und  zwar  nur  in  diesen, 
wiederholt,  und  es  beirrt  nicht,  dass  höhere  Schichten  der  Etage  E noch 
andere  Fossilreste  aufnehmen.  Man  muss  eben  die  Schichten  der  Etage  E nicht 
in  ihrer  Gesammtheit,  sondern  nur  die  Basis,  das  ist  die  tiefsten  Schichten 
der  P]tage  E,  und  zwar  nur  in  derselben  Mächtigkeit  in  Betracht  ziehen, 
in  welcher  ein  oder  die  andere  Colonie  auftritt,  — und  man  wird  auch  nur  die- 
selben Petrefacte  in  beiden  finden.  Wenigstens  zweifle  ich  sehr,  dass  selbst 
Herr  Barrande  zwischen  den  Species  von  Graptolithen,  welche  die  Colonien 
bewohnten,  und  jenen,  welche  in  den  tiefsten  Schichten  der  Etage  E auf- 
treten,  auch  nur  den  mindesten  Unterschied  zu  bezeichnen  im  Stande  sein  werde. 


[47] 


Ueber  Herrn  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


47 


Ich  habe  übrigens  oben  wiederholt  gezeigt,  dass  die  grössere  oder  geringere 
Anzahl  von  Petrefacten  in  einer  Colonie  auf  die  Erklärung  der  colonialen  Erschei- 
nungen aus  den  Lagerungsverhältnissen  keinen  Einfluss  nimmt.  Die  kenntniss- 
vollen  Vergleichungen,  die  Herr  Barrande  in  seiner  neuesten  Abhandlung 
zwischen  der  colonialen  Fauna  und  jener  der  Etage  D und  E und  fremder  Silur- 
becken macht,  und  die  scharfsinnigen  Deductionen,  welche  derselbe  aus  diesen 
Vergleichungen  zu  Gunsten  seiner  Theorie  zieht,  können  daher  die  obberührte 
Erklärungsart  der  Colonien  nicht  beirren,  da  sie,  vermöge  dieser  Erklärungsart, 
als  blos  von  der  wechselnden  Mächtigkeit  der  Colonien,  das  ist  von  Zufällig- 
keiten abhängig,  nicht  die  Wesenheit  der  Colonien  berühren.  Dies  der 
Grund,  dass  ich  mich  über  die  bezeichneten  Vergleichungen  der  Faunen  und  die 
diesfäiligen  Deductionen  des  Herrn  Barrande,  welche  dessen  Theorie, 
vorausgesetzt,  dass  dieselbe  anderweitig  begründet  und  den 
Lager ungsver hält nissen  entsprechend  befunden  würde,  ohne 
Zweifel  zu  unterstützen  geeignet  wären,  weiters  in  keine  Erörterungen  einlasse. 


Sehen  wir  nun,  in  welcher  Art  sich  andere  Naturforscher  über  die 
sibirischen  „Colonien“  Böhmens  aussprechen. 

Herr  Professor  Dr.  H.  G.  Bronn  bespricht  in  seiner  in  der  „Einleitung44 
citirten  gekrönten  Preisschrift:  „Untersuchungen  über  die  Entwickelungsgesetze 
der  organischen  Welt  u.  s.  f.“  Seite  294  die  „Anachronisehen  Colonien44,  als 
welche  er  „ausnahmsweise  Ansammlungen  zahlreicher  Arten  eines 
Terrains  in  beschränkten  Oer tlichk eiten  eines  anderen  durch 
Zwischenschichten  davon  getrennten  älteren  oder  jüngeren  Ter- 
rains“ bezeichnet,  und  zu  welchen  vorzugsweise  die  sibirischen  ^Colonien“ 
Böhmens  gezählt  werden.  Herr  Dr.  Bronn  reproducirt  die  Thatsaehe  und  die 
Erklärung  der  „Colonien“  Böhmens  in  der  Art,  wie  sie  Herr  Barrande  in 
seinen  ersten  Bekanntmachungen  über  diese  Colonien  *)  mitgetheilt  hat.  Er  sagt: 
„Sein  (Herrn  Barrande’s)  silurisches  Terrain  E,  worin  die  dritte  Trilobiten- 
Fauna  vorzugsweise  zur  Ablagerung  gekommen,  besteht  in  Graptolithenschiefern 
mit  Kalksphäroiden.  Dieselbe  Gesteinsart  nun  hatte  sich  auch  schon  in 
einem  vertical  wie  horizontal  sehr  beschränkten  Raume  im  unteren  Theile 
des  sonst  aus  Quarziten  bestehenden  Terrains  D,  welches  die  zweite  Silurfauna 
enthält,  in  vorübergehender  Weise  zu  bilden  begonnen,  sich  in  concor danter 
Lagerung  zwischen  die  übrigen  abgesetzt,  und  einen  Theil  der  dritten  Fauna 
in  sich  aufgenommen“  u.  s.  f. 

Man  sieht,  dass  Herr  Dr.  Bronn,  so  viel  ich  weiss,  nicht  aus  eigener 
Wahrnehmung,  sondern  eben  nur  gestützt  auf  Herrn  Barrande’s  Mittheilungen, 
die  wesentliche  Thatsaehe,  dass  die  Colonien  sich  „in  eoncordanter  Lage- 
rung“ zwischen  den  Schichten  des  Terrains  D befinden,  als  constatirt  annimmt. 
Ich  brauche  wohl  kaum  zu  wiederholen,  dass  ich  die  Behauptung  dieser  That- 
sache  als  auf  einem  Irrthum  beruhend  nachwies,  und  ich  setze  voraus,  dass 
der  hochgelehrte  Meister,  wenn  er,  wie  ich,  die  Ueberzeugung  gewonnen,  dass 
die  silurischen  Colonien  Böhmens  nicht  „concor  da  nt“  gelagert  sind,  Anstand 
genommen  hätte,  Herrn  Barrande’s  Theorie  über  die  „Colonien“  als  Substrat 
paläontologischer  Betrachtungen  zu  benützen.  Diese  Voraussetzungen  würden 
mich  eigentlich  von  weiteren  Erörterungen  über  die  „anachronisehen  Colonien“ 
entbinden.  Allein  da  Herr  Dr.  Bronn  (a.  a.  0.  Seite  295  u.  f.)  mehrere  den 


0 Bull,  geolog.  18 öl.  VIII,  150 , 158. 


48 


M.  V.  Lipoid. 


[48] 


Colonien  Böhmens  „analoge  Fälle“  anführt,  und  Herr  Barrunde  in  seiner 
neuesten  Abhandlung  über  die  Colonien  auf  diese  „analogen  Fälle“  ein  ganz 
besonderes  Gewicht  legt,  so  bin  ich  bemüssiget,  diese  „Analogien“  etwas 
näher  in’s  Auge  zu  fassen. 

Zwei  der  von  Herrn  Di*.  Bronn  angeführten  „analogen  Fälle“  betreffen 
Steinkohlenpflanzen.  Pflanzenreste  sind  wohl  minder  geeignet,  mit  Thier- 
resten überhaupt  in  Vergleichungen  gezogen  zu  werden,  da  sie  im  Allgemeinen 
doch  anderen  Gesetzen  folgen,  als  letztere,  und  da,  wie  Herr  Dr.  Bronn  (a.  a. 

0.  Seite  268)  selbst  bemerkt,  „Pflanzen  sich  am  wenigsten  an  bestimmte  Etagen 
des  Gebirges  binden  zu  wollen  scheinen“.  Ich  hebe  daher  blos  den  wichtigsten 
von  Herrn  Dr.  Bronn  angeführten  und  von  Herrn  Barrande  benützten  analogen 
Fall,  welcher  dem  Oolith  Englands  entnommen  ist,  hervor,  und  bezeichne  die 
Thatsachen,  wie  sie  Herr  Dr.  Bronn  mittheilt. 

Nach  Lycett,  Morris  und  Brodie  besitzen  nämlich  ein  oberer  Theil  des 
Gross-Ooliths  von  Minchinghampton  in  England  und  der  Unter -Oolith  von 
Leckhampton,  und  zwar  dessen  „ Fimbria “ und  „ Freestone “ Schichten,  eine 
grosse  Aehn lichkeit  sowohl  in  der  Mineral-Natur,  wie  in  den  organischen 
Resten.  Von  265  Arten  des  Gross-Ooliths  sind  demselben  64  Arten  mit  den 
Freestone-Schichten  des  Unter-Ooliths  gemein.  „Die  fossilen  Arten  des  Unter- 
Ooliths  von  Leckhampton  sind  jedoch  alle  auffallend  klein“,  — „auch 
jene,  welche  ihm  mit  dem  Gross-Oolith  daselbst  und  zu  Minchinghampton 
gemein  sind“.  — „Im  Ganzen  fehlen  die  meisten  der  aus  dem  Freestone  und 
der  Fimbria -Schicht  in  den  Gross-Oolith  übergehenden  Arten  in  den  Zwischen- 
schichten gänzlich,  und  die  wenigen,  Avelche  sich  auch  in  ihnen  ei  n- 
finden,  erleiden  meistens  bedeutende  Veränderungen  in  Form  und  Oberflächen- 
beschaffer^heit  und  eine  Verminderung  ihrer  Grösse“.  Nach  Buckmann  wieder- 
holt sich  diese  Erscheinung  mit  dem  Cornbrash  im  Ober-Oolith  von  Cirencester 
in  Gloucestershire.  „Dieser  Cornbrash  enthält  daselbst  65  fossile  Arten, 
wovon  21  mit  Arten  des  Unter-Oolith  und  selbst  mit  solchen  identisch  sind, 
welche  charakteristisch  für  ihn  gelten.  — Alle  diese  Arten  finden  sich  nur  mit 
wenigen  Ausnahmen  nicht  in  dem  dazwischen  liegenden  Gross-Oolith.“ 

Vergleichen  wir  die  oben  angeführten  Thatsachen  aus  dem  englischen 
Oolith  mit  den  entsprechenden  Thatsachen  aus  den  silurisehen  „Colonien“  an 
der  Südseite  des  Silurbeckens  Böhmens,  so  finden  wir  sehr  erhebliche 
Unterschiede  zwischen  beiden,  und  zwar: 

1.  Die  Schichten  des  Gross-Oolith  und  die  Eimbria-  und  Freestone-Schich- 
ten besitzen  in  soferne  eine  Aehnlichkeit,  als  beide  k al kiger  Natur  sind. 
Die  Grünsteine  und  Graptolithenschiefer  der  erwähnten  „Colonien“  hingegen  sind 
in  ihren  lithologischen  Merkmalen  mit  den  Grünsteinen  und  Graptolithenschiefern 
an  der  Basis  der  Etage  E nicht  nur  ä h n 1 i c h,  sondern  vollkommen  identisch. 

2.  Die  Fimbria-  und  Freestone-Schichten  haben  ausser  denjenigen  Arten, 
die  man  im  Gross-Oolith  findet,  noch  ihre  eigentümliche  Fauna;  nicht  alle 
Arten  der  ersteren  kommen  auch  in  dem  letzteren  wieder  zum  Vorschein.  — Die 
„Colonien“  Böhmens  haben  hingegen  gar  keine  eigentümliche  Fauna, 
und  alle  Species,  die  in  den  Colonien  gefunden  werden,  treten  auch  in  den 
Littener  Schichten  an  der  Basis  der  Etage  E auf. 

3.  Die  fossilen  Arten,  welche  der  Gross-  und  Unter-Oolith  gemein  haben, 
sind  im  Unter-Oolith  alle  auffallend  klein,  im  Vergleiche  zu  jenen  des 
Gross-Oolith.  Dieser  auffallende  Unterschied  in  der  Grösse  derArten, 
wenn  auch  nicht  specifisch  wesentlich,  deutet  dennoch  auf  eine  Verschiedenheit 
in  der  Lebensentwickelung  hin.  Zwischen  den  Species,  welche  die  „Colonien“ 


[49]  Ueber  Herrn  Barrande's  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens.  49 

Böhmens  und  die  Littener  Schichten  an  der  Basis  der  Etage  E gemein  haben, 
ist  dagegen  auch  nicht  der  mindeste  Unterschied  wahrzunehmen. 

4.  Die  Schichten  des  „Cornbrash“,  „Gross-Oolith“  und  „Freestone“, 
welche  gemeinsame  Fossilarten  führen,  gehören  nach  Sir  Charles  Lyell  min- 
destens einer  und  derselben,  nämlich  der  unteren  Abtheil ung  des  Ooliths 
an.  — Die  „Colonien  Böhmens“  dagegen  treten  in  der  unteren  Abtheilung  des 
Silursystems,  welche  von  der  ZAveiten  Fauna  des  Herrn  Barr  and  e bewohnt 
wird,  auf,  während  die  gemeinsamen  Arten  in  den  Littener  Schichten  an  der 
Basis  der  Etage  E schon  die  dritte  Fauna  in  der  oberen  Abtheilung  des 
Systems  charakterisiren. 

fi.  Die  dem  „Cornbrash“  und  „Gross-Oolith“  einerseits,  und  dem  „Unter- 
sten Oolith“  andererseits  gemeinsamen  Arten  finden  sich,  wenn  auch  nur  als 
Ausnahmen,  in  veränderter  Form  oder  verminderter  Grösse,  dennoch  in  einer 
geringen  Zahl  auch  in  den  Zwischenschichten  vor.  Diese  „wenigen“ 
in  d e n Zwisch  enschichten  vorfindigen,  von  den  vielen  gemeinsamen 
Arten  genügen,  wenigstens  einen  natürlichen  Zusammenhang  zwischen  den 
gemeinsamen  Arten  im  untersten  Oolith,  und  im  Gross-Oolith  und  „Cornbrash“ 
anzudeuten.  — Die  zwischen  den  „Colonien“  Böhmens  und  den  Littener  Schich- 
ten an  der  Basis  der  Etage  E befindlichen  Zwischenschichten  (Königshofer 
und  Kossower  Schichten)  dagegen  besitzen  auch  nicht  die  mindeste 
Spur  von  Fossilien  der  dritten  Fauna,  welche  die  Colonien  und  die  Lit- 
tener Schichten  bewohnt.  Es  fehlt  daher  hier  jeder  natürliche  Zusammenhang 
zwischen  den  „Colonien“  und  den  Littener  Schichten  an  der  Basis  der  Etage  E . 

6.  Verzeichnen  wir  die  Reihenfolge  der  Schichten,  wie  dieselben,  nach 
Sir  Ch.  Lyell,  im  „Unter- Oolith“  unter  dem  „Oxford-Thon“  von  oben  nach 
unten  folgen : 

a ) Cornbrash,  Thon  und  kalkiger  Sandstein,  — und  Forestmarble,  thoniger 
Kalkstein,  sehr  reich  an  marinen  Fossilien; 

b)  Great-Oolite,  muschelreicher  Kalkstein,  und  Stonesfield-Schiefer,  muschel- 
reiche  Kalksphäroide  in  Sand  eingehüllt,  nur  6 Fuss  mächtig,  mit  einer 
merkwürdigen  Säugethierfauna ; 

c)  Fullers’-earth , thonige  Ablagerung  bei  Bath,  reich  an  kleinen  Austern,  — 
fehlt  in  Nord-England; 

d)  Freestone,  kalkige  Schichten,  wenig  mächtig,  mit  Fimbria-Schichten,  — - 
darunter  gelber  Sand.  Letzterer  lagert  auf  dem  „Lias“,  der  bei  einem  sehr 
gleichförmigen,  lithologischen  Gepräge  eine  evident  eigenthümliche  Fauna 
besitzt. 

Wir  sehen  hieraus,  dass  im  Englischen  Oolith  die  Gebirgsschichten,  welche 
unter  dem  „Freestone“,  ferner  jene,  welche  zwischen  dem  „Freestone“  und 
dem  „Gross-Oolith“,  oder  zwischen  dem  „Freestone“  und  dem  „Cornbrash“, 
endlich  jene,  welche  über  dem  „Gross-Oolith“’ , beziehungsweise  über  dem 
„Cornbrash“  liegen,  sowohl  in  petrographischer,  als  auch  in  paläontologischer 
Beziehung  wesentlich  von  einander  abweichen.  Die  Zwischenschichten, 
welche  die,  eine  gemeinsame  Fauna  enthaltenden  „Freestones“  und  „Gross- 
Oolithe“,  respective  „Cornbrash“,  trennen,  sind  also  bezüglich  ihres  litholo- 
gischen Charakters  und  bezüglich  ihrer  Fossilreste  ganz  verschieden  von 
den  Schichten,  welche  im  Liegenden  des  Freestone  und  im  Han- 
genden des  Gross-Oolith,  respective  „Cornbrash“,  Vorkommen. 
Bei  den  Colonien  an  der  Südseite  des  böhmischen  Silurbeckens  dagegen  sind 
sowohl  die  im  Liegenden  der  südlicheren  Colonien  (Col.  „Haidinger“),  als 
auch  die  zwischen  diesen  und  den  nördlicheren  Colonien  (Col. 

K.  k.  geologische  Reichsaustalt.  12-  Band,  1861  und  1862.  I.  Heit. 


7 


50 


M.  V.  Lipoid. 


[50] 

„Krejci“),  endlich  auch  die  im  Hangenden  der  letztgenannten  Colonien  zwischen 
diesen  und  den  Littener  Schichten  ander  Basis  der  Elage  E betind- 
lichen  Schichten  nicht  nur  petrographisch,  sondern  auch  bezüglich  ihrer  Fossil- 
reste vo  llkom men  identisch.  Nicht  nur  die  Zwischenschichten,  son- 
dern auch  die  Liegend-  und  die  Hangendschichten  der  Colonien  bestehen 
nämlich  aus  denselben  Königshofer  und  Kossower  Schichten  mit  den- 
selben Fossilien  der  zweiten  Fauna. 

7.  Bemerken  wir  endlich,  dass  die  Zwischenschichten  bei  den  böh- 
mischen Colonien  eine  Mächtigkeit  von  mehreren  Hundert  Fuss,  die 
betreffenden  „Zwischenschichten“  im  englischen  Oolith  ab^r*  nur  eine  ver- 
hältnissmässig  sehr  geringe  Mächtigkeit  besitzen,  und  dass  die  Beproduc- 
tion  derselben  Fauna  im  Oolith  Englands  nur  einmal  stattfand,  im  Silur- 
becken Böhmens  aber  sich  dieselbe  Fauna  mindestens  dreimal  wiederholt 
haben  müsse,  so  geben  auch  diese  verschiedenartigen  Umstände  zu  höchst  bedenk- 
lichen Betrachtungen  Anlass. 

Man  wird  es  mir  kaum  verargen,  dhss  ich  in  Anbetracht  der  so  vie  1- 
fachen  und  so  wesentlichen  Unterschiede,  welche  zwischen  den  „ana- 
chronischen  Colonien“  des  englischen  Oolithes,  und  den  „Colonien“  des  Herrn 
Barrande  in  der  böhmischen  Silurformation  obwalten,  die  „An  a 1 og  i e“  zwischen 
denselben  als  verschwindend,  und  in  Folge  dessen  die  Theorie  des  Herrn 
Barrande  über  die  „Colonien“  als  beispiellos  bezeichne.  Da  ich  der  genannten 
Theorie  wegen  der  natürlichen  Erklärung,  welche  die  Erscheinung  der  „Colo- 
nien“ aus  den  Lagerungsverhältnissen  zulässt,  nicht  beiptlichten  kann,  so  ist  es 
natürlich,  dass  ich  auch  die  Dichtigkeit  der  Schlüsse,  welche  Herr  Dr.  Bronn 
aus  den  Thatsachen  der  „anachronischen  Colonien“  zieht,  in  soweit  sich  diese 
Schlüsse  auf  die  „Colonien“  Böhmens  stützen,  in  Zweifel  ziehen  muss. 

Viel  eingehender  noch,  als  Herr  Dr.  Bronn,  bespricht  Sir  Charles  Lyell 
in  seinem  ,, Supplement “ to  the  fiftli  edition  of  a „ Manual  of  elementar  y geo- 
logy .“  Seite  29  u.  f.  die  Theorie  des  Herrn  Barr  an  de  über  die  „Colonien“  des 
böhmischen  Silurbeckens.  Da  Sir  Ch.  Lyell  in  Allem  und  Jedem  die  Theorie 
des  Herrn  Barrande  vertheidigt,  indem  er  die  Richtigkeit  der  von  Herrn  Bar- 
rande angeführten  Thatsachen  voraussetzt,  so  würde  es  genügen,  zur  Wider- 
legung dieser  Vertheidigung  darauf  hinzuweisen,  dass  ich  im  Vorhergehenden 
dargethan  habe,  die  von  Herrn  B a rra  n d e angeführten  Thatsachen,  auf  denen 
die  ganze  Theorie  beruht,  seien  nicht  richtig.  — Allein  Sir  Ch.  Lyell 
führt  zur  Unterstützung  der  Theorie  des  Herrn  Barrande  noch  andere  That- 
sachen an,  die  gleichfalls  einer  Berichtigung  bedürfen. 

Wir  lesen  nämlich  in  dem  berührten  „ Supplement “ Seite  31  Folgendes  *): 

„Als  der  verstorbene  Eduard  Forbes  diese  Lehre  von  den  Colonien  com- 
mentirte,  bemerkte  er,  dass  durch  die  Annahme  derselben  der  Werth  der  Evidenz 
organischer  Reste  als  bestimmendes  Moment  für  das  Alter  und  die  Aufeinander- 
folge geologischer  Formationen  sehr  vermindert  werden  dürfte,  da  diese  Annahme 
die  Einführung  einer  Gruppe  von  Species  in  sich  einschliesst,  welche  die  Erfah- 
rung uns  gelehrt  hat  als  normale  Bestandtheile  einer  späteren  verschiedenen 
Formation  zu  betrachten,  und  welche  nicht  blos  zwischen  und  mit  der  Fauna 
einer  früheren  Stufe  gemischt  sind,  sondern  mitten  darunter  und  doch  gesondert 
davon.  Daher  stellt  Professor  Forbes,  während  er  zugleich  die  höchste Bewun- 


Nach  der  Uebersetzung  von  Herrn  Oralen  Marschall,  Achivar  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt. 


Ueber  Herrn  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


51 


[S1] 

derung  über  Barr  and e’s  Talent  und  Arbeiten  ausdrückt,  die  Genauigkeit 
der  geologischen  Thatsac he  in  Frage,  indem  er  bemerkt,  „„dass  in  einer 
durch  Erhebungen  gestörten  silurischen  Gegend,  wo  die  Schichten  unter  sehr 
starken  Winkeln  geneigt  sind,  wo  wahrscheinlich  Verwerfungen  und  Verdre- 
hungen derselben  Vorkommen,  sehr  wohl  Fälle  dieser  Art  gefunden  werden 
dürften,  welche  Veranlassung  geben,  dass  Schichten  mit  neueren  Fossilien 
unter  und  inmitten  solcher  liegen,  die  ältere  Versteinerungen  enthalten.““ 
Hätte  mein  verstorbener  Freund  aber  die  Nachbarschaft  von  Prag  besucht,  so 
würde  er  erkannt  haben,  dass  die  dortigen  Schichten  sich  nicht  im  Zu- 
stande alpinischer  Verwirrung  befinden,  und  er  würde  sich  bereitwillig 
überzeugt  haben,  dass  ein  so  fähiger  Beobachter,  wie  Barrande,  sich  keines- 
wegs täuschte.  Wirklich  ist  die  Ordnung  der  Ueberlagerung  durchaus 
nicht  dunkel,  und  ausserdem  gibt  es  in  den  Vorstädten  Prag’s  eine 
Stelle,  die  ich  untersuchte  *),  wo  die  eingeschobene  Colonie-Formation  E 1 
auf  eine  Mächtigkeit  von  6 Zoll  reducirt  ist,  und  wo  sie  nichts  destoweniger 
sich  durch  ihren  organischen  Inhalt  deutlich  unterscheidet,  obgleich  dort,  wie 
wir  hätten  vorausschicken  können,  eine  leichte  Vermischung  der  verschie- 
denen Faunen  stattfindet,  da  zwei  Species  von  d*  mit  einer  grossen  Anzahl  von 
für  E 1 charakteristischen  Versteinerungen  auftreten.“ 

Vorerst  liegt’  irgend  welcher  Irrthum  der  Behauptung  zu  Grunde,  dass  Sir 
Ch.  Lyell  die  „Colo nie  Zippe“  — denn  nur  diese  liegt  innerhalb  der  Stadt- 
mauern Prag's  in  der  sogenannten  „Bruska“* 2),  und  zufolge  der  gegebenen 
Beschreibung  kann  nur  diese  gemeint  sein,  — selbst  „untersucht“  habe. 
Die  „Colonie  Zippe“  ist  seit  ihrer  Entdeckung  durch  Herrn  Professor  Zippe  im 
Jahre  1830  durch  Skarp-Mauern  verdeckt,  und  jeder  Untersuchung  unzu- 
gänglich gemacht.  Selbst  Herr  Bar  ran  de  hat  und  konnte  dieselbe  niemals 
persönlich  in  Augenschein  nehmen. 

Eben  so  als  irrthümlich  aber  muss  ich  auch  die  Behauptung  des  hochge- 
lehrten Sir  Ch.  Ly  el  l bezeichnen,  dass  „die  dortigen  Schichten  sich  nicht  im 
Zustande  alpiner  Verwirrung  befinden“,  und  „dass  die  Ordnung  der  Ueberlage- 
rung  durchaus  nicht  dunkel“  sei,  weil  diese  Behauptung  zu  der  Meinung  Anlass 
geben  könnte,  dass  die  silurischen  Schichten  in  Böhmen  sich  noch  durchwegs  in 
ihrer  normalen  Lagerung  befinden,  oder  wenigstens  nur  unerhebliche  oder 
unwesentliche  Störungen  erlitten  hätten.  Dieser  Ansicht  jedoch  muss  ich  sehr 
entschieden  entgegentreten.  Herr  Barrande  selbst  scheint  sie  nicht  zu  theilen, 
indem  er  in  seinem  Schreiben  an  Herrn  Hofrath  Haidinger  vom  17.  October  * 
1859  erklärt,  „dass  die  „Colonien“  nichts  gemein  haben  mit  den  so  häufigen 
Disl  ocationen  im  silurischen  Becken  Böhmens.“ 

In  der  That  genügt  ein  einziger  Spaziergang  von  der  „Kleinseite“  Prag's 
am  Fusse  des  Belvedere-Hügels  nach  dem  linken  Ufer  des  Moldauflusses  abwärts 
zum  Dorfe  Klein- Bubna,  oder  ein  kleiner  Ausflug  auf  den  am  rechten  Ufer  der 
Moldau  befindlichen  „Kreuz-Berg“  bei  Wolsan  nächst  Prag,  um  eine  Einsicht  in 
die  Lagerungsverhältnisse  der  silurischen  Schichten  zu  erlangen.  Am  Fusse  des 
Belvedere-Hügels  wird  man  wellenförmige  Biegungen,  Brüche,  Verschiebungen, 
und  Faltungen  der  sehr  schön  entblössten  Zahoraner  Schichten  (Bar. 
beobachten  können,  wie  man  Aehnliches  nicht  allzu  häufig  in  den  Alpen  findet. 
Ebenso  sieht  man  am  Kreuzberge,  durch  Steinbrüche  blossgelegt,  Quarzite, 


0 „wliich  I examined.“ 

2 ) In  den  zwei  Vorstädten  Prag’s,  Karolinenthal  und  Smichow,  sind  keine  „Colonien“ 
bekannt  geworden. 


welche  meines  Erachtens  den  „Brda-Schichten“  (Bar.  dz>)  angehören,  wenigstens 
denselben  petrographisch  vollkommen  identisch  sind,  kuppenförmig  aus  den 
umgebenden  Schiefern  emporragen. 

Es  ist  wohl  auch  natürlich,  dass  die  wiederholten  Ausbrüche  von  Por- 
phyren und  Grünsteinen  an  der  B a si  s der  Bar  ra  n d e’schen  Etagen  D und  E 
Dislocationen  der  älteren  Schichten  im  Gefolge  haben  und  wiederholte  Stö- 
rungen derselben  veranlassen  mussten.  Ich  könnte  aus  eigener  Erfahrung  zahl- 
reiche eclatante  Beispiele  solcher  Störungen  aus  den  untersiln rischen 
Schichten  Böhmens  anführen,  doch  ich  muss  mich  auf  diese  Angabe  beschränken, 
und  will  nur  hervorheben,  dass  auch  nach  der  Ablagerung  der  o b er  si  Iu- 
ris chen  Schichten  in  Böhmen  noch  sehr  gewaltige  Dislocationen  der  Gebirgs- 
schichten  Statt  gehabt  haben  mussten.  Beweis  dessen  sind  die  vielen  Störungen, 
welche  man  in  den  obersilu rischen  Schichten,  die  Hluboceper  Schichten 
(Bar.  H)  mit  inbegriffen,  beobachten  kann,  und  worüber  uns  Herr  Director 
J.  Krejci'in  seinem  Berichte  über  die  geologischen  Arbeiten  im  Jahre  1859, 
durch  Profile  erläutert,  so  lehrreiche  und  schöne  Beispiele  lieferte.  Ein  Blick 
auf  die  geologische  Karte  Tafel  I zeigt  mitten  zwischen  Braniker  Schichten 
einen  langen  Streifen  von  Konepruser  Schichten,  der  sich  von  Nordost  über 
Trebotow  und  Zaborinach  B.  nach  Südost  zieht.  Dieser  Streifen  von  Konepruser 
Schichten  deutet  eine  der  mehreren  Hebungsspalten  an , welche  man  in  den 
obersilurisehen  Schichten  beobachtet,  und  es  ist  gewiss  mehr  als  blosser  Zufall, 
dass  diese  Hebungsspalte  genau  dieselbe  Richtung  besitzt,  wie  die  oben  nach- 
gewiesenen zwei  Faltungslinien  bei  den  Colonien  an  der  Südseite  des  Silur- 
beckens, und  dass  daher  alle  zu  einander  parallel  sind.  Ich  will  übrigens  eine 
Störung,  welche  ich  selbst  beobachtete , hier  anführen,  theils  um  Obiges  zu 
begründen,  theils  aber  um  zum  Besuche  der  Loyalität  jene  Geologen  anzueifern, 
welche  sich  persönlich  von  den  Dislocationen  der  Silurschichten  Böhmens  über- 
zeugen wollen.  Die  Localität  ist  nämlich  in  nächster  Nähe,  und  zwar  kaum  eine 
halbe  Meile  von  Prag  entfernt,  und  befindet  sich  südlich  von  dieser  Stadt  am 
linken  Ufer  der  Moldau,  und  zwar  neben  dem  Dorfe  Hlubocep  im  „Prokopithale“. 
Am  westlichen  Ende  dieses  Dorfes  befindet  sich  eine  tiefe  Spalte  in  dem  nörd- 
lich vom  Dorfe  hinziehenden  Kalksleinrücken,  durch  welche  Spalte  ein  kleiner 
Graben  mündet.  Nach  dieser  Spalte  und  dem  kleinen  Graben  ist  das  beigefügte 
Profil  Fig.  C von  Süd  nach  Nord  gezogen,  welches  keiner  weiteren  Erklärung 


Fig.  C. 


Braniker  Schickten. 
(Barr.  Etage  G.' ) 


Hluboceper  Schichten. 
(Barr.  Etage  ff.) 


bedarf,  aber  gewiss  eine  Störung  darstellt,  die  nicht  minder,  wie  die  colonialen 
Erscheinungen , zu  irrigen  Anschauungen  Anlass  geben  könnte. 


Ueber  Herrn  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


53 


[«] 

Ich  glaube,  und  Sir  Ch.  Lvell  scheint  es  selbst  gefühlt  zu  haben,  dass  die 
u n wider  legbar  bewiesene  Thatsache,  dass  die  Silurschichten  Böhmens 
dehr  bedeutende  und  wiederholte  Dislocationen  erlitten  haben,  die  Erklärung 
ser  colonialen  Erscheinungen  aus  den  blossen  Lngerungsverhältnissen,  wie  die- 
selbe von  Herrn  E.  Forbes  vermuthet,  von  Herrn  Director  J.  Kre  jci  zuerst 
beobachtet,  und  von  mir  im  vorigen  Abschnitte  durchgeführt  wurde,  wo  nicht  zu 
begründen,  so  doch  zu  bekräftigen  und  glaubwürdig  zu  machen  vermag.  Die 
„Colonien“  an  der  Südseite  des  böhmischen  Silurbeckens  erscheinen  nach  dieser 
Erklärung  blos  als  „dislocirte“  Littener  Schichten,  aber  sie  treten  daseibst  in 
den  nordöstlichen  Colonien  „Haidinger“,  „Krejcf“  u.  s.  f.  fürwahr  in  einer  Art 
und  unter  Verhältnissen  auf,  die  jeden  Besucher  im  ersten  Augenblicke  frappiren 
muss,  und  jene  gewiss  alpine  Verwirrung  der  Schichten  nicht  ahnen  lässt, 
welche  auch  eine  Verwirrung  in  langbewährte  paläontologische  Grundsätze  zu 
bringen  drohte.  Ist  es  doch  auch  mir  eben  so  ergangen,  und  erst  nach  sorgsamer 
Untersuchung  eines  weitläufigen  Terrains  gelungen,  die  bei  den  nordöstlichen 
Colonien  herrschende  Verwirrung  zu  enträthseln,  indem  ich  für  die  von  Herrn 
Krej  ci  versuchte  Erklärung  erst  auf  weiten  Umwegen  den  jetzt,  wie  ich  glaube, 
evident  vorliegenden  Beweis  ermitteln  konnte,  dass  die  nordöstlichen  „Colo  ni  en“ 
nur  eine  Fortsetzung  der  Littener  Schichten  in  der  Umgebung  von  Litten,  und 
daher  nichts  als  Ueberreste  von  durch  Störungen  der  Gebirgsschichten 
„dislocirten  Littene  r Schichten“  sind.  Eben  diese  „alpine  Verwirrung“ 
der  Lagerungsverhältnisse  bei  den  nordöstlichen  Colonien  lässt  nichts  Ueber- 
rasehendes  darin  erblicken,  dass  Herr  Barrande,  dessen  umfassenden  und  uner- 
müdlichen Forschungen  im  böhmischen  Silurbecken  doch  bisher  vorwaltend  den 
Fossilresten  und  minder,  wenigstens  nicht  in’s  Detail,  den  Lagerungsverhältnissen 
gewidmet  gewesen  sein  mochten,  diese  Lagerungsverhältnisse  zufällig  irrig  auf- 
gefasst habe.  Diese  irrige  Auffassung  der  Lagerungsverhältnisse  bei  den  „Colo- 
nien“, — vorausgesetzt,  dass  sie  als  solche  erkannt  wird,  könnte 
daher  weder  Herrn  Barrande’s  begründeten  Ruf  als  eines  der  gewiegtesten 
Naturforscher,  noch  dessen  grosse  Verdienste  um  die  Kenntniss  des  böhmischen 
Silurheckens  schmälern,  so  wenig  als  die  ersten  und  berühmtesten  Meister  in 
der  Geologie,  welche  unsere  Alpen  besuchten,  ohne  über  die  Lagerungsverhält- 
nisse derselben  vollkommen  in's  Reine  zu  kommen,  desshalb  auch  nur  im  Minde- 
sten von  ihrem  wohlverdienten  Ruhme  eingebiisst  hätten. 

Sir  R.  I.  Murebison  gibt  in  seiner  berühmten  neuesten,, Silur ia “ (1859) 
Seite  400  in  sehr  kurzen  Umrissen  die  Thatsachen  und  die  Theorie  der  „Colo- 
nien“ des  Herrn  B arrande  bekannt.  Bezüglich  der  Erklärung  der  „Colonien“ 
bemerkt  derselbe: 

„Einige  Geologen  wollen  diese  Thatsache  durch  die  Abhängigkeit  fossiler 
| Thierarten  von  eigentümlichen  Bedingungen  erklären,  indem  sie,  je  nach  den 
Veränderungen  des  Meeresbodens  erscheinen  und  verschwinden.  Der  einzige  Unter- 
schied zwischen  dieser  Ansicht  und  der  von  Herrn  B arrande  aufgestellten  liegt 
darin,  dass  er  annimmt,  seine  alte  „Colonie“  sei  aus  entfernten  Meeren  her  ein- 
! gewandert,  in  welchen  seine  dritte  oder  obere  Silurfauna  bereits  in  Blüthe  stand, 
indess,  was  mich  betrifft,  ich  sie  lieber  als  ein  unterschiedenes  und  getrenntes 
Auftreten  ähnlicher  Typen  in  demselben  Gebiete  betrachten  möchte,  so  dass 
beim  ersten  Auftreten  die  Festsetzung  auf  der  bestimmten  Stelle  gleichsam 
misslungen  sei,  beim  zweiten  aber  die  betreffenden  Formen  eine  vollständige  Ent- 
wickelung erreicht  hätten , als  später  diese  Thiere  wieder  zum  Vorschein 
kamen.“ 


S4 


M.  V.  Lipoid. 


[W] 


Da  Sir  R.  I.  Murchison  keine  neue  Begründung  der  „Colonien“  gibt, 
sondern  nur  die  von  Herrn  Bar  ran  de  initgetheilten  Thatsachen  und  Gründe 
verzeichnet,  so  genügt  es,  auf  das  hinzuweisen,  was  ich  gegen  Herrn  Barrande's 
Theorie  im  Vorhergehenden  erörtert  habe. 


Es  erübrigt  mir  noch,  Einiges  über  dasjenige  zu  bemerken,  was  Herr  Pro- 
fessor Eduard  Suess  in  seiner  Abhandlung  „Wohnsitze  der  Brachiopoden“ 
über  die  „Colonien“  des  Herrn  Bar  ran  de  mittheilt.  Diese  Mittheilung  ist  älteren 
Nachrichten  des  Herrn  Barrande  über  die  „Colonien“  entnommen,  und  enthält 
daher  einige  wesentliche  Irrthümer,  welche  Herr  Barrand e selbst  in  seiner 
neuesten  Schrift  über  die  „Colonien“  berichtigte.  Dahin  gehören  die  Thatsachen: 
dass  die  Einlagerung  der  „Colonien“  nicht  blos  in  „den  sehr  glimmerrei- 
chen Schiefern  </4“,  sondern  an  der  ganzen  Südseite  des  böhmischen  Silur- 
beckens in  den  graugelblichen  Schiefern  d 5 Statt  findet, 

dass  die  „Colonien“  nicht  blos  aus  „Schiefern  mit  Kalksphäroiden“,  sondern 
auch  aus  Grünsteinen  bestehen,  und 

dass  die  Colonien  nicht  „vier  eigen thümliche“  Arten  von  Thierresten 
umschliessen,  sondern  gar  keine  eigentümlichen  Species  besitzen. 

Auch  ist  es,  um  Missverständnissen  vorzubeugen,  wesentlich,  zu  bemerken, 
dass  die  „vier  mit  der  Stufe  D übereinstimmenden  Arten*  sämmtlich 
der  „Colonie  Zippe“  an  der  Nordseite  des  Beckens  entnommen  sind,  und  dass  die 
„Colonien“  an  der  Südseite  des  Beckens  bisher  keine  Mengung  der  zweiten 
mit  der  dritten  Fauna  zeigten. 

Nach  dieser  kurzen  Berichtigung  will  ich  die  höchst  interessanten  Resultate 
und  Schlüsse  anführen,  zu  denen  Herr  Professor  E.  Suess  durch  seine  scharf- 
sinnigen Studien  über  die  Wohnsitze  der  Brachiopoden  rücksichtlich  d er 
„Colonien“  gelangt  ist.  Herr  Suess  setzt  als  feststehend  voraus,  dass 
„Wesen  der  dritten  (obersilurischen)  Fauna  bereits  existirten,  bevor  die  zweite 
(die  untersilurische)  Bevölkerung  vernichtet  war“,  — er  sucht  darzuthun,  dass 
in  der  Etage  D „der  litorale  oder  sublitorale  Charakter“  vorherrsche, 
während  „die  Brachiopoden  der  Colonien  und  jene  der  Stufe  E die  Kennzeichen 
einer  Bevölkerung  tieferer  Meeresstrecken  an  sichtragen“,  — und  er  zieht 
hieraus  den  Schluss,  „dass  die  Colonien  nicht  durch  Einwanderung  aus  früher 
abgetrennten  Meeresbecken,  sondern  lediglich  durch  Senkungen  des  Bodens 
entstanden  seien,“  und  daher  blos  „Einschiebungen  von  Bildungen  einer  tieferen 
Meereszone  in  solche  einer  seichteren  Zoneff  vorstellen. 

Gewiss  ist  dies  eine  sehr  natürliche  Erklärung  der  Erscheinung  der  „Colo- 
nien“, obschon  auch  der  Erklärung  des  Herrn  Professor  Suess  dieselben  Beden- 
ken, welche  ich  bereits  der  Theorie  Herrn  Barrande’s  entgegenstellte,  und  zwar, 
ich  möchte  sagen,  in  noch  stärkerem  Masse  entgegentreten,  die  Bedenken  nämlich, 
die  aus  den  Thatsachen  entspringen,  dass  die  „Colonien“  an  der  Südseite  des 
Silurbeckens  nicht  tief  in  das  Gebirge  eingreifen,  sondern  -sich  nach  dem  Ver- 
flachen aus  keilen,  und  dass  daselbst  die  Colonien  bisher  eine  Beimischung 
von  Species  der  untersilurischen  (zweiten)  Fauna,  die  doch,  wie  schon  Herr 
E.  Forb.es  gewiss  mit  Recht  bemerkte,  vorausgesetzt  werden  müsse,  nicht  nacli- 
weisen  Hessen. 

Uebrigens  geht  auch  Herr  Professor  Suess,  wie  es  aus  seinen  Mittheilungen 
hervorgeht,  von  der  Annahme  aus,  dass  die  Thatsache,  die  Colonien  bilden 
con.cor dante  Zwischenlage  rungen  in  den  untersil  uri sehen  S chich- 

4)  Sitzungsberichte  der  Kaiserlichen  Akademie  der  Wissenschaften.  XXXIX.  Band,  1860. 


Ueber  Herrn  ßarrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


55 


[öS] 

ten,  als  erwiesen  vorliege.  Da  ich  oben  den  Nachweis  geliefert  habe,  dass  diese 
Thatsache  an  der  Südseite  des  böhmischen  Silurbeckens  nicht  feststehe,  viel- 
mehr das  Gegentheil  davon  beobachtet  werde,  so  verlieren  auch  die  rücksicht- 
lich der  böhmischen  Colonien  angeführten  Schlüsse  des  Herrn  S uess,  so 
wahr  sie  widrigenfalls  wären,  meines  Erachtens  ihre  Berechtigung. 


C,  Colonien  an  der  Nordseite  des  böhmischen  Silurbeckens. 

In  seinem  Schreiben  vom  November  1859  4)  an  Herrn  Hofrath  Haidinger 
erklärt  Herr  Professor  E.  Suess,  nachdem  er  die  an  der  Nordseite  des  böhmi- 
schen Silurbeckens  in  der  „Bruska“  in  Prag  befindliche  „Colonie  Zippe“  bespro- 
chen hatte,  Folgendes: 

„Durch  den  Nachweis,  dass  man  es  an  einer  Stelle,  nämlich  an  der 
Bruska,  sicher  mit  einer  ursprünglichen  Einlagerung,  einer  Colonie,  und 
nicht  mit  einer  Schichtenstörung  zu  thun  habe,  ist  wohl  die  Frage  auch  für  die 
anderen  Punkte  gelöst,“  — das  ist,  für  die  Colonien  an  der  Südseite  des  Silur- 
beckens. 

Ich  weiss  nicht,  ob  man  mir  es  gestatten  wird,  mich  der  gleichen  Schluss- 
folgerung in  nachstehender  Art  zu  bedienen : 

Durch  den  Nachweis,  dass  man  es  an  der  Südseite  des  böhmi- 
schen Silurbeckens  sicher  mit  keinen  ursp  rü  n gl  i dien  Einlage- 
rungen, mit  keinen  Colonien,  sondern  mit  Schichtenstörungen  zu 
thun  habe,  ist  wohl  die  Frage  auch  für  die  an  deren  Punkte — an 
der  Nordseite  des  böhmischen  Silurbeckens  — gelöst. 

Obschon  dieser  Schluss  sehr  viel  Wahres  an  sich  hat,  so  zweifle  ich  doch, 
dass  man  mir  ihn  ohne  Weiteres  wird  gelten  lassen.  So  viel  wird  man  jedoch 
zugeben,  dass,  sobald  man  die  colonialen  Erscheinungen  an  der  Südseite  des 
böhmischen  Silurbeckens  als  blosse  Folgen  von  Schichtenstörungen  anerkennt, 
man  auch  die  Vermuthung  nicht  ausschliessen  kann,  dass  die  colonialen 
Erscheinungen  an  der  Nordseite  desselben  Beckens  gleichfalls  in  Dislocationen 
ihren  Ursprung  haben.  Diese  begründete  Vermuthung  könnte  nur  dadurch 
geschwächt  und  beseitiget  werden,  wenn  man  durch  offenbar  und  klar  vorliegende 
T h a t s a c h e n , aus  vollkommen  ungestörten  und  c o n c o r d a n t e n Lage- 
rungsverhältnissen den  unumstösslichen  Nachweis  liefern  würde,  dass  die  Colonien 
an  der  Nordseite  des  Beckens  unzweifelhaft  ursprüngliche  Einlagerungen 
zwischen  den  untersilurischen  Schichten  bilden. 

Dieser  Nachweis  liegt  jedoch  meines  Erachtens  nicht  vor. 

Von  den  an  der  Nordseite  des  böhmischen  Silurbeckens  auftretenden 
Colonien  sind  uns  durch  Herrn  Barrande’s  Schriften  die  Colonien  „Motol“  und 
„Zippe“  bekannt  geworden.  Nur  die  „Colonie  Zippe“  hat  Herr  Bar  ra  n de  in 
seiner  neuesten  Abhandlung  über  die  Colonien  {Bull.  a.  a.  0.  Seite  609) 
einer  eingehenden  Erörterung  unterzogen. 

Die  „Colonie  Zippe“  bietet  nun  allerdings  im  Vergleiche  mit  den  Colo- 
nien an  der  Südseite  des  böhmischen  Silurbeckens  mehrere  höchst  wichtige 
Eigenthümlichkeiten  dar. 

Unter  diese  Eigenthümlichkeiten  gehört  vor  Allem  der  Umstand,  dass  sie  — 
nicht  sichtbar,  und  jeder  Untersuchung  unzugänglich  ist.  Ihre  Ent- 


9 Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt,  X.  Jahrgang,  Seite  481. 


56 


M.  V.  Lipoid. 


r««] 


deckung  datirt  aus  dem  Jahre  1830,  als  innerhalb  der  Mauern  Prag's,  und  zwar 
am  linken  Moldau-Ufer  zwischen  der  „Kleinseite“  und  dem  „Belvedere“  an  der 
sogenannten  „Bruska“  nach  einem  Hohlwege  eine  neue  Strasse  angelegt,  und 
hiebei  zwischen  Grauwackenschiefern  und  Grauwacken  eine  versteinerungsreiche 
Kalksteinschichte  entblösst  wurde.  Herr  Professor  Zippe,  damals  in  Prag,  hie- 
von in  Kenntniss  gesetzt,  verfügte  sich  an  Ort  und  Stelle,  und  veranlasste  eine 
Aufsammlung  der  Kalksteinstücke,  die  im  Museum  aufbewahrt  wurden,  und  spä- 
ter zum  Theil  in  Besitz  des  Herrn  Barrande  kamen.  Die  Stelle,  wo  diese 
Kalksteinschichte  aufgedeckt  worden  ist,  wurde  sodann  zugemacht,  durch  Scarp- 
mauern  verdeckt  und  auch  die  Gehänge  mit  Rasen  und  Gesträuchen  bekleidet, 
so  dass  seit  dem  Jahre  1830  die  Gesteinsschichten  an  der  bet  ref- 
fen den  Stelle  nicht  mehr  sichtbar  sind,  und  daher  auch  die  Lagerungs- 
verhältnisse nur  damals  von  Herrn  Professor  Zippe,  und  seit  der  Zeit  von 
Niemandem  untersucht  und  beobachtet  wurden. 

Herr  Professor  Zippe  erklärt  nun,  „dass  er  den  Durchschnitt  der 
erwähnten  Kalkstein  schichte  gesehen,  und  die  bestimmteUeber- 
zeugung  von  ihrer  Zwischen  lagerung  habe“,  — und  weiset  die  Idee 
zurück,  dass  „in  diese  Local  ität  Kalkstein  blocke  durch  eineDisIo- 
c ati  on  gelan  gt  seien“. 

Die  eben  erwähnte  Kalksteinschichte  wird  nun  als  „Colonie  Zippe“  bezeich- 
net, und  hierin  liegt  nach  Herrn  Barrande  eine  zweite  Eigenthümlich- 
keit  dieser  Colonie,  dass  sie  nämlich  nur  aus  einer  nach  der  Angabe  nicht 
einmal  einen  Fuss  mächtigen  Schichte  von  Kalkstein  besteht,  während  die 
Colonien  der  Südseite  des  Beckens  vorwaltend  aus  Grünsteinen  und  Graptolithen- 
schiefern,  zum  Tlieile  mit  Kalksphäroiden  zusammengesetzt  sind.  Ob  die  erwähnte 
Kalksteinschichte  unmittelbar  nicht  auch  von  „Graptolith e nschi efern“  um- 
gebenist, muss  ich  als  zweifelhaft  hinstellen.  Im  Jahre  1830,  als  Herr  Profes- 
sor Zippe  die  Localität  besichtigte,  unterschied  man  im  böhmischen  Silurbecken 
nur  „Grauwackenschiefer,“  „Grauwackensandsteine,“  „Grauwacken“  u.  s.  f.  Erst 
später,  als  die  Localität  nicht  mehr  zugänglich  war,  sonderte  Herr  Barrande 
die  „Grauwackenschiefer,“  „Grauwacken“  u.  s.  f.  nach  paläoutologischen  Merk- 
malen in  Etagen  und  Abtheilungen,  und  somit  konnte  Herr  Zippe  im  Jahre  1830 
auch  nicht  darauf  seine  Aufmerksamkeit  richten,  ob  die  die  Kalksteinschichte 
umgebenden  Schiefer  Herrn  Barrande’s  „sehr  glimmerreiche  Schiefer  ö?4,“ 
oder  „graugelbliche  Schiefer  rf5,“  oder  „Graptolithenschiefer  der  Etagel?“  seien; 
ihm  waren  alle  diese  Schiefer  dazumal  eben  nur  „Grauwackenschiefer“.  Man  wird 
mir  daher  mindestens  die  Möglichkeit  zugestehen,  dass  die  „Grauwacken- 
schiefer,“ welche  die  Kalksteinschichte  zunächst  begrenzen,  wohl  auch 
„Graptolithenschiefer“  sein  können. 

Herr  Barrande  gibt  auf  Grundlage  der  Aussagen  des  Herrn  Professors 
Zippe  seine,  wie  es  scheint  etwas  erweiterte,  nicht  auf  eigener  Anschauung 
beruhende  Beschreibung  der  Colonie  Zippe  dahin  ab,  „dass  eine  Kalksteinschichte 
von  ungefähr  25  Centimeter  von  Schiefern  und  Quarziten  in  concordanter 
Lagerung  eingeschlossen  ist,  und  mit  denselben  mit  einer  vollkommenen 
Regelmässigkeit  wechs  ellagert“.  Diese  Schiefer  und  Quarzite  gehören 
nach  Herrn  Barrande’s  Angaben  seinen  „sehr  glimmerreichen  Schiefern“  aus 
der  Abtheilung  d 4 seiner  untersilurischen  Etage  D , das  ist,  den  „Zahoraner 
Schichten“  an.  Ich  habe  oben  die  Möglichkeit  nachgewiesen,  dass  die  „Colonie“ 
selbst  nebst  Kalksteinen  auch  Graptolithenschiefer  führe,  daher  die  die  Kalk- 
steinschichten zunächst  umgebenden  Schiefer  nicht  gerade  nothwendig  „sehr 
glimmerreiche  Schiefer  dk “ sein  müssen.  Doch  stehen  in  der  Umgebung  der 


Ueber  Herrn  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


[57] 


57 


„Bruska44  mit  Sicherheit  die  Zahoraner  Schichten  an,  so  dass  es  mit  grosser 
Wahrscheinlichkeit  angenommen  werden  kann,  — obwohl  auch  der  Beweis 
hiefür  nicht  vorliegt,  — dass  die  Gesteine,  welche  die  wie  immer  geartete 
„Colonie44  im  Weiteren  begrenzen,  den  „Zahoraner  Schichten44  angehören.  In 
dem  Umstande  nun,  dass  die  „Colonie  Zippe44  nicht  innerhalb  der  Königshofer 
und  Kossower  Schichten  ( d 5),  wie  die  Colonien  an  der  Südseite  des  Beckens, 
sondern  höchst  wahrscheinlich  in  den  nächsttieferen  Zahoraner  Schichten  (ö?4) 
auftritt,  finden  wir  eine  dritte  Eigentümlichkeit  dieser  Colonie. 

Eine  vierte  und  wohl  die  wichtigste  Eigenthümlichkeit  der  „Colonie 
Zippe44  ist  es  endlich,  dass,  während  die  Colonien  an  der  Südseite  des  Beckens 
nur  Fossilien  der  dritten  Fauna  des  Herrn  Barrande  enthalten,  die  genannte 
Colonie  eine  Mengung  der  dritten  (obersilurischen)  mit  der  zweiten  (unter- 
silurischen)  Fauna  darbietet.  Herr  Barrande  belehrt  uns  nämlich,  dass  er  aus 
den  wenigen  Kalksteinstücken,  welche  ihm  von  der  „Colonie  Zippe44  zugekommen 
sind,  17  Species  von  Thieren  gewonnen  und  bestimmt  habe,  darunter  4 Spe- 
cies  Trilobiten,  welche  für  die  zweite  Fauna  charakteristisch  und  in  den 
obersilurischen  Ablagerungen  nie  beobachtet  worden  sind,  und  13  Species, 
theils  Trilobiten,  theils  Brachiopoden,  welche  für  die  dritte  Faun a 
charakteristisch  sind.  Ich  füge  nur  noch  bei,  dass  ebenfalls  Herr  Barrande 
uns  mittheilt,  dass  die  erwähnten  4 Trilobiten  der  zweiten  Fauna  zu  den  ver- 
breitetsten Formen  in  verschiedenen  Abtheilungen  der  Etage  D gehören,  und 
sämmtlich  nicht  nur  in  der  Abtheilung  d'*,  sondern  auch  in  d er  0 b er ste n 
Abtheilung  db  vorgefunden  werden;  — und  eben  so,  dass  auch  die  ober- 
wähnten 13  Species  der  dritten  Fauna,  mit  Ausnahme  von  zweien,  unter  die 
Zahl  derjenigen  gehören,  welche  sich  am  gewöhnlichsten  in  der  Etage  E 
vorfinden. 

Ungeachtet  nun  Herr  Barrande  (a.  a.  0.  Seite  631)  erklärt,  dass  „die 
Colonie  Zippe,  aus  einer  einzigen  Kaiklinse  von  23  Centimeter  Mächtigkeit  beste- 
hend, und  regelmässig  zwischen  Schiefer-  und  Quarzitschichten,  deren 
Lagerung  keine  Störung  erfahren  hat,  zwischengelagert,  siegreich 
den  Bemühungen  der  ganzen  wissenschaftlichen  Welt  Trotz  bietet,  die  es  ver- 
suchen würde,  die  Gegenwart  dieser  Kalksteinschichte  durch  eine  Dislocation 
* zu  erklären;44  — ungeachtet  ich  gewohnt  bin,  solchen  kategorischen  Aussprüchen 
berühmter  Autoy  täten,  in  deren  Reihe  sonder  Zweifel  auch  Herr  Barrande 
gehört,  Rechnung  zu  tragen;  — ungeachtet  dessen  scheue  ich  es  nicht,  meiner 
Ueberzeugung  einen  bescheidenen  Ausdruck  zu  geben  mit  der  Behauptung: 

a)  dass  der  erforderliche  überzeugen  de  Nachweis,  die  „Co- 
lonie Zippe44  seieeineurspriingliche  und  concordanteEinlagerung 
in  den  Zahoraner  Schichten,  nicht  vor  liege,  — und 

b ) dass  auch  bei  dieser  Colonie  nicht  nurdieVermuthung, 
sondern  sogar  die  Wahrscheinlichkeit  für  eine  blosse  Schichten- 
störung spricht. 

Ad  a.  Welcher  Beweis  über  die  concordante,  regelmässige  und  allseits 
ungestörte  Einlagerung  der  „Colonie  Zippe44  in  den  Zahoraner  Schichten  liegt 
uns  vor?  — - Es  ist  einzig  und  allein  die  Aussage  des  Herrn  Professors  Zippe, 
welcher  im  Jahre  1830  die  seitdem  unsichtbare  Colonie  gesehen  hatte,  und  nun 
erklärt,  dass  daselbst  „eine  Z wischenlagerung44  Statt  finde.  — Ist  diese 
Aussage  genügend,  um  die  beruhigende  Ueberzeugung  von  der  vollkom- 
men ungestörten  Einlagerung  der  Colonie  in  den  Zahoraner  Schichten  zu 
begründen?  — Ich  meinestheils  muss  diese  Frage  mit  „Nein44  beantworten. 
Ich  könnte  diese  Ueberzeugung  nur  dann  gewinnen,  und  den  erforderlichen 

8 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  I.  Heft. 


58 


M.  V.  Lipoid. 


[58] 


Beweis  nur  dann  als  genügend  betrachten,  wenn  genau  und  verlässlich 
angeführt  und  constatirt  wäre,  welches  Streichen  die  coloniale  Kalkstein- 
schichte einerseits,  und  die  Lieg en dschichten  sowohl  als  die  Ha  ngend- 
sehichten  derselben  andererseits  besitzen,  so  wie  welches  die  Ri  cht  u n g und 
der  Winkel  des  Ein fal lens  jeder  dieser  drei  Schichtengruppen,  einzeln 
genommen,  sei,  — und  wenn  es  sich  hiebei  zeigen  würde,  dass  nicht 
nur  das  Streichen,  sondern  auch  die  Richturig  und  besonders  der 
Winkel  des  Einfalle  ns  der  Kalkstein  schichte  und  der  Liegend- 
und  Hangendschichten  vollkommen  identisch,  und  auch  nichtum 
einen  Grad  von  einander  abweichend  ist.  Diese  Forderung  zu  stellen 
halte  ich  für  vollkommen  berechtigt,  wenn  man  auf  concordante  Lage- 
rungsverhältnisse gestützt  eine  weitreichende  neue  Theorie  begründen 
will. 

Mir  ist  es  nun  durch  Herrn  Professor  Zippe  selbst  mündlich  bekannt  gewor- 
den, dass  derselbe  eine  solche  genaue  Erhebung  des  Streichens  und  Verflä- 
chens  sämmtlicher  drei  Schichtengruppen  nicht  vorgenommen  habe.  Ich  finde 
es  auch  natürlich,  dass  sich  der  gelehrte  Herr  Professor  im  Jahre  1830,  wo  er  noch 
keine  Ahnung  davon  haben  konnte,  von  welcher  Wichtigkeit  die  genaue  Erhebung 
der  Lagerungsverhältnisse  einstens  sein  würde,  nicht  in  jene  sub  ti  I e Un  ter- 
suchung  der  Lagerungsverhältnisse  einliess,  die  bei  so  wichtigen  Fragen,  wie 
jene  der  Colonien,  absolut  nothwendig  ist.  Ich  begreife  es  sehr  wohl,  dass 
Herr  Professor  Zippe  sich  damit  begnügte,  von  dem  Vorhandensein  der  petre- 
factenreichen  Kalksteinschichte  in  der  Bruska  an  Ort  und  Stelle  sich  persönlich 
zu  überzeugen,  und  hiebei  mit  dem  allgemeinen  Eindrücke,  dass  die  Kalkstein- 
schichte in  den  umgebenden  Schiefern  eine  „Ein-  oder  Z wischen! agerung“ 
bilde,  sich  zufrieden  stellte,  — ohne  sich  erst  mit  einer  minutiösen  detail- 
lirten  und  abgesonderten  Messung  des  Streichens  und  des  Einfallswinkels 
der  Kalksteinschichte  und  ihrer  Hangend-  und  Liegendschichten  zu  befassen, 
und  ohne  die  die  Kalksteinschichte  zunächst  begrenzenden  „Grauwackenschie- 
fer“, die  ihm  im  Vergleiche  zum  petrefactenreichen  Kalksteine  offenbar  wenig 
interessiren  mochten,  einer  eingehenden  Prüfung  und  Untersuchung  zu 
unterziehen,  — Beweis  dessen,  dass  von  diesen  „Grauwackenschiefern“  nichts 
gesammelt  wurde,  und  auch  nichts  in  den  Museen  vorfindig  ist. 

Nun  gebeich  recht  gerne  zu,  dass  die  ofterwähnte  Kalksteinschichte  in  derBruska 
nach  dem  gewöhnlichen  Sprachgebr auche  des  Wortes  eine  „Ein- 
oder Z wischenlagerung“  bilde,  denn  viele  Geologen  pflegen  dieses  Wort 
nicht  so  stricte  wie  die  Bergleute  anzuwenden  und  überhaupt  Gesteinsschichten, 
die  zwischen  anderen  liegen,  ohne  Rücksicht  darauf,  wie  sie  darin 
liegen,  selbst  dann,  wenn  sie  blos  als  „eingekeilt“  erscheinen,  als  „ein-  oder 
z wischengelagert“  zu  bezeichnen.  Bei  der  „Colonie  Zippe“  handelt  es  sich 
aber  nicht  blos  darum,  dass  daselbst  eine  „Ein-  oder  Zwischenlagerung“ 
im  Allgemeinen  Statt  habe,  sondern  es  handelt  sich  hauptsächlich  darum,  wie 
diese  Zwischenlagerung  beschaffen  sei?  ob  sie  in  der  That  eine  durch 
genaue  Messungen  als  vollkommen  concordant  bestimmte  sei  oder  nicht? 
Der  Begriff  einer  „Ein-  oder  Zwischenlagerung“  wird  von  manchen  Geo- 
logen etwas  zu  weit  ausgedehnt  und  hierauf  von  Anderen  falsch  interpretirt. 
Hat  doch  Herr  Barrande  selbst  die  „Colonie  Haidinger“,  welche  sehr  leicht 
zugänglich  und  prachtvoll  entblösst  ist,  und  welche  derselbe  gewiss  mit  dem 
vollen  Bewusstsein  der  Wichtigkeit  des  Zweckes,  den  er  dabei  verfolgte,  unter- 
sucht haben  wird,  als  eine  „concordante  Ein-  und  Zwischenlagerung“ 
zwischen  den  untersilurischen  Schichten  erklärt,  während  meine  mit  dem  Compass 


Ueber  Herrn  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


[39] 


59 


und  dem  Winkelmesser  vorgenommenen  Untersuchungen  nicht  nur  Abweichungen 
im  Streichen,  sondern  besonders  höchst  bedeutende  Abweichungen  im  Ein- 
fallen der  Hangend-  und  Liegendschichten  der  Colonie  nachwiesen  und  dadurch 
den  Beweis  lieferten,  dass  die  „Zwischenlagerung“,  wenn  man  sie  so  nennen 
will,  eine  „Einkeilung“  der  colonialen  Schichten  involvire.  Um  so  weniger  kann 
ich  in  der  Erklärung  des  Herrn  Professors  Zippe,  dass  die  nach  ihm  benannte 
„Colonie“  an  der  Bruska,  welche  derselbe  vor  30  Jahren  ohne  Ahnung  ihrer 
einstigen  Wichtigkeit  und  daher  ohne  Vornahme  detaillirter  Messungen 
besichtigte,  eine  „Zwischenlagerung“  bilde,  den  Beweis  finden,  dass  diese 
„Zwischenlagerung“  desshalb  auch  schon  eine  „regelmässige,  con- 
cordante“  und  „ursprüngliche“  sei;  der  gelehrte  Herr  Professor  selbst 
sprach  vielmehr  mündlich  gegen  mich  die  Ansicht  aus,  dass  sich  die  betreffende 
Kalksteinschichte  „aus keilen“  dürfte,  da  sie  an  dem  gegenüberliegenden  Ge- 
hänge des  Hohlweges  nicht  mehr  vorzufinden  war.  Ich  glaube  daher,  dass  die 
Herren  Barr  an  de  und  Suess  etwas  zu  weit  gehen,  wenn  sie  die  vom  Herrn 
Professor  Zippe  ausgesprochene  „Zwischenlagerung“ , ohne  weiteres  als 
„regelmässig“,  „concordant“und  „ursprünglich“  bezeichnen,  diese  Eigenschaften 
als  erwiesen  annehmen  und  darauf  Theorien  hauen.  Wenn  ich  m eines- 
teils nach  dem  Vorangeführten  den  überzeugenden  Beweis  davon,  dass 
die  „Colonie  Zippe“  eine  ursprüngliche  und  eine  concordante 
Einlagerung  in  den  Zahoraner  Schichten  bilde“,  nicht  vorliegend 
finde,  so  will  ich  dadurch  keineswegs  den  allbekannten  umfassenden  und  gedie- 
genen Forschungen  des  hochverdienten  Herrn  Professors  Zippe  im  Gebiete  der 
Geologie  Böhmens  nahe  treten.  Ich  war  bemüssigt,  um  die  Behauptung  von 
„Th  at Sachen“  auf  ihr  richtiges  Mass  zurückzuführen,  die  Resultate  seiner 
Erhebungen  in  der  Bruska  einer  Analyse  zu  unterziehen,  und  ich  bin  überzeugt, 
dass  der  hochgelehrte  Herr  Professor  mir  diese  Analyse  zu  Gute  halten  wird, 
sobald  er  die  Wichtigkeit  und  Tragweite  derselben  in  Berücksichtigung  zieht. 

ad  b).  Nicht  nur,  dass  die  Thatsache,  die  „Colonie  Zippe“  sei 
ursprünglich  und  concor dant  den  Zahoraner  Schichten  zwischengelagert, 
nicht  erwiesen  ist,  muss  ich  vielmehr  gegen  den  Bestand  derselben  gegründete 
Zweifel  erheben,  wozu  mich  die  nachstehenden  thatsächlichen  Umstände  bestim- 
men. 

Untersucht  man  die  Lagerungsverhältnisse  der  Gesteinsschichten,  in  so  weit 
sie  in  der  Umgebung  der  Bruska  an  Entblössungen  beobachtet  werden 
können,  so  zeigt  sich  nichts  weniger  als  eine  nur  einigermassen  anhaltende 
Regelmässigkeit  in  der  Lagerung,  vielmehr  bemerkt  man  allenthalben  mehr  oder 
minder  aufgerichtete  Schichten,  verschiedene  Streichungsrichtungen  und  Ein- 
fallswinkel und  Störungen  der  Schichten  jeder  Art.  Ich  berufe  mich  hier  auf 
das,  was  ich  bereits  im  zweiten  Abschnitte  über  die  Lagerungsverhältnisse  am 
Fusse  des  Belvederehügels,  an  dessen  Gehänge  die  Localität 
Bruska  liegt,  gesagt  habe,  wo  sich  Jedermann  von  den  gewaltigen  Störun- 
gen überzeugen  kann,  welche  die  untersilurischen  Schichten  daselbst  und  somit 
in  der  nächsten  Nähe  der  „Colonie  Zippe“  erlitten  haben.  Sollte  nun 
gerade  die  leider  nicht  sichtbare  Partie  der  untersilurischen  Schichten, 
welche  die  „Colonie  Zippe“  einschliesst,  sich  einer  vollkommen  ungestör- 
ten Lagerung  erfreuen?  Liegt  nicht  vielmehr  die  Vermuthung,  ja  die  grösste 
Wahrscheinlichkeit  sehr  nahe,  dass  auch  die  eben  genannten  Schichten  bei  der 
„Colonie  Zippe“  an  den  allgemeinen  Dislocationen  der  Schichten  in  der  näch- 
sten Umgebung  Antheil  genommen  haben  und  somit  auch  bei  der  „Colonie 
Zippe“  selbst  irgend  welche  Störungen  in  der  Lagerung  vorhanden  sind? 

8 * 


60 


M.  V.  Lipoid. 


[60] 


Gehen  wir  weiter  und  untersuchen  wir  im  Allgemeinen  an  der  Nord- 
seite des  böhmischen  Silurbeckens  die  Lagerungsverhältnisse  der  untersilu- 
rischen  Schichten,  so  belehrt  uns  ein  Blick  auf  die  geologische  Karte  dieses 
Terrains,  dass  sich  aus  der  Gegend  von  Beraun  über  Nueie  gegen  Motol  ein  Zug 
von  Brda-Schichten  (Bar.  d2)  mitten  zwischen  jüngeren  untersilurischen  Schich- 
ten kenntlich  macht.  Dieser  von  Südwest  nach  Nordost  streichende  Zug  von 
Brda-Schichten,  dessen  verlängerte  weitere  nordöstliche  Fort- 
setzung gerade  über  die  Stadt  Prag  läuft,  aber  wegen  der  zwischen 
Motol  und  Prag  befindlichen  Kreideablagerungen  daselbst  nicht  zu  Tag 
tritt,  deutet  auf  eine  grossartige  Hebungsspalte  hin,  in  Folge  welcher  die  tieferen 
untersilurischen  Schichten  zwischen  den  höheren  an  Tag  kamen.  Wir  finden 
daher  an  der  Nordseite  des  böhmischen  Silurbeckens  in  den  untersilurischen 
Schichten  ähnliche,  ja  sogar  nach  ihrem  Streichen  parallele  Hebungsspalten, 
wie  wir  solche  an  der  Südseite  desselben  Beckens  in  den  Königshofer  und 
Kossower  Schichten  nachgewiesen  haben.  Dass  eine  solche  Hebungsspalte  von 
sehr  bedeutenden  Dislocationen  der  Schichten  umgeben  sein  müsse,  lässt  sich 
wohl  voraussetzen  und  Herr  Barrande  selbst  weiset  darauf  hin,  wenn  er  (a.  a. 
0.  Seite  610)  sagt:  „die  senkrechte  Entfernung,  welche  diese  Colonie“  d.  i.  die 
Colonie  Zippe“  von  der  Basis  unserer  oberen  Abtheilung  trennt,  kann  nicht 
genau  gemessen  werden,  aus  Ursache  von  Dislocationen,  welche  das 
Terrain  erlitten  hat“.  Ist  es  nun  nicht  möglich  oder  sogar  wahrscheinlich,  dass 
diese  ähnliche  und  parallele  Hebung  der  untersilurischen  Schichten  an  der  Nord- 
seite des  Beckens  ähnliche  coloniale  Erscheinungen  im  Gefolge  habe,  wie  sie 
die  Hebungslinien  an  der  Südseite  des  Beckens  begleiten?  Ist.es  nicht  möglich 
und  sogar  wahrscheinlich,  dass  die  „Colonie  Zippe“,  welche  sicherlich  in  der 
Nähe,  wo  nicht  inmitten  der  obberiihrten  nördlichen  Hebungsspalte  liegt,  am 
Nordrande  eine  ähnliche  Erscheinung  sei,  wie  es  die  bereits  beschriebenen 
„Colonien“  an  der  Südseite  des  böhmischen  Silurbeckens  sind? 

Die  eben  ausgesprochene  Wahrscheinlichkeit  tritt  noch  mehr  und  besonders  ^ 
stark  hervor,  wenn  man  die  von  Herrn  Barrande  in  seinem  „ Systeme  silurien “ 
angeführte,  jedoch  in  seiner  neuesten  Schrift  über  die  „Colonien“  nicht  berück- 
sichtigte „Colonie  Motol“  in  Betrachtung  und  in  Berücksichtigung  zieht. 

Die  „Colonie  Motol“  befindet  sich  ebenfalls  an  der  Nordseite  des  böhmischen 
Silurbeckens,  ungefähr  i/2  Meile  südwestlich  von  Prag  nächst  des  Dorfes  Motol. 
Sie  besteht  aus  Grünsteinen  und  Graptolithenschiefern  mit  Kalksphäroiden  und 
Kalkzwischenlagerungen,  somit  aus  Littener  Schichten,  welche  einen 
ungefähr  2000  Klafter  langen  von  Süd  west  nach  Nordost  streichenden  isolirten 
Zug  mitten  zwischen  den  untersilurischen  Schichten  bilden.  Ich  habe 
rücksichtlich  der  Lagerungsverhältnisse  der  „Colonie  Motol“  Folgendes  erhoben. 

Die  die  Colonie  bildenden  Grünsteine  sind  sehr  mächtig  entwickelt  und 
stehen  in  Motol  selbst  in  steilen  Felswänden  an.  An  deren  Nordseite  findet 
man  oberhalb  des  letzten  westlichen  Hauses  von  Motol  Graptolithenschiefer 
angelagert,  die  bis  oberhalb  des  Beranka-Wirthshauses  in  westlicher  Bichtung 
verfolgt  werden  können.  Die  unmittelbare  nördliche  Begrenzung  der  Grap- 
tolithenschiefer ist  nicht  sichtbar,  dagegen  findet  man  nördlich  von  dem  mit 
Graptolithenschiefern  überlagerten  Grünsteinfelsen  nächst  des  erwähnten  letzten 
Hauses  von  Motol  in  einem  kleinen  Wassereinrisse  ausserordentlich  zerklüftete, 
zum  Theil  steil  aufgerichtete,  meist  verworren  gelagerte  Schiefer  der  Zahoraner 
oder  vielleicht  Königshofer  Schichten,  die  sich  höher  und  nördlicher  flacher 
lagern  und  am  höchsten  Punkte  der  Entblössung  von  Grünsteinen  bedeckt  zu  sein 
scheinen.  Jedenfalls  deutet  die  Art  der  Lagerungsverhältnisse  dieser  Schiefer 


Ueber  Herrn  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


61 


[61] 

auf  eine  gewaltsame  Hebung  und  Schichtenstörung  hin.  Nordöstlich  von  diesem 
Punkte,  und  nördlich  von  dem  Motoler  herrschaftlichen  Maierhofe  und 
somit  nördlich  von  der  Colonie  in  einer  Entfernung  von  ungefähr  200  Klaftern 
von  der  letztem  und  durch  bebaute  Felder  von  derselben  getrennt,  erhebt  sich  ein 
kleiner  Hügel,  an  dem  Brd  a -S  chichten  (Bar.  d2)  anstehen,  welche  einStreichen 
nach  Stunde  5 (0. 15°N.)  und  ein  Verflachen  mit  30  Graden  nach  Süden  besitzen. 
Eine  vollkommen  deutliche  Lagerung  der  Littener  Schichten  der  Colonie  zeigt 
sich  in  dem  Hohlwege,  der  ein  paar  hundert  Klafter  östlich  von  dem  erwähnten 
Maierhofe  in  nordöstlicher  Richtung  von  der  Poststrasse  ablenkt.  Man  sieht 
dsfselbst  unmittelbar  den  Grünsteinen  aufgelagert  die  Graptolithenschiefer  der 
Littener  Schichten  mit  Kalksphäroiden  und  Kalkzwischenlagen  nach  Stunde  3 
(N.  0.)  streichen,  und  unter  20  Graden  nach  Nordwesten  einfallen.  Nördlich 
davon  sind  Entblössungen  von  Quarziten  sichtbar,  die  flach  zu  liegen  scheinen. 
Endlich  stehen  östlich  von  der  bezeichneten  Stelle  und  östlich  vom  Dorfe  Motol 
an  der  Poststrasse  selbst  durch  grosse  Steinbrüche  entblösst  wieder  Quarzite  der 
Brda-Schichten  an,  welche  nach  Stunde  2 — 4 (N.  30°  0.  — 0.  30°  N.)  streichen 
und  mit  30  — 60  Grad,  überhaupt  sehr  steil,  nach  Südosten  einfallen.  Diese 
Quarzite  befinden  sich  bereits  südlich  von  dem  Zuge  der  Motoler  Colonie. 

Wir  finden  demnach  bei  Motol  die  colonialen  Schichten  nach  Nord- 
westen, und  — wenn  auch  nicht  in  unmittelbarer  Berührung  — sowohl  im 
Norden  als  im  Süden  von  der  Colonie  die  Brda-Schichten  nach  Südwesten,  respec- 
tive  nach  Süden,  einfallen,  und  überdies  zwischen  der  Colonie  und  den  nörd- 
lichen Brda-Schichten  die  Zahoraner  oder  Königshofer  Schichten  in  einer  offenbar 
gestörten  Lagerung.  Von  einer  concordanten  Zwischenlagerung,  über- 
haupt von  einer  regelmässigenEinlagerung  der  „Colonie  Motol“  zwischen 
den  untersilurischen  Schichten  kann  demnach  keine  Rede  sein,  diediscordante 
Lagerung  der  Littener  Schichten  der  Colonie  liefert  vielmehr  den  sicheren 
Beweis,  dass  dieselben  in  Folge  einer  Dislocation,  und  zwar  höchst  wahrschein- 
lich auch  in  F olge  einer  Faltung  der  untersilurischen  Schichten,  in  ihre  abnorme 
Lage  gelangt  sind  und  zwischen  die  letzteren  eingekeilt  wurden.  Die  „Colonie 
Motol“,  welche  Jedermann  zugänglich  ist  und  von  Jedermann  besichtiget 
werden  kann,  bietet  daher  dieselben  Erscheinungen  dar,  wie  die  „Colonien“  an 
der  Südseite  des  böhmischen  Silurbeckens  und  man  ist  desshalb  berechtiget,  auf 
die  „Colonie  Motol“  dieselbe  Erklärungsweise  wie  bei  den  südlichen  Colonien 
anzuwenden,  das  heisst,  dieselbe  als  eine  durch  Dislocationen  bewirkte 
Einkeilung  von  echten  Littener  Schichten  zwischen  untersilu- 
rische  Schichten  zu  betrachten. 

Zieht  man  nun  nach  dem  Streichen  der  „Colonie  Motol“  eine  Linie,  so  ist 
es,  wie  auch  Herr  Krejcf  in  seiner  obenangeführten  Abhandlung  erwähnt., 
gewiss  höchst  bedeutungsvoll,  dass  die  Verlängerung  dieser  Linie  in  nord- 
östlicher Richtung  genau  in  die  „Bruska“  in  Prag,  wo  die  „Colonie  Zippe“ 
verdeckt  ist,  fällt!!  Das  Terrain  zwischen  beiden  Colonien  ist  grösstentheils  von 
Kreidebildungen  überlagert  und  bebaut,  daher,  leider!  der  Verfolgung  der  Colonie 
Motol  in  nordöstlicher  Richtung  ungünstig.  Sollte  es  aber  wirklich  ein  blosser 
Zufall  sein,  dass  die  „Colonie  Zippe“  genau  in  der  nordöstlichen  Fortsetzung 
der  „Colonie  Motol“  liegt,  oder  darf  man  nicht  vielmehr  in  diesem  Umstande 
einen  causalen  Zusammenhang  beider  Colonien  erblicken?  Ist  es  nicht  mehr  als 
wahrscheinlich,  dass  — so  wie  an  der  Südseite  des  böhmischen  Silurbeckens  die 
isolirten  Colonien  sich  als  Fortsetzungen  derselben  dislocirten  Littener  Schich- 
ten erwiesen  haben  — in  ähnlicher  Art  an  der  Nordseite  desselben  Beckens  die 
„Colonie  Zippe“  die  nordöstliche  Fortsetzung  der  „Colonie  Motol“  bilde? 


62 


M.  V.  Lipoid. 


[62] 


Fassen  wir  das  rücksichtlich  der  „Colonie  Zippe“  bisher  Gesagte  zusammen, 
nämlich,  dass  deren  „concordante  und  ursprüngliche  Einlagerung“  in  den 
Zahoraner  Schichten  nicht  erwiesen  ist,  dass  dieselbe  sich  in  einem  durch  Dis- 
locationen  der  Schichten  sehr  gestörten  Terrain  befindet,  dass  sie  in  der 
Nähe  oder  innerhalb  einer  an  der  Nordseite  des  böhmischen  Silurbeckens  erkennt- 
lichen Hebungsspalte  auftritt,  und  dass  sie  endlich  genau  in  der  nordöstlichen  Fort- 
setzung der  „Colonie  Motol“  liegt,  an  deren  durch  Störungen  in  den  Gebirgs- 
schichten  bewirkten  abnormen  Lagerung  nicht  gezweifelt  werden  kann;  so  werden 
wir  wohl  nicht  nur  zu  der  Vermuthung,  sondern  zu  dem  Ausspruche  der 
grössten  Wahrscheinlichkeit  berechtiget,  dass  auch  bei  der  „Colonie 
Zippe“  eine  gestörte  Lagerung  Statt  finde  und  sich  daher  deren 
Erscheinung,  wie  die  Erscheinung  der  anderen  Colonie n,  als 
eine  blosse  Dislocation  der  Littener  Schichten  erklären  lassen 
dürfte. 

Ich  bin  zwar  den  letzteren  Ausspruch,  so  wie  Herr  Bar  ran  de  das  Gegen- 
theil  davon,  zu  beweisen  nicht  in  der  Lage,  da  die  „Colonie  Zippe“,  wie 
bemerkt,  einer  Untersuchung  nicht  zugänglich  ist,  und  weiss  sehr  wohl,  dass  man 
meiner  Anschauung  die  Eigentümlichkeiten,  welche  die  „Colonie  Zippe“ 
darbietet,  entgegen  stellen  wird.  Diese  Eigentümlichkeiten  muss  ich  desshalb 
einer  besonderen  Kritik  unterziehen. 

Was  nun  vorerst  die  Eigentümlichkeit  der  „Colonie  Zippe“  betrifft,  dass  sie 
nur  aus  einer  einzigen  einige  Zolle  mächtigen  Kalksteinlinse 
bestehe,  so  glaube  ich  mit  demselben  Rechte,  vermöge  welchem  Herr 
Barrande  obige  Behauptung  aufstellt,  die  Behauptung  aufstellen  zu  dürfen,  dass 
diese  Kalksteinlinse  von  Graptolithenschiefern  umgeben  und  daher  die  „Colonie 
Zippe“  aus  Graptolithenschiefern  mit  einer  Kalk^wischenlage,  das 
ist  aus  Bestandteilen  der  „Littener  Schichten“  zusammengesetzt  sei.  Wir 
haben  eben  beide  die  „Colonie  Zippe“  niemals  gesehen  und  die  „Grauwacken- 
schiefer“, welche  nach  Herrn  Professor  Zippe  die  Kalksteinschichte  begrenzen, 
können,  wie  ich  schon  oben  bemerkte,  eben  so  gut  „Graptolithenschiefer“,  als 
„graugelbliche  Schiefer*/5“,  oder  — wie  Herr  Barrande  meint  — „sehr  glim- 
merreiche Schiefer  </4“  sein.  Durch  die  obige  Behauptung  des  Herrn  Barrande 
allein,  ohne  deren  Beweis,  kann  daher  meiner  Anschauungsweise  über  die 
„Colonie  Zippe“  kein  Abbruch  geschehen,  vielmehr  gewinnt  letztere  wenigstens 
einigen  Anhaltspunkt  in  dem  Umstande,  dass  die  „Colonie  Motol“  ebenfalls  Kalk- 
steinschichten in  Zwischenlagerung  mit  Graptolithenschiefern  führt  und  die 
Wahrscheinlichkeit  dafür  spricht,  dass  die  „Colonie  Zippe“  nur  die  nord- 
östliche Fortsetzung  der  „Colonie  Motol“  sei. 

DieselbeBewandtniss  hat  es  mit  der  anderenEigenthümlichkeitder  „Colonie 
Zippe“,  dass  sie  nämlich  nicht  wie  die  Colonien  am  Südrande  des  Beckens  in  den 
Königshofer  und  Kossower  Schichten,  sondern  in  den  ZahofanerSchichten 
auftritt.  Sie  ist  eben  nicht  mit  voller  Sicherheit  erwiesen.  Uebrigens  enthielte 
diese  Eigenthümlichkeit,  auch  wenn  sie  erwiesen  wäre,  nichts  Ueberraschendes 
für  den  Fall,  dass  man  die  Lagerung  der  „Colonie  Zippe“  als  Folge  einer 
Schichtenstörung  betrachtet,  da  man  es  sich  ganz  wohl  vorstellen  kann,  dass  bei 
einer  gewaltsamen  Hebung  der  Schichten,  wodurch  die.  Littener  Schichten 
zerissen  und  die  tieferen  untersilurischen  Schichten  an  den  Tag  gebracht  wurden, 
ein  Theil  der  Littener  Schichten  auch  zwischen  Zahoraner  Schichten  eingekeilt 
worden  sei.  Hingegen  muss  ich  bemerken,  dass,  wenn  das  Auftreten  der 
„Colonie  Zippe“  in  den  Zahoraner  Schichten  als  festgestellt  angenommen 
wird,  und  man  zur  Erklärung  dieser  Erscheinung  die  Theorie  des  Herrn  Bar- 


Heber  Herrn  Barrande’s  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


63 


[63] 

ran  de  in  Anwendung  bringt,  sich  dieser  Erklärungsart  der  „Colonie  Zippe“ 
sämmtliche  Bedenken,  welche  ich  gegen  diese  Theorie  bei  Beurtheilung  der 
Colonien  an  der  Südseite  des  Silurbeckens  namhaft  machte,  mit  verdoppelter 
Wucht  entgegenstellen;  um  so  mehr,  da  diese  Erscheinung,  nachdem  auch 
die  an  der  Nordseite  des  Beckens  befindliche  „Colonie  Motol“  sich , wie  die 
Colonien  an  der  Südseite  des  Beckens,  einfach  als  blosse  Folge  einer  Dislocation 
erklären  lässt,  in  dem  ganzen  böhmischen  Silurbecken  als  vollkom- 
men vereinzelt  dastehen  würde.  Es  bedürfte  in  der  That  sehr  über- 
zeugender Beweismittel,  um  den  Glauben  zu  rechtfertigen,  dass  eine  Ein- 
wanderung einer  ob' ersilu rischen  Fauna  zu  einer  Zeit,  wo  die  Ablagerung 
der  untersilurischen  Schichten  noch  bei  weitem  nicht  abgeschlossen  war, 
nur  in  ein  so  beschränktes  Terrain,  wie  jenes  an  der  Bruska,  Statt  gefun- 
den habe. 

Auch  die  wichtigste  Eigentümlichkeit  der  „Colonie  Zippe“  endlich,  jene 
nämlich,  dass  in  ihr  eine  Mengung  der  obersilu rischen  mit  der  untersilu- 
rischen Fauna  vorgefunden  wird,  besitzt  eben  so  wenig  eine  Beweiskraft  für 
die  Theorie  des  Herrn  Barrande,  als  sie  der  gegenteiligen  Ansicht  entgegen- 
steht. 

Vor  Allem  muss  ich  wiederholen,  dass,  wie  uns  Herr  Barr  and  e belehrt, 
die  vier  Species  der  untersilurischen  Fauna,  welche  die  „Colonie 
Zippe“  lieferte,  zu  den  verbreitetsten  der  Etage  D gehören  und  sämmt- 
lich  auch  in  den  obersten  Lagen  db  dieser  Etage  Vorkommen,  somit  auch  am 
Schlüsse  der  untersilurischen  Ablagerungen  oder  unmittelbar  vor 
d em  Beginne  der  obersilurischen  Ablagerungen  gelebt  haben.  Folgen  wir 
nun  der  sehr  einleuchtend  mit  Thatsachen  begründeten  Ansicht  des  Herrn  Pro- 
fessors E.  Suess,  dass  die  untersilurischen  Schichten  in  einem  seichten, 
und  die  obersilurischen  in  einem  tiefen  Meere  abgelagert  wurden,  dass 
demnach  gegen  den  Schluss  der  untersilurischen  und  bei  Beginn  der  obersilu- 
rischen Ablagerungen  eine  Senkung  des  Meeresgrundes  gegen  die  Mitte  des 
Beckens  Statt  fand,  so  erscheint  es  gewiss  als  etwas  ganz  Natürliches,  wenn 
man  voraussetzt,  dass  einige  wenige  der  verbreitetsten  und  noch  lebenden 
Formen  der  untersilurischen  Fauna  sich  mit  den  gewöhnlichsten  und  zuerst 
aufgetretenen  Formen  der  obersilurischen  Fauna  vermengt  haben  und  eben 
an  den  Rändern  der  obersilurischen  Ablagerungen  vermischt  und  gemeinsam 
in  den  Niederschlägen  vergraben  wurden.  Braucht  man  also  zur  Erklärung  der 
Mengung  der  berührten  zwei  Faunen  der  Hypothese  einer  „Einwanderung  aus 
fremden  Meeren?“  Konnte  eine  solche  Mengung  gerade  nur  bei  einer  eingewan- 
derten „Colonie“  Statt  haben?  Keineswegs!  Diese  Mengung  der  beiden  Faunen 
erscheint  eben  so  einleuchtend  und  erklärlich  an  den  Rändern  der  untersilu- 
rischen und  obersilurischen  Ablagerungen  überhaupt.  Diese  ursprünglichen 
„Ränder“  der  obersilurischen  Schichten  sind  nun  freilich  im  böhmischen  Silur- 
becken theils  nicht  mehr  in  ihrer  ursprünglichen  Lage,  theils  zerstört  worden. 
Die  Ränder  der  obersilurischen  Schichten  wurden  nämlich,  wie  uns  die 
Erfahrung  lehrt,  durch  Hebungen  des  Terrains,  durch  Faltungen  der  Schichten, 
von  der  Hauptmasse  der  obersilurischen  Schichten  losgerissen  und  als  isolirte 
Partien  (Colonien)  zwischen  untersilurische  Schichten  eingekeilt.  Und  ein 
solcher  von  der  Hauptmasse  der  obersilurischen  Schichten  durch  Dislocationen 
losgerissener  und  zwischen  untersilurische  Schichten  eingekeilter  „Rand“  der 
obersilurischen  Schichten  ist  meines  Erachtens  — die  „Colonie  Zippe“.  — Bei 
dieser  wenigstens  sehr  wahrscheinlichen  und  ohne  einer  neuen  Theorie 
ganz  gut  erklärbaren  Annahme  lässt  sich  auch  die  höchst  auffallende  Erschei- 


64 


M.  V.  Lipoid. 


[64] 


nung,  dass  man  an  den  ohne  Berücksichtigung  der  „Colonien“  sichtbaren  gegen- 
wärtigen Rändern  der  obersilurischen  Ablagerungen,  in  deren  Schichten  bisher 
nirgends  eine  Mengung  der  ober-  mit  der  untersilurischen  Fauna  wahrgenommen 
hat,  sehr  wohl  begreifen,  denn  vermöge  obiger  Annahme  sind  die  gegenwär- 
tigen Ränder  der  obersilurischen  Ablagerung  nicht  mehr  die  ursprünglichen 
Ränder  derselben,  sondern  Ausgehende  von  Niederschlägen,  die  mehr  gegen  das 
Innere  des  Beckens  erfolgten,  wo  eine  Mengung  der  Faunen  nicht  mehr  Platz 
griff.  Dass  man  eine  Mengung  der  ober-  und  untersilurischen  Fauna  bisher  nur 
bei  der  „Colonie  Zippe“  und  nicht  auch  bei  den  anderen  Colonien  vorfand,  mag 
wohl  darin  seinen  Grund  haben,  dass  diese  Colonie  vermöge  ihrer  localen  Lage 
gegen  spätere  Zerstörung  am  meisten  geschützt  war  und  uns  noch  einen  Theil 
des  ehemaligen  äussersten  Randes  der  obersilurischen  Schichten  unversehrt  auf- 
bewahrt hat,  während  die  übrigen  offenliegenden  und  der  Verwitterung  und 
Zerstörung  preisgegebenen  „Colonien“  ihren  äussersten  Rand  schon  längst 
eingebüsst  haben  mögen.  Indessen  würde  es  nach  Obigem  Niemanden  Wunder 
nehmen  können,  wenn  auch  bei  den  übrigen  „Colonien“  solche  Mengungen  der 
ober-  und  untersilurischen  Fauna,  wie  bei  der  „Colonie  Zippe“,  yorgefunden 
würden,  und  nach  meiner  Ansicht  bietet  die  „Colonie  Motol“  die  grösste  Aussicht 
dar  zur  Auffindung  ähnlicher  Mengungen  der  Faunen  in  den  Kalksteinen  der- 
selben. Dass  Herr  Barrande  die  Fossilien  des  böhmischen  Silurbeckens  gewiss 
im  weitesten  Umfange  und  im  grössten  Maassstabe  ausgebeutet  hat,  schliesst  die 
Möglichkeit  einer  solchen  Auffindung  wohl  nicht  aus;  sind  ihm  doch  selbst  erst 
nach  Verlauf  von  16  Jahren  Fossilien,  die  er  als  „den  Colonien  eigenthümlich“ 
betrachten  musste,  auch  aus  den  normal  gelagerten  Littener  Schichten  bekannt 
geworden. 

Recapituliren  wir  nun  in  Kürze  dasjenige,  was  ich  im  Vorhergehenden  über 
die  Colonien  an  der  Nordseite  des  böhmischen  Silurbeckens  erörtert  habe,  so  ’ 
ergibt  sich  aus  den  vorliegenden  mitgetheilten  Thatsachen,  dass  von  den  an  der 
Nordseite  des  erwähnten  Beckens  bisher  bekannten  Colonien  „Motol“  und 
„Zippe“,  die  „Colonie  Motol“  ganz  bestimmt,  die  „Colonie  Zippe“  dagegen 
höchst  wahrscheinlich  dieselben  Erscheinungen  darbieten,  wie  die  Colonien  an 
der  Südseite  des  böhmischen  Silurbeckens,  und  dass  daher  die  „Colonie 
Motol“  zweifellos,  die  „Colonie  Zippe“  dagegen  höchst  wahr- 
scheinlich bl  os  aus  „Littener  Schichten“  bestehe,  welche  durch 
Dislo cationen  aus  ihrer  ursprünglichen  Lagerung  gebracht 
wurden  und  dadurch  zwischen  untersilur ischeSchichten  gelangt 
sind. 


Schlusswort. 

Hiemit  habe  ich  mich  des  Auftrages  entlediget,  welcher  mir,  wie  ich  im 
„Vorworte“  angezeigt  habe,  von  meinem  hochverehrten  Herrn  Director  zu  Theil 
geworden  ist.  Ich  habe  hiebei  meine  Ansichten  über  die  „Colonien“  des  böhmi- 
schen Silurbeckens  als  Resultate  dargestellt,  wie  sich  dieselben  aus  That- 
sachen, bezüglich  aus  Lagerungsverhältnissen,  ergeben  haben,  welche  ich  selbst 
beobachtete.  Ich  habe  diese  Th atsachen  genau  so  bekannt  gegeben,  wie  ich 
sie  erhoben  habe  und  wie  ich  sie  auffasste.  Ich  habe  endlich  die  Localitäten 
namhaft  gemacht  und  möglichst  genau  beschrieben,  wo  ich  die  erwähnten 


Ueber  Herrn  Barrande’s  , Kolonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


65 


[•*] 

Thatsachen  beobachtet  habe.  Weit  entfernt  davon,  für  meine  Person  eine  abso- 
lute Unfehlbarkeit  in  Anspruch  nehmen  zu  wollen,  darf  ich  dennoch  hoffen,  dass 
die  bezeichneten  Thatsachen  auch  von  anderen  Geologen  in  derselben  Weise, 
wie  von  mir,  werden  aufgefasst  werden.  Den  Schlüssen  und  Folgerungen,  welche 
ich  aus  den  erhobenen  Thatsachen  zog,  Anhang  und  Geltung  zu  verschaffen,  liegt 
weder  in  meiner  Gewalt  noch  in  dem  Zwecke,  den  ich  mit  dieser  Abhandlung 
verfolgte.  Es  wird  mich  sehr  erfreuen,  wenn  gewiegte  Geologen  sich  den  von 
mir  entwickelten  Ansichten  anschliessen , aber  ich  wünsche  und  erwarte  eine 
solche  Beistimmung  keineswegs  auf  meine  Autorität  hin,  sondern  auf  Grundlage 
der  von  mir  namhaft  gemachten  Thatsachen,  deren  Untersuchung  und  Beurtei- 
lung Jedermann  offen  steht. 

Wenn  ich  dem  noch  einige  Worte  beifüge , so  geschieht  es  , um  die 
eigentümliche  Stellung  zu  bezeichnen , in  welcher  ich  mich  in  der  Frage 
über  die  „Colonien“  Herrn  Barrande  gegenüber  befand.  Einerseits  zwar  kein 
Paläontologe  vom  Fach,  aber  fest  überzeugt  von  der  Wichtigkeit  der  paläonto- 
logischen  Forschungen  und  von  dem  unermesslichen  Nutzen,  den  dieselben  den 
geologischen  Untersuchungen  gewähren,  andererseits  jedoch  die  Zulässigkeit  der 
Bestimmung  des  Alters  einer  Gebirgsschichte  aus  den  blossen  Fossilresten,  die 
sie  enthält,  nur  dann  anerkennend,  wenn  die  Altersfolge  der  Fossilreste  selbst 
vorher  aus  klaren  Lagerungsverhältnissen  der  Schichten  festgestellt  wurde,  — 
war  es  mir  gelungen , schon  in  dem  ersten  Sommer  der  Aufnahmen  der  k.  k. 
geologischen  Beichsanstalt  im  Jahre  1850,  stratigraphisch  die  Auflagerung  der 
gegenwärtig  von  uns  so  genannten  Adnether  Schichten  (Lias),  auf  unsere  gegen- 
wärtigen KÖssener  Schichten  nachzuweisen  *),  während  mehrere  Localitäten  der 
letzteren,  noch  in  Herrn  Bergrath  von  Hauer’s  Berichte  „Ober  die  geognosti- 
schen  Verhältnisse  des  Nordabhanges  der  nordöstlichen  Alpen  zwischen  Wien 
und  Salzburg“  als  jünger,  als  unterer  Oolith , aus  paläontologischen  Gründen 
betrachtet  wurden  2).  Bei  der  Frage  über  die  „Colonien“  befand  ich  mich 
gerade  in  der  entgegengesetzten  Lage.  Bekanntlich  war  es  Herr  Barrande, 
welcher  die  Reihenfolge  der  Schichten  des  böhmischen  Silurbeekens  zuerst  genau 
eonstatirte,  und  uns  die  für  jedes  Terrain  charakteristischen  Fossilreste  kennen 
lehrte.  In  meinen  Erörterungen  über  die  „Colonien“  dieses  Beckens  war  ich  nun 
bemüssigt,  die  von  Herrn  Bar  rande  selbst  aufgestellte  auf  Lagerungsverhält- 
nisse und  auf  Fossilreste  basirte  Reihenfolge  der  Schichten  gegen  ihn  selbst 
in  so  fern  in  Schutz  zu  nehmen,  dass  ich  die  Unzulässigkeit  von  Ausnahmen 
von  dieser  Reihenfolge  und  zwar  wieder  aus  den  Lagerungsverhältnissen  darzu- 
thun  suchte.  Ist  es  mir  nun  gelungen,  die  Ueberzeugung  von  der  Richtigkeit  der 
Ansichten  über  die  Erscheinung  der  „Colonien“,  wie  solche  schon  von  E.  Forbes 
vermuthet,  von  Herrn  Bayle  ausgesprochen  3),  von  Herrn  Director  J.  Krejci 
zuerst  thatsächlich  nachgewiesen,  und  von  mir  erörtert  wurden,  anzubahnen  und 
vollends  zur  Geltung  zu  bringen,  so  haben  Herr  Krejci  und  ich  hiedurch  im 
Grunde  zu  dem  glänzendsten  Siege  beigetragen,  welchen  Herr  Barrande  gegen 
sich  selbst  und  die  Anhänger  seiner  Theorie  über  die  „Colonien“  erfochten  hat. 
Denn  ein  Sieg  ist  es  gewiss,  wenn  die  von  Herrn  Bar  rande  angegebene  Reihen- 
folge der  Schichten  und  die  für  jede  Schichtengruppe  bestimmte  Fauna  als  uner- 
schütterlich und  ausnahmslos  erkannt  wird,  und  die  durch  die  Theorie  des 
Herrn  Barrande  über  die  „Colonien“  jedenfalls  in  ihrer  Geltung  gefährdete 

!)  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  ReichsanstaR.  I.  1850.  S.  661. 

2)  Jahrbuch  u.  s.  w.  I.  1850.  S.  39  u.  40. 

3)  Bull,  de  la  Soc.  Geol.  de  France.  A.  a.  0.  S.  603. 


K.  k.  geologische  Reichsaiistalt.  12,  Band,  1861  und  1862.  1.  lieft. 


9 


66 


M.  V.  Lipoid.  Ueber  Herrn  Barrande's  „Colonien“  in  der  Silur-Formation  Böhmens. 


[66] 


Fauna  wieder  in  ihre  vollen  Rechte  eintritt.  Dadurch  ist,  so  hofFe  ich,  die  Aner- 
kennung der  grossen  Ergebnisse  der  Barrande’schen  Forschungen  in  der 
paläontologischen  Charakterisirung  der  Schichten  für  immer  gewonnen. 

Die  „Colonien“  und  die  tiefsten  Schichten  der  Etage  E des  Herrn  Barrande 
stimmen  lithologisch  und  paläontologisch  vollkommen  mit  einander  überein. 
Man  würde  bei  Annahme  der  Theorie  des  Herrn  Barrande,  wenn  man  z.  B.  auf 
eine  Partie  von  Schiefern  mit  Graptolithen  träfe,  deren  umgebende  Gesteine 
nicht  sichtbar  sind,  nie  wissen,  ob  man  bereits  in  der  Etage  JE,  oder  noch  in  der 
Etage  D sei.  Ganz  anders  ist  es  nun  wo  der  Beweis  der  Schichtenstörungen 
durchgeführt  ist;  man  weiss  im  obigen  Falle  ganz  bestimmt,  dass  man  es  mit 
obersilurischen  Schichten  zu  thun  hat  und  weiss,  wenn  fremdartige  Schichten 
mit  denselben  auftreten,  dass  an  der  betreffenden  Stelle  Störungen  der  Schichten 
Statt  gehabt  haben. 

Im  Ganzen  darf  ich  wohl  die  vorhergehende  Auseinandersetzung,  wenn  ich 
mich  auch  in  der  Theorie  der  Colonien  ihm  nicht  anschliessen  konnte,  doch  in 
der  weit  wichtigeren  Charakterisirung  der  Aufeinanderfolge  der  silurischen 
Schichten  als  eine  wahre  Huldigung  dem  Forschungsgeiste  und  der  Beharrlich- 
keit des  grossen  Geologen  und  Paläontologen  Joachim  Barrande  dargebracht 
bezeichnen. 

Die  Aufeinanderfolge  der  Barrande’schen  Schichten-Systeme,  die  Auf- 
einanderfolge seiner  Faunen  hat  sich  glänzend  bewährt,  aber  ohne  Unterbre- 
chung durch  „Colonien“,  deren  Nichtexistenz  in  dem  böhmischen  Silurgebirge 
ich  in  den  wichtigsten  Beispielen  hinlänglich  nachgewiesen  zu  haben  glaube, 
und  wofür  die  zahlreichen  Beweise,  noch  fortwährend  der  Beobachtung  offen,  am 
Tage  liegen. 


Inhalt. 

Seite 


Vorwort 1 

Einleitung 4 

A.  Beschreibung  der  Colonien  an  der  Südseite  des  böhmischen  Silurbeckens 10 

Colonie  „Krejci“ 11 

„ „Haidinger“ 13 

„ „Radotin“ 16 

„ „Kosor 18 

Colonien  „Cernositz“  18 

Colonie  „Wonoklas“ 20 

Colonien  „Karlik“ 20 

„ „Treban“ 21 

„ „Bel  ec“ 24 

Colonie  „Korno“ 27 

B.  Erklärung  der  Erscheinung  der  Colonien  an  der  Südseite  des  böhmischen  Silur- 
beckens.  30 

a)  Aus  den  Lagerungsverhältnissen 30 

h)  Nach  Herrn  Barrande’s  Theorie 40 

C.  Colonien  an  der  Nordseite  des  böhmischen  Silurbeckens 33 

Schlusswort 64 


Tarn 


t’rofih» 


Co  lo  nie  //aif/inat 


Cofonte  J, Yrrjr 


" ' ü ^ 


Situationsplan  und  geologische  Karte 

über  dio  Barrandc  ’sclicn.  C olonirn 

'HAdrailCEIl.unrKREJCI „ 


Grofs  Kulirl 


/Irr  Silnrforniuüon  Böhmens . 


ml 


/fasm/tucr  Sr/i/r/ttm 


/fariit/s/iofrr 


. / //  fjr/mom  men 


Berffra/h 


(jrv/oy.  /irir/tsan  s/tif/  X //.  Beim/  ///<•/?  . 


I 


Karl  Ritter  von  flauer.  Arbeiten  in  dem  chemischen  Laboratorium. 


87 


II.  Arbeiten  in  dem  chemischen  Laboratorium  der  k.  k. 
geologischen  Reichsanstalt. 

Von  Karl  Ritter  v.  Hauer. 


1)  Cokes  aus  der  hiesigen  Gasanstalt. 

Aschengehalt  in  100  Theilen 

Reducirte  Gewichtstheile  Blei 

Wärme-Einheiten 

Aequivalent  einer  30"  Klafter  weichen  Holzes  sind  Centner 


7-3 


ll-lool  Mittel  29  85 

7*75 


2)  Kohlen  von  Wilkischen  im  Pilsner-Kreis.  Eingesendet  von  Herrn 
Obermayer. 

a.  bessere,  b.  mindere  Sorte. 

a.  b. 

Wasser  in  100  Theilen 4-9  6-5 

Asche  in  100  Theilen 13-0  21*8 

Cokes  in  100  Theilen 64-0  backt  schlecht 


Reducirte  Gewichtstheile  Blei 

28-85 

21  60 

Wärme-Einheiten 

6520 

4881 

Aequivalent  einer  30"  Klafter  weichen  Holzes  sind  Centner.. 

8-0 

10-7 

3)  Kohlenmuster.  Eingesendet  von 

Herrn  Obermay 

er. 

i. 

ii. 

hi. 

IV. 

Bfas. 

Littiz. 

Ober-Stupno. 

Wasser  in  100  Theilen 

14-4 

2-4 

5-5 

15-9 

Asche  in  100  Theilen 

5-6 

5-3 

2-3 

Reducirte  Gewichtstheile  Blei 

22-20 

27-80 

25-00 

21-85 

Wärme-Einheiten 

5017 

6282 

5650 

4938 

Aequivalent  einer  30"  Klafter  weichen  Holzes  sind  Centner. . 10 -4 

8-3 

9-2 

10-6 

4)  Kalksteine  aus  der  Umgegend  von  Wien.  Uebergeben  von  Herrn  Bergrath 
Lipoid. 


/ 

In  Säuren 
unlöslich 

Kohlen- 
saurer Kalk 

Kohlensäure 

Magnesia 

/Waldmühle,  südliches  Gehänge,  unterste  Lage  . 

21 

83-2 

14-7 

" n n 2.  Lage 

2-6 

94-9 

2-5 

q 

i n » n w 

5-0 

94-0 

1-0 

* 1 

4 

1 » w w » 

25-2 

71-9 

2-9 

0) 

1 5 

1 w » n 

4-4 

95-7 

— 

CJ 

tp 
p / 

1 « » n 6.  „ 

2-0 

97-0 

1-0 

'nächst  der  Waldmühle 

1-5 

98-0 

0-5 

JV  \ 

V 9,  » „ 2.  Lage 

3-1 

95-9  ’ 

1-0 

a> 

1 » n n ^ » 

2-3 

98-2 

— 

"ö: 

1 » n n 4.  n 

8-3 

911 

0-6 

S4  J 

[im  Petersdorfer  Revier 

5-4 

91-5 

3-1 

' Kuppe  im  Petersdorfer  Revier 

5-3 

93-4 

1-3 

östlich  von  Stummer’s  Gasthaus 

0-7 

56-5 

42-8 

2-7 

53-4 
9 * 

43-9 

68 


Karl  Ritter  von  Haner. 


5)  Wasser  von  den  Quellen  bei  Mauer.  Eingesendet  von  der  Besitzerin, 
Frau  Giacomozzi.  (Vergl.  Verh.  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  Sitzung 
vom  30.  April  1861,  S.  56.) 

I.  Quelle.  Es  ist  dies  jene  wasserreichere  Quelle,  welche  seitwärts  des 
grossen  Bassins  entspringt,  und  die  Hauptmenge  zur  Füllung  desselben  liefert. 
Ein  Pfund  Wasser  = 7680  Gran  ergab  folgenden  Inhalt: 

0*100  Gran  kohlens.  Eisenoxydul, 

2*657  „ „ Kalk, 

0*445  „ „ Magnesia, 

0*485  „ Schwefels.  Kalk, 

2*432  „ „ Magnesia, 

0.400  „ „ Natron, 

0*012  „ Chlornatrium, 

0*029  „ Kieselerde, 

6*560  Gran  Summe  der  fixen  Bestandteile, 

1*439  „ 2.  Aequivalent  Kohlensäure  der  kohlensauren  Salze, 

0*632  „ freie  Kohlensäure, 

8*631  Gran  Summe  aller  Bestandtheile. 

II.  Eisenquelle.  Ein  Pfund  = 7680  Gran  enthält: 

0*604  Gran  kohlens.  Eisenoxydul, 

2*328  „ „ Kalk, 

0*218  „ „ Magnesia, 

2-367  „ Schwefels.  Kalk, 

1*315  „ „ Magnesia, 

0*288  „ „ Natron  mit  einer  Spur  Kali. 

0*039  „ Chlornatrium, 

0.053  „ Kieselerde, 

7*212  Gran  Summe  der  fixen  Bestandtheile, 

1*367  „ 2.  Aequivalent  Kohlensäure, 

0*765  ,,  freie  Kohlensäure, 


9*344  Gran  Summe  aller  Bestandtheile. 

6)  Braunkohle  von  Viehdorf  im  Erzherzogthum  Oesterreich  u.  d.  Enns.  Ein- 
gesendet von  Meissei  und  Comp. 

Wasser  in  100  Theilen 7*6 

Asche  in  100  Theilen . 14*5 

Reducirte  Gewichtstheile  Blei 15*80 

Wärme-Einheiten 3770 

Aequivalent  einer  30"  Klafter  weichen  Holzes  sind  Centner 14*7 

7)  Kohlenmuster.  Eingesendet  vom  hiesigen  k.  k.  Verpflegsmagazin. 

1.  von  Thallern,  2.  vonPodgorze,  3.  von  Jaworzno,  4.  von  eben  daher. 

1. 

Wasser  in  100  Theilen  18*6 

Asche  in  100  Theilen 16*2 

Reducirte  Gewichtstheile  Blei 15*52 

Wärme-Einheiten 3508 

Aequivalent  einer  30"  Klafter  weichen  Holzes  sind  Centner.  . 14*9 

8)  Steinkohlen  von  Schwadowitz  in  Böhmen.  Zur  Untersuchung  übergeben 
von  Sr.  Durchlaucht  dem  Prinzen  zu  Schaum  bürg -Lippe. 


1. 

2. 

3. 

4. 

18*6 

14*3 

15*0 

15*6 

16*2 

7*3 

6*5 

3 5 

15*52 

20*55 

20*70 

20*50 

3508 

4644 

4678 

4633 

14*9 

11*3 

11*2 

11*3 

Arbeiten  in  dem  chemischen  Laboratorium  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt. 


69 


Benigneflötz,  am  Ausgehenden 
„ tiefere  Sohle  . . . 

Hauptflötz,  unterer  Lauf 

» oberer  „ 

Liegendes  Flötz 

4.  Aaveryflötz  

4.  „ 

7.  „ 

8.  „ 

9.  „ . 

2.  „ 

5.  „ 

4.  „ 

Lettenflötz,  6.  Lauf 

» 2.  „ 

Cokes  aus  Rohkohle  ] -kt  c>  a 
von  JNr.  b und 

13  gemischt 


Wasser  in  100 
Theilen 

Asche  in  100 
Theilen 

Reducirte  Ge- 
wichtstheile Blei 

Wärme-Einheiten 

Aequivalent  einer 
Klafter  30"  wei- 
chen Holzes  sind 
Centner 

2*5 

24*9 

20*60 

4655 

11*2 

2*7 

10-7 

24*40 

5514 

9*5 

2*9 

16*7 

22*80 

5152 

10*2 

2*0 

19*8 

22*00 

4972 

10*5 

1*9 

10*9 

23*20 

5243 

10*0 

3*7 

4*2 

28*33 

6407 

8*2 

1*6 

16*6 

22*25 

5028 

10*4 

0*8 

4-8 

27*35 

6181 

8*4 

1*4 

2*7 

28*90 

6531 

8*0 

1*5 

3*9 

27*85 

6294 

8*3 

0*9 

7*7 

24*15 

5458 

9*6 

1*6 

2*7 

27*30 

6169 

8*5 

2*1 

3*4 

27*60 

6237 

8*4 

1*4 

7*2 

26*55 

6000 

8*7 

2*0 

12*3 

25*00 

5650 

9*2 

14*8 

24*40 

5514 

9*5 

7*0 

24*40 

5514 

9*5 

24*2 

21*90 

4949 

10*9 

9)  Wasser  des  Säuerlings  von  Suliguli  bei  Visso  in  der  Marmarosch.  Einge- 
sendet yon  der  k.  k.  Berg-Direction  in  Marmarosch-Szigeth. 

In  1 Pfund  = 7680  Gran  sind  enthalten: 


7*142 

Gran 

Chlornatrium, 

13*814 

V 

kohlens.  Natron, 

0*491 

99 

„ Eisenoxydul, 

7*495 

99 

„ Kalk, 

5*660 

99 

„ Magnesia, 

0*023 

99 

Thonerde, 

1*382 

99 

Kieselerde, 

25*704 

99 

halb  und  ganz  freie  Kohlensäure, 

Spuren  von  schwefelsaurem  und  Jod-Natrium, 


61  *721  Gran,  Summe  aller  Bestandtheile. 


10)  Glanzkohle.  Eingesendet  von  der  Gewerkschaft  Radimsky  in  Brunn  bei 
Gleinstetten  in  Steiermark. 


Wasser  in  100  Theilen •. , . , 9-0 

Asche  in  100  Theilen 5*1 

Reducirte  Gewichtstheile  Blei 22*00 

Wärme-Einheiten , 4972 

Aequivalent  einer  30"  Klafter  weichen  Holzes  sind  Centner.  ..........  10*5 


11)  Graphit.  Eingesendet  von  Herrn  Anton  Merkel. 

Ungeschlämmter  74*2  Proeent  Asche. 

Geschlämmter 52*9  „ 

Ungeschlämmter ,80*3  „ „ 

12)  Roheisensorten.  Eingesendet  von  der  fürstlich  Schwarzen berg- 

schen  Werks-Direction  zu  Murau  in  Steiermark. 


Nr.  I enthielt 

„ II  „ 


{ 

{ 


3*32  Procent  Kohle, 
0*72  „ Kieselerde, 

3*89  „ Kohle, 

1*00  „ Kieselerde, 


70 


Karl  Ritter  von  Hauer. 


Nr.  III  enthielt 

(5*00  Procent 
\ 0-51  „ 

Kohle, 

Kieselerde, 

„ TV  w 

1 3-66  „ 

Kohle, 

} 0*41  „ 

Kieselerde. 

v 

f 3-94  „ 

Kohle, 

99  f 99 

\ 0*62 

Kieselerde. 

13)  Triaskohle  von  Cludinico  nächst  Ovaro  im  Canal  di  Comeglians,  nördlich 
von  Villa  bei  Tolmezzo.  Eingesendet  von  Herrn  k.  k.  Bergrath  Foetterle. 


I. 

II. 

III. 

IV. 

Wasser  in  100  Theilen 

. 0*7 

0*4 

1*6 

0*7 

Asche  in  100  Theilen 

. 7*7 

19*6 

23-7 

15-6 

Reducirte  Gewichtstheile  Blei 

28*50 

23-50 

23-35 

25-60 

Wärme-Einheiten 

6441 

5311 

5277 

5785 

Aequivalent  einer  30"  Klafter  weichen  Holzes  sind  Centner  . 

8*1 

9*8 

9-9 

90 

Eine  Durchschnittsprohe  auf  Cokes  gab  in  100  Theilen  = 80  Theile  gut 
gebackene  Cokes. 


14)  Braunkohlen  von  Ovar  im  Neograder  Comitate  bei  ßalassa-Gyarmäth. 
Eingesendet  von  der  Frau  Gräfin  Eleonora  Forgäch,  geb.  Gräfin  Gyarkv 
v.  Losonz. 


Wassergehalt  in  100  Theilen 20-1 

Asche  in  100  Theilen 1*8 

Reducirte  Gewichtstheile  Blei 20-00 

Wärme-Einheiten 4520 


Aequivalent  einer  30"  Klafter  weichen  Holzes  sind  Centner 11 -6 

Die  Kohle  backt  ziemlich  gut,  da  sie  bituminös  ist,  ein  Umstand,  der  bei 
dieser  Kohle  als  Braunkohle  Beachtung  verdient. 

13)  Braunstein  von Mährisch-Trübau.  Eingesendet  von  Frau  Anna  Wenisch 
in  Mährisch-Trübau. 

100  Theile  enthielten: 

85-8  Procent  Mangan-Superoxyd. 

16)  Kalksteine  von  St.  Ivan  bei  Ofen.  Eingesendet  vom  Kohlenwerke  zu 
St.  Ivan. 

100  Theile  enthielten: 

Köhlens.  Kalk 99*9  97-9  96-8 

„ Magnesia 1*1  21  3-2 

17)  Erz  aus  Moldava.  Eingesendet  vom  Bergwerksbesitzer  Herrn  Karl  Klein. 

Dasselbe  besteht  aus  einem  Gemenge  von  Bleiglanz,  Kupferkies  und  Braun- 
eisenstein und  enthält : 

30-8  Procent  Blei, 

5-2  „ Kupfer. 


18)  Braunkohle  von  Berszaszka  in  der  Militärgrenze.  Eingesendet  von  Herrn 
Michael  Fuchs,  Schichtmeister  in  Berszaszka. 


Wasser  in  100  Theilen 16*6 

Asche  in  100  Theilen 2*8 

Reducirte  Gewichtstheile  Blei 20*05 

Wärme-Einheiten 4531 

Aequivalent  einer  30"  Klafter  weichen  Holzes  sind  Centner 11*6 


19)  Briquette-Cylinder  erzeugt  aus  Fiinfkirehner  Kohle.  Eingesendet  von 
Herrn  Sauerländer  in  Wien. 


Arbeiten  in  dem  chemischen  Laboratorium  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt. 


71 


Wassergehalt  in  100  Theilen j • 1 

Asche  in  100  Theilen 10*4 

Schwefel  in  100  Theilen  . 0-4 

Reducirte  Gewichtstheile  Blei 28’10 

Wärme-Einheiten 6250 


Aequivalent  einer  30"  Klafter  weichen  Holzes  sind  Centner 8*3 

20)  Braunkohlen  von  Scardona  (1.  2.),  Sebenico  (3.  4.),  und  Albona 
(3.  6.).  Eingesendet  von  k.  k.  Marine-Ober-Commando. 

1.  2.  3.  4.  5.  6. 

Wasser  in  100  Theilen 13*5  12*5  0*4  1*1  1-8  1-9 

Asche  in  100  Theilen 24*9  31*0  13-4  10-7  16*0  15*3 

Cokes  in  100  Theilen — — 49*7  50*0  52*5  52*0 

Reducirte  Gewichtstheile  Blei  13*30  12*80  21*80  22*30  20*75  21*05 

Wärme-Einheiten 3005  2892  4926  5039  4689  4757 

Aequival.  einer  30"  Klft.  weichen  Holzes  sind  Ctr.  17*4  18*1  10*6  10*4  11*1  11*0 


21)  Erze  und  Kohlenproben  aus  der  Militärgrenze.  Eingesendet  von  Herrn 
Karl  Klein,  Bergwerksbesitzer  in  Wien. 

I.  Brauneisensteine.  100  Theile  enthielten  (ungeröstet) : 

66*2 
61*2 
62*6 
44*7 

Dies  entspricht  einem  Gehalte  an  metallischem  Eisen: 

1.  46*3  Procent  Eisen.  I 3.  43*8  Procent  Eisen. 

2.  42*18  „ I 4.  31*2  „ 


Procent  Eisenoxyd. 


Banat,  Neu-Moldava  aus  dem  Griechen-Male 


II.  Silberhaltige  Bleiglanze. 

1.  ( (0*10\ 

2.  \ \0*05/ 

3.  < Banat,  Neu-Moldava,  Freischurf,  Erzbach.  <0*16)  Procent  Silber. 

4.  i 0*15l 

5.  { V0*10) 


III.  Steinkohlen  von  der  Banater-Militärgrenze,  Berszaszka. 


1.  Grube  Kosla,  Barbarastollen 

2.  Mittellaufstollen,  oberster  Abbau, 

Horizont 

3.  Grube  Kamenitza,  aus  dem  2.  Lauf  des 

Wetterschachtes 

4.  Grube  Kosla,  Barbarastollen 

5.  Kohlenschiefer 

6.  


10.  1.  Lauf  des  Coronini -Schachtes, 

nördliches  Auslängen 

11.  Grube  Kamenitza,  Karl-Zubau  ........ 

12.  Hangend-Flötz 

13.  Grube  Kosla,  Coronini-Zubau 

14.  Grube  Kamenitza,  Karl-Zubau,  südliches 

Auslängen 

15.  Grube  Kosla,  1.  Lauf  des  Coronini  Wetter- 

schachtes   

16* Coronini-Zubau,  nördl.  Auslängen. 

17.  Grube  Kamenitza,  Magdalena-Stollen  . . 


Wasser  Asche  Reducirte 

in  100  in  100  Gewiehts- 
Theilen  Theilen  theile  Blei 

0*7  11  * 1 25*75 

0*6  11*0  26*15 

0*3  6*3  29*35 

0*4  6*9  25*65 

0*6  42*0  16*45 

0*8  41*1  16*40 

1*3  48*9  13*70 

0*9  43*8  16*10 

1*1  38*2  17*25 

0*6  14*7  24*95 

0*2  5*2  28*30 

0*1  9*5  29*75 

0*2  7*7  27*75 

0*2  16*5  25*60 

0*4  10*5  27*00 

1*6  13*8  25*40 

0*3  8*9  28*20 


Aequivalent  einer 
Wärme-  30"  Klafter  wei- 
Einheiten  chen  Holzes  sind 


5819 

Centner 

9*0 

5909 

8*8 

6633 

7*9 

5796 

9*0 

3717 

14*1 

3706 

14*1 

3116 

16*8 

3638 

14*4 

3898 

13*4 

5638 

9*3 

6723 

8*2 

6723 

7*8 

6271 

8*3 

5785 

9*0 

6102 

8*6 

5740 

91 

6373 

8*2 

72 


Verzeichniss  der  Einsendungen  von  Mineralien.  Gebirgsarten,  Petrefacten  u.  s.  «r. 


III.  Verzeichnis  der  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt 
gelangten  Einsendungen  von  Mineralien,  Gebirgsarten,  Petre- 
facten u.  s.  w. 

Vom  1.  Jänner  bis  31.  December  1861. 

1)  4.  Jänner.  1 Kistchen,  15  Pfund.  Von  der  k.  k.  Gymnasial-Direction  in 
Troppau.  Gebirgsgesteinsarten. 

2)  1.  Februar.  1 Kiste,  600  Pfund.  Von  Herrn  Ed.  Kleszczynski,  Berg- 
ingenieur der  k.  k.  pr.  Nordbahngesellscliaft.  Cokes  von  Ostrau.  (Siehe  Verhand- 
lungen. Sitzung  am  26.  Februar  1861.  S.  19.) 

3)  18.  Februar.  1 Kiste,  40  Pfund.  Von  Herrn  S.  Fichtner  in  Atzgers- 
dorf.  Fossile  Thierknochen.  (Verhandlung.  Sitzung  vom  26.  Februar  1861.  S.  22.) 

4)  8.  April.  1 Kistchen,  4 Pfund,  24  Loth.  Von  Herrn  Joseph  Leinmüller, 
k.  k.  Bauassistenten  in  Gurkfeld.  Mineralien  und  fossile  Fischreste.  (Verhand- 
lungen. Sitzung  am  16.  April.  S.  53.) 

5)  17.  April.  1 Kiste,  50!/2  Pfund.  Von  Herrn  Riesen  ha  mm  er,  Arsenik- 
und  Kupferwerksbesitzer  zu  Königinhof  in  Böhmen.  Mineralien  und  Erze. 

6)  24.  April.  2 Schachteln,  25  Pfund.  Von  Herrn  Letocha,  k.  k.  Kriegs- 
commissär.  Pflanzenabdrücke  und  Versteinerungen  von  Breitensee  und  Speising. 
(Verhandlungen.  Sitzung  am  30.  April.  S.  63.) 

7)  30.  April.  2 Kisten,  139,/2  Pfund.  Von  Herrn  Zu  lieh,  k.  k.  Bezirks- 
hauptmann in  Cattaro.  Versteinerungen. 

8)  2.  Mai.  1 Kiste,  166  Pfund.  Von  Herrn  Ritter  von  Schwabenau,  k.  k. 
Hofrath,  in  Oedenburg.  Versteinerungen.  (Verhandlungen.  Sitzung  am  28.  Mai. 
S.  67.) 

9)  2.  Mai.  1 Stück,  4 Loth.  Von  Herrn  Ingenieur  Quaglio,  durch  Herrn 
Karl  Ritter  von  Hauer.  Haüynfels  von  Ditro  in  Siebenbürgen.  (Verhandlungen. 
Sitzung  am  28.  Mai.  S.  64.) 

10)  15.  Mai.  1 Schachtel,  4 Pfund.  Von  Herrn  Vincenz  Forcher  in  Ain- 
bach  bei  Knittelfeld.  Foreherit.  (Verhandlungen.  Sitzung  am  28.  Mai.  S.  65.) 

11)  14.  Juni.  1 Kistchen,  18  Pfund.  Von  Herrn  Ingenieur  August  v.  Makaj, 
in  Grosswardein.  Braunkohlen  zur  chemischen  Untersuchung.  (Verhandlungen. 
Bericht  vom  30.  Juni.  S.  74.) 

12)  18.  Juni.  1 Kiste,  40  Pfund.  Von  Herrn  Sapetza  in  Neutitschein. 
Mineralien.  (Verhandlungen.  Bericht  vom  30.  Juni.  S.  74.) 

13)  18.  Juni.  1 Packet,  5 Pfund  10  Loth.  Vom  k.  k.  General-Commando  in 
Lemberg.  Braunkohlen  aus  der  Gottessegen-Grube  zu  Glinsko.  Zur  chemischen 
Untersuchung. 

14)  19.  Juni.  1 Kistchen,  19  Pfund.  Von  der  k.  k.  Berghauptmannschaft  in 
Klagenfurt.  Braunkohlen  zur  chemischen  Untersuchung. 

15)  19.  Juni.  1 Kistchen,  2 Pfund  4 Loth.  Von  Herrn  Miorini  v.  Seben- 
tenberg,  in  Warasdin.  Bleiglanz  zur  chemischen  Untersuchung. 


Verzeichniss  der  Einsendungen  von  Mineralien,  Gebirgsarten,  Petrefacten  u.  s.  vv. 


73 


16)  10.  Juli.  1 Kiste,  73  Pfund.  Von  Herrn  Dr.  Ferd.  Müller  in  Melbourne, 
durch  den  k.  k.  Professor  Herrn  Dr.  v.  Hochstetter.  Versteinerungen.  (Verhand- 
lungen. Bericht  vom  31.  Juli.  S.  80.) 

17)  12.  Juli.  2 Kistchen,  62  Pfund.  Vom  k.  k.  Marine-Obercommando  in 
Triest.  Fossile  Kohlen  zur  chemischen  Untersuchung. 

18)  18.  Juli.  1 Kistchen,  18  Pfund.  Von  Herrn  Pfarrer  Marys  ka  in  Lieb- 
stadt. Versteinerungen.  (Verhandlungen.  Bericht  vom  31.  Juli.  S.  80.) 

19)  27.  Juli.  1 Schachtel,  6 Loth.  Von  Herrn  M.  Po llak  in  Agram.  Zinno- 
bererze. 

20)  9.  August.  1 Kistchen,  28  Pfund  12  Loth.  Von  Herrn  F.  Schott,  k.  k. 
Bergmeister  in  Jaworzno.  Mineralien.  (Verhandlungen.  Bericht  vom  31.  August. 
S.  85.) 

21)  10.  August.  1 Kiste  und  1 Schachtel,  135  Pfund.  Von  Herrn  Sapetza 
in  Neutitschein.  Mineralien.  (Verhandlungen.  Bericht  vom  31.  August.  S.  86.) 

22)  16.  August.  1 Kistchen,  3 Pfund.  Von  Herrn  Professor  Dr.  A.  Breit- 
haupt zu  Freiberg  in  Sachsen.  Mineralien.  (Verhandlungen.  Bericht  vom 
31.  August.  S.  86.) 

23)  23.  August.  1 Kistchen,  6 Pfund  2 Loth.  Von  Herrn  Baron  von  Merck 
in  Hamburg.  Mineralien.  (Verhandlungen.  Bericht  vom  31.  August.  S.  86.) 

24)  26.  September.  2 Kisten,  189  Pfund.  Von  Herrn  Dr.  Müller  zu  Mel- 
bourne in  Australien.  Mineralien. 

25)  1.  October.  1 Kiste,  165  Pfund.  Von  Herrn  K.  Feistmantel,  Hütten- 
meister zu  Bras  bei  Rokitzan.  Fossile  Pflanzenreste  aus  dem  Radnitzer  Steinkohlen- 
becken. 

26)  8.  October.  3 Packete,  30  Pfund.  Von  Herrn  Boucher  de  Perthes 
in  Abbeville.  Versteinerungen,  Antiquitäten  u.  s.  w.  (Verhandlungen.  Sitzung  vom 
19.  November.  S.  103.) 

27)  8.  October.  2 Kisten,  181  Pfund.  Von  den  Herren  Director  J.  Krejcf 
und  Custos  Dr.  J.  Fritsch  in  Prag.  Versteinerungen  aus  der  böhmischen  Silur- 
formation. (Verhandlungen.  Sitzung  vom  17.  December.  S.  127.) 

28)  10.  October.  1 Kistchen,  36  Pfund.  Von  der  k.  k.  Schwefelwerks-Ver- 
waltung  in  Radoboj.  Mineralien  (Schwefelkugeln). 

29)  25.  October.  2 Kisten,  109  Pfund.  Vom  k.  k.  Bergamte  in  Auronzo. 
Mineralien. 

30)  25.  October.  1 Kiste,  32  Pfund.  Von  der  k.  k.  Verpflegsverwaltung  zu 
Theresienstadt  in  Böhmen.  Steinkohlen  zur  chemischen  Untersuchung. 

31)  28.  October.  1 Schachtel,  l1/ 4 Pfund.  Von  Frau  Josephine  Kablik 
zu  Hohenelbe.  1 Stück  Versteinerungen.  (Verhandl.  Sitzung  vom  3.  Dec.  S.  118.) 

32)  28.  October.  1 Schachtel,  1 Pfund  9 Loth.  Von  der  k.  k.  Berghaupt- 
mannschaft in  Komotau.  Versteinerungen.  (Verhandl.  Sitzung  vom  3.  Dec.  S.  1 18.) 

33)  6.  November.  2 Kisten,  250  Pfund.  Vom  k.  k.  Bergoberamte  zu  Joa- 
chimsthal. Mineralien  und  Hüttenproducte  !). 

34)  6.  November.  3 Kisten,  1050  Pfund.  Von  der  k.  k.  Berg-,  Forst-  und 
Güterdirection  in  Schemnitz.  Eisensorten  u.  s.  w.  *) 

35)  6.  November.  3 Kisten,  550  Pfund.  Von  Herrn  Kohlenagenten  Gier- 
sig  in  Wien.  Muster  sämmtlicher  in  Wien  verkäuflicher  Stein-  und  Braun- 
kohlen !). 


0 Für  die  Ausstellung  während  der  berg-  und  hüttenmännischen  Versammlung  in  Wien 
eingesendet  und  dann  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  freundlichst  als  Geschenk 
überlassen. 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  186!  und  1862.  I.  Heft. 


10 


74 


Verzeichniss  der  Einsendungen  von  Mineralien,  Gebirgsarten,  Petrefacten  u.  s.  w. 


36)  6.  November.  2 Kisten,  450  Pfund.  Von  Herrn  Bergdirector  Andree 
in  Witkowitz.  Steinkohlen  und  Cokes  *)• 

37)  6.  November.  1 Kiste,  40  Pfund.  Von  Herrn  Fr.  Riegel  in  Fünf- 
kirchen. Muster  von  gepressten  Steinkohlen  *). 

38)  6.  November.  1 Kiste,  50  Pfund.  Von  Herrn  k.  k.  Professor  A.  Miller 
von  Hauen fels  in  Leoben.  Chromeisensteine  *)• 

39)  6.  November.  1 Kiste  und  1 Fass,  40  Pfund.  Von  Herrn  Director  K.  A. 
Frey  in  Store.  Hydraulischer  Kalk  und  feuerfeste  Ziegel  1 ). 

40)  12.  November.  1 Kiste,  75  Pfund.  Von  Herrn  Bergverwalter  H.  Becker 
in  Komorau.  Stufen  von  den  Giftberger  Zinnobererzgängen  und  Versteinerungen. 

41)  20.  November.  1 Schachtel,  1 Pfund  10  Loth.  Von  Herrn  Sapetza  in 
Neutitschein.  Mineralien  und  Versteinerungen.  (Verhandlungen.  Sitzung  vom 
3.  December.  S.  118.) 

42)  20.  November.  1 Schachtel,  3 Pfund.  Von  Herrn  Bauingenieur  Bi e fei 
in  Kremsier,  durch  Herrn  Bergrath  Lipoid.  Fossile  Thierreste. 

43)  20.  November.  1 Packet,  \'/2  Pfund.  Von  Herrn  Fr.  Foith  in  Anna- 
berg,  durch  Herrn  Bergrath  Lipoid.  Fossile  Knochen  und  Gypse,  letztere  zur 
chemischen  Untersuchung. 

44)  21.  November.  1 Packet,  2 Pfund.  Von  Herrn  Fortunat  Müllner,  Be- 
zirksarzt in  Radmannsdorf.  Mineralien  und  Versteinerungen.  (Verhandlungen. 
Sitzung  vom  3.  December.  S.  118.) 

45)  26.  November.  1 Kistchen,  34  Pfund.  Vom  k.  k.  Feldjäger-Bataillon 
Nr.  1 zu  Kaaden.  Braunkohlen  zur  chemischen  Untersuchung. 

46)  26.  November.  1 Kistchen,  22  Pfund.  Von  Herrn  Baron  von  Merck  in 
Hamburg.  Mineralien.  (Verhandlungen.  Sitzung  vom  3.  December.  S.  118.) 

47)  29.  November.  1 Kistchen,  6 Pfund.  Von  k.  k.  Hüttenchemiker  in 
Joachimsthal,  Herrn  A.  Patera.  Proben. 

48)  30.  November.  2 Kistchen,  56  Pfund.  Von  Herrn  Kornhuber,  k.  k. 
Professor,  aus  Pressburg.  Versteinerungen. 

49)  30.  November.  1 Schachtel,  4 Pfund.  Von  Herrn  Bergverwalter  Cajetan 
Mayer  in  Pilsen,  durch  die  k.  k.  Berghauptmannschaft  daselbst.  Eisensteine. 

50)  4.  December.  1 Kistchen,  10  Pfund  4 Loth.  Von  Herrn  Professor 
Dr.  Braun  in  Bayreuth.  Fossile  Pflanzenreste. 

51)  Einsendungen  aus  den  Aufnahmsstationen  der  Herren  Geologen,  und 
zwar  von  der 

I.  Section:  23  Kisten,  7 Packete,  zusammen  712  Pfund. 

II.  * 2 * 2 „ „ 423  „ 

III.  21  „ 14  „ „ 1122  „ 

IV.  „ 20  „ 17  „ „ 1712  * 

Noch  trafen  Einsendungen  von  Stein-  und  Braun-Kohlenmustern  für  die  von 
der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  angemeldete  Ausstellung  bei  der  Londoner 
Industrie-Ausstellung  im  Jahre  1862  ein.  Eine  Gesammt-Uebersicht  derselben 
wird  im  nächsten  Verzeichnisse  der  Einsendungen  mitgetheilt  werden. 


*)  Für  die  Ausstellung  während  der  berg-  und  hüttenmännischen  Versammlung  in  Wien 
eingesendet  und  dann  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt  freundlichst  als  Geschenk 
überlassen. 


Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher,  Karten  u.  s.  w.  75 


IV.  Verzeichntes  der  an  die  k.  k.  geologische  Reichsanstalt 
eingelangten  Bücher,  Karten  u.  s.  w. 


Vom  1.  Jänner  bis  31.  Deeember  1861. 


Abbeville.  Societe  imp.  d’emulation.  Memoires  1836 — 1852. 

Agram.  Realschule.  Programm  für  1861. 

„ K.  k.  Ackerbaugesellschaft.  Gospodarski  List.  1861.  Nr.  1. 

Arkansas.  Staatsregierung.  Second Report  of  a geological  Reconnoissance  of  the  Sou- 
thern and  Middle  Counties  of  Arkansas,  made  during  the  year  1859  and  1860. 

Augsburg.  Naturhistorischer  Verein.  14.  Bericht.  1861. 

Balla,  Karl,  in  Pötharaszt.  Meteorologisches,  Stürme.  1861. 

Barnard,  F.  A.  P.,  Präsident  der  Universität  Oxford,  Mississippi.  Report  on  the  History  and 
Progress  of  the  American  Coast  Survey  up  to  the  year  1858. 

Barrande,  Joachim,  in  Prag.  Remarks  on  the  Fauna  of  the  Quebec  group  of  rocks  and  the 
Primordial  zone  of  Canada  by  Sir  W.  E.  Logan.  Montreal  1861.  — On  the  Primordial 
Fauna  and  the  Taconic  System.  With  additional  Notes  by  J.  Marco  u.  Boston  1861.  — 
Documents  anciens  et  nouveaux  sur  la  faune  primordiale  et  le  Systeme  Taconique  en 
Amerique.  Paris  1861.  — Defense  des  colonies  I.  groupe  probatoire  comprenant:  la 
colonie  Haidinger,  la  colonie  Kr ejci  et  la  coulee  K rej  ci.  Prague  1861. 

Batavia.  Naturwissenschaftlicher  Verein.  Natuurkundig  Tijdschrift  XX — XXII. 
(4.  Ser.  VI.  4—6;  5.  Ser.  I,  II,  1,  2).  1860. 

Belgrad.  Serbischer  literarischer  Verein.  rJLACHMK.  XII.  XIII.  1860,  1861. 

Berlin.  Kön.  Handel  sministerium.  Zeitschrift  für  das  Berg-,  Hütten-  und  Salinen- 
wesen in  dem  preuss.  Staate.  VIII.  4.  1860.  IX.  1 — 3,  1861.  — Die  baulichen  Anlagen 
auf  den  Berg-,  Hütten-  und  Salinenwerken  in  Preussen.  Dargestellt  von  Schönfelder. 
1.  Jahrg.  1.  Lief.  Atlas  mit  4 Taf.  Berlin  1861. 

„ Deutsche  geologische  Gesellschaft.  Zeitschrift.  XII.  Band  2.-4.  Heft  1860; 
XIII.  1. 1860/61. 

„ Gesellschaft  für  Erdkunde.  Zeitschrift  für  allgemeine  Erdkunde.  N.  F.  IX.  Bd. 
4.  Hft.  1861. 

Bern.  Allgemeine  schweizerische  Gesellschaft.  Neue  Denkschriften.  Band  XVII, 
XVIII.  1860/61.  — Mittheilungen,  43,  44.  Versammlung  in  den  Jahren  1858,  1860. 

„ Naturforschende  Gesellschaft.  Mittheilungen  aus  den  Jahren  1858 — 1860. 
Nr.  408-468. 

Biancont,  Joseph,  Professor  an  der  Universität  in  Bologna.  Nuovi  annali  di  scienze  na- 
turali.  Ser.  III.  T.  X.  Fase.  11  e 12. 

Binkhorst  van  den  Binkhorst,  Jonkh  J.  T.  in  Mastricht.  Monographie  des  gastero- 
podes  et  des  Cephalopodes  de  la  craie  superieure  du  Limbourg  etc.  Bruxelles  1861. 

Blum,  Georg,  Secretär  am  k.  k.  österreichischen  General-Consulate  zu  Hamburg.  Das  Welt- 
meer. No.  1-52,  1860/61 ; No.  1—2,  1861/62. 

Bogota,  Sociedad  des  Naturalistas  Neo  Granadinos.  Boletin.  F.  3 — 8,  p.  23—106. 

Bonn.  Naturhistorischer  Verein.  Verhandlungen.  XVII.  1,  2,  1860. 

Bosten.  O effentliehe  Bibliothek.  Eighth  Annual  Report  of  the  Trutees  of  the  public 
Library  of  the  city  of  Boston  pres.  Nov.  14.  1860. 

„ Society  of  natural  history.  Proceedings.  Vol.  VII,  Fol.  16.  to  end  1860;  Vol.  VIII, 
F.  1—4.,  1861. 

„ American  academy  of  arts  et  Sciences.  Proceedings.  Vol.  IV.  Fol.  32  to  end 
1857/60;  Vol.  V.,  F.  1—30,  1860/61. 

Botzen.  K.  k.  Gymnasium.  XI.  Programm  für  1861. 

Boucher  de  Perthes,  Präsident  der  Societe  imp.  d’emul.  in  Abbeville.  Antiquites  celtiques 
et  antediluviennes.  T.  II.  Paris  1857.  — De  la  creation.  Essai  sur  l’origine  et  la  progression 
des  etres.  T.I — V,  Paris  1841.  — Hommes  et  choses,  alphabet  des  passions  et  des  sensa- 
tions.  Esquisses  et  moeurs  faisant  suite  au  petit  glossaire.  I — IV,  Paris  1851.  — Les 

10* 


76  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher,  Karten  u.  s.  w. 

masques:  biographies  sans  nom.  Portraits  de  mes  connaissances  dedies  ä mes  amis.  Pro- 
spectus.  Paris  1862.  — Chants  armoricains  ou  Souvenirs  de  Basse  Bretagne.  2.  edit, 
Paris  1831.  — Antiquites  diluviennes.  Reponse  a MM.  les  antiquaires  et  geologues  pre- 
sents  aux  assises  archeologiques  de  Laon.  Amiens  1859.  — De  l’homme  antediluvien  et 
de  ses  oeuvres.  Paris  1860.  — De  la  femme  dans  l’etat  social;  de  son  travai!  et  de  sa 
remuneration.  Discours.  Abbeville  1860.  — Sur  les  silex  tailles  trouves  dans  le  diluvium 
du  Departement  de  la  Somme.  Remarques  etc.  — Reponse  aux  observations  faites  par 
M.  E.  Robert  sur  ie  diluvium  du  Departement  de  la  Somme.  — Voyage  en  Russie,  retour 
par  la  Lithuanie,  la  Pologne,  la  Silesie  etc.  en  1856.  Paris  1859.—  Voyage  en  Espagne  et 
en  Algerie  en  1855.  Paris  1859.  — Voyage  enDanernarck,  en  Suede,  en  Norwege  par  la 
Belgique  et  la  Hollande  etc.  Paris  1859.  —Voyage  ä Constantinople  parl’Italie,  laSicile  et 
laGrece  etc.  Paris  1855.  — Archeologie.  Hachettes  diluviennes  du  Bassin  de  la  Somme. 
Rapport  adresse  a M.  le  Senateur  Prefet  de  la  Seine-inferieure  par  M.  C.  Abb.  Cochet. 
Paris  1860.  — Notice  sur  les  objects  d’arts  trouves  dans  le  diluvium.  1860,  par  S.  Fer- 
guson fils.  Amiens  1860.  — Origine  du  libre  echange  par  S.  Ferguson  fils.  Amiens 
1861.  — Observations  sur  un  instrument  en  silex  recemment  decouvert  dans  un  banc  de 
gravier  ä St.  Acheul  pres  Amiens  par  M.  John  W.  Fl  o wer,  communiquees  par  Jos. 
Pr  estwi  ch.  1859.  — Antiquites  antediluviennes  par  J.  Ch  antrel.  1859.  — Antiquites 
antediluviennes  recemment  trouvees  en  France  et  en  Angleterre.  Par  E.  Pravond. 

1859.  — Antiquites  antediluviennes.  L’homme  fossile.  — L’homme  fossile.  — La  decou- 
verte  des  haches  celtiques,  par  F.  de  Saul  cy.  — Contemporaneite  du  l’espece  humainc 
et  les  diverses  especes  animales  aujourd’hui  eteintes.  1859. 

Donation  de  M.  Boucher  de  Crevecoeur  de  Perthes  ä la  ville  d’Abbeville.  — Fon- 
dation  de  M.  Boucher  de  Crevecoeur  de  Perthes.  1861. 

Bregenz.  Vorarlberger  Museums-Verein.  3.  Rechenschafts-Bericht.  1861. 
Breithaupt,  Aug.,  Professor  an  der  kön.  Bergakademie  in  Freiberg.  Merkwürdig  ähnliche 
Paragenesis  mehrerer  natronhaltigen  Mineralien  von  verschiedenen  Fundorten. 
Breslau.  Schlesischer  Verein  für  Berg-  und  Hüttenwesen.  Wochenschrift. 

1860.  Nr.  52.  1861,  Nr.  1-51. 

„ Schlesische  Gesellschaft  für  vaterländische  Cultur.  38.  Jahresbericht  für 

1860.  Abhandlungen.  Abtheilung  für  Naturwissenschaften  und  Medicin.  1861.  Hft.  1,2; 
philosophisch-historische  Abtheilung.  1861,  1.  — Die  fossile  Fauna  der  sibirischen  Dilu- 
vialgebilde von  Sadewitz  bei  Oels  in  Niederschlesien.  Von  Dr.  Ferd.  Roemer.  Breslau 

1861. 

Brixen.  K.  k.  Gymnasium.  11.  Programm  für  das  Schuljahr  1861. 

Brody.  Handels- und  Gewerbekammer.  Bericht  über  den  Zustand  des  Handels,  der 
Gewerbe  und  der  Verkehrsverhältnisse  in  den  Jahren  1857 — 1860. 

Bronn,  Dr.  H.  G.,  Professor  an  der  grossherz.  Universität  in  Heidelberg.  Essai  d’une  reponse  ä 
la  question  de  prix  proposee  en  1850  par  l’Academie  des  Sciences  pour  le  concours  de 
1853  et  puis  remise  pour  celui  de  1856  savoir:  Etudier  les  lois  de  la  distribution  des 
corps  organises  fossiles  dans  les  differents  terrains  sedimentaires  suivant  l’ordre  de  leur 
Superposition  etc.  etc.  Paris  1861. 

Brünn.  K.  k.  Mähr,  schles.  Gesellschaft  fü  r Ackerbau-,  Natur-  und  Landes- 
kunde. Mittheilungen.  1861.  No.  1 — 51.  — Historiseh-statistishe  Section. 
Schriften.  XIII.  Band.  1860. 

Brüssel.  Kön.  Akademie  der  Wissenschaften.  Bulletins.  IX,  X,  1860.  — Memoires. 
B XXXII,  1861.  — Annuaire  1861. 

Brüx.  K.  k.  Ober-Gymnasium.  Jahresbericht  für  das  Schuljahr  1861. 

Büchner,  Dr.  Otto,  Professor  an  der  Universität  in  Giessen.  Versuch  eines  Quellen-Verzeich- 
nisses zur  Literatur  aller  Meteoriten,  Frankfurt  a.  M.  1861. 

Calcutta.  Geological  Survey  oflndia.  Memoirs.  Vol.  II,  Part.  2.  — Annual  Report 
for  the  year  1859/60. 

„ Asiatic  Society  of  Bengal.  Journal.  No.  1,  2 de  1861. 

Cambridge.  American  Association  for  the  advancement  of  Science.  Procee- 
dings.  Vol.  XIV,  1860. 

Cassel.  Verein  für  Naturkunde.  Bericht  über  die  Thätigkeit  vom  Jahre  1837  bis 
1860. 

Chemnitz.  K.  Gewerbeschule.  Programm  für  1861. 

Cherbourg.  Soeiete  imp.  des  Sciences  naturelles.  Memoires.  T.  VII,  1859. 
Chili.  Universität.  Anales.  Entr.  1 — 12  del  anno  de  1859.  — Noticia  sobre  el  terreno 
carbonifero  de  Coronel  J.  Lota,  i sobre  los  trabajos  de  l’esplitacion  en  el  emprendidos. 
Por  D.  Paul,  del  Barr  io.  Santiago  1857. 

Christiania.  Kön.  Universität.  Bemserkninger  angaaende  graptolitherne  af  Chr. B o e c k. 
Christiania  1861.  — Ueber  den  Erzdistrict  Kongsbergs  von  Th.  Kjerulf  u.  T.  Dali  11. 


Verzeichntes  der  an  die  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  eingclangten  Bücher,  Karten  u.  s.  w.  77 


Deutsch  von  W.  Christoph  er  sen.  Christiania  1860.  — Ueber  die  Geologie  Tellemar- 
kens  von  T.  Dahl  1.  Deutsch  von  Christophersen.  Christiania  1860.  — Forscatte  • 
Jagttagelser  over  de  erratiske  Phaenomener.  Af  J.  C.  Hörby  e.  — Observations  sur  les 
phenomenes  d’erosion  en  Norwege,  recueillies  par  J.  C.  Hörbye.  Christiania  1857.  — 
Das  Christiania-Silurbecken  chemisch-geognostisch  untersucht  von  Th.  Kjerulf. 
Herausg.  von  A.  Strecker.  Christiania  1855.  — Jagttagelser  over  den  Postpliocene 
eller  glaciale  formation  en  del  af  det  Sydlige  norge.  Af  Prof.  Dr.  Sars  og  lector 
Th.  Kjerulf.  Christiania  1860.  — Nyt  Magazin  for  Naturvidenskaberne.  XI.  Bd., 
2.  Hft.,  1860. 

Chur.  Naturforschende  Gesellschaft.  Jahresbericht.  N.  F.  VI.  Jahrg.,  1858/60. 

Clausthal.  K.  Berg-  und  Forstamt.  Grundriss  und  Saiger-Riss  vom  1.,  2.  und  3. 
Burgstädter  Gruben-Reviere.  — Grundriss  und  Saiger-Riss  vom  4.  Burgstädter  Gru- 
ben-Reviere  und  vordem  Zellerfelder  Haupt-Zuge.  — Grundriss  und  Saiger-Riss  vom 
hintern  Zellerfelder  Hauptzuge.  — Grundriss  und  Saiger-Riss  vom  Zellerfelder  Haupt- 
zuge und  Burgstädter  Gruben-Reviere.  — Graphische  Darstellung  des  Ganges  der  Wit- 
terung auf  dem  Harz  am  l.December  1854  bis  1.  December  1859.  Nach  den  zu  Clausthal 
angestellten  meteorologischen  Beobachtungen  entworfen  von  C.  L.  School. 

Columbia.  Theological  Seminary.  Catalogue  of  the  Officiers  and  Students  for  the 
year  1860 — 61. 

v.  Cotta.  B.,  Professor  an  der  k.  Bergakademie  in  Freiberg.  Die  Goldlagerstätten  von  Vörös- 
patak  in  Siebenbürgen.  — Die  Erzlagerstätten  von  Nagyäg  in  Siebenbürgen. 

Czernowitz.  K.  k.  Gymna  sium.  Programm  für  das  Schuljahr  1861. 

Czoernig.  Freih.  v.,Dr.  Karl,  Exc.,  in  Wien.  Statistisches  Handbüchlein  für  die  österreichische 
Monarchie.  I.  Jahrg.  2.  Aufl.  Wien  1861. 

Danzig.  Naturforschende  Gesellschaft.  Neueste  Schriften.  VI.  Band,  2,  3.  Hft. 

1861. 

Darmstadt.  Verein  für  Erdkunde.  Notizblatt.  II.  Jahrg.  No.  32 — 40, 1859/60.  III.  Jahrg. 
1860/61. 

„ Mittelrheinischer  geologischer  Verein.  Geologische  Specialkarte  des  Gross- 
herzogthums Hessen  etc.  Section  Dieburg,  geolcg.  bearb.  von  F.  Becker  u.  R.  Lud- 
wig. 1861. 

Daubree,  Professor  in  Strassburg.  Experiences  sur  la  possibilite  d’une  infiltration  eapillaire 
au  travers  des  matieres  poreuses,  malgre  une  forte  contrepression  de  vapeur;  applica- 
tions  possibles  aux  phenomenes  geologiques.  Paris  1861. 

Dawson,  J.  W-,  in  Montreal.  On  the  Silurian  and  Devonian  Rocks  of  Nova  Scotia. 

Delesse,  Professor  der  Geologie  zu  Strassburg.  De  l’azote  et  des  matieres  organiques  dans 
l’ecorce  terrestre.  Paris  1861.  — Etudes  sur  le  mefamorphisme  des  roches.  Oeuvre  cou- 
ronne  par  l’Academie  des  Sciences.  Paris  1861.  — Rapport  des  MM.  D eiesse,  Beaulieu 
et  Yvert  nommes  experts  par  le  conseil  de  Prefecture  de  la  Seine  au  sujet  de l’inondation 
souterraine  qui  s’est  produite  dans  les  quartiersNord  de  Paris  en  1856.  Neuilly  1861.  — 
Carte  geologique  souterraine  de  la  ville  de  Paris  publiee  d’apres  les  ordres  de  M.  le  Bar. 
C.  E.  Haussmann  Senateur  etc.  et  executee  par  Mr.  Delesse  etc.  1858.  — Ville  de 
Paris.  Service  municipal.  Inspection  generale  des  earrieres.  — Carte  hydrologique  de 
la  ville  de  Paris  etc. 

Dijon.  Academie  imp.  des  scienees.  Memoires  Ser.  II.  T.  VIII.  Ann.  1860. 

Dorpat.  K.  Universität.  Index  scholarum  1859.  — De  Balsami  Copaivae  cubebarumque 
in  urinam  transitu.  Diss.  auct.  E.  Bergmann  1859.  — Disquisitiones  pharmacologicae 
de  Senna.  Diss.  auct.  A.  Fudakowski.  1859.  — Die  Lehre  von  der  Erpressung.  Abh. 
von  C.  Hartmann.  1859.  — Zur  Lehre  von  dem  Indicien-Beweise  nach  gemeinem 
u.  livländischem  Rechte.  Abh.  von  A.  P.  Grass.  1859.  — De  succi  pancreatici  ad 
adipes  et  albuminates  vi  atque  effectu.  Diss  auct.  A.  Skrebitzki.  1859.  — Disquisi- 
tiones pharmacologicae  de  aloe.  Diss.  auct.  M.  de  Cube,  1859.  — De  cornu  Ammonis 
textura  disquisitiones  praecipue  in  cuniculis  institutae.  Diss.  auct.  G.  Kupfer  1859. 
— De  A.  Cremutio  Cordo  commentatio  auct.  C.  Rathlef.  1859.  — Ergebnisse  der  oph- 
thalmoskopischen Untersuchung  des  menschlichen  Augenhintergrundes  im  physiologi- 
schen Zustande.  Abh.  von  Ed.  Schmidt  1859.  — Meletemata  de  Hydrargyri 
effectu.  Diss.  auct.  J.  J.  Seek.  1859.  — De  rationibus  compensantibus  in  cordeae 
groto.  Diss.  auct.  Dr.  G.  Reyher.  1859.  — Disquisitiones  pharmacologicae  de  asa 
foetida  et  Galbano.  Diss.  auct.  C.  Semmer.  1859.  — De  Scaphirhyncho  Rafinescii  dis- 
quisitiones anatomicae.  Diss.  auct.  G.  G.  Brutzer.  1859.  — Ein  Beitrag  zur  Histologie 
des  Rückenmarkes.  Diss.  v.  E.  v.  B ochmann.  1859.  — Ueber  die  unterhäutige  Tren- 
nung des  Kaumuskels.  Abh.  von  Dr.  H.  Kühne,  1860.  — Ein  Beitrag  zur  Blasenstein- 
krankheit und  zum  Seitenblasensehnitte  mit  besonderer  Berücksichtigung  der  durch 
diese  Operation  erzeugten  Harn-Mastdarmfistel.  Diss.  von  Fr.  Hohlbeck.  1860,  — 


78  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  gedog.  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher,  Karten  u.  s.  w. 

Ueber  Verknöcherung  und  Verrindung  des  Muskel-  und  Sehnengewebes.  Diss.  von  E. 
Bushak.  1860.  — Die  Elephantiasis  graecorum  in  den  Ostseeprovinzen  Russlands. 
Abh.  von  C.  Rogenhagen  1860.  — Untersuchungen  über  die  Textur  der  Lymph- 
drüsen.  Diss.  von  P.  Walter.  1860.  — Die  väterliche  Gewalt  und  ihre  Beziehung 
zum  Vermögen  der  Kinder  nach  Rigaschem  Standrechte.  Abh.  von  W.  Kieseritzky. 

1860.  — Ueber  den  Begriff  des  Besitzes  nach  römischen  Rechte.  Abh.  von  0.  v. 
Schmidt.  1860.  — Der  Druckverband  bei  Ophthalmoblennorrheen  neonatorum.  Diss. 
von.  Seb.  Ritter.  1860.  — Ueber  den  Einfluss  der  Milchsäure  auf  das  Endocardium. 
Diss.  von  C.  Rauch  1860.  — Untersuchungen  über  das  Dünndarm-Epithelium  und 
dessen  Verhältniss  zum  Schleimhautstroma.  Diss.  von  Ad.  Wiegandt.  1860.  — 
Ueber  einige  scharfe  Stoffe  und  die  Einwirkung  derselben  auf  eiweissartige  Körper. 
Diss.  von  C.  Eberbach.  1860. — Untersuchungen  über  die  Entwickelung  der  quer- 
gestreiften Muskelfaser.  Abh.  v#n  E.  Moritz  1860.  — Ueber  die  mechanische  Dispo- 
sition zur  Varicocele.  Abh.  von  J.  Schulz.  1860.  — Die  fibrösen  Geschwülste  des 
Schädelgrundes.  Abh.  von  E.  B eggro  w.  1860.  — Ueber  den  vorzugsweise  wirksamen 
Bestandtheil  des  schwarzen  Pfeifers.  Abh.  von  J.  C.  Neumann  1860.  — Experimen- 
telle Untersuchungen  über  den  Lymphstrom.  Diss.  von  W.  Weiss.  1860.  — Experi- 
mentelle Untersuchungen  über  lie  Beziehung  des  Halsstranges  des  Sympathicus  zur 
Temperatur  des  Kaninchenohres.  Abh.  von  A.  Albanus.  1860.  — Ueber  Resectionen 
des  Oberkiefers,  ausgeführt  von  J.  F.  Heyfelder.  Diss.  von  P.  Seil  heim.  1860. 

— Ein  Beitrag  zur  Lehre  von  1er  Probabilität  der  Heilung  Geisteskranker,  zunächst 
nach  den  statistischen  Ergebnissen  der  Irren-,  Heil-  und  Pflegeanstalt  Preobrashensk  zu 
Moscau.  Diss.  von  E.  Fick.  186(1.  — Versuch  einer  Kritik  der  orthopaedischen  Heilme- 
thoden bei  Gelenkverkrümmungen  der  Extremitäten  mit  besonderer  Berücksichtigung 
der  Tenotomie.  Abh.  v.  J.  Plicatus.  1860.  — Ueber  den  Uebergang  von  Metall- 
salzen in  die  Galle.  Diss.  von  E.  Wiehert.  1860.  — Beiträge  zur  Histologie  der 
Binde  des  grossen  Gehirns.  Diss.  von  E.  Stephan y.  1860.  — Biostatik  der  Stadt 
Dorpat  und  ihrer  Landgemeinde  in  den  Jahren  1834 — 1859.  Abh.  von  F.  Huebner 

1861.  — Beiträge  zu  der  Frage  über  die  Glycosurie  der  Schwangeren,  Wöchnerinnen 
und  Säugenden.  Diss.  von  H.  «wanoff.  1861.  — Die  Knochenauswüchse  der  Augen- 
höhle. Diss.  von  E.  Grünhoff.  1861.  — Ueber  die  Wassersucht  der  Schleimbeutel 
und  Sehnenscheiden.  Abh.  voi  Fr.  Baumgardt.  1861.  — Pharmacologische  Unter- 
suchungen über  Ammoniacum,  Sagapenum  und  Opoponax.  Diss.  von  Fr.  Przecis- 
zewski.  1861.  — Allgemeine  Bemerkungen  zu  den  Hernien  und  Laparotomie  mit  Darm- 
implantation. Diss.  von  F.  A.  Haken  1861.  — Mittheilungen  aus  der  chirurgischen 
Klinik  der  kais.  Universität  zu  Dorpat  im  Jahre  1859.  Von  A.  Braun.  1861.  — Studien 
über  den  Einfluss  der  bedeutendsten  medicinischen  Systeme  älterer  und  neuerer  Zeit 
auf  die  Pharmacologie.  1.  Abfh.  Abh.  von  G.  F.  Poelchau.  1861. 

Dorpat*  Naturforscher  Veiein.  Archiv  für  die  Naturkunde  Liv-,  Esth-  und  Kur- 
lands. II.  Ser.  Biologische  Naturkunde.  Bd.  II.  III.  1860. 

Dresden*  K.  Polytechnische  Schule.  Programm  zu  den  am  18/20.  März  1861  zu 
haltenden  Prüfungen. 

Dublin*  Royal  Society.  Journal.  July — October  1860.  No.  XVIII.  et  XIX. 

„ Geological  Society.  Journal.  Vol.  III.  1857/60. 

„ Redaction  der  Natural  History  Review,  a quarterly  Journal  of  biological 
Science  1861.  N.  1. 

Dunkerque*  Societe  pour  l’encouragement  des  Sciences,  des  lettres  et  des  ! 
arts.  Memoires.  Vol.  VII.  1860/61. 

Eüdinburg*  Royal  Society.  Transaetions  XVIII — XIX.  1.  2.  1848/50.  (Makerston 
magnetical  and  meteorological  observations  for  1844/46.),  XX.  1 — 4 for.  1849 — 1853, 
XXI.  1—4  for  1853—1857,  XXII.  1—2  for  1858—1860,  Supplement.  (Appendix  to  the 
Makerston  magnet.  and  meteorol.  observations)  1860.  — Proceedings.  Sess.  1859/60.  ! 

Ellbogen*  0 berreal schule.  Jahresbericht  für  das  Schuljahr  1861. 

Emden,  Naturforschende  Gesellschaft.  46.  Jahresbericht.  1860.  — Kleine  Schrif- 
ten. VIII.  1861. 

Eürdmann,  0.  L.,  Professor,  in  Leipzig.  Journal  für  pVaktische  Chemie.  81.  Bd.  5 — 8.  Hft. 
1860;  82.  Bd.  und  83.  Bd.  Hft.  1—8;  1861.  Bd.  84.  Hft.  1-2. 

Elrlau*  K.  k.  Gymnasium.  Programm.  1860.  — Schematismus  sacri  et  exemti  ordinis 
Cisterciensis.  Abb.  B.  M.  V.  etc.  1861. 

St*  Eltievine*  Societe  de  l’industrie  minerale.  Bulletin.  I.  VI.  1 — 3.  Livr.  1860. 

Favre,  Alphons,  Professor  in  Genf.  Notice  sur  la  reunion  extraordinaire  de  la  societe 
geologique  de  France  ä St.  Jean  de  Maurienne  (Savoie)  le  1.  Septembre  1861.  — 1 
Note  sur  le  terrain  houiller  et  sur  le  terrain  nummulitique  de  la  Maurienne.  1861 

E'eldkirch*  K.  k.  Gymnasium.  Programm  für  das  Schuljahr  1860/61. 

* - •Mri  ; 

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Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geoiog.  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher,  Karten  u.  s.  w.  79 


Feltre.  K.  k.  Lyce  al-Gymnasium.  Programma  per  l’anno  Scolastico  1861. 

Fiedler,  Leopold,  k.  k.  Bergrath,  Inspector  der  K.  F.  Nordbahn  in  Mähr.  Ostrau.  lieber- 
sichtskarte  des  Prziwoser  und  Hruschauer  Kohlenbergbaues  bei  Mähr.  Ostrau  (Man.). 

Florenz.  Aceademia  dei  Georgofili.  Rendiconti.  Tr.  IV.  Anno  II.  disp.  1 — 5. 
de  1861. 

Frankfurt  a.  M.  Senkenbergische  naturforschende  Gesellschaft.  Abhand- 
lungen. III.  2.  1861. 

„ Phys  icalischer  Verein.  Jahresbericht  für  1859/60. 

Freiberg.  K.  Ober-Bergamt.  Jahrbuch  für  den  Berg-  und  Hüttenmann  auf  1861. 

Freiburg.  Naturforschende  Gesellsch  aft.  Berichte  über  die  Verhandlungen.  Bd.  II. 
Hft.  3.  1861. 

St.  Gallen.  Natu  rwissens  chaftliche  Gesellschaft.  Bericht  über  die  Thätigkeit 
während  der  Vereinsjahre  1858/61. 

Genf.  Societe  de  physique  et  d’histoire  naturelle.  Memoires  T..  XV.  2. 
XVI.  1.  1860—1661. 

Gotha.  J.  Perthes’  geographische  Anstalt.  Mittheilungen  über  wichtige  neue 
Erforschungen  auf  dem  Gesammtgebiete  der  Geographie  von  Dr.  A.  Petermann. 
1860.  Nr.  11.  12;  1861.  Nr.  1 — 11.  Ergänzungshefte  Nr.  4—6.  — Die  geognosti- 
schen  Verhältnisse  der  Nordkarpathen  in  Schlesien  und  den  angrenzenden  Theilenvon 
Mähren  und  Galizien  als  Erläuterung  zu  der  geognostischen  Karte  der  Nordkarpathen, 
von  Ludwig  Hohenegger.  Gotha  1861. 

Göttingen.  K.  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  Abhandlungen  IX.  Bd.  vom 
Jahre  1860. 

Graham,  J.  D.  Lieut.  Colonel,  Chicago  Illinois.  Annual  Report  on  the  improvement  of  the 
Harbors  of  Lakes  Michigan,  St.  Clair,  Erie,  Ontario  and  Champlain,  for  the  year  1860. 

Graz.  K.  k.  Gymnasium.  Programm  für  das  Schuljahr  1861. 

„ Steierm.  ständ.  Joanneum.  49.  Jahresbericht  über  das  Schuljahr  1860.  Personal- 
stand und  Vorleseordnung  im  Studienjahre  1862. 

„ — landsch.  Ober-Realschule.  10.  Jahresbericht  für  das  Studienjahr  1861. 

Personalstand  und  Vorleseordnung  an  der  commerziellen  Abtheilung  im  Studien- 
jahre 1861/62. 

„ Geognost.  montan.  Verein.  X.  Bericht.  1860. 

„ K.  k.  L and wirthsehafts- Ges  eil s chaft.  Wochenblatt:  X.  Jahrg. ; XI.  Jahrg. 
Nr.  1—4.  1860/61. 

Gümbel,  k.  Bergmeister,  München.  Verzeichniss  neuer  Arten  von  organischen  Ueberresten 
aus  verschiedenen  Schichten  der  bayerischen  Alpen.  1861.  — Ueber  das  Alter  der 
Münchberger  Gneissparthie  im  Fichtelgebirge  1861. 

Haag.  Kön.  Niederländ.  Regierung.  Section  Nr.  19.  Betuwe;  Sect.  20.  Munsterland 
der  geol.  Karte  des  Königreiches  der  Niederlande. 

Hall,  James,  Professor,  Albany.  Contributions  to  the  Palaeontology  of  New  York,  being  some 
of  the  Results  of  Investigations  made  during  the  years  1855/58. 

Halle,  Naturforschende  Gesellschaft.  Abhandlungen.  V.  Bd.  3.  4.  VI.  I.  1860/61. 

„ Naturwissenschaftlicher  Verein.  Zeitschrift  für  die  gesammten  Naturwissen- 
schaften. Bd.  15  und  16,  Jahrg.  1860.  — Abhandlungen.  I.  2.  II.  1860/61. 

Hamburg.  Natu  r wissenschaftli  ch  er  V er  ein.  Abhandlungen.  III.  IV.  1, 2.  1858 — 60. 

Hanau.  Wetterauer  Gesellschaft  für  die  gesammte  Naturkunde.  Jahres- 
bericht über  die  Gesellschaftsjahre  1858/60. 

Handl,  Dr.  A.,  Professor  in  Lemberg.  Ueber  die  Kry stallformen  der  ameisensauren  Salze. 
Wien  1861. 

Hannover.  Naturhistorische  Gesellschaft.  X.  Jahresbericht  von  Michaeli  1859 
bis  dahin  1860. 

» Polytechnische  S c hu  1 e.  Programm  für  das  Jahr  1861/62. 

„ Architekten-  und  Ingen  i eur-Verei n.  Zeitschrift  VI.  Bd.  Hft.  4.,  Jahrg.  1860. 
VII.  Jahrg.  1861.  Hft.  1—3. 

» Gewerbe-Verein.  Mittheilungen.  1860  Nr.  6;  1861  Nr.  1—8.  — Monatsblatt  1861. 
Nr.  2—4. 

Hartem.  Holl.  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  Natuurkundige  Verhandelingen. 
XIV.  1 — 2.  XV.  1858.  1861.  — Extrait  du  programme  pour  l’annee  1861. 

Haughton,  Samuel  Rev.,  in  Dublin.  On  Cyclostigma,  a new  genus  of  fossil  plants  from  the 
old  red  Sandstone  of  Kiltorean  etc.  1859.  — On  the  fossils  brought  from  the  arctic 
regions  in  1859  by  Capt.  Sir.  F.  L.  M’Cli  ntock  1860. 

Haupt,  Theodor,  Toscanischer  Bergrath.  Chronologische  Uebersicht  der  wichtigsten  Ereig- 
nisse beim  Bergbau  seit  Wiederauffindung  der  Pandekten  Justinians  bis  zur  Einsetzung 
der  Erbschachte.  Braunschweig  1861. 


80  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher,  Karten  n.  s.  w. 


Haiirand,  C.  W.  Th.  in  Wien.  Karte  von  Deutschland  mit  Einschluss  von  ganz  Oesterreich, 
Belgien,  den  Niederlanden,  der  Schweiz  etc.  1861 . (Ethnograph.  K.)  — Geologische 
Gebirgskarte  von  Mittel-Europa. 

Heidelberg.  Universität.  Heidelberger  Jahrbücher  der  Literatur.  1860.  11—12.  Hft. ; 
^ 1861,  1—9.  Hft. 

Heine , Dr.  Jos.,  Medicinalrath  in  Speyer.  Festgabe  gewidmet  der  XXXVI.  Versammlung 
deutscher  Naturforscher  und  Aerzte.  1861. 

Heis,  Dr.  Prof.  Münster.  Bildliche  Darstellung  der  zu  Münster  vom  1.  December  1859  bis 
30.  Nov.  1860  angestellten  metereologischen  Beobachtungen. 

v.  Helmersen,  Gregor,  kais.  russ.  General-Major  in  St.  Petersburg.  Das  Olonezer  Berg- 
revier geologisch  untersucht  in  den  Jahren  1856/59.  — Die  in  Angriff  genommenen 
Steinkohlenlager  des  Gouvernements  Tula  1860.  — Vorschlag  zur  Anstellung  paläonto- 
logischer  Nachgrabungen  im  südl.  Russland.  1860.  — Die  geologische  Beschaffenheit 
des  unteren  Narovathals  und  die  Versandung  der  Narovamündung.  1860.  — Ueber  die 
von  der  kais.  russ.  geograph.  Gesellschaft  ausgerüstete  sibirische  Expedition  und  Nach- 
richten über  Mag.  F.  Schmidt’s  Reise  nach  dem  Amur-Gebiete.  1860. 

Herrn  annstadt.  K.  k.  Kathol.  Staats-Gymnasium.  Programm  für  das  Schuljahr 
1860/61. 

„ Siebenbürg.  Verein  für  Naturkunde.  Verhandlungen  und  Mittheilungen  1860. 
Nr.  7-12. 

Hon,  Capitaine  in  Brüssel.  Periodieite  des  grands  deluges  resultant  du  mouvement  graduel 
de  la  ligne  des  apsides  de  la  terre.  Theorie  prouvee  par  les  faits  geologiques  2.  edit. 
Paris.  1861. 

Hörnes,  Dr.  Moriz,  DirectoF  des  kais.  Hof-Mineraliencabinets , Wien.  Abbildungen  des 
15  Pfund  schweren  Meteorsteines  von  Seres  in  Macedonien , gefallen  im  Juni  1818. 

Jena.  Kais.  Leopold.  Carol.  Akademie  der  Naturforscher.  Verhandlungen. 
XXVIII.  1861. 

Iglau.  K.  k.  Gymnasium.  11.  Programm  für  1861. 

Innsbruck.  K.  k.  Gymnasium.  XII.  Programm  für  das  Schuljahr  1861. 

Jokely,  Johann,  Sections-Geologe.  Der  Curort  Liebwerda  und  seine  Heilquellen  im  Sunz- 
lauer  Kreise  Böhmens  von  Jos.  Plumert.  Prag  1849.  — Johannesbad  im  böhm.  Riesen- 
gebirge als  Curort.  Vom  medicinischen  Standpunkte  geschildert  von  Prof.  Dr.  Loschner. 
Prag  1859. 

Kämtz,  Ludw.  Friedr.,  Dr.,  k.  russ.  Staatsrath  und  Prof,  in  Dorpat.  Repertorium  für  Me- 
teorologie. II.  1,  2.  1860/61. 

Kästner,  Leopold,  Expeditor  der  k.  k.  priv.  Credit-Anstalt  in  Wien.  Führer  für  Reisende  auf 
Eisenbahnen  und  Dampfschiffen  in  Oesterreich  nebst  den  Verbindungen  mit  dem  Aus- 
lande u.  s.  w.  Wien.  August — December  1860,  Jänner — October  1861.  — Telegraphen- 
Tarif  von  Wien  nach  allen  Stationen  in  Europa,  Asien  und  Africa.  Wien.  1861. 

Keller,  Dr.  Franz,  Professor  in  Speyer.  Beilage  zum  Tageblatt  der  XXXVI.  Versamm- 
lung deutscher  Aerzte  und  Naturforscher  in  Speyer  vom  17.  bis  24.  September  1861. 

Kiel.  Universität.  Schriften  aus  dem  Jahre  1860. 

„ Verein  nördl.  der  Elbe  zur  Verbreitung  naturwissenschaftlicher 
Kenntnisse.  Mittheilungen.  2.  Hft.  1860. 

Klagenfurt.  K.  k.  Gymnasium.  11.  Programm  für  das  Schuljahr  1861. 

„ K.  k.  Ober-Realschule.  IX.  Jahresbericht  am  Schlüsse  des  Schuljahres  1861. 

„ K.  k.  Landwirthschafts-Gesellschaft.  Mittheilungen  über  Gegenstände  der 
Industrie  und  Landwirthschaft.  1861.  Nr.  4. 

Köln.  Redaction  des  Berggeist.  Zeitung  für  Berg-,  Hüttenwesen  und  Industrie. 
1861.  Nr.  1 — 101. 

Königsberg.  K.  Universität.  Amtliches  Verzeichniss  des  Personals  und  der  Studi- 
renden  für  das  Sommersemester  1860/62,  und  für  das  Wintersemester  1860/61.  — Ver- 
zeichniss der  zu  haltenden  Vorlesungen  1860/61.  — De  ulcerationibus  recti.  Diss.  auct. 
H.  Anker  mann  1859.  — In  Fr.  XL1X.  Farn.  Ercisc.  Commentatio.  Diss.  auct.  Osc.  Th. 
Binseei  1860.  — De  pneumonia  intermittente ; diss.  auct.  Ed.  Grün.  — Henricus  de 
Bracten,  quo  tempore  et  qua  ratione  librum  de  jure  anglicano  composuerit;  diss. 
auct.  C.  Ed.  Gueterbock.  — De  atrophia  musculari  progressiva;  diss.  auct.  H.  G.  R. 
Heimlich.  — Recentiorum  de  epilepsia  doctrinarum  comparatio.  Diss.  auct.  Jo  an. 
Hertz.  — De  ileo,  diss.  auct.  C.  A.  M.  Jaquet.  — Dissertatio,  quam  pro  loco  in  ordine 
jure  consultorum  Regimontanorum  rite  obtinendo;  auct.  R.  C.  John.  — De  diphtheri- 
tidis  conjunctivae  epidemia;  diss.  auct.  Julius  Lewinski.  — De  principiis  oecono- 
micis,  quae  Max.  deBethune,  dux  de  Sully,  sub  Henrico  IV  in  publicis  Franciae  pecu- 
niis  administrandis  secutus  est;  diss.  auct.  H.  Sellniek.  — De  statu  quaestionis  sintne 
Einhardi  necne  sint  quos  ei  ascribunt  annales  Imperii  specimen;  diss.  auct.  Bernh.  Ed. 


Verzeichnis  der  an  die  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher,  Karten  u.  s.  w.  81 


Simson. — Nonnullae  laesae  eolumnae  vertebratis  casus;  diss.  auct.  Jul.  Stein.  — 
De  vena  portae  obstructione ; diss.  auct,  0.  H.  Ziegler.  — De  nonnullis  locis  Cicero- 
nianis,  in  quibus  verba  poetarum  latent;  — de  colonia  in  qua  Petronius  conam  Trimal- 
chionis  finxerit;  — dissertatio  qua  fabula  Apuljeana  de  Psyche  et  Cupidine  cum  fabulis 
cognatis  comparantur,  p.  1 et  2;  — de  propagatione  munerum  ac  venationum  per 
Graeciam  et  Orientem ; — vindiciae  Nicanoreae  quibus  orationes  ad  celebrandam  ine- 
moriam  virorum  illustrium  J.  F.  a.  Rhod.  Fr.  a Graeben.  Joh.  D i e t e r i c i T e 1 1 a u ; disser- 
tationes  auct.  Lud.  Friedländer.  — De  Pyaemia,  diss.  auct.  G.  A.  Groeck. — De 
thrombosi  et  embolia;  diss.  auct.  H.  H.  a.  Lipkau.  — De  mutua  duorum  fluidorum 
frictione;  diss.  auct.  Ott.  Aem.  Meyer.  — De  hepatis  abscoessibus;  diss.  auct.  Ad. 
Meyer.  Symbolae  ad  theoriam  rheumatismi  criticae  ct  experimentales;  diss. auct.  Dr.  Jul. 
M o eil  er. — Philippi  Melanthonis  de  legibus  oratio  denuo  edita  J.  G.  Th.  A.  A.  Muther. 
— De  sarcomate  tumoribusque  recidivis;  diss.  auct.  J.  Riemer.  — De  casibus  duobus 
fibroidis  et  cystofibroidis  mandibulae;  diss.  auct.  0.  Tribukait.  — De  Ottone  I Epis- 
copo  bambergense;  pars  prior;  diss.  auct.  Guil.  Volkmann. 

Königsberg.  Kön.  Physik.  Ökonom.  Gesellschaft.  Schriften.  I.  Jahrg.  1.  2. 
Abth.  1860/61.  — Die  Melamorphose  des  Caryoborus  (Bruchus)  gonagra  Fbr.  von 
H.  C.  Elditt.  Königsberg  1860. 

Kotz,  Baronin  Louise.  Was  ich  erlebte!  was  mir  auffiel.  II.  und  III.  Abth.  Prag  1861. 

Kraus,,  Joh.  Bapt.,  Rechnungsrath  der  k.k.  Mont.  Hofbuchhaltung  in  Wien.  Montan-Handbuch 
des  österr.  Kaiserstaates  für  1861.  — Sammlung  jener  Gesetze  und  Verordnungen, 
welche  im  k.  k.  österr.  Reichsgesetzblatte  und  im  Verordnungsblatte  des  k.  k.  Finanz- 
ministeriums von  1857  bis  1861  veröffentlicht  wurden  u.  s.  w.  Wien  1862. 

Kremsmiinster.  K.  k.  Gymnasium.  Programm  für  das  Schuljahr  1861. 

Kronstadt.  Evangelisches  Gymnasium.  Programm  zum  Schlüsse  des  Schuljahres 
1860/61. 

Lausanne.  Societe  vaudoise  des  Sciences  naturelles.  Bulletin.  T.  VI,  Nr.  48, 
1860. 

Lea,  Isaac,  Präsident  der  Naturforscher-Akademie  in  Philadelphia.  Observations  on  the 
genus  Unio.  Vol.  VIII,  6,  1,  1861.  — Publications  of  I.  Lea  on  recent  Conchology.  Jan. 
1861.  — Check  List  of  the  Shells  of  North  America.  By  W.  G.  Binney. 

Leipzig.  Kön.  sächs.  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  Berichte  über  die  Ver- 
handlungen, Mathem.  phys.  CI.  1860.  Nr.  1,  2,  3.  — W.  Hofmeister.  Neue  Beiträge 
zur  Kenntniss  der  Embryobildung  der  Phanerogamen.  II.  Monocotylideen.  Leipzig  1861. 
— W.  G.  Hanke  1.  Elektrische  Untersuchungen.  5.  Abh.  Maassbestimmungen  der  elektro- 
motorischen Kräfte.  1.  Th.  Leipzig  1861. 

Lemberg.  Verein  der  galizischen  Sparcasse.  Rechnungs-Abschluss  nach  dem 
17.  Jahre  ihres  Bestehens.  1860. 

Leonhard,  K.  C.,  Geheimrath  u.  Professor  in  Heidelberg.  Neues  Jahrbuch  für  Mineralogie, 
Geognosie  u.  s.  w.  Jahrg.  1860.  Hft.  6,  7;  Jahrg.  1861,  Hft.  1 — 4 sammt  Beilagen- 
Heft:  über  die  Ursachen  der  in  den  Jahren  1850  bis  1857  stattgefundenen  Erderschütte- 
rungen u.  s.  w.  von  Dr.  K.  E.  Kluge.  1861. 

Leutschau.  Evang.  Ober-Gymnasium.  Programm  für  das  Schuljahr  1861. 

Linz.  K.  k.  Ober-Realschule.  X.  Jahresbericht  für  das  Studienjahr  1861. 

„ Museum  Francisco  Carolinum.  20.  Bericht  1860. 

Lioy,  Paolo.  La  vita  dell’Universo.  Venezia  1861. 

London.  Zoological  Society.  Proceedin  gs.  1860,  Part.  3.  1861,  Part.  1. 

„ Linnean  Society.  Transactions.  Vol.  XXIII.  1,  1860.  — Journal  of  the  Proceedings. 
Botany.  IV,  Nr.  16  u.  Suppl.  Hft.,  V,  Nr.  17—20  u.  2 Suppl.  Hefte  1860/6L  — Zoology. 
IV,  16;  V,  17— 20.  List  1860. 

„ Geological  Society.  The  quarterly  Journal.  Vol.  XVI,  P.  4,  Nov.  1860,  Nr.  64.  — 
Vol.  XVII,  P.  1 u.  2.  1861.  Nr.  65  1 — 67.  — List  September  1860. 

„ R.  Geographical  Society.  Proceedings.  Vol.  IV,  Nr.  4,  5.  1860;  Vol.  V,  Nr.  1 — 4. 
1861.  — Journal  1860. 

„ R.  Institution  of  Great  Britain.  Notices  of  the  Proceedings  at  the  Meetings  of 
the  members.  Part  XI.  1860/61.  — A List  of  the  members,  officers  etc.  1861. 

Loosey,  K.  k.  österr.  General-Consul  in  New-York.  Storm  and  Rain  Chart  of  the  North 
Pacific  Sheet  i by  M.  F.  Maury  etc.  Washington  1860.  — Bulletin  of  the  Americ. 
Ethnological  Society.  Vol.  I,  1860/61. 

St.  Louis.  Academy  of  Sciences.  Transactions.  Vol.  1,  Nr.  4,  1860. 

Ludwig,  Rudolph,  Directions-Mitglied  der  Bank  u.  s.  w.  in  Darmstadt.  Die  Lagerungsver- 
hältnisse der  productiven  Steinkohlenformation  im  Gouvernement  Perm.  Moskau  1860. 
— Die  Mineralquellen  zu  Homburg  vor  der  Höhe.  Darmstadt  1861.  — Bericht  über  die 
Berg-  und  Hüttenwerke  und  Ländereien  Sr.  Exc.  des  Herrn  Nikita  v.  Wsevolojsky,  RUSS- 
IN. k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  I.  Heft.  11 


82  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher,  Karten  u.  s.  w. 


land,  Gouv.  Perm.  — Fossile  Pflanzen  aus  dom  tertiären  Spatheisenstein  von  Monta- 
baur. — Süsswasserbivalven  aus  der  Wetterauer  Tertiärformation.  1 86 1 . 

Lüneburg.  Na  t ur  w i s s e ns chaftl  ich e r Verein.  10.  Jahresbericht.  1861. 

Lüttich.  Kön.  Akademie  der  Wissenschaften.  Memoires.  T.  XV. 

Lyon*  Kais.  Akademie  der  Wissenschaften.  Memoires.  Bd.  VIII — X.  1859 — 1861. 

„ Kais.  A ck  e r b a u - G e s e 1 1 s ch a f t.  Annales  des  Sciences  physiques  et  naturelles. 
II.  Ser.,  T.  VII,  2.  1855;  III,  T.  IV,  1860. 

Madras*  Literary  Society.  Journal  of  Literature  and  Science.  Mai  1861. 

Mailand.  Kön.  Institut  der  Wissenschaften.  Atti  Vol.  II,  Fase.  1 — 14,1860  61.  — 
Memorie.  Vol.  VIII,  Ser.  II,  Vol.  II,  Fase.  4,  5,  1861.  — Elenco  dei  giornali  e delle  opere 
periodiehe  esistenti  presso  publici  stabilimenti  a Milano  , compilato  da  L.  dell'Acqua. 
Milano  1861. 

„ Societä  italiana  di  scienze  naturali.  Atti  Vol.  II,  Fase.  2 — 4,  1860; 
Vol.  III,  Fase.  1—2,  1861. 

„ Ateneo.  Atti.  Vol.  I,  Anno  XV,  Disp.  2,  4,  1860.  Vol  II,  Anno  XVI,  Disp.  1,  2,  1801. 

Manger,  Rudolph,  Bergwerksbesitzer,  Prag.  Das  österreichische  Bergrecht  nach  dem  all- 
gemeinen Berggesetze  u.  s.  w.  Supplement-Band  im  Anhänge:  Aphorismen  über  die 
unmittelbare  Erwerbung  des  Bergwerks-Eigenthumes.  Prag  1861. 

Mannheim.  Verein  für  Naturkunde.  27.  Jahresbericht.  1861. 

lie  Mans.  So  cieted’agriculture,  Sciences  et  artsde  la  Sarthe.  Bulletin.  1859 
et  1860. 

Mantua*  K.  k.  Ly  ce al-G y m n a si u m.  Programms  per  l’anno  lascolastico  1861. 

Manz,  Friedrich,  Buchhändler,  Wien.  Oesterreichische  Zeitschrift  für  Berg-  und  Hütten- 
wesen. 1860,  Nr.  52;  1861,  Nr.  1—51.  — Erfahrungen  im  berg-  und  hüttenmännischen 
Maschinenbau-  und  Aufbereitungswesen  u.  s.  w.  von  P.  Rittinger.  Jahrg.  1860.  Mit 
Atlas.  Wien  1860. 

Marburg*  K.  k.  Gymnasium.  Programm  für  das  Studienjahr  1861. 

Melbourne.  Redaction  des  Colonial  Mining  Journal,  Railway  and  Share  Ga- 
zette and  Illustrated  Record.  Vol.  111,  Nr.  3—12  de  1860/61 ; Vol.  IV,  Nr.  1—  de  1861/62. 

„ P h i I osop  h i ca  I Institute.  Transactions.  Vol.  IV,  Part.  1,  2.  1859/1860. 

Merrit,  I.  King,  in  New-York.  Report  on  the  Huacals,  or  ancient  Graveyards  of  Chiriqui. 
1860. 

Metz.  Societe  d’histoire  naturelle.  Bulletin.  IX.  Cahier.  1860. 

Moskau*  Kais,  naturforschende  Gesellschaft.  Bulletin.  Nr.  4 de  1860,  Nr.  1 , 2 
de  1861.  — Memoires.  XIII,  2. 

Mühlhausen*  Societe  industrielle.  Bulletin.  Jänner  bis  November  de  1861.  — 
Programm  des  prix  proposes  dans  l’assemblee  generale  du  29.  Mai  1861  pour  etre  de- 
eernes  dans  l’assemblee  generale  de  Mai  1862. 

München.  Kön.  Akademie  der  Wissenschaften.  Grenzen  und  Grenzgebiete  der 
physiologischen  Forschung.  Festrede  von  Dr.  E.  Harless.  München  1860. — Rede  auf 
Sir  Thomas  Babington  Macaul ay,  den  Essaysten  und  Geschichtschreiber  Englands. 
Vorgetragen  von  Dr.  G.  Th.  Rudhart.  München  1860.  --  Einleitende  Worte  zur  Feier 
des  Allerh.  Geburtsfestes  Sr.  Maj.  des  Königs  Ma x i m i 1 i a n II.,  gesprochen  von  J.  Freih. 
v.  Lie  big.  München  1860.  — Verzeichniss  der  Mitglieder  der  k.  Akademie  der  Wissen- 
schaften. 1860.  — Sitzungsberichte,  1860,  Hft.  4,  5;  1861,  Hft.  1 — 4. 

„ Kön.  Sternwarte.  Annalen.  XII.  Bd.  1860. 

Murchison,  Sir  Rod.  and  Archibald  Geikie.  On  the  altered  Rocks  of  the  Western  islands 
of  Scotland  and  the  North  Western  and  Central  Highlands.  London  1861. 

Namias,  Hyacinth  Med.  Dr.,  Secretär  des  k.  k.  Instituts  der  Wissenschaften  in  Venedig. 
Sulla  tubercolosi  dell’utero  e degli  organi  attinenti.  Memoria  II.  Venezia  1861. 

Neuchatei.  Societe  des  Sciences  naturell  es.  Bulletin.  T.  V,  2,  1860. 

Neusohl.  K.  k.  Kath.  Staats-Gymnasium.  IX.  Programm  für  1861. 

Newberry,  John,  S.,  Professor  am  Columbian-Collegium  in  Washington.  Reports  on  the 
Geology,  Botany  and  Zoology  of  Northern  California  and  Oregon.  Washington  1857. 

New-York.  Deutsche  Gesellschaft.  Jahresbericht  1860. 

Norton,  Carl  B.,  Buchhändler,  New-York.  Nortons  Literary  Letter.  Nr.  4,  de  1859;  Nr.  2, 
de  1860. 

Ofen*  Kön.  Ober-Realschule.  VI.  Jahresbericht  für  das  Schuljahr  1861. 

Offenbach  a.  M.  Verein  für  Naturkunde.  2.  Bericht  1860/61. 

Olvnütz*  K.  k.  Ober-Realschulje.  VII.  Jahresbericht  für  1861. 

Omboni,  Johann,  Professor  in  Mailand.  II  congresso  dei  naturalisti  svizzeri  in  Lugano 
nel  Settembre  1860.  — Cenni  sulla  carta  geologica  della  Lombardia.  — Gila  geologica 
nei  d’intorni  dei  Lago  d’Iseo  etc. 


Verzeichn* ss  der  an  die  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher,  Karten  u.  s.  w.  83 

ördway,  Albert,  in  Boston.  On  the  supposed  identity  of  the  Paradoxides  Harlani,  Green 
with  the  Par.  spinosus  Boeck.  Boston  1861. 

Palermo.  Societä  d’acelimazione  e di  agricoltura  in  Sicilia.  Atti,  Vol.  I, 
Nr.  1—4,  1861. 

Paris.  Ecole  imp.  des  mines.  Annales  des  mines.  T.  XVII,  3.  Livr.,  T.  XVIII,  4. — 6.  Livr. 
de  1860;  T.  XIX,  1—4,  de  1861. 

„ Societe  geologique.  Bulletin.  T.  XVI,  F.  63—73;  T.  XVII,  F.  45— 59;  T.  XVII, 
F.  1—43,  de  1859—1861. 

Parker,  W.  K.,  London.  On  the  nomenelature  of  the  foraminifera.  1860.  — On  the  Rhizo- 
podal  fauna  of  the  mediterranean  compared  with  that  of  the  italian  ad  other  tertiary 
deposits.  1860.  — On  sorae  fossil  foraminifera  from  Chellaston,  near  Derby.  1860. 

Passau»  Naturhistori  sch  er  Verein.  IV.  Jahresbericht.  1861. 

Perrey,  Alexis.  Note  sur  les  tremblements  de  terre  en  1857  avec  Supplements  pour  les 
annees  anterieures.  Dijon  1861. 

St.  Petersburg'.  Kais.  Akademie  der  Wissenschaften.  Memoires.  T.  III,  No.  10, 
11.  — Bulletin.  T.  III,  No.  6—8;  T.  IV,  No.  1—2.  1861. 

Pfeiffer,  Franz,  Professor  an  der  k.  k.  Universität,  Wien.  Der  Scheich.  1861. 

Philadelphia.  Academy  of  natural  Sciences.  Journal.  N.  Ser.  VoL  IV,  P.  4,  1860. 
— Proceedings  Fol.  6 to  end  1860;  1861,  F.  1 — 4. 

„ Franklin-Institute.  Journal.  Vol.  39,  N.  4—6,  1860;  Vol.  40,  N.  1—6,  1860;  Vol. 
41,  N.  1-6,  1861. 

Pilsen.  K.  k.  Gymnasium.  Jahresbericht  für  das  Schuljahr  1861. 

Prag.  K.  k.  Sternwarte.  Magnetische  und  meteorologische  Beobachtungen  zu  Prag. 
XXI.  Jahrg.  Vom  1.  Jan.  bis  31.  Dec.  1860. 

„ Naturhistorischer  Verein  Lotos.  Zeitschrift  für  Naturwissenschaften.  X.  Jahrg. 
1860;  XI.  Jahrg.  1861,  Jänner  bis  August. 

„ Handelskammer.  Die  Erwerbsverhältnisse  im  hohen  Erzgebirge.  Bericht  an  das  Cen- 
tral-Comite  etc.  Prag  1862. 

„ K.  k.  Patriot.-ökonom.- Gesellschaft.  Centralblatt  für  die  gesammte  Landes- 
cultur  und  Wochenblatt  für  Land-,  Forst-  und  Hauswirthschaft.  1860,  N.  52 — 61;  1861, 
N.  1-51. 

Presfwich,  Joseph,  in  London.  On  the  occurence  of  flint-implements,  associated  with 
the  remains  of  animals  of  extinct  species  in  beds  of  a late  geological  period,  in  France  at 
Amiens  and  Abbeville,  and  in  England  at  Hoxne.  London  1861. 

Quaglio,  Julius,  Civil-Ingenieur,  in  Kronstadt.  Bericht  über  die  Verhältnisse  des  Kohlen- 
reviers im  Zillthal  an  den  Verwaltungsrath  des  Kronstädter  Bergbau-  und  Hüttenactien- 
Vereins.  Wien  1861.  — Verwaltungsbericht  der  k.  k.  Berghauptmannschaft  zu  Zalathna 
für  das  Grossfürstenthum  Siebenbürgen. 

Regensburg.  Kön.  botanische  Gesellschaft.  Denkschriften.  IV.  Bd.,  2.  Abth.,  1861. 

„ Zoologi  sch  mineralogi  scher  Verein.  Abhandlungen.  VII.  Heft,  1856.  — Corre- 
spondenzblatt.  XIV.  Jahrg.  1860. 

Roemer,  F.  A.,  Professor  an  der  k.  Bergschule  zu  Clausthal.  Geschichte  der  kön.  Berg- 
schule zu  Clausthal.  Goslar  1861. 

Rom«  Accademia  pontificia  de’ nuovi  Lincei.  Atti.  Anno  XIII,  Sess.  V — VII,  Aprile 
Giugno  1860;  Anno  XIV,  Sess.  I — IV,  Dicembre  1860  — Marzo  1861. 

Rossi,  Dr.  L.  M.,  Gymnasial-Direetor  in  Venedig.  Sul  battito  del  cuore  nel  vuoto  pneuma- 
tico,  studj  sperimentali  dei  Dott.  D.  Busoni  e L.  M.  Rossi.  Venezia  1861. 

Rostock.  Mecklenb.  patriotischer  Verein.  Landwirthschafliche  Annalen.  XV.  Bd., 
2.  Abth.;  XVI.  Bd.,  1.  Abth.,  Hft.  1,  2;  dann  2.  Abth.  N.  1-6,  1860/61. 

Rütimeyer,  Dr.  L.,  Professor  in  Basel.  Die  Fauna  der  Pfahlbauten  in  der  Schweiz.  Unter- 
suchungen über  die  Geschichte  der  wilden  und  der  Haussäugethiere  von  Mittel-Europa. 
Basel  1861. 

Saatfeld«  Realschule.  Programm.  1861.  — Zu  einer  Weihnachtsgabe  für  arme  Schulkinder 
unserer  Stadt.  1860. 

Salzburg«  K.  k.  Gymnasium.  XI.  Programm  für  1861. 

Scarpellini,  Catherina,  in  Rom.  Intorno  un  parelio  e intorno  una  modificazione  pro- 
posta  per  le  navi  da  vapore.  Lettera  del  Dr.  Socr.  Cadet  alla  chiar.  Sign.  Cat  Scar- 
pellini. 1861.  — Risultati  delle  osservazioni  delle  stelle  cadenti  nell’Agosto.  1861.  — 
La  grande  cometa del  30. Giugno  1861.  Roma  1861.  — Al  Commendatore  Ben. Trompeo, 
in  Torino,  onor.  correspondente  de’  vecchi  Lincei  questa  laudazione  di  Gioach.  Taddei, 
chemico  distintissimo  etc.  1861.  — 11  passaggio  di  Mercurio  avanti  il  sole  osservato  in 
Roma  li  12.  Nov.  1861. 

Seharff,  Dr.  Friedrich.  Ueber  die  Bauweise  der  walzenförmigen  Krystalle.  Stuttgart  1861. 
— Ueber  Bildungsweise  der  Arragonite. 

11* 


84  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher,  Karten  u.  8.  w. 

Schässburg.  Evang.  Gymnasium.  Programm  zum  Schlüsse  des  Schuljahres  1860/61. 

Selwyn,  Alfred,  Government  Geologist  in  Melbourne,  Australien.  Geological  Survey  of 
Victoria.  Nr.  1,  2,  6,  8,  9,  13  und  Farbentabelle  (14  Bl.).  — General  map  of  Australia, 
shewing  the  Routes  of  the  Explorers.  1859.  (1  Bl.).  — Geological  survey  of  Victoria, 
Ballaarat.  (1  Bl.).  — Victoria.  Census  districts  and  distribution  of  the  population. 
1857/1858.  (8  Bl.).  — Geological  map.  (2  Bl.).  — Victoria.  Electoral  districts  and  sub- 
divisions.  1858. 

Silliman,  B.,  Professor,  New-Haven.  American  Journal  of  science  and  arts.  Nr.  82—90  de 
1860;  Nr.  91 — 94  de  1861.  — The  great  Comet  of  1861. 

Speyer,  Dr.  Oscar,  Lehrer  an  der  höheren  Gewerbeschule,  Cassel.  Ueber  Tertiär-Conchy- 
lien  von  Sollingen  bei  Jerxheim  im  Grossherzogthum  Braunschweig.  1860. 

8taring,  Dr.  W.  C.  H.,  Geologe,  in  Haarlem.  Toestand  van  het  geologisch  onderzoek  van 
Nederland.  1860.  — Carte  geologique  de  la  Neerlande.  Sect.  19.  Betuwe,  Nr.  20.  Mün- 
sterland. 

Stockholm,  K.  Akademie  der  Wissenschaften.  Handlingar.  N.  F.  I,  1,  1858. — 
Ofversigt  af  forhandlingar.  XVI,  1859.  — K.  svenska  Fregatten-Eugenies  Resa  omkring 
Jorden  etc.  Zoologi.  IV. 

$toliczka,  Ferdinand,  Wien.  Ueber  die  Gastropoden  und  Acephalen  der  Hierlatz-Schich- 
ten.  Wien  1861. 

Stoppani,  Anton,  Bibliothek-Custos  an  der  Ambrosianischen  Bibliothek,  Mailand.  Essai  sur 
les  conditions  generales  des  couehes  a Avicula  contorta  et  sur  la  Constitution  geologique 
et  paleontologique  speciale  de  ces  meines  couehes  en  Lombardie.  1861. 

Studer,  B.,  Professor,  in  Bern.  Les  couehes  en  forme  de  C.  dans  les  alpes. 

Sturz,  Dr.  Jacob,  in  Berlin,  Brasilianische  Zustände  und  Aussichten  im  Jahre  1861.  Mit  Be- 
legen nebst  einem  Vorschlag  zur  Aufhebung  der  Sclaverei  und  Entfernung  der  Schwar- 
zen aus  Nord-America.  Berlin  1862. 

Stuttgardt*  Verein  für  vaterländische  Naturkunde.  Jahreshefte.  Jahrg.  XVII, 
1861,  Hft.  1—3. 

Szigeth«  Helv.  Gymnasium.  Programm  für  das  Schuljahr  1861. 

Teschen.  K.  k.  Kath.  Staats- Gymnasium.  Programm  für  das  Schuljahr  1861. 

„ K.  k.  Evang.  Gymnasium.  Programm  am  Schlüsse  des  Schuljahres  1861. 

Theobald,  Dr.  G.,  Professor,  in  Chur.  Naturbilder  aus  den  Rhätisehen  Alpen.  Chur  1861. 
— Unter-Engadin.  Geognostische  Skizze. 

Toulouse.  Kais.  Akademie  der  Wissenschaften.  Memoires.  Ser.  V,  T.  V,  1861. 

Trautschold,  in  Moskau.  Bemerkungen  über  die  stratigraphischen  Verhältnisse  des  Gou- 
vernements Kaluga.  Moskau  1860.  — Uebergänge  und  Zwischenvarietäten.  Moskau  1861. 
— Recherches  geologiques  aux  environs  de  Moscou.  Couehe  jurassique  de  Galiowa. 
Moscou  1861.  — Recherches  geologiques  aux  environs  de  Moscou.  Couehe  jurassique  de 
Mmiovniki.  Moscou  1861. 

Trier.  Gesellschaft  für  nützliche  Forschungen.  Jahresbericht  über  die  Jahre 
1859  und  1860. 

Triest.  K.  k.  Marine-0 b er-C omma  ndo.  Reise  der  österreichischen  Fregatte  Novara  um 
die  Erde  in  den  Jahren  1857 — 1859  u.  s.  w.  Beschreibender  Theil.  1.  u.  2.  Bd.  Wien  1861. 

„ K.  k.  Gy mnasiu m.  Programm  für  das  Schuljahr  1861. 

Troppau.  K.  k.  Ob  er- Gymnasium.  Programm  für  das  Schuljahr  1861. 

Turieu  Kön.  Akademie  der  Wissenschaften.  Memorie.  Vol.  XIX.  1861. 

Tyson,  Philipp  I.,  Staats-Chemiker,  Annapolis,  Maryland.  First  Report.  January  1860. 

Udine.  Ackerbau-Gesellschaft.  Bollettino.  1860,  Nr.  39 ; 1861,  Nr.  1 — 3.  — Annuario. 
Anno  IV.  1861. 

Unger,  Dr.  Franz,  K.  K.  Universitäts-Professor.  Wien.  Chloris  protogaea.  Beiträge  zur  Flora 
der  Vorwelt.  Leipzig  1841—1847. 

Upsala.  Kön.  Akademie  der  Wissenschaften.  Nova  acta  Ser.  III.  Vol.  III.  1861.  — 
Arsskrift.  Andra  Arg.  1861. 

Venedig.  K.  k.  Institut  der  Wissenschaften.  Memorie.  Vol.  IX,  P.  2,  3,  1861. — 
Atti.  Tom.  VI,  disp.  1 — 10,  1860/61. 

Vicenza.  K.  k.  Lyceal-Gy  mnasium.  Programma  per  l’anno  1861. 

Villa,  Anton,  in  Mailand.  Osservazioni  zoologiche  eseguite  durante  l’ecclisse  parziale  di 
sole  del  18  Luglio  1860.  — Straordinaria  apparizione  di  insetti  carnivori. — Süll’ origine 
delle  perle  e sulla  possibilitä  di  produrle  artificialmente.  1860. 

Vinkovce.  K.  k.  Kath.  Obergymnasium.  Programm  für  das  Schuljahr  1861. 

Volpicelli,  Paul,  Professor  in  Rom.  Teorica  della  compensazione  dei  pendoli.  Roma  1860. 
— Formul  es  electrometriques. — Sulla  legge  diMariotte  sopra  un  congegno  nuovo  per 
dimostrarla  nelle  sperimentali  lezioni  e su  varie  applicazioni  d’essa.  Roma  1859.  — Di 
uno  stereoscopio  diaframatico,  nota.  Roma  1854.  — Sulla  elettricitä  dell’atmosfera. 


Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher,  Karten  u.  s.  w.  85 


2.  Nota.  Roma  1861.  — Descrizione  (Tun  nuovo  anemometrografo  e sua  teorica.  Roma 
1859. 

Washington«  Kriegsdepartement.  Reports  of  Explorations  and  Surveys  to  ascertain 
the  most  practicable  and  econoinical  Route  for  a Railroad  from  the  Mississippi  River 
to  the  Pacific  Ocean  etc.  Vol.  XII,  P.  1,  2,  1860. 

„ Observator y.  Maury’s  Nautical Monographs. Nr. 2.  The  Barometer at  Sea.  March  1861. 
„ Smithsonian  Institution.  Annual  Report  of  the  Board  of  Regents  for  the  year 

1859.  — Ichnographs  from  the  Sandstone  of  Connecticut  River  by  I.  Deane.  Boston 
1861.  — Smithsonian  Contributions  to  Knowledge.  Vol.  XII,  1861. 

Weeber.  Heinrich  C.,  Forst-Inspector,  Brünn.  Verhandlungen  der  Forst-Seclion  für  Mähren 
und  Schlesien.  Hft.  39 — 46,  1860/61. 

Weiss,  Adolph,  Docent  an  der  k.  k.  Universität  in  Wien.  Ueber  die  Abhängigkeit  der  Linien- 
distanzen im  Spectrum  des  Gases  der  Untersalpetersäure  von  der  Dichte  desselben. 
Wien  1861.  — Ueber  das  Verhalten  des  Kupferoxy-Admmoniaks  zur  Membran  der  Pflanzen- 
zelle, zum  Zellkerne  und  Primordialschlauche  von  Dr.  A.  W eiss  und  Dr.  J.  Wiesner. 
^ Wien  1861. 

Weiss,  Dr.  Edmund,  in  Wien.  Ueber  Meteoriten.  Ein  Vortrag  u.  s.  w.  Wien  1862. 
IVerschetz.  Oeff.  Unter-Realschule.  Jahresbericht,  4. — 7.1858 — 1861. 

Wien.  Dir  ection  der  k.  k.  ausschl.  priv.  Kaiser  Ferdinands  Nordbahn.  Proto- 
koll über  die  Verhandlungen  der  am  22.  Mai  1861  abgehaltenen  34.  General- Versamm- 
lung der  Actionäre  1861.  — Relation  über  die  zwischen  der  a.  pr.  K.  F.  Nordbahn  und 
der  k.  k.  pr.  öst.  Staats-Eisenbahngesellschaft  obwaltenden  Verhältnisse.  Wien  1861.  — 
Rechtsgutachten  von  7 Professoren  der  Wiener  Universität  über  Inhalt  und  Umfang  des 
Privilegiums  der  K.  F.  Nordbahn.  Wien  1861.  — Die  Bau-Projecte  der  öst.  Staats-Eisen- 
bahngesellschaft und  das  Privilegialrecht  der  K.  F.  Nordbahn.  Wien  1861.  — Berichtigung 
der  Bemerkungen  des  Herrn  I.  Maniel  über  eine  Relation  des  H.  Francesco ni. 
Wien  1861. 

„ K.  k.  Staats-Ministerium.  Reichsgesetzblatt.  Jahrg.  1860,  St.  LXXVII. — LXXX. ; 
Jahrg.  1861,  St.  XVII.— L.  — Austria.  1860,  Hft.  53;  1861,  Hft.  16-50.  — Berg-  und 
hüttenmännisches  Jahrbuch  der  k.  k.  Montan-Lehranstalten  u.  s.  w.  X.  Bd.  Wien  1861. 
„ K.  k.  Handels-Ministerium.  Uebersicht  der  Verhältnisse  und  Ergebnisse  der  österr. 
Bergbaues  im  Verw.-Jahre  1860.  Wien  1861. 

„ K.  k.  Direction  der  administrativen  Statistik.  Mittheilungen  aus  dem  Gebiete 
der  Statistik.  IX.  Jahrg.,  Hft.  2,  3, 1861. 

„ Magistrat.  Statistik  der  Stadt  Wien.  Herausgeg.  von  dem  Präsidium  des  Gemeinde- 
rathes  und  Magistrats  der  k.  k.  Reichshaupt-  und  Residenzstadt.  Probeheft  zur  Vor- 
lage an  den  3.  internationalen  statist.  Congress.  Wien.  2 Hfte.  1857,  1861. 

„ Kais.  Akademie  derWissenschaften.  Denkschriften.  Mathem.-naturw.  Classe. 
XIX.  1861«  — Denkschriften.  Phil.-hist.  €1.  XI.  Bd.  1861.  — Sitzungsberichte.  Philos.- 
hist.  Ciasse.  XXXV.  Bd.,  Hft.  3—15,  1860;  XXXVI.  Bd.,  1.-3.  Hft.;  XXXVII.  Bd., 
1. — 4.  Hft.  1861.  — Sitzungsberichte.  Math.-naturw.  Classe.  XLII.  Bd.,  1860,  Nr.  22 — 29; 
XLIII.  Bd.,  1861,  Jänner.  2.  Abth.  Febr.  1.,  2.  Abth.;  März,  1.  u.  2.  Abth.;  April,  1.  u.  2. 
Abth.;  Mai,  1.  u.2.  Abth.;  XLIV.  Juni,  1.  u.  2.  Abth.;  Juli,  1.  u.  2.  Abth.  1861. 

„ K.  k.  Central-Anstalt  für  Meteorologie  und  Erdmagnetismus.  Uebersichten 
der  Witterung.  Jänner  bisDecember  1859.  — Jahrbücher.  VII.  u.  VIII.  Bd.,  Jahrg.  1855/56. 
„ K.  k.  Akademisches  Gymnasium.  Jahresbericht  für  das  Schuljahr  1860/61. 

„ K.  k.  Gymnasium  zu  den  Schotten.  Jahresbericht  am  Schlüsse  des  Schuljahres 
1861. 

„ K.  k.  Ober-Realschule  in  der  Vorstadt  Landstrasse.  10.  Jahresbericht  für  das 
Schuljahr  1861. 

„ Doctoren-Collegium  d er  m edicinis  chen  Facultät.  Oesterr.  Zeitschrift  für 
praktische  Heilkunde.  1861,  Nr.  1 — 51.  — XI.  Jahresbericht  für  1860/61. 

„ K.  k.  geographische  Gesellschaft.  Mittheilungen.  IV.  Jahrg.  1860. 

„ K.  k.  Gartenbau-Gesellschaft.  General-Versammlung  am  12.  Juni  1861. 

„ K.  k.  Lan  d wirth  Schafts -Gese  1 Is  chaft.  Allgem.  land-  und  forstwirtschaftliche 
Zeitung.  1861,  Nr.  10 — 36. 

„ K.  k zoolog.  botanische  Gesellschaft.  Verhandlungen.  Jahrg.  1860.  X.  Band. 

„ Oesterr.  Ingenieur-Verein.  Zeitschrift.  XII.  Jahrg.,  10. — 12.  Hft.,  October  bis 
December  1860;  XIII.  Jahrg.,  Nr.  1 — 9,  1861.  — Verzeichniss  der  Mitglieder.  1861. 

„ Handelskammer.  Bericht  über  den  Handel  u.  s.  w.,  während  der  Jahre  1857  bis 

1860.  Wien  1861. 

„ Redaction  der  österr.  militärischen  Zeitschrift.  I.  Jahrg.,  1860.  1.  Bd., 
(2.  Aufl.) , 2.  u.  3.  Bd.;  II.  Jahrg.  1861;  I.  Bd.,  1.-5.  Lief.;  II.  Bd. , 6.-I0.  Lief.; 
III.  Bd.,  1.—  6.  Lief.,  IV.  Bd.;  1.— 5.  Lief.;  V.  Bd.,  1.  u.  2.  Lief. 


86  Verzeichniss  der  an  die  k.  k.  geolog.  Reichsanstalt  eingelangten  Bücher,  Karten  u.  s.  w. 


Wien*  Oesterreichische  botanische  Zeitschrift.  1860,  Nr.  7 — 12;  1861,  Nr.  1 — 12. 

„ Redaction  des  Wanderer.  Blatt  Nr.  272  mit  Notiz  von  B a 1 la  über  Meteorologie. 

„ Gewerbe-Verein.  Verhandlungen  und  Mittheilungen.  Jahrg.  1860,  Hft.  9—12;  1861, 
Nr.  1—10. 

Wiesbaden.  Verein  für  Naturkunde.  Jahrbücher.  14.  Hft.,  1859;  15.  Hft.,  1860.  — 
Das  Festland  Australien.  Geographische,  naturwissenschaftliche  und  culturgeschichtliche 
Skizzen  von  Fr.  Odern  heim  er.  Wiesbaden  1861. 

Würzburg.  Landwirthschaftl.  Verein.  Gemeinnützige  Wochenschrift.  1860,  Nr.  36 
—52, 1861,  Nr.  1—39. 

„ Medici n.  Physic.  Gesellschaft.  Naturwissenschaftl.  Zeitschrift.  I,  3,  4,  1860;  II, 
1—4, 1861.  — Medicinische  Zeitschrift.  I,  5,  6,  1860;  II,  1 — 4,  1861. 

Zigno,  Freih.  v.  Achilles,  in  Padua.  Sulla  costituzione  geologica  dei  Monti  Euganei.  Me- 
moria. Padova  1861.  — Sopra  un  nuovo  genere  di  felce  fossile.  Memoria.  Venezia  1861. 

Knaim.  K.  k.  Gymnasium.  Programm  für  das  Studienjahr  1861. 

Zürich.  Naturforschende  Gesellschaft.  Vierteljahrschrift.  Jahrg.  III,  3,4,  IV,  V. 
1858—1860. 


Geschlossen  am  15.  December  1861. 


JAHRBUCH 

DER 

KAISERLICH  - KÖNIGLICHEN 

GEOLOGISCHEN  REICHSANSTALT. 


JAHRGANG  1861  UND  1862.  XII.  BAND. 

NR0  2.  JÄNNER.  F ER  RU  AR.  MÄRZ.  APRIL.  1862. 


BEI  WILHELM  BRAU  MÜLLER,  BUCHHÄNDLER  DES  K.  K.  HOFES. 


: v 


II.  lieft. 


12.  Band.  1861  u.  1862.  JAHRBUCH 

DER 

KAIS.  KÖN.  GEOLOGISCHEN  REICHS-ANSTALT. 


I.  Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 

Zweite  Abtheilung *). 

Von  Ferdinand  Freiherrn  v.  Rieht hofen. 

Mit  1 lithographirten  Tafel. 

B.  Lagerung  und  Gebirgsbau  in  der  Trias-Lias-Zone. 

(Fortsetzung.) 

II.  Trias-Lias-(rebiet  zwischen  Bludenz  und  dem  Arlberg. 

Von  dem  in  seinem  Gebirgsbau  so  complicirten  Rhätikon  wenden  wir 
uns  zur  östlichen  Fortsetzung  der  Trias-Lias-Zone  und  betreten  damit  ein  Gebiet, 
welches  durch  eine  überraschende  Harmonie  und  Gesetzmässigkeit  seines  Baues 
in  allen  Theilen  ausgezeichnet  ist.  In  steter  Gleichförmigkeit  ziehen  mächtige 
Hebungswellen,  einander  parallel  und  gleich  gebildet,  in  weiter  Erstreckung  von 
West  nach  Ost  und  erleiden  nur  selten  in  ihrer  Regelmässigkeit  eine  locale  Unter- 
brechung, wie  an  der  Alpilla-Spitz/am  Thannberg, bei  Re  litte  und  an  einigen 
anderen  Orten;  manche  von  ihnen  lässt  sich  leicht  10 — 12  Meilen  weit  ungestört 
verfolgen.  Die  Hebungswellen  sind  das  eigentlich  Typische  und  Formgebende  im 
Gebirgsbau  unseres  gesammten  Trias-Lias-Gebietes  bis  hin  nach  Salzburg  und 
Berchtesgaden  und  man  kann  denselben  in  seinen  allgemeinen  Verhältnissen 
nur  dann  verstehen,  wenn  man  die  elementaren  Hebungswellen  in  ihrer  Entwicke- 
lung verfolgt.  Es  schieben  sich  secundäre  Wellen  ein,  eine  Mulde  geht  im  wei- 
teren Verlauf  in  eine  Ueberschiebung  oder  eine  Ueberstürzung  über  und  so  gibt 
es  noch  unendlich  viele  Modificationen,  welche  eine  Hebungswelle  erleiden  kann. 
Um  sie  genauer  und  übersichtlicher  erörtern  zu  können,  scheint  es  zweckmässig 
diejenigen  welligen  Aufbiegungen,  welche  sich  auf  sehr  bedeutende  Erstreckung 
verfolgen  lassen,  mit  Bezeichnungen  zu  belegen  und  sie  als  Haupt-Hebungswellen 
gegenüber  den  accessorischen  zu  betrachten.  Nur  dadurch  dürfte  es  möglich  sein, 
bei  dem  schrittweisen  Vorgang  in  der  Betrachtung  den  Zusammenhang  des  Gan- 
zen nicht  zu  verlieren. 

Der  Ausdruck  „Hebungswelle“  ist  klar;  er  bezeichnet  die  geradlinig 
fortstreichende  wellige  Aufbiegung  eines  Schichtensystems *  2).  In  unserem  Gebiet 


4)  Siehe  die  erste  Abtheilung  in  diesem  Jahrbuche,  Band  X,  1859,  Seite  72—137,  mit 
XII  Profilen  und  2 Tafeln. 

2)  Der  Ausdruck  „Hebungswelle“  soll  in  keiner  Weise  eine  Theorie  über  die  Entstehung  in 
sich  schliessen.  Kaum  wird  jetzt,  nach  Besiegung  unserer  so  weit  verbreitet  gewesenen 
Theorien  über  die  Epochen  plötzlicher  Hebungen  und  die  zahllosen  Hebungssysteme 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  II.  Heft,  12 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


88 


[2] 


streichen  sie  ohne  Ausnahme  ungefähr  von  West  nach  Ost  (h.  4*/2 — l'/z),  daher 
man  einen  Nord-  und  einen  Süd-Schenkel  unterscheiden  kann  !). 

Folgende  können  in  dem  zunächst  zu  erörternden  Theile  des  Trias-Lias- 
Gebietes  als  die  Haupthebungswellen  angesehen  werden : 

I.  (Profile  VI  bis  XII)  2).  Von  Bludenz  durch  das  Klosterthal  überden 
Arlberg  und  im  Stanzer  Thal  abwärts  bis  Mils  (zwischen  Landeck  und 
Imst)  erstreckt  sich  in  einer  Länge  von  beinahe  10  Meilen  eine  ausgezeichnete 
Hebungswelle,  stets  unmittelbar  an  der  Grenze  mit  dem  Urgebirge  und  zwischen 
Bludenz  und  Pians  nur  mit  dem  gegen  Norden  fallenden  Theil  entwickelt.  In 
Westen  schiebt  sich  zwischen  dem  Klosterthal  und  dem  Bartholomäus-Berg  noch 
eine  Fortsetzung  der  Rhätikon-Gebirge  ein,  welche  wir  als  IS  und  II  (für  die 
Profile)  betrachten  werden.  Hiervon  abgesehen  fallen  alle  Schichten  dieses 
Systems  gegen  Norden,  bilden  eine  im  Westen  schmale,  im  Osten  (Meridian 
des  Mutterkopfes)  1 i/2  Meilen  breite,  flache  Mulde  und  erheben  sich  wieder  zu 

II  (Profile  V bis  XII),  der  ersten  jener  Wellen,  welche  nur  mit  dem  süd- 
lichen Theile  entwickelt  sind;  ihre  Nordgrenze  ist  durch  eine  Ueberschiebung 
ihrer  ältesten  Schichten  auf  die  jüngsten  der  Welle  III  bezeichnet;  sie  beginnt 
bei  Lude  sch,  zieht  am  Nord-Abhang  des  Hoch-Frassen  hin,  südlich  von 
Maroul  und  Garfüllen  vorüber  und  wird  in  der  sehr  verwickelten  Umgebung 
der  Rothwand  undeutlich.  Sie  geht  dann  weiter  über  Zug,  Am  Lech,  Grub- 
Spitz,  Kristali-Spitz  nach  Gramais  und  Pfaflar  und  wir  werden  sie 
später  durch  die  Einsattelungen  nördlich  von  der  Heiter  wand  und  vom  Wan- 
neck weiter  verfolgen. 

Die  Mulde  IN  — II  S gehört  wegen  ihrer  eigenthümlichen  Lagerungs- 
verhältnisse zu  den  wichtigsten  und  interessantesten  Theilen  unseres  gesammten 
Gebietes. 


noch  Jemand  daran  zweifeln,  dass  die  Zusammenschiebungen  der  Sedimentärgebirge 
an  den  Flanken  unserer  krystallinischen  Centralketten  zu  einem  Faltensysteme  von 
Gebirgszügen  ihre  Entstehung  einer  langen  Reihe  säcularer  Hebungen  und  Senkungen 
verdanken;  wer  aber  dürfte  mit  den  uns  jetzt  zur  Untersuchung  zu  Gebote  stehenden 
Mitteln  wagen  zu  bestimmen,  welche  Bewegung  die  Hauptrolle  gespielt  hat.  In  allen 
Fällen  aber  hat  eine  relative  wellige  Erhebung  über  die  Grundlage  stattgefunden  und 
dies  dürfte  die  Bezeichnung  rechtfertigen. 

0 Zur  Vereinfachung  der  Darstellung  wie  zu  der  besseren  Vergleichung  mit  den  Profilen 
scheint  es  geeignet,  gewisse  Bezeichnungen  anzuwenden: 

Die  Hauptwellen  tragen  römische  Ziffern.  Mit  I bezeichnen  wir  die  der  Grenze 
mit  den  krystallinischen  Schiefern  benachbarte  Welle,  mit  II,  III,  IV  u.  s.  f.  successiv  die 
weiter  gegen  Norden  folgenden  Hauptwellen.  Wenn  sich  die  krystallinischen  Schiefer 
so  weit  gegen  Norden  erstrecken,  dass  z.  ß.  I und  II  verschwinden,  s'o  werden  sie  bei 
dem  Zurücktreten  von  jenen  wieder  in  derselben  Bedeutung  aufgenommen. 

Die  untergeordneten  oder  accessorischen  Hebungswellen  werden 
mit  arabischen  Ziffern  bezeichnet,  welche  dem  Zeichen  der  zunächst  nördlich  angren- 
zenden Hauptwelle  beigesetzt  werden. 

Der  Nord-  oder  Süd-Schenkel  einer  Welle  werden  durch  ein  angehängtes 
N oder  S ausgedrückt.  HIN  bedeutet  daher  den  Nordabhang  einer  zwischen  der 
ersten  und  zweiten  Hauptwelle  auftretenden  accessorischen  Aufbiegung.  In  den  meisten 
Fällen  ist  nur  einer  der  beiden  Schenkel  ausgebildet  und  zwar  stets  der  südliche; 
der  Nordabhang  zeigt  alsdann  den  steilen  Durchschnitt  der  auf  die  nächste  Welle 
übergeschobenen  Schichten,  der  Nord-Schenkel  aber  fehlt.  Ein  Blick  auf  die  Profile 
lehrt,  wie  überaus  häufig  dieser  Fall  in  unserem  Gebiete  ist  und  wie  die  abnorme 
Erscheinung  zum  Gesetz  wird.  Sehr  selten  findet  eine  Muldenbildung  statt,  wie  sie  im 
Rhätikon  mehrfach  zu  beobachten  war.  Es  ist  klar,  dass  jede  Mulde  durch  I N 4*  II  S 
oder  II  S IHN  u.  s.  w.  gebildet  wird,  also  stets  zwei  Wellen  angehört,  während 
ein  Rücken  stets  nur  aus  einer  einzigen  besteht. 
a)  Bei  der  ersten  Abtheilung  dieser  Abhandlung. 


[3] 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


89 


III  (Profile  VII  bis  XII).  Eine  dritte  schärfer  abgegrenzte  Hebungswelle  von 
geringer  Breite  erstreckt  sich  nördlich  von  der  vorigen;  auch  von  ihr  zeigen  die 
Profile  nur  südlich  fallende  Schichten.  Untersucht  man  die  Nordgrenze  des  Zuges 
von  Osten  her,  so  lässt  sie  sich  von  L er  mos  über  Na  ml  es  und  Bschlaps 
nach  dem  Lechthal  verfolgen,  setzt  im  schiefen  Winkel  zwischen  Griesau 
und  Ober-Giebler  über  dasselbe  hinweg,  nimmt  jenseits  einige  Vorsprünge 
mit  und  endigt  scheinbar  im  Lechthal  selbst  bei  Stög;  allein  mit  Berücksichti- 
gung der  sehr  gestörten  Verhältnisse  dieser  Gegend  lässt  sich  die  Welle  als 
solche  weiter  verfolgen  und  erscheint  in  ihrem  alten  Charakter  bald  wieder;  ihre 
Nordgrenze  zieht  durch  den  Gypsitobl  nach  dem  Gansboden,  Tisner 
Gschröf  und  der  Alpilla  im  grossen  Walser  Thal. 

IV  (Profile  VIII  bis  XII).  Unweit  nördlich  von  der  Alpilla  beginnt  ein  An- 
fangs sehr  schmaler  Zug,  dessen  Nordgrenze  an  der  südlichen  Thal  wand  des 
Walser  Thaies  hinzieht,  am  Juppenspitz  und  Warthhorn  fortsetzt,  bei 
Warth  in  kurzer  Erstreckung  verschwindet  und  dann  über  Mädele-Gabel 
und  die  Bretter-Spitz  nach  Vorder-Hornbaeh  im  Lechthal  zu  ver- 
folgen ist. 

V (Profile  VIII  bis  XII).  Eine  durch  ausgezeichnete  Schichtenentwickelung 
und  durch  die  Höne  ihrer  Dolomitgebirge  ausgezeichnete  Hebungswelle  ist: 
Zitterklapfen,  Widderstein,  Ochsen  joch,  Hochvogel.  Die  Grenze  ist 
am  Nordabfall  dieser  mächtigen  Gebirge;  der  Dolomit  überlagert  hier  die 
Algäu-Schichten  von 

VI  (Profile  IX  bis  XII),  einer  sehr  untergeordneten  Hebungswelle,  welche 
in  Vorarlberg  nur  die  nördlichen  Gehänge  des  Zitterklapfen-Zuges,  das  Zwölfer- 
Horn,  den  Hammer-Kopf  und  die  Kanzelwand  im  Mittelberg  bildet,  dann 
das  Algäu  durchsetzt  und  mit  dem  Hochwaldspitz  wieder  Tirol  betritt. 
Sie  zieht  von  hier  über  das  Kälbeles-Eck  und  den  Leitach-Spitz  gegen 
W eissenbach  hin. 

Wir  setzen  unsere  unterbrochene  Beschreibung  der  Lagerung  und  des  Ge- 
birgsbaues  in  der  Trias-Lias-Zone  bei  dem  zwischen  Bludenz  und  der  tirolischen 
Grenze  gelegenen  Theil  fort,  welcher  eine  durchschnittlich  21/a  Meilen  breite 
Zone  zwischen  krystallinischen  Schiefern  und  Flyseh  bildet. 

Umgeg  end  von  Bludenz,  Bratz,  Dalaas,  Barth  olomäusherg.  (Verhältniss  zum 

Rhätikon.)  Profile  V bis  IX. 

Bludenz  liegt  unweit  der  Vereinigung  des  vom  Arlberg  herabkommenden 
Klosterthaies  mit  dem  grösseren  Montavon  in  schöner  fruchtbarer  Gegend,  ein 
vortrefflicher  Ausgangspunkt  für  Excursionen  nach  allen  Theilen  der  weiteren 
Umgegend.  Ein  sehr  niederer,  nach  Süden  steiler,  nach  Norden  flacher  Bergvor- 
sprung zieht  sich  von  Osten  her  in  die  Stadt  hinein  und  trägt  das  Schloss  der- 
selben. Er  besteht  aus  nördlich  fallendem  Virgloria-Kalk , der  in  einigen  Stein- 
briichen  gewonnen  wird.  Mit  stets  gleichem  Fallen  streicht  der  mauerförmig  ab- 
gebrochene Kalk  nördlich  von  Rungelin  vorbei  quer  über  den  Grupser  Tobl  und 
über  Bratz  nach  Dalaas.  Die  Mauer  bildet  den  unteren  Theil  eines  hohen  steilen 
Abhanges,  mit  welchem  der  Geisspitz,  die  Gamsfreiheit,  die  Pitschi-Köpfe,  der 
Rogelskopf  u.  s.  w.  gegen  das  Ulthal  abstürzen,  und  wie  ihre  eigenen  Schichten 
flach  nördlich  fallen , so  thut  dies  auch  die  ganze  Folge , welche  sich  zu  dem 
hohen  Abhang  aufbaut.  Es  sind  dies  in  normaler  Reihenfolge  alle  Formationsglie- 
der, welche  ihre  Stellung  über  den  Virgloria-Kalken  bis  hinauf  zum  Dolomit 

12* 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


90 


w 


haben.  Das  ganze  nördlich  fallende  System  aber,  welches  die  Wand  durch- 
schneidet, ist  die  nördliche  Hälfte  unserer  Welle  I. 

Ehe  wir  in  dieser  Richtung  weiter  vorschreiten,  untersuchen  wir  den  Theil, 
welcher  südlich  von  der  Linie  BIudenz-Dalaas  liegt;  dazu  dient  am  zweckmässig- 
sten  ein 

Durchschnitt  von  Bludenz  nach  Sehr  uns  im  Montavon. 

In  dem  Profil  V ist  der  Abhang  vom  Katzenkopf  hinab  nach  Rungelin  ein 
Theil  der  eben  beschriebenen  Wand.  Während  aber  fast  in  der  ganzen  Erstrek- 
kung  bis  Dalaas  die  Thalsohle  an  diese  Wand  unmittelbar  herantritt,  legt  sich 
südöstlich  von  Bludenz  ein  niederer,  jener  Wand  vollkommen  paralleler  Berg- 
rücken vor,  um  dessen  Fuss  sich  die  Strasse  winden  muss.  Er  besteht  aus  zwei 
schmalen  Kalkriegeln,  welche  durch  eine  Mulde  getrennt  werden  und  sich  durch 

ihre  dunkle  Bewaldung  auch  landschaft- 
lich scharf  zeichnen.  Die  Schichten  fallen 
südlich  und  man  erkennt  deutlich  die 
Triaskalke  und  die  Partnachmergel.  In 
der  Tiefenlinie  der  Aufbiegung,  aber 
noch  über  dem  Niveau  des  Illthales,  liegt 
Rungelin  auf  sanften  von  Mergeln  gebil- 
deten Hügeln.  Ob  diese  Mergel  in  der 
That  in  der  im  Profil  angegebenen  Weise 
zwischen  Virgloria-Kalk  und  Verrucano 
liegen  und  also  den  im  Rellsthal  beob- 
achteten entsprechen,  oder  nicht  viel- 
mehr durch  eine  in  folgender  Weise  (Fig.  16)  stattfindende  Einbiegung  nochmals 
erscheinende  Partnachmergel  sind,  konnte  ich  nicht  entscheiden. 

Die  Arlbergkalke  fallen  in  das  Illthal  und  die  weitere  Folge  ist  von  Alluvio- 
nen  bedeckt.  Die  Breite  des  Thaies  beträgt  an  dieser  Stelle  ungefähr  2500  bis 
3000  Fuss;  es  können  also  sehr  wohl  2000  Fuss  mächtige  Schichten  hier  hinab 
fallen  und  mit  ihrem  Ausgehenden  die  Tbalgrundlage  bilden.  Geht  man  hiervon 
aus,  so  wird  man  an  der  jenseitigen  Thalwand  das  Hangende  de<f  Dolomits  zu 
suchen  haben.  Und  in  der  That,  wenn  man  über  Brunnenfeld  dem  Ausgange 
des  Montavon  zuwandert,  so  erreicht  man  dieses  unmittelbar  über  der  Illbrücke 
an  einem  Felsenvorsprung  mit  steil  (über  80°)  nördlich  fallenden,  h.  7 (0. 15°  S.) 
streichenden  Schichten,  welche  sich  durch  eine  Unzahl  von  Versteinerungen  als 
Küssen  er  Schichten  erweisen.  Sie  stehen  hier  in  einer  Mächtigkeit  an, 
welche  in  gar  keinem  Verhältniss  zu  dem  gewöhnlichen  Vorkommen  derselben 
steht.  Kalksteine,  z.  Th.  im  mächtigen  Bänken,  herrschen  vor;  sie  sind  rauchgrau, 
bläulich,  röthlich,  zum  Theil  kieselig,  zum  Theil  sehr  fein  krystallinisch;  die 
mergeligen  Schichten  bleiben  untergeordnet.  Alle  Gesteine  führen  einen  grossen 
Reichthum  an  thierisehen  Resten.  Durchschnitte  von  Zweischalern  von  8 — 9" 
Länge  sind  nicht  selten  und  sehr  viele  sonst  den  Kössener  Schichten  fehlende 
Versteinerungen;  besonders  ist  in  den  mergeligen  Schichten  der  breitrippige 
Pecten  lugdunensis  sehr  häufig. 

Die  Kössener  Schichten  halten  bis  zur  Brücke  von  Lorünz  an,  wo  sie  von 
Dolomit  unterteuft  werden.  Die  Streichungsrichtung  h.  7 bleibt  ebenso  wie  das 
steile  nördliche  Einfallen  auch  weiterhin  bestehen  und  da  das  Thal  der  111  in  die- 
sem Theil  eine  NNW.  Richtung  hat,  so  durchschneidet  es  die  Schichten  unter 
einem  schiefen  Winkel  und  entblösst  ihre  Reihenfolge  an  beiden  Thalwänden  in 
überaus  schöner  Weise.  Der  Dolomit  hält  wegen  seiner  bedeutenden  Mächtig- 
keit lange  an.  Vor  ihm  breitet  sich  eine  unendliche  kümmerlich  bewachsene 


Fig.  16. 


Rungelin. 


1.  Virgloria-Kalk.  2.  Partnachmergel.  3.  Arlberg-Kalk. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


91 


Schutthalde  aus,  die  dem  ohnehin  an  seinem  Eingang  wilden  Thal  einen  trauri- 
gen Charakter  gibt.  Dies  ist  die  Praza  lans,  das  historisch  merkwürdige  Denk- 
mal gewaltiger  Bergstürze  und  Ueberfluthungen,  welches  nach  Herrn  B e rg- 
mann’s  Entdeckung  die  Veranlassung  zu  dem  Namen  Montavon  gab.  Den  Grund 
dieser  auffallenden  Zerstörung  erkennt  man  leicht  in  den  hier  sehr  mächtigen 
gypsführenden  und  überdies  fast  senkrecht  stehenden  Schichten  der  gelben 
Rauchwacke  der  Arlberg-Schichten.  Der  Fallöer  Tobl  hat  sich  tief  hinein  ge- 
wühlt und  wenn  man  an  seinen  Ausgang  über  die  Trümmerberge  hinansteigt,  so 
sieht  man  eines  der  grossartigsten  Beispiele  des  Einflusses  der  Schichtenstellung 
auf  die  Physiognomik  einer  Gegend,  da  gerade  die  Rauchwacke  sich  wo  sie  söhlig 
liegt,  durch  ihre  fruchtbaren  Alpen  auszeichnet.  Der  Gyps  im  Fallöer  Tobl  ist 
theils  Alabaster,  theils  sandig  schieferig.  Es  kommen  auch  die  braunen  Keuper- 
sandsteine der  Raibler  Schichten  hier  vor. 

Bezeichnet  man  diese  Schichten  als  das  oberste  Triasglied  mit  1,  so  folgen 
nach  Süden  im  Liegenden: 

2.  Poröser  fester  schwarzer  Kalkstein,  wie  im  Galgentobl.  Eine  Sandstein- 
bank ist  ihm  eingelagert,  50  Fuss. 

3.  Weisslichgraue  bimssteinartige  Rauchwacke,  zu  Grus  zerfallend,  30  Fuss. 

4.  Grauer  Kalkstein  und  Dolomit,  stellenweise  mit  mergelig-schieferigen 
Einlagerungen. 

Die  Mächtigkeit  von  2 — 4 beträgt  5 — 600  Fuss,  man  erkennt  in  ihnen  leicht 
das  gewöhnliche  Vorarlbergische  Aequivalent  des  Hallstätter  Kalks,  die  Arlberg- 
Kalke.  Am  Nordabhang  des  Gravistobels  findet  in  sehr  ausgezeichneter  Weise 
die  stets  vorkommende  Wechsellagerung  der  tiefsten  porösen  Kalke  mit  Mergeln 
statt,  bis  diese  als 

5.  Partnachmergel  allein  herrschen.  Sie  führen  sehr  sparsam  Bactril- 
lium  Schmidti  Heer.  Dem  sanften  Gehänge  dieser  Mergel  folgt  bald  ein  langer, 
aus  dem  Abhang  heraus  quer  gegen  die  111  ziehender  Rücken  von 

6.  Virgloria-Kalk.  Er  ist  mächtig  entwickelt. 

7.  Mergel.  Dieses  selten  beobachtbare  Glied  steht  hier  mit  seinen  Schich- 
tenköpfen an,  ist  aber  fast  überall  mit  Rasen  bedeckt.  Man  sieht  sie  wie  über- 
haupt das  gesammte  Profil  am  deutlichsten,  wenn  man  den  Fussweg  von  Sanct 
Antoni  nach  Sanct  Bartholomäusberg  einschlägt,  da  er  über  alle  Schichtenköpfe 
quer  hinwegführt. 

8.  Verrucano.  Diese  Formation  ist  hier  ungemein  reichhaltig  entwickelt; 
die  Schichten  sind  die  unmittelbare  Fortsetzung  der  früher  aus  dem  Reilsthal 
beschriebenen  und  zeigen  dieselbe  Mannigfaltigkeit  wie  dort;  doch  hindert  die 
Rasendecke  die  Beobachtung  der  Aufeinanderfolge.  Die  ersten  unter  derselben 
zu  Tage  tretenden  Gesteine  sind  weisse  Quarzitschiefer;  ihnen  folgt  ein  rother 
grobkörniger  echter  Verrucano  mit  vielen  Quarzbrocken,  dann  ein  rother  Quarz- 
sandstein, grauer  schuppiger  Glimmerschiefer,  endlich  ein  sehr  glimmeriger 
rother  thoniger  Schiefer  mit  wulstigen  Schichtenflächen.  Weiterhin  ist  nur  noch 

Glimmerschiefer  zu  beobachten.  Anfangs  noch  schuppig  und  zuweilen 
röthiich  gefärbt,  später  mit  allen  Eigenschaften  des  Gesteins  der  Centralkette. 
Auf  ihm  liegt  die  Kirche  von  St.  Bartholomäusberg,  von  wo  aus  man  Schruns 
bald  erreicht. 

Das  Profil  Bludenz-Schruns  lässt  also  eine  doppelte  Faltung  des  gesammten 
Schichtensystems  erkennen,  eine  wellige  Aufbiegung  bei  Bludenz  und  eine  Erhe- 
bung desselben  gegen  die  krystallinischen  Schiefer. 

Der  Verfolg  des  Profils  nach  Westen  über  die  111  lehrt  ein  eigen- 
thümliches  Verhältniss  kennen.  Im  Allgemeinen  entspricht  sich  nämlich  die 


92 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[«] 

Schichtenstellung  an  beiden  Gehängen;  allein  die  einzelnen  Formationsglieder 
lassen  sich  nur  im  Süden  (bei  Vandans  und  St.  Antoni)  unmittelbar  über  dem 
Fluss  verfolgen;  weiter  gegen  Norden  trifft  man  am  Westabhang  ältere  For- 
mationen als  am  Ostabhang. 

So  z.  B.  sucht  man  die  Kössener  Schichten  von  Lorünz  und  Brunnenfeld 
jenseits  umsonst;  es  erscheinen  (s.  Prof.  VI)  nur  Dolornit  mit  seinem  Liegen- 
den und  erst  weiter  in  Westen  in  viel  grösserer  Höhe  lagern  ihm  die  Kössener 
Schichten  auf. 

Das  Illthai  von  Vandans  bis  Lud  esc  h bezeichnet  somit  eine 
Verwerfun  gsspalte,  welche  schiefwinklig  gegen  das  Streichen  der  Hebungs- 
wellen, rechtwinklig  zur  Höhenlinie  Gafalina-Gaffaljoch  gerichtet  ist.  Die  Ver- 
schiebung fand  in  senkrechter  Richtung  statt,  so  zwar,  dass  der  östliche  Theil 
gegen  den  westlichen  gesenkt  wurde  und  jüngere  Schichten  in  gleiches  Niveau 
mit  älteren  von  jenseits  brachte.  Bei  Schruns  war  wahrscheinlich  der  Betrag  der 
Verwerfung  Null,  vielleicht  auch  noch  bei  Vandans,  nach  Norden  nimmt  er  in  der 
Richtung  der  Spalte  mehr  und  mehr  zu. 

Dieser  Umstand  ist  es  vorzüglich,  welcher  dazu  berechtigt,  das  Rhätikon- 
gebiet  als  ein  selbstständiges  aufzufassen;  es  ist  nicht  nur  durch  die  complicirten 
Verhältnisse  in  seinem  Bau  ausgezeichnet  und  nicht  nur  durch  das  grösste  Quer- 
thal von  dem  übrigen  Trias-Lias-Gebiet  getrennt,  sondern  durch  die  einzige 
die  ganze  Zone  quer  durchsetzende  Verwerfungsspalte.  Alle  kleinen  Hebungen 
und  Aufbiegungen,  welche  aus  dem  Rhätikongebiet  bis  an  die  Verwerfungsspalte 
herantreten,  sind  in  dem  zuletzt  verfolgten  Profil  noch  zu  erkennen,  aber  in  ver- 
änderter Weise.  Interessant  ist  in  dieser  Beziehung  die  kleine  scharfe  wellige 
Aufbiegung  beiBürs  (1.  AbtheilungFig.  1 1 — 15)  welche  östlich  der  III  in  den  Sattel 
von  Rungelin  fortsetzt.  Da  aber  die  Antiklinallinie  bei  Bürs  nach  Osten  ansteigt, 
so  müsste  eigentlich  der  Sattel  von  Rungelin  in  weit  höherem  Niveau  erscheinen; 
die  Verwerfungsspalte  drückt  ihn  herab. 

Verfolg  des  Profils  Blud  enz-Schruns  nach  Osten.  Die  Grenze 
der  krystallinischen  Schiefer  zieht  sich  von  Gantschier  (zwischen  Schruns 
und  Vandans)  nördlich  von  Bartholomäusberg  und  Kristberg  vorüber 
nach  Wald  im  Klosterthal;  sie  streicht  Stunde  5 (0.  15°  N.).  Da  nun  die  Schich- 
ten des  Profils  Stunde  7 (0.  15°  S.)  streichen,  so  keilen  sie  sich,  eine  nach  der 
andern  an  den  Schiefern  aus  und  im  Klosterthal  ist  bereits  die  gesammte  Welle  1 1 
verschwunden.  Den  sichersten  Anhalt  zum  Verfolg  gibt  die  Rauchwacke  des  Fal- 
löer  Tobels,  welche  auf  der  Höhe  des  Gebirges  Alpen  trägt  und  durch  den  Tobl 
oberhalb  Dalaas  quer  hindurchzieht,  um  gleich  darauf  zu  verschwinden.  Die 
Höhe  des  Schwarzhorngebirges  scheint  von  Algäu-Schichten  gebildet  zu  werden, 
welche  den  Kössener  Schichten  von  Davenna  und  Lorünz  auflagern  und  wahr- 
scheinlich die  Latonser  Alp  tragen.  Zahlreiche  Bruchstücke  jener  höheren  Lias- 
Glieder,  welche  von  Bächen  herabgeführt  werden,  nöthigen  zu  dieser  Annahme. 

• Das  Klosterthal. 

Das  Thal  der  Aflenz  oder  das  Klosterthal  zieht  in  ostwestlicher  Richtung 
vom  Arlberg  herab  und  erreicht  die  111  nach  vier  Meilen  langer  Erstreckung,  in 
der  es  stets  unsere  Hebungswelle  I südlich  begrenzt  und  von  den  krystallinischen 
Schiefern  scheidet. 

Dieser  Umstand  bedingt  seinen  Charakter;  denn  da  von  der  genannten 
Hebungswelle,  wie  erwähnt,  meist  nur  der  nördliche  Theil  vorhanden  ist  und  dort 
wo  die  Antiklinallinie  die  höchste  Erhebung  bezeichnen  sollte,  ein  steiler  Absturz 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


93 


m 


das  gesammte  Schichtensystem  abschneidet,  so  tritt  das  Thal  unmittelbar  an  die- 
sen Absturz  heran,  der  sich  schroff  aus  seiner  Sohle  erhebt  und  die  Dolomitköpfe 
trägt.  Jeder  Aufsteig  an  irgend  einer  Stelle  dieser  Wände  entblösst  das  schönste 
Profil  der  Trias-Schichten  und  des  Dolomits  und  geht  man  noch  weiter  nach  Nor- 
den vor,  so  erreicht  man  fast  überall  auch  die  jüngeren  Lias-Glieder  in  mulden- 
förmiger Einlagerung.  Dieses  ausgezeichnete  Verhalten  findet  von  Bludenz  bis 
zum  Arlberg  statt  und  ist  nur  stellenweise  ein  wenig  modificirt,  indem  sich  auch 
der  Rücken  der  Hebungswelle  geltend  macht,  wie  die  Profile  VII  bis  XII  zeigen. 
In  allen  Theilen  des  Gebietes,  welches  wir  jetzt  betrachten,  steigen  wir  aus  dem 
Klosterthal  auf.  Wir  wenden  uns  daher  zunächst  zu  dessen  nördlicher  Vorlage, 
um  dann  allmälig  bis  zu  der  Grenze  des  Trias-Lias-Gebietes  gegen  den  Flysch 
vorzuschreiten  und  theilen  das  Ganze  in  folgende  Abschnitte: 

1.  Bludenz-Ludesch-Alpilla-Rothwand-Bratz. 

2.  Dalaas-Formarin-Schafberg-Spullers-Klösterle. 

3.  Stuben-Arlberg-Grabaeh-Zürss. 

4.  Oberstes  Lechgebiet  (Zug,  Am  Lech,  Stubenbach),  Grubspitz,  Gypsitpbl. 

5.  Walser  Thal,  südliches  Gebiet. 

6.  Walser  Thal,  nördliches  Gebiet  (Zitterldapfen,  Künzle-Spitz). 

7.  Thal  Mittelberg  und  Widderstein. 

8.  Gegend  von  Schröcken,  Hoch-Krumbach  und  Warth. 

Bludenz,  Ludesch,  Alpilla,  Rothwand,  Bratz. 

Auf  dem  Weg  von  Bludenz  in  den  Galgentobl  geht  man  bis  Ob do  rf 
an  einem  Abhang  hin,  der  das  nördlich  fallende  Triassystem  gegen  West 
abschneidet.  Hat  man  daher  die  kleine  Terrasse  von  Virgloria-Kalk  überschritten, 
welche  das  Schloss  von  Bludenz  trägt,  so  folgen  Partnach-Schichten,  Arlberg- 
Kalk  und  bei  Obdorf  Rauchwacke,  welche  den  Abhang  in  grosser  Ausdehnung 
bildet.  Die  Rauchwacke  biegt  aber  plötzlich  muldenförmig  um  und  mit  dem  Ein- 
tritt in  den  Galgentobl  erreicht  man  ihr  Liegendes,  die  Arlberg-Kalke,  abermals 
und  verfolgt  beim  weiteren  Anstieg  deren  südöstlich  fallende  Schichtenreihe 
nach  abwärts.  Steigt  man  dann  über  Bratz  hinauf  gegen  den  Hoch-Frassen, 
so  sieht  man  bald  das  System  zum  zweiten  Mal,  jetzt  zum  nordwestlichen  Falle, 
umbiegen,  es  folgt  noch  einmal  Rauchwacke,  welche  die  Häuser  „Muttersberg “ 
trägt,  und  darüber  nordwestlich  fallender  Dolomit.  Diese  gewölbartige  Biegung 
beobachtet  man  noch  besser  an  dem  Weg  von  Obdorf  nach  Nüziders 
und  um  den  hangenden  Stein  nach  Ludesch.  Es  folgt  hier  der  Reihe 
nach : Rauchwacke  der  Raibler  Schichten  (Obdorf),  Arlberg-Kalk  (Galgentobl, 
Vorder-Latz,  Ofers,  Nüziders,  Schloss  Sonnenberg),  Partnachmergel,  Virgloria- 
Kalk  (nur  ein  kleines  aber  gut  aufgeschlossenes  Gewölbe  kommt  zum  Vorschein), 
Partnachmergel,  Arlberg-Kalk,  Rauchwacke  (trägt  in  der  Höhe  Hinter-Latz), 
Dolomit,  der  den  „hangenden  Stein“  bildet.  So  heisst  der  Vorsprung  eines  Armes 
des  Hoch-Frassen  gegen  die  111.  Am  Dolomit  hin  erreicht  man  Ludesch  und 
damit  Flysch,  welcher  den  Dolomit  unterteuft.  Weiter  hinauf  gegen  den  Ludescher 
Berg  schieben  sich  zwischen  Beide  noch  Algäu-Schichten  ein. 

Der  hohe  Frassen,  ein  vorzüglich  schöner  und  geognostisch  interes- 
santer Aussichtspunkt,  besteht  in  seinem  obersten  Theil  aus  Dolomit,  welcher 
jenes  tiefere  Gewölbe  bedeckt  und  daher  selbst  ein  mächtiges  Gewölbe  bildet. 

Er  hat  schroffe  Schluchten,  steile  Wände  und  sanfte  steinige  gerundete 
Gehänge,  die  mit  Knieholz  bewachsen  sind.  Mit  diesen  Formen  zieht  die  Berg- 
masse südwestlich  hinab  nach  dem  hangenden  Stein,  südöstlich  setzt  siefort 


94 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


r«] 

in  der  Heis spitz,  während  sie  nach  Norden  steil  auf  ein  sanfteres  Land  abfällt, 
das  eine  andere  Gebirgsart  andeutet.  Man  erreicht  sie  nach  kurzem  Abstieg  von 
der  Höhe  gegen  Raggall;  es  sind  Lias-Fleckenmergel  mit  Adnether  Kalk  und 
allem  Zugehörigen  und  dieser  Lias  ruht  seinerseits  wieder  auf  Flysch,  welcher 
das  Dorf  Raggall  trägt.  Dieses  abnorme  Lagerungsverhältniss  gleicht  dem, 
welches  wir  so  häufig  im  südwestlichen  Theil  des  Rhätikon  trafen.  Eine  Anla- 
gerung findet  durchaus  nicht  statt;  denn  die  Wand  des  Hoch-Frassen  besteht 
aus  steil  abgeschnittenen  horizontalen  Schichtenköpfen.  Diese  Grenze  zwischen 
Algäu-Schichten  und  Flysch  ist  bei  Raggall  durch  die  Wälder  der  ersteren  und 
die  Felder  und  Wiesen  des  Flysches  bezeichnet. 

Von  Raggall  über  Maroul  nach  Lagutz  geht  man  stets  unweit  der 
Auflagerungslinie  des  Dolomites  auf  den  Algäu-Schichten,  an  den  Abhängen  des 
Mar oul er  Thaies.  Letzteres  ist  in  seiner  oberen  Strecke  ein  Längsthal  zwi- 
schen Alpilla  (N)  und  Gamsfreiheit  (S)  und  wendet  sich  dann  zum  fast  rechtwink- 
ligen Durchbruch  des  nach  Stunde  5 streichenden,  £teil  südlich  fallenden  Flysches. 
Hier  bildet  es  als  Querthal  eine  tiefe  Schlucht  mit  steilen  buchenbewachsenen 
Wanden,  durch  welche  der  Weg  von  Raggall  nach  Maroul  führt.  Reide  Dörfer 
liegen  in  ihrer  ganzen  Erstreckung  im  Gebiet  des  eocenen  Flysches,  der  hier  eine 
weite  Riegung  nach  Süden  macht  und  bis  zur  Wendung  des  Thaies  gegenüber 
der  Mündung  des  EU-Tobls  anhält.  Es  folgen  Algäu-Schichten,  wie  oberhalb  Rag- 
gall. Zwischen  Maro  ul  und  Garfüllen  treten  sie  Anfangs  als  flyschähnlicher 
Mergelschiefer  auf  mit  einzelnen  Fleckenmergel-Schichten;  dann  erscheinen  sie 
an  den  Abhängen  gegen  die  Alpilla  hinauf  plötzlich  in  ihrer  ganzen  Mannigfaltigkeit 
mit  den  Wänden  des  hornsteinführenden  Kalkes,  den  knolligen  rothen  Adnether 
Kalken,  dem  blutrothen  Hornstein  u.  s.  w. 

Um  den  Schichtenverband  zu  verstehen,  in  welchem  diese  jüngeren  Lias- 
glieder zu  den  das  Marouler  Thal  einschliessenden  Dolomiten  stehen,  verfolgen 
wir  das  Profil  aus  dem  Klosterthal  über  die  Gamsfreiheit  und  quer  über 
das  Maro  hier  Thal  nach  der  Alpilla.  Das  letzt  genannte  Thal  ist  wie  erwähnt 
ein  Längsthal,  parallel  dem  Klosterthale;  zwischen  beiden  zieht  ein  breites  Dolo- 
mitgebirge hin,  welches  in  das  Klosterthal  mit  den  vielgenannten  Triasschichten 
abstürzt  und  unserer  Hebungswelle  I angehört.  Dieser  Dolomit  überlagert  die 
Algäu-Schichten  des  Marouler  Thaies  ebenso  wie  er  es  weiter  westlich  am  Hoch- 
Frassen  thut;  in  der  Mitte  der  südlichen  Thalwand  verläuft  die  Auflagerungslinie. 
Man  könnte  versucht  sein  dies  durch  eine  überstürzte  Welle  zu  erklären;  allein 
es  schiebt  sich  zwischen  beiderlei  Schichten  noch  Rauchwacke  der  Raibler 
Schichten  und  somit  ist  nur  die  Annahme  einer  U eher  Schiebung  längs  der 
Linie  vonLudesch  bis  zum  oberen  Marouler  Thal  möglich,  eine  Ueber- 
schiebung  von  Dolomit,  zum  Theil  mit  seinem  Liegenden,  auf  die  jüngsten 
Liasglieder. 

So  klar  dieser  Schichtenverband  nach  Süden,  so  unklar  ist  das  Verhältnis 
zum  Dolomit  der  Alpilla.  Als  ein  kleiner  ostwestlich  streichender,  isolirter  Kamm 
mit  schroffen,  wilden  Formen  erhebt  er  sich  mitten  aus  den  umgebenden  Algäu- 
Schichten.  Resonders  aber  wird  die  Interpretation  durch  ein  mächtiges  Gypslager 
erschwert,  welches  auf  halbem  Wege  zwischen  Garfüllen  und  Lagutz  unter  den 
zerrissenen  Schutthalden  von  Dolomit  zu  Tage  kommt  und  wahrscheinlich  als 
Vertreter  der  Raibler  Schichten  den  Dolomit  der  Alpilla  unterteuft.  Der  Gyps 
bildet  dünne  Zwischenschichten  in  dunklen  dünnschiefrigen  Mergeln.  Raid  darauf 
führt  der  Weg  über  Dachsteinkalk  und  Adnether  Kalk  nach  Lagutz,  einer 
schönen  Alpe  von  11  Sennhütten.  Sie  liegt  in  einem  mit  fruchtbarem  Roden 
erfüllten  Kessel  in  Dachsteinkalk,  der  hier  von  bedeutender  Mächtigkeit  ist 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


95 


Sckichtenkriimmungen  des  Daclisteinkalkes  und  Adnether  Kalkes  am 
Os  (abhange  der  Rothwand. 

d Dachsteinkalk ; a Adnether  Kalk ; f Fieekenmergel  der  Algäu-Schichten. 


[9] 

unmittelbar  am  Fuss  des  Rothhorns,  hinter  welchem  sich  die  hohe  Gebirgs- 
masse  der  Rothwand  erhebt. 

Die  Rothe  Wand  ist  ein  mächtiger  Gebirgsstock,  der  aus  einem  vielfach 
gewundenen  Complexe  von  Algäu-Schichten , Adnether  und  Dachstein-Kalk 
besteht.  Besonders  erreichen  die  rothen  Adnether  Kalke  eine  bedeutende  Mäch- 
tigkeit; sie  geben  der  Gipfelmasse,  von  der  sich  nach  Osten  ein  Gletscher  hinab- 
zieht, eine  intensive  Färbung  und  der  gesammten  Gebirgsrnasse  den  Namen.  Der 
Hutler  Bach  und  der  Marouler 

Bach  trennen  mit  ihren  tiefen  Fig*  U- 

Thälern  die  Rothwand  von  den 
angrenzenden  Dolomitgebirgen. 

Die  Regelmässigkeit  der  letzte- 
ren steht  in  auffallendem  Con- 
trast  zu  der  chaotisch  in  sich 
zusammengewundenen  Masse 
der  Algäu-Schichten;  nur  das 
mächtige  Flöz  des  Dachstein- 
kalkes mit  den  stets  begleiten- 
den rothen  Adnether  Kalken  ver- 
mag einen  Anhalt  zur  Beur- 
teilung der  Art  dieser  Störun- 
gen zu  geben.  Die  beistehende 
Figur  stellt  den  Theil  einer 

Wand  am  östlichen  Abhang  gegen  den  Ursprung  des  Hutler  Baches  dar. 

Betrachten  wir  hier  nur  den  südwestlichen  Theil  unseres  Gebirges,  welchen 
man  am  Weg  von  Lagutz  nach  dem  Formarin-See  durchschneidet,  um  den 
nordwestlichen  im  Zusammenhang  mit  dem  Walser  Thal  zu  erörtern,  so  sieht 
man  die  grosse  Masse  der  oberen  Liasschichten  auf  einer  Dachsteinkalkbank 
aufliegen,  welche  von  Lagutz  nach  dem  Fo rma ri  n-See  und  an  dessen  nörd- 
lichem Ufer  vorüberzieht.  Dieser  Kalk  ist  hier  sehr  reich  an  Korallenstöcken  und 
bildet  mit  seinen  reichhaltigen  zerklüfteten  Massen  zuweilen  eine  kleine  Vor- 
stufe zu  dem  höheren  Gebirge  der  Fleckenmergel.  Sie  bleibt  längs  des  Weges 
zur  Linken;  dieser  selbst  aber  führt  am  Grunde  des  kleinen  Hochthaies  in  Kös- 
sener  Schichten,  welche  durch  ihre  nicht  unbedeutende  Mächtigkeit  für  den 
Alpnutzen  mitten  in  diesen  sterilen  Dolomitgebirgen  von  grosser  Wichtigkeit 
werden.  Sie  sind  hier  mergelig  und  ungemein  versteinerungsreich  und  bilden  die 
Einsattelung,  über  welche  der  Uebergang  von  Lagutz  nach  dem  Formarin- 
See  führt. 

Ueberblicken  wir  das  kleine  Gebiet  nochmals  in  seinem  allgemeinen  Bau, 
so  zeigt  es  eine  von  Bludenz  bis  Dalaas  sich  erstreckende  Mauer  von  nörd- 
lich fallenden  Triasgesteinen,  welche  das  Dolomitgebirge:  Hoch-Frassen, 
Gaisspitz,  Katzenkopf,  Stierkopf,  Gamsfreiheit,  P its  chi  kö  p fe, 
Rogelskopf,  tragen.  Vom  westlichen  Theil  (Ludesch  bis  Lagutz)  erhebt 
sich  der  Dolomit  muldenförmig  und  ist  auf  Algäu-Schichten  übergeschoben,  wo- 
gegen im  östlichen  Theil  der  Dolomit  sich  senkt  und  jüngere  Liasgesteine,  mit 
ihnen  die  ganze  Masse  der  Rothwand,  trägt. 


Dalaas,  Formarin,  Schafberg,  Spullers,  Klösterle.  (Profile  IX,  X.) 

Das  obere  Lechthal  von  seiner  Quelle  bis  Am  Lech  ist  dem  Klosterthal 
ungefähr  parallel.  Beide Thäler  sind  Aufbruchsspalten;  da  nun  beide  von  gleichen 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12,  Band,  1861  und  1862.  II.  Heft.  13 


96 


Ferdicand  Freiherr  von  Richthofen. 


[10] 

Formationen  gebildet  werden,  so  muss  die  Lagerung  der  Gebirgsmasse  zwischen 
beiden  Thälern  muldenförmig  sein.  In  der  That  finden  wir  hier  eine  langgestreckte 
aus  I N und  II  S bestehende  Mulde,  welche  in  einzelnen  Theilen  überaus  deut- 
lich ist,  während  an  anderen  Stellen  schwierigere  Verhältnisse  auftreten,  welche 
sich  aber  durch  Modifieationen  der  muldenförmigen  Biegung  leicht  erklären; 
meist  bieten  ausgezeichnete  Querdurchschnitte  Gelegenheit,  dies  unmittelbar  zu 
beobachten.  Verfolgen  wir  die  einzelnen  Quer-Profiie: 

1.  Von  Dalaas  durch  den  Höllentobl  nach  dem  Saladina- 
Kopf  (Prof.  IX).  Dieses  Profil  ist  so  klar,  dass  es  kaum  einer  Erläuterung 
bedarf. 

Das  Thal  weicht  hier  ein  wenig  von  der  Antiklinallinie  am  Grunde  der 
Aufbruchsspalte  gegen  Süden  ab,  somit  wird  am  Fuss  der  Saladiner-Wand  ein 
grosser  Theil  der  Welle  entblösst  und  Verrucano  kommt  zum  Vorschein.  Ein 
wenig  weiter  östlich  hingegen  (bei  Wald)  tritt  die  Thalsohle  unmittelbar  an  die 
Arlberg-Schichten  heran;  die  Welle  ist  somit  verschwunden  und  erscheint  erst  wie- 
der bei  Klösterle,  während  sie  gegen  Westen  sehr  allmälig,  erst  bei  Bratz  voll- 
ständig, verschwindet,  um  bald  darauf  bei  Rungelin  wieder  zu  erscheinen.  Nur 
um  wenige  hundert  Schritt  westlich  von  dem  eben  betrachteten  ist  das  2.  Profil 
von  Dalaas  durch  den  Gantecker  Tobl  nach  den  Formarin-See, 
welches  zwar  im  Wesentlichen  dem  vorigen  gleich  ist,  aber  wegen  seines  vor- 
trefflichen Aufschlusses  an  den  Wänden  des  Tobls  besondere  Beachtung  verdient. 

Der  Gantecker  Tobl  mündet  in  die  Thalsohle  bei  Ganteck  unweit  Dalaas. 
Die  Strasse  tritt  unmittelbar  an  die  Oeffnung  der  Schlucht  heran,  wo  steil  südlich 
fallende  Platten  von  Virgloria-Kalk  entblösst  sind.  Der  Weg  von  Dalaas  nach  den 
höheren  Theilen  des  Tobls  trifft  diese  Schichten  in  weit  bedeutenderer  Höhe, 
nachdem  er  schon  Dolomit,  Raibler,  Arlberg-  und  Partnach-Schicbten  durchkreuzt 
hat.  Dann  folgt  das  Liegende  in  Gestalt  jener  Mergel,  welche  im  Höllentobl  die 
Virgloria-Schichten  vom  Verrucano  trennen.  Letzterer  wird  im  Gantecker  Tobl 
nicht  sichtbar,  sondern  man  sieht  nun  eine  deutliche  gewölbartige  Umbiegung, 
die  Fortsetzung  derjenigen  am  Ausgang  des  Höllentobls.  Auch  gegenüber  an  der 
westlichen  Thalwand  kann  man  diese  Umbiegung  beobachten;  von  nun  an  fallen 
alle  Schichten  nördlich  und  man  erreicht  mehr  und  mehr  die  höheren  Niveau’s. 
Auf  die  glatten  Virgloriakalke  folgen  Partnachmergel  mit  120  Fuss  und  Arlbergkalke 
mit  600  Fuss  Mächtigkeit.  Letztere  beginnen  mit  stark  porösen,  festen  Gesteinen, 
die  nach  oben  heller  (gelbgrau  und  rauchgrau),  stark  kieselig  und  splittrig,  dünn 
geschichtet,  zum  Theil  dolomitisch  werden.  Es  folgt  schwarzer  weissadriger  Kalk, 
endlich  jene  unvollkommen  schiefrigen,  mergeligen  schwarzen  Schichten,  welche 
auch  im  Galgentobl  auftreten.  — Die  Raibler  Schichten  beginnen  mit  dünn- 
geschichtetem dunkelbraunem  Sandstein  mit  Pflanzenspuren;  dann  folgt  gelbe 
Rauchwacke,  aber  kein  Gyps.  Wie  gewöhnlich  ist  jederseits  in  die  Rauchwacke 
ein  kleiner  Bach  eingeschnitten;  sie  bildet  Einsenkungen  und  trägt  schöne  Alpen, 
theils  im  Grunde  des  Thaies,  theils  über  den  Gehängen  (Heu-Alp).  Endlich  folgt 
der  Dolomit  und  man  geht  in  seinem  Gebiete  zwischen  Saladina-  und  Rogels- 
Kopf  fort  bis  zum  Formarin-See.  Dieser  einsame  Hochalpensee  liegt  in  einem 
Kessel  ohne  oberflächlichen  Abfluss  und  ist  durch  drei  Riegel  von  drei  Thälern 
getrennt,  dem  Marouler,  Gantecker  und  dem  oberen  Lech-Thal.  Der  Dolomit 
geht  fast  genau  bis  an  den  See.  Kössener  Schichten  und  Dachsteinkalk,  welche 
den  See  durchziehen,  sind  ihm  aufgelagert,  aber  machen  jenseits  sogleich  wieder 
dem  Dolomit  des  oberen  Lechgebietes  Platz.  Die  Mulde  trägt  daher  nur  diese  zwei 
untergeordneten  Liasglieder.  Erst  gegen  Osten  entwickelt  sich  die  Mulde  mehr 
und  mehr.  Der  Dolomit  steigt  am  Südgehänge  des  oberen  Lechthaies  mit  süd- 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


97 


tu] 


liebem  Fallen  hoch  hinan  und  man  sieht  ihm  in  der  Höhe  einen  dunklen  Streifen 
von  Kössener  Schichten,  einen  hellgrauen  von  Dachsteinkalken  und  einen  intensiv 
rothen  von  Adnether  Kalken  aufgelagert.  Dann  folgen  die  Fleckenmergel,  welche 
einige  der  höchsten  Spitzen  (Obere  Schützberg  und  andere)  bilden  und  weiter 
südlich,  abermals  durch  Dachstein-  und  Kössener  Schichten  getrennt,  Dolomit, 
welcher  noch  immer  in  der  Massenbildung  vorherrscht.  So  zieht  das  ganze 
System  fort  und  trägt  den  Spiegel  des  Spullers-Sees. 

3.  Profil  von  Klösterle  über  den  Spullers-See  und  den 
Schafberg  nach  Aelpele  im  Lechthal.  — An  der  oft  erwähnten  Trias- 
wand der  Arlbergstrasse  waren  bei  Dalaas  die  Schichten  wenig  geneigt,  bei  Klö- 
sterle und  östlich  davon  stehen  sie  fast  senkrecht,  daher  jetzt  das  Thal  einen  weit 
anderen  Charakter  bat.  Zwei  enge  Spaltenthäler  durehschneiden  rechtwinklig 
(N-S)  die  steilen  Schichten,  biegen  aber  in  ihrem  oberen  Theil  in  der  weichen 
Rauchwacke  plötzlich  um  und  lösen  sich  in  tiefe  unzugängliche  ostwestliche 
Schluchten  auf,  welche  sich  von  beiden  Seiten  her  fast  vereinigen.  Es  wird  mit- 
hin eine  grosse  Bergmasse  aus  Arlbergkalken  von  den  Tobln  umfasst  und  isolirt. 
Durch  beide  Spalten,  den  Streu-Tobl  und  den  Welli-Tobl  kann  man  nach 
Spullers  aufsteigen;  durch  beide  gelangt  man  hinter  die  isolirte  Bergmasse  auf 
die  kleine  Wasserscheide  und  steigt  in  einer  mittleren  Spalte  im  Dolomit  nach 
dem  Spullers-See  auf.  Dies  kleine  Thalsystem  hat  die  Form  einer  Wage,  deren 
Wagebalken  in  der  ostwestlich  streichenden  Rauchwacke  liegt,  während  man  an 
der  mittleren  Axe  nach  Spullers  hinansteigt.  Der  Weg  ist  durch  beide  Tobl  gleich 
interessant.  In  beiden  beginnt  man  den  Aufstieg  in  Partnachmergeln,  welche  Yir- 
gloria-Kalk  überwölben,  also  an  der  h.  5ya  streichenden  Antiklinallinie  der  Hebungs- 
welle. Bei  beiden  folgt  nach  sanften  Gehängen  dieser  Schichten  die  schroffe 
Schlucht  in  den  senkrecht  stehenden  Kalken,  bei  beiden  endlich  die  Rauchwacke 
der  Raibler  Schichten  in  sehr  bedeutender  Mächtigkeit.  Hat  man  den  Dolomit 
überwunden,  so  folgt  ein  kleiner  sanfter  Thalkessel  von  Kössener  Schichten  und 
ein  quer  gegen  das  Thal  sich  ziehender  Riegel  von  Dachsteinkalk  und  Adnether 
Kalk;  starke  frische  Quellen,  welche  aus  seinen  Spalten  hervorsprudeln,  verkün- 
den den  nahen  See,  der  sich  jenseits  des  Rückens  ausbreitet.  Der  überaus  anmu- 
thige  und  liebliche  Thalkessel  verdankt  seinen  zauberischen  Reiz  der  Gross- 
artigkeit der  umgebenden  Gebirgsmassen.  Ehe  wir  diese  näher  betrachten,  über- 
schreiten wir  die  Niederung.  Alles  besteht  wesentlich  aus  Algäu-Schichten.  Ein 
Riegel  aus  Dachsteinkalk  verschliesst  wie  im  Süden,  so  auch  in  Norden  den 
Kessel;  hinter  ihm  öffnet  sich  das  Kälberthal,  in  welchem  nach  einigem  Wechsel 
nochmals  Dachsteinkalk  und  Kössener  Schichten,  beide  mit  südlichem  Fallen,  end- 
lich Dolomit  folgt,  der  bis  in  das  Lechthal  hinab  anhält. 

Diess  sind  die  einfachen  Verhältnisse  dieses  überaus  schönen  und  lehrrei- 
chen Profils.  Allein  in  den  Umgebungen  des  Spullers-Sees  sind  noch  einige 
schwierigere  Probleme  zu  lösen.  Es  fällt  bei  dem  See  sogleich  die  verschiedene 
Structur  der  östlich  von  den  westlich  begrenzenden  Gebirgen  auf,  um  so  mehr 
als  das  Hauptverhältniss  im  Grunde  des  Thaies  so  einfach  und  die  Gesteine  an 
beiden  Ufern  gleich  sind.  Kommt  man  von  Süden  so  sieht  man  rechts  die  ganze 
jüngere  Liasfolge  dem  Dolomit  normal  mit  nördlichem  Fallen  aufgelagert,  wäh- 
rend am  westlichen  Ufer  bei  gleicher  Streichrichtung  das  umgekehrte  Einfallen 
stattfindet  und  die  ganze  Schichtenfolge  verkehrt  ist.  Eine  einfache  Ansicht 
des  den  See  westlich  begrenzenden  Bergzuges  zeigt  das  beistehende  schöne 
Verhältniss  einer  Ueberwerfung  um  ungefähr  90°  -f-  70°.  Sie  erklärt  sich 
um  so  leichter,  wenn  man  die  senkrechte  Stellung  der  liegenden  Schichten  in 
Betracht  zieht.  Wie  hier  eine  Ueberstürzung  von  Süden  her  stattfand  und  im 

13  * 


98 


Kloster- 

Thal. 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 
Fig.  18. 


[12] 


Streu-Bach. 


Freschen-Spitz.  Gold-Berg. 


Klösterlc. 


Ob.  Spullers-Alp.  Unt.  Spullers-Alp. 

Profil  von  Klösterlc  nach  der  westlichen  Thalwand  des  Spullerssee-Kesselg. 


1.  Virgloria-Kalk.  2.  Partnach-Schichten.  3.  Arlberg-Kalk.  4.  Raibler  Schichten.  3.  Unterer  Dachstein-Dolomit, 
ß.  Kössener  Schichten.  7.  Oberer  Dachstein-Kalk.  8.  Adnether  Kalk.  9.  Algäu-Schichten. 


Norden  die  Schichten  zwar  steil  aber  doch  ungestört  dem  Dolomit  auflagern,  so 
findet  am  östlichen  Ufer  des  Sees  das  entgegengesetzte  Verhalten  stott.  An  dem 
durch  seine  Höhe  ausgezeichneten,  leicht  besteigbaren  Schafherg  (8461  Fuss) 
sieht  man  schon  aus  der  Ferne  eine  bedeutende  Störung,  die  besonders  räthsel- 
haft  wird,  wenn  man  an  der  Spullers-Alp  am  See  Dachsteinkalk  anstehen  und 
denselben  sich  als  Riegel  vor  das  Kälberthal  legen  sieht,  während  in  diesem 
abwärts  nochmals  Al- 
gäu-Schichten folgen. 

Allein  das  Verhältniss 
löst  sich  auf  äusserst 
einfache  Weise  durch 
eine  Ansicht  des  Schaf- 
berges von  der  West- 
seite, also  in  der 
Streichrichtung. 

Es  zeigt  sich  hier- 
aus, dass  der  Schaf- 
berg seine  ausseror- 
dentliche Höhe  wesent- 
lich einer  grossarti- 
genUeberstürzungver- 
dankt.  Der  ungewöhn- 
lich mächtige  Dach- 
steinkalk schützt  ihn  dabei  vor  schneller  Zerstörung. 

Somit  behält  die  Mulde,  welche  unser  Profil  ergab,  ihren  Charakter  voll- 
ständig bei  und  alle  Anomalien  erklären  sich  leicht  durch  einfache  Ueberstürzun- 
gen  von  den  Rändern  her.  Jetzt  Stellen  sich  auch  die  Lagerungsverhältnisse  im 
Kälberthal  als  vollkommen  normal  heraus,  indem  die  untere  Dachsteinkalk- 
partie des  Schafberges  weit  unter  dem  oberen  Riegel  das  Thal  durchsetzen  muss. 
Die  Kössener  Schichten  sind  hier  sehr  mächtig  und  vorherrschend  durch  merg- 
lige Schichten  vertreten,  welche  zu  weichem  fruchtbaren  Roden  verwittern  und 
die  untere  Spullers-Alp  im  Kälberthal  tragen.  Westlich  ziehen  dann  die 
Kössener  Schichten  nach  der  Spitze  des  Goldberges  und  weiter  fort  gegen  den 
Formarin-See.  Ihr  Liegendes  ist  im  Kälberthal  Dolomit,  welcher  hier  äusserst 


Fig.  19. 

Schafberg.  Ob.  Spullers-Alp. 


Ansicht  des  Schafberges  ans  dem  Kälberthale  (von  West). 

a Unterer  Dachstein-Dolomit,  b Kössener  Schichten,  c Oberer  Dachstein-Kalk. 
d Algäu-Schichten. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


99 


[13] 


mächtig  ist  und  rechts  das  riesige  Gestell  des  Schafberges  bildet.  Erst  an  der 
Thannläger  Alp  folgt  Rauchwacke,  die  wir  später  im  oberen  Lechthal 
betrachten. 

In  ihrer  Fortsetzung  gegen  Osten  zeigt  die  Mulde  I N — II  S noch  mehrfach 
dergleichen  Verhältnisse,  wie  sie  bei  Spullers  Vorkommen. 

Stuben,  Arlberg,  Grabach,  Zürss. 

Wir  betreten  mit  dieser  Gegend  einen  der  interessantesten  Theile  unseres 
Gebietes,  einen  Theil,  in  welchem  alle  Formationen  in  vortrefflicher  Entwicke- 
lung, aber  scheinbar  unter  sehr  complicirten  Lagerungsverhältnissen  Vorkommen, 
welche  sich  aber  mit  Hilfe  der  eben  ausgefiihrten  Analysen  der  Umgebungen  der 
Spullersalp  leicht  erklären  lassen.  Das  gesammte  kleine  Gebiet  ist  ein  weiterer 
östlicherer  Theil  unserer  Mulde  IN  — II  S,  die  im  Norden  und  Süden  von  zwei 
Aufbruchsspalten  begrenzt  wird.  Wie  bisher  so  wird  auch  hier  der  Gebirgsbau 
am  klarsten,  wenn  man  aus  der  Tiefe  der  Spaltenthäler  nach  den  Rändern  der 
Mulde  hinaufsteigt.  Wir  beschränken  uns  daher  auf  die  Erörterung  einiger  Pro- 
file, erst  von  Süden  (Klosterthal),  dann  von  Norden  (Lechthal)  her  nach  der 
Höhe  zwischen  beiden  Thälern. 

Abhang  zwischen  Klösterle  und  Stuben.  Bei  Wald  erheben  sich 
die  steil  geneigten  Arlberg-Schichten  unmittelbar  aus  der  Thalsohle;  am  Ausgang 
des  Streubachs  und  von  hier  bis  weit  östlich  von  Stuben,  stehen  sie  senk- 
recht, aber  zwischen  ihnen  und  der  Thalsohle  ziehen  sich  sanftere  Gehänge  hinab, 
welche  zum  Theil  mit  Geröll  dicht  bedeckt  und  mit  Knieholzgestrüpp  bewachsen 
sind.  Wilde,  tiefe  Tobl  durchschneiden  sie  und  bringen  aus  dem  Innern  des 
Gebirges  stets  neue  Zufuhr  für  die  Geröll-Lehnen.  Nur  an  wenigen  Stellen 
kommt  das  bedeckte  Gestein  zu  Tage,  theils  an  vereinzelten  Punkten  an  der 
Strasse,  theils  in  verschiedenen  Höhen  am  Abhang  hinauf.  Von  Klösterle  bis 
oberhalb  Stuben  lässt  sich  mitten  am  Abhang  ein  Zug  von  Vir  gl  ori  a-Kalk 
beobachten,  dessen  Schichten  firstartig  nach  zwei  Seiten  abfallen;  darüber 
wölben  sich  Partnachmergel,  welche  oben  fortgewaschen  sind  und  nur  noch  die 
Flanken  des  Firstes  bedecken.  Als  drittes  Glied  folgen  zu  beiden  Seiten  Arlberg- 
kalke, im  Norden  zu  einer  hohen  Mauer  aufsteigend,  im  Süden  einen  wenig  zu 
Tage  kommenden  Zug  bildend,  der  sich  an  die  Mergel  lehnt  und  an  der  Strasse 
stellenweise  sichtbar  ist.  Mit  ihm  endigt  zwischen  Klösterle  und  Stuben  die 
Reihe  der  Sedimentärschichten  gegen  die  südlich  angrenzenden  krystallinischen 
Schiefer.  Das  Gewölbe  der  Triasgebilde  lässt  sich  an  dem  Abhang  nordwestlich 
von  Stuben  deutlich  verfolgen.  Weiter  hinan  folgt  der  Zug  der  gelben  Rauch- 
wacke (Raibler  Schichten)  und  darüber  der  Dolomit,  welcher  den  Arzberg  und 
Roggler  Spitz  bildet,  dann  aber  von  den  Algäu-Scbichten  des  Gfäll-Kopfes 
bedeckt  wird  (siehe  Profil  XI). 

Profil  von  Stuben  nach  Zürss.  — Herr  Escher  v.  d.  Linth  hat 
bereits  das  ausgezeichnete  Profil  zwischen  Stuben  und  Zürss  beschrieben  *)  und 
schloss  auf  das  Vorhandensein  einer  Wölbung.  Dieselbe  lässt  sich  in  der  That 
sowohl  durch  die  Wiederholung  der  gleichen  Schichten  als  auch  durch  unmittel- 
bare Beobachtung  an  den  Virgloria-Kalken  nachweisen  und  ist  die  Fortsetzung 
der  Welle  zwischen  Klösterle  und  Stuben,  wie  die  Parallelprofile  Fig.  23,  22 
erweisen.  Bei  Stuben  selbst  befindet  man  sich  in  den  dolomitischen  Arl b er g- 


*)  Vorarlberg.  Seite  76,  Beilage  S,  siehe  auch  Taf.  IX,  Prof.  III. 


100 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[14] 

Kalken  (2,  3,  4 z.  Th.  des  E sc  h e r’schen  Profiles),  darauf  wiederholen  sich 
zweimal  die  Partnac h mergel  (4  z.  Th.,  5),  welche  das  kleine  Gewölbe  der 
Vir gloria-Kalke  einschliessen.  Durch  Wechsellagerung  gehen  die  Partnach- 
mergel  in  den  nördlich  fallenden  Theil  der  Arlberg-Kalke  über.  Dieselben 
stehen  fast  senkrecht  und  bilden  sehr  eigentümlich  gestaltete  Berge  mit  Hahnen- 
kamm ähnlichem  Profil.  Wie  die  Blätter  eines  halbgeöffneten  Buches  ragen  die 
festeren  Kalkschichten  schneidig  in  die  Luft  und  sind  durch  tiefe  Auswitterungen 
der  mergeligen  Schichten  von  einander  getrennt.  Ein  neuer  in  den  Fels  gehaue- 
ner Saumweg  windet  sich  zur  Seite  des  wild  herabstürzeriden  Wassers  in  dem 
Kalk  hinan  und  erlaubt  dies  Gestein  hier  genau  zu  beobachten.  Es  ist  stellen- 
weise porös  wie  ein  Schwamm,  in  einem  so  hohen  Grade,  wie  ich  es  an  keinem  an- 
dern Ort  beobachtete,  äusserst  bituminös,  reich  an  mergeligen  Zwischenschichten 
und  grossentheils  stark  dolomitisch.  Herr  Es  eher  fand  in  einigen  Schichten 
gediegenen  Schwefel.  Erst  wenn  man  die  bedeutende  Höhe  des  steilen  Anstieges 
überwunden  hat,  gelangt  man  an  den  quer  durchsetzenden  Zug  von  gelber  Rauch- 
wacke  der  Raih ler  Schichten,  die  hier  mit  viel  braunem  Sandstein  wechsel- 
lagert. Der  Dolomit  ist  an  dieser  Stelle  nicht  sehr  mächtig.  Um  so  mehr  ist 
dies  mit  dem  durch  die  Kössener  Schichten  getrennten  Dachs teinka  1 k 
der  Fall,  welcher  sich  in  der  Tiefe  des  Passes  unmittelbar  mit  dem  von  jenseits 
herübergreifenden  verbindet  und  Zürss  allseitig  umgibt.  Die  Ad  net  her  Kalke 
lagern  rechts  und  links  auf  und  steigen  zum  Trittkopf  und  G fäll  köpf  an. 

Abhang  zwischen  Stuben  und  dem  Arlberg.  Die  Lagerungsver- 
hältnisse bleiben  im  Wesentlichen  dieselben  wie  zwischen  Klösterle  und 
Stuben;  doch  steigt  das  ganze  Triassystem  gegen  Süden  noch  einmal  an,  wie 
die  Parallelprofile  (20,  21,  22,  23)  zeigen: 

Diese  Profile  erklären  sich  selbst;  sie  zeigen  auch  den  Grund  der  ungewöhn- 
lichen Mächtigkeit  der  Arlbergkalke  am  Schindler-Spitz,  der  auch  zuweilen  den 
Namen  des  Arlbergspitzes  führt  und  die  Veranlassung  zur  Benennung  unserer  Arl- 
bergkalke gab.  Sie  erklären  zugleich  die  Vollständigkeit  der  Entwickelung  des 
Profils  längs  der  Höhenlinie  der  Wasserscheide  vom  Valluge r Spitz  nach  dem 
Berg  oberhalb  St.  Christoph,  wo  der  Verrucano  in  bedeutender  Entwickelung 
auftritt. 

Wir  schliessen  hiermit  die  Reihe  der  Profile  des  Klosterthaies,  welche  sich 
durch  ihre  Einfachheit  und  Regelmässigkeit  auszeichnen.  Wir  werden  sie  später 
östlich  vom  Arlberg  im  Thal  der  Rosanna  gegen  Landeck  fortsetzen.  Das  Arl- 
bergprofil ergibt  sich  als  vermittelndes  zwischen  den  Verhältnissen  beider 
Thäler. 

Omes-Horn,  Umgebung  von  Zürss.  — Jeder  Aufstieg  aus  der  Auf- 
bruchsspalte des  Klosterthales  führte  durch  das  gesammte  Triassystem  nach 
dem  Dolomit  und  den  höheren  Gliedern  des  Lias.  Jenseits  steigt  man  allenthalben 
über  die  umgekehrte  Schichtenfolge  nach  dem  Lechthal  hinab.  Es  genügt,  dieses 
Verhalten  im  Allgemeinen  zu  erwähnen,  da  die  Specialitäten  dort  wenig  Ab- 
wechslung bieten.  Das  Omes-Horn  und  der  Sch  wabbrunnen,  die  Erhebungen 
zu  beiden  Seiten  des  Zürsser  Baches  bestehen  in  ihrer  grossen  Masse  aus  dem  Do- 
lomit der  Mulde  und  spielen  für  deren  nördlichen  Theil  dieselbe  Rolle  wie  in 
Arzberg,  Roggler  Spitz  und  Valluger  Spitz  im  südlichen  Theil.  An  dem  Südabhang 
beider  Berge  ist  der  Dolomit  von  Kössener  Schichten  überlagert,  die  im  weiten 
südlichen  Bogen  sich  in  dem  fruchtbaren  Thalboden  von  Zürss  vereinigen,  der 
ganz  aus  Kössener  Schichten  besteht.  Die  darauf  lagernden  sehr  mächtigen 
Dachsteinkalke  umschliessen  mit  ihren  senkrecht  abgebrochenen  Mauern  den 
Thalboden  und  vereinigen  sich  südlich  von  demselben.  Westlich  von  Zürss 


[15] 


Valluger-Spitz. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 
OST 

Schindler-Spitz  (Arlberg). 


101 


Glimmer- 

schiefer. 


Fig.  20. 


Tritt-Kopf 


Pass  am  Arlberg. 


S.  Christoph. 


Fig.  21. 


Höhe  des  Passes 
gegen  Zürss. 


Arzberg. 


Kloster-Thal. 

Stuben. 


Glimmerschiefer. 


Post- 
strasse. Allenz. 


X 


Glimmerschiefer. 


Fig.  22, 


Fig.  23. 


Parallel-Profile  der  Trias-Schichten  am  Arlberg. 

i Verrucano.  2 Virgloria-Kalk.  3 Partnach-Mergel.  4 Arlberg-Kalk.  5 Raibler  Schichten.  6 Unterer  Dachstein- 
Dolomit.  7 Kössener  Schichten.  8 Oberer  Dachstein-Kalk.  9 Adnether  Kalk.  iO  Algäu-Schichten. 


102 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[16] 

gelangt  man  dann  bald  über  Adnether  Kalk  in  das  Gebiet  der  Algäu-Scbichten, 
ebenso  östlich;  allein  hier  beginnen  nun  höchst  eigenthümliche  complicirte  Ver- 
hältnisse; am  besten  lassen  sie  sich  verfolgen  an  dem 

Grat  zwischen  demPazielerBach  (westlich)  unddemBockbach, 
Grabach  und  Almej urbach  (östlich).  — Bei  Zurss  ist,  wie  aus  dem  Vorigen 
hervorgeht,  der  Bereich  der  supradolomitischen  Liasgesteine  der  Mulde  IN — IIS 
sehr  klein;  im  Thalgrund  ist  Dachsteinkalk  das  höchste  Gestein.  Übersteigt  man 
die  östliche  Mauer  desselben,  so  liegen  ihm  zunächst  Adnether  Kalke  auf,  dann 
folgen  Liasfleckenmergel.  Die  Bänder  der  Mulde  treten  plötzlich  weit  auseinander 
und  es  entwickeln  sich  die  Algäu-Schichten  in  ungewöhnlicher  Mächtigkeit.  Sie 
bilden  die  Masse  des  Trittkopfes  und  sind  in  vielen  Tobeln  entblösst.  Einzelne 
Schichten  sind  gypsführend.  Die  Lagerungsverhältnisse  scheinen  sehr  gestört. 
Diese  Schichten  werden  von  dem  kleinen  Thale  des  bei  Zürss  mündenden  Pazieler 
Baches  durchbrochen,  welcher  seine  Quellen  an  einem  ungefähr  nordsüdlichen 
Grat  sammelt.  Oestlich  entsendet  derselbe  Grat  den  Almejurbach,  Grabach,  und 
Bockbach.  Vom  Vallugerkopf  bis  zum  Sc h wa  b b r un n e n ist  der  Grat  in 
dem  Gebiet  der  Algäu-Schichten  unserer  Mulde,  dem  auch  jene  drei  östlichen 
Thäler  in  ihren  oberen  Thalstrecken  angehören.  Da  begegnet  man  mitten  auf 
dem  Grat  und  fast  in  seiner  ganzen  Erstreckung,  der  seltsamen  Erscheinung, 
dass  Algäu-Schichten  der  sonst  so  regelmässigen  Mulde  älterer  Schichten  aufge- 
lagert sind. 

Es  eher  und  Studer  fanden  bereits  vor  langer  Zeit  auf  dem  Grat  und  zwar 
an  seiner  Ostseite  am  Ursprung  des  Grabachthaies,  Triasversteinerungen,  welche 
auf  einige  Analogie  mit  Set.  Cassian  deuteten.  Herr  v.  Hauer  und  ich  besuchten 
von  Stög  im  Lechthal  ausgehend  dieselbe  Stelle  in  Begleitung  des  Herrn  Es  eher 
v.  d.  Linth  und  sammelten  eine  grosse  Menge  Petrefacten  der  Rai  bl  er 
Schichten;  doch  Hess  sich  unmöglich  etwas  über  die  Lagerungsverhältnisse 
ergründen.  Erst  eine  spätere  Untersuchung  von  Zürss  aus  zeigte  die  völlige 
Identität  mit  der  kurz  zuvor  am  Schafberg  (Fig.  19)  an  demselben  Nordrand 
der  Mulde  beobachteten  Ueberstürzung;  doch  ist  sie  hier  unendlich  grossartiger, 
da  das  gesammte  Lias-  und  das  Trias-System  bis  hinab  zu  den  Partnachmergeln 
daran  Theil  nehmen.  Das  auf  Tafel  II  der  ersten  Abtheilung  mitgetheilte  Profil 
(XII)  genügt,  um  die  grossartige  Ueberstürzung  des  so  mächtigen  Systems  voll- 
kommen zu  erläutern.  Steigt  man  nach  dem  Pass  hinauf,  so  überschreitet  man 
die  verkehrte  Schichtenfolge  und  erreicht  die  Einsattelung  in  Partnachschichten. 
Kommt  man  aber  von  jenseits  her  aus  dem  Grabachthai  so  wandert  man  von 
den  letzten  Sennhütten  her  lange  Zeit  in  Fleckenmergeln  und  erreicht  bei  steilerem 
Anstieg  rothen  ammonitenreichen  Adnether  Kalk  mit  Crinoidenbreccie  und 
darüber  eine  sehr  mächtige  Bank  von  Dachsteinkalk.  Kössener  Schichten  liegen 
ihr  auf  und  schaffen  eine  kleine  ebene  Fläche  über  der  plötzlichen  Stufe.  Der 
Dolomit,  welcher  am  Rauhenspitz  und  Grabacherspitz  sehr  mächtig  ist,  fehlt  hier 
in  dem  Profil  und  es  folgen  den  Kössener  unmittelbar  Raibler  Schichten  mit  viel 
gelber  Rauchwacke,  aber  ohne  Gyps,  darauf  eine  Wand  von  Arlbergkalk  und 
endlich  die  Partnaehmergel  des  Passes.  Nirgends  in  ganz  Vorarlberg  treten  die 
Raibler  Schichten  mit  demselben  Reichthum  an  Versteinerungen  auf,  als  hier  unter 
diesen  abnormen  Verhältnissen. 

Die  Ueberstürzung  am  Grabacher  Joch  lässt  sich  noch  weiter  östlich  verfol- 
gen, bis  später  wieder  die  einfache  Muldenform  erscheint.  Wir  werden  darauf  in 
einem  späteren  Abschnitte  zurückkommen  und  schliessen,  die  Betrachtung  des 
vorarlhergischen  Theils  der  Mulde  I N — II  S,  um  uns  zu  der  nördlich  begrenzen- 
den Aufbruchsspalte  zu  wenden. 


j 


[17] 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


103 


Oberes  Lech-Gebiet  (Zug,  Am  Lech,  Stubenbach),  Grub-Spitz,  Gypsi- 

Tobl. 

Das  Lechthal  entspringt  am  Formarin-See;  der  Bach  aber  hat  seine  Quelle 
nicht  in  diesem  Wasserbecken,  sondern  in  einem  kleinen  südlichen  Querriss  des 
Gebirges,  dessen  Ursprung  in  den  Algäu-Schichten  der  eben  verlassenen  Mulde 
liegt.  Vom  Formarin-See  aus  bis  zu  dem  kleinen  Dorf  „Am  Lech“  oder 
Thannberg  hat  das  Thal  eine  Richtung  von  WSW.  nach  ONO.,  ist  also  dem 
Klosterthal  nicht  genau  parallel,  dennoch  hat  es  als  Aufbruchsspalte  die  gleiche 
geognostische  Bedeutung.  Bei  Thannberg  trennen  sich  die  Richtung  des  Flusses 
und  der  Hebung.  Jener  beschreibt  über  Stubenbach,  Warth,  Lechleiten, 
Ellenbogen  einen  grossen,  nach  Nord  gerichteten  Bogen,  um  dann  bei  Stög 
wieder  in  das  alte  Hebungssystem  und  in  die  genaue  Fortsetzung  der  früheren 
Richtung  einzuspringen.  Bei  Stög  beginnt  der  Theil,  welchen  man  gewöhnlich 
als  das  „obere  Lechthal“  bezeichnet,  während  die  Umgebungen  von  Warth  und 
Am  Lech  dem  allgemeinen  Begriff  des  „Thannberges“  anheim  fallen,  welcher 
das  Quellgebiet  der  Bregenzer  Ache  und  des  Lech  umfasst. 

Von  der  Quelle  bis  Stubenhach,  wo  der  Fluss  mit  seiner  Wendung  auch 
weit  andere  Formationen  betritt,  erhält  der  Lech  vier  Zuflüsse  von  Süden  her 
aus  dem  Gebiete  der  Algäu-Schichten  der  früher  betrachteten  Mulde;  sie  sind:  der 
Kälberbach,  welcher  vom  Spullers-See  herabkommt  und  mit  dem  Stier- 
locherbach den  Schafberg  umfasst.  Stierloch-  und  Zürsser  Bach  um- 
fassen das  Om  es -Horn.  Der  letztere  mündet  bei  der  Wendung  des  Thaies.  End- 
lich kommt  vom  Schwabbrunnen  der  Thalichbach  herab.  Alle  diese  Bäche 
bilden  wilde  enge  Thäler  mit  steilen  Wänden  in  dem  mächtigen  Dolomit,  in  dessen 
wenig  geneigte  Schichten  sie  senkrecht  eingesenkt  sind;  alle  erreichen  den 
Thalboden  in  Triasgesteinen. 

Wenn  man  von  den  höheren  Liasgesteinen  am  Formarin-See  herabkommt 
und  den  Dolomit  in  einem  langen  unfruchtbaren  Hochthal  überschritten  hat,  so 
stellt  sich  das  erste  Triasglied  bei  der  Thannlägeralp  ein,  gelbe  Bauchwacke 
der  Raibler  Schichten,  Sie  durchzieht  hier  den  Thalgrund  und  bildet  auch  den 
fruchtbaren  Boden  von  Aelpele;  zur  Rechten  zieht  sie  tief  am  Abhange  hin, 
durch  den  Zürsser  Bach  hindurch  nach  dem  Pass  zwischen  Lechthal  und  Bockbach- 
thal (am  Nordfuss  des  W estner  Ber ges  vorüber).  Bald  darauf  keilt  sie  sich 
aus.  Zur  Linken  dagegen  steigt  sie  hoch  an  und  bildet  eine  Zone  um  das  dolomi- 
tische Krieger horn,  hinter  dem  wir  sie  im  Gypsitobl  wiederfinden. 

Der  Arlbergkalk  bildet  seine  Wände  unter  der  Rauchwacke;  an  zwei  Stellen, 
unterhalb  A el  p e le  und  bei  Am  Lech  vereinigen  sich  die  Kalke  in  der  Thal- 
sohle und  schliessen  dazwischen  den  kleinen  Aufbruch  von  Zug  ein,  wo  Part- 
nachmergel  und  Virgloriakalk  anstehen.  Bei  den  Häusern  von  Am  Lech  kann 
man  an  mehreren  Stellen,  z.  B.  an  der  unteren  Brücke,  die  Arlbergkalke  anstehend 
beobachten.  Man  erhält  somit  folgende  Parallelprofile  des  Lechthaies,  Figuren  24 
bis  27. 

Geht  man  von  Am  Lech  abwärts,  so  gelangt  man  bald  nochmals  zu  dem 
Liegenden  der  Arlbergkalke,  zu  Partnachmergeln  und  Virgloriakalk,  welche  das 
nun  nach  Norden  gewendete  Thal  quer  durchziehen,  sich  im  Osten  sehr  bald  aus- 
keilen und  im  Westen  nach  dem  Gypsitobl  fortsetzen.  Anstatt  aber  auf  Verru- 
cano zu  kommen,  erreicht  man  unmittelbar  unter  dem  Virgloriakalk  mächtig 
entwickelte  Algäu-Schichten,  welche  die  Häuser  von  Stuben!)  ach  tragen  und 
östlich  über  die  Höhe  nach  dem  Bockbachthal  fortsetzen.  Es  ist  also  hier  ein  ähn- 


K.  k.  geologische  Reichsaostalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  II.  Heft. 


14 


104 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


Kriegerhorn. 


Lech.  Am  Lech. 


Schwabbrnanen. 


Fig.  24 


Lech-Thal. 

Kriegerhorn.  Zug.  Gfill-Kopf. 


Lech-Thal. 

Hirschen-Spitz.  Thannläger-AIp.  Gold-Berg. 


Misthaufen.  Auf  dem  Gschrepp.  Oberstes  Lechthal.  Feier-Kopf. 


Parallel-Profile  aui  Ursprung  des  Lech-Thales. 

1 Virgloria-Kalk.  2 Partnach-Mergel.  3 Arlberg-Kalk.  4 Raibler  Schichten.  S Unterer  Dachstein-Dolomit. 
6 Kössener  Schichten.  7 Oberer  Dachstein-  und  Adnether  Kalk.  8 Algäu-Schichten. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


108 


[19] 


liches  abnormes  Auflagerungsverhältniss,  wie  es  im  Rhätikongebiete  so  überaus 
häufig  zu  beobachten  ist  und  wie  es  bei  Raggall  und  ÄJaroul  vorkornmt. 

Wenden  wir  uns  von  diesen  speciellen  Verhältnissen  des  Thalbodens  zu  dem 
allgemeinen  Gebirgsbau,  so  sehen  wir,  dass  das  Thal  die  An tiklinallinie  einer 
Welle  (If)  bezeichnet  (Profile  X,  XI,  XII),  welche  nach  dem  Westner  Rerg 
fortsetzt  und  dass  die  am  Südgehänge  südlich  fallenden  Schichten  (II  S)  sich  im 
Klosterthale  wieder  erheben.  Ebenso  bildet  der  nördlich  begleitende  Dolomitzug 
eine  flache  Mulde,  deren  Schichten  im  Misthaufen,  Tisner-Gsc  hrö  f und 
Gansboden  wieder  aufsteigen  und  auf  einen  parallelen  Zug  jüngerer  Lias» 
gesteine  hinaufgeschoben  sind.  Zum  Theile  liegt  unmittelbar  der  Dolomit  auf  den 
Eieckenmergeln,  zum  Theile  folgt  dazwischen  Rauchwacke  und  weitere  Glieder 
der  Trias,  wie  am  Kriegerhorn.  Das  Krieger  hör  n ist  eine  isolirte  Kuppe  von 
muldenförmig  gelagertem  Dolomit,  isolirt  durch  die  allseitige  Entblössung  der  lie- 
genden Rauchwacke;  im  Norden,  Osten  und  Süden  stehen  auch  tiefere  Lias- 
glieder an.  Die  Rauchwacke  der  Raibler  Schichten  führt  hier  viel  Gyps,  daher 
„Gypsitobl“  und  „G  y psilochbaeh“.  In  letzterem  stehen  die  schwarzen 
schiefrigen  Partnachmergel  an.  Die  weiter  westlich  folgenden  Gebirge  betrachten 
wir  in  Verbindung  mit  dem  nächsten  Abschnitte. 


Walser  Thal  (südliches  Gebiet). 

Man  unterscheidet  zwei  Walser  Thäler;  das  sogenannte  kleine  oder  das  Thal 
Mittelberg  wird  von  der  Breitach  durchströmt,  ist  im  östlichen  Theile  des 
südlichen  Flyschzuges  eingesenkt  und  öffnet  sich  in  das  bayerische  Algäu.  Das 
grosse  oder  das  eigentliche  Walser  Thal,  dessen  Gebiet  hier  in  Betracht 
kommt,  wird  vom  Lutzbach  durchströmmt,  der  am  Kleinen  Spitz  entspringt, 
und  bei  Thüringen  in  das  Illlhal  mündet.  Der  obere  Lauf  ist  im  Trias-Lias  - 
gebiet,  der  Unterlauf  im  Flysch.  Der  erstere  durchschneidet  selbst  Algäu-Schichten, 
über  denen  im  Norden  ein  mächtiges  Gebirge,  der  Zitterklapfen,  aufsteigt, 
während  im  Süden  eine  weite  Dolomitwelt  sich  ausbreitet,  welche  dem  Lutzbach 
mehrere  Zuflüsse  zusendet.  Sie  ist  es,  welche  hier  in  Betracht  kommen  soll. 

Zwei  genau  ostwestlich  streichende  Dolomitzüge  setzen  dieses  wilde  Gebirge 
zusammen.  Zwischen  ihnen  zieht  sich  eine  lange  schmale  Mulde  jüngerer  Lias- 
gebilde hin.  Der  südliche  Dolomitzug  ist  derselbe,  welcher  den  Lech  nördlich 
begleitet  und  in  seinem  östlichen  Theil  selbst  eine  muldenförmige  Lagerung  besitzt. 
Steigt  man  daher  vom  Walserthal,  z.  B.  von  Rothenbrunn  aus,  in  einem  der  Quer- 
thäler  aufwärts,  so  sind  zunächst  in  der  Thalsohle  Algäu-Schichten,  in  denen  der 
Lutzbach  eingeschnitten  ist,  darüber  folgt  der  nördlichere  der  beiden  Dolomit- 
züge (Feuerstein,  Kleine  Spitz,  Mohnenfluh),  in  welchem  das  Bad 
Rothenbrunn  liegt;  weiter  hinauf  folgt  die  aus  Kössener,  Dachstein-,  Ad- 
nether  und  Algäu-Schichten  gebildete  Mulde,  welche  alle  Thäler  quer  durchsetzt, 
endlich  der  zweite  südlichere  Dolomitzug,  der  reich  ist  an  wilden  Steinfeldern, 
um  welche  die  höheren  gewaltigen  Gipfelmassen  amphitheatralisch  herumziehen. 
Andere  Felsrneere,  wie  sie  sonst  dem  Dolomit  wenig  eigen  sind,  bilden  den  kessel- 
förmigen Hintergrund,  aus  dem  unzugängliche  Pässe  in  das  oberste  Lechgebiet 
hinüberführen.  Diesen  Charakter  hat  vor  Allen  der  gegenüber  der  Alpe  Its c ti- 
gern ey  mündende  Tobl,  welcher  aus  dem  Tis n er  Gschröf  herabkommt, 
ebenso  das  obere  Rothenbrunner  Thal. 

Der  Hutler  Bach,  welcher  an  der  Rothwand,  nahe  am  Formarin-See  ent- 
springt, zeigt  sehr  abweichende  Verhältnisse  an  der  rechten  und  linken  Thal  wand. 
Die  rechte  entspricht  vollkommen  dem  benachbarten  Rothenbrunner  Thal.  Kommt 

14  * 


106 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[20] 

man  aus  dem  obersten  Lechthal  über  das  Gschrepp  herüber  nach  der  Alpe 
Glesenze  im  Thal  des  Hutler  Baches,  so  steigt  man  Anfangs  hoch  hinauf  auf 
die  Dolomitwand  jenes  Aufbruchthaies  und  gelangt  auf  der  Höhe  des  Passes  zu 
einem  furchtbaren  Chaos  der  verschiedensten  Schichten.  Eine  Schlucht  ist  hier 
fast  eine  Viertelstunde  lang  in  gleichbleibender  Höhe  zwischen  Dolomitwände  ein- 
gesenkt; Alles  von  der  Rauchwacke  an  bis  zu  den  Fleckenmergeln  ist  wirr  durch- 
einander geworfen  und  man  begegnet  bald  der  einen,  bald  der  anderen  Formation. 
DiehöehsteHöhedes  Baches  wird  von  den  Hornsteinen  der  Algäu-Schichten gebildet, 
mit  denen  hier  reiche  Eisen-  und  Manganerze  verbunden  sind.  Tritt  man  endlich 
aus  der  hohlen  Gasse  des  Passes  heraus,  so  steht  man  an  dem  Abgrund  einer  tiefen 
Spalte,  in  welcher  der  Hutler  Bach  Giesst  und  jenseits  der  Spalte  ist  der  Ost- 
hang der  Roth  wand  (Fig.  17)  prachtvoll  entblösst.  Die  Schichtensysteme  sind 
an  ihr  ungemein  stark  durcheinander  gewunden,  allein  man  kann  die  Störungen 
wegen  des  kolossalen  entblössten  Durchschnitts  an  ihr  genau  verfolgen  und  sich 
dadurch  auch  den  raschen  Wechsel  verschiedener  Formationen  in  dem  erwähnten 
Engpass  auf  dem  Gschrepp  erklären.  Wie  klein  der  Raum  ist.  auf  welchen  die 
Störungen  beschränkt  waren,  von  denen  die  ganze  Gebirgsmasse  der  Rothwand 
zeugt,  beweist  ebenso  dieUmgebung  des  Formarin-Sees,  als  hier  der  gleichförmige 
Schichtenbau  des  dolomitischen  „Misthaufen“,  der  sich  im  Osten  in  gross- 
artiger Erhabenheit  über  jenen  wirren  Complex  erhebt.  — Geht  man  abwärts 
nach  Glesenze,  so  gelangt  man  abwechselnd  über  Dolomit  und  Algäu-Schichten, 
endlich  kurz  vor  der  Alpe  über  eine  mächtige  Masse  von  Rauchwacke.  Erst  hei 
Glesenze  treten  die  Algäu-Schichen  herrschend  auf  die  rechte  Thalwand  herüber 
und  bilden  die  Abhänge  bis  zur  Hälfte  der  Höhe;  darüber  liegt  der  Dolomit. 
Es  findet  also  hier  dasselbe  abnorme  Lagerungsverhältniss  statt,  wie  in  der 
östlichen  Fortsetzung  des  Dolomitzuges  am  Kriegerhorn.  Endlich  bei  der  oberen 
Riederer  Alp  macht  der  Dolomit  den  Algäu-Schichten  ganz  Platz  und  diese  ziehen 
über  die  Höhe  hinüber  nach  dem  Rothenbrunner  Thal.  Weiter  abwärts  kommt  man 
dann  abermals  zum  Dolomit  durch  Vermittlung  von  Dachsteinkalk  und  Kössener 
Schichten  und  endlich  auf  die  Algäu-Schichten  am  Lutz-Bach.  Die  rechte  Thal- 
wand des  Hutler  Baches  *)  ist  also  genau  so  zusammengesetzt,  wie  beide  Abhänge 
des  Rothenbrunner  Thaies.  Um  so  auffallender  ist  es,  dass  über  den  Bach 
hinüber  die  Verhältnisse  nicht  in  gleicher  Weise  fortsetzen,  sondern  sich 
bedeutend  ändern;  es  scheint,  dass  der  Hutler  Bach  eine  nordsüdliche  Spalte 
mit  senkrechter  Verwerfung  andeutet.  Nur  dann  ist  es  möglich,  die  Alpilla  als 
Fortsetzung  der  Welle  III  zu  betrachten. 

Walser-Thal  (nördliches  Gebiet),  Z itte  rkl  apfe  n,  Künzle-Sp  itz,  Grenze 
mit  F ly  sch.  (Profile  VIII,  XI.) 

In  auffallendem  Coritrast  zu  den  massenhaften  Formen  der  Dolomitwelt,  aus 
welcher  der  Lutz-Bach  seinen  südlichen  Zufluss  erhält,  steht  der  letzte  nördliche 
Grenzpfeiler  des  Dolomites:  der  Grat  des  Zitterklapfens  und  der  Künzle-Spitz. 
Dort  ruhige  Erhabenheit,  weite,  amphitheatralische  Gebirgskessel,  welche  durch 
ihr  treppenförmiges  Ansteigen  oft  unzugänglich  gemacht  werden,  dazu  eine  fast 
horizontale  Lagerung;  hier  begegnen  wir  einem  schmalen  Grat  mit  luftigen, 
vielzackigen  Formen  und  steilerem  (südlichem)  Einfallen  der  Schichten.  Sie  sind 
hier  auf  dasFlyschgebirge  hinaufgeschoben  und  steigen  hoch  an.  Die  verschie- 


4)  Zum  Theil  sind  die  eben  dargestellten  Verhältnisse  aus  Profil  IX  ersichtlich. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


107 


[«] 


denen  Schichten  bilden  am  Abhange  mehrere  Zonen;  das  untere  Thalgehänge, 
so  weit  die  Wiesen  und  Alpen  reichen,  besteht  aus  Lias-Fleckenmergeln,  der 
hohe  Grat  aus  Dolomit;  dazwischen  ziehen  sich  Adnether,  Kössener  und  Dach- 
steinkalk-Schichten hin.  Alle  Zonen,  die  Durchschnitte  der  Fläche  des  Abhanges 
mit  den  Schichten  steigen  nach  Ost  an  und  ziehen  sich  westlich  so  weit  herab, 
dass  sie  endlich  die  Thalsohle  erreichen  und  über  das  Thal  hinwegsetzen. 
Am  besten  kann  man  dies  bei  den  rothen  Adnether  Kalken  beobachten , in 
welchen  der  hohe,  nach  Sehröcken  hinüberführende  Schadona-Pass  ein- 
geschnitten ist,  während  sie  oberhalb  Itschgerney  vorüber  sich  allmälig  an 
der  Thalwand  herabsenken  und  westlich  von  Buchboden  den  Lutz-Bach  über- 
setzen. Wendet  man  sich  daher  von  Rothenbrunn  über  Buchboden  thalabwärts, 
so  überschreitet  man  den  Riegel  von  Adnether  Kalk,  Kössener  Schichten  und 
Dolomit  und  befindet  sich  plötzlich  im Flyschgebiet.  Dieser  Riegel,  welcher  nichts 
als  der  so  tief  durchbrochene  Zug  des  Zitterklapfen  ist,  scheidet  das  Walser 
Thal  streng  in  ein  oberes  und  ein  unteres.  — Dasselbe  Profil,  welches  man  hier 
in  wenigen  tausend  Schritten  durchwandert,  sieht  man  allenthalben  aufgeschlos- 
sen, wenn  man  die  steilen  Nordgehänge  des  Walser  Thaies  erklimmt  und  über  den 
höchsten  Alpen  nach  den  tief  in  dem  Dolomit  des  Grates  eingeschnittenen 
Scharten  steigt,  durch  welche  unbequeme  Jochsteige  nach  Schopernau  führen. 
Der  Adnether  Kalk  und  die  Kössener  Schichten  sind  auf  diesen  Höhen  besonders 
versteinerungsreich,  der  Dachsteinkalk  besitzt  eine  bedeutende  Mächtigkeit. 
Ersterer  breitet  sich  mit  seiner  charakteristischen  rothen  Färbung  in  der  Einsatt- 
lung des  Schado  na -Passes  aus  (daher  die  Benennung  „d  er  rothe  Platz“) 
und  führt  hier  eine  Unzahl  von  Ammoniten.  Auch  die  unmittelbar  folgenden  grau 
gefärbten  Schichten  sind  noch  reich  daran.  Sie  fallen,  wie  Alles,  südlich  und 
tragen  die  steil  über  dem  Pass  zum  Rothhorn  und  Hochberg  sich  aufthür- 
menden  Algäu-Schichten,  die  sich  aus  der  Tiefe  von  Buchboden  und  Rothen- 
brunn heraufziehen  und  jenseits  des  Passes  nach  Schröcken  fortsetzen,  im 
Süden  aber  von  dem  Dolomitzug  der  Mohnenfl u h und  KJ  einen  Spi tz  über- 
lagert werden. 

Wenden  wir  uns  zu  dem  Dolomitgrat  selbst,  der  wegen  der  nahen  Flysch- 
grenze  viel  Interesse  bietet,  so  gehört  er  ganz  und  gar  der  Hebungswelle  V an 
und  setzt  östlich  im  Widd erstei n fort.  Der  Zitterklapfen  und  Künzle- 
Spitz  sind  zwei  sehr  ausgezeichnete  Dolomitberge,  deren  imposante  Form  charak- 
teristisch gegen  den  sich  unmittelbar  anlehnenden  Bregenzerwald  absticht  und 
sie  von  den  Höhen  des  letzteren  allenthalben  als  zwei  Hauptpunkte  der  Umgebung 
hervortreten  lässt.  Verfolgt  man  den  Dolomitzug  nach  Westen,  so  sieht  man  ihn, 
wie  erwähnt,  westlich  von  Buchboden  den  Lutz-Bach  übersetzen  und  jenseits 
als  den  unteren  Theil  der  Gehänge  fortziehen.  Wahrscheinlich  keilt  ers  ich  nörd- 
lich von  Maroul  aus.  Von  der  Alpilla  ist  er  durch  eine  flache  fruchtbare  Terrasse 
getrennt,  welche  anzudeuten  scheint,  dass  beide  Dolomite  nicht  zusammen- 
gehören, sondern  durch  die  Fortsetzung  der  Algäu-Schichten  von  Buchboden 
geschieden  sind.  Die  Alpilla  bleibt,  so  lange  man  sie  nicht  durch  ein  detaillirtes 
Profil  erläutert,  ein  räthselhaftes  Gebilde  in  dem  sonst  ziemlich  klaren  Gebiet; 
in  keine  Hebungswelle  passt  sie  ganz  hinein. 

WasnunendlichdieGrenzeder  Trias-Lias-Zone  gegen  denFlysch 
an  dieser  Stelle  betrifft,  so  ist  sie  analog  beschaffen  wie  an  anderen  Stellen. 
Zwischen  Buchboden  und  Fontanella  kommt  man  zur  Grenze  noch  ehe  man  den 
vom  Zafer-Horn  herabkommenden  tief  eingeschnittenen  Bach  erreicht.  Hier 
grenzt  Dolomit  unmittel b a r an  den  Flysch  und  dies  muss  östlich  hinauf 
wenigstens  so  weit  stattfinden,  als  die  Quellbäche  des  Lutz-Baches  die  Grenzgebilde 


108 


Ferdinand  Freiherr  von  Kichthofen. 


[22] 

durchströmen;  denn  man  findet  in  dem  Trümmermeer  dieser  Bäche  kein  Frag- 
ment von  Adnether  oder  Algäu-Schichten.  Oestlich  dagegen,  wo  das  Flusssystem 
der  Bregenzer  Ache  beginnt,  ändern  sich  nach  den  übereinstimmenden  Beobach- 
tungen der  Herren  Es  eher  und  Gümbel  diese  Verhältnisse,  indem  sich  allmälig 
Algäu-Schichten  zwischen  Dolomit  und  Flysch  einschieben,  also  wieder  das  alte 
Verhältnis,  wie  am  Hoch-Frassen  und  südöstlich  von  Triesen.  Wir  werden  im 
weiteren  Verlaufe  zeigen,  dass  diese  wiederum  südlich  fallenden  Algäu-Schichten 
gegen  Osten  an  Mächtigkeit  zunehmen  und  sich  allmälig,  indem  die  liegenden 
Schichten  bis  zum  Dolomit  hinzutreten,  zu  unserer  VI.  Hebungswelle  entwickeln, 
welche  im  Thale  Mittelberg  auftritt.  Zu  bemerken  ist  dabei  noch,  dass  auch  die 
V.  Hebungswelle  sich  im  Westen  unscheinbar  verlor,  nachdem  sie  eben  noch  im 
Zitterklapferi  so  grosse  Bedeutung  gehabt  hatte. 

Das  westlichste  bekannte  Auftreten  dieser  eingeschobenen  Algäu-Schichten 
ist  im  obersten  Theile  des  kleinen,  bei  Schopernau  in  die  Bregenzer  Ache  mün- 
denden Dürrenbach-Thales  *)  und  am  Toblermanns-Kopf.  Oestlich  nehmen  sie 
bald  an  Mächtigkeit  zu. 

Dur chbruch  der  Bregenzer  Ache.  — Der  Dolomit  der  Künzle-Spitz 
senkt  sich  östlich  tief  hinab  zur  Bregenzer  Ache,  welche  als  jugendlicher  Berg- 
strom die  mächtige  Gebirgskette  im  engen  Spaltenthal  durchbricht.  Die  gesammte 
Hebungswelle  wird  hier  querdurchschnitten  und  ihre  Structur  auf  das  Klarste  bloss- 
gelegt. Der  vielbesuchte  romantische  Weg  von  Schopernau  nach  Schröcken 
führt  am  Bache  hin  und  man  kann  an  ihm  bequem  den  Gebirgsbau  kennen  lernen. 
Bis  Hopf r eben  wandert  man  im  Flysch,  dessen  Schichten  steil  nach  Stunde  11 
(S.  15°  0.)  fallen.  Dann  folgen  Algäu-Schichten,  erst  durch  Gesteine  vertreten, 
welche  kaum  vom  Flysch  zu  unterscheiden  sind,  so  dass  man  bei  Hopfreben 
vollständig  im  Zweifel  ist,  mit  welcher  von  beiden  Formationen  man  es  zu  thun 
hat,  bald  aber  charakteristischer  ausgebildet.  Der  Weg  führt  am  rechten  Ufer 
des  Baches  aufwärts  und  gelangt  bald  in  den  Dolomit,  während  jenseits  noch 
lange  Algäu-Schichten  anstehen;  sie  fallen  flacher  südlich  als  der  Flysch.  Endlich 
herrscht  der  Dolomit  auf  beiden  Seiten  aber  mit  verhältnissmässig  wenig  bedeu- 
tender Mächtigkeit.  Bald  tritt  man  aus  der  engen  Schlucht  heraus,  das  Thal 
wendet  sich,  die  Abhänge  werden  flacher;  in  der  Tiefe  steht  eine  Sägemühle, 
an  der  der  Weg  vorüber  führt.  Hier  ist  es,  wo  die  jüngeren  Liasglieder  des 
Zuges  von  Buchboden  und  Sch  ad  o na  das  Thal  quer  durchziehen.  Doch  findet 
kein  einfaches  normales  Durchsetzen  statt,  sondern  die  Schichten  zeigen 
beträchtliche  Störungen,  und  nur  ihre  leichte  Erkennbarkeit  erlaubt  den  Faden 
des  Zusammenhanges  ohne  Schwierigkeit  zu  finden.  Unmittelbar  hinter  der  Säge- 
mühle nämlich  folgen  auf  den  Dolomit  Kössener  Schichten  und  eine  ungewöhnlich 
mächtige  Bank  von  Dachsteinkalk,  die  man  fast  bis  zur  Höhe  der  Künzle-Spitze 
verfolgen  kann.  Das  Gestein  ist  hier  weiss  und  feinkörnig.  Es  ist  unmittelbar 
überlagert  von  den  wohl  charakterisirten  hoehrothen  Adnether  Kalkschichten,  die 
sich  von  Schadona  herab  leicht  verfolgen  lassen.  Sie  kommen  nicht  bis  zur  Thal- 
sohle, sondern  ziehen  sich  plötzlich  wieder  mit  allen  liegenden  Schichten  aufwärts, 
so  dass  zum  zweiten  Male  eine  Dolomitwand  folgt.  Erst  in  einiger  Erstreckung 
senken  sie  sich  nochmals  herab  und  fallen  in  die  Thalsohle:  man  hat  nun  bis 
Schröcken  links  und  rechts  nur  noch  Algäu-Schichten.  An  der  rechten  Thalwand 
sind  die  Verhältnisse  ein  w^enig  verwickelter,  doch  lassen  auch  sie  sich  auf  die 
kleine  Störung  zurückführen  und  man  hat  es  nur  mit  den  genannten  Liasschichten 


t)  Gümbel,  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt,  VII,  1856,  Seite  8. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


109 


[23] 


zu  thun.  Die  Trias  kommt  in  der  ganzen  Erstreckung  nicht  einen  Schritt  breit  zu 
Tage.  Das  wichtigste  Moment  im  gegenseitigen  Verhältnisse  beider  Thalwände 
besteht  in  einer  sehr  mächtigen  Verschiebung  gegen  einander,  indem  die  Gesteine 
im  Osten  der  Ache  nicht  die  unmittelbare  Fortsetzung  der  westlichen,  sondern 
sämmtlich  nicht  ganz  unbeträchtlich  gegen  Norden  verrückt  sind.  Für  den  Dolo- 
mit ging  es  aus  dem  eben  Gesagten  hervor.  In  der  Gegend  der  Sägemühle  kann 
mau  das  gleiche  Verhalten  bei  allen  übrigen  Schichten  wahrnehmen.  Das  enge 
Thal  der  Bregenzer  Ache  oberhalb  Hopf r eben  bezeichnet  daher 
eine  Verwerfu  ngsspalte  unserer  fünften  Hebungswelle.  Das  Streichender 
Spalte  ist  Stunde  11,  also  senkrecht  gegen  das  der  Welle  und  bei  der  Verwer- 
fung ist  der  östliche  Theil  nach  Norden  verschoben. 

Ueberblicken  wir  noch  einmal  kurz  den  Nordabhang  des  Walser  Thaies  mit 
seiner  östlichen  Fortsetzung  bis  zur  Bregenzer  Ache,  so  besteht  dieser  Zug  aus 
dem  Schichtensystem  einer  einzigen  Hebungswelle,  und  zwar  einer  solchen,  welche 
gegen  Norden  abgebrochen  ist,  und  nur  an  der  Flyschgrenze  schiebt  sich  das 
Budiment  einer  erst  im  weiteren  Verlauf  sich  vollständig  entwickelnden  He- 
bungwelle in  Gestalt  von  Algäu-Schichten  ein.  Die  einseitige  Ausbildung  des  süd- 
lichen Schenkels  hat  die  in  unserem  Gebiet  so  häufige  Bergform  der  steilen 
Nord-  und  sanften  Südgehänge  zur  Folge.  Besonders  die  aus  Algäu-Schichten 
bestehenden  Höhen  des  Both-Horns  und  Hoch-Berges  besitzen  diese  Gestalt  in 
auffallendem  Grade. 


Widder  stein-Gebirge. 

Der  Zitterklapfen~Zug  geht  im  Osten  jenseits  der  Bregenzer  Ache  in  das 
südliche  Quellgebirge  des  Thaies  Mittelberg  über.  Der  höchste  Punkt  desselben, 
zugleich  auch  der  höchste  und  überall  sichtbare  Berg  des  Bregenzerwaldes,  ist 
der  Widder  st  ein  (8001  Fuss),  ein  ausgezeichneter,  leicht  ersteigbarer  Dolo- 
mitberg, der  sich  als  ein  isolirtes,  imposantes  Massiv  aus  dem  Gebirgszug  erhebt. 
Letzterer  ist  in  seiner  Erstreckung  von  der  Kuppe  „auf  dem  Lager“  bis  zum 
Gaishorn  an  der  bayerischen  Grenze  zugleich  die  dreifache  Wasserscheide  der 
Iller,  des  Lechs  und  der  Bregenzer  Ache,  entsendet  also  seine  Wasser  nach  dem 
schwarzen  Meer  und  der  Nordsee.  Den  Südabhang  des  Zuges  betrachten  wir 
von  Kruinbach  aus  und  wenden  uns  jetzt  zu  dem  nördlichen  Theil,  welcher  seine 
Gewässer  nach  der  Breitach  entsendet;  er  bestellt  aus  dem  der  Hebungswelle  V 
angehörigen  Dolomitzug  des  Widderstein,  aus  dem  vollständigen  System  der 
Hebungswelle  VI  undFlysch,  in  dessen  Zone  das  Thal  Mittelberg  bereits  ganz  und 
gar  liegt.  Die  kurzen  Querthäler,  welche  in  letzteres  münden,  durchschneiden 
jene  Zonen  rechtwinkelig;  sie  sind  von  Westen  nach  Osten:  der  Bergunter 
Tobl,  der  Gensch  el-Tob  1 und  das  Wilden  bachth  a 1.  Die  beiden  ersteren 
entspringen  zu  beiden  Seiten  des  Widdersteins  und  begrenzen  den  nördlichen 
Grat  desselben.  Kommt  man  von  Süden  her  über  einen  der  leichten  Pässe  in 
diese  Thäler,  so  durchwandert  man  daher  abwärts  die  Liasgebilde  in  der 
genannten  Ordnung. 

Der  Weg  von  Krumbach  über  das  Gensehel-Joch  in  den  Gen- 
sch  el-Tob  1 führt  über  südlich  fallende  Algäu-,  Dachsteinkalk-  und  Kössener 
Schichten  in  die  Zone  des  Widderstein-Dolomits,  welcher  den  gesammten  oberen 
Theil  des  kleinen  Thaies  bildet.  Eine  1500  bis  2000  Fuss  hohe,  fast  senkrechte 
Terrasse  trennt  diese  obere  Strecke  von  der  unteren.  Der  Fusssteig  windet  sich  an 
ihr  hinab.  Unten  wird  man  überrascht  durch  unzählige  Bruchstücke  von  Flecken - 
mergel,  später  auch  von  Adnether  Kalk  und  Kössener  Schichten,  welche  von 


110 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[24] 

beiden  Abhängen  durch  die  kleinen  Wildbäche  herabgeführt  werden.  Es  ist  die 
Zone,  deren  unscheinbarer  Anfang  zwischen  Flysch  und  Widderstein-  (Zitter- 
klapfen-)  Dolomit  wir  ein  wenig  weiter  westlich  kennen  lernten;  sie  setzt  parallel 
dem  Hauptgebirgsgrat,  aber  quer  über  alle  nördlichen  Abzweigungen  hinweg, 
nach  dem  Algäu  fort.  Im  Genschel-Tobl  sieht  man  die  sanfte,  durch  die  Zone  der 
weichen  Mergelgesteine  bedingte  Einsattelung  zu  beiden  Seiten,  besonders  rechts 
zwischen  Gais-Horn  (V)  und  Zwölfer  Horn  (VI).  Der  zugehörige  Dolomit  folgt 
nun  an  beiden  Gehängen,  stets  mit  südlichem  Fallen  und  seinen  charakteristischen 
Bergformen.  — Wo  der  Tobl  das  Hauptthal  erreicht,  hat  man  schon  zu  beiden 
Seiten  Flysch.  Die  Art  und  Weise  der  Lagerung  an  der  Grenze  habe  ich  hier  nicht 
beobachtet. 

Umgegend  von  Sch  rocken,  Hoch-Krumbach  und  Warth. 

Südlich  vom  Widderstein  breitet  sich  ein  selbstständig  abgeschlossenes 
Gebirgsland  aus,  dem  die  Bewohner  Vorarlbergs  die  Gesammtbenennung  „der 
Thannberg“  geben.  Sie  verstehen  darunter  das  Quellgebiet  der  Bregenzer 
Ache  oberhalb  der  eben  beschriebenen  Verwerfungsspalte  zwischen  Schopernau 
und  Schröcken  und  den  östlich  angrenzenden  Theil  vom  Quellgebiet  des  Lechs, 
so  weit  abwärts,  bis  auch  er,  gerade  an  der  Tiroler  Grenze,  in  eine  wilde  und 
enge  Dolomitspalte  tritt,  aus  der  er  bei  Stög  wieder  herauskommt,  aufwärts  am 
Lech  ebenfalls  so  weit,  als  sein  Thal  breit  ist,  das  heisst,  bis  zu  jener  Auf- 
bruchsspalte im  Dolomit,  welche  er  bei  „Am  Lech“  verlässt.  (S.  Profile  24,  25, 
26,  27.)  So  grenzt  sich  ein  freies  Alpenland  ab,  das  von  allen  Seiten  nur  durch 
wilde  Durchbrüche  des  Dolomitgebirges  zugänglich  ist  und  von  seinen  Matten 
die  Gewässer  nach  den  zwei  Systemen  der  Bregenzer  Ache  und  des  Lechs 
entsendet. 

Der  Thannberg  in  der  angeführten  Bedeutung  ist  im  Norden  sehr  bestimmt 
abgegrenzt  dui’ch  den  mächtigen  Dolomitzug:  Zitterklapfen- Widder  stein 
und  breitet  sich  über  die  sehr  entwickelten  Algäu-Schichten,  welche  zu  diesem 
Zug  gehören,  und  dann  noch  südlich  quer  über  die  vierte  und  dritte  Hebungs- 
welle bis  in  die  Mitte  der  zweiten  aus.  Alle  diese  Wellen,  welche  westlich  und 
östlich  leicht  zu  verfolgen  sind,  erleiden  am  Thannberg  eine  Unterbrechung  ihrer 
Stetigkeit,  besonders  verschwindet  der  Dolomit  und  macht  um  so  mehr  den  jün- 
gern  Liasgliedern  Platz,  welche  sich  in  ungewöhnlicher  Weise  ausbreiten  und 
den  eigenthümlichen  Charakter  des  Thannberges  bedingen.  Er  ist  dadurch  ein 
Gebiet  von  Algäu-Schichten  und  Dachsteinkalk,  aus  dessen  Mitte  der  Dolomit- 
koloss des  Warthhorns  als  Beherrscher  der  beiden  Flussgebiete  isolirt  hervorragt. 
Ringsherum  starren  die  Grenzpfeiler  des  Thannberges:  der  Widderstein, 
der  kl  eine  Spitz,  die  Mohnenfluh,  Höllspitz  und  die  Walsej*  Kerle 
empor.  Es  ist  klar,  dass  ein  so  selbstständiges  isolirtes  Gebiet  mitten  in  den 
stetig  fortstreichenden,  gleich  gebauten  Hebungswellen  nur  durch  besondere 
Hebungsverhältnisse  und  bedeutende  Störungen  entstehen  konnte.  Insbesondere 
muss  eine  Kraft,  welche  rechtwinkelig  zur  allgemeinen  Streichungsrichtung 
wirkte,  zur  Gestaltung  beigetragen  haben  und  dies  wird  noch  augenscheinlicher, 
wenn  wir  sehen,  dass  die  Verwerfungsspalte  zwischen  Künzlespitz  und  Widder- 
stein an  der  Grenze  des  Gebietes  liegt  und  dass  auch  die  früher  beschriebenen, 
eigenthümlichen  Ueberschiebungsverhältnisse  am  Kriegerhorn,  bei  dem  Dorf  Am 
Lech  und  am  Westner  Berg  hieher  gehören  und  in  der  Fortsetzung  jener  Verwer- 
fungsspalte liegen,  dass  ferner  in  einer  weiteren  südlichen  Fortsetzung,  wenn 
auch  schon  ausserhalb  des  Thannberggebietes,  jene  verwickelte  Ueberwerfung 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


111 


[23] 


am  Grat  zwischen  Zürss  und  Grabach  (Profil  XII)  auftritt,  dass  der  Pass  am 
Arlberg  auch  ziemlich  genau  in  derselben  Richtung  folgt  und  dass  endlich  die 
Streichungslinie  aller  dieser  Störungen  im  Gebirgsbau,  dieser  Ueberschiebungen 
und  Hebungen  mit  der  Richtung  des  Thaies  der  Bregenzer  Ache  in  ihrem  Ober- 
lauf zusammenfällt. 

Die  Lagerungsverhältnisse  am  Thannberg  werden  dadurch  so  schwierig  und 
verwirrt,  dass  man  oft  zweifelt,  das  wahre  Verhalten  entziffern  und  dem  Gang 
der  Störungen  auf  die  Spur  kommen  zu  können.  Ein  Detailstudium  des  Thann- 
berges wäre  für  die  Kenntniss  der  Moditicationen  im  Gebirgsbau  der  nördlichen 
Kalkalpen  von  wesentlichem  Interesse.  Ich  beschränke  mich  wegen  des  flüchtigen 
Besuches  auf  einige  wenige  Angaben  und  will  erst  kurz  die  einzelnen  Hebungs- 
wellen von  Norden  an  in  ihrem  Fortstreichen  über  das  Gebiet  des  Thannberges 
verfolgen,  um  daran  dann  einige  Specialitäten  über  die  Gesteinsfolge  anzu- 
knüpfen. 

1.  Wir  gehen  nochmals  von  dem  hervorragendsten  unserer  Dolomitzüge: 
Zitterklapfen-Widderstein  (V),  als  dem  festesten  Anhalt,  aus.  Erlässt 
sich  im  Osten  leicht  nach  dem  Gais-Horn  und  Ochsenlochberg  verfolgen 
und  bildet  in  den  beiden  letzteren  Bergen  die  Wasserscheide  zwischen  dem 
Mittelberg-  und  dem  Rappenalpenthal  des  bayerischen  Algäus,  er  durchsetzt 
letzteres  und  betritt  im  Hochvogel  wieder  unser  Gebiet. 

2.  Diesem  Dolomitzug  schliesst  sich  nach  Einschaltung  der  untergeordneten 
Zwischenglieder  (Kössener  Schichten,  oberer  Dachstein- und  Adnether  Kalk)  südlich 
eine  parallele  Zone  von  A lgä u-S chicht en  an,  die  wir  von  Buchboden  und 
Rothenbrunn  imWalserThal  her  als  Südabhang  des  Zitterklapfen  verfolgten;  sie 
bildete  weiterhin  den  Schadona-Pass,  das  Rothhorn  und  den  Hochberg  und 
zieht  sich  herab  nach  der  Bregenzer  Ache,  trägt  darauf  die  Häuser  des  Dorfes 
Schröcken  und  setzt  als  Nordgehänge  der  Ache  über  den  Pass  nach  Krum- 
bach  und  weiter  nach  dem  Rappenalpenthal  fort,  welches  ähnlich  dem 
grossen  Walser  Thal  in  jüngeren  Liasschichten  zwischen  zwei  überragenden  Dolo- 
mitzügen eingesenkt  ist.  Selten  sind  die  Algäu-Schichten  so  ausgezeichnet  ent- 
wickelt, wie  in  diesem  Zug.  Zugleich  wächst  die  durch  sie  gebildete  Zone  zu 
bedeutender  Breite  an  (zwischen  Juppen-Spitz  und  Höfer-Spitz)  und  die  tiefen 
Thäler  und  Tobl,  welche  allenthalben  in  dem  sanft  hügeligen  Land  schroff  einge- 
schnittensind, entblössen  die  Schichtenfolge  an  vielen  Stellen.  Dennoch  ist  es  auch 
hier  nicht  möglich  über  die  letztere  ein  klares  Bild  zu  erhalten.  Denn  wo  immer 
Algäu-Schichten  Vorkommen,  sind  sie  zusammengefaltet  und  vielfach  gewunden 
und  wiederholen  sich  im  steten  Wechsel.  Die  typischen  Fleckenmergel  herr- 
schen am  Rothhorn  und  bei  Schröcken,  sowie  an  dem  Weg  von  hier  nach  Krum- 
bach.  Ein  wenig  südlich  von  Schröcken  am  Weg  nach  Stubenbach  sind  sie  sehr 
reich  an  Versteinerungen,  besonders  Ammoniten,  Belemniten  und  lnoceramus 
Falgeri.  Allein  es  kommt  nun  noch  ein  mächtiges  System  schwärzlicher,  zerfal- 
lender, von  unzähligen  Kalkspathadern  und  Gypsschnüren  durchzogener,  dünn- 
schichtiger  und  in  unregelmässige  Stücke  zerfallender  Mergelgesteine  hinzu,  welche 
von  dem  gewöhnlichen  Typus  der  Fleckenmergel  weit  abweichen.  Sie  führen 
weder  Verteuerungen  noch  Zeichnungen  von  Fucoiden  und  man  könnte  über 
ihre  Stellung  um  so  mehr  in  Zweifel  sein , als  diese  Schichten  zwischen  Algäu- 
Schichten  und  dem  darauf  geschobenen  Dolomit  liegen.  So  bilden  sie  die  ganze 
Masse  des  Hochberges  und  man  lernt  die  unangenehmen  Eigenschaften  des  bröck- 
ligen und  leicht  in  lettigen , schlüpfrigen  Boden  sich  auflösenden  Gesteins  hin- 
reichend am  Wege  kennen,  der  vom  Schadona-Pass  am  Nordabhang  des  Hoch- 
berges hin  nach  Schröcken  zieht.  Steile  Runsen  entblössen  das  Gestein  von 

15 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  II.  Heft. 


112 


Ferdinand  Freiherr  von  Richlhofen. 


[26] 

der  Höhe  des  Abhanges  bis  hinab  in  die  Tiefe  und  die  ungemein  üppige  Entwicke- 
lung von  Tussilago,  welches  grosse  Strecken  mit  seinen  riesigen  Blättern  bedeckt, 
bezeichnet  den  Charakter  seiner  Verwitterungsproducte.  Solche  Stellen  sind 
weder  im  Westen  noch  im  Osten  in  den  Algäu-Schiehten  bekannt;  daher  liess 
Herr  Es  eher  die  Stellung  des  Schichtensystems  problematisch,  um  so  mehr, 
als  sich  die  Aehnlichkeit  des  Gesteins  mit  dem  der  Partnach-Schichten  und  mit 
den  gypsführenden  des  Gypsitobls  nicht  verkennen  lässt.  Allein  ich  wies  bereits 
früher  darauf  hin,  dass  an  einigen  andern  Stellen  in  der  Nähe  des  Thannberges 
ein  gleiches  System  in  den  Algäu-Schichten  vorkommt.  Es  ist  dies  am  Pass 
zwischen  dem  Höllbocks-Tobl  und  Stubenbach  und  am  Trittkopf  östlich  von 
Zürss.  Auch  hier  treten  sie  in  einer  überraschenden  Mächtigkeit  entwickelt  auf, 
und  haben  zugleich  denselben  landschaftlichen  Charakter.  Es  kann  an  diesen 
Stellen,  insbesondere  am  Trittkopf,  kein  Zweifel  herrschen,  dass  sie  das 
oberste  Glied  der  Algäu-Schichten  bilden  und  es  ist  nur  zu  verwundern,  dass 
ein  so  überaus  mächtiges  und  charakterisches  Schichtensystem  vollkommen  local 
auftritt. 

Noch  ist  in  diesem  Zuge  der  mächtigen  Dachsteinkalke  zu  erwähnen,  welche 
oberhalb  Krumbach  gegen  die  Wasserscheide  der  Breitacb  auftreten  und  die 
Grundlage  der  Algäu-Schichten  bilden. 

Die  beschriebene  Zone  bedingt  ganz  besonders  den  Reichthum  und  die 
Fruchtbarkeit  der  Gegend  von  Sehr ö c ken.  Der  Ort  hat  eine  anmuthige  und 
schöne  Lage  auf  einem  kleinen  Bergvorsprung,  der  durch  den  Zusammenfluss 
der  tief  eingeschnittenen  Bregenzer  Ache  mit  dem  Aufeld-Tobl  gebildet  wird. 
Fruchtbare  kräftige  Wiesen  ziehen  sich  allenthalben  an  den  Abhängen  hinauf, 
nur  hier  und  da  unterbrochen  von  den  kahlen  abschüssigen  Wänden  des  leicht 
zerstörbaren  Gesteins.  Krumbach  ist  ein  hochgelegenes  Sennhüttendorf. 

3.  Zwischen  Krumbach,  Schrecken  und  dem  Aufeld-Tobl  erhebt  sich  mitten 
aus  den  Algäu-Schichten  eine  Insel  von  Dachsteinkalk,  welche  allseitig  mit 
steilen  Wänden  auf  die  sanfteren  welligen  Hügel  von  jenem  abfallt.  Sie  verdient 
in  hohem  Maasse  Beachtung.  Man  könnte  leicht  meinen,  eine  Bank  von  Dach- 
steinkalk sei  hier  den  Algäu-Schichten  aufgesetzt,  ähnlich  wie  am  Rhätikon,  wo 
dachsteinkalkähnliche  Bänke  noch  in  so  bedeutender  Mächtigkeit  über  ihrem 
eigentlichen  Niveau  Vorkommen,  allein  zweiThatsachen  beweisen,  dass  das  kleine 
Plateau  aus  der  Tiefe  durchgebrochen  ist.  Man  sieht  nämlich  die  söhligen  Bänke 
des  Dachsteinkalkes  am  Nordwestrand  plötzlich  umbiegen  und  steil  in  die  Tiefe 
unter  die  Algäu-Schichten  fallen,  so  dass  diese  nur  angelehnt  sind.  Der  zweite 
Beweis  liegt  in  einer  kleinen  Einsenkung  mitten  in  dem  Plateau.  Ein  grosser, 
gegen  Westen  geöffneter  Kessel  wird  von  den  steil  abgebrochenen  Wänden  der 
150  Fuss  mächtigen  Dachsteinkalkbank  amphitheatralisch  umgeben.  Der  Boden 
ist  flach  und  nach  der  Mitte  etwas  gesenkt.  Ein  grünes  Seebecken,  der  Körbe  n- 
See,  breitet  sich  dort  aus;  seine  Ufer  sind  mit  fruchtbaren  Weiden  bedeckt. 
Der  Grund  des  seltsamen  Contrastes  liegt  in  dem  Zutagekommen  der  Kössener 
Schichten,  welche  mitgehoben  wurden  und,  als  die  Kalkdecke  unterbrochen 
wurde,  mit  ihrem  selbstständigen  Charakter  auftreten  konnten.  Man  findet  in 
ihnen  am  Fuss  der  umgebenden  Felsmauern  zahlreiche  Versteinerungen. 

Der  Dachsteinkalk  dieses  Plateau  s ist  graulich-weiss  und  enthält  viel  Koral- 
lenstöcke und  einzelne  Bivalven.  Seine  Schichten  sind,  wie  in  der  ganzen  Ge- 
gend, mächtig  entwickelt  und  bilden  mauerförmig  abgesetzte  Wände,  ähnlich  wie 
bei  Zürss.  Die  Oberfläche  ist  vielfach  durch  Spalten  unterbrochen,  die  in  grosse 
Tiefe  hinabreichen.  Im  Nordost  reicht  ein  Ausläufer  des  Plateau’s  bis  zu  den 
Häusern  von  Hoch-Krumbach. 


[27] 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


113 


Ein  Plateau,  welches  als  Oberfläche  eines  Gewölbes  so  schroff  und  inselför- 
mig aus  jüngeren  Schichten  hervortaucht,  kann  nur  durch  eine  vollkommen  cen- 
tralisirte  Kraft  gehoben  sein.  Da  aber  aus  früherer  Zeit  keine  Spuren  von  Stö- 
rungen, durch  welche  bereils  imLiasmeer  ein  solches  Piiff* hätte  entstehen  können, 
vorhanden  sind,  so  muss  dasselbe  in  späteren  Zeiten  gebildet  worden  sein,  als 
die  Gebirge  der  ganzen  Gegend  sich  gestalteten.  In  andern  Theilen  finden  sich 
keine  derartigen  centralisirten  Hebungen;  daher  zwingt  uns  auch  dieser  Umstand 
wieder  zu  der  Annahme,  dass  am  Thannberg  besondere  Hebungsverhältnisse 
stattfanden,  welche  durch  die  Combination  mit  einer  rechtwinkelig  gegen  die 
allgemein  wirkende  secundäre  Kraft  hervorgebracht  wurden. 

4.  Südlich  von  der  Zone  der  Algäu-Schichten  folgt  auf sNeue  einDolomit- 
zug,  der  bei  Rothenbrunn  beginnt  und  über  die  Kleine  Spitz  nach  der 
Mohnenfluh  fortsetzt,  dann  aber  sich  zu  einem  Passe  senkt,  um  als  Aarhorn 
wieder  aufzutauchen.  Der  Dolomit  dieses  Zuges  ruht  auf  den  nördlichen  Algäu- 
Schichten  und  zwar  confonn  aufgelagert.  Wenn  an  irgend  einer  Stelle,  so  könnte 
man  ganz  besonders  hier  geneigt  sein  einen  „oberen  Dolomit“  anzunehmen,  der 
jünger  sei  als  die  Fleckenmergel.  Am  Jup pen-Spitz  zum  Beispiel  sieht  man  die 
Wände  der  südlich  fallenden  abgebrochenen  Algäu-Schichten  sich  fast  senkrecht  zu 
einer  Höhe  von  2000  Fuss  erheben.  Wenig  unter  der  Spitze  beginnt  eine  mäch- 
tige Dolomithank,  welche  die  Höhe  bildet,  genau  an  der  Lagerungsweise  theil- 
nimmt  und  in  gleicher  Weise  wie  die  Algäu-Schichten  von  den  Wänden  durch- 
schnitten wird.  Sie  senkt  sich  südlich,  es  thürmen  sich  mehr  Dolomitbänke 
darauf,  die  oben  einen  Grat  bilden  und  sich  zur  Mohnenfluh  entwickeln.  Es  ge- 
lingt schwer  sich  zu  überzeugen,  dass  auch  an  dieser  Stelle  mit  dem  Dolomit 
ein  neues,  auf  das  jüngere  hinaufgeschobenes  System  beginnt.  Allein  einerseits 
lässt  sich  die  Auflagerungslinie  genau  über  den  Grat  zwischen  der  Kleinen  Spitz 
und  dem  Hochberg  und  dann  hinab  nach  Rothenbrunn  verfolgen;  andererseits 
zeigt  die  bis  jenseits  der  Mohnenfluh  fortgeführte  Durchschnittslinie  die  baldige 
Auflagerung  eines  neuen  Systems  von  Kössener,  Dachsteinkalk-  und  Algäu-Schich- 
ten, welchen  dann  in  ähnlicher  Weise  die  tiefen  Triasschichten  am  Gypsiloch- 
Bach  aufgeschoben  sind.  Dieses  Yerhältniss  wird  klar  am  Kleinen  Spitz  (ein  wenig 
westlich  vom  Juppen-Spitz)  im  Profil  X und  am  Verhältniss  des  Krieger-Horn  zum 
Gypsiloch-Bach  im  Profil  XI. 

Verfolgt  man  den  Dolomit  des  Juppen-Spitz  und  der  Mohnenfluh  nach  Osten, 
so  sieht  man  ihn  sich  zur  Tiefe  unter  dem  Pass  zwischen  Schröcken  und  Sluben- 
bach  hinabsenken,  es  erscheint  sein  Hangendes,  die  Kössener  Schichten, 
deren  unmittelbare  Berührung  mit  den  Algäu-Schichten  des  Aufeld-Tobls  sich 
hiedurch  leicht  erklärt.  Sie  bilden  die  ganze  Einsattelung  gegen  das  Aarhorn 
(Profil  XI).  In  diesem  sehen  wir  nichts  Anderes  als  die  Fortsetzung  des 
beschriebenen  Dolomitzuges,  in  seiner  plötzlichen,  steilwandigen  Erhebung  aber 
eine  nochmalige  Aeusserung  jener  centralisirten  Kraft,  auf  welche  bereits  das 
Plateau  um  dem  Körbensee  schliessen  liess.  Wie  im  Süd  west  das  Aarhorn  sich 
aus  Kössener  Schichten  heraushebt,  so  sinkt  es  nordöstlich  wieder  unter  solche 
hinab.  Der  Dolomit  des  Berges  fällt  sehr  steil  nach  Stunde  11,  seine  Schichten 
zeigen  aber  eine  gewölbartige  Biegung  in  der  Richtung  des  Streichens,  welche 
das  Einfallen  unter  viel  tiefer  gelegene  jüngere  Schichten  erklärt. 

Was  nun  die  weitere  östliche  Fortsetzung  betrifft,  so  haben  wir  bereits 
früher  bei  der  allgemeinen  Beschreibung  der  vierten  Hehungswelle  angegeben, 
dass  sie  als  ein  breiter  zusammenhängender  Zug  durch  den  nördlichen  Theil  des 
oberen  Lechgebiets  hindurchzieht  und  bei  Eimen  über  das  Lechthal  setzt.  Wir 
werden  später  diesen  Zug  als  eine  der  ausgezeichnetsten  und  deutlichsten  He- 

15* 


114 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[28] 

bungswellen  kennen  lernen.  Allein  wenn  er  sich  auch  ebensowohl  durch  das 
Genaue  Einhalten  der  Richtung  als  durch  seine  Lage  zwischen  den  benachbarten 
Hebungswellen  (III  und  V)  deutlich  als  Fortsetzung  des  Zuges  der  Mohnenfluh 
erweist,  so  ist  doch  die  Verbindung  über  den  Thannberg  ungemein  schwierig, 
da  hier  eine  Spaltung  des  Systernes  in  zwei  Theile  stattfindet  und  die  Ableitung 
derselben  bei  dem  Zusammenfluss  verschiedener  Thalsysteme  mit  Schwierigkeiten 
verbunden  ist. 

Gehen  wir  vom  Aarh o r n aus,  so  treffen  wir  zunächst  nordöstlich  davon 
nach  einer  kurzen  Unterbrechung  durch  jüngere  Liasschichten  den  Anfang  eines 
Dolomitzuges,  den  man  zwischen  Krumbach  und  Warth  durchwandert.  Er  ist 
gegen  das  Aarhorn  nördlich  verschoben , in  ähnlicher  Weise,  wie  die  beiden 
Wände  des  Thaies  der  Bregenzer  Ache  oberhalb  Hopfreben.  — Von  hier  zieht 
der  Dolomit,  indem  er  zu  den  nördlichen  Algäu-Schichten  in  das  gewöhnliche 
Verhältniss  der  Ueberlagerung  tritt,  nach  dem  Schroffen  an  der  bayerischen 
Grenze.  Ich  habe  ihn  nicht  weiter  verfolgt,  doch  scheinen  die  sonst  bekannten 
Verhältnisse  zu  ergeben,  dass  der  Dolomit  bald  unter  den  massenhaften  Algäu- 
Schichten  verschwindet,  welche  theils  seinem  eigenen  Systeme,  theils  dem  nördlich 
vorliegenden  angehören,  und  nachdem  sie  sich  über  dem  Dolomit  vereinigt  haben, 
als  breiter  Zug  zwischen  Hochvogel  und  Bretterspitz  fortsetzen. 
Ist  diese  Interpretation  richtig,  so  erklären  sich  auf  eine  leichte  Weise  die  iso- 
lirten  Dolomitinseln  in  diesem  Algäu-Schichtenzug,  wie  sie  am  Jochspitz 
und  weiter  gegen  Hinter  - H o rnbac  h auftreten.  Sie  sind  dann  nur  eine  Fort- 
setzung der  secundären  Hebungswelle  des  Schroffen.  — Uebrigens  ist  auch 
dieser  Zug  begleitet  von  den  zugehörigen  Kössener,  Dachsteinkalk-  und  Algäu- 
Schichten.  Die  Kössener  Schichten  tragen  das  Dorf  Warth  und  ziehen  hinüber 
nach  Lechleiten  und  von  dort  über  den  Pass  am  Schroffen  nach  dem  R a p- 
penalpenthal.  Die  Dachsteinkalke  des  zunächst  sich  anschliessenden  Zuges 
sind  überaus  mächtig;  sie  ziehen  von  Warth  nach  dem  Lech  hinab  und 
bilden  dessen  enges  felsiges  Bett  aufwärts  beinahe  bis  Stubenba  ch;  auch  der 
Weg  führt  in  einiger  Höhe  sehr  lange  Zeit  über  die  Bänke  des  Dachsteinkalkes. 
Darauf  folgt  ein  schmaler  Zug  von  Algäu-Schichten. 

Während  der  Anfang  des  beschriebenen  Zuges  gegen  das  Aarhorn  ein 
wenig  nach  Norden  verschoben  ist,  entwickelt  sich  der  zweite  ein  wenig  weiter 
südlich  allmälig  aus  den  Algäu-Schichten,  springt  aber  bald  in  die  Richtung: 
Mohnenfluh-Aarhorn  ein  und  setzt  in  dieser  als  einer  der  Hauptzüge  fort.  Sein 
Dolomit  taucht  am  Fusse  der  Höllspitz  gegen  den  Lech  hervor,  setzt  über 
diesen  und  erreicht  seine  erste  bedeutsame  Entwickelung  in  den  Walser 
Kerlen  an  der  Grenze  des  Algäus.  Die  Scharte  zwischen  diesem  Berg  und  dem 
Schroffen  gewährt  ein  deutliches  Bild  von  dem  Verhältniss  des  in  Betrachtung 
stehenden  Zuges  mit  dem  vorigen.  Herr  Escher  fand  (nach  mündlicher  Mit- 
theilung), dass  der  Dolomit  der  Höhe  der  Walser  Kerle  von  dem,  welcher  den 
Südabhang  bis  hinab  in  das  Lechthal  bildet,  durch  eine  schmale,  von  jüngeren 
Liasschichten  gebildete  Zone  getrennt  ist;  eine  Beobachtung,  welche  ich  durch 
den  Nachweis  des  östlichen  Fortstreichens  der  schmalen  Zone  in  geringer  Ent- 
fernung in  dem  kleinen  Schochathale  vervollständigen  konnte.  Den  weiteren 
Verlauf  der  Hebungswelle  (IV)  von  den  Walser  Kerlen  an  werden  wir  vom 
Lechthale  aus  verfolgen. 

5.  Der  der  Hebungswelle  IV  angehörige  Zug  jüngerer  Lias  schichten, 
welcher  sich  südlich  von  dem  Hutler  Bach  und  oberen  Rothenbrunner  Thal  an 
verfolgen  Hess,  wurde  bereits  in  seinem  allgemeinen  Verlauf  abgehandelt.  Es 
ergab  sich,  dass  jene  Schichten  bei  Rothenbrunn  muldenförmig  eingelagert  sind, 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


[29] 


US 


(Profil  IX),  gegen  Osten  aber  die  regelmässige  Mulde  in  eine  Ueberschiebung 
übergeht  (Profil  X,  XI),  so  dass  südlich  der  Mohnenfluh  auf  den  Algäu-Schichten 
unmittelbar  das  Triassystem  des  Krieger-Horns  auflagert.  Die  Auflagerungs- 
linie setzt  quer  über  den  Gypsitobl.  Zwischen  diesem  Bach  und  dem  Aarhorn 
bilden  die  Algäu-Schichten  ein  sanftes  Weideland,  auf  welchem  die  Häuser  von 
Bürslegg  zerstreut  liegen. 

Südöstlich  setzen  die  Schichten  über  den  Bach  fort  und  hängen  hier  mit 
denen  der  nächstfolgenden  Hebungswelle  zusammen. 

6.  Die  Hebungswelle  III  ist  diejenige,  welche  in  dem  an  Störungen  so 
reichen  Gebiete  die  bedeutendste  Unterbrechung  der  Stetigkeit  erlitten  hat.  Im 
Westen  ist  sie  nur  schwach  entwickelt  und  zwar  im  Tisner  Gschröf,  Gans- 
boden und  im  nördlichen  Theil  des  Krieger-Horns.  Hier  setzt  sie  plötzlich 
ab.  Verfolgt  man  ebenso  den  östlichen  Theil  entsprechend  gegen  Westen,  so 
erreicht  derselbe  ein  ebenso  plötzliches  Ende  im  Hö  11  spitz.  Der  Kaum  zwischen 
diesen  beiden  Bergen  ist  mit  Algäu-Schichten  ausgefüllt,  die  vom  Lech  durch- 
strömt werden  und  dem  Dolomit  der  Höllspitz  nebst  den  dazugehörigen 
Zwischengliedern  aufliegen,  die  Trias  des  Krieger-Horns  aber  unterteufen  oder 
gegen  dieselbe  abgesetzt  sind.  Kaum  könnte  der  Beweis  klarer  vorliegen,  dass 
hier  eine  Verwerfung  von  zwei  Theilen  derselben  Hebungswelle  gegen  einander 
stattgefunden  hat,  so  zwar,  dass  der  westliche  gegen  den  östlichen  gehoben, 
vielleicht  sogar  überschoben  wurde,  und  es  ist  gewiss  nicht  zufällig,  dass  diese 
Verwerfung  in  der  genauen  Fortsetzung  der  oben  beschriebenen  Spalte  der 
Bregenzen  Ache  oberhalb  Hopfreben,  der  westlichen  Grenze  der  Dachsteinkalk- 
insel bei  Schröcken  und  des  Passes  westlich  vom  Aarhorn  liegt. 

Die  Linie  Hopfreben -Stubenbach  (Stunde  22)  scheint  daher 
die  Hauptrichtung  der  Störungen  zu  bezeichnen,  welche  in  dem 
sonst  so  regelmässigen  Fortstreichen  der  Hebungswellen  am  Thannberg  statt- 
finden. Westlich  von  dieser  Linie,  und  zwar  genau  bis  zu  ihr,  ist  die  grösste 
Regelmässigkeit  im  Gebirgsbau;  östlich  breitet  sich  ein  schmales,  auf  das  Mannig- 
fachste zerstörte  Gebiet  aus,  und  erst  jenseits  desselben  beginnt  wieder  dieselbe 
* Regelmässigkeit,  die  Hebungswellen  setzen  in  der  früheren  Richtung  fort  und 
erleiden  erst  in  weiter  Entfernung  wieder  einige  kleinere  Unterbrechungen. 

Nachdem  wir  so  zu  zeigen  versucht  haben,  wie  die  einzelnen  Elementar- 
bestandtheile  im  Gebirgsbau  des  Trias-Liasgebietes  von  Vorarlberg  über  die 
Grenze  von  Tirol  fortsetzen,  überschreiten  wir  diese  und  wenden  uns  zum  Ge- 
birgsbau von  Nord-Tirol. 


III.  Der  westliche  Theil  von  Nord-Tirol  von  der  vorarlbergischen  Grenze  bis 

Seefeld. 

Wir  betreten  das  Flussgebiet  der  Donau  und  bewegen  uns  von  nun  an  bis 
zu  den  Grenzen  unseres  Gebietes  gegen  Bayern  ausschliesslich  in  der  Trias- 
Lias-Zone,  welcher  nur  parasitisch  und  sporadisch  Gebilde  jüngerer  Formationen 
auf-  und  eingelagert  sind.  Nirgends  Q greift  das  selbstständige  Gebiet  derselben 
über  die  Grenzen  von  Nord-Tirol.  Das  Thalsystem  des  Lechs  von  Stög  bis  Füssen, 
eines  der  interessantesten  und  charakteristischesten  in  den  gesammten  Kalk- 
alpen, das  Quellgebiet  der  Loisaeh  und  der  westlichen  Zuflüsse  der  oberen  Isar, 


!)  Mit  Ausnahme  der  vom  bayerischen  Gebiete  rings  umschlossenen  österreichischen  Be- 
sitzung Jungholz,  nördlich  von  Thannheim. 


116 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[30] 

endlich  die  Grenzeinsenkung  zwischen  Kalk-  und  Urgebirgsalpen  vom  Arlberg 
bis  Zirl,  welche  von  der  Rosanna  und  dem  Inn  durchströmt  wird,  sind  die  allge- 
meinsten formgebenden  Elemente  für  die  Gestaltung  der  Oberfläche.  Die  Rich- 
tung dieser  Thäler  wie  der  trennenden  Gebirgszüge  bietet  wenig  Regelmässig- 
keit; in  um  so  hervorragenderem  Maasse  finden  wir  sie  gerade  in  diesem  Theil 
der  Alpen  bei  jenen  Hebungswellen,  welche  wir  bereits  durch  Vorarlberg  ver- 
folgten. Unabhängig  von  Thälern  und  Höhenzügen  streichen  sie  in  stets  gleicher 
Richtung  und  mit  wenig  wechselndem  Schichtenbaue  weithin  fort,  setzen  in  ver- 
schiedenen Winkeln  über  die  Thäler  und  veranlassen  diese  nur  selten  zu  einer 
wesentlichen  Aenderung  ihres  Laufes.  Am  ausgezeichnetsten  ist  diese  Regel- 
mässigkeit und  Gleichförmigkeit  im  Lechgebiete,  nördlich  bis  zum  Thannheimer 
Thal  und  dem  Flysch  des  Algäus,  südlich  bis  zum  Innthal.  Weiter  im  Osten  stellen 
sich  nach  und  nach  bedeutendere  Abweichungen  ein.  Die  erste  derselben  ist  in 
der  Umgegend  von  Reutte.  Herr  Bergrath  Ritter  v.  Hauer  erkannte  in  dem  weiten 
Thal  dieses  Ortes  einen  Aufbruch,  in  welchem  die  tiefsten  Triasschichten  zu  Tage 
kommen. 

Solche  Aufbruchscentren  finden  sich  zwar  weiter  südöstlich  nicht  mehr,  im 
Gegentheil  sieht  man  noch  ununterbrochen  die  Hebungswellen  fortstreichen.  Allein 
es  stellt  sich  allmälig  ein  wesentlich  unterscheidendes  Merkmal  ein,  dass  östlich 
vom  Meridian  von  Reutte  zur  vollen  Geltung  kommt  und  von  nun  an  durch  die 
gesammte  Alpenkelte  bis  zur  ungarischen  Ebene  fortsetzt;  es  ist  das  Auftreten 
der  mächtigen  weissen  Hallstätter  Kalke  und  ihre  wichtige  Rolle  im  Gebirgsbau. 

Gebirge  zwischen  dem  Lech-Thale  von  Stög  bis  Elbingen-Alp  und  dem 

Stanzer  Thale. 

Das  Stanzer  Thal,  von  der  Rosanna  durchströmt,  kommt  vom  Arlberg  und  ist 
östlich  gerichtet,  das  Lechthal  hat  bis  Eimen  eine  ostnordöstliche,  von  da  bis 
Reutte  eine  nordöstliche  Richtung.  Die  Gebirgsmasse  zwischen  beiden  Thälern 
nimmt  daher  nach  Osten  bedeutend  an  Breite  zu.  Die  Hebungswellen  sind  dem 
Stanzer  Thal  ungefähr  parallel  (mit  einem  kleinen  Ausschlag  nach  Nordost)  und 
durchschneiden  daher  das  Lechthal  unter  schiefem  Winkel.  Aus  Triasschichten 
und  Liasdolomit  baut  sich  das  Schichtensystem  unmittelbar  aus  dem  Grunde  des 
Stanzer  Thaies  zu  einem  Gebirgszug  mit  äusserst  kurzem  und  steilem  Südabfall  auf. 
Schon  auf  dieser  Höhenlinie  ist  die  Wasserscheide  zwischen  Rosanna  und  Lech; 
nach  Süden  stürzen  nur  einige  kurze  Wildbäche  herab,  nach  Norden  sind  lange 
Querthäler  gerichtet.  Wir  betrachten  erst  die  Profile  des  südlichen  Abhanges, 
ehe  wir  uns  über  die  Pässe  in  das  Lechthal  wenden. 

Triasformation  zwischen  dem  Arlberg  und  Landeck.  — 
Der  Nordabhang  des  Stanzer  Thaies  besteht  aus  der  unmittelbaren  Fort- 
setzung der  Schichtensysteme  des  Klosterthaies.  Wir  knüpfen  daher  an  unsere 
Profile  bei  Stuben  und  Arlberg  an,  mit  denen  wir  Vorarlberg  verliessen  (Fig.  20, 
21,  22,  23),  das  letzte  derselben  (Nr,  23)  zeigte  mächtig  entblössten  Verrucano 
und  zugleich  das  Verhältniss  der  schwach  geneigten  Schichten  desselben  zu  der 
senkrechten  Stellung  des  Dolomites.  Alles  dies  bleibt  östlich  vom  Arlberg  ebenso. 
Der  Verrucano  nimmt  an  Mächtigkeit  bedeutend  zu;  seine  Schichten  liegen 
meist  schwach  geneigt,  darüber  folgt  die  gesammte  Trias.  Nach  einer  oder  meh- 
reren Windungen,  welche  im  Fortstreichen  stets  wie  bei  den  Parallelprofilen  von 
Stuben  bedeutenden  Modificationen  unterworfen  sind,  folgt  der  Dolomit  mit  fast 
senkrechter  Schichtenstellung.  Im  weiteren  östlichen  Verlauf  keilen  sich  alle 
Triasschichten  unter  dem  Dolomit  aus,  der  sie  mächtig  überwölbt.  Im  Allgemeinen 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord -Tirol. 


117 


[31] 


sind  die  Verhältnisse  auf  dieser  Seite  des  Arlberges  ungleich  schwieriger  aufzu- 
fassen, als  die  jenseitigen;  es  trägt  dazu  die  veränderte  Schichtenentwicklung  bei, 
indem  die  Partnachmergel  und  Raibler  Schichten  ungemein  an  Mächtigkeit  zu- 
nehmen und  die  letzteren  jetzt  besonders  durch  Schiefer  und  Sandsteine  ver- 
treten sind.  Die  Arlbergkalke  ändern  gleichfalls  ihre  Beschaffenheit  ein  wenig; 
es  ist  als  ob  sie  den  Hallstätter  Kalken  näher  träten;  auch  ihre  Mächtigkeit 
nimmt  zu. 

Von  St.  Jakob  nachdemAlmeju  r- J och.  Oberhalb  St.  A nton  und  St.  Jakob 
steht  Verrucano  in  bedeutender  Mächtigkeit  an;  einige  sanfte  Vorsprünge  in  dem 
Thal  scheinen  ebenfalls  daraus  zu  bestehen.  Die  ersten  anstehenden  Gesteine 
sind  ein  sehr  typischer  dunkelrother  Verrucano  mit  grossen  weissen  ahgeroll- 
ten  Quarzkörnern;  das  Bindemittel  ist  meist  verkieselt.  Es  folgen  dünnschiefrige 
glimmerreiche  Schichten,  darauf  ein  feinkörniger  rother  Sandstein  und  jene  an 
grossen  Quarzausscheidungen  reichen  regenerirten  Glimmerschiefer,  welche  durch 
ihren  schuppigen  Glimmer  sich  von  dem  Gestein  der  Centralkette  unterscheiden, 
endlich  noch  einmal  rothe  Sandsteine.  Dieses  gesammte  Schichtensystem  ist  in 
steilen  Wänden  hei  den  Hebungen  des  vom  Almejur-Jöeh  herabkommenden 
Baches  entblösst.  Die  Lagerung  zeigt  im  Allgemeinen  ein  nördliches  Fallen,  das 
aber  durch  mehrfache  wellige  Biegungen  verdeckt  wird.  Eine  gelbe  Rauchwacke, 
welche  das  Thal  durchzieht,  scheint  unmittelbar  über  dem  Verrucano  zu  liegen 
und  den  Guttenste  i n e r Kalk  zu  vertreten.  Die  nun  folgenden  Schichten  sind 
wenig  entblösst,  doch  treten  Partnachmergel  und  Arlbergkalke  sehr 
charakteristisch  auf.  Eine  breite  sanfte  Stufe  von  gelber  Rauchwacke,  braunen 
glimmerigen  Sandsteinen  u.  s.  w.  trennt  sie  vom  Dolomit;  unser  Profd  zeigt  den 
Grund  der  bedeutenden  Ausbreitung  dieser  Gesteine  der  Ra ib  1 er  Schichten. 
Der  Dolomit  fällt  steil  nördlich  und  hält  bis  zum  Joch  an,  jenseits  dessen  sogleich 
Kössener  Schichten  folgen;  sie  setzen  den  Abhang  gegen  das  Almejur-Thal  bis 
tief  hinab  zusammen  und  ziehen  östlich  über  den  Nordgrat  des  Stanskopfes  nach 
dem  Kaiser-Joch  fort,  westlich  am  Valluger  Kopf  vorüber. 

VonPetneu  nach  dem  Kaiser- Joch.  Dieser  Aufstieg  entblösst  das 
Triasprofil  noch  weit  unvollkommener  als  der  vorige;  nur  der  Verrucano  ist  in 
gleicher  Weise  wie  dort  an  den  Wänden  des  vom  Joch  herabkommenden  Thaies 
ausgezeichnet  aufgeschlossen.  Im  Allgemeinen  lässt  sich  eine  gewölbartige  Auf- 
biegung erkennen.  Die  Schichtenfolge  scheint  bis  zur  Höhe  eine  sehr  regelmäs- 
sige zu  sein;  nur  die  Raibler  Schichten  haben  auch  hier  eine  ungewöhnliche  Aus- 
breitung. Es  folgt  darauf  Dolomit  in  bedeutender  Mächtigkeit.  Die  Höhe  des  sehr 
ausgebreiteten  sanften  Joches  wird  von  den  dunklen  mergeligen  Kössener 
Schichten  gebildet,  welche  westlich  vom  Almejur  herüber  kommen  und  östlich 
nach  der  vorderen  See-Spitz  fortziehen.  Die  gesammte  Abtheilung  des  Lias  über 
dem  Dolomit  ist  nördlich  vom  Almejur,  wie  vom  Kaiser- Joch  in  einer  stark  gebo- 
genen, sehr  gestörten  Mulde  gelagert,  die  im  Almejur  breit,  im  Kaiserthal  sehr 
schmal  ist  und  sich  gegen  den  vorderen  See-Spitz  mit  einer  nördlicheren,  durch 
einen  Dolomitzug  getrennten  Liasmulde  vereinigt.  Sie  setzen  vereint,  aber  den- 
noch in  geringer  Breite  über  das  Alpe  r schon  nach  dem  Parseyer  Thal 
fort. 

DasProfil  von  Schnan  über  dasKühjoch  nach  dem  Alpe rschon- 
Thal  ist  durch  Escher  von  derLinth  bekannt  geworden,  welcher  es  genau 
beschrieb.  Kein  anderes  im  Stanzer  Thal  gewährt  einen  so  deutlichen  Aufschluss 
über  die  Schichtenfolge,  kein  anderes  aber  stellt  auch  die  gleichen  Räthsel. 
Es  scheint,  dass  die  auf  Profil  XIII  dargestellte  Lagerung  die  richtige  ist,  wie 
sich  aus  der  Erörterung  der  Aufeinanderfolge  der  Gesteine  leicht  ergibt.  Wir 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


118 


[32] 


bedienen  uns  dabei  der  von  Es  eher  angewendeten  treffenden  Bezeichnungen 
und  fügen  nur  wenige  Beobachtungen  hinzu : 

1.  Unmittelbar  bei  dem  Dorfe  Schnan  vor  dem  Eingänge  in  das  Thal  steht 
mit  steilem  südlichen  Fallen  ein  schwärzlichgrauer,  ebenflächiger,  mergeliger 
Thonschiefer  an.  Ueber  seinen  flachen  Hügeln  erhebt  sich  mit  steilen  Wänden 

2.  ( 'z ) *)  sehr  kie  selig  er,  spröder,  schwarzer  bis  dunkelgrauer  Kalk- 
stein, feinkrystallinisch  bis  dicht  und  300  Fuss  mächtig.  In  ihm  ist  eine  enge 
und  tiefe  Klamm  eingeschnitten. 

3.  (V)  ebenflächiger,  ausgezeichnet  spaltender,  mergeliger  Tho  ns chie- 
fer  wie  1.  Mehrere  einzelne  Schichten  von  knollig  zerklüftendem  Kalk  sind  ein- 
gelagert. Gesammtmächtigkeit  250  Fuss. 

Diese  drei  Schichtensysteme  deuten  entschieden  eine  wellige  Faltung  an 
und  bringen  sich  dadurch  leicht  in  Zusammenhang  mit  der  Aufbiegung  bei  Petneu. 
Ein  kieseliger  schwarzer  Kalkstein,  wie  er  die  Klamm  bildet,  ist  auser  den  Vi  r- 
gloria-Kalken  nicht  bekannt  und  die  den  Schiefern  eingelagerten  knollig  zerklüf- 
tenden  mergeligen  Kalke  deuten  mit  Entschiedenheit  auf  Partnachschiefer. 
Die  ebenflächige  tafelförmige  Structur  der  sonst  in  kleine  Täfelchen  zerfallenden 
Gesteine  ist  zwar  auffallend  und  es  lässt  sich  kaum  ein  Grund  für  diese  Aende- 
rung  aufstellen;  allein  dieser  geringe  Unterschied  muss  dem  Zeugniss  der  anderen 
Merkmale  weichen.  Es  folgen 

4.  (w,v,  u,  r,  s)  ein  Wechsel  von  schwarzen  porösen  mit 
grauen  und  weissen  krystallini sehen  Kalken;  einzelne  Schichten  sind 
vollkommen  schwammig  und  gehen  in  Bauchwacke  über.  Von  unten  her  entwickelt 
sich  das  System  durch  Wechsellagerung  aus  den  Schiefern.  Alle  Merkmale  dieses 
Compiexes  stimmen  genau  mit  denen  der  Arlbergkalke  überein,  wie  sie  z.  B. 
auf  dem  Wege  von  Stuben  nach  Zürss  auftreten.  Insbesondere  ist  auch  die 
Wechsellagerung  der  untersten  Schichten  mit  Schiefer  ein  stets  gleichbleibender 
Umstand. 

5.  (q)  Gelbliche  R auch  wacke,  dunkelgraue,  auf  den  Schichtflächen  gelb- 
liche, etwas  glimmerige,  schiefrige  Mergel,  dunkelgraue  und  braune 
glimmerige  feste  Sandsteine  u.  s.  w.  mit  Spuren  von  Versteinerungen  der 
Rai  hier  Schi  chten. 

6.  (r).  Hellgrauer,  feinkörniger  Dolomit,  wie  einzelne  Schichten  von  4. 

7.  (o  Gras)  Schichten  wie  die  Raibler  von  5.  Nur  die  Rauchwacke  ist  nicht 
sichtbar,  da  sie  am  Wege  von  Graswuchs  bedeckt  ist  Ihr  Vorhandensein  wird 
auch  durch  die  Tobl  angedeutet,  welche  in  ihrer  Streichrichtung  von  links  und 
rechts  herabkommen. 

Auffallend  ist  die  ungemein  grosse  Mächtigkeit  der  Raibler  Schichten,  welche, 
selbst  wenn  man  die  durch  das  Hervortreten  von  6 angedeutete,  im  Profil  ver- 
zeichnete  Aufbiegung  in  Betracht  zieht,  immerhin  beträchtlich  bleibt. 

8.  ( m , n)  Lias-Dolomit  mit  steilem  nördlichen  Fallen;  er  hält  bis  jenseits 
des  Baches  an  und  bildet  den  Vorderen  See- Spitz,  die  Knappenböden 
und  den  Stierkopf.  Es  folgt  ihm  jene  Mulde  jüngerer  Liasschichten,  deren 
wir  am  Kaiser-Joch  erwähnten  und  die  wir  von  der  Nordseite  her  genauer  ver- 
folgen werden. 

Das  schwierige  Profil  des  Kühjoclithales  findet  so  durch  die  beiden  Schich- 
tenaufbiegungen  eine  einigermassen  befriedigende  Erklärung.  Der  Verlauf  des 
Schichtenbaues  der  Trias  zwischen  Schnan  und  Landeck  scheint 
sich  nun  von  selbst  zu  ergeben.  Die  Trias  hält  sich  von  nun  an  nur  an  dem  tief- 


!)  Die  beigesetzten  Buchstaben  bezeichnen  die  Schichte  in  Herrn  Escher’s  Profil. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


119 


[33] 

sten  Südgehänge  der  Berge  und  zieht  so  am  Fusse  der  Eisenspitz  und 
des  Tawin  hin,  deren  Hauptmasse  von  Dolomit  und  deren  Gipfel  von  Kössener 
Schichten  gebildet  werden.  Die  Trias  scheint  südlich  vom  Eisenspitz  noch  einmal 
eine  bedeutendere  Ausdehnung  zu  gewinnen,  indem  sie  sich  mit  einem  breiten 
und  mächtigen  Verrucano- Slreif  auf  den  Glimmerschiefer-Vorsprung  lehnt. 
Allein  sie  verschwindet  bald  ganz,  indem  sich  der  Dolomit  von  Norden  her  mehr 
und  mehr  herüberwölbt  und  endlich  die  Trias  vollkommen  verhüllt. 

So  ist  das  Verhältnis  bei  Landeck.  Der  Dolomit  tritt  hier  in  imposanten 
Gebirgsmassen  bis  in  das  Innthal  herein  und  wenn  man  von  Za  ms  den  beschwer- 
lichen, steilen  Pfad  nach  dem  oberen  Theil  der  grauenhaften  Kluft  des  Letz- 
B ach  es  einschlägt,  so  sieht  man  deutlich  die  gewölbartige  Biegung  der  gesamm- 
ten  Dolomitmasse.  Bei  der  Alpe  im  mittleren  Theil  des  Thaies  stehen  dann  jün- 
gere Liasschichten  an,  welche  über  die  Silberspitze  ziehen  und  eine  allseitig 
isolirte,  muldenförmige  Einlagerung  bilden.  Weiter  thalaufwärts  gegen  den  ver- 
lassenen mühsamen  Uebergang  über  das  Pa sseyer- J och  erhebt  sich  wiederder 
Dolomit;  im  Matriol -Thal  klafft  er  auf  und  lässt  einen  Streifen  Rauchwacke  der 
Raibler  Schichten  hindurchschauen.  Dann  setzt  er  mit  umgekehrtem,  nördlichem 
Fallen  weiter  fort  und  bildet  die  Unterlage  einer  neuen  grösseren  Mulde  von 
jüngeren  Liasschichten,  welche  am  Schweinsrüssel  beginnt.  Es  ist  dieselbe 
Mulde,  welche  wir  bereits  im  Kaiser-  und  im  Alp  erschon-Thal  kennen 
lernten. 

Wo  südlich  von  dieser  Mulde  noch  andere  Schichten  neben  dem  Dolomit 
auftreten,  hat  man  es  mit  vollkommen  localen  Erscheinungen  zu  thun,  welche 
mit  ihrem  kurzen  Verlauf  oft  die  klare  Auffassung  des  Gesammtbaues  erschweren, 
aber  doch  die  hauptsächlichsten  Thatsachen  niemals  ganz  zu  verhüllen  vermögen. 

So  verlassen  wir  bei  Landeck  den  schmalen,  steilen  Südabhang  des  Al- 
mejur-Jochs  und  Kaiser-Jochs  als  ein  breites,  gestaltreiches  Gebirgsland.  Die 
Constanten  sind  die  nördliche  Liasmulde  und  die  südlichen  krystallinischen 
Schiefer.  Bei  Sanct  Jakob  fanden  wir  zwischen  diesen  beiden  Elementen  ein 
einfach  und  normal  aufgebautes  Schichtensystem,  es  nahm  an  Breite  gegen  Osten 
zu,  gleichzeitig  auch  an  Mannigfaltigkeit  im  Gebirgsbau,  und  bei  Landeck  sehen 
wir  es  als  ein  Dolomitgebirgsland,  dessen  gleichförmiges  Schichtensystem 
gewölbartig  eine  breite  Zone  bedeckt  und  durch  locale  Störungen  bald  einen 
isolirten  Streif  älterer  Schichten  hervortreten  lässt,  bald  eine  kleine  Auflagerung 
jüngerer  Liasglieder  trägt.  Wir  werden  später  den  weiteren  Verlauf  gegen 
Imst  kennen  lernen  und  wenden  uns  jetzt  zunächst  zur  Betrachtung  der  vom 
Lechthal  bis  in  die  vielgenannte  Liasmulde  hinaufreichenden  Thäler. 

Umgegend  von  Stög  im  Lechthal,  Bock  hach-,  Grabacb-,  A I- 
mejur-Thal.  — Bei  Stög  verlässt  der  Lech  die  Engen,  die  er  bei  Lechlei- 
then  am  Thannberg  betrat  und  fliesst  von  hier  an  in  einem  weiten,  reichbevöl- 
kerten Thal.  Ein  von  Osten  herkommender  breiter  Doiomitzug  erreicht  hier  sein 
westliches  Ende  und  bildet  die  Gehänge  rings  um  den  Ort;  zwischen  ihm  und 
dem  Almejur-Joch  ziehen  noch  zwei  Dolornitzüge  von  West  nach  Ost,  deren  nörd- 
licher unserer  Hebungswelle  II  aus  Vorarlberg  angehört,  während  der  südliche 
eine  kurze  Erhebung  aus  der  Tiefe  mitten  in  der  Mulde  I N — II  S bezeichnet  und 
diese  in  zwei  Mulden  theilt;  ihren  dolomitischen  Südrand  lernten  wir  vom  Stanzer 
Thal  her  kennen.  Almejur-  und  Kaiser-Thal  entspringen  an  diesem  Südrand  und 
münden  gemeinsam  bei  Stög;  sie  durchschneiden  daher  mehrere  Hebungswellen, 
während  das  Grabach-  und  Bockbach-Thal  mehr  westlich  aus  der  nördlichen 
Hälfte  der  zweigetheilten  Mulde  I N- — II  S entspringen,  daher  ein  weniger  com- 
plicirtes  System  an  ihren  Abhängen  entblössen. 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt,  12.  Rand,  1861  und  1862.  II.  Heft. 


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Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[34] 

Das  Bockbachthal  bildet  in  seinem  Ursprung  eine  Einsenkuug  zwischen 
den  älteren  und  jüngeren  Liasschichten.  Aus  jenen  besteht  der  Scheiderücken 
gegen  das  oberste  Lechgebiet,  der  Zug  vom  Schwabbrunnen  nach  dem  VVestner 
Berg.  Kössener  Schichten,  Dachsteinkalk  und  Adnether  Kalk  sind  dem  Dolomit 
aufgelagert  und  bilden  den  Nordwestabhang.  Selten  ist  der  Dachsteinkalk  in  so 
bedeutender  Mächtigkeit  entblösst;  er  setzt  eine  isolirte  Bergmasse  zusammen 
und  trägt  im  Thalgrund  die  rothen  Adnether  Kalke.  Die  gesammte  südöstliche 
Thalwand  besteht  wie  der  ganze  Scheiderücken  gegen  das  Grabachthai  aus  Al- 
gäu-Schichten. So  bildet  das  obere  Bockbachthal  einen  fruchtbaren,  alpenreichen 
weiten  Kessel,  dessen  Schichten  über  den  Schwabbrunnen  und  die  Alpe  Monzabon 
nach  Zürss  hinübersetzen.  Er  wird  im  Hintergrund  überragt  von  dem  Dolomit 
des  Rauhen  Spitz  und  des  Gra  bacher  Spitz,  dessen  eigenthümliches  über- 
stürztes Lagerungsverhältniss  wir  von  Zürss  her  kennen  lernten  (s.  Prof.  XII).  — 
Dieser  obere  Thalkessel  wird  schroff  abgeschnitten,  indem  der  Dolomit  des 
Westner  Spitz  quer  über  das  Thal  hinwegsetzt,  den  Grubspitz  zwischen 
ßockbach  und  Grabach  bildet  und  dann  nach  Kaisers  hinüberzieht.  Man  gelangt 
daher  thalabwärts  von  den  fruchtbaren  Gehängen  der  Fleckenmergel  succes- 
sive  in  rothen  Adnether  Kalk,  Dachsteinkalk,  mächtige  Kössener 
Schichten,  und  dort  wo  der  Bach  vom  westlichen  Uehergang  gegen  Stubenbach 
in  einer  Spalte  herabkommt,  in  Dolomit.  Mit  ihm  verlässt  man  die  Hebungs- 
welle II  und  kommt  aufs  Neue  in  Flecken  me  rgel,  welche  scharf  gegen  den 
Dolomit  abgegrenzt  sind,  und  nach  dessen  Engen  eine  zweite  alpenreiche  Thal- 
strecke schaffen,  es  beginnt  damit  die  Hebungswelle  III,  deren  Dolomit  nörd- 
lich das  Thal  abschliesst,  im  Höllspitz  seinen  Höhepunkt  erreicht  und  über 
die  Einmündungsstelle  des  Bockbachs  in  den  Lech  nach  dem  Muttekopf  zieht. 
Die  Schichten  zwischen  ihm  und  den  Fleckenmergeln  sind  gut  entwickelt,  die 
Dachsteinkalke  erheben  sich  westlich  zur  Mittagspitz.  — Wendet  man  sich 
aus  dem  Boekhach  nach  Stög,  so  kann  man  nicht  in  die  furchtbare  Dolomit- 
schlucht hinab,  sondern  hält  sich  auf  den  Algäu-Schichten,  welche  den  Abhang 
unterhalb  des  Grubspitz  bis  fast  in  das  Lecbthal  hinab  bilden.  Die  überaus  reichen 
Alpen,  welche  für  den  Botaniker  ein  ungemein  dankbares  Gebiet  hinsichtlich  des 
Formenreichthums  der  Flora  der  Gegend  sind,  tragen  den  Namen  Birchesgunt. 
Ihre  Algäu-Scliiehten  ziehen  hinüber  nach  dem  Grabachthai  und  sind  durch  ihr 
Liegendes  (Adnether,  Dachslein-,  Kössener  Schichten)  von  dem  Dolomit  von 
Stög  getrennt. 

Das  Grabachthai  bietet  ungleich  schwierigere  Verhältnisse,  die  wir  in- 
dessen schon  früher  bei  Betrachtung  des  Grates  zwischen  Zürss  und  Grabach 
theilweise  zu  erklären  suchten.  Es  zeigte  sich,  dass  das  muldenförmig  gelagerte 
Schichtensystem  zwischen  Valluger  Spitz  und  Schwabbrunnen  im  Norden  eine 
grossartige  Umbiegung  erfahren  habe,  wodurch  alle  Schichten  von  den  Partnach- 
mergeln  bis  zu  den  jüngsten  Liasgliedern  an  jenem  Grat  in  umgekehrter  Reihen- 
folge  über  einander  liegen.  Man  gelangt  daher  aus  den  Algäu-Schichten  des 
Thalgrundes  von  Grabach  ansteigend  zu  einer  isolirten  Partie  rothen  Adnether 
Kalkes  mit  vielen  Ammoniten  und  Crinoiden-Breccie.  Darüber  liegt  mauerförmig 
abgebrochen  ein  mächtiges  Dachsteinkalkflöz  und  dieses  trägt  ein  kleines 
Plateau  von  Kössener  Schichten  in  fast  söhliger  Lagerung.  Amphitheatra- 
lisch steigen  Kalkgebirge  darüber  auf.  Von  rechts  her  kommt  der  Dolomit  des 
Grabacher  Spitz  und  keilt  sich  schnell  aus;  darauf  folgen  Rauclnvacke,  Sand- 
steine, kalkige  Schiefer  u.  s.  w.  der  Raibler  Schichten  und  mächtige  Arl- 
bergkalke, bis  endlich  Partnachmergel  als  das  höchste  den  Uebergang 
nach  Zürss  vermitteln.  Die  Arlbergkalke  scheinen  auch  den  Schmalzgrat  zu  bil- 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


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[35] 


den,  welcher  Grabach  und  Almejur  scheidet;  denn  man  sieht  unter  diesem  Kalk- 
grat die  Rauchwacke  der  Raibler  Schichten  herumziehen  und  es  ist  wahrschein- 
lich, dass  dieser  kleine  Bergzug  auch  dem  überstürzten  Schichtensystem  ange- 
hört. — Dass  jenseits  des  Passes  gegen  den  Pazieler  Bach  dieselbe  verkehrte 
Lagerung  sich  abwärts  verfolgen  lässt,  habe  ich  zu  zeigen  versucht.  Herr  Berg- 
rath Franz  Ritter  v.  Hauer  und  Herr  Escher  v.  d.  Linth  fanden,  dass  auch 
gegen  das  oberste  Almejur-Thal  als  Liegendes  der  Trias  wider  die  Kössener 
Schichten  Vorkommen,  so  dass  von  allen  Seiten  her  die  Ueberstürzung  vollkom- 
men klar  erwiesen  ist.  Auch  von  der  letztgenannten  Seite  scheint  es  übrigens 
sicher  festzustehen,  dass  der  Schmalzgrat  auch  noch  dem  überstürzten  Schichten- 
systeme angehört. 

Wendet  man  sich  von  diesem  merkwürdigen  Knotenpunkt  im  Grabachthai 
abwärts,  so  bietet  es  dieselben  einfachen  Verhältnisse  wie  das  Bockbachthal. 
Man  gelangt  aus  den  Fleckenmergeln  durch  die  Zwischenschichten  in  den  Dolo- 
mit, der  westlich  von  der  Grubspitz  herabzieht,  und  in  die  Algäu-Schichten  der 
Hebungswelle  III,  welche  westlich  Birchesgunt  tragen  und  östlich  nach  dem  Kai- 
serthal ziehen.  Nirgends  ist  der  Schichtenbau  dieser  Formation  mit  solcher  Klar- 
heit zu  verfolgen  wie  hier.  In  einer  tiefen,  senkrecht  eingeschnittenen  Schlucht 
bricht  der  Grabach  quer  hindurch  und  zwingt  den  Weg  sich  hoch  am  östlichen 
Gehänge  zu  halten.  Bald  durchschneidet  er  die  Adnether  Kalke,  an  Korallen  und 
ßivalven  reiche  Dachsteinkalke  und  Kössener  Schichten  mit  vielen  Versteinerun- 
gen. Diese  drei  Schichtensysteme  setzen  oberhalb  Ellebogen  über  den  Lech  und 
bilden  den  Südabhang  des  jenseitigen  Ellebogen-Spitz.  Durch  eine  kleine 
Kluft,  in  welcher  dünnplattige  bituminöse  Kalke  in  Lias- Dolomit  anstehen,  er- 
reicht man  Stög. 

Das  Almejur-Thal  entspringt  am  Rogla-Spitz,  nimmt  einen  kleinen 
Zufluss  vom  Almejur- Joch  auf  und  mündet  bei  Kaisers  in  das  Kaiser-Thal.  Der 
obere  und  untere  Theil  des  Thaies  liegen  in  jüngeren  Liasgebilden,  der  mittlere 
durchbricht  jenen  Dolomitzug,  der  eine  kurze  Aufbiegung  zwischen  den  Hebungs- 
wellen I und  II  bildet.  Die  Liasschichten  des  oberen  Laufes  kommen  in  mulden- 
förmiger Lagerung  von  Zürss  über  den  Rogla-  und  Valluge r Spitz  herüber 
und  streichen  in  gleicher  Lagerung  nach  dem  K a i s e r-J och.  Der  Dolomit  durch- 
zieht das  Thal  an  der  Vereinigungsstelle  der  beiden  Quellbäche  und  verschwindet 
westlich  unter  dem  Schmalzgrat. 

Das  Kais  et* -Thal,  welches  in  einem  überaus  grossartigen  Gebirgskessel 
zwischen  Kaiser-Joch,  der  vorderen  See-Spitz,  dem  Kreuz-Joch  und  der  Tagwaid- 
Spitz  aus  einem  abgeschiedenen  See  entspringt,  durchschneidet  bis  zur  Vereini- 
gung mit  dem  Almejur-Thal  dieselben  Zonen  wie  dieses.  Der  Uehergang  am  Kaiser- 
Joch  nach  Petneu  im  Stanzer  Thal  liegt  in  Kössener  Schichten.  An  einem  steilen 
Gehänge  windet  sich  der  Weg  in  das  Thal  hinab;  er  durchschneidet  einen  mannig- 
fachen Wechsel  der  verschiedenen  Liasglieder,  welcher  von  den  bedeutenden 
Unregelmässigkeiten  in  der  Ausbildung  dieser  Mulde  zeugt.  Noch  ehe  man  die 
Jocher  Alp  erreicht,  gelangt  man  durch  den  kleinen  Dolomitzug,  der  auch  im  Al- 
mejur-Thal einen  Theil  der  Gehänge  bildet.  Er  ist  hier  nur  noch  schwach  ent- 
wickelt und  erreicht  schnell  sein  östliches  Ende.  Der  Hintergrund  des  Kessels, 
worin  der  Kaiserbach  entspringt,  gegen  Alperschon,  zeigt  nur  noch  eine  einfache 
Mulde  der  jüngern  Liasglieder  zwischen  der  vordem  See-Spitz  und  dem  Kreuz- 
Joch;  eine  kleine  Aufbiegung  in  der  Mitte  des  Sattels  deutet  die  Fortsetzung  des 
Dolomitzuges  an.  — Bei  der  Jocher  Alp  stehen  noch  ausser  dem  Dolomit  Kössener 
Schichten  und  Dschsteinkalk  an,  welche  einer  breiten,  bis  Kaisers  reichenden 
Zone  von  Algäu-Schichten  Platz  machen,  in  der  sich  der  Almejur-Bach  mit  dem 

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Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[36] 

Kaiserbach  vereinigt,  um  diesem  den  Namen  des  weiteren  Thaies  zu  lassen.  Diese 
Algäu-Schichton  zwischen  der  Jocher  Alp  und  Kaisers  sind  die  östliche  Fort- 
setzung von  denen,  welche  Grabach  und  Bockbaeh  trennen;  sie  bilden  weiter  im 
Osten  die  Tagwaid-Spitze  und  ziehen  als  Mulde  fort  bis  zur  Lorinser  Spitze.  Der 
weitere  Verlauf  des  Thaies  bis  Stög  ist  sehr  einfach.  Bei  Kaisers  erreicht  man 
den  Dolomit  der  Grubspitz  (H),  welcher  östlich  die  Krvstallispitzen  und  die 
Wetlerspitze  am  Ursprung  des  Sulzel  - Thaies  bildet.  Wie  überall  liegt  er  un- 
mittelbar und  in  gleichförmiger  Lagerung  auf  Algäu-Schichten.  welchen  wiederum 
Adnether,  Daehstei  ikalk-,  Kössener  Schichten  und  der  Dolomit  von  Stög  folgen. 

Ein  Ueberhlick  des  eben  betrachteten  Gebietes  mit  Rücksicht  auf  die  west- 
lich angrenzenden  Theile  zeigt,  dass  der  Dolomit  des  Schafberges  bei  Spullers 
in  ununterbrochenem  Zug  über  die  Grubspitz,  Kaisers  nach  dem  Wetterspitz  den 
Nordrand  einer  Mulde  bildet,  deren  Südrand  aus  dem  Dolomitzug  im  Norden  des 
Kloster-  und  Stanzer  Thaies  besteht  (Arzberg,  Valluger  Kopf,  Stans-Kopf,  Vor- 
dere See-Spitz),  dass  diese  Mulde  am  Schafberg  wie  zwischen  Wetterspitz  und 
vorderem  See-Spitz  einfach  und  von  geringerBreite  ist,  dazwischen  aber  sich  ver- 
breitert und  durch  einen  mittleren  kleineren  Dolomitzug  auf  kurze  Erstreckung  in 
zwei  Mulden  getheilt  wil  d,  dass  endlich  in  der  gesummten  angegebenen  Ausdeh- 
nung die  Lagerung  eine  muldenförmige  bleibt  und  wo  Störungen  stattfinden,  die- 
selben in  einer  Umbiegung  des  gesammten  Schichtensystems  vom  Rande  der 
Mulde  her  bestehen.  Es  ergibt  sich  ferner,  dass  der  Dolomit  des  Nordrandes  der 
Mulde  vom  Lechthal  an  gegen  Osten  in  seiner  ganzen  Erstreckung  den  jüngsten 
Gebilden  eines  gleichfalls  südlich  fallenden  zweiten  Liassystems  aufgeschoben  ist 
und  somit  erst  mit  diesem  Nordrand  oder  der  Hebungswelle  II  die  Reihe  der 
regelmässigen  von  Sud  nach  Nord  gerichteten  Aufschiebungen  beginnt,  denen 
wir  weiter  nördlich  constant  begegnen. 

Lechthal  von  Stög  bis  Elb  i genalp;  Madau-Thal  (AI  perschon, 
Passeyer,  Reth).  — Das  Lechthal  liegt  von  Stög  fast  bis  Elbigenalp  in  der  Rich- 
tung des  Dolomitzugs  (der  Hebungswelle  III),  den  es  bei  dem  ersteren  Ort  betrat. 
Die  Schichten  des  Dolomits  fallen  südlich  und  sind  an  ihrer  Nordgrenze  einer 
Zone  von  eben  so  einfallenden  Algäu-Schichten  (der  Hebungswelle  IV)  aufgela- 
gert. Der  Fluss  hält  sich  stets  nahe  dieser  Grenze  und  überschreitet  sie  mehr- 
fach, so  dass  der  Dolomit  am  Not  drand  des  Thaies  nur  die  schrofferen  Vorsprünge 
bildet,  zwischen  denen  die  sanften  Gehänge  der  Algäu-Schichten  die  Thalsohle 
erreichen,  wie  bei  Holzgau  und  abwärts  von  Ober-Gieblen.  Bei  diesem  Ort  setzt 
die  Auflagerungslinie  über  das  Thal,  erreicht  bei  Griesau  den  Südahhang  und  in- 
dem sie  über  das  Gebirge  nach  Bschlaps  fortzieht,  bleibt  der  Dolomitzug  südlich 
vom  Thal  und  entfernt  sich  mehr  und  mehr  von  demselben. 

Am  Südahhang  zwischen  Stög  und  Elbigenalp  steigt  der  Dolomit  höher  an, 
erreicht  aber  nur  theilweise  die  ersten  Höhen,  sondern  überlässt  diese  bereits 
den  aufgelagerten  südlich  fallenden  Kössener,  Dachsteinkalk-,  Adnether  und  Al- 
gäu-Schichten, welche  als  eine  schmale  Zone  vom  Ausfluss  des  Grabachthaies  an 
den  Dolomit  von  Stög  begleiten  und,  wie  alle  Zonen  von  Algäu-Schichten  in  die- 
ser Gebirgswelt,  auf’s  Neue  von  Dolomit  überlagert  werden  (Hebungswelle  II). 
Letzterer  gabelt  sich  von  Osten  her,  indem  er  im  Madau-Thal  mit  einem  breiten 
aber  sich  schnell  auskeilenden  Zweig  in  die  Zone  der  Algäu-Schichten  hinein- 
greift. Diese  gabeln  sich  dadurch  ebenfalls  und  senden  einen  kurzen  Zweig  gegen 
Osten  in  den  Dolomit,  so  dass  beide  zackig  in  einander  eingreifen.  Erst  südlich 
von  diesem  Ineinandergreifen  zieht  der  Grubspitz-Kaisers-Wetterspitz-Dolomit- 
zug  ununterbrochen  fort.  Die  Folge  dieses  Verhaltens  ist,  dass  die  Zone  der  Al- 
gäu-Schichten, welche  von  Westen  her  bis  zum  Madau-Thal  eine  bedeutende 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


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[37] 


Breite  hat,  bei  der  Gabelungsstelle  ihre  grösste  Breite  erreicht,  und  indem  der 
südliche  Ast  sich  auskeilt,  nur  noch  in  den  nördlichen  mit  sehr  geringer  Breite 
fortsetzt,  der  Dolomit  aber  südlich  von  der  III.  Hebungswelle  in  der  Oberflächen- 
gestaltung eine  immer  wichtigere  Rolle  erhält  und  sich  zu  bedeutenden  Gebirgs- 
massen  ausdehnt. 

Dazu  kommt,  dass  so  fortlaufend  auch  der  Zug  des  Dolomits  II  ist,  dies  kei- 
neswegs für  die  südlich  anschliessende  Mulde  jüngerer  Liasglieder  gilt,  jene  viel- 
genannte Mulde  I N — II  S,  die  wir  von  jenseits  der  Spullers-Alpe  in  Vorarl- 
berg bereits  bis  zum  Alperschon  verfolgten.  Auch  sie  erreicht  im  Quellgebiet 
des  Madau-Thals  ihr  östliches  Ende,  nachdem  sie  im  Passeyer  noch  einmal  zu  be- 
deutender Breite  angewachsen  war. 

Rechnet  man  hierzu  das  oben  auseinandergesetzte  Verschwinden  aller  For- 
mationen zu  Gunsten  des  Dolomits  zwischen  den  Quellen  des  Madau-Thales  und 
dem  Inn-Thal,  so  ergibt  sich  ein  allgemeines,  plötzliches,  sehr  bedeutendes  An- 
wachsen des  Dolomits.  Zwischen  Elbigenalp  und  dem  Inn-Thal  ist  von  der  östlichen 
hohen  Wasserscheide  des  Madau-Thales  an,  mit  Ausnahme  einiger  kleinerer  Auf- 
lagerungen, nur  noch  ein  einziger,  der  III.  Hebungswelle  angehöriger,  schmaler 
Zug  von  Algäu-Schichten  entwickelt.  Alles  Gebirge  im  Süden  desselben  ist  Do- 
lomit. 

Das  Thalsystem  des  Lendbaches  oder  Madau-Thales.  — Wie 
alle  Nebenthäler  des  Lechs,  so  besteht  auch  das  vielverzweigte  Madau-Thal  aus 
einem  Wechsel  fruchtbarer  und  sanfter  Thalstrecken  mit  wilden  unzugänglichen 
Engen,  was  durch  das  Durchschneiden  der  vielgenannten  Zonen  von  Algäu- 
Schichten  und  Dolomit  bewirkt  wird.  Der  Eingang  der  meisten  von  diesen  Neben- 
thälern  ist  durch  Dolomit  versperrt  und  man  muss  zwei  Stunden  weit  an  der 
Höhe  der  Gehänge  hingehen  um  in  einem  fruchtbaren  Thalkessel  des  oberen 
Flusslaufes  ein  kleines  armes  Dorf  zu  finden.  Meist  liegt  dieses  an  der  Vereini- 
gungsstelle mehrerer  grösserer  Quellbäche,  an  denen  man  aufwärts  steigend  noch 
zu  Hochalpen  und  dann  zu  Bachübergängen  nach  den  benachbarten  Thälern 
gelangt. 

Das  vom  Lendbach  durchströmte  Madau-Thal  mündet  bei  L e n d in  das 
Lechthal.  Der  Dolomit  (III)  an  der  Mündung  ist  hier  sehr  schmal  und  man  er- 
reicht schnell  über  Kössener  Schichten  und  Dachsteinkalke  aufwärts  steigend  die 
Zone  der  Algäu-Schichten.  Es  tritt  nun  ein  eigenthümlicbes  Verhältniss  ein,  indem 
in  Westen  bis  jenseits  Madau  Algäu-Schichten  die  Gehänge  bilden,  Anfangs  bis 
zur  Höhe  der  Wasserscheide,  später  nur  im  unteren  Th  eil,  während  sie  östlich 
als  sehr  schmale  Zone  nördlich  von  Buttelspitz  nach  Gramais  hinüberziehen 
und  dann  sogleich  Dolomit  alle  Gebirge  bildet,  welcher  zwischen  dem  Grieselbach 
und  Madau  auch  an  den  Fuss  des  linken  Gehänges  herüber  zieht.  Es  ist  dies  die 
Stelle  der  zweifachen  Gabelung.  Madau,  ein  kleines  Sennhüttendorf,  liegt  in 
der  südlichen  , sich  bald  auskeilenden  Abzweigung  des  Zugs  der  Algäu-Schich- 
ten (III).  Sie  ziehen  hier  in  einem  weiten,  nur  gegen  Nordwest  geöffneten  Kessel 
von  Dolomitbergen.  Zwölferkopf,  Landschaftle-Kopf,  Hengst-Spitz, 
Laims  er  Spitz,  Saxer  Spitz,  Frei-Spitz  und  das  Kreuz -Joch  sind  von 
Norden  über  Ost  nach  Süd  die  Höhepunkte  in  der  weiten  Dolomit-Umwallung. 
Alle  Schichten  fallen  nach  dem  Innern  des  Kessels  und  allseitig  schmiegt  sich 
ihnen  ein  Band  von  Kössener  Schichten,  sehr  mächtigen  Dachsteinkalken  und 
rothen  Adnether  Kalk  an,  denen  endlich  die  Algäu-Schichten  als  Ausfüllung  des 
Kessels  mit  muldenförmiger  Einlagerung  folgen. 

Bei  Madau  münden  strahlenförmig  aus  den  südlichen  Gebirgen:  das  Al- 
perschon-, Passeyer-  und  Reth-Thal.  Das  Alperschon  mündet  in  Dach- 


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Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


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steinkalk,  der  sich  der  nördlichen  Dolomitumwallung  (III)  anlehnt;  der  Eingang 
ist  eine  überaus  grossartige  wilde  Felsspalte,  aus  welcher  der  Wildbach  schäu- 
mend über  ein  Haufwerk  grosser,  mit  einzelnen  Tannen  bewachsener  Felsblöcke 
stürzt.  Es  ist  dies  eine  der  vielen  malerischen  Gebirgsscenen,  deren  diese  Quer- 
thäler  eine  überraschende  Fülle  bieten.  Die  breite,  dem  Dachsteinkalk  auflagernde 
Zone  der  Algäu-Schichten  (III)  wird  von  dem  Bach  in  einem  tiefen  Thal  quer 
durchschnitten  und  vermag  sich  erst  auf  den  Höhen  in  Osten  und  Westen  zu  einer 
fruchtbaren  Landschaft  zu  entwickeln,  insbesondere  gilt  die  Saxer  Alp  auf  der 
östlichen  Höhe  als  eine  der  reichsten  der  Gegend.  Sie  wird  in  Süden  von  dem 
aufgeschobenen  Dolomit  (II)  überragt.  Auch  die  mittlere  Thalstrecke  des  Alper- 
schon  liegt  in  diesen  und  ist  tief  eingesenkt  zwischen  Frei-Spitz  und  Kreuz-Joch, 
zweien  der  höchsten  Berge  der  Gegend.  Der  Durchbruch  der  Dolomitzonen  ist 
bei  allen  Querthälern  des  Lechthaies  sehr  einförmig;  sie  erhalten  in  denselben 
meist  von  keiner  Seite  einen  Zufluss;  die  Gehänge  sind  in  der  Tiefe  bewaldet, 
in  der  Höhe  steiler  und  werden  von  Tobln  und  tief  sich  herabziehendem  Stein- 
geröll unterbrochen.  Wo  man  den  Dolomit  verlässt,  eröffnet  sich  eine  freiere 
Hochgebirgslandschaft.  Von  allen  Seiten  kommen  radienförmig  die  Quellhäche 
herab  und  vereinigen  sich  an  der  Grenze  des  Dolomits.  Wir  befinden  uns  hier  in 

der  Mulde  I N — IIS 
am  Ursprung  des 
Alperschon,denwir 
bereits  von  Süden 
und  von  Westen  her 
erreichten.  Hier, 
zwischen  Kreuz- 
Joch  und  Vorde- 
rem See  - Spitz 
im  Westen,  zwi- 
schen F r ei-Spitz 
und  Griesel- 
Spitz  und  an  den 
Knapp  enböden 
im  Osten  ist  die 
Mulde  ungemein 
schön  entwickelt; 
doch  besitzt  sie 

nicht  eine  einförmige  Muldenlagerung,  sondern  ist  vielfach  gefaltet  und  getheilt, 
wie  beistehende  Ansicht  eines  Theiles  der  östlichen  Thalwand  zeigt. 

Die  Adnether  Kalke  mit  ihrer  grellen  hervorstechenden  Färbung  sind  stets 
das  leitende  Element  zur  leichten  Uebersicht  der  Lagerung.  Oestlich  sieht  man 
die  Mulde  nach  dem  Passeyer  fortzetzen,  von  Westen  her  haben  wir  sie  bereits 
aus  dem  Kaiser-Thal  verfolgt.  Gegen  Süden  erreicht  man  sogleich  wieder  den 
Dolomit,  über  welchen  der  Jochsteig  nach  Schnan  im  Stanzer  Thal  führt. 

Das  Passeyer-Thal  reicht  mit  seinen  Wurzeln  am  weitesten  unter  allen 
Zuflüssen  des  Lechs  gegen  Süden;  es  hat  seine  Quellen  am  Eisenspitz  und 
Ta  win.  Der  einfache  Dolomitzug  des  Vorderen  See-Spitz  und  der  Knappenböden 
(Prof.  XIII)  verbreitert  sich  gegen  Osten  und  nimmt  eine  locale  kleine  Mulde  von 
jüngeren  Liasschichten  auf,  wie  Profil  XIV  zeigt.  Aus  dieser  Mulde  entspringt 
der  Passeyer-Bach.  Bei  Madau  betritt  man  das  Thal  in  Algäu-Schichten  (III),  mit 
sehr  gestörter  Lagerung;  durch  sehr  mächtigen  überstürzten  Dachsteinkalk  und 
Kössener  Schichten  kommt  man  in  den  Dolomitzug  des  Fr  ei -Spitz  (II),  welcher 


Frei-Spitz. 


Fig.  28. 


N.  S. 

Schichtenstörungen  an  der  Wand  westlich  von  Knappenböden. 

1 Unterer  Dachstein-Dolomit.  2 Kössener  Schichten.  3 Oberer  Dachsteinkalk. 
4 Adnether  Kalk.  5 Algäu-Schichten. 


Die  Kalkaipen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


125 


[39] 


hier  sehr  schmal  ist,  und  dann  in  die  Mulde  I N — II  S,  welche  im  Passeyer  noch 
einmal  zu  sehr  bedeutender  Breite  anwächst  um  in  Osten  bald  ganz  zu  verschwin- 
den. Eine  armselige  Schafalp  in  diesem  einsamen  und  verlassenen  Hochthal  liegt 
auf  den  dunklen  Kössener  Schichten;  man  erreicht  sie  über  eine  ungemein  mäch- 
tige Stufe  von  parallelepipedisch  zerklüfteten  Dachsteinkalk.  Es  folgt  ein  zweiter 
Dolomitzug,  der  westlich  den  Stierkopf  bildet  und  gleich  dem  ersten  von  geringer 
Breite  ist.  Er  schliesst  einen  überaus  wilden,  ausgezackten  Gebirgskessel,  der  mit 
tief  ausgefressenen  Scharten  allseitig  in  die  Kämme  hineingreift  und  an  seinem 
Grunde  mit  kahlem  Steingeröll  bedeckt  ist.  Ueberall  sieht  man  scharfe  Gräte, 
schroffe  Tobl  und  steile  Wände  und  man  überzeugt  sich  nur  schwer,  dass  eine 
so  wilde  und  öde  Gebirgslandschaft  ganz  und  gar  aus  denselben  jüngern  Liasge- 
bilden besteht,  welche  sonst  ein  so  fruchtbares  Gebäude  zu  schaffen  pflegen.  Die 
hochrothen  Adnether  Kalke,  welche  in  Windungen  an  den  Abhängen  hervortreten, 
vermehren  den  wilden  Anblick  der  Thalwände.  Im  Süden  erheben  sich  der  Eisen- 
spitz und  der  Tawin,  deren  Liasgipfel  auf  den  Dolomitwänden  ihrer  südlichen 
Abhänge  ruhen.  Gegen  Osten  führt  aus  dieser  Wildniss  ein  sehr  hoher,  verlasse- 
ner Jochsteig  zwischen  Passeyer-Spitz  und  Schweinsrüssel  nach  dem  Matriol- 
Thal.  Er  liegt  selbst  noch  in  dem  nördlichen  Dolomit  der  kleinen  Mulde,  welche 
im  obern  Matriol-Thal  ihr  Ende  erreicht.  Weiter  abwärts  in  diesem  Thal  gelangt 
man  zu  einem  kleinen  Aufbruch  vom  Liegenden  des  Dolomits,  später  zu  einer 
kleinen  muldenförmigen  Einlagerung  jüngerer  Liasglieder  an  der  Silberspitz 
und  steigt  im  Dolomit  hinab  nach  Zams  im  Inn-Thal. 

Das  Reth-Thal  endlich  liegtselbst  in  den  Algäu-Schichten  vonMadau,  sam- 
melt aber  alle  Bäche,  welche  aus  dem  äussersten  Ende  der  Dolomitumwallung 
herabkommen.  Wenn  man  sich  daher  nach  Nord,  Ost  oder  Süd  wendet,  so  durch- 
schneidet man,  überall  wegen  des  allseitigen  gleichmässigenEinfallens  der  Schich- 
ten nach  dem  Innern  des  Kessels,  das  gewöhnliche  Liasprofil  und  gelangt  auf  die 
Dolomitschichten  als  das  Liegendste  des  Schichtensystems.  Uebersteigt  man  die 
südliche  Dolomitumwallung,  so  gelangt  man  in  einen  zweiten,  höher  gelegenen, 
ganz  analog  gebauten  Kessel,  welcher  das  östlichste  Ende  der  Mulde  IN — IIS  ist, 
die  bisher  im  Gebirgsbau  eine  so  wichtige  Rolle  spielte.  Laimser  Spitz, 
Hengst-Spitz,  Blanken-Spitz  und  Schweinsrüssel  bilden  seine  letzte 
östliche  Dolomitumwallung.  Auch  hier  fallen  von  Nord,  Ost  und  Süd  alle 
Schichten  dem  Innern  des  mit  Algäu-Schichten  erfüllten  Kessels  zu. 

Gebirge  zwischen  dem  Lech-Thale  von  Stög  bis  Weissenbach  und  dem 
bayerischen  Algäu.  (Profile  XIII,  XIV.) 

Noch  einfacher  als  im  Süden  des  Lechthaies  ist  der  Gebirgsbau  im  Norden 
desselben  bis  in  die  Gegend  von  Forchach  und  Weissenbach,  da  hier  die  Höhen- 
züge und  selbst  die  Thäler  der  Bichtung  der  Hebungswellen  folgen.  Nur  der  Lech 
selbst  durchschneidet  diese  wie  die  Höhenzüge  unter  schiefen  Winkeln.  Selbst 
die  Senkungen,  welche  durch  die  Zonen  der  Algäu-Schichten  verursacht  werden 
und  meist  die  Thäler  aufnehmen,  lassen  sich  über  sein  breites  Thal  hinweg  ver- 
folgen. Bedeutende  Schwierigkeit  der  Interpretation  bietet  nur  der  westliche  in 
die  Gebirge  des  Thannberges  übergehende  Theil.  Doch  haben  wir  diesen  bereits 
früher  erörtert  und  gezeigt,  dass  die  Hebungswellen  Vorarlbergs  am  Thannberg 
nur  eine  Unterbrechung  erleiden,  aber  keineswegs  ein  verändertes  System  an 
ihre  Stelle  tritt. 

Die  Hebungswellen,  wie  sie  sich  dort  beim  Eintritt  nach  Tirol  darstellten 
und  wie  sie  das  Profil  XII  zeigt,  sind  durch  folgende  Dolomitzüge  bezeichnet: 


1 26  Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen.  [40] 

1.  Nordfuss  des  Kriegerhornes  — Höllspitz  — Stög  — Lend 

— Boden  (Hebungswelle  III); 

2.  Holl  spitz  — * Ellebogen-Spitz  — Muttekopf,  eine  kleine  nörd- 
liche Abzweigung  von  III; 

3.  Mohne  n fl  uh  — Wart  lihorn  — Walser  Kerle  — B rette  r- 
Spitz  — Eimen  im  Lechthal  (IV); 

4.  Auf  dem  Schroffen  — Dolomitinseln  in  den  Algäu-Schichten  von  Hin- 
ter-Hornbach;  diesen  sehr  untergeordneten  und  nur  stellenweise  entwickelten 
Zug  suchte  ich  als  zu  IV  gehörig  nachzuweisen ; 

3.  Widder  stein  — 0 chsenloch  — Spielmannsau  — Hochvogel 

— Schwarze  Han sl -Kar  jenseits  des  Lechthaies  (V). 

Wegen  der  Einheit  des  Schichtenbaues  mit  der  Anordnung  der  Höhen  knüpfen 
wir  die  Analyse  dieses  Gebirgslandes  am  geeignetsten  an  die  Hebungswellen  an 
und  zwar  zunächst  an  den  3.  und  5.  der  erwähnten  Züge,  da  wir  den  1.  bereits 
im  Vorigen  betrachteten,  der  2.  und  4.  aber  sehr  untergeordnet  sind. 

Dolomitzug  der  Walser  Kerle  und  des  Bretter-Spitz  — 
Mädel  e -Thal  — Bernhardsthal.  — Wenige  Dolomitzüge  unseres  Gebietes 
setzen  als  hohe  Gebirgsketten  so  weit  ohne  Unterbrechung  fort  als  dieser  un- 
serer IV.  Hebungswelle  angehörige.  Seine  tiefste  Einsenkung  am  Mädele-Joch 
besitzt  noch  über  6000  Fuss  Meereshöhe  und  der  Bretter-Spitz  überragt  den  Hochvo- 
gel, welcher  lange  als  die  höchste  Spitze  der  Gegend  galt:  seine  Schichten  streichen 
wie  der  Zug  selbst  nach  Stunde  o und  sind  an  der  Nordgrenze  in  ihrer  ganzen 
Erstreckung  auf  Algäu-Schichten  vollkommen  söhlig  und  mit  hohem,  mauerför- 
migem  Absturz  gelagert.  Mit  sehr  flacher  Krümmung  senken  sie  sich  allmälig 
gegen  Süd  und  fallen  im  Westen  (Walser  Kerle)  mit  bedeutender,  im  Osten  mit 
geringer  Neigung  nach  Stunde  1 1 ; es  folgt  ihnen  mit  gleicher  Lagerung  eine 
Zone  von  jüngeren  Liasschichten.  Kaum  gibt  es  in  dem  gesammten  westlichen 
Theile  unseres  Gebietes  eine  Gegend,  wo  diese  jüngeren  Liasglieder  ohne  Aus- 
nahme in  so  ausgezeichneter  Entwickelung  und  so  ausserordentlich  reich  an  Ver- 
steinerungen auftreten,  als  hier,  wo  zugleich  allenthalben  die  vortrefflichsten 
Aufschlüsse  gegeben  sind,  wo  ferner  die  werthvollsten  Untersuchungen  bereits 
durch  einen  Esche r von  der  Linth  ausgeführt  vorliegen.  Dazu  kommt, 
dass  ein  eifriger  Sammler  der  Gegend,  Herr  Falger  in  Elbigenalp,  dem  ich 
seiner  freundlichen  Mittheilungen  wegen  zu  besonderem  Dank  verpflichtet  bin, 
die  paläontologischen  Schätze  der  Gegend  leicht  zugänglich  macht. 

Die  Zone  besitzt  eine  bedeutende  Breite  und  wird  im  Süden  von  dem  Dolomit 
der  III.  Hebungswelle  überlagert,  dem  schon  die  kleinen  Vorsprünge  am  Nord- 
gehänge des  Lechthals  angehören.  Ihre  Schichtensysteme,  insbesondere  die  der 
Algäu-Schichten,  sind  auf  das  Mannigfaltigste  gewunden  und  gekrümmt  und  dies 
nimmt  nach  oben  mehr  und  mehr  zu;  hingegen  sind  die  dem  Dolomit  zunächst 
folgenden  Schichten  in  regelmässiger  ungestörter  Lagerung  und  lassen  sich  vor- 
trefflich analysiren.  Herr  Es  eher  hat  dies  bereits  in  so  vollständiger  und  ausge- 
zeichneter Weise  gethan,  dass  ich  auf  seine  Darstellung  der  Schichtfolge  im 
Bernhardsthal  verweise  *)  und  ohne  auf  diesen  Gegenstand  weiter  einzugehen,  nur 
noch  einige  Worte  über  das  Fortstreichen  der  einzelnen  Formationsglieder 
folgen  lasse. 


D Es  eher,  Vorarlberg,  Beilage  I.  — Nach  der  hier  gebrauchten  Bezeichnung  ist  1 Do- 
lomit, 2 — 4 Kössener  Schichten,  5 Dachsteinkalk,  6 A<jnether  Kalk,  7 — 24  Algäu- 
Schichten. 


[41] 


Din  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


127 


Die  Kössener  Schichten  ziehen  von  den  Walser  Kerlen  nach  der  Ein- 
sattelung zwischen  der  grossen  Steinschart-Spitz  und  der  Ellebogen-Spitz  und 
bilden  von  hier  ostwärts  den  Thalgrund  des  Sehocha-Baehes  und  weiterhin  die 
Einsattelung,  über  welche  der  Jochsteig  vom  Mädele-Thal  nach  dem  Bernhards- 
Thal  führt.  Allenthalben  bezeichnen  sie  die  Grenze  der  steilen  Abstürze  der  Do- 
lomitkette gegen  die  sanfteren  Gehänge  der  jüngeren  Liasglieder;  sie  erreichen 
endlich  das  Lechtbal  an  der  Mündung  des  kleinen  Wasserfall-Baches,  der  vom 
Urbs-Kor-Spitz  herabkommt,  und  gehen  südlich  von  Eimen  auf  die  östliche  Thal- 
wand über.  Die  Mächtigkeit  des  Sehichtensystemes  nimmt  nach  Osten  bedeutend 
zu;  überall  führt  dasselbe  Gervillia  inflata  Schafft.,  Cardium  austriacum  Hau., 
Avicula  contorta  Porti.,  Spirifer  uncinatus  und  andere  charakteristische  Verstei- 
nerungen; auch  das  Bactryllium  striolatum  Heer  kommt  hin  und  wieder  in  den 
mergeligen  schwarzen  Schichten  vor.  Der  Dachstein  kalk  tritt  kaum  irgendwo 
in  unserem  Gebiet  so  reich  an  Megalodon  triqueter  Wulf,  auf  als  hier,  wo  er 
neben  den  Kössener  Schichten  ein  schmales  Band  am  Südabhang  der  hohen  Do- 
lomitkette bildet.  Seine  ausgezeichnete  Entwickelung  wurde  zuerst  aus  dem  Bern- 
hards-Thal bekannt,  von  wo  die  besten  der  bisher  aufgefundenen  Exemplare  der 
Dachstein-Bivalve  stammen.  Allein  noch  ungleich  vorzüglicher  lässt  sich  das  Ge- 
bilde auf  dem  Weg  vonHolzgau  nach  dem  Mädele-Joch  beobachten,  der  überhaupt 
wegen  der  ungemeinen  Klarheit  seiner  geognostischen  Aufschlüsse  sehr  lehrreich 
ist.  Das  Thal  des  Hech-Bachs  (Mädele-Thal)  durchschneidet  die  gesammte  He- 
bungswelle IV,  an  deren  nördlichstem  Bande  er  entspringt,  unter  einem  rechten 
Winkel  und  entblösst  die  Lagerung  in  der  klarsten  Weise  an  den  senkrecht 
durchschnittenen  Wänden.  Abgesehen  von  der  grossen  Mächtigkeit,  welche  der 
Dachsteinkalk  an  dieser  Stelle  besitzt,  sind  ihm  auch  die  Lagerungsverhältnisse 
so  günstig,  dass  man  eine  halbe  Stunde  zwischen  seinen  Mauern  und  über  seine 
mit  Bivalven  und  Korallen  dicht  erfüllten  Blöcke  wandert.  Es  setzt  nämlich  hier 
jene  kleine  Aufbiegung  fort,  welche  ein  wenig  weiter  westlich  als  ein  kurzer  von 
der  III.  Hebungswelle  abgezweigter  Dolomitzug  erschien,  hier  aber  nur  noch  in 
einer  welligen  Biegung  des  gesammten  Schichtensystems  angedeutet  ist.  An 
einigen  Stellen,  so  insbesondere  am  Uebergang  zwischen  Mädele-Thal  und  Bern- 
hards-Thal bildet  der  Dachsteinkalk  besondere  Kuppen  und  diese  sind  dann  alle- 
mal von  rothemAdnetherKalk  überlagert,  daher  hier  die  so  häufig  angewen- 
deten Benennungen:  Rothhorn , Rothwand  u.  s.  w.,  sich  oft  wiederholen.  Die 
Adnether  Kalke  werden  stellenweise,  wie  an  dem  genannten  Uebergang,  bis  IfiOFuss 
mächtig,  erreichen  somit  einen  ihnen  sonst  nicht  eigenen  Grad  der  Entwickelung, 
und  sind  stets  reich  an  Ammoniten  aus  der  Familie  der  Arieten. 

Für  die  Algäu-S  chichten  endlich  ist  das  Bernhards-Thal,  insbesondere  in 
seinem  oberen  Theile,  am  reichsten  an  Aufschlüssen.  Doch  ist  die  Schichtenfolge 
wegen  der  vielfachen  Windungen  eben  so  schwer  durch  den  gesammten  Complex 
festzuselzen  als  anderswo.  Für  den  unteren  Theil  hat  dies  Herr  Escher  mit 
bewunderungswürdiger  Schärfe  erreicht.  Grosse  Trümmermassen  erfüllen  jene 
obere  Thalstrecke  und  enthalten  eine  überaus  grosse  Menge  von  Ammoniten, 
(Arieten  und  Falciferen),  Belemniten  und  Inoceramus  Falgeri.  Ein  Bild  der 
Schichtenkrümmungen,  welche  diesem  System  eigen  sind,  gibt  besonders  die 
enge,  spaltenartige  Schlucht,  aus  welcher  der  Bach  des  Bernhards-Thaies  bei 
Elbigenalp  hervorbricht.  — In  dieser  Zone  haben  wir  noch  die  Verschiedenheit 
der  Schichten  in  der  Nähe  des  Lechthaies,  alsotder  stratigraphisch  den  höch- 
sten Theilen  angehörigen,  von  den  nördlicheren,  tieferliegenden  zu  erwähnen. 
Jeder  der  das  Lechthal  durchwanderte,  kennt  die  mächtigen  Complexe  von  roth<  n 
und  grünen  dünnen  Hornsteinschichten,  wie  sie  z.  B.  an  der  Brücke  von  Holzgau 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Rand,  18G1  und  1862.  II.  Heft,  17 


128 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[42] 

nach  einer  isolirten  Partie  des  aufgeschobenen  Dolomites  anstehen.  Ich  wies 
bereits  früher  daraufhin,  dass,  wie  Giimbel  zuerst  gezeigt  hat,  wahrscheinlieh 
ein  Theil  dieser  höchsten  Schichten  schon  jurassisch  ist.  Ist  dies  auch  durch 
Versteinerungen  bis  jetzt  nicht  nachweisbar,  so  weist  doch  der  Charakter  der 
Schichten  darauf  hin.  Besondere  Beachtung  verdient  dabei  der  Umstand,  dass 
erst  in  dieser  vierten  Hebungswelle  die  juraartigen  Schichten  mit  Entschieden- 
heit auftreten;  südlich  derselben  sind  sie  weder  in  Vorarlberg  noch  im  westlichen 
Nordtirol  zu  beobachten.  Wir  werden  sie  im  weiteren  Verlauf  in  derselben  He- 
bungswelle weiter  östlich  verfolgen,  insbesondere  bei  Bschlaps. 

Hornthal  und  Kette  des  Hochvogels.  — Der  Dolomit  der  eben 
betrachteten  Hebungs welle  liegt,  wie  sich  aus  dem  Vorhergehenden  ergab,  längs 
seinem  Nordrand  söhlig  und  mit  mauerförmigem  Abfall  auf  Algäu-Schichten,  welche 
wieder  eine  breite  Zone  bilden,  in  der  das  Hornthal  parallel  dem  Streichen  der 
Schichten,  nach  Stunde  5,  eingeschnitten  ist.  Jenseits  erhebt  sich  darüber  mit 
gleichem  mauerförmigen  Abfall  und  gleichfalls  mit  söhlig  gelagerten  Schichten 
der  Dolomit  der  Hochvogel-Kette,  gleich  dem  südlichen  den  Algäu-Schichten  auf- 
gelagert, oder  vielmehr  aufgeschoben.  Endlich  erheben  sich  mitten  aus  der  Zone 
der  Algäu-Schichten  einzelne  isolirte  Inseln  eines  nach  Stunde  5 streichenden 
Dolomitzuges,  welche  durch  Kössener  und  Dachsteinkalk-Schichten  von  jenen 
getrennt  sind  und  deren  Einfallen  nach  Süd  und  Nord  unter  die  beiden  hohen 
Dolomitketten  bestimmen.  Dadurch  entsteht  das  sonderbare  Lagerungsverhält- 
niss,  wie  es  auf  Prof.  XIV  dargestellt  ist. 

Bei  V or d er-Hornbach  mündet  das  Hornthal  in  einer  der  genannten 
Dolomitinseln,  die  im  Bett  des  Baches  sehr  ausgedehnt  ist,  sonst  aber  wenig  zu 
Tage  tritt.  Wendet  man  sich  von  ihr  aus  im  Walde  an  den  Gehängen  aufwärts,  so 
überschreitet  man  nach  Süden  wie  nach  Norden  nacheinander:  Kössener  Schich- 
ten, Dachsteinkalk  und  eine  schmale  Zone  von  Algäu-Schichten,  denen  unmittel- 
bar die  hohen  Dolomitgebirge  folgen.  Hier  ist  die  Zone  schwer  zu  beobachten, 
aber  weiter  thalaufwärts  zieht  die  Auflagerungslinie  des  Dolomits  an  beiden 
Thalwänden  in  bedeutendere  Höhe,  während  die  Dolomitinsel  am  Bach  verschwin- 
det; der  ganze  Thalgrund  wird  weithin  nur  von  Algäu-Schichten  gebildet,  welche 
dachförmig  gelagert  sind  und  ihre  Antiklinallinie  in  der  Streichrichtung  des  Tha- 
ies in  der  Gegend  des  Baches  haben.  Die  Lagerung  ist  eine  für  Algäu-Schichten 
ungewöhnlich  einfache  und  ungestörte.  Der  Stitz-Bach  bringt  Bruchstücke  von 
diesen  letzteren  aus  grosser  Höhe  herab  und  es  scheint,  dass  hier  an  den  Ge- 
hängen des  Hochvogels  auch  die  vorerwähnten  juraähnlichen  Schichten  anstehen. 

Das  Dorf  Hinter -Ho  mb  ach  liegt  ganz  auf  Algäu-Schichten.  Doch  schon 
ein  wenig  weiter  westlich  folgt  eine  durch  einen  Ring  von  Dachsteinkalk  und 
Kössener  Schichten  getrennte  Dolomitinsel  und  unterhalb  der  Petersberger 
Alp  steht  nach  Herrn  Gümbel’s  Mittheilung  eine  bedeutende  Partie  von  rothem 
Adnether  Kalk  an,  also  wiederum  das  unmittelbar  Liegende  der  Algäu-Schichten. 
Auch  die  Joch-Spitz  im  Hintergrund  des  Thaies  ist  eine  isolirte  Dolomitkuppe. 
Noch  weiter  westlich  nehmen  diese  Dolimitinseln  ein  Ende  und  wenn  man  über 
den  Schafberg  nach  dem  Thal  des  Trett-Bachs  steigt,  so  hat  man  in  diesem  nur 
noch  Algäu-Schichten,  welche  auf  dem  Dolomit  von  Spielmannsau  vollkommen 
normal  gelagert  und  von  ihm  durch  Dachsteinkalk  und  Kössener  Schichten 
getrennt  sind.  Noch  weiter  westlich  in  unserer  Zone  von  Algäu-Schichten  gelangt 
man  endlich  zu  jenem  schon^  früher  bei  der  Darstellung  der  Umgegend  von 


!)  Die  von  dem  Profile  XIV  durchschnittene. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


129 


[43] 


Schröcken  besprochenen  isolirten  Dolomitzug  des  Schroffen,  welcher  allseitig 
von  jüngeren  Liasschichten  begrenzt  ist.  — Wenden  wir  uns  endlich,  um  die 
Zone  der  Algäu-Schichten  vollständig  zu  kennen,  noch  von  Vorder-Hornbach 
ostwärts,  so  begegnen  wir  östlich  vom  Lech  keiner  Spur  mehr  von  dieser  For- 
mation. Schon  am  Ausgang  des  Hornthals  verschwinden  sie  zwischen  den  beschrie- 
benen, von  unten  und  oben  näher  zusammenrückenden  Dolomiten  und  jenseits 
ist  nur  noch  Alles  eine  einzige  Dolomitwelt. 

Was  nun  die  beiden  im  Süden  und  Norden  begrenzenden  Dolomitzüge 
betrifft,  so  bildet  der  südliche  von  den  Walser  Kerlen  bis  Mortenau  eine  stetig 
fortlaufende  Mauer,  der  nördliche  ist  nicht  so  regelmässig.  Wir  rechneten  den 
Hoch  vogel  zu  unserer  Hebungswelle  V,  d.  h.  als  unmittelbare  Fortsetzung  des 
Zitterklapfen-Widderstein-Spielmannsau-Zuges.  Streng  genommen  ist  dies  nicht 
der  Fall;  denn  nach  den  einstimmigen  Darstellungen  der  Herren  Es  eher  und 
Gümbel  hängt  der  Dolomit  von  Spielmannsau  mit  dem  des  Hochvogels  nicht 
unmittelbar  zusammen,  sondern  es  ziehen  die  Algäu-Schichten  um  den  westlichen 
Fuss  des  Hinteren  Wilden  herum  nach  dem  Kessel-Spitz.  Doch  vermag  diese  Zer- 
reissung  des  Zusammenhanges  ihn  noch  nicht  aufzuheben  und  es  scheint  im 
Gegentheil,  dass  die  Unterbrechung  in  der  Stetigkeit  der  im  Uebrigen  so  einheit- 
lichen und  in  ihrer  ganzen  Erstreckung  gleichgerichteten  Kette  einen  Anhalt  zur 
Erklärung  des  im  östlichen  Theil  so  verschiedenen  Gebirgsbaues  gibt. 

Einer  genügenden  Erklärung  der  angedeuteten  Lagerungsverhältnisse  der 
Algäu-Schichten -Zone  des  Hornthaies,  stellen  sich  bedeutende  Schwierigkeiten  ent- 
gegen. So  viel  ist  klar,  dass  der  durch  die  Dolomitinseln  angedeutete  centrale 
Zug  mit  der  dachförmigen  Lagerung  der  jüngeren  Liasgebilde,  wie  wir  sie  weiter 
im  Süden  nirgends  beobachteten,  so  wie  die  sonst  in  unserem  Gebiete  nirgends  in 
solchem  Maasse  vorkommende  Armuth  an  welligen  Faltungen  der  Algäu-Schichten 
auf  eine  ruhige  Hebung  von  unten  nach  oben  ohne  irgend  welche  seitliche  Ver- 
schiebung deuten,  während  der  südliche  Dolomitzug  eine  gegen  Norden  wirkende 
Kraft  andeutet,  eine  Verschiebung,  wie  wir  sie  in  den  Gebirgen  Vorarlbergs  und 
des  Lechthaies  fast  allgemein  beobachteten,  die  nördliche  Kette  aber  das  genau 
entgegengesetzte  Verhältniss  anzeigt,  eine  von  Nord  nach  Süd  wirkende  Kraft, 
deren  Spuren  im  nörd- 
lichen Theil  des  Trias- 
Lias-Gebietes  noch  häu- 
tiger wiederkehren.  Da- 
durch wird  die  gross- 
artige Zusammenschie- 
bung von  beiden  Seiten 
einigermassen  klar.  Be- 
sondere Wichtigkeit  er- 
halten die  Verhältnisse  im 
Hornthal  noch  dadurch, 
dass  sie  gewissermassen 
der  Vorläufer  des  Gebirgs- 
baues der  Gegend  von 
Reutte  sind , wo  wir 
gleichfalls  mächtigen  Sy- 
stemen älterer  Schichten 
begegnen,  welche  sich 
über  jüngere  gegeneinander  wölben;  doch  treten  dort  noch  die  ältesten  Lias- 
glieder mit  zu  Tage,  welche  im  Hornthal  fehlen.  Kaum  dürfte  nach  den  heschrie- 

17* 


Fig.  29. 

Hora-Thal. 


1 Raibler  Schichten.  2 Unterer  Dachstein-Dolomit.  3 Kössener  Schichten. 
Dachstein-  und  Adnether  Kalk.  4 Algäu-Schichten. 


Ferdinand  Freiherr  von  Richlhofen. 


130 


r«] 


benen  Thatsachen  ein  anderes  Verhältniss  der  Lagerung  möglich  sein  als  das 
in  Figur  29  dargestellte. 

Hat  auch  somit  die  Analyse  der  Lagerung  für  den  östlichen  und  westlichen 
Theil  unserer  V.  Hebungswelle  keine  Schwierigkeiten,  so  bleibt  doch  noch  die 
Ungleichförmigkeit  der  Verhältnisse  im  Fortstreichen  ein  schwer  zu  erklärendes 
Problem. 

Schwarzwasserthal.  — Mit  der  Hochvogelkette  haben  wir  einen  breiten 
Dolomitzug  erreicht,  welcher  erst  an  der  südlichen  W asserscheide  des  Thann- 
heimer  Thals  seine  Nordgrenze  erreicht.  Das  Lechthal  durchschneidet  ihn  zwi- 
schen Vorder-Hornbach  und  Weissenbach  und  beide  Thalwände  zeigen  in  dieser 
Erstreckung  nur  Dolomit.  Der  Thalboden  ist  ein  ödes  Schuttland,  in  welchem  der 
Lech  sein  vielverzweigtes  Bett  gegraben  hat;  nur  selten,  wie  bei  Starzach  und 
Forchach,  erbebt  sich  darüber  eine  kleine  ebene  und  fruchtbare  Terrasse.  Die 
Schichten  des  Dolomits  zeigen  bis  Forchach  im  Allgemeinen  ein  nördliches  Fallen 
und  steigen  von  dort  bis  Wreissenbach  wieder  aus  der  Thalebene  allmftlig  mit 
südlichem  Fallen  auf,  so  dass  bei  letzterem  Orte  sich  nach  und  nach  auch  die  lie- 
genden Schichten  bis  zum  Virgloria-Kalk  heraufdrängen.  Die  Besprechung  der 
Gegend  von  Beutte  wird  uns  auf  dieses  Verhältnis  zurückführen.  — Bei  For- 
chach ist  mithin  die  tiefste  Senkung  des  Schichtensystems  und  in  der  Streich- 
richtung dieser  Senkung  kommt  von  Westen  das  Schwarzwasserthal  herab,  das 
im  Süden  durch  die  Hochvogelkette  vom  Hornthal,  im  Norden  durch  die  Leilach- 
Kette  vom  Thannheimer  Thal  geschieden  ist.  Der  gesammte  untere  Theil  des 
Schwarzwasserthaies  ist  in  Dolomit  eingesenkt,  der  hier  mit  dichtem  Nadelwald, 
von  dem  das  Thal  den  Namen  trägt,  bedeckt  ist.  Im  oberen  Theil  folgt  jedoch  eine 
muldenförmige  Einlagerung  von  jüngeren  Liasschichten,  welche  Alpen  tragen.  Der 
Hochwaldspitz  und  Kesselspitz  an  der  Grenze  gegen  das  Algäu  bezeichnen  die 
Mächtigkeit,  zu  welcher  jene  Schichten  hier  gelangen.  Unmittelbar  an  der  Was- 
serscheide gegen  das  Thannheimer  Thal  folgt  dann  eine  weitere  muldenförmige 
Einlagerung,  welche  aber  erst  jenseits  zu  bedeutender  Entwickelung  gelangt. 


Umgebung  von  Reutte,  Vils  und  Thann  heim. 

Das  weite,  in  vielen  Armen  vom  Lech  durchströmte  Thal  von  Reutte  durch- 
schneidet tief  einen  ostwestlich  streichenden  mächtigen  Schichtenaufbruch  und 
entblösst  daher  an  seinen  Wänden  in  klarer  Wreise  die  Lagerungsverhältnisse. 
Aus  den  Geröllmassen,  mit  welchen  der  Lech  in  der  Wreitung  eine  mehr  als 
eine  halbe  Meile  breite  Ebene  schuf,  ragen  einzelne  Inseln  von  älteren  Schichten 
hervor,  welche  die  Entblössungen  der  Thalwände  vervollständigen.  Der  Gebirgs- 
bau  ist  im  Allgemeinen  ganz  analog  dem  eben  beschriebenen  des  Hornbachthaies, 
dort  schliessen  zwei  ungefähr  ostwestlich  streichende  Züge  von  älteren  Gesteinen 
eine  breite  Einsenkung  von  jüngeren  Schichten  ein,  welche  beiderseits  unter 
jene  einfallen.  Es  zeigte  sich  dies  Verhältniss  im  WTesten  des  Hornthaies  sehr 
entwickelt,  da  mitten  aus  den  Algäu-Schichten  noch  ein  Dolomitzug  auftaucht, 
während  im  Osten  der  Lech  Alles  abschneidet  und  jenseits  des  Flusses  nur  in 
der  Schichtenstellung  des  allein  herrschenden  Dolomits  die  Spuren  zu  ver- 
folgen sind. 

Dasselbe  Verhältniss  findet  bei  Reutte  statt;  nur  ist  es  hier  ungleich  ver- 
wickelter. Auch  hier  lässt  sich  ein  nach  Westen  an  Breite  wachsen- 
der Zug  jüngerer  Lias-  und  Jurabildungen,  aus  dessen  Mitte 
Dolomite  hervortreten,  von  Reutte  gegen  Wresten  verfolgen  und 
von  beiden  Seiten  wölben  sich  ältere  Schichten  überdieseiben 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol 


131 


[«] 


hinweg;  aber  während  im  Horn h 
Lias  ruht,  sind  hier  die  tiefsten 
gelagert.  Wie  dort,  so  schneidet  auch 
hier  der  Lech  im  Osten  das  ganze  Lage- 
rungsverhältniss  ab,  und  jenseits  des 
Thaies  wird  es  nur  noch  durch  die  Lage- 
rung der  Triasschichten  und  des  Dolo- 
mites angedeutet.  — Der  mittlere  Zug 
der  jüngeren  Lias-  und  Juragebilde  be- 
ginnt an  den  Gehängen  über  Am -Lech 
und  Höfen  mit  geringer  Breite  und 
nimmt  im  Westen,  indem  seine  Ausdeh- 
nung bedeutend  wächst,  das  Birkthal, 
das  Thannheimer-  und  das  Vils- 
alpen-Thal  auf  Das  gesammte  von 
ihnen  eingenommene  Gebiet  ist  im  Allge- 
meinen ein  sanfteres  Gebirgsland , in 
welchem  nur  der  aus  der  Mitte  heraus- 
gehobene Dolomit  des  Gaishorns  sich  zu 
bedeutenderer  Höhe  erhebt  (6990  Fuss), 
während  die  beiden  begrenzenden  Ge- 
birgszüge sich  durch  eine  fortlaufende 
Kammhöhe  mit  einzelnen  Hochgipfeln  aus- 
zeichnen. • — Das  nebenstehende  Profil 
(Fig.  30)  dürfte  ein  richtiges  Bild  der 
Lagerungsverhältnisse  der  Gebirge  von 
Reutte  geben. 

Gegend  südlich  von  Reutte 
bis  Heiterwang  und  Weissen- 
bach.  — Reutte  liegt  ein  wenig  nörd- 
lich von  der  Antiklinallinie  der  von  Nord 
und  Süd  aufsteigenden  Triassysteme,  am 
Östlichen  Ende  des  von  ihnen  einge- 
schlossenen Gebietes  der  jüngeren 
Schichten.  In  diesem  schuf  der  Lech  die 
Thalweitung,  während  er  durch  jene 
hochaufragendenGebirgszüge  sich  schwe- 
rer Bahn  brach.  Wendet  man  sich  von 
Reutte  südlich  über  den  Pass  Ehrenberg 
nach  Heiterwang  oder  dem  Lech  entlang 
nach  Weissenbach,  so  gelangt  man  auf 
beiden  Wegen  durch  die  gesammte  Folge 
der  Trias  aufwärts  bis  in  den  Lias. 
Halten  wir  uns  zunächst  östlich  vom 
Lech,  so  ist  Verrucano  von  hier  noch 
nicht  bekannt  geworden,  das  tiefste  Glied 
sind  Virgloria-Kalke,  welche  den 
Ehrenbühel  und  einige  andere  aus  der 
Thalebene  inselförmig  hervorragende  Hü- 
gel zusammensetzen.  Herr  v.Hauer  fand 
darin  die  bei  der  stratigraphischen  Ueber- 


i c h t h a 1 unterer  Lias  auf  oberem 
friasglieder  auf  Juraschichten 


Fig.  30. 

Fire-Berg,  Weissenbach.  Gacht-Spitz.  Hannekamra.  Metzenarsch.  Sefer-Spitz,  Brenten-Joch.  Vils.  Vils-Thal.  Zirme- Berg. 


132 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[46] 

sicht  (Bd.  X dieses  Jahrbuches,  S.  94)  angeführten  Versteinerungen,  welche  dem 
Kalk  sein  bestimmtes  Niveau  anweisen.  Auch  das  Gestein  der  Handstücke  lässt 
unzweifelhaft  unsere  Virgloria-Kalke  erkennen.  Das  aus  der  Thalebene  weiter 
südlich  aufsteigende  Gebirge,  welches  die  Strasse  am  Pass  Ehrenberg  übersteigt, 
beginnt  mit  südlich  fallenden  Partnach mergeln.  Sie  treten  hier  ganz  wie  in 
Vorarlberg  auf,  als  schwärzliche  in  rhomboidische  Täfelchen  und  gritfei  förmige 
Stücke  zerfallende  schiefrige,  etwas  kalkige  Mergel  mit  sparsam  eingelagerten 
klotzigen,  knollig  zerklüftenden  Kalken.  Versteinerungen  fanden  sich  nicht  darin. 
Ihnen  folgt  Hai  Ist  ätt  er  Kalk,  welcher  den  gesammten  Schlossberg  zusammen- 
setzt und  an  der  Strasse  fast  bis  Heiterwang  anhält.  Kein  Gestein  erinnert  noch 
an  die  Arlbergkalke;  es  herrschen  nur  jene  weissen  feinkörnigen  Kalke,  welche 
mit  constantem  Charakter  durch  ganz  Nordtirol  fortsetzen.  Mit  Ausuahme  eines 
von  Herrn  Gümbel  neu  entdeckten,  wahrscheinlich  demselben  Zuge  angehörigen 
Vorkommens  im  Algäu  ist  die  Gegend  von  Reutte  der  westlichste  Punkt,  von  wo 
diese  Gebilde  bekannt  sind.  Allein  schon  mit  diesem  ersten  Erscheinen  treten  sie 
sogleich  massenhaft  und  gebirgsbildend  auf  und  bilden  westlich  von  Reutte  die 
höchste  Spitze  der  Gegend,  den  Metzenarsch  oder  Gimpelberg  (7062  Fuss).  Die 
Hallstätter  Kalke  des  Schlossberges  werden  von  den  südlich  folgenden  Dolomit- 
gebirgen durch  die  Einsenkung  des  Archbaches  geschieden , in  welcher  Herr 
v.  Hauer  die  Raibler  Schichten  von  Rieden  am  Lech  bis  zum  Heiterwanger  See 
nachwies. 

Weniger  klaren  Aufschluss  gewähren  die  Gehänge  im  Osten  von 
Reutte.  Das  gesammte  Gebirge  besteht  aus  Dolomit  und  nur  die  flachen,  mit 
Graswuchs  bedeckten  Hügel  zwischen  dem  steileren  Gebirgsabhang  und  der 
eigentlichen  Thalebene  sind  aus  dem  Liegenden  des  Dolomits  zusammengesetzt. 
Die  Raibler  Schichten  sind  hier  durch  mächtige  Massen  von  Rauchwacke 
und  Gyps  vertreten,  welche  besonders  das  hügelige  Gelände  um  das  kleine 
Bad  Krekelmoos  bilden  und  an  der  Mündung  des  Zwiefelbachs , südöstlich  vom 
Unrein-See  anstehen.  Ihnen  schliessen  sich  Hallstätter  Kalke  an,  welche  öst- 
lich von  Mühl  beide  Gehänge  des  vom  Plun-See  herabkommenden  Archbaches 
bilden  und  in  Reutte  selbst  die  Kirche  tragen. 

Der  Weg  am  linken  Lechufer  von  Reutte  über  Wengle  und  Höfen 
nach  Weissenbach  scheint  für  das  früher  angedeutete  Lagerungsverhältniss 
das  lehrreichste  Profil  zu  entblössen.  Bis  Höfen  herrschen  nur  Lias-Flecke  n- 
mergel  und  Juraschichten,  deren  allgemeines  Fallen  nach  der  Darstellung 
auf  der  vom  montanistischen  Verein  herausgegebenen  Karte  im  Allgemeinen 
dachförmig  nach  Nord  und  Süd  gerichtet  ist.  Doch  sind  nach  Herrn  v.  Hauer 
die  Schichten  so  vielfach  gebogen  und  gekrümmt,  dass  sich  dies  mit  Sicherheit 
nicht  feststellen  lässt.  Die  Juraschichten  sind  durch  ihren  Reichthum  an  Horn- 
stein und  ihre  rothe  Färbung  ausgezeichnet.  Herr  v.  Hauer  fand  einzelne  mäch- 
tige Complexe,  welche  nur  aus  rothen  geschichteten  Hornsteinen  bestehen,  also 
genau  so  ausgebildet  sind,  wie  bei  Holzgau.  Bei  Wengle  führen  diese  Schichten 
jurassische  Aptychen.  Am  Abhange  über  Höfen  beginnt  die  Entwickelung  der  Trias, 
deren  tiefste  Glieder  dem  Jura  aufgelagert  sind.  Es  scheint,  dass  hier  schon 
Verrucano  vorkommt.  Die  Herren  v.  Hauer  und  Freih.  v.  Andrian  fanden  im 
Bette  des  Hirschbaches  sehr  zahlreiche  Trümmer  eines  rothen  Quarzconglomerats 
und  eines  grauen  den  „doleritischen  Sandsteinen“  der  Südalpen  ähnlichen  Ge- 
steines. Thalaufwärts  nehmen  diese  Blöcke  ungemein  an  Menge  zu,  bis  die  enger 
zusammentretenden  Thalwände  ein  weiteres  Aufsteigen  verhindern.  Es  scheint 
indess  mit  Sicherheit  das  Vorkommen  von  Verrucano  auf  der  Höhe  der  Hanne- 
kamm- Alp  hieraus  hervorzugehen.  Am  tieferen  Abhange  bei  Höfen  und  Hornberg 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


J 33 


[47] 


folgt  den  Juraschicliten  unmittelbar  Vir  gl  ori  a-Ka  1 k,  der  schon  einen  kleinen 
isolirten  Hügel  unmittelbar  hinter  Höfen  bildet  und  sich  nach  dem  Gacht-Spitz 
hinaufzuziehen  scheint.  Es  folgen,  stets  mit  südlichem  Falle,  Partn  a ch  in  erg  el, 
die  Fortsetzung  derjenigen  vom  Pass  Ehrenberg,  endlich  Hallstätter  Kalk, 
in  welchem  der  Pass  Gacht  eingesenkt  ist.  Bei  Weissenbach  treten  Raibler 
Schichten  zwischen  jene  und  den  südlich  sich  anschliessenden  Dolomit.  Sie 
übersetzen  den  vom  Pass  Gacht  herabkommenden  Bach  und  sind  westlich  von 
demselben  als  Rauchwacke  und  Gyps,  in  welchem  Brüche  angelegt  sind,  östlich 
als  Mergel  und  Sandsteine  entwickelt.  Der  ihnen  auflagernde  Dolomit  setzt  bis 
Vorder-Hornbach  fort,  von  wo  wir  ihn  oben  beschrieben. 

Gegend  zwischen  Thannheim  und  dem  Dolomitzuge  des 
Leilach-Spitz  es.  — Wo  die  Auflagerungslinie  der  älteren  Formationen  auf 
die  Juraschichten  sich  aus  dem  Lechthal  westlich  gegen  die  Höhe  des  Gebirges 
hinanzieht,  verschwinden  die  tieferen  Triasglieder.  Am  Pass  Gacht  liegt  nur  noch 
ein  kleiner  Theil  des  Hallstätter  Kalkes  auf  Jura  und  am  Südgehänge  des 
Birkthaies  wie  an  der  Leilach-Spitz  bleibt  auch  dieser  in  der  Tiefe;  nur  Dolomit 
lagert  hier  noch  auf  Fleckenmergeln  und  fällt  mit  steilem  Absturze  auf  deren 
sanftere  Gehänge  ah.  Es  ist  wahrscheinlich  genau  dasselbe  Verhältniss,  wie  es 
das  Profil  XIV  am  Südabhange  des  Hornthaies  darstellt.  Noch  weiter  westlich 
endlich,  am  Luche-Spitz,  Kälbeles-Eck  und  La h ne r Spitz,  geht  die 
Ueberstürzung  allmälig  in  eine  regelmässige  Mulde  über:  Kös- 
sener  Schichten  folgen  dem  Dolomit  und  tragen  ihrerseits  Algäu-Schichten  und 
Jurabildungen,  welche  von  hier  bis  jenseits  des  Thannheimer  Thaies  die  Haupt- 
rolle in  der  Oberflächengestaltung  spielen.  Die  rothen  jurassischen  Hornsteine, 
welche  im  Osten  an  die  Auflagerungslinie  herantreten,  entfernen  sich  mit  dieser 
allmäligen  Aenderung  des  Lagerungsverhältnisses  mehr  und  mehr  von  den 
älteren  Schichten  und  bilden  nach  Herrn  v.  Hauer,  Gümbel  und  v.  Andrian 
einen  Zug  vom  Rothen-Spitz  über  den  Traualpen-See  nach  dem  Wanna-Spitz 
und  von  hier  östlich  über  den  Sitnischroffen  und  den  Pass  Gacht  nach  der 
Hannekamm-Alp,  um  dann  erst  jenseits  des  Thannheimer  Thaies  wieder  aufzu- 
treten. 

Die  Dolomite,  welche  aus  diesem  von  Algäu-  und  Jura-Schichten  gebildeten 
Gebiet  auftauchen,  scheinen  nach  den  Beobachtungen  genannter  Herren  zwei 
Züge  zusammenzusetzen,  welche  ihre  Höhepunkte  im  Gaishorn  und  Bescheis- 
ser  erreichen  und  durch  muldenförmige  Einlagerungen  jüngerer  Liasschichten 
von  einander  getrennt  sind. 

Gegend  nördlich  vonReutte  und  Thannheim  über  Vils  bis  zur 
Flyschgren ze.  — So  wie  wir  südlich  von  Reutte  das  überstürzte  Lagerungs- 
verhältniss  des  Aufbruches  in  seinem  westlichen  Fortstreichen  allmälig  in  ein 
muldenförmiges  übergehen  sahen,  so  findet  dies  auch  im  Norden  Statt.  Während 
aber  dort  der  Dolomit  des  Leilach-Zuges  der  Anfang  einer  breiten  Zone  war, 
aus  welcher  sich  erst  viel  weiter  südlich  allmälig  die  Lagerungsverhältnisse  des 
Hornthaies  entwickeln,  wird  im  Norden  der  Dolomit  bald  von  jüngeren  Schich- 
ten überlagert  und  es  stellen  sich  in  schneller  Folge  einige  kurze  Hebungswellen 
bis  zur  Grenze  der  Flyschzone  ein.  Der  vom  Thannheimer  Thal  durchschnittene 
Dolomitzug  vom  Wanna -Joch  über  den  Einstein  und  Sefer-Spitz  nach 
dem  Musauer  Berg  übernimmt  hier  die  Rolle  des  südlichen  Leilachzuges.  Auch 
diese  Hebungswelle  ist  im  Osten  einseitig  mit  ihrem  nördlich  fallenden  Theil  ent- 
wickelt und  liegt  mit  Zwischenlagerung  der  hochansteigenden  Triasschichten  auf 
den  Juragebilden  von  Wengie.  Bei  Kren  bleiben  die  Triasschichten  in  der  Tiefe, 
der  Dolomit  wölbt  sich  unmittelbar  über  den  Jura  hinweg  und  trägt;  selbst  wieder 


134 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


m 

jüngere  Schichten;  auch  hier  tritt  dann  bald  die  Hebungswelle  reiner  und  i.ormaler 
auf  und  bei  Schattwald  verlässt  sie  Tirol  am  Wanna-Joch  in  gleicher  Ausbildung 
wie  der  Leilachzug  am  Lahner  Spitz  zeigte.  Verfolgen  wir  den  Zug  in  seinen  ein- 
zelnen Theilen,  so  nimmt  wiederum  zunächst  der  Trias  aufbrach  von  Reutte 
besonderes  Interesse  in  Anspruch.  Diese  Formation  gelangt  hier  zu  weit  bedeuten- 
derer Entwickelung  als  im  Süden  gegen  Weissenbach  und  Heiter  wang.  Auf  den 
Juragehilden  von  Wengle  lagern  mit  nördlichem  Fallen  unmittelbar  Vir- 
gloria-Kalke  mit  denselben  Versteinerungen  wie  am  Ehrenbüchel;  sie  bilden 
einen  stetigen  Zug  mit  constanter  Lagerung  bis  jenseits  Nesselwang  und  werden 
begleitet  von  den  Partnachm  ergel  n,  welche  eine  Einsattelung  am  Fusse  der 
mächtigen  Gebirge  von  Hallstätter  Kalk  bilden.  Schafschroffen, 
Metze  na r sch  und  Gern-Spitz  bezeichnen  die  Höhenpunkte,  zu  welchen  diese 
Formation  über  alle  anderen  Gebirge  der  Gegend  ansteigt.  Bei  Ober-Lotze  erreicht 
sie  das  Thal  des  Lechs,  welcher  durch  dieselbe  zu  einein  weiten  östlichen  Bogen 
genöthigt  wird,  und  setzt  jenseits,  wie  es  scheint,  mit  veränderten  Lagerungs- 
verhältnissen, im  Säuling  (6611  Fuss)  und  dem  bayerischen  Hochplatt 
(6371  Fuss)  fort.  Im  Kalke  bei  Ober-Lotze  fand  Herr  v.  Hauer  Chemnitzia  scalata 
und  der  Nalliporu  annul ata  Schaf ft.  ähnliche  Gebilde.  Dem  Hallstätter  Kalk  dieses 
Zuges  ist  sehr  häufig  ocherige  Erde  in  Nestern  eingelagert.  Noch  jetzt  wird  am 
Säuling  Bergbau  darauf  getrieben  und  am  Seebach  nordwestlich  von  Reutte  sieht  man 
unzählige  kleine  ehemalige  Eisengruben  und  allenthalben  Schlacken , welche 
beweisen,  dass  die  Erze  an  Ort  und  Stelle  verschmolzen  wurden.  Aehnliche  Gruben 
und  Schlackenhalden  kennt  Herr  Gümbel  auf  bayerischem  Boden  an  der  Nord- 
seite des  Säuling.  DieRaibler  Schichten  begrenzen  auch  hier  den  Nord- 
abhang des  Gebirges  gegen  den  Dolomit.  Sie  sind  als  Schiefer  und  Sandsteine 
entwickelt  und  führen  am  Pilgersteig  nördlich  vom  Säuling  viel  Rauchwacke. 

Der  Dolomit  des  vorerwähnten  nördlichen  Zuges  vom  Wanna- Joch  nach 
Pinzwang  und  Pflach  am  Lech  tritt  nicht  in  seiner  ganzen  Erstreckung  so  gl«  ich- 
mässig  auf  als  der  südliche  Leilachzug.  Besonders  beachtenswert  für  die  Auf- 
fassung der  Lagerungsverhältnisse  ist  der  bereits  von  Herrn  Escher  von  der 
Linth  !)  beobachtete  und  von  Herrn  Fr.  Ritter  v.  Hauer  in  gleicher  Weise 
aufgefundene  Streif  von  Rauchwacke  und  Sandsteinen  der  Raibler  Schichten, 
welcher  nördlich  von  der  Seferspitze  in  westöstlicher  Richtung  vom  Scebachthal 
nach  den  westlichen  Zweig  des  Kue-Thales  streicht.  Ausserdem  finden  sich  häufige 
Auflagerungen  von  jüngeren  Schichten,  welche  theils  die  beiden  Ränder  begleiten, 
theils  sich  über  den  Rücken  selbst  hinwegwölben.  Es  gehören  hieher  die  Gesteine 
von  Kren,  von  Vils  und  der  Sefer-Spitz,  deren  gegenseitiges  Verhältnis  das 
schöne  von  Herrn  Gümbel  entworfene  Profil  3)  darstellt.  Über  Vils  hinaus 
scheinen  die  in  dem  genannten  Profil  mit  nördlichem  Fallen  eingelagerten  Schich- 
ten als  eine  muldenförmige  Einlagerung  fortzusetzeri,  welche  sich  jenseits  an  den 
Dolomit  des  Zirneberges  anlehnt,  der  westlich  nach  dem  Axele-Kopf,  östlich  nach 
Füssen  fortsetzt. 

Die  Schichtenentwicklung  des  oberen  Lias  weicht  von  den  südlicher  beobach- 
teten Verhältnissen  bedeutend  ab.  Wie  dort,  so  beginnt  er  auch  hier  mit  Kössener 
Schichten,  welche  dem  Dolomit  eonform  auflagern  und  nördlich  von  Schattwald 
zu  bedeutender  Mächtigkeit  gelangen;  sie  treten  bei  der  Pfronten-Alp  und  am 
Wislerberg  in  bedeutender  Erstreckung  als  Decke  des  Dolomitzuges  auf  und 
lassen  diesen  nur  stellenweise,  wie  nördlich  von  Steig,  zu  Tage  treten. 


*)  Vorarlberg.  S.  43  und  48. 

2)  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  Bd.  VII,  S,  31. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


133 


L49] 

An  der  Stelle  von  Megalodus  reichen  Dachstein-  und  Adnether  Kalk  erscheint 
Hierlatzkalk,  mächtige  weisse  Kalke,  welche,  wie  am  Dachstein,  zu  selbst- 
ständigen Berggipfeln  ansteigen;  sie  bilden  die  Höhe  des  Sefer-Spitz  und  sind 
im  Norden  dem  Dolomit  als  ein  stetiger  Zug  von  Ackerstein  über  Vils  und  Nieder- 
Pinzwang  angelagert.  Erst  weiter  westlich,  an  der  Grenze  der  Trias-Lias-  gegen 
die  Flyschzone  hei  Jungholz  fand  Herr  Baron  Andrian  die  typischen  Adnether 
Kalke.  Die  Algäu- S chichten  sind  an  den  Gehängen  des  Thannheimer  Thaies 
allenthalben  sehr  mächtig,  während  sie  bei  Vils  in  nur  unvollkommener  Ent- 
wickelung die  Hierlatzkalke  vom  Jura  trennen.  Die  stratigraphischen  und  geogno- 
stischen  Verhältnisse  der  letzteren  Formation  sollen  im  dritten  Theile  dieser  Ab- 
handlung ausführlicher  beschrieben  werden. 

Gegend  zwischen  dem  Lech-Thal  von  Elbigenalp  bis  Weissenbach,  dem 
Inn-Thale  von  Landeck  bis  Telfs  und  der  Landesgrenze  gegen  Bayern. 

Die  Gebirgswelt  zwischen  dem  oberen  Lechthal  und  der  Grenze  des  Urge- 
birges  verliessen  wir  an  der  östlichen  Wasserscheide  des  Madau-Thales  als  ein 
weites  Dolomitland,  in  welchem  sich  die  vielen  bisherigen  langgedehnten  und 
breiten  Zonen  von  jüngeren  Liasschichten  auf  eine  einzige  schmale,  der  III.  He- 
bungswelle angehörige  reducirt  haben  und  jene  Gebilde  nur  stellenweise  in 
kleinen  isolirten  muldenförmigen  Faltungen  auftreten,  wo  ferner  die  Triasschich- 
ten der  Arlbergstrasse  unter  dem  Alles  überwölbenden  und  bis  an  die  krystal- 
linischen  Schiefer  herantretenden  Dolomit  verschwunden  sind,  um  nur  hier  und 
da  unter  demselben  in  einem  zufälligen  Durchbruch  zum  Vorschein  zu  kommen. 
Eben  so  verliessen  wir  die  nördlich  sich  anschliessende,  vom  Lechthal  durch- 
brochene Gebirgswelt  bei  diesem  Thal  als  ein  einiges  Dolomitgebiet,  das  nur 
durch  eine  einzige  breite  Zone  von  Algäu-  (und  Jura?-)  Schichten,  die  Fort- 
setzung derjenigen  von  Elbigenalp  und  dem  Bernhardsthal,  unterbrochen  wird. 
Eine  Linie,  von  Reutte  über  Elbigenalp  nach  Landeck,  welche  unser  jetzt  zu 
betrachtendes  Gebiet  westlich  begrenzt,  ist  daher  zugleich  eine  bedeutsame 
Scheidelinie  für  den  Gebirgsbau.  Die  Hebungswellen  von  Vorarlberg  und  dem 
obersten  Lechthal  mit  ihrem  einfachen  und  doch  gliederreichen  Schichtenbau 
streichen  bis  hieher  stetig  fort  und  entwickeln  sich  zuletzt  noch  einmal  mit 
besonders  complicirter  Gestalt.  Plötzlich  ist  statt  der  reichgegliederten  Schichten- 
entwickelung nur  ein  einziges  Glied  in  ungemeiner  Mächtigkeit  vorhanden,  um 
allein  die  Hebungswellen  fortzusetzen.  Nur  in  der  III.  und  IV.  der  letzteren 
treten  noch  die  jüngeren  Liasglieder  als  wesentliche  Factoren  auf,  aber  um  eben- 
falls bald  dem  Dolomit  zu  weichen.  Ich  wies  bereits  früher  darauf  hin,  wie  das 
Zurücktreten  dieser  Formation  durch  das  Erscheinen  einer  anderen  gleichsam 
ersetzt  wird,  indem  die  Hallstätter  Kalke,  welche  sich  bereits  bei  Reutte  allmälig 
einschieben,  schnell  eine  ungemein  wichtige  Rolle  erlangen  und  in  ähnlicher 
Weise  mit  Dolomit  wechselnde  Zonen  bilden,  wie  früher  die  Algäu-Schichten ; nur 
gelangen  sie  zu  ungleich  bedeutenderer  Ausdehnung  und  wo  wir  bei  Seefeld  in 
ein  östlicheres  Gebiet  übergehen,  bestehen  die  Kalkalpen  bis  zur  bayerischen 
Grenze  aus  einer  Zone  von  Dachsteindolomit  und  einer  zweiten  von  Hallstätter 
Kalk.  Es  ist  daher  die  Hauptaufgabe  bei  der  Betrachtung  des  gesammten  vorlie- 
genden Gebirgslandes,  die  allmälige  Aenderung  der  Formationen  und  Hebungs- 
wellen in  ihrem  Fortstreichen  zu  verfolgen.  Wir  beginnen  im  Süden  und  Westen 
und  wenden  uns  gegen  Norden  und  Osten. 

Südgrenze  des  Kalkgebirges  zwischen  Landeck  und  Imst.  — 
Den  ausgezeichneten  Triasaufbruch  an  der  Arlberger  Strasse  hatten  wir  früher  bis 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt,  12.  Band,  1861  und  18§2.  II.  Reit,  18 


136 


Ferdinand  Freiherr  von  Kichthofen. 


|50] 


auf  die  Berge  zwischen  Flirsch  und  Pi  ans  verfolgt  und  gezeigt,  wie  hier  der 
Dolomit  allmälig  die  Trias  überwölbt.  Dieser  nach  Osten  (Stunde  6)  fortstreichen- 
den Wölbung  entlang  führt  die  Strasse  zwischen  Landeck  und  Imst,  indem  sie  sich 
bald  mehr,  bald  weniger  der  Antiklinallinie  nähert.  In  der  ersten  (Landeck- 
Starkenbach)  und  letzten  (Mi ls-Gurggelsgrün)  Strecke  des  Weges  bleibt 
sie  südlich  von  derselben,  daher  hier  die  überaus  steilen  und  glatten  Wände,  mit 
denen  das  Gebirge  in  das  Thal  abfällt;  sie  werden  durch  die  fast  senkrecht  nach 
Süden  fallenden  Dolomitschichten  des  Gewölbes  gebildet;  daher  jene  stellenweise 
neben  der  Steilwand  aufragenden  schneidigen  Felskeile,  welche  im  Profil  als  hohe 
Obelisken  erscheinen  und  von  denen  einer  die  Burg  Schruffenslein  trägt.  Jenseits 
Mils  fällt  die  Wand  unmittelbar  in  den  See  und  die  Strasse  muss  sich  hoch  an  ihr 
hinaufziehen,  um  auf  den  Schichtenköpfen  hinführen  zu  können.  Nur  zwischen 
Starkenbach  und  Mils  öffnen  sich  die  Wände  und  bringen  die  mächtigen  Gebirge 
des  Senftespitz  zum  Vorschein.  Wilde,  fast  unzugängliche  Thüler,  welche  ein  Meer 
von  Dolomittrümmern  herabführen,  eröffnen  dem  Blick  die  grossartigen  Gebirge  des 
Scheiderückens  gegen  das  Lechgebiet  und  indem  sie  das  genannte  Gewölbe  als 
die  hemmende  Vormauer  durchbrechen,  haben  sie  dasselbe  bis  in  sein  Innerstes 
blossgelegt.  Die  Strasse  tritt  bis  an  dieses  heran.  Mächtige  Massen  von  gelber 
Bauch wacke,  in  Form  von  Obelisken  und  Ruinen  ausgewittert,  bilden  hier  die 
tiefsten  Theile  der  Gehänge  und  geben  sich,  indem  sie  den  Dolomit  unmittelbar 
unterteufen,  deutlich  als  Vertreter  der  Raihler  Schichten  zu  erkennen, 
welche  daher  hier  noch  in  derselben  Weise  ausgebildet  sind,  wie  in  Vorarlberg. 
Gegenüber  dem  Dorfe  Schönwies  sieht  man  die  Rauchwacke  deutlich  einen  Kalk- 
rücken überwölben,  welcher  in  kurzer  Erstreckung  und  in  unvollkommener  Ent- 
blössung  daraus  hervortritt.  Er  besitzt  vollkommen  die  Eigenschaften  der  Arl- 
bergkalke und  es  scheint,  dass  hier  der  östlichste  Punkt  ihres  Auftretens  ist. 
Im  Starkenbach  ist  der  Rauchwackezug  noch  auf  kurze  Erstreckung  entblösst,  es 
folgt  ihm  das  Dolomitgewölbe,  und  auf  der  Höhe  des  Silberspitz  sieht  man 
jüngere  Liasschichten  anstehen,  welche  wir  als  ein  isolirtes  Vorkommen  bereits 
im  Metriolbach  erwähnten.  Ob,  wie  wegen  der  allgemeinen  Streichrichtung 
(Stunde  5)  zu  erwarten  wäre,  oberhalb  Imst  noch  einmal  die  Rauchwacke  unter 
dem  Dolomit  erscheint,  vermochte  ich  nicht  zu  entscheiden. 

Südlich  vom  Inn  steigen  zwischen  Landeck  und  Imst  nicht  unmittelbar  die 
krystallinischen  Schiefer  aus  dem  Thal  auf,  sondern  es  tritt  ein  schmaler  Kalkzug 
dazwischen,  welcher  nördlich  vom  Thal,  südlich  von  einer  von  Zams  nach  der 

Mündung  des  Pizbaches  gezogenen  Linie  be- 
grenzt wird.  Der  Bau  desselben  ist  sehr  einfach, 
indem  hier  nur  eine  nochmalige  Aufbiegung  des 
Triasdolomit-Systems  stattfindet,  welches  nörd- 
lich vom  Inn  gewölbartig  gebogen  ist.  Das  Inn- 
Thal  stellt  daher  eine  Mulde  dar,  und  wie  jen- 
seits das  Einfallen  steil  südlich  (Stunde  11)  war, 
so  ist  es  hier  eben  so  steil  nördlich  (Stunde  23). 
Einige  Modificationen  finden  nur  hinsichtlich  der 
mehr  oder  weniger  vollständigen  Entwickelung 
der  Trias  statt.  Die  Mulde  des  Innthales  wird 
von  Dolomit  gebildet  und  dieser  steigt  längs 
des  Thalrandes  aus  demselben  auf.  Er  wird 
unterteuft  von  Rauchwacke  der  Raibler 
Schichten,  welche  eine  flache  Einsenkung  bildet;  sie  beginnt  bei  Zams,  wo 
sie  unmittelbar  dem  Thonglimmerschiefer  aufzulagern  scheint,  setzt  südlich  von 


Fig.  31. 


S. 


1 Glimmerschiefer.  2 Arlberg-Kalk.  3 Rauch- 
wacke der  Raibler  Schichten.  4 Unterer 
Dachstein-Dolomit. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


137 


[81] 


dem  Schloss  Krön  bürg  fort,  wo  diese  Einbuchtung  besonders  charakteristisch  ist, 
und  scheint  noch  weit  fortzuziehen;  zugleich  schieben  sich  gegen  Osten  wahr- 
scheinlich mehr  und  mehr  die  älteren  Triasglieder  ein,  da  die  vom  montanistischen 
Verein  herausgegebene  Karte  bei  Schönwies  und  Arzl  rothen  Sandstein  angibt. 

Der  T s chürgant,  ein  durch  drei  tiefe  Thaleinsenkungen  vollkommen  isolir- 
tes  Gebirge,  dessen  höchster  Gipfel  zu  7275  Fuss  (Sander  und  W a 1 1 h e r)  ansteigt, 
scheint  durchaus  aus  Dolomit  zu  bestehen  und  eine  Fortsetzung  der  erwähnten 
gewölbartigen  Lagerung  zu  bilden.  Auf  der  Höhe  bemerkte  Herr  Franz  Ritter  v. 
Hauer  hellere  Schichten,  die  vielleicht  einer  jüngeren  Formation  angehören. 

Dolomitgebirge  zwischen  demMadauthalundNassereith. — 
Die  Dolomite  des  Innthales  setzen  mit  mehrfachen,  den  westlichen  Hebungswellen 
entsprechenden  gewölbartigen  Biegungen  gegen  Norden  fort,  bis  sie  in  einer 
westöstlichen  (Stundet),  vom  Buttel  spitz  über  Gramais  und  Boden  nach  der 
Tegesalp  gerichteten  Linie  in  überstürzter  Lagerung  den  Algäu-Schichten  der 
Hebungswelle  III  aufliegen.  Im  westlichen  Theil  ist  die  Auflagerung  unmittelbar, 
im  östlichen  schieben  sich  mächtige  Triasschichten  ein.  Jenseits  Nassereith  setzt 
dieses  Verhältniss  fort  und  die  Trias  gewinnt  dort  in  den  Hallstätter  Kalken  die 
Oberhand  über  den  Dolomit. 

Die  östliche  Dolomitumwallung  des  Thalkessels  von  Madau  bildet  im  Hengst- 
spitz, Landschaftlekopf,  Zwölferkopf  und  Buttelspitz  die  Wasserscheide  gegen 
das  Gramaisthal,  welchem  weiterhin,  durch  Parzinkopf,  Gufelspitz  und  Partsaispitz 
getrennt,  das  complicirtere  T hal System  von  Boden  folgt.  Gramais  und  Boden, 
zwei  armselige  Hochgebirgsdörfer,  liegen  auf  einer  schmalen  Zone  von  Algäu- 
Schichten,  welche  quer  über  beide  Thäler  zieht.  Bei  den  letzten  Häusern  von 
Gramais  beginnt  die  südliche  Dolomitwelt,  in  deren  Oeden  ein  vielverzweigtes 
System  schroffer  Thäler  hinaufreicht.  Eine  kleine  Unterbrechung  der  Steinwüste 
soll  an  dem  See  stattfinden,  welcher  in  dem  Kessel  nördlich  von  der  Gufelspitze 
liegt.  Hier  bricht  rother  Marmor,  welcher  auf  eine  muldenförmige  Einlagerung 
von  Kössener  Schichten,  Dachsteinkalk  und  Adnether  Kalk  schliessen  lässt.  In  der 
That  bringt  auch  der  Bach  des  östlich  angrenzenden  Parzinerthales,  welches  bei 
Boden  mündet,  Bruchstücke  aller  jüngeren  Liasgebilde  mit  herab. 

Bei  Boden  werden  die  Verhältnisse  ungleich  mannigfaltiger.  Den  klarsten 
Aufschluss  über  dieselben  gibt  der 

Joch  Übergang  von  Tarenz  über  das  Steinjöchl  Pfaflar  nach 
Boden.  — Man  kommt  hier  der  Reihe  nach  auf  folgende  Formationen : 1.  Dilu- 
vium, welches  das  Gurglthal  weithin  und  bis  zu  beträchtlicher  Höhe  ausfüllt;  eben 
so  mächtig  und  in  gleicher  Beschaffenheit  steht  es  bei  Darmenz,  Obsteig,  Miemin- 
gen  und  im  Luetasch  an.  Es  besteht  fast  ganz  und  gar  aus  Urgebirgsblöcken, 
welche  zum  Theil  eine  bedeutende  Grösse  erreichen.  2.  Dolomit  mit  stets  südli- 
chem Fallen  (Streichen:  Stunde  5 — 5y2).  Er  erscheint  zuerst  in  der  Tiefe  des  Sal- 
vesen-ßaches  und  bildet  bald  die  Gebirge  links  und  rechts,  den  Rauchberg,  Kehr- 
berg, Platteinkopf  und  die  Sparkenkopfe.  Er  hält  beinahe  bis  auf  das  Joch  an.  Kurz 
vor  demselben  erscheinen:  3.  R ai  bl  er  Schichten,  theils  als  gelbe  Rauchwacke 
ausgebildet,  theils  in  Gestalt  mergeliger  Kalke  und  Sandsteine.  Sie  bilden  östlich 
die  Einsattlung  zwischen  Kehreberg  und  Heiterwand,  während  sie  gegen  Westen 
nach  Pfaflar  hinabzuziehen  scheinen,  so  dass  der  Weg  und  Bach  in  ihnen  führen; 
zwar  sind  sie  bis  zu  diesem  Dorf  hinab  verdeckt,  aber  kurz  vor  demselben  beob- 
achtete sie  Herr  v.  Hauer  als  griffelartig  zerfallende  Schiefer,  welche  von  den 
charakteristischen  Sandsteinbänken  begleitet  sind.  4.  Hallstätter  Kalk  keilt 
als  letzter  Ausläufer  der  Heiterwand  bei  Boden  aus.  Herr  Gümbel  beobachtete 
ihn  noch  südwestlich  von  diesem  Ort;  mit  ihm  keilen  sich  auch  die  Raibler  Schich- 


te 


138 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[52] 

ten  aus;  denn  unmittelbar  westlich  vom  Parziner-Bach  ist  von  der  ganzen  Folge 
nur  noch  Dolomit  vorhanden.  5.  Partnachmergel  wurden  von  Herrn  Berg- 
rath v.  Hauer  noch  unmittelbar  vor  Boden  beobachtet.  Alle  Schichten  fallen  süd- 
lich; ihnen  folgen  6.  Algäu-Schichten,  unter  die  Trias  einfallend  und  im  Norden 
auf  Dachsteinkalk  u.  s.  w.  ruhend. 

Ehe  wir  die  mächtige  Entwickelung  dieser  bei  Boden  auf  kleinem  Raum 
zusammengedrängten  Formationen  gegen  Osten  verfolgen,  haben  wir  noch  ein 
sehr  merkwürdiges  Gebilde  zu  betrachten,  welches  wir  als  7.  Gosau-Con- 
glomerat  des  Muttekopfes  bezeichnen.  Man  findet  nämlich  bei  dem  Joch- 
iibergang  schon  oberhalb  Pfaflar,  am  meisten  aber  abwärts  gegen  Boden,  eine 
ungeheure  Menge  grosser  Blöcke  eines  sehr  festen  Conglomerates  von  eckigen 
Bruchstücken  der  Gesteine  aus  allen  Formationen  der  Gegend;  es  geht  über  in 
feine  Sandsteine  und  gelbe  Mergel.  Herr  Gümbel  entdeckte  den  merkwürdigen 
Ursprung  dieser  Blöcke  auf  der  Höhe  des  Muttekopfes,  welcher  8756  Fuss  hoch 
ansteigt.  Das  Gestein  bildet  nicht  nur  die  gesammte  Gipfelmasse  dieses  verzweig- 
ten Gebirges,  Herr  Gümbel  sah  dasselbe  auch  nach  dem  Platteinkopf  und 
gegen  den  Grossen  Hanlis  fortsetzen.  Derselbe  vermuthet  auch,  dass  es  noch 
am  Gufelspitz  auftrete  und  es  könnte  dann  vielleicht  mit  dem  erwähnten  rothen 
Marmor  von  dort  im  Zusammenhänge  stehen.  Welcher  Formation  dies  Conglomerat 
angehört,  lässt  sich  mit  Sicherheit  noch  nicht  entscheiden;  doch  fand  Herr  Güm- 
bel an  anderen  Orten  (Urschelau)  in  demselben  Gestein  Orbituliten  und  nimmt 
daher  auch  das  des  Muttekopfes  als  der  Gosauformation  zugehörig  an. 

Verfolgt  man  das  interessante  Schichtenprofil,  welches  der  Jochübergang 
von  Tarenz  nach  Boden  entblösst,  weiter  gegen  Osten,  so  sieht  man  die  Hall- 
stätter Kalke  schnell  an  Mächtigkeit  ungemein  zunehmen.  Schon  eine  Meile  östlich 
von  Boden  bilden  sie  das  Gebirge  der  Heit  er  wand,  dessen  weisse  Kalkgipfel 
die  Nachbarschaft  weit  überragen;  im  nordwestlichen  Theil  derselben  war  früher 
Bergbau  auf  Zink.  Zwischen  dem  Hallstätter  Kalk  dieses  Gebirgszuges  und  dem 
Dolomit  des  Kehrberges  und  des  Rauchberges  ziehen  die  Raibler  Schichten  nach 
dem  Galzeinthal  *),  das  in  ihnen  eingeschnitten  ist,  während  im  Norden  noch 
einmal  die  Partnachmergel  auftauchen.  Die  Herren  v.  Hauer  und  Gümbel 
fanden  sie  auf  einer  Anhöhe  westlich  von  der  Tegesalp,  wo  das  ganze  System, 
wie  bei  Boden,  auf  Liasfleckenmergeln  ruht.  Oestlich  dagegen  fanden  die  genann- 
ten Herren  am  Tessenbach  noch  eine  Dolomitpartie,  die  sich  zwischen  Hallstätter 
Kalk  und  jüngeren  Lias  einschiebt,  aber  ohne  Zwischenlagerung  von  Raibler 
Schichten. 

Das  Galzei nthal  bei  Nassereith  verdient  noch  einer  besonderen  Erwäh- 
nung. In  demselben  ziehen  südlich  fallende  Raibler  Schichten  herab,  welche  die 
Systeme  von  Hallstätter  Kalk  und  Dachstein-Dolomit  trennen.  Auf  dem  Wege  von 
Nassereith  trifft  man  anfangs  unter  dem  Dolomit  Rauchwacke  an,  welche  einen 
kleinen  Kopf  vor  dem  Eingänge  in  das  Thal  zusammensetzt.  Ihr  folgen  die  ande- 
ren mergeligen  und  sandigen  Gesteine  der  Raibler  Schichten,  welche  hier  vortreff- 
lich entwickelt  sind,  ohne  indess  eine  Mächtigkeit  von  40 — 50  Fuss  zu  über- 
schreiten. Rein  schiefrige  Varietäten,  kalkige  Schichten  und  Sandsteine,  ins- 
besondere auch  die  weiter  im  Westen  fehlenden  Riesen-Oolithe,  wechseln 
ohne  Ordnung  mit  einander.  Petrefacten  sind  häufig  und  charakteristisch  vor- 
handen. Allein  anstatt  dass  unmittelbar  darunter  die  Hallstätter  Kalke  folgen 
sollten,  fand  Herr  v.  Hauer  einen  Kalkstein,  welcher  die  Dachsteinbivalve 


!)  Auf  den  Generalstabskarten  Gastein-Thal  genannt. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


139 


[83] 


in  zahlreichen,  gut  charakterisirfen  Exemplaren  enthält1).  Derselbe  ist  dünn 
geschichtet,  verwitterte  Flächen  erscheinen  gern  gelb  gefärbt,  der  Bruch  ist 
muschelig,  das  Gestein  springt  sehr  leicht,  beinahe  wie  Glas.  Man  hat  in  dem- 
selben an  vielen  Stellen  kleine  Versuchsbaue  angelegt,  deren  einer  Spuren  von 
Galmei  zeigt. 

Oestlich  von  Nassereith  setzen  die  beschriebenen  Lagerungsverhältnisse  in 
gleicher  Weise  fort. 

Gegend  von  Gramais,  Eimen,  Bschlaps,  Na  mies  bis  Pass 
Fern,  Lermoos  und  Plan-See.  — Wir  wenden  uns  zu  den  letzten  öst- 
lichen Ausläufern  der  regelmässigen  Hebungswellen,  zu  dem  Fortstreichen  der  III. 
und  IV.  des  Profils  XIV.  Die  III.  Hebungswelle  durchzieht  das  Gramais-Thal  fast 
in  seiner  ganzen  Erstreckung  vom  Ausflusse  bei  Unterhöfen  bis  aufwärts  nach 
Gramais.  Die  Schichten  des  Dolomits  fallen  mit  grosser  Regelmässigkeit  nach 
Süden  und  tragen  Kössener  Schichten,  Dachsteinkalk  und  Fleckenmergel  in 
nicht  bemerkenswerther  Entwickelung,  denen,  wie  erwähnt,  hei  Gramais 
wiederum  Dolomit  aufgelagert  ist.  DerUebergang  von  Gramais  nach  Boden  führt 
zwischen  diesem  und  dem  nördlichen  Dolomitzuge,  stets  in  der  schmalen  Zone 
der  Algäu-Schichten.  Bei  Boden  ist  die  Breite  der  letzteren  überaus  gering,  wäh- 
rend der  Dolomit  derselben  Hebungsweile  (III)  bis  nach  Bschlaps  reicht  und  eine 
wildromantische  Thalstrecke  mit  engen  und  tiefen  Schluchten  bildet.  Weiter 
gegen  Osten  zieht  er  nach  dem  Wetter-Spitz  und  senkt  sich  tief  hinab  in  das 
Namleser  Thal  und  zum  Namleser  Joch,  von  welchem,  wenn  man  den  Weg  von 
Boden  aus  einschlägt,  noch  einmal  unter  schwierigen  Lagerungsverhältnissen 
Rauehwacke  der  Raibler  Schichten  erscheint.  Jenseits  des  Joches  steigt  der 
Dolomit  zum  Rudeger  Spitz  an,  thalabwärts  zieht  er  sich  weit  an  den  Gehängen 
hinab,  fast  bis  Namles.  Im  Süden  liegen  zwischen  dem  Dolomit  des  Wetter-Spitz 
und  Rudeger  Spitz  und  dem  Hallstätter  Kalk  der  Heiterwand  Fleckenmergel  des 
Lias,  wie  es  scheint  ohne  Vermittelung  von  Kössener  Schichten  und  Dachstein- 
kalk. Erst  östlicher  vom  Kemple-Spitz  gibt  die  Karte  des  montanistischen  Vereines 
rothen  Adnether  Kalk  an.  Die  sanfte  Mulde,  welche  durch  diese  jüngeren 
Schichten  geschaffen  wird,  nimmt  nach  Osten  an  Breite  ab,  während  der  Dolomit 
der  Hebungswelle  sich  mehr  und  mehr  ausdehnt.  In  ihm  liegt  der  Pass  Auf  der 
Fern  und  das  überaus  romantische  Thal  von  Fernstein  mit  dem  malerischen 
Schlosse  Sigmundsberg,  welches  in  der  Tiefe  auf  einer  dunkelbewaldeten  Insel 
im  See  liegt.  Bei  Biberwier  endigt  der  Dolomitzug,  es  treten  östlich  ganz  andere 
Verhältnisse  ein. 

Die  Hebungswelle  IV  ist  bei  weitem  gleichförmiger  entwickelt  und  ver- 
läugnet  nirgends  den  ausgezeichneten  Schichtenbau,  der  ihr  im  Bernhardsthal 
eigen  ist.  Von  ihrem  Dolomit  ist  nichts  zu  sagen,  als  dass  er  sich  mit  nörd- 
licheren Dolomiten  verbindet  und  bis  zum  Triasaufbruch  von  Reutte  fortsetzt.  In 
ihm  liegt  das  Namleser  Thal  von  Namles  abwärts  und  das  Rothlechthal 
unterhalb  Berwang.  Er  bildet  das  Schwarze  Hanse-Kar,  den  Neualp-Spitz,  Tha- 
neller  Berg,  Axl-Joch  u.  s.  w.  und  zieht  über  Heiter wang  nach  dem  Plan- 
See  fort,  in  dessen  Umgebung  er  seine  grösste  Ausdehnung  erreicht.  Das 
gesammte  waldreiche  Jagdgebiet  ist  fast  ausschliesslich  auf  Dolomit  gelegen. 
Blattberg,  Brent-Joch,  Tauernberg,  Altenberg,  Ammerwald,  Geyer-Kopf  u.  s.  w. 
bezeichnen  die  hauptsächlichsten  Höhenpunkte  desselben. 


4) 


Nach  Herrn  Gümbel’s  neuesten  Untersuchungen  ist  es  eine  von  Meg.  triqueter  verschie- 
dene Art,  die  derselbe  Meg.  columbella  G.  nennt. 


140 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[84] 

Die  jü ngeren  Lias glied er  setzen  zwischen  Griesau  und  Eimen  auf 
das  östliche  Lechufer;  im  Norden  sind  sie  dem  Dolomit  aufgelagert,  im  Süden 
fallen  sie  unter  den  der  folgenden  Hebungswelle  ein.  Ihre  Gliederung  lässt  sieh 
am  besten  von  Eimen  gegen  den  Kessel-Spitz  verfolgen.  Auch  hier  hat  Herr 
Es  eher  sie  mit  bewundernswürdiger  Genauigkeit  beschrieben1);  doch  liess 
sich  dies  nur  für  die  unterste  Abtheilung  ausführen;  die  Algäu-Schichten  sind, 
wie  überall,  vielfach  gefaltet.  Auf  der  Höhe  des  Kessel-Spitz  werden  sie  von  jün- 
geren jurassischen  Schichten  überlagert,  welche  auch  hier  durch  rothe  Horn- 
steine charakterisirt  sind.  Weiterhin  bilden  diese  Formationen  die  Gipfelmassen 
und  südlichen  Gehänge  vom  Pleure-Kopf  und  Tauber-Spitz,  ferner  den  Kreuz- 
Spitz,  die  Nordgehänge  des  Kessel-Spitz  und  ziehen  mit  stets  südlichem  Fallen 
über  das  Namleser  Thal  hinweg.  Na  mies  selbst  liegt  auf  Kössener  Schichten. 
Gegen  Osten  scheint  das  Lagerungsverhältniss  allmälig  in  ein  muldenförmiges 
überzugehen.  Der  Zug  nimmt  hier  zwischen  dem  Kalten  Joch  und  Schlire-Kopf, 
so  wie  zwischen  Berwang  und  dem  Rothen  Stein  eine  bedeutende  Breite  ein  und 
es  erscheinen  hier  an  der  nördlichen  wie  an  der  südlichen  Dolomitgrenze  zuerst 
Kössener  Schichten  in  aussergewöhnlich  mächtiger  Entwickelung,  Dachsteinkalk 
und  Liasfleckenmergel,  wogegen  die  Adnether  Kalke  zurückzutreten  scheinen. 
Die  nördlichen  Kössener  Schichten  kommen  bei  Büchelbach  in  das  Thal  hinab, 
die  südlichen  bei  Lermoos.  Statt  aber  jenseits  in  gleicher  Weise  fortzusetzen, 
theilt  sich  hier  die  gesammte  Zone  mehrfach.  Ein  Zug  von  Kössener  Schichten, 
welcher  durch  die  grosse  Zahl  seiner  Versteinerungen  ausgezeichnet  ist,  zieht 
beiderseits  von  Dolomit  begrenzt  über  das  Heberthal-Joch  nach  dem  Vereini- 
gungspunkte des  Naderbaehes  mit  der  Loisach.  Ein  zweiter  Zug  erfüllt  das  breite 
Thal  von  Lahn  bis  Lermoos  bis  zu  den  steilen  Dolomitgebängen;  er  wird  von 
der  vollständigen  Folge  der  jüngeren  Liasschichten  gebildet;  bei  Lähn  steht  eine 
sehr  bedeutende  Masse  von  Adnether  Kalk  an.  Bei  Lermoos  zweigt  sich  von  der 
nach  Osten  hinübersetzenden  Zone  abermals  ein  schmaler  Zug  Kössener 
Schichten  ab,  der  zwischen  Dolomiten  nach  dem  Eibsee  fortzieht. 

Gegend  zwischen  Nassereith,  Lermoos,  Eibsee  und  dem 
Thale  Luetasch.  — Der  gesammte  nördliche  Theil  unseres  Trias-Lias- 
Gebietes  wendet  sich  in  seinem  östlichen  Fortstreichen  auf  bayerisches  Terrain, 
daher  wir  nur  die  südlichen  Zonen  zwischen  Nassereith  und  Lermoos  weiter  zu 
verfolgen  haben.  Wir  verliessen  dieselben  in  dem  Durchschnitte,  welchen  die 
beiden  vom  Pass  Fern  herabkommenden  Thäler  bilden,  mit  ziemlich  einfachen 
Verhältnissen:  Ein  Dolomitgewölbe  (zwischen  Lermoos  und  Sigmundsberg)  trägt 
im  Norden  und  Süden  jüngere  Schichten;  die  nördlichen  sind  muldenförmig 
gelagert,  die  südlichen  fallen  nach  Süden  unter  ein  mächtiges  Triassystem,  das 
wesentlich  aus  Hallstätter  Kalk  besteht  und  von  Dachsteindolomit  überlagert  wird. 
Die  ganze  letztere  Folge  fällt  südlich. 

Dieses  einfache  Verhältniss  ändert  sich  nach  Osten  bedeutend.  Das  südliche 
Triassystem  wölbt  sich  in  schneller  Zunahme  weiter  über  den  Dolomit,  die  nörd- 
lichen jüngeren  Liasschichten  von  Lermoos  hingegen  kommen  weiter  nach  Süden 
und  so  kommt  es,  dass  das  breite  Dolomitgewölbe  zwischen  beiden  bald  ver- 
schwindet und  der  Hallstätter  Kalk  unmittelbar  an  die  jüngeren  Schichten  heran- 
tritt. Jener  gewinnt  daher  ungeheuer  an  Ausdehnung  und  trägt  erst  im  Osten 
einen  schmalen  aufgeiagerten  Zug  von  Dolomit.  Dazu  kommt,  dass  im  Norden 
ein  zweiter  westöstlicher  Zug  von  Hallstätter  Kalk  auftritt,  welcher  halb  dem 
bayerischen,  halb  dem  tirolischen  Gebiete  angehört;  es  ist  der  Zug  der  Zug- 


0 Vorarlberg.  Beilage  3.  Seite  70. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


141 


[SS] 


Spitze,  der  später  ungemein  wichtig  im  Gebirgsbau  wird,  während  der  südliche 
Zug  im  Osten  bald  unter  Dolomit  verschwindet. 

Der  südliche  Zug  der  Hallstätter  Kalke  erreicht  seine  Höhenpunkte  im  Wan- 
neck (7868  Fuss  San  der  und  Walther),  Grünstein  (8677Fuss  S.  und  W.), 
MiemingerBerg  und  HohenMundi  und  bildet  mit  seinen  schroffen  weiss  leuch- 
tenden Abstürzen  eine  überaus  imposante  Kette.  Steigt  man  von  Süden  nach  einer 
der  Einsattelungen  hinan,  so  gelangt  man  über  steil  südlich  fallenden  Dolomit  und 
eine  Zone  von  Raibler  Schichten , welche  von  Nassereith  bis  zum  Kochenthal 
am  Südabhange  bleibt,  in  den  Hallstätter  Kalk,  welcher  die  südliche  Fallrichtung 
beibehält.  Herr  Fr.  R.  v.  Hauer  stieg  am  Strangbache,  in  der  Strassberger 
Klamm,  der  Erzberger  Klamm  und  dem  Kochenthal  nach  den  Abhängen  hinauf 
und  fand  allenthalben  dasselbe  Verhältniss.  DieRaibler  Schichten  sind  reich  an  Ver- 
steinerungen und  mit  Rauchwacke  verbunden.  Der  Nordabhang  ist  am  Wan  neck 
noch  genau  eben  so  wie  an  der  Heiterwand  und  im  Tessenbaehe.  Auch  hier  fällt 
unter  den  Hallstätter  Kalk  zunächst  Dolomit  ein  ohne  Zwischenlagerung  von 
Raibler  Schichten;  darunter  folgen  Lias-Fleckenmergel  und  der  Dolomit  von 
Fernstein.  Erst  mit  dem  tiefen  steilwandigen  Thale,  das  vom  Grünstein  nach 
Nordwest  hinabzieht,  wird  das  Verhältniss  ein  anderes,  indem  der  Hallstätter 
Kalk  gegen  Norden,  die  jüngeren  Schichten  von  Lermoos  gegen  Süden  vor- 
geschoben sind  und  an  einander  treten.  Ehe  wir  uns  zu  diesen  jüngeren  Schich- 
ten wenden,  betrachten  wir  den  nördlichen  Zug  von  Hallstätter  Kalk. 

Südlich  von  Garmisch,  Partenkirchen  und  Mittenwald  in  Bayern  erhebt  sich 
eine  der  grossartigsten  Bergketten  der  nördlichen  Kalkalpen.  Sie  wird  vom  Isar- 
thal in  das  westliche  Wetterstein-  und  das  östliche  Karbendel-Gebirge 
getheilt  und  besteht  fast  ausschliesslich  aus  Hallstätter  Kalk.  Die  Zug- 
Spitze  (9326  Fuss),  der  Wet terschro ffe n (9064  Fuss),  Kothbaeh- 
Spitz  (8126  Fuss),  Scharnitz-Spitz  (8463  Fuss),  Drei  Thörl-Spitz 
(8199  Fuss),  Karl-Spitz  (7763  Fuss),  Wetterstein  (7832  Fuss)  bezeich- 
nen die  Höhenpunkte  westlich  der  Isar,  das  Karbendel-Gebirge  erreicht  seine 
bedeutendste  Erhebung  im  Karbendel-Spitz  (7974  Fuss).  Ueber  den  Kamm 
des  Gebirges  und  alle  genannten  Höhen  verläuft  die  bayerische  Grenze,  so  dass  der 
Südabfall  ganz  und  gar  nach  Tirol  gehört.  Oestlich  vom  Karbendel-Spitz  liegt 
das  Gebirge  nur  noch  auf  tirolischem  Gebiet  und  lässt  sich  bis  gegen  Jenbach 
im  Innthal  verfolgen.  Besondere  Wichtigkeit  erhält  der  Zug  von  Hallstätter  Kalk 
dadurch,  dass  es  sich  am  Karl-Spitz  gabelt  und  dem  Karbendel-Gebirge  parallel 
ein  zweites,  ungleich  mächtigeres  und  selbstständigeres  Gebirge  entsendet.  Es 
bildet  die  Wasserscheide  zwischen  den  Thälern  Hinterriss  und  Hinterau  und  er- 
reicht das  Innthal  bei  Stans.  — Das  Streichen  der  Schichten  wie  der  Gebirgs- 
züge ist  meist  Stunde  7,  das  Fallen  ist  im  Allgemeinen  nach  Süden  gerichtet. 

Die  Zug-Spitze  mit  dem  Plattacher  Ferner  bildet  den  westlichsten 
Grenzpfeiler  des  mächtigen  Gebirgszuges  und  erregt  durch  ihre  imposante  Mas- 
senhaftigkeit  ein  um  so  höheres  Interesse,  als  sie  so  plötzlich  aus  dem  umgeben- 
den Gebirge  aufsteigt.  Nähert  man  sich  der  Zug-Spitze  von  Norden  oder  Westen, 
so  sieht  man  unter  den  überaus  steilen,  mehrere  tausend  Fuss  hohen  Wänden  des 
Hallstätter  Kalkes  eine  Zone  von  älteren  Gesteinen  den  Fuss  des  Massivs  bilden. 
Es  sind  dies  echte  Guttensteiner  Kalke  der  unteren  Trias  und  über  ihnen 
Pa rtn ach m ergeh  Unzweifelhaft  sind  auch  die  Virgloria-Kalke  zwischen  beiden 
vorhanden.  Die  ersten  Guttensteiner  Kalke  beobachtete  Herr  v.  Hauer  an  den 
Wänden  über  der  Ehrwalder  Alpe,  sie  ziehen  im  westlichen  Bogen  als  breite 
Zone  um  das  Gebirge  herum  bis  an  die  Abhänge  bei  Partenkirchen.  Die  Part- 
nachmergel  hat  Gümbel  hier  entdeckt  und  lehrte  die  Partnach-Klamm  als  ihren 


142 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[56] 

wichtigsten  Fundort  kennen,  wo  sie  zu  sehr  bedeutender  Mächtigkeit  an  wachsen. 
Der  Hallstätter  Kalk  erreicht  ebenfalls  eine  Mächtigkeit,  welche  wohl  3 — 4000  Fuss 
betragen  mag.  Herr  Conservator  Schafhäutl  wies  ihn  noch  auf  dem  höchsten 
Gipfel  der  Zug-Spitze  nach,  von  dem  jene  äusserst  charakteristischen  organischen 
Gebilde  stammen,  welche  er  als  Nullipora  annulata  bezeichnete;  sie  blieben 
überall  einer  der  sichersten  Anhaltspunkte  für  die  Erkennung  des  Hallstätter 
Kalkes,  wiewohl  der  stets  deutlich  ausgeprägte  petrographische  Charakter  ein 
solches  Merkmal  überflüssig  macht. 

Dieses  vortrefflich  entwickelte  Triassystem  der  Zug-Spitze  ruht  im  Norden 
und  Westen  auf  Dolomit,  während  es  im  Süden  in  eine  aus  Hallstätter  Kalk  gebil- 
dete Mulde  übergeht,  in  welcher  sich  Jura-  und  Kreide-Gebilde  abgelagert 
haben.  Diese  letztere  Mulde  scheint  von  überaus  grosser  Wichtigkeit  für  die 
Geschichte  der  Hebungen  des  Landes.  Sie  beginnt  bei  Biberwier  und  Ehrwald, 
wo  Jura  überaus  entwickelt  auftritt,  zieht  im  Gaisachthale  aufwärts,  bei  der  Pest- 
capelle und  unter  den  Rothmooswänden  nach  dem  Paitenthale;  wo  dieses  in  das 
Luetasch  mündet,  scheint  die  Einlagerung  zu  Ende  zu  sein.  Herr  Bergrath 
v.  Hauer  hat  die  muldenförmige  Einklemmung  der  Schichten  zwischen  die  Hall- 
stätter Kalke  deutlich  beobachtet,  insbesondere  zwischen  Scharnitz-Spitz  und 
Gehren-Berg.  Die  jurassischen  Glieder  treten  mit  denselben  petrog  raphischen 
Eigenschaften  wie  bei  Elbigenalp  und  Reutte  auf}  über  ihnen  liegen  lichtgraue 
fleckige  Mergel,  welche  sich  durch  Aptychus  Didayi  als  vom  Alter  der  Ross- 
felder Schichten  erweisen. 

Die  grosse,  muldenförmig  gelagerte  Masse  von  Hallstätter  Kalk  zwischen 
Zug-Spitz  und  Luetasch  steht  mit  dem  mächtigen  südlicheren  Zug  des  Hoch-Mundi 
nur  in  der  Gegend  der  Pestcapelle  am  Uebergange  von  Loisach  nach  dem  Isar- 
gebiete in  Zusammenhang.  Zwischen  beiden  und  ihrem  Streichen  parallel  ist  die 
tiefe  Einsenkung  des  Gaisthales,  welche  vom  Achen-Bach  durchflossen  wird.  Die 
Wände  dieser  Einsenkung  bestehen  aus  Dolomit,  der  in  schwer  zu  erklärendem 
Verhältnisse  zu  den  Hallstätter  Kalken  der  höheren  Gehänge  steht.  Doch  scheint 
es,  dass  die  Schichten  des  Hoch-Mundi  nach  Nord,  Ost  und  Süd  steil  unter  den 
Dolomit  und  mit  Vermittelung  der  Raibler  Schichten  einfallen. 

Die  von  Telfs  gegen  Nordost  gerichtete  Einsenkung  des  Luetasch- 
Thales  schliesst  den  südlichen  Zug  von  Hallstätter  Kalk  gegen  Ost  ab,  Dolomit 
überwölbt  ihn  und  behauptet  weiterhin  allein  den  Platz.  Das  Thal  ist  sehr  breit 
und  voll  Gerolle.  Die  Dolomite  und  Kalke  der  benachbarten  Gebirge  liefern  dazu 
fortwährend  unendliche  Massen  von  Material.  Ausserdem  sind  Urgebirgsblöcke 
in  grosser  Menge  zerstreut  und  aus  dem  Gaisthale  werden  sehr  zahlreiche  Bruch- 
stücke der  Jura-  und  Neocomien-Schichten  herabgeführt.  Dem  sehr  breiten 
Dolomit  folgt  im  Norden  Hallstätter  Kalk,  dessen  Zone  um  so  breiter  ist,  als  hier 
schon  die  Theilung  des  Wettersteinzuges  begonnen  hat,  beide  Gebirgszuge  aber 
noch  nicht  durch  eine  tiefere  Einsenkung  oder  durch  jüngere  Schichten  getrennt 
sind.  So  kommt  es,  dass  wir  östlich  vom  Lue tasch- Thal e nur 
noch  Eine  Dachstein-Dolomit-  und  Eine  Hallstätter - Kalk-Zone 
habe  n. 

Se  efeld. 

Seefeld  liegt  in  einem  ausgetrockneten  Seebecken  mitten  in  der  eben 
erwähnten  Dachstein-Dolomit-Zone,  welche  zwischen  Leibelfingen  und  Schar- 
nitz eine  Breite  von  mehr  als  anderthalb  Meilen  hat.  Die  plattigen  Kalke  mit 
Fischresten,  so  wie  die  bedeutende  Asphaltgewinnung  machten  den  Ort  schon 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


143 


[S7] 


früh  bekannt  und  haben  eine  ansehnliche  Literatur  über  ihn  hervorgerufen  *)• 
Man  hat  den  fischführenden  Schichten  eine  sehr  verschiedene  Stellung  ange- 
wiesen, je  nachdem  man  von  rein  petrographischem  Gesichtspunkte  das  Gestein 
verschiedenen  Formationen  einreihte  oder  die  Schlüsse  auf  paläontologische 
Untersuchungen  baute.  Dass  das  fischführende  Gestein  den  dunklen  Dolomiten 
eingelagert  sei,  wurde  mehrfach  erkannt  und  insbesondere  auch  von  Pich  ler  2) 
hervorgehoben.  Ich  wies  bereits  mehrfach  darauf  hin,  wie  die  dünnplattigen  und 
schiefrigen,  asphaltreichen  dolomitischen  Kalke  nicht  auf  Seefeld  beschränkt 
seien,  sondern  im  Westen  noch  häufig  Vorkommen.  Herr  Bergrath  v.  Hauer  fand 
sie  bei  Leibelfingen  am  Inn,  ferner  oberhalb  Aschbach  am  Südabhange  des 
Wa  n n e c k und  am  B i r g s e e in  der  Nähe  des  Passes  Auf  der  Fer  n , wo  zugleich 
grosse  Drusen  von  Bitterspathkrystallen  das  Gestein  durchsetzen.  Ich  fand  sie 
sehr  ausgezeichnet  und  mächtig  am  Wege  von  Reutte  nach  dem  Plan- See, 
wo  bei  warmem  Wetter  Asphalt  aus  den  Schichten  ausfliesst,  und  an  der  früher 
beschriebenen  Stelle  zwischen  Stög  und  Ellebogen  im  Lechthale,  wo  man 
auch  einen  fossilen  Fisch  gefunden  haben  soll.  An  allen  diesen  Orten  bildet  das 
Gestein  in  gleicher  Weise  Zwischenschichten  im  Dolomit  und  seitdem  es  gelun- 
gen ist,  das  Alter  des  letzteren  durch  den  Fund  des  Megcilodon  triqueter  als 
unterliassisch  nachzuweisen,  darf  die  stratigrajlhische  Stellung  der  Fischschiefer 
von  Seefeld  als  sicher  gelten.  Es  ist  bekannt,  dass  Heckei  den  allgemeinen 
Charakter  der  Fische  als  dem  Lias  entsprechend  betrachtete,  während  Agassiz 
sie  der  Trias  näher  glaubte.  Kann  man  auch  jetzt  die  Ansicht  von  He  ekel  als 
die  der  geognostischen  Stellung  entsprechendere  bezeichnen,  so  gibt  doch  die 
Geschichte  von  der  verschiedenen  Ansicht  zweier  so  vorzüglichen  Ichthyologen 
ein  deutliches  Zeugniss  mehr  zu  den  vielen  schon  vorhandenen  von  dem  überaus 
langsamen  und  alimäligen  Uebergang  der  Trias-  in  die  Lias-Formation  in  den 
Alpen. 


O Ueber  die  Special-Literatur  theilte  mir  Herr  Bergrath  Franz  Ritter  v.  Hauer  gütigst 

folgende  Notizen  mit: 

Müller:  Beschreibung  der  in  Tirol  üblichen  Art  das  Steinöl  zu  bereiten.  Abhandlun- 
gen einer  Privatgesellschaft  in  Böhmen.  V,  Seite  333.  1782. 

Flurl:  Notizen  über  das  Vorkommen  des  Brandschiefers  und  die  Benützung  desselben 
zur  Gewinnung  von  Steinöl  zu  Seefeld.  — Moll’s  Jahrbuch.  III,  Seite  196 — 203. 
1813.  — Zeitschrift  des  Ferdinandeums.  V,  Seite  282. 

Murchison:  Ueber  die  bituminösen  Schiefer  und  fossilen  Fische  von  Seefeld.  Phil. 
Mag.  and  Ann.  of  Philos.  New  Ser.  Vol.  V,  Nr.  31 , Juli  1829,  Seite  19.  — 
v.  Leonh.  und  Bronn’s  Jahrbuch.  ^830,  Seite  123. 

Boue:  Ueber  Coprolithen  von  Seefeld.  Journ.de  Geologie.  1 p.  107. 

Münster:  Fische  und  Caulerpit  von  Seefeld.  v.  Leonh.  und  Bronn’s  Jahrbuch.  1836. 
Seite  381. 

Russegger:  Ueber  den  Asphalt  und  sein  Vorkommen  zu  Seefeld  in  Tirol.  — Bericht 
über  die  VII.  Generalversammlung  des  geogn.-mont.  Vereins  für  Tirol  und  Vor- 
arlberg. Seite  23 — 46. 

Hecke!:  Fische  von  Seefeld.  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  1830, 
I,  Seite  696. 

Foetterle:  Asphaltproduction  von  Seefeld.  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichs- 
anstalt. VII,  196. 

Kraynag:  Analyse  von  Asphaltgesteinen  aus  Seefeld.  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt.  VII,  Seite  372. 

Ausserdem  wird  in  fast  allen  geognostischen  Beschreibungen  der  nordtirolischen  und 

südbayerischen  Alpen  der  Fischschiefer  von  Seefeld  Erwähnung  gethan. 

2)  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt.  VII,  Seite  372. 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt,  1?.  Band,  1S61  und  1S62.  II.  Heft,  19 


144 


Ferdinand  Freiherr  von  Kichthofen. 


[58] 


IV.  ftebirge  zwischen  Seefeld  und  den  Berchtesgadner  und  Salzburger  Alpen. 

Der  östliche  Theil  unseres  Trias-Lias-Gebietes  ist  ausgezeichnet  durch  das 
Vorwalten  des  Hallstätter  Kalkes  im  Gebirgsbau,  das  mächtige  Auftreten  des 
Guttensteiner  Kalkes,  durch  den  Versteinerungsreichthum  der  Raibler  und  Kös- 
sener  Schichten,  die  bedeutende  Abnahme  der  Liastleckenmergel  und  das  Zuneh- 
men local  aufgelagerter  Jura-  und  Neocomien-Gebilde,  endlich  durch  die  viel- 
fachen Ablagerungen  jüngerer  Schichten  in  tiefen  Buchten,  ln  der  Anordnung 
walten  zwar  immer  noch  die  früheren  Hebungswellen  mit  bewundernswürdiger 
Regelmässigkeit  vor;  doch  finden  häufiger  Unterbrechungen  und  Störungen  statt. 

Herr  Professor  Pichler  hat  vor  kurzer  Zeit  die  Resultate  seiner  überaus 
genauen  und  sorgfältigen  Untersuchungen  des  in  Rede  stehenden  Gebietes  mit- 
getheilt,  und  als  die  neuesten  Beobachtungen  eine  Aenderung  seiner  Deutungen 
nothwendig  machten,  das  ganze  Gebiet  während  unserer  Anwesenheit  einer 
genauen  Revision  unterworfen.  Die  Art  und  Weise  der  Vereinbarung  der  früher 
aufgestellten  mit  der  später  als  richtig  erkannten  Schichtenfolge  theilte  derselbe 
später  in  einem  besonderen  Nachtrage  mit,  so  dass  die  Arbeit  an  ihrem  grossen 
Werthe  und  ihrer  Brauchbarkeit  dadurch  nichts  verloren  hat.  Ich  verweise  daher 
auf  diese  Abhandlung  und  beschränke  mich  hier  darauf,  neben  der  allgemeinen 
Darstellung  der  Verhältnisse  manche  neue  Beobachtungen  nachzutragen;  sie 
betreffen  besonders  das  Gebiet  der  Riss  und  die  Gegenden  von  Brixlegg  und  Kuf- 
stein.— Herrn  Pic  h 1 er’s  Abhandlung  erstreckt  sich  überdas  gesammte  Gebiet  von 
Seefeld  bis  Kufstein.  Ueber  das  Kaisergebirge  gedenkt  derselbe  demnächst  seine 
Beobachtungen  zu  veröffentlichen  und  über  die  weiteren  Theile  gegen  Bayern  und 
das  Salzkammergut  liegen  die  werthvollsten  Arbeiten  von  Emm  rieh  vor,  so  dass 
wir  auch  hier  uns  darauf  beschränken  werden,  das  Neue  anzuführen  und  das 
schon  Bekannte  möglichst  übersichtlich  in  den  Rahmen  der  neuen  Anschauungen 
und  Resultate  zu  bringen. 

Gebirge  zwischen  Innsbruck  und  der  Riss. 

Der  südlichere  Zweig  des  Wette rsteingehirges  verläuft  vom  Schar- 
nitz-Spitz  mit  einem  Streichen  nach  Stunde  7 J/2  als  Wasserscheide  zwischen 
Hinterau-  und  Riss-Thal,  später  zwischen  Vomper-  und  Stallen-Thal  nach  Vomp 
im  Innthale,  eine  mächtige  Gebirgskette,  welche  nur  aus  Hallstätter  Kalk 
gebildet  und  im  Westen  vom  Isar-  und  Karbendel-Thale  in  ihrem  stetigen  Verlauf 
unterbrochen  wird.  Sie  bildet  eine  natürliche  Grenzscheide  für  den  Gebirgsbau 
der  Gegend  von  Innsbruck  und  Scharnitz,  indem  an  ihrem  steilen  Nordabfalle  die 
Hallstätter  und  Guttensteiner  Kalke  mit  senkrechtem  Abbruche  auf  jüngere  Schich- 
ten aufgeschoben  sind,  während  im  Süden  ein  System  sehr  eigenthümlich  ange- 
ordneter gewölbartiger  Aufbiegungen  folgt.  Die  letzteren  sind  sämmtlich  von 
Hallstätter  Kalk  gebildet  und  erheben  sich  zu  mächtigen  Gebirgsketten,  welche 
gegen  Osten  unter  sehr  spitzen  Winkeln  convergiren  und  sich  zu  einer  einzigen 
Gebirgswelt  von  Hallstätter  Kalk  vereinigen.  Gegen  Westen  nehmen  die  Berg- 
ketten allmälig  Mulden  von  Dolomit  zwischen  sich  auf  und  verschwinden  nach 
und  nach  unter  diesem;  endlich  herrscht  dieser  allein  und  bildet  das  Dolomit- 
gebirge von  Seefeld,  so  dass  bei  der  kartographischen  Darstellung  dieses  und  die 
östlichen  Hallstätter  Kalkgebirge  fingerförmig  in  einander  eingreifen  und  die 
versteinerungsreichen  Raibler  Schichten,  welche  an  der  Grenze  nirgends  zu  fehlen 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


148 


[89] 


scheinen,  in  zickzackförmigem  Verlaufe  die  westlichen  Ausläufer  der  Hallstätter 
Kalkgebirge  umziehen.  Nördlich  vom  Scharnitz  spitz- Vomper  joch- Z uge 
ist  von  dieser  Anordnung  keine  Spur  mehr  vorhanden. 

Verfolgt  man  die  einzelnen  Aufbiegungen  näher,  so  findet  die  erste  Gabelung 
des  östlichen  Gewölbes  gegen  Westen  in  der  Gegend  des  Vomper  Joches 
statt,  wo  (1.)  der  Hauptzug  nordwestlich  (Stunde  lö1/^)  gegen  den  Schar- 
nitz-Spitz, ein  secundärer  Zug  (2.)  westlich  (Stunde  18y2)  überden 
Speck kor-Spitz,  Lavatscher  Spitz,  das  Gleir sch- Joch  nach  dem 
Hoc  h-G  1 e i r s c h verläuft.  In  der  langgezogenen  schmalen  Dolomitmulde  zwischen 
beiden,  welche  bis  östlich  vom  Haller  Anger  reicht,  ist  das  Hinterau-  und 
Lavatsch-Thal  und  das  Lavatsch-Joch  eingesenkt.  Vom  zweiten  Zuge 
zweigt  sich  am  Lavatscher  Spitz  ein  dritter  ab,  welcher,  durch  das  Stemper 
Joch  getrennt,  mit  westlichem  Streichen  (Stunde  17)  über  die  Frau  Hütt  nach 
dem  Grossen  Solstein  fortsetzt  und  mit  jenem  das  erst  unterhalb  des  Jäger- 
hauses dolomitische  Gleirschthal  einschliesst.  Auch  dieses  Gewölbe  spaltet  sich 
noch  einmal  in  zwei.  Der  Hallstätter  Kalk  des  südlicheren  bildet  die  Martins- 
wan d. 

Alle  diese  Bergketten  sind  in  ihrem  westlichen  Theile  als  einfache  regel- 
mässige Gewölbe  ausgebildet,  während  sie  im  Osten,  wo  sie  in  einander  übergehen 
und  gegen  das  Innthal  abfallen,  einen  etwas  verwickelteren  Bau  zeigen,  der  oft 
noch  durch  ungeheure  Diluvialanhäufungen  unkenntlich  gemacht  wird.  Ich  gehe 
daher  zunächst  zur  Darstellung  des  Abfalles  der  Gebirge  gegen  das  Innthal  von 
der  Martinswand  bis  Schwaz  über.  Ueberall  erreicht  man  bald  den  Hallstätter 
Kalk,  und  da  mit  ihm  stets  geregeltere  Verhältnisse  eintreten,  so  brauchen  wir 
allenthalben  nur  bis  zu  ihm  aufzusteigen. 

Abhang  zwischen  der  Martinswand  und  dem  Thau rer  Joch  am 
Haller  Salzberge.  — Bei  Innsbruck  sind  alle  Gehänge  bis  hoch  hinauf  mitDilu- 
vialconglomerat  bedeckt,  daher  die  Aufschlüsse  in  den  unteren  Theilen  selten  und 
fast  nur  in  tiefen  Rissen,  wie  in  dem  durch  Herrn  Pichler  bekannt  gewordenen 
Höttinger  Graben,  oder  an  steileren  Abstürzen,  wie  in  den  Umgebungen  der 
Martins  wand.  Besonders  klar  sollen  die  Verhältnisse  am  Thaurer  Joch  sein. 
Diese  drei  Punkte  genügen,  um  den  sehr  ausgezeichneten  Gebirgsbau  am  Gehänge 
aufzuklären.  Das  Thaurer  Joch  ist  eine  nach  Stundet  streichende  Einsatte- 
lung zwischen  zwei  Gebirgen  von  Hallstätter  Kalk.  In  ihrer  Tiefe  stehen  Werfe ner 
Schichten  und  zu  den  beiden  Seiten  derselben  Virgloria-Kalk  an,  so  dass  sie  sich 
mit  grosser  Klarheit  als  ein  gewölbartiger  Aufbruch  erweist.  Die  Schichtenfolge 
ist  nach  beiden  Seiten  normal  und  fällt  steil  ein;  wahrscheinlich  werden  auch 
die  Partnachmergel  unter  dem  Hallstätter  Kalk  nicht  fehlen.  Nördlich  gelangt 
man  in  den  Hallstätter  Kalk  des  dritten  unserer  vorgenannten  Züge;  südlich  ist 
die  Formation  wenig  entwickelt;  es  folgen  ihr  mächtige  Baibier  Schichten  und 
oberhalb  Thaur  taucht  noch  nach  Herrn  Pichl er’s  Beobachtung  Dolomit  in 
geringer  Entblössung  unter  dem  Diluvium  auf.  Es  kann  daher  hier  nur  eine  ein- 
zige gewölbartige  Aufbiegung  der  älteren  Schichten  vorhanden  sein.  Ein  west- 
licheres locales  Zutagetreten  von  rothem  Sandstein,  knolligem  Virgloria-Kalk  und 
Rauchwacke  bei  der  Vintl-Alp  ist  von  geringer  Bedeutung,  da  abwärts  der  ganze 
Abhang  verhüllt  ist. 

Eine  Meile  weiter  westlich,  im  Höttinger  Graben,  dessen  Schichten- 
profil Herr  Pichler  mit  äusserster  Genauigkeit  mitgetheilt  hat1)»  ändern  sich 
die  Verhältnisse,  indem  hier  zwei  gewölbartige  Aufbrüche  von  rothem  Sandstein 


19* 


O A.  a.  0.  Seite  721. 


146 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[60] 

deutlich  zu  Tage  kommen,  die  durch  eine  Mulde  von  knolligem  Virgloria-Kalk, 
Rauchwacke  und  Partnachmergeln  von  einander  getrennt  sind;  dieselben  Trias- 
glieder folgen  am  Abhange  unterhalb  der  unteren  Aufbiegung,  so  wie  über  der 
oberen  zwischen  rothem  Sandstein  und  Hallstätter  Kalk,  welcher  mit  söhliger 
Lagerung  bis  zum  höchsten  Kamm  des  Gebirges  ansteigt,  um  jenseits  mit  schnel- 
lem Wechsel  steil  gegen  Norden  unter  den  Dolomit  zu  fallen.  Versteinerungen 
fanden  wir  in  keiner  Schichte  des  Höttinger  Grabens.  Von  besonderer  Wichtig- 
keit wären  solche  für  die  dunklen  Mergel,  welche  zwar  dem  Partnachmergel  voll- 
kommen gleichen,  aber  zum  Theil  unter  Verhältnissen  auftreten,  welche  ver- 
muthen  lassen,  dass  sie  dem  rothen  Sandstein  näher  stehen  und  vielleicht  ein 
Aequivalent  der  in  Vorarlberg  zuweilen  über  den  rothen  Sandsteinen  lagernden 
Mergel  sein  könnten.  Eine  überaus  grosse  Mächtigkeit  erreicht  an  den  Gehängen 
oberhalb  Innsbruck  die  gelbe  Rauchwacke,  welche  ein  Vertreter  des  Guttensteiner 
Kalkes  sein  dürfte. 

Die  Martinswand  an  der  Strasse  von  Innsbruck  nach  Zirl  entblösst  die- 
selben Verhältnisse  noch  einmal  in  ausgezeichneter  Weise.  Unmittelbar  hinter 
dem  Dorfe  Kranabiten  durchschneidet  der  Weg  ein  sehr  spitzes  Dach  von  Vir- 
gloria-Kalk; der  südlich  fallende  Theil  desselben  steht  am  schönsten  in  den  Stein- 
brüchen bei  dem  Kerschbuchhof  ungefähr  200  Fuss  über  der  Strasse  mit 
80°  Neigung  an.  Der  vielen  von  Herrn  Pichler  aufgefundenen  Versteinerungen, 
welche  hier  in  dem  knolligen  Kalk  Vorkommen,  wurde  bereits  Erwähnung  gethan. 
Wendet  man  sich  von  den  Steinbrüchen  westlich  nach  der  Schlucht  über  den  Häu- 
sern von  Kranabiten,  so  gelangt  man  zu  den  inneren  Schichten  des  steilen  Gewölbes ; 
zuerst  erscheint  gelbe  Rauchwacke  in  bedeutender  Mächtigkeit  und  unmittelbar 
unter  ihr  ein  Ausbiss  von  rothem  Sandstein.  An  der  Strasse  endlich  erkennt  man 
beide  Theile  des  Gewölbes.  Das  erste  Anstehende  sind  wieder  Ränke  von  schwar- 
zem Virgloria-Kalk,  mit  50°  Neigung  nach  Norden  fallend;  er  enthält  Crinoiden- 
Stiele.  Weiterhin  stehen  noch  einige  Male  bald  die  südlich,  bald  die  nördlich 
geneigten  Schichten  des  Daches  an;  den  letzteren  liegen  die  Hallstätter  Kalke 
der  Martinswand  auf.  — Dieses  Gewölbe  scheint  die  Fortsetzung  des  unteren  im 
Höttinger  Graben  zu  sein,  die  des  nördlichen  dürfte  im  Zuge  des  Solstein  zu 
suchen  sein. 

Der  ganze  Abhang  zwischen  der  Martinswand  und  dem  Thaurer  Joch  durch- 
schneidet somit,  wenn  wir  von  den  tertiären  und  diluvialen  Ablagerungen  ab- 
sehen,  unter  schiefem  Winkel  zwei  gewölbartige  Aufbiegungen , welche  sich 
gegen  Osten  in  Eine  vereinigen.  Sie  schliessen  eine  mit  ihrer  eigenen  Divergenz 
nach  Westen  an  Breite  wachsende  Mulde  ein,  welche  im  Höttinger  Graben 
nur  aus  den  ältesten  Triasgliedern  gebildet  wird,  westlich  aber  die  ganze  Masse 
des  Hallstätter  Kalkes  der  Martinswand  und  des  Höheberges  in  sich  aufnimmt, 
die  sich  über  die  nördliche  Aufbiegung  hinwegwölbt  und  den  grossen  Solstein 
bildet. 

Hall  *).  — Die  geognostischen  Verhältnisse  des  Haller  Salzberges  sind 
bereits  so  vielfach  beschrieben  worden,  dass  ein  weiteres  Eingehen  auf  dieselben 


0 Special-Literatur : 

Ausweis  der  Salz-Erzeugung  in  den  Salinen  zu  Hall  in  den  Jahren  1793  — 1802. 

Sammler  für  Geschichte  und  Statistik  in  Tirol.  III,  221. 

Karg:  Nachricht  über  das  Salzbergwerk  in  Hall.  Moll’s  Ephemeriden.  1808,  IV, 
S.  199—244,  357—374. 

Boue:  Ueber  Lavatsch.  Journ.  de  Geologie.  /,  p.  190. 

Kopf:  Beschreibung  des  Salzbergbaues  zu  Hall.  Karsten’s  Archiv.  XV,  S.  425.  Auszug 
in  v.  Leonhard  und  Bronn’s  Jahrbuch.  1844,  S.  238. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


147 


[61] 


hier  überflüssig  erscheint.  Insbesondere  ist  auf  die  Arbeit  von  Herrn  Prinzin- 
ger  zu  verweisen.  Der  Verticaldurchschnitt  durch  das  Haller  Salzbergwerk,  so  wie 
das  Idealprofil  (Fig.  /*)  sind  überaus  instructiv;  sie  ergeben  mit  Entschiedenheit, 
dass  der  Salzstock  in  dem  rothen  Sandstein  der  Werfener  Schichten  auftritt,  und 
zwar  unmittelbar  östlich  vom  Thaurer  Joch,  in  der  Fortsetzung  der  gewölb- 
artigen  Aufbiegung,  welche  auch  dort  die  Werfener  Schichten  zu  Tage  brachte. 
Allein  während  dort  die  Lagerung  vollkommen  normal  war,  treten  am  Salzberg 
sehr  bedeutende  Störungen  ein , denn  fasst  man  den  ganzen,  die  Salzlagerstätte 
bildenden  Complex  von  rothem  Sandstein,  Gyps,  Anhydrit,  Haselgebirge,  von 
Rauchwacke,  schwarzen  Mergeln,  Virgloria-Kalk  und  den,  wie  es  scheint,  hier 
schon  auftretenden  Guttensteiner  Kalk  zusammen,  so  ist  dieser  Complex  im  west- 
lichsten Theile  zwischen  Hallstätter  Kalken  eingeklemmt,  wie  es  Fig.  f von 
Herrn  Prinzinger  darstellt;  ein  wenig  weiter  östlich  aber  kommen  die  Hall- 
stätter Kalke  nicht  mehr  zu  Tage,  die  Raibler  Schichten  und  selbst  der  Dolomit 
von  Sanct  Magdalena  und  dem  Zunderberg  treten  unmittelbar  an  die  älteste  Trias 
heran.  Endlich  verschwindet  die  Trias  und  es  herrscht  von  nun  an  östlich  nur 
noch  Dolomit  im  Süden  des  Hallstätter-Kalk-Gebirges. 

Zieht  man  die  überaus  grosse  Regelmässigkeit  in  Betracht,  welche  sonst 
den  Gebirgsbau  in  diesen  Gegenden  auszeichnet,  die  Anordnung  in  grossen  Zügen 
welche  rasch  wechselnde  Verhältnisse  ausschliesst  und  den  gänzlichen  Mangel 
localer  Störungen  und  Verwerfungen,  so  ergibt  sich  daraus  der  Schluss,  dass 
nur  dem  Vorhandensein  des  Salzstockes  selbst  und  des  Haselgebirges  eine  so 
mächtig  in  den  Gebirgsbau  eingreifende  Wirkung  zugeschrieben  werden  kann. 
Diese  Gebilde  haben  sich  durch  mächtige  Complexe  der  festesten  Alpenkalke 
emporgedrängt,  letztere  wurden  mit  gehoben  und  gekrümmt,  zum  Zeichen 
des  überaus  langsamen  Empordringens,  und  das  Salzgebirge  kommt  nach  Art 
eines  Eruptivgesteines  in  einem  Aufbruch  zu  Tage,  den  es  sich  selbst  gebildet 
hat.  Kaum  könnte  man  ein  deutlicheres  Beispiel  des  langsamen  und  den  ungeheu- 
ersten Widerstand  überwindenden  Aufquellens  einer  mächtigen  Gesteinsmasse 
finden.  Es  würde  sich  hier  schon  aus  rein  geognostischem  Gesichtspunkt  mit  Noth- 
wendigkeit  die  Annahme  aufdrängen , dass  so  überaus  mächtigen , örtlich 
beschränkten  Wirkungen  nur  chemische  Ursachen  zu  Grunde  liegen  konnten, 
dass  durch  das  Entstehen  neuer  Verbindungen  in  der  Tiefe  ein  grösserer  Raum 
erfordert  und  der  heftige  Widerstand  überwunden  wurde.  Berücksichtigt  man 
nun  die  grossen  Massen  von  Anhydrit,  welche  gerade  das  Haller  Salzlager  aus- 
zeichnen, und  von  Gyps,  welcher  sich  in  oberen  Teufen  in  grossen  Massen  findet, 
so  dürfte  der  Haller  Salzberg  einen  der  glänzendsten  Belege  für  die  häufig  auf- 
gestellte und  für  viele  Orte  erwiesene  Theorie  der  Entstehung  des  Gypses  aus 
Anhydrit  geben.  Auch  die  Fältelungen  und  Windungen,  welche  dem  Haselgebirge 
stets  in  so  hohem  Grade  eigen  sind,  lassen  sich  dadurch  auf  die  leichteste  und 
ungezwungenste  Weise  erklären. 

Abhang  zwischen  dem  Haller  Salzberg  und  dem  unteren 
Vomper  Thal.  — Unmittelbar  östlich  vom  Haller  Salzberge  verschwindet  das 
System  der  unteren  Triasglieder,  um  nicht  wieder  aufzutauchen;  es  tritt  nun  ein 
sehr  einfaches  Lagerungsverhältniss  ein,  indem  sich  an  den  südlich  fallenden 


Haidinger:  Ueber  Salz  mit  Kupferkies  von  Hall.  Haidinger’s  Berichte.  IV  (1848), 
Seite  415. 

Suess:  Ueber  den  Salzberg  zu  Hall.  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen  Reichsanstalt. 
1854,  V,  Seite  881. 

Prinzinger:  Geologische  Bemerkungen  über  Hall.  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt.  VI,  Seite  328 — 350. 


148 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[62] 

Hallstätter  Kalk  Raiblcr  Schichten  und  Dachstein-Dolomit  mit  gleicher  Lagerung 
anlehnen.  Sie  ziehen  fort  bis  an  den  Vomper  Bach,  wo  er  aus  einer  westöstlichen 
Richtung  in  die  nordsüdliche  übergeht.  Weiterhin  herrscht  nur  Hallstätter  Kalk 
und  Diluvium.  Die  Raibler  Schichten  sind  sehr  reich  an  Versteinerungen, 
insbesondere  am  Iss-Jöchl  zwischen  dem  Salzberge  und  dem  Iss-Thale,  ferner  an 
der  Wälder  Alp  und  vielen  anderen  Orten.  In  einem  Streif  von  der  Höhe  des 
Ostabhanges  des  Fallbachthaies  über  die  Sponer  Alp  nach  dem  Wälder  Joch  sind 
dem  Dolomit  Kössener  Schichten,  Dachstein  kalk,  Adnether  Kalk, 
Flecken  mergel  (Lias?)  und  Juraschi  eilte  n mit  Aptychen  in  einem  lang- 
gedehnten schmalen  Streif  aufgelagert.  Das  genaue  Profil,  welches  Herr  Pichler 
vom  westlichen  Theil  entworfen  hat1)»  zeigt  deutlich  die  vollkommen  synkline 
Lagerung  vom  Dolomit  bis  zu  den  Liasfleckenmergeln,  während  die  Jurabildungen 
zum  Theil  auf  den  Schichtenköpfen  von  jenen  ruhen. 

Zirl-Solstein-Gleirsc hthal. — Wir  wenden  uns  nun  noch  zu  einer 
flüchtigen  Darstellung  der  Grenze  zwischen  dem  Dolomitgebirge  von  Seefeld  und 
den  von  Osten  hineingreifenden  Zügen  von  Hallstätter  Kalken,  deren  Abfall  gegen 
das  Innthal  wir  eben  betrachteten.  Die  Grenze  ist  durch  den  Verlauf  der  Raibler 
Schichten  bezeichnet.  Letztere  bestehen  hier  aus  einem  Wechsel  von  gelbbraunen 
Mergeln  mit  mergeligen  Kalken  und  Rauchwacke.  Die  mergeligen  Kalke  nehmen 
ausgezeichnet  oolithische  Structur  an.  Alle  Gesteine  sind  weich  und  leicht  ver- 
witterbar und  da  sie  zwischen  zwei  Systemen  schwer  zerstörbarer  Kalkgesteine 
liegen,  so  bilden  sie  stets  sanfte  Einbuchtungen  an  den  Gehängen,  Einsattelungen, 
welche  zu  Jochübergängen  dienen  auf  den  Kämmen,  und  oft  sind  sie  von  Bächen 
zu  tiefen  Tobln  ausgenagt.  Allenthalben  führen  sie  viele  Versteinerungen;  doch 
sind  deren  wichtigste  Fundörter  die  Jochübergänge,  wo  sich  die  Gesteine  am 
meisten  ausbreiten. 

Bei  Zirl  beginnen  die  Raibler  Schichten  in  bedeutender  Mächtigkeit  mit 
östlichem  Streichen  (Stunde  5)  und  senkrechter  Stellung;  sie  tragen  die  Ruine 
Fragenstein  und  ziehen  sich  um  die  oberen  Gehänge  des  Ehebachthaies  nach 


Fig.  32. 

Solstein.  Innsbruck. 


1 Werfener  Schichten.  2 Rauchwacke  (Guttensteiner  Kalk?).  3 Virgloria-Kalk.  4 Partnach-Mergel.  5 Hallstatter 
Kalk.  6 Raibler  Schichten.  7 Unterer  Dachstein-Dolomit.  8 Tertiärconglomerate.  9 Diluvialterrasse. 

der  Zirler  Galtalp  und  dem  Joch  am  Zirler  Kristen,  wo  sie  viele  Verstei- 
nerungen führen.  Ihr  Streichen  wechselt  vielfach,  da  sie  stets  die  Abhänge  des 
Hallstätter  Kalkes  begleiten.  Das  Profil  ist  daher  mit  etwas  verändertem  Fall  winkel 


O A.  a.  0.  Seite  726;  der  untere  Theil  des  Dachstein-Dolomites  („unterer  Alpenkalk  und 
Dolomit“)  ist  durch  einen  Irrthum  mit  6 statt  mit  7 bezeichnet. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


149 


[63] 


senkrecht  auf  die  Formationsgrenze  stets  dasselbe.  Besonders  deutlich  aufge- 
schlossen sieht  man  es  zwischen  Solstein  und  Erlspitz. 

Der  Weg  vom  Pass  in  das  Gleirschthai  führt  nur  durch  Dolomit,  da  die 
Raibler  Schichten  in  weitem  östlichem  Bogen  die  muldenförmige  Einlagerung  des- 
selben umziehen.  Erst  mit  der  Annäherung  an  die  jenseits  mächtig  aufsteigenden 
Hallstätter  Kalke  trifft  man  wieder  die  mergeligen  Zwischenschichten.  Herr  Pich- 
ler beobachtete  sie  westlich  von  der  Amtssäge,  doch  bleiben  sie  fast  in  ihrem 
ganzen  Verlaufe  durch  Kalkschutt  verhüllt.  Das  Gleirschthai  entfaltet  oberhalb 
der  Amtssäge  den  wilden  Charakter  der  Hallstätter  Kalke  in  grossartigem  Maasse. 
Die  Schichten  des  Solstein,  welche  im  Höttinger  Graben  bei  Innsbruck  söhlig  die 
älteren  Triasglieder  überlagern,  wölben  sich  am  Nordabhange  gegen  das  Gleirsch- 
thal  und  fallen  steil  mit  kahlen,  glatten  Wänden  theils  auf  die  gerundeteren  Berge 
der  dolomitischen  Einlagerung,  theils  in  das  öde  Gleirschthai  selbst,  aus  dem 
sie  jenseits  mit  entgegengesetzter  Fallrichtung  eben  so  hoch  wieder  aufsteigen. 
Scharfkantige  Trümmer  erfüllen  in  unendlicher  Masse  den  Thalboden ; sie  ent- 
halten häufig  in  Hohlräumen  die  Formen  ausgewitterter  Chemnitzien  und  Korallen. 
Im  Hintergründe  erweitert  sich  das  Thal  zu  einem  überaus  wilden  und  öden 
Kessel,  aus  welchem  östlich  ein  Jochsteig  über  das  Stern  per  Joch  nach  dem 
Haller  Salzberge,  südlich  ein  anderer  durch  die  Arzler  Scharte  nach  Inns- 
bruck führt.  Wir  besuchten  beim  Abstieg  an  der  Südseite  mit  Herrn  Professor 
Pichler  den  Fundort  der  Halobia  Lommeli  im  Hallstätter  Kalk.  Derselbe  fand 
dort  auch  Chemnitzia  Rosthor ni , globose  Ammoniten  und  ein  Orthoceras ; 
andere  Chemnitzien  finden  sich  in  Menge,  sind  aber  nicht  bestimmbar. 

Hinterau- Lavatsch-Thal.  — Das  Gleirsch-Gebirge  trennt  das  gleich- 
namige Thal  von  dem  nördlich  angrenzenden  der  Isar.  Sie  entspringt  am  Haller 
Anger  und  ihr  Thal  führt  abwärts  bis  zur  Alp  Tiefenkasten  den  Namen  Lavatsch, 
von  dort  bis  Scharnitz  den  Namen  Hinterau-Thal.  Ein  muldenförmig  eingelager- 
ter Dolomitzug  lässt  sich  von  Scharnitz  längs  dem  ganzen  Thale  aufwärts  zwi- 
schen den  hohen  Gebirgen  von  Hallstätter  Kalk,  welche  es  zu  beiden  Seiten 
umstarren,  bis  jenseits  des  Haller  Angers  verfolgen.  Ihm  entsprechend  verlaufen 
die  beiden  Züge  von  Raibler  Schichten,  welche  Herr  Pichler  an  vielen  Orten  an 
der  Grenze  nachgewiesen  hat.  Bei  Schar nitz  durchziehen  sie  das  Thal  unmit- 
telbar vor  den  beiden  Felsvorsprüngen,  welche  den  weiten  Kessel  im  Norden 
verengen.  Im  Lavatsch-Thal  sind  sie  als  Muschelmarm or  bekannt  und 
führen  eben  so  wie  östlicher  am  Haller  Anger  viele  Versteinerungen.  Man  pflegte 
früher  den  Muschelmarmor  von  Lavatsch  als  ein  Aequivalent  des  gleichen  Gesteins 
von  Bleiberg,  somit  auch  der  St.  Cassian-Schichten,  anzusehen.  Mehrere  Verstei- 
nerungen scheinen  zwar  die  Annahme  zu  rechtfertigen;  allein  sowohl  das  Lage- 
rungsverhältniss  als  das  Vorkommen  einiger  echter  Raibler  Formen  weisen  ihm 
mit  Sicherheit  jenes  Niveau  zu,  welches  wir  für  die  Raibler  Schichten  von  Nord- 
tirol im  Allgemeinen  beanspruchten. 

Gebiet  der  Riss  und  Dürr  ach  bis  zur  Einsenkung  des  Achner  Thaies. 

Die  Riss  ist  ein  Nebenfluss  der  Isar.  Ihr  Gebiet  zerfällt  in  die  Hinter-Riss 
auf  tirolischem  und  die  Vorder-Riss  auf  bayerischem  Gebiete.  Der  mächtige  Zug 
von  Hallstätter  Kalk  vom  Scharnitzspitz  nach  Vomp  begrenzt  den  oberen  Theil 
des  Flussgebietes  gegen  Süden  und  sendet  ihm  bedeutende  Zuflüsse  im  Blaubach- 
Thal,  Laliderer  Thal  und  Johannes-Thal1)  zu.  Dann  rückt  die  Wasserscheide 


O Auf  der  Generalstabskarte  Karbendel-Thal  genannt;  das  Volk  kennt  diesen  Namen  nicht. 


150 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


r 64] 

plötzlich  auf  den  oben  erwähnten  nördlicheren  Hallstätter  Kalk-Zug,  der  sich 
vom  Scharnitz-Spitz  nachJenbach  undPertisau  erstreckt  und  von  den  drei  genann- 
ten Querthälern  durchbrochen  wird.  Das  Thor-Thal,  Ronn-Thal  und  Farmes-Thal, 
welches  die  bayerische  Grenze  bildet,  ziehen  von  ihm  herab.  Die  nördliche 
Wasserscheide  ist  ein  Gebirgszug,  der  sich  unmittelbar  aus  der  Riss  erhebt  und 
durch  Karbendel-Spitz,  Fleisch-Rank,  Hexenthal-Rerg  bezeichnet  ist.  Das  umfang- 
reiche Flussgebiet  ist  mit  Ausnahme  zweier  Häuser  bei  dem  Jagdschlösse  in 
Widum  unbewohnt  und  besitzt  einen  echten  Alpencharakter;  es  zeichnet  sich  durch 
seinen  grossen  Reichthum  an  schwarzem  Nadelwald  aus,  aus  welchem  die  weisseu 
Schroffen  des  Hallstätter  Kalkes  kahl  und  wild  hervorstarren.  Der  reiche  Wechsel 
an  Wald  und  Fels,  die  weite  Verzweigung  des  wasserreichen  Thalsystems  und 
seine  allseitige  Abgeschlossenheit  haben  die  Riss  zu  dem  reichsten  Jagdgebiete 
in  den  Alpen  gemacht,  was  nicht  wenig  zur  Erhöhung  ihrer  ungemein  grossen 
landschaftlichen  Reize  beiträgt.  Reitwege  und  Pirschsteige  machen  auch  die 
höchsten  Spitzen  leicht  zugänglich  und  eröffnen  allenthalben  die  lehrreichsten 
Durchschnitte. 

Der  Gebirgsbau  der  Riss  ist  in  seinen  Grundzügen  sehr  einfach  und  klar. 
Ich  schliesse  seine  Darstellung  an  die  folgenden  Parallelprofile  an,  welche  nach 
beiden  Seiten  in  der  Streichrichtung  über  das  Rissgebiet  hinaus  fortgeführt  sind. 

Es  ist  klar,  dass  hier  ein  ähnliches  Verhältniss  stattfindet,  wie  es  im  Rhäti- 
kon  in  den  Profilen  I,  II,  111  dargestellt  und  S.  132  der  ersten  Ahtheilung 
(1.  Rd.,  X)  beschrieben  ist.  Dort  war  eine  zusammenhängende  Dolomitdecke,  in 
der  sich  gegen  Westen  eine  Verwerfungsspalte  einstellte.  Dadurch  kamen  erst 
tiefere  Schichten  des  Dolomits  auf  die  höheren  und  am  Abhange  des  Rheinthaies 
die  tiefsten  Triasschichten  auf  die  höchsten  Schichten  des  Dolomits  zu  liegen. 
In  der  Riss  finden  wir  westlich  vom  Karbendelthale  noch  ein  zusammenhängendes 
ausgedehntes  Gewölbe  von  Hallstätter  Kalk,  in  dessen  Massen  aber  bereits  die 
Anordnung  in  zwei  getrennte  Züge  angedeutet  ist.  Der  südliche  erhebt  sich  gegen 
den  angrenzenden  Theil  des  nördlichen  Zuges  allmälig  so  weit,  dass  Virgloria- 
Kalke,  vielleicht  auch  Guttensteiner  Kalke  des  ersteren  in  ein  höheres  Niveau 
kommen,  als  die  Hallstätter  Kalke  des  letzteren,  und  indem  zugleich  eine  Ueber- 
schiebung  stattfindet,  ruhen  jene  tieferen  Schichten  zwischen  Hallstätter  Kalken. 
Der  südliche  Zug  bleibt  unverändert,  der  nördliche  entfernt  und  entfaltet  sich 
zugleich  mehr  und  mehr,  aber  mit  stetem  Einfallen  unter  die  Trias  von  jenem. 
So  kommt  es,  dass  weiter  gegen  Osten  die  Ueberschiebung  immer  ungleichallri- 
gere  Schichten  in  unmittelbare  Ueberlagerung  bringt. 

Der  nördliche  der  beiden  Züge  von  Hallstätter  Kalk  stellt,  wie  die  Profile 
zeigen,  ein  überstürztes  Gewölbe  dar,  unter  dem  man  in  allen  Thaleinsenkungen 
die  tieferen  Triasglieder  als  Rauchwacke  und  schwarze  Kalke  zu  Tage  kommen 
sieht.  Weiterhin  folgt  eine  Dolomitmulde,  welche  nach  Osten  sehr  bedeutend  an 
Rreite  zunimmt;  aus  ihr  steigt  östlich  vom  Achen-See  der  Hallstätter  Kalk  des 
Unnütz  auf. 

Dies  sind  die  allgemeinsten  Verhältnisse.  Werfen  wir  einen  Rlick  auf  die 
Gestaltung  derselben  im  Einzelnen. 

VonSchwaz  durch  das  Stalle r Thal,  über  das  Lai mser  Joch 
nach  Rins,  Eng,  Laliders  und  den  Uebergang  in  das  Karben- 
delthal.  — Von  Schwaz  führt  ein  bequemer  Jochsteig  über  das  Laimser  Joch 
nach  der  Riss,  stets  in  der  Streichrichtung  der  Ueberschiebung.  Wo  man  das 
Rissgebiet  betritt,  kann  man  dann  wegen  der  sanften  Einsenkungen  der  Liasberge 
längs  jener  Ueberschiebungslinie  durch  die  Quellgebiete  des  Rlaubaches,  Lali- 
derer  Baches  und  Johannesbaches  bis  zur  Vereinigung  der  beiden  Hallstätter 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


151 


[65] 


Kalkzüge  im  Karbendelthal  wandern.  Im  Innthale  steigt  die  Diluvialterrasse  über 
dem  Kloster  Viecht  wohl  bis  3000  Fuss  hoch  an.  Das  erste  Gestein,  welches 
man  nach  ihrer  Ueberschreitung  erreicht,  ist  schwärzlicher,  etwas  dolomitischer, 
weissadriger  bröckliger  Kalkstein,  der  zum  Tlieil  ganz  in  Dolomit  und  in  Rauch- 
wacke  übergeht,  zum  Theil  reiner  Kalkstein  ist.  Die  Waldbedeckung  lässt  das 
nähere  Verhältnis  schwer  erkennen.  Er  streicht  nach  Stunde  7 und  fällt  nach 
Süden.  Längere  Zeit  geht  man  über  eine  ausgezeichnete  Crinoidenbreccie  und 
links  über  dem  Wald  stehen  die  ersten  Wände  von  Hallstätter  Kalk  an.  Es  kann 
daher  kein  Zweifel  sein,  dass  die  Breccie  den  Virgloria-Kalken  angehört,  in  denen 
wir  ihr  so  häufig  begegneten,  während  die  ersten  Kalke  und  Rauchwacken  voll- 
kommen Guttensteiner  Kalke  sind.  Rechts  erheben  sich  jenseits  der  tiefen  Thal- 
schlucht das  Staner  Joch  und  der  Sau  köpf,  gleichfalls  Hallstätter  Kalk,  mit 
südlichem  Fallen.  Auf  einem  Vorsprung  desselben  steht  in  der  Tiefe  die  Wall- 
fahrtskirche von  St.  Georg  in  überaus  romantischer  Umgebung.  Die  Einsatte- 
lung, in  welcher  sie  liegt,  scheint  anzudeu- 
ten, dass  Raibler  Schichten  als  Hangendes 
der  Hallstätter  Kalke  dort  hindurchziehen. 

Bei  der  Staller  Alpe  sieht  man  dies  be- 
stätigt. In  mächtigen  glatten  Platten  ziehen 
sich  die  Schichten  des  weissen  Kalkes  vom 
Brenten-Kopf  herab  und  tragen  in  der 
Tiefe  des  Thaies  mergelige  Raibler  Schich- 
ten und  gelbe  Rauchwacke,  welche  den  Bo- 
den der  Staller  Alpe  bilden  und  über  das 
Stakener  Joch  nach  dem  Falzthurn-  Thal 
fortziehen.  Darauf  liegt  Dolomit,  welcher 
den  Rauhen  Knel  zusammensetzt,  bei  der 
Alpe  aber  wenig  sichtbar  ist.  Die  Hallstätter 
Kalke  zur  Linken  werden  von  Virgloria-  und  Guttensteiner  Kalk  getragen,  so  dass 
man  das  beistehende  Profil  entblösst  sieht,  welches  zugleich  die  Norm  für  die 
Profile  XV,  XVI,  XVII  ist. 

Die  Grenze  zwischen  Guttensteiner  Kalk  und  Dachsteindolomit  lässt  sich 
schwer  mit  Genauigkeit  ziehen.  Man  erkennt  charakteristische  Gesteine  aus  beiden 
Formationen;  allein  ein  grosser  Theil  derselben  lässt  kaum  eine  petrographische 
Trennung  zu. 

Dieses  Lagerungsverhältniss  hält  mit  grosser  Klarheit  längs  der  ganzen 
Nisselwand  von  der  Staller  Alp  bis  zum  Laimser  Joche  an.  Rechts  (N)  bleibt 
Dolomit,  links  Wände  von  Hallstätter  Kalk  und  darunter  schwarze  Kalke.  Das 
Trümmermeer,  worüber  der  Weg  führt,  zeigt  Bruchstücke  von  hornsteinreichen 
Virgloria-Kalken  und  von  Kössener Schichten.  Das  Laimser  Joch  ist  in  Kössener 
Schichten  eingesenkt,  welche  hier  eine  steile  Wand  bilden;  gerade  in  der  Ein- 
sattelung ist  eine  Austernbank  blossgelegt.  Darüber  folgt  die  Trias. 

Vom  Laimser  Joch  abwärts  gegen  die  Alpe  Eng  im  Blaubach-Thale  folgen 
Liasfleckenmergel,  echte  Algäu-Schiehten,  während  die  Kössener  Schichten  sich 
nördlicher  an  den  Gehängen  des  dolomitischen  Garmeyer  Kor’s  herum  und  jen- 
seits des  Blaubach-Thales  gegen  das  Hoch -Joch  hinanziehen.  Ob  auch  Jura- 
formation vertreten  ist,  konnte  ich  nicht  sicher  entscheiden,  doch  scheint  sie  an 
den  Abhängen  gegen  den  Hoch- Glück  hinan  vorzukommen.  Die  Alpe  Eng 
(3766  Fuss,  Lipoid)  liegt  auf  einem  weiten,  ebenen,  grasreichen  Thalboden,  der 
mit  einem  weitläufigen  Ahornwalde  bedeckt  ist.  Der  obere  Theil  breitet  sich  in 
den  jüngeren  Schichten  aus.  Ein  Jochsteig  führt  in  ihnen  nach  Laliders,  stets  in 

20 


Fig.  33. 


Hoch-Nissel.  Staller  Alp.  Brenten-Kopf. 


1 Guttensteiner  Kalk.  2 Virgloria-Kalk.  3 Part- 
nach-Mergel.  4 Hallstätter  Kalk.  5 Raibler  Schich- 
ten. 6 Unterer  Dachstein-Dolomit. 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  II.  Heft. 


152 


Ferdinand  Freiherr  von  Kichthofen. 


[66] 

der  Nähe  der  Ueberschiebungslinie  am  Fusse  der  steilen  Wände  des  Hallstätter 
Kalk-Gebirges;  in  gleicher  Weise  geht  es  wieder  über  eine  niedere  Einsattelung 
fort  nach  der  Alpe  Ladiz  (4612  Fuss,  geognost.  Karte)  im  Johaimes-Thal.  Hier 
siebt  man  unweit  des  Ueberganges  Adnether  Kalk  anstehen.  Einige  Gesteine  über 
den  Fleckenmergeln  erinnern  an  gewisse  Neocomiengesteine.  Westlich  von  Ladiz 
treten  unendliche  Schuttmassen  auf,  welche  Alles  verdecken  und  den  Filzwald 
tragen.  Indess  sieht  man  die  beiden  Züge  von  Hallstätter  Kalk  näher  zusammen- 
treten, die  Mulde  von  jüngeren  Schichten  zwischen  ihnen  keilt  sich  aus  und  am 
Joch  gegen  das  Karbendelthal  scheint  nur  noch  Dolomit  zwischen  dem  Hallstätter 
Kalk  des  nördlichen  und  dem  Guttensteiner  Kalk  des  südlichen  Zuges  zu  liegen. 
Der  Guttensteiner  Kalk  zieht,  wie  Herr  Fr.  R.  v.  Hauer  beobachtete,  im  Kar- 
bendelthal noch  bis  unterhalb  Larchet  hinab,  dann  vereinigen  sich  über  ihm  die 
Hallstätter  Kalke. 

Zug  von  Hallstätter  Kalk  und  Dachstein dolomit  von  Jenbach 
und  Pertisau  nach  dem  Karbe  nd elgebirge. — Dieser  nördliche  Zweig 
des  Hallstätter  Kalk-Gebirges  bildet  in  seiner  ganzen  Erstreckung  ein  aus  der 
Tiefe  erhobenes,  zum  Theil  nach  Norden  überstürztes  Gewölbe,  wie  die  Pro- 
file XV,  XVI,  XVII  zeigen.  Die  jüngeren  Schichten,  welche  es  trägt,  fallen  südlich 
unter  den  eben  betrachteten  Zug  von  Hallstätter  Kalk  ein  und  deuten  darauf  hin, 
dass  auch  dieser  nur  eine  stark  überstürzte  Welle  sei.  Nördlich  hingegen  steigen 
die  liegenden  Rassischen  Gebilde  jenseits  wieder  muldenförmig  auf,  ohne  aber 
den  Hallstätter  Kalk  noch  einmal  hervortreten  zu  lassen.  Dies  ist  das  Lagerungs- 
verhältniss  im  Allgemeinen.  Verfolgen  wir  es  im  Einzelnen. 

Das  östlichste  Zutagetreten  von  dem  Hallstätter  Kalk  unseres  Zuges  ist  bei 
Jenbach  in  einer  Felsmasse,  welche  der  Inn  in  südlichem  Bogen  umspült.  Auf 
derselben  Formation  steht  das  Schloss  Trazberg,%wo  Herr  Pichler  Chem- 
nitzia  eximia  und  andere  wichtige  Versteinerungen  fand.  Der  Kalk  erhebt  sich 
hier  mit  südlichem  Fallen  und  bildet  das  S tan  er  Joch,  senkt  sich  dann  zu  der 
kleinen  beschränkten  Mulde  des  Weissenbaches,  in  welcher  er  von  Raibler 
Schichten  und  Dolomit  überlagert  ist,  erhebt  sich  noch  einmal  zum  Bärenkopf 
und  fällt  gegen  Pertisau,  wo  ihm  abermals  Dolomit  folgt. 

Unmittelbar  westlich  am  Kaiser-Joch,  dessen  Gipfel  von  einer  isolirten  Do- 
lomitauflagerung gebildet  zu  werden  scheint,  ändert  sich  das  Verhältniss;  der 
Hallstätter  Kalk  bildet  nur  noch  ein  einziges  Gewölbe  ohne  die  mittlere  Einsen- 
kung.  Das  auf  der  merkwürdigen  Wasserscheide  am  Laimser  Joch  entspringende 
Falzt  hurnthal  durchschneidet  das  Gewölbe  quer  und  trennt  den  Zug  des  Kaiser- 
Jochs  von  dem  des  Sonn-Jochs  (7758  Fuss)  und  des  Lochwaldspitz  (7297  Fuss). 
An  beiden  Thalwänden  ist  ein  überaus  deutliches  Schichtenprofil  entblösst ; das 
der  linken  ist  auf  Prof.  XVII  dargestellt.  Im  Centrum  des  Aufbruches  kommen 
die  Guttensteiner  Kalke  in  Gestalt  mächtiger  Rauchwacken  zu  Tage  , und  veran- 
lassen, wo  sie  bis  zur  Kammhöhe  gelangen,  tiefe  Einsattelungen,  während  zwi- 
schen Hallstätter  Kalk  und  Dolomit  die  Raibler  Schichten  stellenweise  entwickelt 
sind.  An  einigen  Orten,  wie  am  Uebergang  vom  Falzthurn  über  die  Alpe  Gra- 
may  nach  der  Bins -Alp  konnte  ich  dieselben  nicht  beobachten.  Das  Falzthuru- 
thal  ist  breit,  mit  Trümmermassen  ausgefüllt  und  mündet  im  Dolomit  in  den  Achen- 
See.  Die  westlich  folgenden  Querthäler  unseres  Hallstätter  Kalkzuges  sind  dem 
Falzthurnthale  analog.  Das  Blaubachthal,  Lalider erthal  und  Johannes- 
thal entblössen  an  beiden  Wänden  des  Durchbruchs  die  gleichen  Verhältnisse 
der  gewölbartigeu  Lagerung.  Die  mächtigen  Massen  von  Rauchwacke,  welche  die 
Erzklamm  im  Johannesthal  vom  grossen  Falken  herabbringt,  scheinen  den  Raibler 
Schichten  anzugehören.  Die  drei  Thäler  münden  im  Dolomit,  der  von  dem  Riss- 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


153 


[6?] 

Bach  von  der  Hagelhütte  bis  Widum  in  schiefem  Winkel  gegen  die  Streichrich- 
tung  in  seiner  ganzen  Breite  durchströmt  wird.  Bei  dem  Jagdschlösse  verläuft 
die  Grenze  zwischen  Dolomit  und  jüngeren  Bildungen;  östlich  zieht  sie  am  Nord- 
abhang des  Holzthalkopfes  , der  Fleischbank  und  des  Knelberges  vorüber  nach 
den  Gebirgen  am  Achen-See,  westlich  über  den  Bonnkopf  durch  das  Farmesthal 
nach  dem  Hochreisen  - Spitz.  Parallel  dieser  westöstlichen  Grenze  streichen  die 
im  Norden  sich  anschliessenden  jüngeren  Schichten  und  die  dolomitische  Nord- 
grenze der  Mulde.  Ehe  wir  darauf  eingehen,  ist  noch  der  Grenze  zwischen  Do- 
lomit und  Hallstätter  Kalk  in  den  Profilen  XV,  XVI,  XVII  und  der  Verhältnisse 
am  Plumser  Joch  Erwähnung  zu  thun. 

Das  Bonnthal  und  Farmesthal  entspringen  im  Hallstätter  Kalk  und 
durchbrechen  die  ganze  Dolomit-Zone  nebst  einem  Theil  der  jüngeren  Glieder,  der 
Farmesbach  sogar  deren  ganze  Zone  und  ausserdem  noch  den  nördlich  vorlie- 
genden Dolomit.  Steigt  man  daher  von  Widum  den  Reitsteig  im  Ronnthale  auf- 
wärts, so  stehen  im  Anfänge  röthliche  und  weissliche  Kieselkalke  an,  denen  Do- 
lomit folgt.  Am  Wechsel,  einem  Pass  über  den  man  nach  dem  Farmesthale 
steigt,  ist  die  Grenze  gegen  den  Hallstätter  Kalk.  Hier  treten  die  Raibler  Schichten 
ungemein  versteinerungsreich  auf;  sie  führen  Pecten  filosus , Perna  Bouei,  Car- 
dita  crenatn  u.  s.  w.  in  ausgezeichneter  Erhaltung. 

Dem  Hallstätter  Kalk  ist  an  der  Rothen  Wand  und  weiter  nach  Ost  und 
West  ein  System  von  leberbraunen  stark  bituminösen  Kalkschichten  eingelagert. 
Das  obere  verzweigte  Gebiet  des  Farmesthales  ist  ein  einsames  , an  Wald  und 
Schuttanhäufungen  reiches  Dolomitland,  nur  belebt  durch  Schaaren  von  Gemsen 
und  Hirschen.  Anstehendes  Gestein  sieht  man  wenig;  nur  an  einer  Einsattelung 
ein  wenig  westlich  vom  Wechsel  erscheinen  sehr  versteinerungsreiche  und  aus- 
gezeichet  entwickelte  Kössener  Schichten.  Diese  ungemein  rasche  Aenderung 
in  den  zwischengelagerten  Schichten  ist  bei  dem  Mangel  an  Aufschlüssen  schwer 
zu  erklären.  Der  Hallstätter  Kalk  erhebt  sich  über  das  waldige  Dolomitgelände 
in  einer  kahlen  , fast  senkrechten  und  viel  zerborstenen  Mauer  zu  bedeutender 
Höhe.  An  den  buchenhewachsenen  Gehängen  des  gänzlich  unwegsamen  Farmes- 
thales abwärts  gelangt  man  bald  in  das  Gebiet  der  jüngeren  Schichten,  die  hier 
wenig  aufgeschlossen  sind,  und  dann  nochmals  in  eine  Dolomit-Zone  mit  schroffen 
Wasserrissen,  welche  allenthalben  das  Fortkommen  hemmen. 

Das  Plumser  Joch,  welches  von  Pertisau  nach  der  Hagelhütte  im  Riss- 
thal führt,  ist  im  Allgemeinen  in  den  Dolomit  eingesenkt,  der  sich  dem  Hallstätter 
Kalk  des  Kaiserjochs  und  Sonnjochs  nördlich  anschliesst , scheint  aber  nach  der 
Darstellung  von  Herrn  Prinzinger,  welcher  dasselbebesuchte1)  und  nach  Herrn 
Pichler  eigenthümliche  Verhältnisse  darzubieten.  Es  erscheinen  nämlich  mitten 
im  Dolomit  am  Joch  selbst  söhlig  gelagerte  „graue Kalke  in  Schichten  von  1 Fass 
Mächtigkeit , an  der  Schichtfläche  mit  kugelförmigen  Erhabenheiten  und  einem 
grünen  Ueberzuge,  wie  sie  auch  im  Hangenden  des  Haller  Salzberges  auftreten“. 
Dies  sind  offenbar  Virgloria-Kalke.  Unter  ihnen  tritt  gegen  die  Hagelhütte  hin  das 
Salzgebirge  hervor,  wie  es  scheint  in  ähnlicher  Weise  wie  am  Haller  Salzberge. 
Es  verdient  einige  Beachtung,  dass  die  Verbindungslinie  dieser  beiden  Stellen, 
an  denen  das  Salzgebirge  aus  der  Tiefe  empor  gequollen  ist,  senkrecht  zur  Streich- 
richtung der  beiden  Züge  von  Hallstätter  Kalk  gerichtet  ist,  und  dass  fast  genau 
in  derselben  Linie  die  östliche  Wasserscheide  des  Isargebietes  am  Haller  Anger, 
Laimser  Joch  und  Plumser  Joch  liegt.  — Herr  Pichler  gibt  auf  seiner  karto- 
graphischen Darstellung  noch  ein  räthselhaftes  Vorkommen  von  Kössener  Schichten 


20* 


o A.  a.  0.  Seite  334. 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


1S4 


fC8] 


an  der  Ostseite  des  Plumser  Joches  im  oberen  Gernthal  an,  so  wie  Lias-Flecken- 
mergel  und  Juraschichten  auf  der  Höhe  vom  Letzten  Schneekopf. 

Jüngere  Formationen  unterhalb  Widum  in  der  Hinterriss.  — 
Bei  dem  Jagdschlösse  der  Hinterriss  verlässt  man  thalabwärts,  wie  erwähnt, 
den  Dolomit  und  betritt  jüngere  Schichten.  Der  Rissbach  wendet  sich  gegen 
Norden  und  durchschneidet  sie  rechtwinklig  zur  Streichrichtung;  schon  an 
einem  Kreuz  , 10  Minuten  hinter  der  Mündung  des  Leckthaies  , betritt  man 
wieder  Dolomit,  der  die  Mulde  nördlich  begrenzt  und  weit  nach  Bayern  hinein 
anhält.  In  der  Tiefe  des  Thaies  sind  die  Schichten  nur  stellenweise  deutlich  zu 
beobachten.  Es  sind  zuerst  röthliche  und  weisse  jurassische  Kieselkalke;  ihnen 
folgen  Liasfleckenmergel,  rothe  Adnether  Kalke  und  Kössener  Schichten,  beide 
in  bedeutender  Mächtigkeit.  Alle  diese  Schichten  streichen  rechts  und  links  nach 
den  Gehängen  hinauf.  Ihre  deutlichste  Folge  ist  im  Osten  zwischen  Scharf- 
reiterspitz und  Holzthalkopf  (Prof.  XVI),  wo  zugleich  die  muldenför- 
mige Lagerung  sehr  klar  ist.  Von  der  Mündung  des  Letzbaches,  der  aus  furcht- 
baren Tobln  mit  senkrechten  Wänden  herabkommt,  windet  sich  ein  Reitsteig  fast 
bis  auf  die  Höhe  des  Scharfreiterspitz.  Da  man  hier  schon  die  jüngeren  Gebilde 
des  Rissthals  durchschritten  hat , so  kommt  man  in  ihre  liegenden  Schichten ; 
die  Fleckenmergel  stehen  noch  vor  dem  Letzbach  an;  ihnen  folgen  an  der  Mün- 
dung des  Baches  rothe  Adnether  Kalke,  über  die  der  Reitsteig  zuerst  hinweg- 
führt, dann  kommt  man  mehr  und  mehr  über  deren  liegende  Glieder,  bis  man 
am  Scharfreiterspitz  den  Dolomit  mit  steilem  Südfallen  erreicht.  Sein  mauerför- 
miger schroffer  Absturz  gegen  Norden  umzieht  halbkreisförmig  einen  Felsenkessel, 
einen  Zufluchtsort  der  hier  sehr  häufigen  Gemsen.  Ein  zweiter  östlicher  Kessel, 
aus  dem  sich  das  ebenfalls  dolomitische  Telpser  Joch  erhebt , ist  der  Ursprung 
des  Krötenbachs.  Die  Neigung  der  Schichten  wird  hier  flacher  und  an  der  lang- 
gezogenen Mauer,  mit  der  das  Baumgarten-Joch  westlich  abfällt,  sieht  man 
den  Dolomit  mit  kaum  30°  Neigung  nach  Süden  hinabziehen  , und  über  ihm  in 
regelmässiger  Folge  die  jüngeren  Liasglieder  sich  aufbauen.  Zuerst  kommen  die 
Kössener  Schichten  in  bedeutender  Mächtigkeit.  Der  Megaloduskalk  geht  un- 
mittelbar in  rothen  Adnether  Kalk  über , den  man  von  dem  grossartigen  Ueber- 
sichtspunkt  des  Scharfreiterspitz  jenseits  an  dem  mauerförmigen  Nordabhange 
des  Vorderkopfes  fortziehen  sieht.  Die  Liasfleckenmergel  sind  charakteristisch, 
aber  in  geringer  Mächtigkeit  ausgebildet;  sie  ziehen  wie  die  vorigen  mit  ihren 
Schichtenköpfen  über  den  Rücken  des  Baumgartenjoches  fort.  Selten  dürfte  sich 
die  Grenze  zwischen  Lias  und  Jura  so  scharf  bestimmen  lassen,  wie  hier.  Denn 
es  treten  mit  einem  Male  jene  weisslichen  und  röthlichen  Kieselkalke  auf,  welche 
den  Jura  von  Kren  und  Vils  und  die  Ammergauer  Wetzsteinschichten  charakterisiren, 
so  wie  die  rothen  Hornsteinbänke,  welche  vom  Holzgau  im  Lechthal  über  Reutte  die 
stetigen  Begleiter  jurassischer  Schichten  sind.  Die  weisslichen  splittrigen  Kiesel- 
kalke führen  unbestimmbare  Aptychen  und  Belemniten.  In  diesen  jurassischen 
Gebilden  liegt  die  Einsattelung  zwischen  Baumgarten- Jo  ch  und  Schön- 
Albelkopf.  Es  folgen  ihnen  Fleckenmergel , welche  sich  durch  Analogie  mit 
östlicheren,  durch  Versteinerungen  charakterisirten  Vorkommnissen  mitBestimmt- 
heit  als  Rossfelder  Schichten  erweisen.  Auf  ihnen  liegt  das  Schön-Albel.  Wendet 
man  sich  von  hier  nach  der  Einsattelung  nördlich  vom  Holzthalkopf,  durch  welche 
ein  Pirsch-Steig  wieder  nach  dem  Rissthal  hinabführt,  so  gelangt  man  successiv 
wieder  in  die  umgekehrte  Schichtenfolge;  doch  fällt  sie  hier  steil  nördlich  ein 
und  man  durchschneidet  sie  in  sehr  kurzer  Zeit.  Die  Adnether  Kalke  sind  auch 
hier  ungemein  mächtig,  das  Joch  liegt  in  Kössener  Schichten.  Dieselbe  ausge- 
zeichnete Schichtenfolge  scheint  vom  Vorderkopf  gegen  den  Rohnkopf  und  west- 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


[69] 


ISS 


lieh  zum  Farmesthal  zu  herrschen,  nur  geht  dort  das  regelmässige  muldenförmige 
in  ein  überstürztes  Lagerungsverhältniss  über. 

Dürrachthai  *).  — Die  Lias-Mulde  der  Hinterriss  setzt  östlich  über 
das  Schön-Albel  in  das  Dürrachthai  fort  und  breitet  sich  nach  Herrn  Pichler’s 
Untersuchungen  ungemein  aus.  Dieses  vielverzweigte  Thal  hat  seine  südlichen 
Quellen  in  dem  Dolomitzug  , worin  der  Oberlauf  der  Riss  und  das  Plumser  Joch 
eingesenkt  sind ; seine  östliche  Wasserscheide  ist  ein  Dolomitzug,  welcher,  recht- 
winklig gegen  den  vorigen,  dem  Achensee  westlich  entlang  zieht.  Die  grosse 
Bucht  zwischen  beiden  Gebirgszügen  ist  von  jüngeren  Formationen  ausgefüllt, 
die  zwischen  Rothwandkopf  und  Moosen -Berg  das  Thalsystem  der  Diirrach  in 
breitem  Zuge  verlassen  und  sich  über  das  Achenthal  nach  dem  Mamos-Hals  und 
ununterbrochen  bis  in  die  Gegend  von  Kufstein  erstrecken.  Längs  dieser  gan- 
zen Erstreckung  vom  Scharfreiterspitz  bis  zum  fernsten  Osten  lehnen  sich  die 
jüngeren  Formationen  im  Norden  an  eine  mehrfach  durch  Querthäler  unterbro- 
chene Dolomitkette,  welcher  entlang  die  Grenze  zwischen  Bayern  und  Tirol  ver- 
läuft. So  kommt  es,  dass  die  Quellen  der  Dürrach  strahlenförmig  in  den  Dolomit 
hineingreifen,  das  Thalsystem  selbst  in  jüngeren  Schichten  liegt  und  als  einiges 
Dürrachthai  die  nördliche  Dolomitkette  (Scharfreiter-Rothwand)  durchbricht.  — 
Alle  Formationen,  welche  an  der  Ausfüllung  dieses  weiten  nach  West  und  Ost 
geöffneten  dolomitischen  Kessels  theilnehmen  , gewinnen  darin  eine  bedeutende 
Ausdehnung.  Insbesondere  sind  nach  Herrn  Pichler  die  Kössenerund  die  juras- 
sischen Aptychen-Schichten  ungemein  entwickelt.  Letztere  bilden  das  Pfans- 
joch,  den  Schafspitz,  den  Sonntagkopf,  das  Retten  joch,  den  Juifen- 
berg  und  Falkenmoserkopf,  während  die  Kössener  Schichten  ihre  grösste 
Ausdehnung  am  Nisslhals  erreichen  und  viele  Versteinerungen  führen.  Die 
rothen  Adnether  Kalke  schieben  sich  allenthalben  in  langen,  leicht  erkennbaren 
Zügen  über  den  Kössener  Schichten  ein;  die  geognostische  Karte  des  montani 
stischen  Vereins  hat  ihre  Verbreitung  sehr  richtig  angegeben.  Die  Rossfelder 
Schichten  endlich  zeichnen  sich  durch  ihre  ungleichförmige  Auflagerung  aus. 
Indem  sie  bald  eine  Jurakuppe,  wie  am  Juifen,  krönen,  bald  sich  über  alle  älteren 
Gebilde  mit  übergreifender  Lagerung  ausbreiten.  Am  meisten  sind  sie  östlich 
von  Schön-Albel  entwickelt,  von  wo  sie  über  den  Kupel-Berg  nach  dem  Dürrach- 
thal  hinabziehen. 

Achenthal.  — Alle  Formationen  des  Dürrachthaies  setzen  östlich  über 
das  Achenthal  hinweg  fort.  Eine  senkrecht  zur  Streichrichtung  verlaufende 
Gebirgskette  vom  Hienerberg  über  den  Rothwandkopf,  Juifenberg,  das  Retten- 
joch, den  Sonntagkopf  nach  dem  Schafspitz,  Seekor-Spitz  und  Rabenspitz  trennt 
die  beiden  Thalsysteme.  Sie  besteht  im  Norden  aus  flach  südlich  fallendem,  im 
Süden  aus  steiler  nördlich  fallendem  Dolomit,  im  mittleren  Theile  aus  mulden- 
förmg  gelagerten  jüngeren  Schichten,  welche  nach  den  Angaben  der  Tiroler 
Karte  mit  jener  Fallrichtung  eine  zweite,  vom  Scheiderücken  abwärts,  verbinden. 
Das  vollständigste  Profil  von  Dolomit  durch  Kössener  Schichten  aufwärts  bis  zum 
Neocomien  scheint  der  Juifenberg  darzubieten.  Der  Achenbach  durchbricht 
successive  die  verschiedenen  Zonen.  Der  Achen-See  erfüllt  eine  Einsenkung  im 
Dolomit,  welche  durch  Seekor-Spitz  und  Rabenspitz  im  Westen , Spieljoch  und 
Kögljoch  im  Osten  bezeichnet  wird.  Die  schwarz  bewaldeten  Gehänge  ziehen,  von 
schuttreichen  Schluchten  unterbrochen,  zur  Tiefe  hinab  und  fallen  zum  Theile 
so  steil  in  den  See,  dass  die  Strasse  den  Wänden  abgerungen  werden  musste. 


,)  Wurde  von  uns  nicht  besucht;  die  Beschreibung  folgt  nach  Herrn  Pichler’s  karto- 
graphischer Aufnahme. 


156 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[70] 

Von  Achenkirch  bis  zur  Capelle  in  der  Kohlstatt  sind  die  Gehänge  sehr  sanft,  der 
Thalboden  weit,  fruchtbar  und  reich  bevölkert.  Es  ist  dies  die  Strecke  in  welcher 
der  Bach  die  Zone  jüngerer  Schichten  durchbricht.  Dann  b tritt  er  die  zweite 
nördliche  Dolomit-Zone;  wieder  sind  die  Berge  mit  dunklem  Forste  bedeckt,  das 
Thal  wird  enger  und  steiler  und  betritt  am  Bretterspitz  als  Walchenthal  das 
bayerische  Gebiet.  Die  Anordnung  der  jüngeren  Schichten  scheint  stets  mulden- 
förmig zu  bleiben,  jedoch  so,  dass  das  Südfallen  im  nördlichen  Theile  flacher  ist, 
als  das  Nordfallen  im  südlichen,  daher  dort  die  einzelnen  Formationsglieder 
eine  grössere  Ausdehnung  gewinnen. 

Herr  Prof.  Pichler  fand  an  den  Gehängen  des  Achenthaies  sehr  viele  Ver- 
steinerungen aus  allen  Schichten,  welche  in  der  Mulde  auftreten.  Die  Kössener 
Schichten  sind  besonders  an  der  Nordgrenze  sehr  entwickelt;  in  ihnen  fand 
Herr  Pichler  im  Klammbach:  Avicula  Portlocki , Natica  alpina , am  Juifen : 
Rhynchonella  subrimosa.  Weit  reicher  an  Versteinerungen  sind  sie  an  der  Süd- 
grenze der  Mulde  aufgeschlossen.  Am  S c h 1 e i m s j o c h e,  welches  bereits  jenseits 
der  Wasserscheide  des  Achenthaies  liegt  und  den  Uebergang  von  der  Pertisau 
nach  dem  Dürrachthaie  vermittelt,  fanden  sich : Knochenfragmente  von  Ichthyo- 
saurus tenuirostris , Modiolu  Schafhäuteli,  Avicula  intermedia , Arie.  Escheri , 
Lima  gigantea , Rhynchonella  subrimosa.  Unweit  östlich  davon,  an  der  Basili- 
Alm  (5047  Fuss),  welche  bereits  im  Gebiet  des  Achenthaies  liegt:  Avic.  Escheri , 
Modiola  Schaf häuteli,  Terebrat.  pyriformis , Rhynchonella  fissicostata,  Rhynch. 
subrimosa , Spirifer  Münsteri.  Noch  reicher  sind  die  Fundstellen  im  Osten  des 
Thaies,  insbesondere  der  Ampelspach.  Hier  fand  Herr  Pichler:  Cardium 
austriacum,  Lima  gigantea,  Aviv.  Escheri , Modiola  Schafhäuteli,  Rhynch. 
subrimosa,  Spirifer  Münsteri,  Spiriferina  oxycolpos,  Rhynch.  fissicostata , Tro- 
chus  sp.9  Natica  alpina  u.  a.  m.  Reich  an  Brachiopoden  sind  auch  die  Kössener 
Schichten  am  Mamoshals,  wo  ausser  den  genannten  Arten  noch  Tefebratula 
cornuta  vorkommt. 

Oberer  Dachsteinkalk  und  Adnether  Kalk  sind  fast  gar  nicht  entwickelt, 
während  sie  westlich  im  Dürrachthaie  selten  fehlen,  und  auch  im  Osten  noch 
häufig  auftreten.  Nur  an  der  Basili-Alm  und  im  Ampelsbach  fand  Herr  Pichler 
Versteinerungen  dieser  Schichten. 

Jura  und  Neocomien  nehmen  zwar  den  grössten  Raum  ein,  sind  aber  wie 
gewöhnlich  arm  an  Versteinerungen. 

Wir  verlassen  das  behandelte  Gebiet  der  grossen  Quereinsenkung  desAchen- 
thales  mit  sehr  einfachem  Gebirgsbaue.  Sie  durchbricht  in  ihrer  südlichen  Hälfte 
eine  breite  Dolomit-Zone,  darauf  eine  schmälere  Zone  von  muldenförmig  einge- 
lagerten jüngeren  Schichten  und  verlässt  Tirol  im  Anfänge  der  nördlich  folgen- 
den Dolomit-Zone.  Das  südliche  Dolomitgebiet  besteht  aus  ostwestlich  streichenden 
welligen  Aufbiegungen,  von  denen  eine  südlich  von  Pertisau  den  Hallstätter 
Kalk  zu  Tage  bringt. 


Gebiet  zwischen  dem  Achenthal  und  Kufstein. 

Der  Schichtenbau  des  westlichen  Ufers  der  Einsenkung  des  Achenthals 
setzt  auf  das  östliche  fort  und  bleibt  von  hier  bis  nach  Kufstein  überaus  einfach. 
Es  scheint  dass  wenige  Theile  des  Trias-Lias-Gebietes  eine  so  gleichmässige 
Anordnung  und  so  wenig  verwickelte  Verhältnisse  bieten  als  dieser.  Die  nördliche 
Zone  von' jüngeren  Lias-,  Jura-  und  Neocomien-Gesteinen  hat  eine  weit  gerin- 
gere Breite  als  im  Dürrach-  und  Acbenthal,  zieht  aber  stetig  und  ohne  eine  ein- 
zige Unterbrechung  fort.  Der  südliche  Dolomitzug  zwischen  Aqhenkireh  und  dem 


IST 


[71]  Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 

Innthale  wächst  an  Breite,  nimmt  aber  ein  aus  der  Tiefe  heraufgewölbtes 
Gebirge  von  Hallstätter  Kalk  auf,  welches  durch  Grossartigkeit  der  Massen, 
Steilheit  der  Gehänge  und  Höhe  der  Berggipfel  alle  anderen  Gebirge  überragt 
und  das  wichtigste  Glied  für  den  physiognomischen  Charakter  der  Gegend  ist. 
Dieser  Zug  beginnt  unmittelbar  östlich  von  Achenkirch  am  Unütz,  setzt  mit 
östlichem  Streichen  bis  zum  Hundsal m- Joch  und  von  da  in  etwas  nördlicher 
Richtung  über  den  Pendling  und  quer  überdas  Innthal  nach  dem  Hinte  r- 
Kaiser  fort.  In  der  ganzen,  fast  sieben  Meilen  betragenden  Erstreckung  behält 
es  seine  wellig  aufgebogene  Gestalt,  mit  sanfterem  Süd-  und  steilerem  Nordabfall, 
bei  und  ist  durch  Raibler  Schichten  nach  beiden  Seiten  vom  Dolomit  getrennt. 
Jener  ge  wölbartig  erhobene  Hallstätter  Kalk,  den  wir  früher  südlich  von  Pertisau 
erwähnten,  verschwindet  bald  im  Osten,  taucht  dann  am  Südabhange  vom  Bran- 
denberger  Joche  noch  einmal  in  kurzer  Erstreckung  auf  und  scheint  seine 
weitere  östliche  Fortsetzung  im  Vorder  Kaiser-Gebirge  zu  haben.  Aeltere 
Triasglieder  sind  aus  diesem  ganzen  Theile  nicht  bekannt ; sie  erscheinen  erst 
südlich  vom  Inn  in  überaus  mächtiger  räthselhafter  Entwickelung.  Um  so  mehr 
beginnen  nun  die  localen  parasitischen  Einlagerungen  jüngerer  Formationen, 
welche  nach  Osten  mehr  und  mehr  zunehmen  und  den  sonst  so  einfachen  Glieder- 
bau etwas  verwickelter  machen.  Zuerst  treten  Gosaugebilde  auf,  weiter  östlich 
Oligoeenformation  und  noch  weiter  gegen  Nordost  miocene  Ablagerungen,  alle 
mit  dem  deutlichen  Charakter  des  Niederschlages  in  Meeresbuchten. 

Zwei  verzweigte  Thalsysteme  durchziehen  das  weite  Gebirgsland,  das  Bran- 
denburger und  das  Thier see-Thal. 

Sonnwend-Jo  ch — Koth-Alp.  — Zwischen  dem  Ausgange  desBranden- 
berger  Thaies  und  dem  Südende  des  Achen-See’s  erhebt  sich  das  Dolomitgebirge 
zu  bedeutender  Höhe  und  ist  von  einer  ausgedehnten,  aber  isolirten  Auflagerung 
jüngerer  Lias-  und  Jura-Schichten  bedeckt.  Kössener  Schichten  bilden  allent- 
halben die  erste  Decke  des  Dolomits  und  führen  an  manchen  Orten,  wie  an  der 
Koth-Alp  und  am  Irdeiner  Joch,  viele  Versteinerungen.  Sie  ziehen  von  derKoth-Alp 
über  das  Ir  deiner  Joch  und  den  Rosskopf  nach  dem  Lauer  Berg,  dann 
um  den  Südabhang  des  Sonn  wen  d-Joches  und  des  Kirc  henspitz  herum 
über  den  RothlahnerBerg  zurück  nach  der  Koth-Alp.  Innerhalb  dieses  Ringes 
lagern  die  jüngeren  Formationsglieder.  Auch  Dachsteinkalk  und  Adnether  Kalk 
fand  Herr  Pichler  über  den  Kössener  Schichten  der  Koth-Alp.  Ihnen  folgt 
Hierlatz-K  alk,  welcher  in  mächtigen  Felsmassen  die  Höhe  des  Gebirges  zu- 
sammensetzt; er  bildet  die  Gipfelmassen  des  Sonnwend-Joches,  Heiler,  Stellkopfes 
und  Kirchenspitz.  Darauf  sind  in  muldenförmigen  Vertiefungen  rothe  hornstein- 
reiche Juraschichten  gelagert.  Herr  Pichler  hat  diese  Verhältnisse  ausführlicher 
beschrieben *), 

Unütz.  — Gafels-Joch.  — Schn  aite- Joch.  — Sehönleiten- 
Joch.  — Verfolgt  man  die  Wasserscheide  zwischen  Achenthal  und  Branden- 
bergerthal  weiter  nördlich , so  erhält  man  bis  zu  dem  Schönleiten-Joch  einen 
Durchschnitt,  der  die  früher  dargestellten  Verhältnisse  auf  das  Klarste  zeigt.  Der 
Dolomit  am  Kögl- Joch  fällt  flach  südlich  und  ist  durch  eine  Einsattelung,  welche 
die  Raibler  Schichten  andeutet,  von  dem  liegenden  und  gleich  einfallenden  Hall- 
stätter Kalk  getrennt.  Die  Raibler  Schichten  setzen  nach  Herrn  Pichler  östlich 
in  der  Steinberger  Ache  fort,  aus  der  die  Abhänge  des  Hallstätter  Kalkes  almä- 
lig  bis  zum  Gufels-Joch,  Luchseck  und  Rossberg  ansteigen,  um  nördlich 
steil  abzustürzen.  Am  Fusse  der  schroffen  Gehänge  folgt  zum  zweiten  Male  die 


0 A.  a.  0.  Seite  732,  733. 


1S8 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[72] 

Raibler  Schicht  und  Dolomit  in  überstürzter  Lagerung.  Die  Tiroler  Karte  gibt 
sein  Fallen  zu  65°  S.  an;  dies  ist  in  90°-j-25°  N.  zu  verwandeln.  Dieses  schöne 
Lagerungsverhältniss  hat  Herr  Pichler  in  einem  sehr  instructiven  Profile  dar- 
gestellt 1 ). 

Brandenberger  Thal.  — Dem  Gesagten  ist  kaum  noch  etwas  über  den 
Gebirgsbau  im  Brandenberger  Thal  hinzuzufügen.  Dolomit  aufwärts  bis  zur  Mün- 
dung der  Steinberger  Ache  , darauf  der  Zug  von  Hallstätter  Kalk  , dann  wieder 
Dolomit,  die  Zone  der  jüngeren  Schichten  im  oberen  Thal,  endlich  der  Grenzzug 
des  Dolomites  am  hinteren  Sonnwendjoch  und  alles  dies  in  regelmässig  ostwrestlich 
streichende  Zonen  angeordnet,  — dies  sind  die  allgemeinsten  Verhältnisse.  Das 
Thal  ist  reich  an  grossen  Schuttanhäufungen  und  Diluvialgeschieben.  Dichter 
Waldwuchs  bedeckt  fast  das  gesammte  vielverzweigte  Gebiet  und  macht  seine 
genaue  Erforschung  schwierig.  Das  Thal  hat  einigen  Ruf  erlangt  durch  seine 
versteinerungsreichen  Gosauge bilde.  Ihre  Hauptablagerung  ist  um  das  Dorf 
Brandenberg  selbst,  wo  sie  die  Weiler  Wibner,  Ascha,  Unterberg,  Oberberg  und 
Lehen  tragen  , indem  sie  allseitig  in  die  Dolomitbuchten  hineingreifen.  Eine 
zweite  Partie  lagert  in  einer  Bucht  von  Hallstätter  Kalk  am  Krumbacher  Joch 
und  der  Ascha -Alp.  Auch  an  der  Nordseite  des  Hallstätter  Kalkzuges  sind  noch 
kleine  Ablagerungen  an  der  Vereinigungsstelle  vom  Achen-Bach  , Wehm-Bach 
und  Weissen  Bach  aufgeschlossen. 

Nördliches  Gehänge  des  Innthales  zwischen  Battenberg  und 
Kufstein.  — Die  Sohle  des  Innthales  ist  breit  und  eben,  soweit  sie  von  Allu- 
vionen  erfüllt  ist.  Darüber  erhebt  sich  die  mächtige  Tertiärterrasse  des 
Angerberges,  welche  der  Inn  in  steilem  Abbruch  umspült.  Sie  beginnt  bei 
V ol  dö  pund  macht  jenseits  Maria -Stein  einer  niederen  diluvialen  Terrasse 
Platz.  Die  ganze  Ablagerung  setzt  östlich  über  den  Inn  fort  und  wurde  wegen 
der  bekannten  Verteinerungen  von  Häring  für  eocen  gehalten;  Heer’s  Forschun- 
gen haben  ein  unteroligocenes  Alter  w ahrscheinlicher  gemacht.  Ueber  dieser 
Terrasse  erheben  sich  sogleich  die  steilen  Abhänge  der  Kalkgebirge  unmittelbar 
bis  zur  Wasserscheide  gegen  das  Brandenberger  und  Thiersee-Thal.  Zwischen 
Voldöp  und  Breittenbach  wird  sie  durch  das  dolomitische  Brandenberger 
Joch  gebildet;  sein  Südabhang  besteht  aus  Hallstätter  Kalk  , über  welchen  die 
Raibler  Schichten  hinziehen.  Ihnen  gehört  wahrscheinlich  der  auf  der  Karte  des 
montanistischen  Vereins  verzeichnete  Gyps  von  Voldöp  an.  Der  überwölbende 
Dolomit  herrscht  weiterhin  allein,  bis  er  dort,  wo  der  Abhang  des  Innthales  die 
Hallstätter  Kalkzone  von  Unütz-Hundsalm-Joch  durchschneidet,  dieser 
Formation  Platz  macht,  welche  in  mächtigen  Gebirgsmassen  über  den  Pendling 
hinaus  bis  zum  T hi  erb  erg  bei  Kiefersfelden  fortsetzt. 

Nur  in  kurzer  Erstreckung  am  Kogl-Hörnle  bei  Unter-Langkampfen  lehnt 
sich  daran  ein  schmaler  Dolomitstreif.  Die  Raibler  Schichten  fanden  wir  in 
schwachen  Spuren  zwischen  beiden  entwickelt.  Dieser  Dolomit  setzt  über  Kuf- 
stein selbst  fort,  wo  er  die  vereinzelten  Felsinseln  im  Thale  bildet  und  die  Fe- 
stung trägt.  Weiterhin  trennt  er  die  beiden  Kaisergebirge. 

Thiersee-Thal.  — Der  Thiersee,  welche  an  das  Brandenberger  und  das 
Innthal  grenzt,  ist  in  jenem  ostwestlich  streichenden  Zug  von  oberen  Lias-,  Jura- 
und  Neocomien-Schichten  eingesenkt,  den  wir  bereits  von  der  Riss  her  stets  dem 
Dolomit  der  bayerischen  Landesgrenze  entlang  verfolgten,  erhält  jedoch  seine  be- 
deutendsten Zuflüsse  aus  dem  südlich  anschliessenden  Dolomitgebirge.  Letzteres 
und  der  Hallstätter  Kalk-Zug  hatten  bisher  ein  östliches  Streichen  , welches  mit 


i)  A.  a.  0.  Seite  730. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord -Tirol. 


159 


[73] 


der  Wasserscheide  des  Thiersee  in  ein  nordöstliches  übergeht.  Indem  nun  das 
Neocomien  seine  frühere  Richtung  beibehält , tritt  es  unter  spitzem  Winkel  an 
den  Hallstätter  Kalk  heran  und  lässt  den  Dolomit  in  der  Tiefe  verschwinden.  Da 
jener  jedoch  hohe  Gebirge  bildet,  so  zieht  das  Neocomien  sich  an  seinen 
Abhängen  herum  und  beweist  damit,  dass  im  Wesentlichen  die  jetzigen  Gebirgs- 
formen  bei  seiner  Ablagerung  schon  vorhanden  waren. 

Der  H alls  tätte r K a 1k  ändert  in  den  Umgebungen  von  Thierse  e und 
Kufstein  schon  bedeutend  seinen  Charakter.  Es  stellen  sich  mehr  und  mehr 
dichte  graue  und  braune  Kalke  ein  , wie  ich  sie  schon  am  Wechsel  in  der  Riss 
beobachtete,  ferner  erscheinen  jene  röthlichen  Ammonitenkalke,  welche  im  Osten 
so  häufig  die  Monotis  salinaria  und  Cephalopoden  führen.  So  beobachtet  man  sie 
nordwestlich  von  Kiefersfelden,  wo  wir  undeutliche  Terebrateln  darin  fanden.  Am 
Thierberg  enthält  der  Kalk  Hornsteinknollen  und  zeigt  theilweise  grünliche  Färbung. 
Es  sind  Steinbrüche  darin  angelegt.  Die  Raibler  Schichten  verringern  ihre 
Mächtigkeit  mehr  und  mehr;  sie  erscheinen  noch  als  braune  sandige  und  kalkige 
Mergel,  welche  tiefe  Einsenkungen  zwischen  den  Kalkgebirgen  veranlassen.  Die 
Dachstein  dolomite  werden  mehr  und  mehr  kalkig,  besonders  in  den  höheren 
Schichten.  Andererseits  nehmen  sie  Complexe  von  eigentümlich  dolomitischen, 
breccienartigen  versteinerungsleeren  leberbraunen  bis  schwärzlichgrauen  Ge- 
steinen auf,  welche  oft  die  Erkennung  erschweren.  Die  petrographischen  Merk- 
male der  beiden  mächtigen  Kalkformationen  nähern  sich  im  Allgemeinen  einander. 

Die  Thallandschaft  von  Landl,  Hinter-  und  Vorder-Thiersee  besteht  aus  den 
jüngeren  Schichten,  hauptsächlich  aus  Neocomien.  Die  Kössener  Schichten  lehnen 
sich  an  den  nördlichen  Dolomitzug  vom  Schönfelder  Joch  und  Ascher  Joch,  und 
werden  überlagert  von  Adnether  Kalk , Liasfleckenmergeln  und  Juraschichten. 
Am  Schmalecker  Joch  erscheint  dieselbeFolge  am  Südrand  der  Zone,  dochbreiten 
sich  die  Aptychenschiefer  des  Neocomien  mit  übergreifender  Lagerung 
allmälig  darüber  aus  und  bilden  die  hügelige  Landschaft  der  genannten  Dörfer 
fast  allein.  Der  Klausbach  entblösst  sie  allenthalben;  sie  fallen  südlich.  Im  All- 
gemeinen herrschen  die  gewöhnlichen  grauen  fleckigen  Mergel , doch  sind  auch 
einzelne  sandige  dunklere  Schichten  zwischengelagert.  Wo  das  Thal  das  bayerische 
Gebiet  betritt , befindet  sich  ein  bedeutender  Bruch,  wo  Cement  gebrannt  wird, 
der  jedoch  weniger  gut  sein  soll  als  der  Kufsteiner.  Das  Gestein  enthält  hier 
Aptychen,  Ammon . Astierianus  und  Herr  Gü  mbel  fand  auch  früher  Terehratula 
diphyoides.  Am  Klausbach  abwärts  gelangt  man  zu  einem  eigenthümlichen  Con- 
glomerat,  welches  am  rechten  Ufer  ansteht  und  in  dichten  Dolomit  übergeht. 
Die  gerundeten  Gerolle  desselben  stammen  nur  von  Kalk;  viele  von  ihnen  zeigen 
Verwerfungen.  Wir  besuchten  diese  Stelle  gemeinschaftlich  mit  Herrn  Cotta, 
Gümbel  und  Baron  Andria  n , konnnten  jedoch  zu  keinem  Resultat  über  die 
Formation  kommen,  welcher  das  Conglomerat  angehört. 

Noch  ist  einer  kleinen  wahrscheinlich  tertiären  Ablagerung  Erwähnung  zu 
thun,  welche  am  Schreckensee  im  Thierseethal  ansteht.  Sie  besteht  aus  Tegel, 
welcher  zum  Ziegelbrennen  dient.  Aus  dem  oberen  Thale  wurden  bei  unserer 
Anwesenheit  grosseMassen  von  Kalktuff  zum  Baue  des  Forts  bei  Zell  herabgeführt. 

Kalkgebirge  zwischen  dem  Inn  bei  Kufstein  und  der  bayerischen  und 
salzburgischenGrenze. 

Der  Inn  durchbricht  das  Kalkgebirge  von  Wörgl  bis  Kiefersfelden  unter 
einem  schiefen,  von  hier  an  unter  einem  rechten  Winkel.  Die  Landesgrenze  tritt 
bei  Kiefersfelden  von  Westen  an  den  Fluss  und  folgt  ihm  zwei  Meilen  weit,  um 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  i2.  Band,  J 861  und  1862.  II.  Heft.  21 


160 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[74] 

dann  einen  bedeutenderen  Theil  der  östlichen  Gebirge  noch  nach  Tirol  zu  ziehen. 
Unsere  bisher  bis  zum  Inn  verfolgten  Zonen  der  verschiedenen  Formationen  setzen 
zwischen  Wörgl  und  Kiefersfelden  über  den  Fluss;  jener  nördliche  Theil  bringt 
daher  in  tirolisches  Gebiet  ganz  neue  Züge  , welche  wesentlich  aus  jüngeren 
Formationen  bestehen,  während  das  eigentliche  Kaisergebirge  hauptsächlich  aus 
Werfener  Schichten,  Guttensteiner  Kalk,  Hallstätter  Kalk  und  Dachsteinkalk  zu- 
sammengesetzt ist. 

Die  Einsenkung  von  Wörgl  über  Söll,  Scheffau,  Elmau,  St.  Johann 
bis  Fieberbrunn  bezeichnet  die  Südgrenze  der  nachweisbaren  Trias -Forma- 
tionen gegen  jene  rothen  Sandsteine  und  schwarzen  Kalke,  deren  stratigraphische 
Stellung  noch  nicht  mit  Sicherheit  festgesetzt  werden  konnte.  Es  erhebt  sich 
aus  dieser  Einsenkung  nach  einem  Vorlande  von  rothem  Sandstein  und  Gutten- 
steiner Kalk  ein  mehrfach  und  tief  durchbrochener  Gebirgszug  von  Hallstätter 
Kalk,  dessen  westlicher  Theil  als  das  Vordere  Kaiser gebirge  bekannt  ist 
und  den  mächtigsten  selbstständigen  Gebirgsstock  der  Gegend  bildet  , während 
oberhalb  St.  Johann  und  Fieberbrunn  der  Hallstätter  Kalk  nur  an  den  tieferen 
Theilen  der  hohen  Gebirge  von  Dachsteinkalk  auftritt,  welche  die  Grenze  gegen 
das  Gebiet  der  salzburgischen  Saale  bezeichnen.  Der  Zug  der  genannten  For- 
mation bildet,  gleich  der  Thaleinsenkung,  einen  weiten  nach  Süden  geöffneten 
Bogen.  Alle  Schichten  fallen  senkrecht  zur  Streichrichtung  im  Allgemeinen  nach 
Norden  und  tragen  Dachstein-Dolomit,  der  sich  als  eine  weitere  Zone  anschliesst. 
Am  Kaisergebirge  ist  er  muldenförmig  gelagert  und  es  erhebt  sich  aus  ihm  der 
Hallstätter  Kalk  des  Hinteren  Kai  sergebirges,  der  am  Nordabhang  wieder 
unter  Dachstein-Dolomit  verschwindet.  Das  Hintere  Kaisergebirge  hat  eine  kurze 
Erstreckung,  indem  es  sich  schon  am  Ebersberg  unter  den  überwölbenden  Dach- 
stein-Dolomit senkt,  welcher  nun,  von  jüngeren  Formationen  mannigfach  bedeckt, 
im  Gebirgsbaue  herrscht. 

Ich  übergehe  die  ausführlichere  Beschreibung  des  Gebirgsbaues  in  diesem 
östlichsten  Theile  des  Trias-Lias-Gebietes  , da  Herr  Pichler  eine  solche  vor- 
bereitet hat  und  sie  auf  eine  ungleich  grössere  Anzahl  von  Detailbeobachtungen 
stützen  kann,  als  uns  bei  der  flüchtigen  Uebersichtsaufnahme  auszuführen  ge- 
stattet war. 


II.  Jnra  und  Kreide. 

Diese  beiden  Formationen  verhalten  sich  sowohl  in  ihrer  allgemeinen  Ver- 
breitung wie  in  der  Anordnung  ihrer  einzelnen  Glieder  überaus  verschieden 
von  den  Trias-Lias-Gebilden.  Während  diese  eine  breite,  der  Streichrichtung 
der  Centralalpen  parallele  Zone  längs  dem  Nordabfall  der  krystallinischen 
Schiefergebirge  bilden  und  sich  in  Hinsicht  auf  die  Entstehungsgeschichte  der 
Alpen  als  ein  selbstständiges  Ganzes  abgliedern,  haben  die  Schichten  der  Jura- 
und  Kreideformation  mehr  den  Charakter  örtlicher  parasitischer  Auflagerungen 
auf  älteren  Gebirgen  oder  aus  der  Tiefe  allfragender  Inseln  in  dem  Bereich 
jüngerer  Schichtgebilde.  Bei  den  bisher  betrachteten  Formationen  zeigte  sich 
von  den  tiefsten  Schichten  der  Trias  bis  zu  den  höchsten  des  Lias  nirgends  eine 
Unterbrechung  in  der  Schichtfolge;  jetzt  aber  ist  sie  in  vielen  Theilen  dieser 
Zone  abgebrochen;  in  Vorarlberg  bilden  die  Algäu-Schichten  des  Lias  allent- 
halben das  oberste  Glied  und  östlich  davon  lagerten  sich  die  Juragebilde  nur 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


161 


[75] 


noch  in  einzelnen  Zügen  ab,  welche  meist  zwischen  hohen  Kämmen  von  Hall- 
stätter Kalken  oder  Dachstein-Dolomiten  hinlaufen.  Wo  sie  den  Lias  zur  Unterlage 
haben,  liegen  sie  gleichmässig  darauf  und  der  Uebergang  der  beiden  Formationen 
ist  dann  so  allmälig,  dass  es  uns  nicht  gelang,  einen  bestimmten  Anhalt  zur 
Trennung  zu  finden;  auf  allen  älteren  Schichtgebilden  aber  ist  der  Jura  abnorm 
aufgelagert,  so  dass  man  deutlich  erkennen  kann,  dass  das  Lias-Trias-System  zur 
Zeit  der  ersten  Jura-Ablagerungen  schon  bedeutende  Hebungen  erfahren  hatte, 
aber  langsame  Hebungen,  welche  den  Parallelismus  benachbarter  Gebirgsglieder 
niemals  hindern  konnten.  Nur  so  konnte  es  kommen,  dass  die  Jura-  und  Kreide- 
Gebilde  trotz  der  conformen  Auflagerung  der  ersten  auf  den  Lias-Fleckenmergeln 
einen  beschränkteren  Verbreitungsbezirk  haben. 

Ein  anderes  wesentliches  Moment  im  Charakter  unserer  beiden  Formationen 
ist  die  gänzlich  verschiedene  Entwickelung  im  Osten  und  Westen.  Bereits  im 
ersten  Theile  dieser  Abhandlung  (dieses  Jahrbuch,  Band  X,  Seite  79,  80) 
suchte  ich  den  stetigen  Verlauf  von  Ost  nach  West  in  der  Entwickelung  der 
einzelnen  Formationen  von  den  ältesten  bis  zur  Kreide  im  Gebiet  der  nördlichen 
Kalkalpen  nachzuweisen.  Es  zeigte  sich,  dass  die  Trias  von  Osten  nach  Westen 
an  Mächtigkeit  ab-,  der  Lias  aber  zunimmt,  dass  jene  ihre  bedeutendste  Massen- 
entwickelung in  den  oberösterreichischen  und  salzburgischen  Alpen,  dieser  im 
nordwestlichen  Tirol  (Lechgebiet)  und  im  bayerischen  Algäu  erreicht,  während 
die  Juraformation,  wiewohl  von  den  östlichen  Theilen  der  Alpen  her  reich  geglie- 
dert, doch  an  Masse  untergeordnet  bleibt  und  erst  in  der  Schweiz  ihr  Maximum 
erreicht,  und  endlich  die  Kreideformation  ihre  bedeutendste  Entwickelung  im 
südlichen  Frankreich  und  von  dort  durch  die  Schweiz  bis  nach  Vorarlberg  hin 
hat,  dann  im  nördlichen  Tirol,  in  Oberbayern  und  weiter  östlich , nur  durch  die 
tiefsten  und  die  höchsten  Glieder  vertreten  ist  und  erst  in  den  östlichen  Alpen 
und  Karpathen  sich  ein  zweites  Gebiet  der  vollständig  entwickelten  Formation 
vorschiebt,  bis  mit  dem  Beginne  der  Nummulitenformation  das  Eocenmeer  sich 
wieder  um  das  gesammte  Alpengebirge  herum  erstreckt. 

Durch  diese  Eigenthümlichkeit  ist  in  der  Juraperiode  noch  einige  Einheit 
in  der  Ausbildung  der  Formationsglieder  durch  ganz  Vorarlberg  und  Nordtirol  zu 
erkennen,  aber  die  Kreidegebilde  sind  auf  das  Schärfste  in  zwei  Gebiete  geson- 
dert, deren  Trennung  ungefähr  mit  der  Wasserscheide  zwischen  Iller  und  Lech, 
der  auch  sonst  so  bekannt  gewordenen  Scheidelinie  des  bayerischen  Volks- 
stammes gegen  den  schwäbischen  und  alemannischen,  zusammenfällt.  Da  die 
Juraformation  in  Vorarlberg  an  das  Kreidegebiet  gebunden  ist,  in  diesem  aber 
nur  untergeordnet  auftritt,  so  trennen  wir  die  Betrachtung  des  Gesammt- 
complexes  unserer  beiden  Formationen  nach  den  angeführten  geographischen 
Gebieten. 

1.  Entwickelung  der  Jura-  und  Kreidegebilde  in  Vorarlberg. 

Das  schweizerisch- vorarlbergische  Kreidegebiet  erstreckt  sich  aus  der 
Gegend  von  Marseille  dem  Rand  des  Zuges  der  Centralalpen  parallel  durch  das 
Gebiet  von  Savoyen,  über  Genf  und  fast  in  gerader  Richtung  durch  die  Schweiz 
hindurch  über  den  Rhein  nach  Vorarlberg  und  dem  bayerischen  Algäu,  wo  seine 
eigenthümliche  Entwickelung  sich  am  Grünten  noch  einmal  sehr  charakteristisch 
wiederholt;  in  der  östlichen  Fortsetzung  dieses  Berges  keilt  es  sich  bald  aus 
und  verschwindet  ganz.  In  dieser  ganzen  Erstreckung  bildet  das  Kreidegebiet 
eine  an  Breite  oftmals  wechselnde,  in  ihrem  landschaftlichen  Charakter  wie  in 
ihren  Gesteinen  sieh  ungemein  gleichbleibende  Zone,  die  in  der  Schweiz  häufig 

21  * 


162 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[76] 

durch  aufgelagerte  Molasseschichten,  selten  durch  ältere  Gebilde  in  ihrer  Stetig- 
keit unterbrochen  wird.  In  Vorarlberg  erreicht  die  Zone  die  ungewöhnliche 
Breite  von  zwei  Meilen  (in  dem  Durchschnitt  südlich  von  Dornbirn)  und  ist 
durch  keine  jüngeren  Gebilde,  wohl  aber  durch  ein  aus  der  Tiefe  aufragendes 
Juramassiv,  das  Gewölbe  der  Canisfluh,  unterbrochen. 

Der  landschaftliche  Charakter  des  Kreidegebietes  ist  überaus  reizvoll  und 
bedingt  die  Schönheit  des  Bregenzerwaldes.  Die  fruchtbaren  Verwitterungspro- 
ducte  der  herrschenden  Glieder  schufen  die  üppigen  Alpen  und  damit  den  Reich- 
thum der  intelligenten  Bewohner. 

Be^enzung.  — Das  vorarlber gische  Kreidegebiet  ist  zwi- 
schen zwei  nach  St.  5 streichenden  Flysch- Zügen  eingeschlossen 
und  gegen  beide  fast  g e radlinig  und  scharf  abgegrenzt.  Die  süd- 
liche Grenzlinie  beginnt  mit  den  ersten  östlichen  Uferhöhen  des  Rheinthaies  bei 
Feldkirch,  setzt  zwischen  Fr astanz  und  Satteins  über  das  Illthal  , zieht 
sich  nördlich  vom  Mut  tekopf  vorüber  , durch  das  Latternser  Thal  (bei  Bon- 
acker), verlässt  dieses  ein  wenig  oberhalb  des  Hinte rbades  und  erreicht  bei 
der  Alpe  Göfas  das  schöne  Amphitheater  , in  welchem  der  Mellenbach  aus  dem 
Sümser  See  entspringt,  und  damit  das  Thalsystem  der  Bregenzer  Ache;  den  Fluss 
selbst  erreicht  die  Formationsgrenze  südlich  von  Au,  um  dann  , stets  der  Rich- 
tung St.  5 folgend,  nach  der  Sub  e rs- Alp  und  südlich  vom  H oc  h-Ifer  vorbei 
nach  Rietz  len  im  Thale  Mittelberg  zu  ziehen  und  dann  im  Algäu  in  nordöst- 
licher Richtung  fortsetzend  zwischen  Tiefenbach  und  Fischen  an  der  Iller 
sich  mit  der  nördlichen  Grenze  der  beiden  Formationen  zu  vereinigen.  Diese, 
wrelche  als  Östliche  Fortsetzung  der  Nordgrenze  des  Säntis-und  H o he  kä- 
ste n - Gebirges  am  Rö thel s t ei n südlich  von  Dornbirn  aus  dem  Alluvium  des 
Rheinthaies  zum  Vorschein  kommt,  zieht  in  fast  geradliniger  Richtung  über  das 
Hochälpele,  Bersbuch  an  der  Bregenzer  Ache  und  Sibratsgföll  nach 
dem  F euer stätter  Berg,  auf  dessen  Höhe  die  Juraformation  aus  der  Tiefe 
aufragt.  Südlich  vom  Böigen  vorbei  erreicht  auch  diese  Grenze  bald  den  er- 
wähnten Vereinigungspunkt  an  der  Iller,  wo  sich  das  Kreidegebiet  Vorarlbergs 
auskeilt.  Erst  zwei  Stunden  weiter  nördlich  erhebt  sich  die  isolirte,  5364  F.  hohe 
Bergmasse  des  Grünten,  um  noch  einmal  alle  Eigenthümlichkeiten  jenes  Ge- 
bietes auf  kleinem  Raume  zu  vereinigen. 

So  gleicht  das  Kreidegebiet  Vorarlbergs  einem  langgestreckten  dreieckigen 
Zipfel,  dessen  scharfwinklichste  Spitze  im  Algäu  südlich  von  Fischen  an  der  Iller 
liegt,  dessen  längste,  nach  Stunde  41/a  streichende  Seite  von  der  Spitze  bis  zu 
dem  inselartig  aus  der  Rheinebene  sich  erhebenden  Schellenberg  12 y2  Meilen 
beträgt,  während  die  kürzere  ostwestliche  Seite  kaum  10  Meilen  Länge  erreicht. 
Gegen  die  Schweiz  hin  ist  das  Dreieck  mit  der  angeführten  Breite  von  2 Meilen 
geöffnet. 

Die  Gebirge  dieses  Gebietes  , welche  sich  bis  6600  Fuss  (in  der  Mittag- 
spitze) erheben,  bilden  in  dem  regelmässigsten  Theile,  der  Gegend  von  Bezau, 
Mellau,  Schnepfau  und  Sibratsgföll,  ein  sehr  einfaches  System  westöstlich  strei- 
chender Rücken  , welche  nach  Süden  sanft  und  allmälig , nach  Norden  schroff 
und  prallig  abfallen;  eben  so  gleichförmig  sind  die  vielen  parallelen  Thäler,  von 
denen  nur  das  der  Bregenzer  Ache  und  des  Subersbaches  mit  der  Längs-  die 
Querrichtung  verbinden.  Besonders  das  erstere  ist  durch  den  dadurch  bewirkten 
Zickzacklauf  und  den  häufig  wechselnden  Charakter  interessant.  Dort , wo  die 
Hebungen  nicht  so  einfach  waren,  sind  auch  die  Gebirgs-  und  Thalsysteme  ein 
wenig  complicirter;  aber  auch  wenn  die  westöstliche  Richtung  für  das  Streichen 
der  Schichtenfaltungen  und  Gebirgsstörungen  constant  bleibt,  bedingen  doch  die 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


163 


[77] 


häufigen  Erosionsthäler,  wie  das  Mellenthal,  einen  oft  complicirten  Bau.  Ehe  wir 
diesen  weiter  verfolgen  , wenden  wir  uns  zur  Betrachtung  der  Gliederung  der 
beiden  im  Kreidegebiet  auftretenden  Formationen.  Es  ist  durch  die  Arbeiten  der 
Herren  S tu  der  und  Esc  her  sowie  in  der  neuesten  Zeit  durch  Herrn  Desor 
für  die  Aufklärung  derselben  jenseits  und  diesseits  des  Rhein  bereits  so  viel  ge- 
schehen , dass  wir  nur  den  Spuren  dieser  bewährten  Forscher  zu  folgen  und 
dann  eigene  Beobachtungen  hinzuzufügen  haben. 

A.  Gliederung. 


a)  Juraformation. 

Die  Verbreitung  der  Juraformation  in  Vorarlberg  ist  äusserst  beschränkt; 
man  kennt  sie  bisher  an  drei  Stellen,  die  unter  einander  keinen  Zusammenhang 
haben,  und  es  ist  keine  Aussicht,  dass  man  je  eine  weitere  Verbreitung  nachweisen 
können  wird.  Die  westlichste  Stelle  ist  der  Fläscherberg  im  Fürstenthurne 
Liechtenstein,  dessen  Bau  wir  bereits  früher  (dieses  Jahrbuch  Bd.  X,  S.  129  und 
Fig.  6,  7,  8,  9)  erörtert  haben.  Es  ergab  sich  als  das  wahrscheinlichste  Resultat, 
dass  dort  die  Lias-Algäuschichten  durch  einen  nicht  zu  Tage  kommenden  braunen 
Jura  von  dickbankigen  dunklen  Kalken  getrennt  werden  , welche  sich  durch 
Ammonit  es  bi f lex  als  Oxford-Kalk  erweisen,  dass  diese  ferner  von  einem  Schich- 
tensystem überlagert  werden,  welches  dem  obersten  weissen  Jura  angehört,  und 
hierauf  unmittelbar  Flysch  folgt.  Die  ganze  Formationsentwickelung  reiht  den 
Fläscherberg  dem  schweizerischen  Juragebirge  zu,  in  Nordtirol  findet  sich  nichts 
Analoges.  Auch  der  geographischen  Lage  nach  erweist  er  sich  als  dorthin  ge- 
hörig und  als  letzter  Ausläufer  der  in  der  Schweiz  so  verbreiteten  Juragebilde. 

Die  zweite  Stelle,  wo  Juraformation  auftritt,  ist  eine  Insel  im  Kreidegebirge, 
an  der  Grenze  des  letzteren  mit  Flysch , das  Juragewölbe  der  Canisfluh  im 
Bregenzer  Walde.  Das  Schichtgebilde  erhielt  von  Herrn  Esch  er  die  Benennung 
„Jurakalk  von  Au“  nach  dem  Dorfe  Au,  in  dessen  Nähe  versteinerungsreiche 
Schichten  anstehen.  Das  grosse  Massiv  streicht  von  Ost  nach  West  und  wird 
senkrecht  gegen  diese  Richtung  von  einer  tiefen  Spalte  durchsetzt , in  welcher 
die  Bregenzer  Ache  ihren  Lauf  nimmt.  Dadurch  wird  der  innere  Bau  auf  das 
Trefflichste  entblösst;  es  zeigt  sich  eine  hochaufgetriebene  Wölbung  dickbankiger, 
dunkler,  zum  Theil  weissadriger  Kalke.  Nach  Süden  fallen  die  Schichten  sanft, 
nach  Norden  fast  senkrecht.  Dies  bestimmt  die  ganze  Gestalt  des  Berges  , der 
von  seinem  höchsten  Rücken  steil  nach  Norden  abstürzt , während  er  auf  dem 
sanftgewölbten  südlichen  Abhange  fruchtbare  Alpen  trägt.  Der  First  des  Ge- 
wölbes senkt  sich  ebenfalls  in  der  Streichrichtung , östlich  unter  die  Kreide- 
gebilde der  Mittagfluh , westlich  unter  die  des  Hohen  Koyen.  Dieses  allmälige 
Hinabsenken  der  Schichten  nach  drei  Richtungen  (West,  Süd,  Ost)  unter  jüngere 
erlaubt  bei  der  regelmässigen  Auflagerung  der  letzteren  die  ganze  Schichtfolge 
genauer  kennen  zu  lernen.  Sorgfältigere  Untersuchung  wird  vielleicht  eine  grös- 
sere Reihe  von  Formationsgliedern  des  Jura  zu  Tage  fördern;  mir  gelang  es 
unter  den  Spatangenkalken  nur  zwei  durch  Versteinerungen  charakterisirte, 
sicher  getrennte  Formationsglieder  nachzuweisen,  deren  eines  der  schon  von 
Herrn  Es  eher  beschriebene  Jurakalk  ist,  während  das  andere  dem  Neocom  an- 
gehört und  im  folgenden  Abschnitt  beschrieben  werden  soll. 

Dicht  bei  dem  Dorfe  Au  bildet  eine  entblösste  Schichtenfläche  des  dickban- 
kigen Jurakalkes  eine  steile  Wand  , welche  unmittelbar  in  die  Bregenzer  Ache 
abstürzt.  Hier  sind  ausserordentlich  zahlreiche  Ammoniten  im  Kalksteine  einge- 


164 


Ferdinand  Freiherr  von  Bichlhofen. 


[78] 

schlossen,  meist,  wie  schon  Herr  Es  eher  fand,  von  der  Form  des  Amm.  biplex 
später  fanden  die  Herren  Es  eher,  Merian  und  Suess  ausser  dieser  Art  noch: 
Amm.  Zignodianusd’ Orb.,  Amm.  Lamberti Sow.,  Amm.  convolutus Schl.,  Belemn. 
semihastatus,  Terebratula  globata  und  andere  Formen,  welche  das  Gebilde  an 
die  Grenze  von  braunem  und  weissem  Jura  stellen. 

E scher  stellte  es  in  das  Niveau  des  Oxfordien,  und  diese  Annahme  wird 
fast  zur  Gewissheit , wenn  man  den  Kalk  von  Au  mit  dem  dickbankigen  des 
Fläscher  Berges  vergleicht.  Beide  sind  einander  sehr  ähnlich,  während  der  Kalk 
von  Au  weiter  im  Osten  nirgends  mehr  ein  Analogon  findet.  Es  scheint  daher, 
dass  auch  die  Canisfluh  noch  ein  verlorener  Posten  der  schweizerischen  Jurafor- 
mation ist,  wohl  der  letzte  gegen  Osten. 

Ein  drittes  Mal  treten  jurassische  Gebilde  am  Feuer stätter  Berg  bei 
Sibratsgföll  an  der  Grenze  Vorarlbergs  gegen  das  Algäu  auf.  Herr  Giimbel  und 
ich  besuchten  diese  noch  unbekannt  gewesene  Stelle  auf  Anzeichen  hin,  welche 
derselbe  im  ßachgerölle  gefunden  hatte.  Die  steilwandige  Gipfelmasse  besteht 
aus  einem  vielfach  gewundenen  Complex  von  Kieselkalken,  sie  sind  hart,  spröde, 
gelb  , roth  , weiss  und  grau  gefärbt  und  führen  häufig  Feuersteinknolleu.  Von 
Versteinerungen  gelang  es  nur  Bruchstücke  von  Belemniten  und  Aptychen  zu 
finden,  doch  erkannte  Herr  Gümbel  mit  grosser  Sicherheit  in  den  Gesteinen  die 
Ammergaue r Wetzsteinschiefer,  ein  Formationsglied,  welches  von  hier 
an  östlich  sehr  verbreitet  ist.  Als  oberstes  Glied  fanden  wir  sandige,  etwas 
flyschähnliche  Kalkmergel,  welche  gleichfalls  noch  Belemniten  führen.  Das  ganze 
System  taucht  aus  der  Kreide  hervor,  dort  wo  diese  an  Flysch  grenzt,  so  dass 
schon  der  Nordabhang  der  Gipfelmasse  in  den  Flysch  hinabfällt. 

Die  Verschiedenheit  dieser  drei  Jura-Inseln  im  Sedimentgebirge  Vorarlbergs 
zeigt,  dass  hier  das  Gebiet  ist,  wo  sich  die  östliche  und  die  westliche  (schweize- 
rische) Entwickelungsform  dieser  Formation  begegnen.  Es  scheint  nur  der  oberste 
Theil  der  letzteren  vertreten  zu  sein  und  die  beiden  verschiedenen  Gebilde  dürften 
verschiedene  Niveau's  in  dieser  kleinen  Abtheilung  bezeichnen;  welches  aber  das 
höhere  ist,  ob  der  dunkle  Kalk  von  Au  und  dem  Fläscher  Berg  oder  die  Kiesel- 
kalke des  Feuerstätter  Berges,  dies  lässt  sich  vorläufig  noch  nicht  mit  Sicherheit 
entscheiden. 


b)  Kreideformation. 


Die  charakteristische  Gliederung  der  Kreideformatiou  im  proven^alisch- 
schweizerisch-vorarlbergischen  Becken  wird  seit  langer  Zeit  durch  die  Reihen- 
folge: Spatangenkalk,  Schratten-  oder  Caprotinen-Kalk,  Gault,  Seewerkalk  und 
Seewermergel  dargestellt.  Dazu  kommt  seit  einiger  Zeit  das  von  Herrn  Desor 
aufgestellte  Valanginien  und  in  Vorarlberg  haben  wir  noch  ein  weiter  ver- 
breitetes Glied  der  Kreideformation,  die  Rossfelder  Schichten,  hinzuzufügen.  Es 
scheint  sich  folgende  Reihenfolge  dem  Alter  nach  als  die  richtigste  zu  ergeben : 


1.  Rossfelder  Schichten. 

2.  Valanginien  (?), 

3.  Spatangenkalk, 


4.  Caprotinenkalk, 

5.  Gault, 

6.  Seewerkalk  und  Seewermergel. 


1.  Rossfelder  Schichten. 

Mit  diesem  Namen  wurde  bekanntlich  in  den  Arbeiten  der  geologischen 
Reichsanstalt  ein  dem  Neoeomien  angehöriges  Schichtensystem  eingeführt,  wel- 
ches auf  dem  petrefactenreichen  Rossfeld  bei  Hallein  auftritt  und  dort  in  bestimmt 


["79]  Pie  Kalkalpen  ?on  Vorarlberg  und  Nord-Tirol.  165 

geschiedene  Abtheilungen  weisser  Aptychenkalke , mergeliger  und  sandiger 
Schichten  zerfällt.  Es  führt  sehr  häufig  Aptychus  Didayi  Coqd.  und  zahlreiche 
Cephalopoden.  Man  fand  das  Schichtensystem  bald  darauf  sehr  verbreitet  am 
Nordrand  der  Alpen  und  wir  werden  vielfach  Gelegenheit  haben , es  in  Tirol 
zu  nennen. 

Fast  überall  lagern  die  Didayi-Schiehten  den  obersten  Gliedern  des  Jura 
parallel  und  sind  wegen  der  Aehnlichkeit  der  Gesteine  oft  schwer  zu  trennen;  fast 
immer  auch  sind  beide  gleichmässig  gehoben.  Jn  Vorarlberg  treten  die  Rossfelder 
Schichten  nur  sehr  isolirt  an  der  Canisfluh  auf,  wo  sie  neben  dem  Jurakalk 
von  Au  das  zweite  der  oben  angedeuteten  Glieder  unter  dem  Spatangenkalk 
sind.  Grosse  entblösste  Schichtenflächen  bilden  den  sanften  Südabhang  dieses 
Berges  von  seiner  ostwestlichen  Höhenlinie  bis  hinab  zur  Canisalp.  Von  hier 
abwärts  gegen  Au  kommt  man  sehr  allmälig  zu  den  terrassenförmig  hervortreten- 
den, sich  gleichfalls  nach  der  Bergfläche  ausdehnenden  älteren  Schichten,  bis 
man  in  Au  selbst  die  oben  erwähnten  versteinerungsreichen  Jurakalke  erreicht. 

Diese  obersten  Schichten  der  Canisfluh  führen  Apt.  Didayi  und  andere 
wenig  bestimmbare  Versteinerungen,  besonders  in  grosser  Zahl  Belemniten  und 
Ammoniten,  welche  letztere  auf  den  entblössten  Schichtflächen  sichtbar  werden. 
Der  Wechsel  des  Gesteines  ist  nicht  so  bedeutend  wie  in  den  Ostalpen;  es  treten 
fast  ausschliesslich  graue  mergelige  Kalke  auf,  mit  einer  Schichtungsmächtigkeifc 
von  Ys  bis  2 Fuss.  Die  Fläche  neigt  sich  von  der  Höhe  des  Berges  allmälig  in 
die  hochgelegene  Mulde  der  Canisalp  hinab,  bei  der  die  bedeckenden  schwarzen 
Spatangenkalk-Schichten  sichtbar  werden,  welche  sich  in  steilen  Wänden  zu  dem 
der  Canisfluh  parallelen,  die  Hochmulde  südlich  begrenzenden  Zug  des  Hoch- 
glockners  und  der  Mittagspitz  aufbauen  (s.  Profil  XXII,  XXIII).  Diese  klare 
Zwischenlagerung  ist  im  weiteren  Verlauf  zwischen  Jura  und  Spatangenkalk  nicht 
zu  beobachten,  da  die  Grenze  meist  verdeckt  ist;  nur  bei  der  Hochstetter  Alp 
an  dem  gegen  Mellau  gekehrten  Abhang  treten  dieselben  Schichten  noch  ein- 
mal versteinerungsreich  auf.  Ihre  Mächtigkeit  lässt  sich  nicht  angeben. 

So  wie  in  Vorarlberg  dieses  Vorkommen  der  Rossfelder  Schichten  vollkom- 
men isolirt  ist  und  sie  sich  hier  aufs  Engste  den  Juraschicbten  ansehliessen,  so  ist 
es  auch  wenn  wir  uns  nach  dem  weiteren  Verbreitungsbezirk  dieses  Formations- 
gliedes in  unserem  Kreidegebiet  umsehen.  Studer  führ!  *)  aus  der  Stockhorn- 
kette „Neocomien  mit  ganz  verändertem  petrographisehen  und  paläontologi- 
schem  Charakter“  an,  aus  dem  (wie  bei  der  Canisfluh)  der  höchste  Kamm  mit 
seinen  Felsstöcken  besteht.  „Die  Petrefacten  zeigen  die  merkwürdige  Fauna 
ungewöhnlicher  Cephalopoden,  Ammoniten,  Crioceras , Ancyloceras , breiter  Belem- 
niten, welche  den  Neocomien  der  Provence  bei  Bareme,  Castellane,  Eseragnolles 
auszeichnen  und  im  gewöhnlichen  Neocomien  der  Alpen  und  des  Jura  beinahe 
ganz  fehlen“.  Es  fanden  sich  u.  a.  Belemn.  bipartitus  d'Orb.,  dilatatus  BL,  latus 
Bl. , Amm.  sabfimbriatus  d’Orb .,  A.  infundibulum  d’Orb.,  elypeiformis  d'Orb., 
Crioceras  Duvalii  Leym.,  Cr.  Villiersianum  d’Orb.,  Ancyloceras  dilatatum 
d' Orb.,  Anc.  pul  eher  rimum  d’Orb.,  Aptychus  Didayi.  Westlich  setzen  die 
Gesteine  der  Stockhornkette  fort  bis  zum  Genfer-See;  darüber  hinaus  in  den 
Voirons *  3)  fand  sich  dieselbe  eigenthümliche  Facies  des  Neocomien,  dieselbe 
enge  Verbindung  mit  Oxfordkalk.  Auch  eine  Loealität  in  der  unmittelbaren  öst- 
lichen Fortsetzung  der  Stockhornkette,  bei  Merligen  und  am  Sulzi  jenseits 


9 Geologie  der  Alpen.  II,  Seite  71  ff. 

3)  A.  a.  0.  Seite  73. 


166 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[80] 

des  Thuner  Sees,  welche  Stu  d er  zum  Spatangenkalk  stellt  *)»  dürfte  mit  Sicher- 
heit hieher  zu  rechnen  sein.  Es  fanden  sich  dort:  Ptychoceras , Toxoceras , 
Baculites,  Hamites  (?),  ferner  Bel.  bipartitus,  B.  ditatatus , Ammon,  crypto- 
ceras,  A.  asperrimus , Aptychus  Didayi. 

So  füllen  die  Canisfluh  und  ihre  Analoga  in  der  Schweiz  die  grosse  Lücke 
aus,  welche  zwischen  den  paläontologisch  so  nahe  stehenden  Neocombildungen 
der  Provence,  des  Rossfeldes  und  den  fernen  Beskiden  zu  herrschen 
schien.  Die  Canisfluh  zeigt  ausserdem  mit  Bestimmtheit,  dass  das  Neocom  jener 
Länder  keine  blosse  Facies  des  schweizerischen,  sondern  als  ein  tieferes  dem 
Oxfordien  nahe  stehendes  Glied  davon  zu  trennen  ist. 

2.  Etage  Valanginien  (Desor). 

Diese  zuerst  von  Ca  m piche  als  unterstes  Glied  des  Neocom  beobachtete 
und  von  Desor *  2)  auf  Grund  der  von  Jenem  gesammelten  Versteinerungen  als 
mit  keinem  bekannten  Neocomgebilde  vereinbar  erwiesene  Abtheilung  erregte 
in  den  letzten  Jahren  so  sehr  das  Interesse,  dass  es  nahe  lag,  sie  auch  in  Vor- 
arlberg aufzusuchen.  Sie  wurde  in  den  oberen  Thälern  des  Neufchateler  und 
französischen  Jura  (La  Chaux-de-Fonds , Metabief  u.  s.  w.)  und  bei  Douane  am 
Bieler  See  entdeckt,  gleichzeitig  von  Esc  her  am  Säntis.  Im  Jahre  1867  theilte 
Herr  Desor  bei  Gelegenheit  der  Versammlung  der  schweizerischen  Natur- 
forscher in  Trogen  mit,  dass  sich  das  Valanginien  um  alle  aus  Jura  gebildeten 
Höhen  bei  Neufehatel  herumziehe  und  folgende  dreifache  Gliederung  erkennen 
lasse: 

a)  (zu  unterst)  blaue  Mergel, 

b ) quarzreicher  Kalkstein,  mehrere  hundert  Fuss  mächtig, 

c)  eisenstein-  (limonit-)  reiche  Schichten  von  Metabief,  hierüber  folgen  die 

„Mergel  von  Rodry“  und  dann  erst  das  eigentliche  Neocomien. 

Als  charakterische  Versteinerungen  wurden  angesehen : Pygurus  rostratus 
Ag .,  Nucleolites  Neocomiensis  Ag .,  Toxaster  Campichei  Des.  u.  A. 

Gleichzeitig  legteHerrEsc  h er  v.  d.Linth  der  Versammlung  eine  in  grossem 
Maassstabe  ausgeführte  Karte  des  Säntis-Gebirges  mit  mehreren  ungemein  lehr- 
reichen Durchschnitten  vor.  Es  ergab  sich  dort  folgende  Gliederung  der  tiefsten 
Kreideschichten : 

a ) Oolithischer  Kalkstein, 

h)  Kalkstein,  reich  an  Quarzkörnern,  ohne  Eisen,  führt  Pygurus  rostratus  Ag. 

und  ist  daher  das  typische  Glied  des  Valanginien, 

c)  kieseliger  Kalk,  Toxaster  Säntisianus , 

d)  knolliger  Kalk  mit  Mergel,  Toxaster  Brunneri. 

In  Vorarlberg  gelang  es  mir  nicht,  eine  einzige  der  das  Valanginien  charak- 
terisirenden  Versteinerungen  aufzufinden,  eben  so  wenig  werden  solche  in  früheren 
Arbeiten  erwähnt.  Es  fehlt  daher  an  paläontologischen  Beweisen  für  das  Vorkom- 
men des  interessanten  Formationsgliedes  und  es  bleiben  nur  Schichtenbau  und 
Gesteinscharakter  als  einzige  Anhaltspunkte,  um  wenigstens  mit  einiger  Wahr- 
scheinlichkeit das  Fortstreichen  des  Valanginien  vom  hohen  Säntis  bis  nach  Vor- 
arlberg darzuthun.  An  drei  Stellen  scheinen  die  Verhältnisse  die  Deutung  gewisser 
Schichten  als  mit  den  in  Rede  stehenden  von  Neufchachtel  identisch  zu  gestatten. 


1)  A.  a.  0.  Seite  68. 

2)  Desor:  Quelques  mots  sur  V etage  inferieur  du  groupe  neocomien  (etage  Valanginien ). 
Bull,  de  la  Soc.  des  Sciences  nat.  de  Neufehatel.  T.  ///,  1854. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


167 


[81] 


Die  erste  ist  wiederum  an  der  Canisfluh.  Die  Jurakalke  fallen  flach  südlich. 
Hoch  darüber  lagern  ganz  conform  Spatangenkalke,  welche  den  Hohen  Glöck- 
ner zusammensetzen  und  in  steilem  Abhang  gegen  die  Canisalp  abgebrochen 
sind.  Die  Schichten  zwischen  beiden  Systemen  sind  ebenfalls  vollkommen  gleich- 
massig  mit  dem  Hangenden  und  Liegenden  gelagert;  ihre  Analyse  ergibt  natür- 
lich die  Gliederung  zwischen  oberem  Jura  und  Spatangenkalk.  Unmittelbar  dem 
Jura  aufgelagert  sind  die  eben  beschriebenen  Rossfelder  Schichten,  welche  am 
Rücken  der  Canisfluh  unter  dem  Hohen  Glöckner  hinabziehen.  Wenn  man  den 
Weg  von  der  oberen  Oberalp  (in  der  mehrfach  erwähnten  Einsattelung,  welche 
auch  die  Canisalp  trägt)  am  Ostabhange  des  Korbspitz  und  Hohen  Glöckners 
vorüber  nach  der  Korbalp  einschlägt,  so  kreuzt  man  das  regelmässige  Schich- 
tenprofil von  den  Rossfelder  Schichten  aufwärts  bis  zum  Gault.  Das  unmittelbar 
Hangende  von  jenen  bildet  die  mit  Alpenwiesen  bedeckte  Einsattelung.  Es  folgen 
ausserordentlich  quarzreiche  dunkle  Kalke,  welche  dem  Spatangenkalk  fremd 
sind,  dann  erst  entwickelt  sich  der  letztere  mit  seinem  gewöhnlichen  Charakter. 
Es  ist  kaum  zu  bezweifeln,  dass  die  Kalksteine  mit  Quarzkörnern,  welche  eine 
bedeutende  Mächtigkeit  besitzen,  das  Aequivalent  von  Escher’s  zweitem  Gliede 
(6)  des  Valanginien  sind. 

Die  zweite  Stelle  ist  am  Hoch-Ifer;  hier  baut  sich  aus  dem  Grunde  des 
tiefen  Ifer-Tobls  aus  schwach  südlich  (Stunde  11)  geneigten,  sonst  aber  in  ihrer 
Lagerung  ungestörten  Schichten  die  1500  Fuss  hohe  Iferwand  auf.  Juraschichten 
treten  an  ihrem  Fuss,  wie  es  scheint,  nicht  auf.  Unmittelbar  über  mächtigen 
Massen  von  Steingeröll  folgt: 

a)  schwärzlichgrauer,  kieseliger  Kalkstein,  von  weissen  Kalkspathadern 
durchzogen.  Das  Gestein  unterscheidet  sich  von  vielen  in  höherem  Niveau 
auftretenden  nur  durch  seinen  bedeutenden  Kieselgehalt, 

b ) dunkler  Kalkstein  mit  vielen  Quarzkörnern ; auch  dieser  ist  kieselig  und  nach 
Gümbel  partienweise  krystallinisch, 

c)  Gümbel  fand  diese  Schichte  nach  oben  übergehend  in  „einen  sehr  diinn- 
bankigen,  ebengeschichteten  Sandstein  von  weisslichgrauer  Farbe,  welcher 
ausgewittert  fast  wie  die  obere  Lage  des  Gaultsandsteines  aussieht“. 

Hierüber  folgen  typische  schwarze  mergelige  Spatangen-Kalkschichten.  Die 
Schichte  c)  beobachtete  ich  nicht;  es  ist  zu  bemerken,  dass  in  dem  höheren 
Neocomien  derartige  Schichten  nicht  selten  Vorkommen,  daher  ihre  Stellung 
zweifelhaft  bleiben  muss.  Besonders  ist  es  das  gegen  40  Fuss  mächtige  System 
von  b),  welches  auf  Valanginien  zu  deuten  scheint,  da  quarzreiche  Schichten 
höher  hinauf  noch  nicht  beobachtet  wurden. 

Endlich  dürfte  des  Valanginien  noch  in  der  Umgebung  des  Hohen  Frese  hen 
vorhanden  sein.  Es  ist  hier  der  verworrenste  Theil  des  Kreidegebietes;  die  ent- 
blössten  Steilwände  zeigen  so  vielfache  Biegungen  und  Zusammenfaltungen,  dass 
die  Schichtenreihe  schwer  zu  entziffern  ist;  dennoch  lässt  sich  in  einem  Durch- 
schnitt vom  Nord  nach  Süd  die  allmälige  Aufeinanderfolge  der  Hauptglieder  klar 
erkennen.  Hat  man  von  der  hohen  Kugel  südwärts  über  die  Kugelalp  nach  Latora 
wandernd  den  Seewerkalk  überschritten,  so  gelangt  man  plötzlich  (am  Hörndl) 
zu  einer  weithin  zu  verfolgenden,  nach  Stunde  6 streichenden  scharfen  Grenz- 
linie, wo  den  jüngsten  Kreideschichten  abermals  die  ältesten  aufliegen,  von  denen 
man  über  den  Hohen  Freschen  fort  im  Hangenden  allmälig  wieder  die  jüngeren 
Glieder  bis  zu  regelmässig  aufgelagerten  Nummuliten-  und  Flyschschichten 
erreicht.  Auf  dem  bezeichneten  Wege  stösst  man  an  der  Ueberstürzungslinie  un- 
mittelbar auf  versteinerungsreiche  typische  Spatangenkalk-Schichten,  während 

22 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  II.  Heit. 


168 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


rs2] 

weiter  westlich  dieselben  quarzreichen  Kalke  auftreten,  wie  am  Hohen  Glöckner  und 
Hohen  Ifer.  In  der  Umgebung  des  Hohen  Freschen  treten  sie  durch  die  gross- 
artigen Störungen  noch  hier  und  da  zu  Tage  und  scheinen  bis  gegen  St.  Victors- 
berg fortzusetzen. 

Das  Vorhandensein  des  Valanginien  im  Kreidegebiete  von  Vorarlberg  kann 
natürlich  nicht  als  erwiesen  gelten,  so  lange  nicht  durch  Versteinerungen  die 
Aequivalenz  der  Schichten  entschieden  ist.  Allein  so  unsicher  auch  oft  die  Schlüsse 
aus  dem  petrographischen  Charakter  bei  Sedimentgesteinen  sind,  kann  man  doch 
in  engbegrenzten  Gebieten  und  bei  gleichzeitiger  Berücksichtigung  der  Lage- 
rungsverhältnisse diesen  Weg  oft  mit  grosser  Sicherheit  einschlagen.  In  unserem 
Falle  überdies  wäre  es  in  der  That  auffallend,  wenn  ein  Formationsglied,  das  bei 
Neufchatel  und  am  Säntis  durch  gleiche  Gesteine  vertreten  ist  und  an  dem 
letzteren  Berge,  dem  Urbilde  des  Gebirgsbaues  in  unserem  ganzen  Kreidegebiet, 
noch  so  mächtig  auftritt,  jenseits  des  Rheinthaies,  das  auf  die  Schichtenentwicke- 
lung der  Kreide  gar  keinen  Einfluss  hat,  plötzlich  verschwinden  sollte;  in  solchem 
Falle,  da  man  das  Fortstreichen  nach  Vorarlberg  a priori  erwarten  müsste,  kann 
man  wohl,  wenn  man  dasselbe  Gestein  in  demselben  Niveau  vorlindet,  den  Schluss 
auf  Aequivalenz  mit  hinreichender  Sicherheit  ziehen. 

Es  bleibt  nun  noch  übrig,  das  Verhältnis  der  Rossfelder  Schichten  zum 
Valanginien  festzustellen.  Früher  hatte  man  den  Spatangenkalk  als  unterstes  Glied 
des  Neocomien,  somit  als  den  Eröffner  der  Kreideformation  angesehen.  Desor 
trennte  das  Valanginien  nicht  als  Glied  des  Neocomien,  sondern  als  besondere 
gleichberechtigte  Etage  unter  demselben;  es  schliesst  sich  demnach  dem  Jura  innig 
an  und  seine  unteren  Schichten  wurden  früher  für  jurassisch  gehalten;  erst  ein 
genaueres  Studium  erwies  die  engere  Verwandtschaft  mit  der  Kreide.  Anderer- 
seits hatten  wir  gesehen,  dass  die  Aptychus  Didayi  führenden  Schichten  der 
Canisfluh  ihres  geognostischen  und  paläontologischen  Verhaltens  wegen  von  dem 
Spatangus  retusus  führenden  schweizerischen  Neocomien  gleichfalls  scharf  zu 
trennen  seien  und  dass  sie  sich  geognostisch  auf  das  Engste  den  Oxford-Schichten 
anschliessen;  letzteres  ist  allenthalben,  wo  immer  sie  Vorkommen,  in  solchem 
Maasse  der  Fall,  dass  nur  eine  genaue  Speciesbestimmung  sie  davon  zu  trennen 
vermochte.  Das  östliche  Gebiet  wird  dafür  weitere  Belege  liefern.  Welches  Ge- 
bilde ist  nun  älter,  Valanginien  oder  Didayi-Kalk? 

Berücksichtiget  man  die  innige  geognostische  Vereinigung  von  Valan- 
ginien und  Neocomien,  die  erst  durch  die  Echinodermen-Studien  eines  Desor 
getrennt  werden  konnten  und  andererseits  die  Trennung  der  beiden  Gebilde  der 
Canisfluh,  wo  man  gänzlich  verschiedene  Formationen  zu  sehen  glaubt,  so  dürfte 
schon  hierin  ein  Grund  liegen,  die  Didayi-Schichten  für  älter,  dem  Spatangen- 
kalk ferner  stehend,  zu  betrachten.  Die  Lagerungsverhältnisse  an  der  Canisfluh 
würden  dies  mit  grosser  Bestimmtheit  erweisen,  wenn  in  jenen  quarzführenden 
Schichten  nur  eine  einzige  Versteinerung  des  Valanginien  vorhanden  wäre.  Was 
die  Fauna  betrifft,  so  ist  den  Arten  nach  die  der  Didayi-Schichten  eben  so  weit 
von  der  des  Valanginien  entfernt,  als  beide  von  der  Fauna  des  Spatangenkalkes; 
dem  allgemeinen  Charakter  nach  aber  steht  die  der  Didayi-Schichten  ungleich 
ferner,  da  sie  zugleich  eine  andere  Facies  darstellt.  An  allen  Orten,  wo  ihre 
Fauna  getrennt  untersucht  wurde,  hat  man  kaum  eine  Art  als  gemeinschaftlich 
mit  dem  Spatangenkalke  auffinden  können.  Das  Studer’sche  Verzeichniss  gibt, 
wie  gezeigt  wurde,  die  Arten  aus  beiden  Etagen  zusammen. 

Sind  auch  diese  Gründe  für  einen  Beweis  noch  zu  schwach,  so  glauben  wir 
doch  in  unserem  Kreide-Becken  die  Rossfelder  Schichten  mit  Ammon . Didayi 
als  unterstes  Glied  setzen  zu  müssen;  ihnen  folgt  das  Etage  Valanginien  und  dann 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


169 


[83] 


erst  das  Neocomien  mit  seiner  unteren  und  oberen  Abtheilung,  welche  als  Spatan- 
genkalk  und  Caprotinenkalk  bekannt  sind. 


3.  Spatangenkalk. 

Dieses  Glied  ist  durch  seine  Mächtigkeit  bei  weitem  das  herrschende  in  der 
Kreideformation  Vorarlbergs  und  nimmt  wohl  drei  Viertheile  der  Oberfläche  des 
ganzen  Gebietes  ein,  dessen  Charakter  dadurch  wesentlich  bestimmt  wird.  Der 
Name  stammt  von  dem  leitenden  Spatangus  retusus  Lam.\  in  Vorarlberg  kommt 
er  selten  vor,  während  manche  andere  Versteinerungen  durch  das  ganze  System 
verbreitet  sind.  Die  untere  Grenze  ist  meist  verhüllt  und  dort,  wo  sie  aufge- 
schlossen ist,  durch  den  Uebergang  in  das  Valanginien  unklar,  während  die  obere 
durch  die  Auflagerung  des  stets  charakteristisch  auftretenden  Caprotinenkalkes 
scharf  und  bestimmt  ausgesprochen  ist. 

Die  Gesteine  dieses  Formationsgliedes  zeichnen  sieb  im  Allgemeinen  durch 
das  Vorherrschen  und  stete  Wiederkehren  schwarzer  verhärteter  Mergel  aus,  die 
zum  Theil  an  der  Luft  aschblau  verwittern.  Ausserdem  kommen  dieselben  Gesteine 
vor,  welche  Studer  aus  der  Schweiz  anführt:  „innige  Gemenge  von  Kalk, 
Kieselsand  und  Thon,  die  zwischen  Kalkstein  und  Sandstein  schwanken“.  Ferner 
finden  sich  schwarzgraue,  mit  weissen  Kalkspath-  und  gelben  Bitterspath-Adern 
durchzogene  Kalke,  andere,  welche  dünnbankig  und  von  wulstig  herausgewitter- 
ten, kieseligen  Ausscheidungen  durchzogen  werden,  so  dass  sie  gewissen  Flysch- 
gesteinen  täuschend  ähnlich  sind.  Schwarze  mergelig  kalkige  Schiefer  sind 
allenthalben  zwischengelagert.  Drei  Merkmale  zeichnen  diese  Gesteine  aus,  so 
dass  man  sie  stets  leicht  wiedererkennt,  das  ist  zunächst  die  stets  dunkle,  schwärz- 
liche Färbung,  ferner  die  grünen  Eisenoxydulsilicat-  (Glaukonit-)  Körner,  welche 
besonders  die  festeren  Schichten  in  grosser  Menge  erfüllen  und  im  frischen  Ge- 
steindurchscheinend sind,  aber  durch  Verwitterung  leicht  braun  und  undurchsichtig 
werden.  In  den  parallelen  Gesteinen  der  Schweiz  sollen  diese  Körnchen  nach 
Esch  er  noch  ungleich  häufiger  Vorkommen  *).  In  den  weichen  mergeligen 
Schichten  beobachtete  ich  die  Glaukonitkörnchen  nicht,  dagegen  tritt  hier  ein 
feiner  Quarzsand  auf,  der  dem  Gestein  in  ungleichem  Verhältnisse  beigemengt  ist 
und  oft  so  vorherrscht,  dass  es  vom  Grünsand  des  Gault  nicht  zu  unterscheiden 
ist.  Das  dritte  für  die  vorarlbergischen  Kreidegesteine  überaus  charakteristische, 
für  diejenigen  der  Schweiz  nicht  angeführte  Merkmal  ist  die  oolithische  Structur 
fast  aller  festeren  Schichten.  Die  oolithischen  Körnchen  erreichen  selten 
über  i/2  Linie  im  Durchmesser  und  sind  von  unregelmässiger  Gestalt.  Meist 
sind  sie  dunkler  als  der  bindende  Kalk,  dem  die  Glaukonitkörnchen  beigemengt 
sind. 

Was  die  Aufeinanderfolge  dieser  petrographiseh  verschiedenen  Schichten 
betrifft,  so  besteht  stets  der  untere  Theil  aus  vorwiegend  mergeligen  Gesteinen, 
während  nach  oben  die  kalkigen  Schichten  häufiger  und  mächtiger  werden. 
Wiederum  dient  die  Wand  des  Hohen  Ifers  als  bestes  Beispiel.  Doch  auch  in 
allen  anderen  Theilen  des  Gebietes  findet  sich  dieselbe  Folge.  So  treten  in  der 
ganzen  Umgebung  von  Bezau  und  Bizau  nur  die  jüngeren  Schichten  zu  Tage  und 
zeichnen  sich  durch  ihre  feste  Gesteinsbeschaffenheit  mit  sparsamen  thonigen 
Zwischenlagen  aus.  Ganz  anders  im  Mellenthal,  wo  die  tieferen  Schichten  vor- 
herrschen. Steigt  man  aus  dem  Kessel  des  Siinser  See’s  herab,  so  durchschreitet 


*)  Vorarlberg.  Seite  10. 


22 


170 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[84] 

man,  nachdem  man  Flysch,  Nummulitenkalk  und  einige  Seewer- Schichten  verlassen 
hat,  das  ganze  umgekehrte  Kreidesystem;  zuerst  erscheinen  schwarze  Neocom- 
Mergel  mit  Spatangus  retusus,  über  deren  schlüpfrige  Abhänge  der  Weg 
steil  nach  der  obersten  Alpe  herabführt.  Erst  kurz  vor  derselben  folgt  eine  stei- 
lere Wand  von  festeren  Schichten.  Ueber  hohe  Terrassen  mit  prachtvollen 
Wasserfällen  steigt  man  von  Alpe  zu  Alpe  hinab.  Die  letzte  Terrasse  wird  von 
Caprotinenkalk  gebildet  und  darunter  treten  Gaultsandsteine  und  weisse  splittrige 
Seewerkalke  charakteristisch  auf.  Weiter  thalabwärts  hat  man  noch  vielfach 
Gelegenheit  den  Wechsel  der  Neocomschichten  kennen  zu  lernen.  Bei  Hohenems 
bildet  ein  weisser,  grobkörniger,  schwarzadriger  Marmor,  der  sich  zu  grösseren 
Sculpturarbeiten  eignen  würde,  in  nicht  unbedeutender  Mächtigkeit  die  höchsten 
Schichten  des  Spatangenkalkes.  Der  Weg  über  die  Alpe  Gsohl  nach  der  Hohen 
Kugel  führt  zweimal  über  dieses  Grenzgestein  hinweg.  Unmittelbar  darunter 
folgt  zwar  eine  mergelige  Schicht  welche  eine  Unzahl  von  Exogyra  Couloni  Df. 
umschliesst,  allein  nur  um  im  Liegenden  noch  sehr  mächtigen  Kalken  Platz  zu 
machen.  Weiterhin  gegen  Klien  umschliesst  dieselbe  mergelige  Schicht  eine  Bank 
der  Ostrea  macroptera , in  der  sich  eine  grosse  Menge  anderer  Thiere  festgesetzt 
haben.  In  dem  ganzen  Gebiete  finden  sich  die  Versteinerungen  in  grösster  Zahl 
in  den  weicheren  zwischengelagerten  Mergeln  der  oberen  kalkigen  Abtheilung. 
Einzelne  derselben  lassen  sich  in  grosser  Erstreckung  verfolgen,  so  besonders 
ein  Schichtensystem  von  geringer  Mächtigkeit,  welches  am  Bezeck  zwischen 
Bezau  und  Andelsbuch  ungemein  versteinerungsreich  auftritt  und  östlich  bei 
Schönebach,  so  wie  im  westlichen  Tlieile  des  Gebietes  unter  der  Burg  Hohenems 
mit  den  gleichen  Eigenschaften  wiederkehrt.  Die  beiden  Austernbänke  sind  nur 
locale  Facies  derselben  Schicht. 

Die  Mächtigkeit  des  Spatangenkalkes  lässt  sich  nur  am  Nordabsturz  des 
hohen  Ifer  schätzen,  wo  sie  über  den  als  Valanginien  gedeuteten  Schichten  noch 
900 — 1000  Fuss  betragen  mag;  sie  dürfte  der  in  der  Schweiz  beobachteten 
wenig  nachstehen,  da  Studer  sie  am  Faulhorn  zu  500  Meter  angibt  und  das 
Valanginien  nicht  ausgeschieden  hat. 

Die  Fauna  des  Spatangenkalkes  in  Vorarlberg  ist  überaus  reich,  aber  fast 
ausschliesslich  auf  die  eben  angeführten,  der  oberen  Abtheilung  eingelagerten 
Schichten  beschränkt,  in  denen  Petrefacten  oft  massenhaft  zusammengehäuft  sind. 
Den  in  der  Schweiz  so  häufigen  Spatangus  retusus  Lam.  fand  ich  nur  am  Ur- 
sprünge desMellenthales  in  den  tiefsten  Schichten  des  Formationsgliedes.  Toxaster 
complanatus  Ag.  kömmt  höher  hinauf  vor.  Ostrea  macroptera  d'Orb.  ist  überaus 
häufig  und  Exogyra  Couloni  erfüllt  südlich  von  Hohenems  ganze  Bänke  mit  ihren 
dicken  gekielten  Schalen.  Andere  Austern  kommen  in  Unzahl  und  in  grosser 
Mannigfaltigkeit  der  Arten  vor,  so  besonders  am  Bezeck  und  an  der  Austernbank 
bei  Klien.  An  beiden  Stellen  sind  Terebrateln  in  Menge  zwischen  den  Schalen 
zerstreut,  insbesondere  die  verbreiteten  Arten  Terebratula  praelonga  Sow., 
Ter.  depressa  d'  Orb.,  Ter.  tamarindus , Ter.  lata  d'  Orb.;  ferner  finden  sich 
Belemniten  {Bel.  bipartitus (?)  d’Orb.,  Bel.  subfusiformis  Basp.,  letzterer  von 
Gümbel  angeführt),  auch  unbestimmbare  Spuren  von  Ammoniten,  endlich  sehr 
häufig  Korallen  und  besonders  Bryozoen,  die  aber  weniger  an  den  Gesteins- 
charakter gebunden  sind. 

4.  Schrattenkalk  (oder  Caprotinenkalk). 

Das  oberste  Glied  des  im  schweizerisch-provensalischen  Kreidebecken  auf- 
tretenden Neocomien  hat  man  als  Schrattenkalk  (nach  dem  in  Entlibuch 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


171 


[88] 


„Schratten“  genannten  Karrenfeldern  des  Berges  Schratten1)»  Rudistenkalk 
(Stu der),  Hierogi} phenkalk,  Caprotinenkalk  u.  s.  w.  bezeichnet  und  als  Reprä- 
sentanten des  Neoeomien  B von  d'Orbigny  oder  Etage  ZJrgonien  d’Orb.  fest- 
gestellt. Es  zeichnet  sich  in  Vorarlberg  und  am  Grünten  durch  dieselben  Eigen- 
schaftenaus,  die  in  seinem  ganzen  Verbreitungsgebiete  angeführt  werden.  Ein  hell- 
grauer bis  weisser,  fester  und  spröder  Kalkstein  bildet  mit  wenig  wechselnden» 
Charakter  das  ausschliesslich  vorkommende  Gestein.  Seine  senkrecht  abgebro- 
chenen, der  Verwitterung  Trotz  bietenden  mauerartigen  Schichten  contrastiren 
durch  ihre  Schroffheit  auffallend  gegen  das  dunkle,  nur  an  den  Nordabhängen 
steil  abztürzende  Neoeomien,  so  wie  gegen  die  fruchtbareren  Schichten  des  Gault, 
von  denen  er  in  der  Regel  bedeckt  ist.  Meist  krönt  er  in  tafelartiger  Ausbreitung 
die  bewaldeten  und  mit  Alpen  bedeckten  Abhänge  der  Mergelgesteine  als  ein 
weithin  sichtbares,  landschaftlich  schöne  Abwechslung  bedingendes  Band,  oben 
aber  breitet  er  sich  zu  den  scharfkantig  ausgewitterten,  wild  zerrissenen  Karren- 
feldern aus,  „die  als  hellgraue  fast  weisse  Felsflächen,  wie  Gletscher  das  Grün 
der  Alpenweiden  und  Wälder  unterbrechen^.  Für  den  Geologen  ist  dieser  Gesteins- 
charakter ungemein  wohlthätig,  da  er  einen  leicht  erkennbaren  sicheren  Horizont 
in  dem  sonst  so  vielgestaltigen  Kreidegebiete  gewährt;  indem  das  Flötz  jeder 
Schichtenbiegung  folgt,  gibt  es  schon  aus  der  Ferne  ein  klares  Bild  des  geo- 
gnostischen  Baues  und  ist  allein  geeignet  in  den  vielen  Ueberstürzungen  das  nor- 
male Verhalten  herauserkennen  zu  lassen. 

Die  bereits  bei  einigen  Neocomiengesteinen  erwähnte  o o 1 i t h i s c h e S t r u c- 
tur  wird  bei  dem  Caprotinenkalk  fast  zur  Norm;  die  Körner  sind  heller  als  die 
Grundmasse  und  unregelmässig  gestaltet.  Auch  hier  kommen  Glaukonitkörnchen 
vor,  jedoch  sparsamer  als  im  Neoeomien.  Die  dichten  splittrigen  Gesteine  enthalten 
meist  mit  Ausnahme  einiger  Caprotinen  keine  deutlichen  Versteinerungen,  sondern 
nur  in  Kalkspath  verwandelte  unbestimmbare  Schalen;  je  vollkommener  aber  die 
oolithische  Structur,  desto  grösser  wird  der  Reichthum  an  Versteinerungen.  Oft 
sind  dieselben,  insbesondere  die  kleinen  Korallen,  Bryozoen  und  Foraminiferen, 
so  zahlreich  neben  den  oolithischen  Körnchen  zusammengehäuft,  dass  Gümbel 
das  Gestein  dem  sogenannten  Granitmarmor  aus  der  Nummulitenformation  von 
Neubeuern  vergleicht2).  Meist  sind  diese  Schichten  sehr  hell;  gegen  die  Grenze 
des  Neoeomien  werden  sie  gewöhnlich  dunkler,  zuweilen  auch,  wie  bei  Hohenems, 
gleichzeitig  durch  mergelige  Beimengungen  weich,  daher  die  zahlreichen  Capro- 
tinen sich  hier  mit  grosser  Leichtigkeit  aus  dem  Gesteine  herauslösen  lassen. 

Die  Mächtigkeit  schwankt  zwischen  50  und  150  Fuss,  in  der  Schweiz  gibt 
sie  Stu  der  bis  100  Meter  an. 

Von  der  durch  die  Schweizer  Geologen  bekannt  gewordenen  Fauna  des 
Schrattenkalkes  brauche  ich  hier  kaum  etwas  zu  erwähnen,  da  sie  dort  schon  mit 
grosser  Genauigkeit  studirt  wurde.  Die  beiden  charakteristischen  Formen  Capro- 
tina  ammonia  d'  Orb.  und  Caprotina  gryphaeoides  d’Orb.  kommen  allenthalben 
in  grosser  Menge  vor,  und  auch  die  sonstige  Fauna  ist,  besonders  in  den  niederen 
Thierclassen,  reich  vertreten. 


5.  flaalt. 

Petrographisch  scharf  getrennt  lagert  dem  Caprotinenkalke  eine  Reihe  von 
Schichten  auf,  die  sich  durch  das  Vorherrschen  von  Sandsteinen  und  durch  grüne 


D Studer,  a.  a.  0.  Seite  76. 

2)  Der  Grünten,  eine  geognostische  Skizze.  München  1856.  Seite  10. 


172 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[86] 

Färbung  auszeichnen.  Sie  wurden  in  der  Schweiz  längst  als  ein  fast  vollkommenes 
Aequivalent  des  Terrain  Albien  von  d’Orbigny  erwiesen  und  von  Studer  nach 
ihrem  geognostischen , von  Pictet  nach  ihrem  paläontologischen  Charakter  be- 
schrieben. Zuweilen  sieht  man  die  Schichten  in  braunroth  verwitterten  Mauern 
entblösst,  weit  häufiger  aber  bilden  sie  sanfte  heraste  Gehänge,  die  dort,  wo 
Sandstein  vorherrscht,  die  Vegetation  verlieren  und  die  Schichten  zu  Tage  treten 
lassen.  Die  Mannigfaltigkeit  des  petrographischen  Charakters  ist  bedeutend  grosser 
als  in  dem  gleichförmigen  Caprotinen-Flötze.  Folgende  von  Esc  her1)  gegebene 
Uebersicht  der  Gesteinsabänderungen  dürfte  erschöpfend  sein. 

a)  Dunkelgrüne  kalkige  Schiefer,  oft  sehr  verwitterbar , oft  von  bedeutender 
Festigkeit,  nicht  selten  übergehend  in 

ß)  knolligen  Kalkstein,  in  welchem  der  grüne  Schiefer  die  Zwischenräume 
zwischen  den  oft  sehr  langgezogenen,  unregelmässigen  Ausscheidungen  des 
meist  dunkelblaugrauen,  hier  und  da  grünlich  gesprenkelten  Kalksteins  ein- 
nimmt und  der  Auflösung  gewöhnlich  stärker  widersteht,  daher  in  1 — 3 Linien 
hohen  welligen  Grätchen  an  der  ausgewitterten  Oberfläche  hervorragt.  Mit 
diesem  Knollenkalk  nahe  verwandt  ist 

•y)  kieseliger,  meist  äusserst  feinkörniger  Kalkstein  mit  auf  der  verw  itterten 
Oberfläche  ausragenden  unrein  kieseligen  Knauern  und  oft  reich  an  grünen 
Körnchen,  daher  in  vielen  Fällen  petrographisch  nicht  zu  unterscheiden 
vom  Kieselkalk  des  Neocomien. 

0)  Quarziger  feinkörniger  Sandstein,  gewöhnlich  in  Folge  der  grossen  Zahl 
beigemengter  grüner  Körnchen  gelblich  und  grünlich  gesprenkelt,  im  Allge- 
meinen massig. 

s)  Pentacriniten-Breecie,  gewöhnlich  dunkelblaugrau,  mehr  oder  minder  grob, 
oder  feinspäthig-körnig,  mit  nicht  selten  deutlichen  ausgewitterten  Pentacri- 
nitengliedern. 

Der  Gault  ist  in  seiner  ganzen  Erstreckung  durch  die  Verschiedenartigkeit 
der  Schichtenfolge  und  der  Mächtigkeit  charakterisirt.  Doch  dürfte  die  erstere 
in  der  letzteren  ihre  Begründung  finden,  indem  bald  nur  die  obere,  bald  die  ganze 
Folge  entwickelt  ist.  In  der  Schweiz  erreicht  er  mehr  als  100  Fuss  Mächtigkeit, 
am  Grünten  nach  Gümbel  nur  an  30 — 40  Fuss;  in  Vorarlberg  wechselt  sie, 
nimmt  aber  im  Allgemeinen  nach  dom  Ostufer  des  Kreidebeckens  hin  ab.  Dem 
entsprechend  ist  die  petrographische  Beschaffenheit.  Denn  wie  am  Grünten 
nur  Sandsteine  entwickelt  sind,  so  ist  es  auch  in  dem  zunächst  gelegenen  Thale 
Mittelberg  und  an  der  Subersalp  (westlich  vom  Hoch-Ifer);  hier  aber  nimmt  die 
Mächtigkeit  bedeutend  zu  und  schon  ein  wenig  weiter  westlich,  im  Thale  von 
Bizau , treten  unter  den  sandigen  Schichten  die  unter  a,  ß und  y beschriebenen 
auf.  Eisenkiesreiche,  zähe,  grüne  Schiefer  mit  Hornstein-  und  Kalkknollen  sind 
besonders  am  Wege  von  Bezau  nach  Schönebach  als  das  unmittelbar  Hangende  des 
Caprotinenkalkes  aufgeschlossen,  also  entsprechend  der  Lagerung  in  der  Schweiz. 
Bei  dem  Badeorte  Beutte  nehmen  diese  Schiefer  Eisenerz  auf  und  scheinen,  nach 
losen  umherliegenden  Blöcken  zu  urtheilen , versteinerungsreich  zu  sein.  Es 
ergibt  sich  also  im  Allgemeinen  eine  untere  schieferige  und  eine  obere  sandige 
Abtheilung.  Die  Encrinitenschicht  (s)  gehört  der  letzteren  an  und  ist  daher  auch 
am  Grünten  entwickelt.  Das  in  anderen  Gegenden,  auch  noch  am  Säntis  unge- 
mein versteinerungsreiche  Schichtensystem  zeigt  in  Vorarlberg  nur  eine  sehr 
sparsame  Fauna  in  wenigen  undeutlichen  Formen.  Es  eher  erwähnt  Ammonites 


J)  Vorarlberg.  Seite  13. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


173 


[87] 


Milletianus  und  Discoidea  rotula  Ag.  \ om  Margarethen -Kapf1)  bei  Feldkirch, 
dem  Hauptfundorte  für  Vorarlberg.  Es  gelang  mir  nicht,  mehr  bestimmbare  For- 
men zu  entdecken.  Vom  Grünten  erwähnt  Gümbel  acht  Arten. 

6.  Seewerschichten. 

Dieses  Schichtensystem,  das  von  dem  Vorkommen  zu  Seewer  bei  Schwyz, 
wo  es  durch  grosse  Steinbrüche  entblösst  ist,  den  Namen  führt,  erfüllt  in  Vorarl- 
berg wie  in  der  Schweiz  die  Lücke  zwischen  Gault  und  Nummulitenbildung.  Seine 
genauere  Parallelisirurig  bleibt  aber  nach  den  bisherigen  geringen  Anhaltspunkten 
unsicher.  Es  eher  sucht  zu  zeigen  (Vorarlberg  p.  14),  dass  es  vielleicht  den 
ganzen  Complex  von  Cenoman,  Turon  und  Senon  repräsentirt,  auf  Grund  mehrerer 
Versteinerungen  aus  diesen  drei  Etagen,  welche  im  Seewer  der  Schweiz  gefunden 
wurden.  Es  sind  dies : Salenia  petalifera  Ag.  und  Holaster  suborbicularis  Ag. 
aus  dem  Cenoman,  Holaster  subglobosus  Ag.  aus  dem  Turon,  endlich  Anan- 
chytes  ovatas  Lam .,  Micraster  cor  anguinum  Ag.  (?),  Inoceramus  Cuvieri 
d'Orb.,  Ammonites  Gollevillensis  d Orb.  (?)  aus  dem  Senon.  Die  erste  und  dritte 
Species  des  letzteren  Etage  wurden  auch  in  Vorarlberg  gefunden.  Wenn  wir 
darum  schon  aus  paläontologischen  Gründen  nicht  mit  Herrn  Gümbel  ein  beson- 
deres Etage Seew er ien  unterscheiden  können,  das  seine  Stellung  zwischen  Albien 
und  Cenomanien  haben  soll  und  nach  dem  Vorkommen  eines  als  Exogyra  Columba 
bestimmten  Petrefactes  ausgeschieden  wurde,  so  scheinen  auch  die  Lagerungs- 
verhältnisse in  Vorarlberg  mehr  für  Herrn  Escher’s  Annahme  zu  sprechen,  da 
zwischen  Gault  und  Nummulitenschichten  eine  ununterbrochene  parallele  Abla- 
gerung stattfindet.  Nirgends  ist  dies  klarer  als  in  dem  später  näher  zu  beschrei- 
benden Profil  von  Hohenems  nach  der  Hohen  Kugel.  Ueberhaupt  ist  für  das  Stu- 
dium der  Seewer-Schichten  keinTheil  von  Vorarlberg  geeigneter  als  die  Umgegend 
von  Hohenems,  wo  man  allenthalben  die  ganze  Schichtenreihe  vom  Neoeom  bis 
zum  Nummulitenkalk  in  den  klarsten  Profilen  durchwandern  kann.  Die  auch  in 
der  Schweiz  nur  200  Fuss  betragende  Mächtigkeit  steigt  an  der  Hohen  Kugel, 
deren  ganzer  oberer  Theil  mit  Ausnahme  der  höchsten  Spitze  aus  Seewerbildun- 
gen  besteht,  zu  wenigstens  3 — 600  Fuss;  es  steht  aber  nicht  fest,  ob  die  Mäch- 
tigkeit durch  eine  Faltung  zu  diesem  Betrage  gesteigert  wird. 

Der  untere  Theil  der  Formation,  der  den  Gault  unmittelbar  überlagert,  ist 
ein  heller,  sehr  spröder  und  splittriger  kieseliger  Kalk  mit  vielen  schlecht  erhal- 
tenen Belemniten.  Er  ist  mit  keinen  anderen  Gesteinen  der  Kreideformation  zu 
verwechseln.  Die  einzelnen  Schichten  sind  sehr  mächtig  und  bilden  häufig  zackig 
ausgewitterte  Riffe  und  Karrenfelder,  ähnlich  dem  Caprotinenkalk.  Höher  hinauf 
verliert  sich  der  Kieselgehalt  und  ein  klein  wenig  Thonerde  tritt  an  seine  Stelle. 
Der  Gesteinscharakter  wird  nun  ein  wesentlich  verschiedener.  Die  mächtige 
Schichtung  löst  sich  in  ein  unvollkommen  schiefriges  Gefüge  auf.  Der  Kalk  zer- 
fällt in  dünne  unebene  Tafeln  und  ist  in  seiner  ganzen  Masse  von  dunkleren, 
vielfach  verästelten  Flecken  durchzogen,  welche  die  Gestalt  von  Algen  haben  und 
wohl  von  solchen  herrühren ; niemals  jedoch  kommen  die  für  die  Fleckenmergel 
des  Lias  charakteristischen  Formen  vor,  es  sind  mehr  langgezogene , gerade 
Stengel  von  geringer  Breite.  Ausserdem  kommen  in  den  unbestimmt  dünnschichtig 
abgesonderten  Kalken  viele  Inoceramen  vor,  die  als  Inoceramus  Cripsii  bestimmt 
wurden.  Sie  sind  charakteristisch  für  die  Schicht;  ihre  Durchschnitte  lassen  sich 


0 Der  Ardetzerberg  wird  in  einer  tiefen  senkrechten  Kluft  von  der  111  durchbrochen  und  in 
die  beiden  „Käpfe“  gespalten,  dies  ist  der  südliche. 


174 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[88] 

überall  leicht  erkennen,  wenn  es  gleich  fast  unmöglich  ist,  eine  Schale  bloss- 
zulegen.  Gümbel  fand  unweit  Dornbirn  Ananchytes  ovatus.  Auch  unbestimmte 
Belemniten  kommen  hin  und  wieder  vor. 

Ohne  scharfe  Abgrenzung  folgen  auf  diese  Schicht  dünnschieferige  weiche 
Mergel,  welche  mit  steilem  Einfallen  längs  des  ganzen  Weges  von  Hohenems 
nach  Reuttele  entblösst  sind.  Meist  dienen  sie  wegen  ihrer  weichen  Beschaffenheit 
zu  Thalauswaschungen  (bei  Hohenems  und  im  Imsgrund  östlich  von  Bezau),  und 
da  sie  überdies  häufig  bewachsen  sind,  so  lassen  sie  sich,  was  Vorarlberg 
betrifft,  sehr  selten  beobachten.  So  treten  sie  am  Südabhange  des  Hohen 
Freschen  mit  Bestimmtheit  nicht  auf ; hier  liegt  eine  Nummulitenschicht 
unmittelbar  auf  den  erwähnten  Inoceramen  führenden  Gesteinen.  Auch  Es  eher 
und  Gümbel  erwähnen  ihrer  nicht,  daher  sie  trotz  ihrer  nicht  unbedeutenden 
Mächtigkeit  vielleicht  nur  als  eine  der  Gegend  von  Hohenems  angehörende  Modi- 
fication  anzusehen  sind,  vielleicht  auch  schon  der  hier  eng  damit  verbundenen 
Nummulitenformation  angehören. 

Die  am  Säntis  und  am  Grünten  vorkommende,  mit  rothen  Hornsteinlagern 
verbundene  rothe  und  rothbraune  Färbung  einzelner  Schichtencomplexe  beobach- 
tete ich  in  Vorarlberg  nicht. 

Die  Fauna  beschränkt  sich  auf  das  Wenige,  das  wir  bereits  erwähnten. 

B.  Verbreitung  und  L a g e r u n g. 

Studer  sagt  *)  von  der  schweizerischen  Kreideformation : „Es  scheint  die 
Zeit,  während  welcher  diese  Bildungen  sich  ablagerten,  in  unseren  Alpen  eine 
sehr  bewegte  gew  esen  zu  sein.  Die  Formationsfolgehat  sich  nur  selten  vollständig 
ausgebildet;  bald  fehlt  dieses  Glied,  bald  jenes,  und  die  Lücke  deutet  auf  ein 
Trockenliegen  der  Unterlage  während  dieser  Epoche  der  Ablagerung,  auf  eine 
Hebung  vor  derselben;  bald  ist  eine  Formation  zu  ungewöhnlicher  Mächtigkeit 
angewachsen,  als  ob  in  einem  anhaltend  sich  tiefer  senkenden  Meeresgründe 
die  Ablagerungen  vorzugsweise  sich  angehäuft  hätten“. 

Diese  Worte  gelten  für  die  Verhältnisse  diesseits  des  Rheins  nicht  mehr; 
durch  ganz  Vorarlberg  bis  zum  Grünten  ist  die  Ablagerung  im  Allgemeinen  eine 
sehr  gleichmässige  und  ruhige  gewesen.  Ueberall  finden  wir  eine  sich  gleich- 
bleibende Ausbildung  und  wo  immer  ein  sicheres  Profil  aufgeschlossen  ist,  da 
zeigt  es  den  ebenmässigen  Bau  durch  das  ganze  Gebiet.  Der  Uebergang  von 
jenen  gestörten  Kreidebildungen  der  West-Schweiz  in  die  ruhig  abgelagerten  des 
östlichen  Rheingebietes  ist  allmälig  und  wurde  ebenfalls  schon  von  Studer 
angedeutet,  indem  er  im  Gegensätze  zu  jenen  Worten  hinzufügt:  „in  der  mittle- 
ren und  östlichen  Schweiz  sind,  wie  in  einem  Theile  von  Savoyen,  alle  Stufen  der 
Bildung  entwickelt“.  Ein  Blick  auf  die  von  demselben  Geologen  entworfene 
Karte  der  Schweiz  zeigt  dies  mit  grosser  Klarheit. 

Allein  so  ruhig  während  der  langen  Periode  die  Ablagerung  erfolgte,  so 
bedeutend  waren  die  späteren  Störungen  des  Gebirgsbaues.  Das  mächtige 
Kreidesystem  wurde  in  seinem  ganzen  Schichtencomplex  wellig  gebogen,  über- 
stürzt und  zu  einem  in  grossen  zusammenhängenden  Massen  aus  dem  eocenen 
Meere  herausragenden  Gebirgsland  umgewandelt,  um  gegen  Ende  der  eocenen 
Periode  noch  einmal  an  den  gewaltigen  Revolutionen  Theil  zu  nehmen,  welche, 
die  mächtigsten  in  der  Geschichte  der  Nordalpen,  den  Flysch,  zu  6000  Fuss 


U Geologie  der  Schweiz.  II,  Seite  65. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


175 


[89] 

hohen  Bergzügen  emporgehoben  und  es  vermochte,  in  weiter  Erstreckung  (von 
Mittelberg  bis  Vaduz)  den  Complex  der  Triasschichten  auf  den  Flysch  hinaufzu- 
schieben. So  kommt  es,  dass  das  Kreidegebirge  ein  völlig  selbstständiges 
Gebiet  einnimmt,  das  von  mehreren  Seiten  vom  Flysch  umschlossen  wird.  Inner- 
halb des  Gebietes  aber  findet  im  Gebirgsbau  eine  Regelmässigkeit  statt,  wie  sie 
selten  in  den  Alpen  anzutreffen  ist.  Langgestreckte  Rücken  ziehen  von  West 
nach  Ost  (Stunde  5)  und  wo  sie  im  Westen  von  Thälern  durchbrochen  werden, 
da  erkennt  man  in  der  Biegung  der  Schichten  an  den  Wänden  der  Durchbruchs- 
spalten die  deutliche  Fortsetzung  bis  in’s  Rheinthal,  während  sich  im  Osten  die 
Züge  unter  dem  bedeckenden  Flysch  verlieren.  Jeder  Rücken  entspricht  einer 
Wölbung  der  Schichten.  Diese  steigen  von  Süden  her  allmälig  an,  biegen  an 
einer  langgezogenen,  dem  Streichen  folgenden  Höhenlinie  plötzlich  um  und  fallen 
steil,  oft  senkrecht,  selbst  überstürzt,  gegen  Norden  ab.  Oft  wird  die  Höhenlinie 
durch  eine  scharfe  Kante  gebildet,  an  der  die  Abhänge  unter  einem  rechten 
Winkel  zusammenstossen.  So  entsteht  ein  System  von  parallelen  Sturzwellen, 
zwischen  denen  eben  so  viele  Thäler  von  ähnlicher,  aber  umgekehrter  Form  das 
vielverzweigte,  eigenthümliche  Thalsystem  der  Bregenzer  Ache  bilden. 

Der  Knotenpunkt  des  Kreidegebiets  ist  die  Canisfluh;  ihr  grossartiges 
Juragewölbe  gibt  den  Schlüssel  zum  Verständnisse  aller  Hebungsverhältnisse. 
Aus  den  umgebenden  Kreidebildungen  heraus  zu  mehr  als  6000  Fuss  Höhe  em- 
porgehoben und  nur  von  einem  einzigen  Neocomgipfel  der  nächsten  Umgebung 
(Mittagspitz)  überragt,  scheint  sie  zugleich  den  wahren  Hebungsmittelpunkt  zu 
bilden.  Wir  müssen  daher  ihren  Bau  betrachten , ehe  wir  uns  zu  dem  der 
Kreideberge  wenden. 

Kommt  man  von  Norden,  so  erscheint  die  Canisfluh  als  eine  wahre  Fluh, 
man  sieht  eine  kolossale,  fast  senkrechte  Felswand  von  4000  Fuss  Höhe  aus  dem 
Thalgrunde  aufsteigen;  ihr  oberer  Theil  ist  eine  aus  horizontal  scheinenden 
Schichten  aufgebaute  Mauer,  die  sich  in  einzelne  Gipfel  auflöst.  Ganz  anders 
von  Süden.  Wer  von  Hopfreben  nach  Schoppernau  abwärts  wandert  und  aus  der 
engen  Schlucht  tritt , in  welcher  die  Bregenzer  Ache  den  südlichen  Flyschzug 
durchbricht,  der  wird  überrascht  von  der  grossartigen  Massenentfaltung  in  der 
der  König  der  Berge  des  Bregenzer  Waldes  mit  seiner  östlichen  Fortsetzung,  der 
Hirschbergfluh  erscheint.  Beide  erweisen  sich  von  hier  aus  als  eine  Gebirgs- 
masse,  die  durch  eine  tiefe  und  schroffe  Querspalte  in  die  zwei  Fluhe  getrennt 
ist.  Mit  sanfter  Wölbung  ziehen  die  Schichten  herab , welche  die  besten  Alp- 
weiden des  Bregenzer  Waldes  tragen , und  contrastiren  malerisch  gegen  die 
schroffen  Wände  der  Spalte.  Steht  man  endlich  in  dieser,  so  hat  man  das  Profil, 
welches  jene  verschiedenen  Ansichten  veranlasst,  in  prachtvoller  Entblössung  vor 
Augen.  Man  sieht  klar  wie  von  der  Höhe  die  Schichten  gegen  Norden  steil  ab- 
stiirzen  , im  obersten  Theil  aber  abgebrochen  sind,  daher  jener  mauerartige 
Aufbau  !).  Ungleich  deutlicher  noch  sieht  man  das  steile  nördliche  Umbiegen  der 
Schichtenein  wenig  weiter  westlich  bei  der  Hochstetter  Alp  über  Mellau, 
wo  man  unmittelbar  vor  einer  Felswand  mit  ausgezeichneter  Entblössung  der 
Schichten  steht  (Fig.  34). 

Weniger  klar  sind  die  Verhältnisse  nach  Ost  und  West  aufgeschlossen. 
Nach  beiden  Seiten  setzt  der  Rücken  des  Gewölbes  fort,  nimmt  allmälig  an  Höhe 
ab  und  verschwind  et  westlich  am  Hohen  Koyen,  östlich  an  der  Hirschberg- 
fluh  unter  den  mächtig  sich  aufthürmenden  Schichten  des Spatangenkalkes.  Der 
Kern  des  Gewölbes  besteht  aus  dem  schon  beschriebenen  Jurakalk,  der  bei  Au 


0 Siehe  Profil  XXIII. 

Ii.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Baud,  1861  und  1862.  11.  Heft. 


17(5 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[90] 

allein  herrscht , da  hier 
die  Neocomienschichten  im 
Thalgrunde  verborgen  sind. 
Erst  wenn  man  beim  Auf- 
stieg allmälig  die  höheren 
Schalen  erreicht , kommt 
man  zu  den  Kalken  mit 
Aptychus  Didayi,  die  sich 
zur  Gipfelmasse  aufschich- 
ten. Der  Gipfel  ist  der  lehr- 
reichste, interessanteste  und 
landschaftlich  schönste  Aus- 
sichtspunkt des  Bregenzer 
Waldes.  Die  trigonometri- 
sche Pyramide  steht  unmit- 
telbar an  dem  4000  Fuss  senkrecht  abstürzenden  Abhang.  In  der  Tiefe  fliesst 
die  Bregenzer  Ache  dem  Rücken  parallel,  um  bei  Mellau  den  nördlich  vor- 
liegenden Rücken  rechtwinklig  zu  durchbrechen.  Jenseits  des  tiefen  Thaies 
breitet  sich  das  Kreidegebiet  aus,  das  sich  von  allen  Seiten  um  den  Aussichts- 
punkt herumzieht. 

Steigt  man  von  der  Höhe  herab,  so  kommt  man  fast  allseitig  auf  die  schwar- 
zen Schichten  des  Spatangenkalkes , welche  sich  mantelförmig  um  das  Jurage- 
wölbe lagern,  oder  vielmehr  der  Hebung  der  Centralmasse  folgen  mussten  und 
daher  stets  den  Abhängen  parallel  liegen.  Die  Aufschlüsse  sind  dadurch  hier  so 
klar,  dass  wir  zur  weiteren  Uebersicht  des  Kreidegebietes  am  zweckmässigsten 
von  dem  Knotenpunkt  der  Canisfluh  ausgehen.  Ein  nordsüdlicher  Durchschnitt 
über  die  Höhe  hinweg  zeigt  am  klarsten  in  seinen  allgemeinen  Grundzügen  den 
Gebirgsbau  der  vorarlbergischen  Kreide.  Dann  erst  werden  wir  die  von  dem 
Profil  durchschnittenen  Rücken  in  ihrer  ostwestlichen  (Stunde  5)  Streichungs- 
richtung nach  dem  Algäu  und  in  das  Rheinthal  verfolgen. 

I.  Nordsüdliches  Profil  von  Andelsbuch  über  Bezau  und  die  Canisfluh 
nach  Tamüls.  (Profil  XXIII.) 

Der  Sattel  zwischen  Canisfluh  und  Hoch- Glöckner  und  sein  Schichten- 
bau wurden  bereits  oben  bei  der  Frage  nach  dem  Vorkommen  des  Etage 
Valanginien  beschrieben.  Wendet  man  sich  vom  Sattel  südlich , so  kommt 
man  zunächst  an  die  Steilwände  des  Hohen  Glöckners,  in  deren 
unterem  Theile  wir  das  Valanginien  nachzuweisen  suchten,  während  sich 
darüber  die  Spatangenkalke  aufbauen.  Bald  hört  die  Regelmässigkeit  des 
Schichtenbaues  auf  und  wenn  man  den  Weg  nach  der  Korbalp  einschlägt, 
so  entblösst  jede  Felswand  einige  wellige  Biegungen  und  Zusammenfaltungen. 
Ueber  dem  Neocomien  folgen  Gault  und  Seewer  , welche  an  diesen  auffallenden 
Störungen  theilnehmen,  so  dass  der  Weg  längs  dem  Südabhange  des  Hoch-Glock- 
ners  über  die  Korbalp,  Sachalp,  Hinteralp  nach  der  Ugner  Alp  am 
Fusse  der  Mittag-Spitz  über  einen  ununterbrochenen  Wechsel  der  drei 
Kreideglieder  führt.  Endlich  erscheint  bei  den  Häusern  von  Ugen  noch  einmal 
Gault,  darauf  Seewer  und  hierauf  unmittelbar  der  eocene  Intricaten-Flysch  , auf 
welchem  Tamüls  liegt.  Seine  Schichten  nehmen  nicht  an  den  Störungen  der 
Kreide  Theil , niemals  ist  eine  einzige  von  ihnen  in  einer  Falte  des  Seewer  an- 
zutreffen; eine  scharfe,  wiewohl  schwer  zu  verfolgende  Grenzlinie  trennt  beide 


Fig.  34. 


Wand  am  Westabhang  der  Canisfluh  von  der  Hochstetter-Alp  gesehen. 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


177 


[91] 


Formationen  und  dennoch  ist  derFlysch  in  seinem  ganzen Complex  noch  ungleich 
mehr  zusammengewunden  und  gefaltet  als  die  Kreide. 

Die  Erklärung  für  den  inneren  Bau  des  Hochglockner-Gebirges,  welcher  in 
gleicherweise  in  westlicher  Richtung  gegen  den  Hohen  Blanken  und  Hohen 
Fre  sehen  fortsetzt,  ist  in  der  Erhebung  der  Canisfluh  zu  suchen.  Mehr  als  eine 
Quadratmeile  nehmen  hier  die  Jura-  und  Rossfelder  Schichten  ein.  Von  diesem 
ganzen  Raume  hat  das  aus  der  Tiefe  sich  hebende  Gewölbe  die  Kreideschichten 
zur  Seite  geschoben,  so  dass  diese  nun  einen  in  sich  selbst  zusammengewundenen 
Complex  bilden  mussten.  Dies  fand  besonders  an  der  Südseite  statt,  da  hier  der 
in  der  Höhe  flache  Rücken  des  Berges  tiefer  hinab  gewölbter  und  steiler  ist,  da- 
her die  hangenden  Schichten  sehr  steil  aufgerichtet  wurden  und  ihrer  zähen  Be- 
schaffenheit wegen  in  sich  selbst  zusammensinken  mussten.  Dass  dergleichen 
Processe,  wo  immer  sie  Vorkommen,  unendliche  Perioden  in  Anspruch  genommen 
haben  und  niemals  plötzlich  von  Statten  gingen,  ist  wohl  entschieden  anzunehmen. 
Man  hat  die  Stetigkeit , mit  welcher  grosse  Schichtensysteme  allen  Biegungen 
folgen  ohne  einen  einzigen  Aufriss  zu  erleiden,  dadurch  zu  erklären  gesucht,  dass 
man  meinte , die  Schichten  seien  bei  der  Hebungskatastrophe  noch  in  weichem 
Zustande  gewesen.  Allein  abgesehen  davon,  dass  nach  der  Ablagerung  desSeewer 
die  Spatangenkalk-Schichten  kaum  mehr  insehr  weichem  Zustande  gewesen  sein 
dürften,  hätte  auch  durch  die  bedeutende  Kraft,  durch  welche  jene  Erscheinungen 
hervorgerufen  wurden  , die  ganze  Masse  der  Schichten  zu  einem  einzigen  Brei 
zusammengedrückt  werden  müssen , um  so  mehr , wenn  sie  in  fast  senkrechte 
Lage  kamen.  Waren  aber  die  Schichten  bereits  erhärtet,  so  hätte  ein  plötzliches 
Zusammenfalten  sie  zerreissen  und  zerbrechen  müssen  , es  würden  nur  aufge- 
häufte Trümmer  zu  sehen  sein. 

Noch  eine  Eigenthümlichkeit  zeigt  das  Kreidegebirge  südlich  der  Canisfluh. 
Es  fehlt  nämlich  hier  der  Caprotinenkalk  in  grosser  Erstreckung.  Irn  Fortstrei- 
chen tritt  er  erst  westlich  am  Hoch-Freschen  und  östlich  am  Hoch-Ifer  wieder 
charakteristisch  auf.  Dies  ist  eine  der  wenigen  Anomalien  im  Schichtenbaue  des 
Kreidegebirges. 

Wenden  wir  uns  von  der  Canisfluh  nach  Norden , so  überschreiten  wir  zu- 
nächst das  mit  Geröll  ausgefüllte  Thal  der  Bregenzer  Ache  bei  Hirschau.  Nach- 
dem sie  von  Süden  kommend  das  Juragewölbe  zwischen  Au  undSchnepfau 
durchbrochen  hat,  wendet  sie  sich  nach  West  und  fliesst  am  Fusse  des  Steilab- 
falles der  Canisfluh  hin,  bis  sich  ihr  das  Kreidegebirge  der  Mörzeispitz  entgegen- 
stellt und  sie  zu  abermaligem  nördlichem  Laufe  zwingt.  Das  Thal  ist  breit  und 
verbirgt  unter  seinen  Geröllmassen,  wie  aus  dem  Profile  hervorgeht,  wahrschein” 
lieh  die  Schichtenköpfe  des  Valanginien  und  der  unteren  mergeligen  Spatangen- 
Schichten.  Die  ersten  Gesteine  der  jenseitigen  Thalwand  gehören  den  oberen 
kalkigen  Neocomschichten  an,  denen  das  Caprotinenkalkflötz  mit  seiner  Gaultbe- 
deckung aufgelagert  ist;  das  ganze  System  biegt  sattelförmig  nach  Norden  um 
und  bedingt  hierdurch  die  schönen  Lagerungsverhältnisse  des  Gopfberges.  Diese 
sattelförmige  Lagerung  ist  die  einzige  Modification  , welche  das  Kreidegebirge 
nördlich  der  Canisfluh  durch  deren  Emporhebung  erlitten  hat.  Von  nun  an  durch- 
schneidet unser  Profil  nur  noch  eine  Reihe  paralleler  Kreiderücken,  welche  den 
normalen  Bau  des  ganzen  Gebiets  haben,  den  Bau  der  Canisfluh  mit  sanften  Süd- 
und  steilen  Nordabhängen.  Es  wiederholen  sich  in  diesem  Gebirge  dieselben 
Verhältnisse,  welche  sich  im  Trias-Lias-Gebiet  ergeben,  dieselben  nach  Norden 
überstürzten  Hebungswellen  , dieselben  steilen  Schichtenabbrüche  an  den  nach 
dieser  Himmelsrichtung  gekehrten  Abhängen,  dasselbe  Verschwinden  des  über- 
kippten Theils  der  Wellen  und  damit  dieselbe  regelmässig  wiederkehrende 

23* 


178 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[92] 

Auflagerung  älterer  Schichtensysteme  auf  jüngere.  Alle  diese  Eigenheiten  des 
Gebirgsbaues  der  nördlichen  Kalkalpen  sind  im  Kreidegebiete  regelmässiger  ent- 
wickelt als  in  dem  der  Trias-Lias-Gebilde,  wenngleich  die  Anomalien  nicht  in  so 
hohem  Grade  ausgebildet  sind  wie  dort.  Eigentlich  wellige  oder  muldenförmige 
Biegungen  gehören  zwar  auch  hier  zu  den  Ausnahmen  , aber  man  sieht  noch  oft 
den  nördlichen  Theil  der  Hebungswellen  schroff  abgebrochen  und  steil  aufge- 
richtet in  das  nördlich  anschliessende  Thal  hinabfallen.  Je  weiter  gegen  Norden, 
desto  stumpfer  wird  der  Neigungswinkel  und  endlich  folgen  die  deutlich- 
sten Ueberstürzungen,  welche  wir  im  Verlaufe  noch  mehrfach  nachweisen 
werden. 

Ehe  wir  in  eine  detaiilirtere  Beschreibung  der  Gegenden  eingehen , welche 
die  nördliche  Fortsetzung  des  Canisfluh-Profils  durchschneidet,  wenden  wrir  uns 
zur  Betrachtung  des  Gebirgsbaues  in  einem  westlicheren  Theile  des  Kreide- 
gebietes. 


2.  Umgegend  von  Hohenems. 

Nirgends  sind  die  Lagerungsverhältnisse  des  Kreidegebietes  mit  grösserer 
Klarheit  aufgeschlossen,  als  in  diesem  nordwestlichen  Theile,  der  sich  durch  die 
Vollständigkeit  der  Entwickelung  der  Schichten  eben  so  auszeichnet  wie  durch 
die  ungemeine  Einfachheit , in  der  die  grossartigsten  Störungen  mit  deutlichen 
Zügen  gezeichnet  und  in  zahlreichen  Profilen  auf  kleinem  Raume  entblösst  sind. 
Wir  beginnen  mit  dem 

Profil  von  Hohenems  nach  der  Hohen  Kugel,  welches  durch  die 
überaus  klare  Weise  , in  welcher  es  eine  vollkommen  überstürzte  Hebungswelle 
entblösst,  den  Schlüssel  zum  Gebirgsbaue  der  ganzen  Gegend  gibt.  Es  sind  in 
der  Zeichnung  (Prof.  XX  und  Fig.  36)  leicht  die  Durchschnitte  zweier  Haupt- 
wellen ersichtlich,  welche  nach  Osten  ein  wenig  divergiren,  indem  die  eine  nach 
Stunde  4,  die  andere  nach  Stunde  6 streicht;  die  erstere  zieht  von  Hohenems 
über  Klien  nach  dem  Röthelspitz  und  von  hier  in  östlicher  Richtung  (Stunde  6) 
weiter  nach  dem  Bezeck  und  Winterstauden.  In  ihrem  ganzen  Verlaufe  ist  sie 
nach  Norden  überstürzt  und  lagert  unmittelbar  dem  Flysch  auf;  sie  ist  daher  be- 
sonders wichtig  für  das  Verhalten  von  Kreide  und  Flysch.  Auf  den  Profilen  habe 
ich  sie  als  IV  bezeichnet.  Die  zweite  Welle  unseres  Profils  (mit  III  bezeichnet) 
beginnt,  gleichfalls  überstürzt , an  dem  isolirten  Kumer  Berg  im  Rheinthale  und 
streicht  nach  Stunde  5 über  den  Götzner  Berg,  die  Alpe  Gsohl  und  den  Schönen 
Mann  bei  Ebnit  nach  der  WeissenFluh  und  den  Bergen  westlich  von  Bezau,  von 
wo  sie  weiter  gegen  Osten  der  vorigen  parallel  verläuft.  Zwischen  beide  schieben 
sich  einige  kleinere,  aber  nicht  so  stark  überkippte  Aufbrüche  als  Kuhberg,  Stau- 
fenspitz u.  s.  w.  ein,  durch  die  sich  die  grosse  Mulde,  welche  eng  bei  Hohenems 
als  Tugsteinthal  beginnt  und  weiterhin  auf  hügeliger  Oberfläche  die  Häuser  von 
Emser  Reutte  und  Tugstein  trägt,  allmälig  in  ein  System  von  Mulden  und  Höhen 
verwandelt , das  aber  immer  den  beiden  Hauptwellen  , zwischen  die  es  einge- 
schlossen ist,  untergeordnet  bleibt. 

Der  Weg  von  Hohenems  nach  der  Hohen  Kugel  führt  nach  Ueberschreitung 
der  später  zu  beschreibenden 

i.  Numulitenschicht,  im  Anfänge  über  ein  vollständig  überstürztes  System  der 
Kreideschichten;  es  erscheinen  zunächst 
h.  graue  zerfallende  Mergel,  und 

g.  dünnschieferige,  fleckige  Kalke  und  Mergelkalke  der  Seewerbildung;  auf 
ihnen  liegt  die  Häusergruppe  von  St.  Anton.  Sie  fallen,  wie  alle  Schichten, 


[93] 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


179 


nach  Stunde  11  mit  75°,  oder  vielmehr  wegen  der  Ueberstürzung  mit 
90°  -f-  15°.  Es  folgen 

f.  die  weisslichen  und  gelblichen,  sehr  splitterigen  Kieselkalke  des  Seewer, 

e.  der  Gault  scheint  überwachsen  zu  sein. 

Diese  oberen  Kreideschichten  verschwinden  im  Westen  schon  bei  dem  Bad 
Schwefel,  dessen  Schwefelwasserstoff  führende  Heilquellen  in  den  dem  Gault 
zunächst  liegenden  Seewerkalkschichten  entspringen , nachdem  sie  ihren 
Schwefelwasserstoffgehalt  wahrscheinlich  aus  jenem  aufgenommen  haben. 
Um  so  mehr  dehnen  sie  sich  nach  Osten  aus  , wo  sie  längs  dem  Nordfuss 
des  Tugsteines  und  des  Schönen  Mann  zu  grösserer  Meereshöhe  ansteigen, 
und  sich , die  beiden  Dornbirner  Achen  übersetzend  , in  mannigfaltigem 
Schichtenverband  bis  zur  Weissenfluh  hinziehen. 

d.  Der  Caprotinenkalk  bildet  weithin  eine  ununterbrochene  steile  Mauer  am 
Gehänge,  die  sich  ebenfalls  westlich  von  Schwefel  in  die  Rheinebene  hinab- 
senkt, nachdem  sie  noch  einmal,  reich  an  charakteristischen  Caprotinen  auf- 
getreten ist.  Nur  an  wenigen  Stellen  gestattet  die  Steilheit  der  Mauer  einen 
Anstieg  zu  den  höheren  Schichten; 

c.  das  Neocom  beginnt  mit  dem  schon  erwähnten  weissen  schwarzgeaderten 
Marmor;  es  folgt  eine 

b.  Bank  von  Exogyra  Couloni,  in  schwarzen  mergeligen  Schichten; 

a.  Wechsel  verschiedener , meist  kalkiger  Neocomschichten.  Auf  ihnen  liegt 
die  Alpe  Gsohl  genau  an  der  Stelle,  wo  die  Schichten  umbiegen  und  da- 
durch eine  kleine  Unterbrechung  in  dem  steilen  Gehänge  veranlassen.  Bald 
aber  folgt  wieder 

b.  die  Exogyrenbank  und  im  tiefen  Tobl  weiter 

c.  der  weisse  Marmor,  endlich 

d.  die  steile  Stufe  des  Caprotinenkalks,  über  die  der  Bach  neben  dem  Weg  in 
Cascaden  herabstürzt.  Hiermit  erreicht  man  eine  neue  Terrasse. 

So  klar  dies  Profil  bis  hierher  schon  an  und  für  sich  ist,  so  gewinnt  es 
daran  noch  durch  eine  Queransicht  des  Tugsteins  , die  y2  Stunde  östlich 
von  Gsohl  in  prachtvoller  Entblössung  erscheint. 

Fig.  35. 


Tug-stein. 


1 Spatangenkalk.  2 Schrattenkalk.  3 Gault.  4 Seewerkalk.  5 Seewermergel.  6 Nummulitenmergel.  7 Nunimu- 

litenkalk. 

Die  steileren  Formen  , welche  den  Neocomschichten  im  Gegensätze  zu 
der  Sanftheit  der  darunter  und  darüber  folgenden  oberen  Kreide  eigen  sind. 


180 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


insbesondere  der  scharfe  obere  Abschnitt  der  Terrasse  lässt  auch  dieses 
wichtigste  Glied  , welches  den  Rücken  der  langgezogenen  überstürzten 
Welle  bildet,  leicht  verfolgen.  Westlich  sinkt  es  ebenfalls  am  Götzner 
Berg  bei  Götzis  mit  schroffem  Abbruche  in  die  Rheinebene,  erhebt  sich  aber 
daraus  noch  einmal  in  der  isolirten  Insel  des  Kumer  Rerges.  Gegen 
Osten  wird  die  Welle  vielfach  von  Thälern  durchbrochen  und  lässt  sich 
schwer  verfolgen.  Nachdem  sie  hier  den  Schönen  Mann  und  den  Rocksberg 
gebildet  hat,  scheint  sie  noch  eine  Strecke  fortzusetzen,  um,  so  viel  ich  bei 
Nebelwetter  beurtheilen  konnte,  in  der  Gegend  der  Alpe  Sehren  sich  unter 
dem  Gault  und  Seewer  zu  verlieren  , welche  bei  dem  Ausgangsprofile  dar- 
unter und  darüber  auftraten  , dort  im  Osten  aber  Alles  zu  überwölben  und 
zu  bedecken  scheinen.  Doch  die  Welle  setzt  unter  dieser  Wölbung  fort 
und  wir  werden  jenseits  der  Bregenzer  Ache  ihreFortsetzung  in  dem  Kreide- 
rücken (II)  zwischen  Bizauer  Bach  und  Gruben-Tobl  betrachten. 

Uebrigens  ist  zu  bemerken,  dass  das  Verhältniss  der  Ueberstürzung,  wie 
es  auf  Profil  XX  und  Fig.  36  so  deutlich  ist,  weiter  östlich  sich  in  eine  ein- 
fache Welle  mit  steilem  Nordabhange  verwandelt,  und  zwar  von  da  an,  wo 
sich  parallele  Secundärwellen  zwischen  IV  und  III  einschieben  (s.  Prof.  XXI). 

e.  Gault  bildet  die  sanfte  Fläche  der  lang  sich  hinziehenden  Stufe,  die  zahl- 
reiche Alpen  trägt.  Das  Gestein,  meist  Sandstein,  kommt  wenig  zu  Tage. 
f,g>h.  Seewerbildung.  Die  ungeheure  Mächtigkeit,  in  welcher  hier  dieses 
Glied  auftritt , wurde  bereits  erwähnt.  Zwei  steile  Abstürze  über  einander, 
durch  eine  waldige  Terrasse  getrennt,  bringen  das  wohl  5 — 600Fuss  mäch- 
tige System  der  flach  südlich  fallenden  , keinen  Anschein  von  Störung  tra- 
genden Schichten  deutlich  zu  Tage.  Zum  grössten  Theile  sind  es  die  dünn- 
schieferigen fleckigen  Kalke  mit  einigen  Belemniten  und  Inoceramen,  w elche 
die  ganze  obere  Masse  des  Berges  in  einer  Breite  von  mehr  als  einer  Vier- 
telmeile und  bedeutender  Längenerstreckung  bilden.  Allein  dieses  abnorme 
Auftreten  der  sonst  meist  untergeordneten  Seewerbildung  dürfte  seine  Er- 
klärung finden  durch 

e.  einen  grünlichen,  braun  verwitternden  , etwas  glimmerhaltigen  Sandstein, 
der  zwar  mancher  Flyschschicht  täuschend  ähnlich  ist , aber  sicher  zum 
Gault  zu  rechnen  ist,  wie  sich  auch  aus  den  weiteren  Verhältnissen  ergibt. 
Er  bildet  die  Spitze  der  Hohen  Kugel  und  den  Rücken  nach  Süden  fast  bis 
zur  KuglerAlp.  Noch  w ichtiger  aber,  und  wohl  die  gänzliche  Ueberstürzung 
der  Kreideschichten  beweisend,  ist  die  Wiederkehr  desselben  Sandsteins  auf 
dem  Hörndl  zwischen  Seewer  und  Neocomien,  und  er  ergibt  sich  um  so 
sicherer  als  Gault,  als  durchweg  die  benachbarten  Seewerschichten  jene 
hellen  splittrigen  Kalke  sind,  welche  stets  den  untersten  Theil  bilden.  Sie 
führen  bei  der  Kugler  Alp  viele  Belemniten.  Somit  erreichen  wir  hier  eine 
dritte  Welle(II),  die  später  betrachtet  werden  soll. 

Das  Gault-Seewer-Gebiet  der  Hohen  Kugel  zieht  sich  mit  abnehmender 
Breite  gegen  Westen  hinab  in  das  Rheinthal  und  erreicht  dasselbe  bei 
Klaus,  nachdem  es  vielen  Alpen  und  den  Häusern  von  Meschach  und  Fra- 
xern  Raum  gegeben  hat.  Die  Grenze  gegen  das  südliche  Neocomien  streicht 
hinab  nach  den  Hügeln  zwischen  Klaus  und  Weiler.  — Oestlich  von  der 
Kugel  zieht  unsere  Gault-Seewer-Zone  in  ansehnlicher  Breite  noch  weit  hin. 
Sie  trägt  das  einsame  Dörfchen  Ebrit  und  bildet  eine  breite,  mit  üppigen 
Alpen  (Hasengera,  Gunzm  oos  u.  s.  w.)  bedeckte,  von  tiefen  Tobln 
durchrissene  Fläche  längs  dem  Nordabhange  der  Mörzelsp  itz  und  des 
Guntenhangberges,  um  sich  endlich  mit  dem  nördlichen  Zuge  zu  ver- 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


181 


[95] 


binden  und  sich  zu  der  weiten  sumpfigen  und  torfigen  Fläche  der  Alpen : 


Untersehren,  Rohr  und  Sch 
Kreideschichten  verschwin- 
den unter  derselben , treten 
aber  östlich  wieder  hervor. 

Die  weitere  Entwickelung  die- 
se s Zuges  (II  und  III)  werden 
wir  später  betrachten. 
Nördlichster  Kreidezug 
(Nr. IV  der  Profile);  Lage rungs-  ~ 
verhältniss  gegen  den  1 
Fl y sch.  — Der  beschriebene  | 
charakteristisch  ausgebildete,  in  | 
allen  Theilen  klare  Kreidezug,  ist  r 
im  Norden  durch  das  Tugsteinthal  ~ 
von  einem  anderen  Kreidegewölbe  | 
getrennt,  welches  von  der  Burg  ~ 
Hohenems  nach  dem  Klaus-  » 
her  g und  dem  Winterstau  den 
zieht,  und  in  seinem  ganzen  Ver-  “ 
lauf  analog  dem  westlichen  Theile  | 
des  vorhergehenden  Zuges  gebaut 
ist;  es  ist  insofern  von  besonderer  » 
Wichtigkeit,  als  es  das  Verhältniss  % 
der  Kreide  zu  dem  nördlichen  E; 
Flyschzuge  darstellt.  Es  war  schon  Z 
Murchison  bekannt  und  wird 
genauer  von  Esch  er  und  Güm-  | 
bei  erörtert,  dass  der  Abhang  zwi-  g 
sehen  Dornbirn  und  Hohenems  die  I 

<T> 

umgekehrte  Kreidefolge  zu  Tage  “ 
bringt.  Auf  Flysch  liegt  Nummuli-  * 
tenkalk,  darauf  Seewer,  Gault,  in  I 
dessen  sandigen  feinkörnigen  e. 
Schichten  Schleifsteinbrüche  (bei  | 
Klien)  angelegt  sind  , ferner  Ca-  | 
protinenkalk  mit  vielen  Caprotinen  ^ 
und  Neocomien,  welches  mit  dick-  ° 
bankigen  Kalken  beginnt,  denen  g 
die  oben  erwähnte  mergelige  Bank  I 
von  Ostrea  macroptera  mit  unzäh-  | 
ligen  Versteinerungen  eingelagert  j? 
ist.  Indem  in  der  bezeichneten  „ 
Richtung  eine  Schicht  nach  der  2 
anderen  sich  allmälig  in  die  Thal-  | 
sohle  hinabsenkt,  wird  hier  eines 
der  schönsten  Kreideprofile  ent- 
blösst.  Bei  Unter-Klien  kommt  das 
Caprotinenflötz  herab;  von  da  an 
steht  bis  Hohenems  nur  noch  Neo- 
comien an,  das  die  weitläufigen 


ellenvorsüss  auszubreiten.  Die  älteren 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


182 


[96] 


Ruinen  der  Burg,  der  einstigen  Ritter  von  Hohenems  trägt.  Der  Abhang  gestaltet 
sich  dadurch  wie  Fig.  36  zeigt. 

Der  Grund  dieser  Lagerung  und  ihr  Zusammenhang  mit  dem  schon  be- 
schriebenen Kreiderücken  dürfte  aus  den  Parallelprofilen  XX,  XXI  klar  werden, 
eben  so  wie  die  Lagerung  der  eingeschobenen  kleinen  Erhebungen. 

Verfolgen  wir  die  Grenze  zwischen  Kreide  und  Flysch  weiter  nach  Osten, 
so  erhalten  wir  den  nächsten  deutlichen  Aufschluss  in  der  Enge  zwischen  Bezeck 
und  Vorder -Kl  ausberg,  durch  welche  die  Strasse  von  Schwarzenberg  nach 
Bezau  führt.  Hier  sind  die  folgenden  zwei  Parallelprofile  entblösst: 

In  den  beiden  Profi- 
len sind  die  oberen  Kreide- 
schichten verhüllt;  doch 
lässt  sich  auf  dem  Wege 
von  der  Alp  Vorder-Klaus- 
herg  durch  einen  tiefen 
Tobl  nach  der  Sägmühle 
hinab  Einiges  vervollstän- 
digen. Der  Caprotinen- 
kalk  tritt  hier  als  ein 
wahres  Conglomerat  klei- 
ner Korallen  und  Forami- 
niferen auf.  Zwischen  ihm 
und  dem  Flysch  sind  stel- 
lenweise die  fleckigen  See- 
wermergel  sichtbar.  — 
Uebrigens  ist  es  auffal- 
lend, dass  auch  bei  die- 
sen» Gewölbe  die  Ueber- 
stürzung  des  Schichten- 
systems im  Osten  aufhört,  wenngleich  dieses  selbst  nicht  so  sehr  verschwindet, 
wie  das  vorige  (III).  In  ähnlicher  Weise  scheint  die  weitere  Fortsetzung  gegen 
Osten  stattzufinden,  die  wir  später  im  Zusammenhänge  mit  jener  der  südlichen 
Züge  betrachten  werden. 


Fig.  37. 


Bregenzer  Ache.  Bezeck. 


Bregenzer  Ache. 


fireyenzer  Ach 


Fig.  38. 


Hoch-Aelpele. 


Vorder-Klausberg.  Brünneles-Eck. 

J i 4 3 


Profile  an  der  Flyschgrense  südlich  von  Schwargenberg. 
Spatangenkalk.  2 Schrattenkalk.  3 Gault,  Seewerkalk  und  Seewermergel. 
4 Flysch.  5 Schotterbänke. 


3.  Umgegend  von  Feldkirch,  Rank  weil  und  Hoch -Fr  eschen.  (Hebungswelle 

I und  II.) 

Nirgends  macht  sich  der  Einfluss  der  Centralhebung  der  Canistluh  auf  den  Ge- 
birgsbau  des  angrenzenden  Gebiets  auffallender  geltend  als  in  diesem  südwestlichen 
Theile  des  Kreidelandes.  In  wenig  ausgedehnten  Plateau’s,  deren  Schichten  nach 
Westen,  Norden  und  Osten  senkrecht  abgebrochen  sind  und  nur  nach  Süden  sich 
allmälig  senken,  erheben  sich  die  Kreideschichten  erst  inselförmig  (im  Schellen- 
berg undArdetz  enb  erg), dann  in  ausgedehnteren  Flächen  aus  der  Rheinebene. 
Kluftartige  Thäler  mit  senkrechten  Wänden  , ausgefüllt  mit  fruchtbarem  Boden, 
zerreissen  die  Hochfläche  in  einzelne  Schollen.  Feldkirch  liegt  an  der  Vereini- 
gungsstelle von  zwei  solchen  Klüften,  die  sich  rechtwinkelig  (NW.  — SO.  und 
SW — NO)  durchsetzen  und  ein  weites,  allmälig  nach  Süd  sich  senkendes  Pla- 
teau in  vier  Schollen  zertheilen,  daher  von  allen  Seiten  Engpässe  den  Zugang  zu 
der  malerisch  gelegenen  Stadt  vermitteln.  Die  vielen  senkrechten  Abstürze, 
welche  dadurch  entstehen  , entblössen  die  obersten  Schichten  des  Spatangeu- 
kalkes  und  das  Caprotinenflötz,  welches  stets  den  obersten  Rand  des  Steilabfalles 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


183 


[97] 


bildet.  Die  bedeckenden  Gaultgesteine  schaffen  das  Wein-  und  Getreideland  auf 
dem  Rücken  der  kleinen  Plateau’s.  Am  Margarethenkopf  tritt  diese  Schicht 
versteinerungsreich  auf.  Sie  wird  selten  von  Seewerbildungen  überlagert. 
Nach  einer  bedeckten  sattelförmigen  Biegung,  welche  die  zerstreuten  Gehöfte  von 
Gailmist  trägt,  folgt  im  Süden  der  mächtig  entwickelte  Flysch,  und  durch  die 
im  Allgemeinen  südöstliche  Senkung  entsteht  östlich  von  Feldkirch  eine  Niederung, 
in  welcher  sich  der  langgezogene  Spiegel  des  Walduna  - See's  ausbreitet,  wäh- 
rend sie  weiter  hin  gegen  Süd  die  Ortschaften  Tu  fers,  Runggels,  Pfitz, 
Dums,  Göfis  trägt.  Mit  steilem  Abbruch  erhebt  sich  noch  weiter  östlich  eine 
höhere  Terrasse,  auf  deren  von  Caprotinenkalk  gebildetem  Rande  die  Kirche  von 
Uebersachsen  steht.  Auch  hier  trägt  das  Flötz  eine  allmälig  nach  Südost  sich 
senkende  fruchtbare  Fläche,  die  bereits  mehr  wellig  ist  und  von  dem  tiefen  Lat- 
ternser-Thal  durchschnitten  wird. 

So  sind  hier  nur  die  überaus  flachen  Südabhänge  ähnlicher  Wellen  ausge- 
bildet, wie  sie  bei  Hohenems  mit  hoher  Wölbung  so  schön  entwickelt  auftreten, 
während  gegen  Nordwest  stets  nur  ein  schroffer  Schichtenabbruch  ohne  Spur 
einer  wahren  welligen  Biegung  das  System  abschneidet.  Wendet  man  sich  von 
Feldkirch  gegen  Norden  dem  Gehänge  des  Rheinthaies  entlang,  so  begegnet  man 
bei  dem  grossen  Dorfe  Rankweil,  wo  aus  enger  Neocom-Kluft  der  Latternser- 
bach  in  die  Ebene  hinaustritt , den  ersten  Spuren  wahrer  welliger  Biegungen. 
Sie  veranlassen  den  isolirten  Felsen , den  die  Kirche  von  Rankweil  malerisch 
krönt  und  das  plötzliche  Auftreten  von  muldenförmig  eingelagerten  Seewer- 
schichten,  welche  östlich  fortzustreichen  scheinen.  Eine  kleine  Aufbiegung  bringt 
Caprotinenkalk  und  Spatangenkalk  zu  Tage  und  dann  treffen  wir , am  Abhange 
des  Rheinthaies  weiter  hinwandernd,  eine  ausgebreitete  Gault-  und  Seewer-Ab- 
lagerung , die  den  ganzen  Raum  zwischen  der  Häusergruppe  Ratschunsund 
dem  kleinen  Bad  Röthis  einnimmt.  Sie  fallen  nach  SSO.  und  liegen  auf  jenem 
Neocomien,  den  wir  als  Südgrenze  des  Zuges  III  kennen  lernten  und  der  als  brei- 
ter Streifen  vom  Hörndl  über  St.  Victorsberg  nach  dem  Rheinthale  hinab- 
zieht; er  bildet  allein  dessen  Gehänge  von  Weiler  bis  Röthis. 

Das  Resultat  der  Betrachtung  dieses  einigermassen  schwierigen  Terrains 
ergibt  also  drei  Wellenbiegungen , die  sich  an  die  bei  Hohenems  beschriebenen 
und  mit  IV  und  III  bezeichneten  anschliessen: 

II.  Fraxern  — St.  Victorsberg  — Röthis  (Neocom) ; Ratschuns  (Gault  und 
Seewer). 

La.  Die  kleine  Aufbiegung  von  Neocomien  zwischen  den  beiden  Seewer- 
mulden. 

I.  Rankweil  — Frastanz;  die  Haupterhebung  und  Schichtenbiegung  ist  dicht 
bei  Rankweil. 

Wenn  man  das  an  den  Ufern  des  Rheinthaies  so  deutlich  aus  vier  Gebirgs- 
wellen  bestehende  Kreidegebiet  in  seinem  Fortstreichen  gegen  Osten  verfolgt, 
so  werden  die  Verhältnisse  unklarer , je  näher  man  der  Canisfluh  kommt.  Die 
flachen  Ausbreitungen  des  südlichen  Schenkels  der  Welle  I,  wie  sie  bei  Feld- 
kirch herrschen , lösen  sich  in  eine  Reihe  höher  ansteigender,  unregelmässiger 
und  vielfach  durchfurchter  Bergzüge  auf,  in  denen  nur  zuweilen  noch  das  süd- 
liche Einfallen  zu  beobachten  ist.  Ein  wichtiger  Anhaltspunkt  ist  der  Hoch- 
Fr  eschen,  von  dessen  Gipfel  die  Seewerbildungen  sich  allmälig  dem  flachen 
Südabhange  entlang  hinabziehen,  den  sie  fast  allein  bilden.  In  bedeutender  Mäch- 
tigkeit durchsetzen  sie , von  dem  liegenden  Caprotinenkalk  begleitet  und  von 
Flysch  überlagert,  das  Latternser  Thal  oberhalb  des  Hinterbades,  und  erweisen 
sich  so  als  Fortsetzung  der  flachen  Schichtenausbreitungen,  in  denen  die  Welle  I 

K.  k.  geologische  Reichsanstult.  12.  Baud,  1861  und  1862.  II.  Heft.  24 


Ferdinand  Freiherr  von  Richtholen. 


184 


1*8] 


bei  Feldkirch  und  Rankweil  erscheint.  Vom  Hohen  Freschen  setzt  dieselbe  Ge- 
birgswelle  östlich  nach  dem  Hohen  Koyen  und  der  Canisfluh  fort. 

Der  nördliche  Zug  II  zieht  von  St.  Victorsberg  aus  durch  Thäler  und 
über  Höhenzüge  hinweg  über  die  Alpen  L atora,  Jägerswald,  Alten  ho  f nach 
der  Mörzel-Spitz  und  dem  Guntenhang-Berg.  Sein  Verhalten  zu  den 
beiden  einschliessenden  Zügen  wird  durch  die  Profile  klar. 

Dies  sind  die  allgemeinen  Verhältnisse  im  südöstlichen  Theile  des  Kreide- 
gebietes; allein  so  einfach  auch  in  grossen  Zügen  der  geognostische  Bau  sich 
darstellt , so  verwickelt  erscheint  er  in  der  Natur,  und  man  irrt  oft  in  einem  La- 
byrinth herum.  Das  massenhafte,  durch  Schichtenbiegungen  unverhältnissmässig 
vermehrte  Auftreten  der  unteren  weichen  Neocomschichten,  hat  den  Gewässern 
überaus  grossen  Spielraum  zu  einer  ausgedehnten  Erosionsthätigkeit  gegeben; 
daher  die  Bildung  weiter  amphitheatralischer  Thalkessel  , in  welche  die  kleinen 
Bäche  von  allen  Seiten  aus  tiefen  Runsen  undTobln,  wie  in  einen  Trichter  hinab- 
stürzen und  bei  Regenwetter  bedeutende  Thonmassen  herabführen  , die  dann 
durch  den  Thalbach  in  den  Rhein  hinabgeschwemmt  werden;  daher  die  nackten 
schwarzen  Abhänge,  deren  aufgelöste  Neocommergel  fort  und  fort  hinweggespült 
werden  und  dem  fortgeführten  nachstürzen.  Das  Aufkommen  der  Vegetation 
wird  daher  trotz  des  fruchtbaren  Bodens  oft  auf  weite  Strecken  verhindert,  und 
wo  sie  Platz  gegriffen  hat , sind  es  meist  ausgedehnte  dunkle  Nadelwälder  , die 
sich  in  die  Thalgründe  hinabziehen;  nur  selten  umschliessen  sie  einsame  Alpen 
auf  stellenweise  hervortretenden  Schichten  von  Gault  oder  Seewer,  auch  wohl  auf 
den  festeren  des  Neocomien.  So  ist  der  Charakter  des  Thaies  von  St.  Victors- 
berg, der  obersten  Strecke  des  Thaies  der  unteren  Dornbirner  Ache,  zum  Theil 
auch  des  Mellenthaies,  also  der  ganzen  Umgebung  des  Hohen  Freschen. 

Allein  so  sehr  auch  diese  Auswaschungen  und  Durchbrüche  die  Anordnung 
des  Gebirgsbaues  verbergen,  tragen  dazu  doch  noch  vielmehr  die  Faltungen  und 
Ueberstürzungen  in  dem  Umkreise  bei,  welchen  Mörzel-Spitz,  Hoch -Fre- 
schen, der  Hohe  Blanken,  die  Mittagspitz  und  der  Hohe  Glöckner 
um  die  Canisfluh  bilden. 

Von  allen  Seiten  erweist  sich  das  Juragewölbe  als  das  Centrum  der  Hebungen 
im  Kreidegebiete  und  es  stört  daher  die  Hebungswellen  in  ihrem  Verlauf.  Ver- 
suchen wir  eine  Analyse  dieser  Störungen  rings  um  den  Berg,  so  sind  sie 
zunächst  an  der  Mittagspitz  und  am  Hohen  Glöckner  nach  unserer  obigen  Dar- 
stellung völlig  klar.  Ungleich  grössere  Schwierigkeiten  bietet  die  überstürzte 
Schichtenfolge  am  Abhang  vom  Sünser  See  gegen  das  Mellenthal.  Eben 
hat  man  noch  regelmässig  nach  Süden  fallende  Schichten  von  Flysch  , Num- 
mulitenkalk  und  Seewer  überschritten,  so  erscheinen  plötzlich  die  tiefsten  Spa- 
tangenschichten  und  darauf  in  der  oben  beschriebenen  Weise  das  ganze  umge- 
kehrte System  der  Kreide,  bis  man  bei  der  Alpe  Linden  die  splitterigen  Seewer- 
kalke  und  dann  die  Seewermergel  erreicht,  die  sich  am  rechten  Abhang  in  gleich- 
bleibender Höhe  unter  einem  Caprotinenkalkflötz  als  eine  fruchtbare  Weidefläche 
weit  fortziehen.  Die  Alpe  „zu  den  bleichen  Wänden“  hat  vom  Caprotinenflötz  den 
Namen.  Steigt  man  von  hier  abwärts  in  die  tiefe  Thalschlucht,  so  überschreitet 
man  die  normale  Reihenfolge,  deren  tiefste  mergelige  Neocomschichten  die 
schwarzen  schlüpferigen  Abhänge  zunächst  der  Thalsohle  bilden.  Eine  Faltung  in 
sehr  grossartigem  Maassstabe  ist  also  hier  auf  das  Klarste  vorhanden.  Fast  noch 
deutlicher  ist  dieselbe  am  linken  Gehänge  des  Thaies,  welches  in  vielfacher 
Beziehung  zu  den  interessantesten  Thälern  Vorarlbergs  gehört.  Jenes  Gehänge 
wird  von  dem  Bergzuge  des  Mörzel-Spitz  und  Guntenhang  gebildet.  Der 
unterste  Abhang  besteht  aus  Neocom,  ebenso  der  ganze,  in  viele  leicht  besteig- 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


185 


[99] 


bare  Gipfel  aufgelöste  Kamm.  Dazwischen  treten  zwei  Caprotinenflötze  auf,  welche 
einander  parallel  in  horizontaler  Richtung  weit  hinziehen  und  eine  alpenreiche 
kleine  Terrasse  von  Gault- 

Fig.  39. 

Hohe  Koyen. 


Mellen-Thal. 


Guntenhang-Berg\ 


und  Seewer  - Schichten 
einschliessen,  und  zwar 
in  derselben  Höhe,  in  wel- 
cher am  jenseitigen(NW.) 

Abhang  der  beiden  Berge 
die  breite  Gault- Seewer- 
Terrasse  der  Alpen:  Ha- 
sengära,  Gunzmoos,  Un- 
terseiten u.s.w.  erscheint. 

Die  Ueberstürzung,  auf 
welche  das  Lagerungsver- 
hältniss  schliessen  lässt, 
wird  zur  Gewissheit,  wenn 
man  an  den  Ausgang  des 

Mellenthales  gelangt  und  auf  das  gegenüberliegende  Gehänge  jenseits  der  Bregen- 
zer Ache  steigt;  man  erhält  alsdann  die  beistehende  Profilansicht,  welche  zugleich 
den  Grund  der  Ueberstürzung  in  der  Emporhebung  des  Juragewölbes  der  Canis- 
fluh  und  seiner  östlichen  Fortsetzung,  des  Hohen  Koyen,  anzeigt.  Es  ist  hiermit 
der  Schlüssel  zur  Erklärung  der  Lagerungsverhältnisse  des  ganzen  Thaies  gegeben. 


Ansicht  am  Ausgang  des  Mellenthales. 
Rossfelder  Schichten.  2 Spatangenkalk.  3 Schrattenkalk. 

Seewer. 


4 Gault  und 


4 Umgebungen  von  Bezau,  Schnepfau,  Hoch-Ifer  und  Sibratsgföll  (öst- 
liches Kreidige  bi  et). 


Die  Bregenzer  Ache  scheidet  den  betrachteten  westlichen  Theil  des  Kreide- 
gebietes von  dem  östlichen.  Die  Lagerungsverhältnisse  bleiben  im  Wesentlichen 
dieselben;  aber  während  dort  unabhängig  von  ihnen  nach  allen  Richtungen  ver- 
zweigte Thalsysteme  verlaufen  und  durch  ihre  tiefen  Einschnitte  und  schroffen 
Durchbrüche  die  Profile  klar  zu  Tage  treten  lassen,  bedingt  hier  die  schon  im 
Canisfluhprofil  hervortretende  Uebereinstimmung  der  Oberflächengestaltung  mit 
dem  Schichtenbau  einen  sehr  verschiedenen  Charakter.  Dort  mussten  die  Hebungs- 
parallelen mühsam  durch  Verfolgung  der  einzelnen  Schichten  quer  über  die 
abnorm  verlaufenden  Gebirgszüge  hinweg  verfolgt  werden  und  traten  wohl  als 
ein  geognostisch  Ganzes  hervor,  das  aber  nur  zum  Theile  die  Oberflächengestal- 
tung zu  bestimmen  vermochte.  Oestlich  von  der  Bregenzer  Ache  tritt  jede 
Hebungsparallele,  in  sich  einfach  und  ungestört,  als  wirklicher  Parallelzug  im 
Gebirgsbau  auf,  parallel  der  Antiklinal-  und  Höhenlinie  der  Canisfluh  und  der 
tiefen  Einsenkung  an  ihrem  Nordahhang.  Die  Zahl  der  Hebungsparallelen  wird 
zuweilen  durch  kleine  Zwischenglieder  vermehrt,  welche  sich  allenthalben  ein- 
schieben  und  besonders  an  dem  Canisfluhprofile  (XXIII)  sich  geltend  machen. 
Noch  weiter  im  Osten  ändert  sich  der  Verlauf  der  parallelen  Hebungen  in  ihrem 
Einfluss  auf  die  Oberflächengestaltung.  Drei  Umstände  tragen  dazu  bei:  das 
grosse  Querthal  des  Subers-Baches  mit  seinen  vier  Quellbächen,  das  Hervortreten 
von  Juragesteinen  auf  der  Spitze  des  Feuerstätterberges  und  das  allmälige  Ver- 
flachen der  Höhenzüge,  wodurch  oft  mehrere  derselben  sich  zu  plateauförmigen 
Ausbreitungen  vereinigen;  also  hier  im  Osten  dasselbe  Verhältnis  wie  im  Westen 
gegen  das  Rheinthal.  Verfolgen  wir  nun  die  einzelnen  Züge: 

Bezeck- Winterstau  den  (IV).  (Fortsetzung  von  Hohenems-Bezeck). 
Aus  der  dichtbevölkerten,  aus  fruchtbaren  Molasse-  und  Flysehgesteinen  gebil- 

24  * 


186 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[100] 

deten  hügeligen  Fläche,  auf  der  sich  die  üppige  Cultur  der  weitzerstreuten 
Dörfer  des  vorderen  Bregenzer  Waldes  ausbreitet,  erhebt  sich  in  gerader  Linie 
von  Bersbuch  über  Andelsbuch  nach  Sibratsgföll  ein  langgezogener, 
aus  den  ersten  Kreideschichten  gebildeter  Wall,  als  die  Grenzscheide  des  land- 
schaftlich weit  verschiedenen,  in  Bevölkerung  und  Sitten  ursprünglicheren  hin- 
teren Bregenzer  Waldes.  Mit  geringerer  Höhe  als  Be  zeck  beginnend,  steigt  nach 
Osten  der  Zug  allmälig  zur  Lingenauer  Höhe  an  und  erreicht  in  dem  5918 
Fuss  hohen  Winterstauden  seine  grösste  Erhebung.  Weiterhin  senkt  er  sich 
wieder  hinab  und  verliert  jenseits  des  Subersbaches  vollständig  seinen  Charakter. 

Der  Schichtenbau  des  Zuges  ist  im  Allgemeinen  der  oben  (Fig.  37)  darge- 
stellte des  Bezecks;  doch  tritt  er  nicht  überall  mit  gleicher  Klarheit  hervor. 
Der  Winkel,  welchen  an  der  Antiklinallinie,  die  grösstentheils  zugleich  Höhenlinie 
ist,  die  beiden  Schenkel  bilden,  ist  am  Bezeck  noch  spitz,  so  dass  der  nördliche 
Theil  überstürzt  ist;  er  öffnet  sich  aber  gegen  Osten  mehr  und  mehr  und  bewirkt 
dadurch  eine  zunehmende  Verflachung  der  Schichten.  Dazu  kommt,  dass  die 
Höhenlinie  sich  allmälig  spaltet  und  eine  flache  Mulde  einschliesst,  welche  mit 
Gault  und  Seewer  ausgefüllt  ist.  Am  Subersbach  tritt  dies  ganze  System  in  die 
Thalsohle  hinab,  in  der  man  es  auf  dem  Weg  von  Schönebach  nach  Sibratsgföll 
überschreitet.  Bei  der  Alp  „auf  der  Aue“  am  Ausfluss  des  Höllbocks-Tobls  führt 
eine  Brücke  über  eine  tiefe,  vom  Subersbach  wild  durchbrauste  Spalte  des 
Caprotinenkalks,  der  sich  vom  Südabhang  des  Winterstauden  bis  hier  herab  zieht. 
Er  wird  von  wasserreichen  Gault-  und  Seewer-Schichten  bedeckt,  welche  nie- 
drige Hügel  bilden,  und  tritt  bei  der  Brücke  von  Schönebach  noch  einmal  hervor. 
Dieses  ganze  System  steigt  östlich  zum  Gadberg  an,  und  streicht  von  da  hinüber 
in  das  Algäu,  wo  es  sich  mit  der  Hochfläche  des  Gottesackers  vereint. 

Eine  sehr  bedeutende  Abweichung  im  Gebirgsbau  bedingt  der  Fe  u er- 
st» tter  Berg;  der  nordöstliche  Grenzpfeiler  des  Vorarlbergisehen  Kreide - 
gebietes  gegen  das  Algäu.  Indem  seine  mächtige  Masse  sich  nördlich  von  dem 
Zuge  des  Winterstauden  plötzlich  einschiebt,  rückt  sie  die  bisher  geradlinige 
Flysch-Kreidegrenze  bogenförmig  nach  Norden  hinaus.  Der  Schichtenbau  des 
Berges  ist  unklar,  da  die  langen  sanften  Südgehänge  keine  Gesteine  zu  Tage 
kommen  lassen.  Nur  unmittelbar  bei  Sibratsgföll  ist  ein  wenig  Seewer  entblösst 
und  im  Fugenbach  die  Schichtenköpfe  von  Gault-  und  Caprotinenkalk.  Auf  der 
Höhe  folgen  die  steilen  Biffe  des  vielfach  gewundenen  Systems  der  Juraschichten, 
denen  ein  Sandstein  folgt,  welcher  nach  seiner  petrographischen  Beschaffenheit 
eben  so  als  Gault  wie  als  Flysch  gedeutet  werden  kann,  aber  wohl  letzterem 
angehört.  — Obwohl  der  Feuerstätter  Berg  einen  gegen  Norden  gerichteten 
Vorsprung  aus  dem  Kreidegebiet  bildet,  so  zieht  doch  in  derBichtung  derFlysch- 
grenze  am  Winterstauden  weiter  östlich  eine  tiefe  Depression  fort  und  trennt  das 
Kreidegebiet  des  Algäu’s  in  zwei  Theile.  Sie  ist  ausgezeichnet  durch  ihren 
Reichthum  an  vortrefflichen  Alpen  (Wies-Alp,  Hirschgunt,  Mooser  Haag,  Rohr- 
moos u.  s.  w.)  und  entsendet  von  ihrer  ungemein  niedrigen  Wasserscheide 
nach  Westen  den  Schönebach,  nach  Osten  die  Starzl-Ache. 

Weissenfluh-Hirscheck  (III).  (Fortsetzung  von  Götzis-Weissenfluh). 
Eine  langgezogene  Depression  trennt  den  vorigen  Zug  von  diesem.  Unmittelbar 
südlich  von  der  Höhe  des  Winterstauden  erhebt  sie  sich  zu  einer  Wasserscheide, 
von  der  nach  Westen  der  Grebentobl  hinabzieht  und  den  schönen  Thalkessel  von 
Bezau  bildet,  während  östlich  im  Höllbockstobl,  der  kürzlich  durch  einen 
Bergsturz  fast  unzugänglich  geworden  ist,  jene  Depression  bis  zum  Subersbach 
fortsetzt.  Steil  erhebt  sich  aus  ihr  der  langgedehnte  Zug,  der  eine  einzige 
ununterbrochene  Welle  von  Ellebogen  an  der  Bregenzer  Ache  bis  zur  Alp  „auf 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


187 


[101] 


der  Aue“  am  Subersbach,  dem  Haupttheil  des  Zuges  Weissenfluh- Hirscheck 
bildet.  Die  Steilheit  der  Wände  veranlasste  den  verheerenden  Bergsturz  im  Höll- 
bocks-Tobl,  wo  das  steil  geneigte  Caprotinenflötz  von  der  aufgeweichten  merge- 
ligen Neocom-Unterlage  hinabgerutscht  ist.  An  der  scharfen  Antiklinal-  und 
Höhenlinie  beginnt  der  schwächer  geneigte  Südabfall,  der  hier  weniger  fruchtbar 
ist  als  am  Winterstauden,  da  der  Caprotinenkalk  nur  stellenweise  von  dem  frucht- 
baren Gault  überlagert  wird.  Zwischen  Bezau  und  Bizau  löst  sich  der  Zug  in 
drei  secundäre  auf,  die  sich  jenseits  der  Bregenzer  Ache  allmälig  zu  dem  Gault- 
Seewer-Plateau  der  Alpen:  Sehren,  Weissenfluh  u.  s.  w.  vereinigen,  auf  dem 
wir  früher  die  von  Westen  her  verfolgte  Welle  verliessen. 

Auch  dieser  Höhenzug  wird  im  Süden  von  einer  langgezogenen  Depression 
begleitet,  die  gleich  der  vorigen,  in  der  Mitte  zu  einer  niederen  Wasserscheide 
ansteigt  und  nach  Westen  in  den  Thalboden  von  Bizau,  nach  Osten  in  den  des 
Sennhüttendorfes  Schönebach  abfällt,  beides  überaus  fruchtbare  und  reiche 
Gelände,  welche  malerisch  zwischen  den  parallelen  buchenbewachsenen  Höhen - 
Zügen  eingeschlossen  sind.  — Oestlich  von  Schönebach  vereinigt  sich  Alles  zu 
dem  weiten  öden  Karrenfeld,  das  den  Namen  des  Gottesackers  führt  und  mit 
steilen  Wänden  nach  dem  Thal  des  Achenbaches  und  der  Starzlach  abfällt.  Der 
hervorragendste  Theil  des  Bandes  ist  das  Hirscheck. 

Gopfberg- Hirschb  ergfluh- Gottesacke  r (II)  und  Mittagfluh- 
Didamskopf-Hoch-Ifer  (I).  — Der  Gopfberg  scheidet  das  Thal  von 
Beutte  und  Bizau  von  dem  südlichen  von  Mellau,  Hirchau  und  Schnepfau. 
Sein  Bau  wurde  oben  beschrieben  und  ist  aus  dem  Canisfluhprofil  klar.  Ihm 
analog  ist  sein  östlicher  Anschluss,  die  Hirschbergfluh,  gebaut,  ein  gross- 
artiges Gewölbe,  das  durch  eine  flache  Einsattelung  in  das  Juramassiv  der  Mittag- 
fluh übergeht.  Westlich  von  der  Einsattelung  zieht  sich  eine  tiefere,  mit  jüngerer 
Kreide  erfüllte  Depression  nach  Schnepfau  hinab.  Oestlich  indess  beginnt  ein 
eigenthümliches  System  von  vier  Thälern , welche  radienförmig  in  den  Zug  (I) 
eingreifen  und  sich  bei  Schönehach  vereinigen.  Dadurch  werden  hier  mächtige 
Schichtensysteme  blossgelegt.  Der  nördlichere  Zug  lässt  sich  über  drei  isolirte, 
aus  Caprotinenkalk  und  Gault-Seewer  gebaute  Spitzen  zwischen  den  vier  Thälern 
hinweg  nach  dem  Söfenschroffen  verfolgen,  mit  dem  er  in  das  Plateau  des 
Gottesackers  übergeht.  Ungleich  klarer  ist  der  südliche  Zug,  der  in  der  Strei- 
chungsrichtung der  Canisfluh  bis  zum  Hohen  Ifer  fortsetzt  und  in  mehreren 
amphitheatralischen  Thalkesseln  den  grossartigen  Schichtenaufbau  in  senkrechten 
Mauern  von  Tausend  Fuss  Höhe  entblösst.  Dies  findet  besonders  ausgezeichnet 
am  Didamskopf  statt,  der  ganz  aus  Neocom  besteht  und  am  Hohen  Ifer, 
dessen  kleines,  südlich  geneigtes  Plateau  von  einer  nach  drei  Seiten  steil  abge- 
brochenen, daher  schwer  zugänglichen,  unbedeckten  Scholle  von  Caprotinenkalk 
besteht.  Nur  nach  Nordost  geht  sie  in  den  Gottesacker  über.  Steile  Pfade , oft 
auf  roh  ausgehauenen  Stufen,  führen  aus  dem  tiefen  Grunde  der  romantischen 
wilden  Thäler  an  dem  Gehänge  hinauf  auf  alle  diese  sanft  geneigten  Hochflächen, 
welche  eine  grossartige  Fortsetzung  der  Alpenfläche  der  Canisfluh  bilden,  sowie 
jene  Steilwände  durch  das  Fortstreichen  ihrer  Höhenlinie  veranlasst  sind , und 
auf  das  Klarste  die  grossartige  Gesetzmässigkeit  im  Gebirgsbau  darthun. 

Es  bleiben  zur  Betrachtung  nur  noch  die  Gehänge  übrig,  welche  von  den 
Höhen  des  Didamskopfes  und  des  Hohen  Ifer  nach  der  Flyschgrenze  ziehen.  Der 
Didamskopf  besteht  seiner  Masse  nach  aus  Neocomgebilden  und  da  diese  con- 
stant  nach  Stunde  11  fallen,  so  bestehen  zwei  Gräte,  die  er  nördlich  gegen 
Schönebach  gabelförmig  entsendet,  auch  daraus.  Gegen  Süden  gabelt  sich  der 
Berg  gleichfalls.  Ein  Arm  zieht  südwestlich  zwischen  Stockach-Bach  und 


188 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[102] 

Schranbach  nach  Remen  bei  Au  hinab,  der  andere  ist  nach  Südosten  gerichtet 
und  theilt  sich  abermals,  indem  ein  Theil,  welcher  die  steile  Wand  bildet,  in 
grossem  Bogen  nach  dem  Hohen  Ifer  hinzieht,  während  der  andere  seiner  Rich- 
tung treu  in  den  Ochsenhofer  Kopf  übergeht.  Zwischen  beiden  Armen,  die  nach 
Aussen  steil  abstürzen,  zieht  sich  eine  flache  Mulde  hinab,  welche  die  Didams- 
Alp  trägt  und  aus  Gault  und  Seewer  besteht.  Aus  dieser  Mulde  erhebt  sich  der 
Flysch  als  neuer  südlicher  Höhenzug.  Von  Schopernau  steigt  die  Grenze  über 
die  Breitalp  hinauf  nach  dem  Pass  „auf  dem  Kreuz“  und  in  den  Kessel  der 
Subersalpe,  wo  Gümhel  *)  die  Auflagerung  des  Flysches  auf  Seewer  genau  beob- 
achtete. Diese  Grenze  und  diese  Auflagerung  lässt  sich  noch  weithin  verfolgen. 
Ueberall  ist  die  ganze  Kreidefolge  in  bedeutender  Vollständigkeit  ausgebildet, 
überall  bildet  Neocom  die  nördlichen  Wände,  Caprotinenkalk  die  zu  wüsten  Kar- 
renfeldern ausgewitterten,  südlich  geneigten  Hochflächen,  denen  weiter  am  Abhang 
hinab  allmälig  Gault-  und  Seewer-Schichten  mit  reichen  Alpen  (Subers.  Grabath, 
Mölkböden,  Auer  u.  s.  w.)  folgen,  bis  endlich  der  Flysch  zu  einem  neuen 
Gebirgszuge  ansteigt.  Der  Thalbach,  welcher  beide  Höhenzüge  trennt  und  bei 
Rietzlen  im  Thal  Mittelberg  in  die  Breitach  mündet,  ist  noch  in  die  obersten 
Kreideschichten  eingeschnitten,  welche  man  hier  mit  ungewöhlicher  Klarheit 
beobachten  kann. 

Interessant  sind  einige  Bergstürze,  welche  dieses  Thal  verheert  haben. 
Von  der  geneigten  mächtigen  Scholle  von  Caprotinenkalk,  welche  den  Hohen 
Ifer  bildet,  brechen  zu  Zeiten  mächtige  Massen  los  und  stürzen  hinab  in  die 
Tiefe.  Man  sieht,  dass  in  früherer  Zeit  das  Kalkflötz  bis  zu  den  in  der  Thalsohle 
gelegenen  Mölkböden  hinabreichte;  eine  sehr  bedeutende  Masse  hat  sich  los- 
getrennt, beim  Hinabrutschen  in  weiter  Erstreckung  das  liegende  Neocomien 
entblösst  und  mit  ihren  Trümmern  unterhalb  jener  Alpe  eine  kleine  Ebene 
geschaffen,  welche  in  ihrem  oberen  Theil  Sumpfland  ist,  im  unteren  ein  von 
einzelnen  Bäumen  bewachsenes  kolossales  Trümmermeer,  unter  dem  der  Thal- 
bach in  der  Tiefe  hindurchströmt. 

5.  Ergebnisse. 

So  ergibt  sich  das  Kreidegebiet  Vorarlbergs  als  ein  in  seiner  Schichten- 
entwickelung, wie  in  seinem  ursprünglichen  Gebirgshau  überaus  gleichförmig 
und  nach  klaren  Gesetzen  entwickeltes  Ganzes.  Vier  ostwestlich  streichende, 
nach  Norden  steil  einfallende,  zum  Theil  überstürzte  Wellen  sind  es,  auf  welche 
sich  Alles  zurückführen  lässt.  Allein  es  schieben  sich  zwischen  Hauptwellen  andere 
secundäre  ein.  (Staufen-Spitz,  Kuhberg,  Tugstein  bei  Hohenems  u.  s.  w.)  Eine 
Welle  spaltet  sich  in  zwei,  welche  eine  Mulde  einschliessen  (Winterstauden, 
Bizauer  Berg)  und  durch  das  Auseinandertreten  der  beiden  Schenkel  verflacht 
sich  zuweilen  eine  Welle  und  breitet  sich  plateauförmig  aus  (Berge  bei  Feld- 
kirch, zwischen  Götzis  und  Klaus,  Weissenfluh,  Gottesacker);  endlich  senken 
sich  Wellen  unter  andere  Formationen  hinab  und  verlieren  damit  ihren  Cha- 
rakter oder  sie  erheben  sich  auch  wieder  im  weiteren  Verlaufe.  Alle  diese  Fälle 
finden  im  Vorarlbergischen  Kreidegebiet  in  grosser  Mannigfaltigkeit  statt  und 
bedingen  zum  Theil  seinen  vielgestaltigen  Charakter. 

Querverwerfungen  sind  nirgends  in  solchem  Maassstabe  zu  beobachten, 
dass  sie  auf  den  Gliederbau  des  Landes  Einfluss  hätten.  Eine  kleine  derartige 
Verwerfung  ist  am  Tugstein  bei  Hohenems,  wo  die  Kreideschichten  um  wenige 


1)  A.  a.  0.  Seite  6. 


Die  Kalkalpen  \on  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


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[103] 


Hundert  Fuss  gegen  einander  verschoben  sind.  Auch  bei  Klaus,  zwischen  Reutte 
und  Mellau  scheinen  beide  Thalwände  ein  wenig  gegen  einander  verworfen  zu 
sein.  Doch  bleibt  dies  allemal  höchst  unbedeutend.  Noch  weniger  sind  seitliche 
Verwerfungen  in  der  Richtung  des  Streichens  von  Ost  nach  West  oder  umgekehrt 
zu  beobachten.  Um  so  häufiger  sind  die  Fälle,  wo  das  Kreidesystem  in  der 
Streichrichtung  seiner  Wellen  geborsten  ist  und  die  beiden  Theile  nach  auf- 
wärts oder  abwärts  gegen  einander  verworfen  sind.  Nicht  selten  findet  dann, 
ähnlich  wie  im  Lias-Trias-Gebiet,  eine  Ueberschiebung  Statt.  (Gopfberg  gegen 
Reutte.) 

Am  mächtigsten  sind  die  Störungen,  welche  die  Centralhebung  der  Canis- 
fluh  verursachte.  Zwar  ist  keineswegs  anzunehmen,  dass  die  hebende  Kraft  sich 
an  diesem  Punkte  centralisirte,  sonst  müssten  sich  die  Wellen  concentrisch  um 
die  Canisfluh  ziehen;  allein  dass  die  Hebung  hier  am  stärksten  war,  beweist  die 
bedeutende  Höhe,  bis  zu  der  die  Juraschichten  aus  einer  grösseren  Tiefe  heraus- 
gehoben wurden,  als  die  ältesten  Kreideschichten  einnahmen;  man  könnte  ein- 
wenden, der  Rerg  sei  schon  vor  der  Kreideperiode  vorhanden  gewesen  und  nun 
in  gleichem  Maasse  mit  der  Umgebung  gehoben  worden.  Allein  dem  widerspricht 
die  regelmässige  und  vollständige  Ausbildung  der  Kreide  gerade  an  diesem  Berge 
eine  Ausbildung,  welche  auf  ein  gleich  tiefes  Meer  schliessen  lässt,  als  im  ganzen 
übrigen  Gebiet  verbreitet  war.  Wenn  somit  die  Canisfluh  zwar  weder  auf  eine 
centralisirte  Hebungskraft  noch  auf  ein  vollständig  gleichmässiges  Erheben  im 
ganzen  Gebiet  hindeutet,  so  ist  es  doch  augenscheinlich,  dass  die  Kraft,  welche 
die  ganze  Welle:  Ardetzenberg  — Hoch-Fresehen  — Canisfluh  — Mittagsfluh  — 
Didamskopf  — Hoch-Ifer,  die  mächtigste  von  allen,  hervorbrachte,  sich  am 
stärksten  an  dem  einen  Punkt  äusserte,  während  sie  bei  Feldkirch  sehr  gering 
gewesen  sein  muss.  Dem  entsprechend  finden  in  den  Umgebungen  der  Canisfluh 
jene  bedeutenden  Störungen  im  Gebirgsbau  statt,  welche  wir  eben  erörterten 
und  welche  das  regelmässige  Fortstreichen  der  Wellen  so  unklar  machen,  ohne 
es  aber  zu  vernichten.  Ein  Umstand  ist  es,  welcher  beweiset,  dass  das  Maximum 
der  Kraft  auch  ein  klein  wenig  centralisirend  wirkte,  das  ist  die  Aenderung  in 
der  Richtung  der  Wellen  von  West  nach  Ost,  so  zwar,  dass  sie  einen  Bogen  mit 
allerdings  sehr  grossem  Radius  um  die  Canisfluh  beschreiben.  Bei  Hohenems 
streichen  dieWellen  Stunde  41/a,  selbst  Stunde  4,  weiter  östlich  nur  Stundet  und  6. 

Geringeren  Einfluss  auf  das  Kreidegebiet  scheint  die  Juramasse  gehabt  zu 
haben,  welche  im  Feuerstätter  Berg  zu  5194  Fuss  Höhe  gehoben  wurde.  Wie 
das  Aufsteigen  des  zusammengefalteten  und  gepressten  Schichtensystemes  eine 
ganz  locale  Erscheinung  von  geringer  Ausdehnung  ist,  so  ist  es  auch  mit  der 
Einwirkung  auf  den  Gebirgsbau  der  Umgebung. 

Den  grössten  Einfluss  auf  die  Oberflächengestaltung  des  Kreidegebietes  hat 
das  von  dem  Verlauf  der  Hebungswellen  so  abweichende  System  der  Thäler. 
Nur  nördlich  und  nordöstlich  von  der  Canisfluh,  zwischen  den  Orten  Bezau, 
Bizau,  Mellau,  Schnepfau  und  Schönebach  sind  sämmtliche  Haupt-  und  secundäre 
Wellen  durch  parallele  Thäler  getrennt;  ihre  Bäche  fliessen  durch  eine  nach 
Stunde  11  verlaufende  Wasserscheide  getrennt  nach  verschiedenen  Seiten  ab. 
Aehnlich  ist  es  mit  den  kurzen  Thälern,  welche  zwischen  Götzis  und  Röthis  in  die 
Rheinebene  hinabkommen.  Allein  schon  die  Bregenzer  Ache  und  der  Subersbach 
folgen  diesem  Gesetze  nicht  mehr.  Beide  durchbrechen  die  Wellen  rechtwinkelig 
und  weiter  im  Westen  wird  die  grösste  Unregelmässigkeit  zur  Regel.  Wir  werden 
hier  darauf  hingeführt,  quere  Berstungen  der  Kreidewellen  anzunehmen,  ent- 
sprechend der  grossen  Zerspaltung  der  Canisfluh  zwischen  Au  und  Schnepfau. 
Solche  Berstungen  sind  zwischen  Mellau  und  Reutte,  ferner  südlich  von  Bersbuch, 


190 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[104] 

zwischen  Ebnit  und  Beckenmann,  zwischen  Götzis  und  Klaus,  am  Walduna-See, 
am  Ardetzenberg  hei  Feldkirch  u.  s.  w.  Die  Wasser  haben  diese  Spalten  aus- 
gewaschen und  verbreitert , über  ihnen  sanftere  Abhänge  geschaffen  und  so 
hauptsächlich  dazu  beigetragen,  dass  häufig  Höhenlinien  und  Senkungen  quer 
gegen  die  Hebungswellen  gerichtet  sind. 

Der  gesarnmte  Gliederbau  weist  scheinbar  darauf  hin,  dass  in  früherer  Zeit 
die  Kreideschichten  ein  weit  grösseres  Areal  einnahmen,  denn  das  ganze  Gebiet 
besteht  ausschliesslich  aus  der  einen  Formation,  deren  vielfach  gewundene 
Schichten  früher  eine  ebene  Ausbreitung  gehabt  haben  müssen.  Es  müssen  daher 
entweder  die  auf  eine  grössere  Fläche  verbreiteten  Schichten  auf  einen  kleineren 
Raum  zusammengeschoben  worden  sein  oder  die  Masse  der  Schichten  muss  sich 
so  ausgedehnt  haben,  dass  sie  sich  krümmen  musste,  wo  sie  vorher  horizontal  war. 
Das  Erstere  scheint  in  geringem,  das  Letztere  in  sehr  bedeutendem  Maasse  statt- 
gefunden zu  haben  und  die  Strecku  ng  eine  nicht  unbedeutende  Rolle  zu  spielen. 
Das  gewöhnliche  Merkmal  für  dieselbe,  die  Zerreissung  der  Versteinerungen  in 
mehrere  durch  Klüfte  getrennte  Stücke,  lässt  sich  zwar  wenig  beobachten,  dies 
rührt  aber  daher,  dass  diejenigen  organischen  Reste,  an  denen  jene  Erscheinung 
am  öftesten  stattfindet,  hier  nicht  Vorkommen;  nur  die  Belemniten  in  den  Seewer- 
Schichten  gehören  dazu,  und  in  der  That  sind  sie  sehr  häufig  in  einzelne  Stücke 
mit  Zwischenräumen  getrennt;  ebenso  ist  es  mit  einzelnen  Inoceramen  der  Fall. 
Hier  ist  also  die  Streckung  nachweisbar.  Der  weitere  Verlauf  der  Geschichte 
Vorarlbergs  beweist  auch,  dass  ein  solcher  Process  stattfinden  konnte,  wohl  auch 
stattfinden  musste.  Die  Art  der  Verbreitung  desFlysches  deutet  daraufhin,  dass  das 
Land  zu  Ende  der  Kreideperiode  in  einer  säcularen  Hebung  begriffen  war,  welche 
das  jetzige  Kreidegebiet  als  schmale  Zone  trocken  legte,  die  sich  unmittelbar  südlich 
und  nördlich  in  das  eocene  Flyschmeer  hinabsenkte.  Ein  solcher  Abfall  aber  nach 
beiden  Seiten  musste  bei  einer  auch  nur  äusserst  geringen  Verschiebbarkeit  der 
Theile  die  Schichten  bedeutend  ausdehnen.  Das  Quantum  der  Streckung  lässt  sich  nur 
annähernd  schätzen;  nur  in  wenigen  Fällen  vollkommener  Ueberstürzung  kann  man 
annehmen,  dass  die  Horizontulentfernung  («)  zweier  Wellenberge  sich  zur 
Schichtenentwickelung  (6)  des  Wellenthales  wie  1 : 2 verhalte.  Dagegen  ist  das 
Verhältnis  1 : 1 4/4  häufig;  nirgends  dürfte  1 : 1 Vorkommen,  da  eine  vollkom- 
men horizontale  Lagerung  nicht  stattfindet.  In  allen  Fällen  hat  die  Streckung 
nur  senkrecht  gegen  die  Streichungsrichtung  stattgefunden , nirgends  parallel  zu 
ihr.  Sehr  verschieden  scheint  aber  der  Grad  zu  sein,  in  welchem  die  einzelnen 
Schichten  gedehnt  wurden.  So  scheint  das  Caprotinenkalkflöz  fast  gar  nicht  davon 
betroffen  worden  zu  sein,  es  nimmt  nicht  an  den  Biegungen  Theil  und  verschwin- 
det hier  und  da  unter  der  Masse  der  anderen  Schichten,  während  die  Spatangen- 
kalke  im  äussersten  Maasse  davon  betroffen  worden  zu  sein  scheinen. 

Es  scheint,  dass  die  Schichtenstreckung  in  den  Alpen  überhaupt  eine  sehr 
bedeutende  Rolle  gespielt  habe.  Welch  unendliche  Fläche  müssten  die  Gesteine 
der  Alpen  einnehmen,  wenn  man  alle  Wellen  und  Faltungen  auf  die  Horizontal- 
ebene zurückführen  wollte;  wie  hätte  eine  Reduction  auf  einen  so  kleinen  Raum 
stattfinden  können?  Ueberall  aber,  mit  Ausnahme  einiger  centralisirter  Gegenden 
der  Südalpen,  scheint  die  Streckung  senkrecht  zur  Streichungsrichtung  des 
gesammten  Gebirges  geschehen  zu  sein. 

Werfen  wir  zum  Schlüsse  noch  einen  Blick  auf  die  östliche  und  westliche 
Fortsetzung  des  vorarlbergischen  Kreidegebietes,  so  wie  auf  die  Grenzen  gegen 
Nord  und  Süd,  so  ergeben  sich  auch  hier  einige  sehr  beachtenswerthe  Thatsachen. 
Das  Thal  des  Rheins  ist  für  die  älteren  Formationen  eine  der  grossartigsten 
Verwerfungsspalten  in  den  Nordalpen,  nur  noch  vergleichbar  mit  derjenigen  bei 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


191 


[105] 


Wien;  für  die  Kreideformation  gilt  dies  aber  in  weit  geringerem  Grade.  Die 
Trennung  des  Säntisgebirges  vom  vorarlbergischen  Kreidegebiet  ist  eine  allmälig 
erweiterte  Berstung,  die  nur  in  geringem  Grade  mit  Verwerfungen  verbunden  zu 
sein  scheint.  Ja  das  Säntisgebirge  dürfte  sich  im  Schichtenbau  wie  in  den  Lage- 
rungsformen dem  vorarlbergischen  Kreidegebiete  inniger  anschliessen  als  dem 
schweizerischen  westlich  von  der  Linth.  Ist  auch  das  ganze  Kreidegebirge  bis 
hinab  nach  Savoyen  und  der  Provence  seiner  Ablagerung  nach  ein  einziges,  so 
scheint  doch  die  Art  und  Weise  der  Hebungen  eine  Trennung  in  mehrere  einzelne 
Gebiete  veranlasst  zu  haben.  Eines  derselben  ist  durch  den  Knotenpunkt  der 
Canisfluh  bezeichnet;  es  gehören  ihm  die  Kreidegebilde  im  Algäu,  in  Vorarlberg 
und  am  Säntis  an.  Die  Zusammengehörigkeit  dieser  Gebiete  zeigt  sich  in  der  Art 
und  Weise  wie  sie  sich  um  jenen  Knotenpunkt  schaaren.  Wie  in  einem  grossen 
Bogen  ziehen  die  Hebungswellen  herum  und  es  ist  gewiss  keine  zufällige  Erschei- 
nung, dass  die  Richtung  derselben  nördlich  der  Canisfluh  Stunde  5,  bei  Hohenems 
Stunde  4 und  im  Säntisgebirge  Stunde  ^ i//2>  selbst  3 ist. 

Der  Uebergang  in  die  Kreide  des  Algäus  wurde  bereits  mehrfach  im  Vorigen 
berührt  Die  Züge  setzen  mit  einigen  Aenderungen  fort  und  senken  sich  im  Iller- 
Thal  unter  den  Flysch.  Ueberaus  merkwürdig  ist  das  plötzliche  Wiederauftauchen 
am  Grünten,  da  das  Thal  der  Iller  nicht  wie  das  des  Rheins  eine  Verwerfungs- 
spalte bezeichnet.  Das  plötzliche  und  schroffe  Emporsteigen  zu  3000  Fuss  Höhe, 
die  Gleichartigkeit  des  Einfallens  gegen  Norden  und  Süden,  so  wie  alle  die  inte- 
ressanten Verhältnisse,  welche  in  der  trefflichen  Schilderung  von  Gümbel  *) 
beschrieben  sind,  weisen  auf  ein  schnelles  Emporsteigen  hin,  welchem  andere 
Ursachen  zu  Grunde  lagen,  als  der  Erhebung  des  Winterstauden  oder  der  Canis- 
fluh. Vielleicht  könnte  das  Eruptivgestein,  welches  an  mehreren  Stellen  des 
Algäus  hervorbricht  und  noch  die  Eocenschichten  durchsetzt  hat  und  welches 
nach  Gümbel  ein  melaphyrartiges  Ansehen  haben  soll,  zur  Erklärung  der  eigen- 
thümlichen  Bildung  des  Grünten  beitragen. 

Was  endlich  das  Verhalten  der  Kreide  gegen  den  Flysch  an  ihrer  Nord- 
urid  Südgrenze  betrifft,  so  ist  zunächst  das  Einfallen  des  Flysches  längs  dem 
Nordrand  unter  die  ältesten  Kreideschichten  illusorisch ; es  findet  vielmehr,  wie 
aus  zahlreichen  Profilen  hervorgeht,  eine  Ueberstürzung  des  gesammten  Kreide- 
systemes  mit  Vermittelung  aller  jüngeren  Glieder  desselben  und  des  Flysches  mit 
regelmässiger  Schichtungsfolge  auf  die  Seewerbildungen  am  ganzen  Nordrand 
statt;  am  Winterstauden  verwandelt  sie  sich  sogar  in  eine  einfache  senkrechte 
Schichtenstellung.  Dieses  Verhältniss  dürfte  wohl  auch  in  der  Schweiz  in  gleicher 
Weise  fortsetzen.  — An  der  Südgrenze  sind  die  Eocenschichten  der  Kreide 
regelmässig  aufgelagert. 


2.  Entwickelung  der  Jura-  und  Kreidegebilde  in  Nord-Tirol. 

Die  Art  und  Weise  der  Entwickelung  der  Jura-  und  Kreideformation  in  dem 
gesammten  östlich  von  Vorarlberg  gelegenen  Theil  der  Nordalpen  ist  durch  die 
Arbeiten  der  geologischen  Reichsanstalt  in  den  östlichen  Gebieten,  insbesondere 
durch  Herrn  v.  Hauer’s  „Gliederung“,  so  wie  durch  die  Abhandlungen  von 
Emm  rieh,  Schafhäutl,  Gümbel  in  den  bayerischen  Alpen,  so  bekannt 
geworden,  dass  ich  mich  in  diesem  Abschnitte  kurz  fassen  kann.  Die  beiden  For- 
mationen sind  zwar  in  ihrem  Auftreten  im  nördlichen  Tirol  niemals  genauer 


*)  Gümbel,  der  Grünten , eine  geognostische  Skizze.  München  1856. 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  II.  Heft. 


25 


192 


Ferdinand  Freiherr  von  Hichthofen. 


[•06] 

beschrieben  worden,  allein  ihre  Gliederung  und  petrographische  Entwickelung 
weicht  nur  unbedeutend  von  den  östlichen  Gegenden  ab  und  gleicht  fast  genau 
der  in  den  vorliegenden  bayerischen  Alpen.  Zudem  sind  diejenigen  Schichten, 
deren  stratigraphische  Stellung  noch  nicht  mit  voller  Sicherheit  festgestellt  ist, 
auch  hier  so  arm  an  Versteinerungen,  dass  sie  zu  einer  genaueren  Bestimmung 
nichts  beitragen  können.  Wir  beschränken  uns  daher  auf  eine  allgemeine  Ueber- 
sicht  der  Gliederung  und  werden  dann  kurz  die  Züge  beschreiben,  welche  die 
beiden  Formationen  im  Bereiche  des  Trias-Lias-Gebietes  von  Nordtirol  bilden. 


A.  Gliederung. 

In  dem  ersten  Theile  dieser  Abhandlung  (Bd.  X dieses  Jahrbuches,  S.  111) 
erwähnte  ich  bereits,  wie  unbestimmt  die  Grenze  der  Algäu-Schichten  nach 
oben  sei.  Besonders  im  Lechthal,  wo  der  Gesteinswechsel  des  mächtigen  Lias- 
complexes  so  überaus  reich  ist,  wo  die  in  den  untersten  Theilen  an  Masse  vor- 
herrschenden Fleckenmergel  sich  doch  nach  oben  fort  und  fort  wiederholen,  aber 
nicht  mehr  mit  den  zahlreichen  charakteristischen  Versteinerungen  wie  unten, 
wo  endlich  hoch  oben  mit  ganz  gleicher  Lagerung  Schichten  auftreten,  welche 
den  jurassischen  Ammergauer  Wetzstein-Schichten  entsprechen,  da  hat  man  wohl 
einen  bestimmten  Anhalt  für  die  höchsten  und  die  tiefsten  Schichten,  aber  der 
dazwischenliegende  ungeheure  Complex  bleibt  ungelöst.  So  weit  Fleckenmergel 
reichen,  dürfte  er  wohl  entschieden  dem  Lias  angehören,  aber  der  Uebergang  ist 
dann  weiter  hinauf  so  unkenntlich  , dass  hier  in  der  That  eine  fortdauernde 
ungestörte  Ablagerung  durch  die  Lias-  und  Jura-Periode  hindurch  angenommen 
werden  muss.  Weiteren  Untersuchungen  muss  es  Vorbehalten  bleiben,  die  Tren- 
nungsstelle der  Faunen  aufzufinden. 

Im  Gebiete  des  Lechthaies,  so  wie  in  der  Gegend  von  Beutte  scheint  die 
Reihe  der  regelmässig  über  einander  abgelagerten  Sedimente  mit  dem  Jura  zu 
schliessen,  wenigstens  lässt  sich  hier,  mit  Ausnahme  der  unsicheren  Gosaugebilde 
auf  dem  Muttekopf,  kein  Glied  der  Kreide  nachweisen.  Aber  schon  südlich  von 
den  mächtigen  Hallstätter  Kalkmassen  des  Zugspitz-Wetterstein-Zuges  zeigen 
sich  über  dem  Jura  noch  weitere  Schichten  und  gegen  Osten  nimmt  dieses  höhere 
System  an  Entwickelung  zu.  Wir  werden  es  im  weiteren  Verlaufe  als  Neocomien 
vom  Alter  der  Rossfelder  Schichten  nachweisen.  Dieses  Formationsglied  ist  in 
seiner  typischen  Entwickelung  leicht  von  charakteristischen  Juraschichten  zu 
unterscheiden;  allein  es  gibt  Stellen,  wo  die  Trennung  ungemein  schwierig  ist; 
denn  zuweilen  findet  ein  ebenso  allmäliger  Uebergang  durch  den  Gesteinswechsel 
der  Schichten  statt,  wie  im  Gebiete  des  Lechthaies  vom  Lias  in  den  Jura.  Zudem 
sind,  wie  dort,  beide  Formationen  gleichförmig  gelagert  wo  sie  unmittelbar 
über  einander  liegen  und  auch  hier  muss  man  nothwendig  einen  fortdauernden 
Niederschlag  annehmen.  Er  schliesst  mit  mergeligen  Schichten  voll  charakteristi- 
scher Neocomien-Versteinerungen.  Von  nun  an  ist  eine  grosse  Lücke  in  der  For- 
mationsfolge ; der  nächste  Niederschlag  gehört  der  Gosauformation  an,  mit  der 
überhaupt  die  Kreide  in  unserem  Gebiete  schliesst. 

Es  scheint  aus  diesen  wenigen  Thatsachen  hervorzugehen,  dass  der  regel- 
mässige und  ununterbrochene  Niederschlag  in  unserem  Gebiete,  der  schon  mit 
der  Triasperiode  begonnen  hatte,  durch  die  ganze  Lias-  und  Jura-Periode  hin- 
durchreichte und  erst  mitten  in  der  Periode  der  Neocomienbildungen  gänzlich 
abgeschlossen  wurde.  Nur  secundäre  Hebungen  können  in  dieser  Zeit  stattge- 
funden haben,  sonst  müsste  wenigstens  Einmal  eine  antikline  Schichtenstellung 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


193 


[107] 


zweier  auf  einander  folgender  Glieder  oder  ein  plötzlicher,  der  Niveauverände- 
rung entsprechender  Wechsel  des  Niederschlages  und  der  Facies  seiner  Fauna 
zu  beobachten  sein.  Nur  der  Wechsel  der  Intensität  der  langsamen  Hebungen 
kann  es  veranlasst  haben,  dass  mit  den  Liasablagerungen  eine  für  den  Gebirgs- 
bau  der  nördlichen  Kalkalpen  wichtige  Periode  abgeschlossen  wird  und  die 
nächsten  Formationen  trotz  des  Parallelismus  in  der  Ablagerung  einer  jeden  mit 
der  unmittelbar  darunter  folgenden  in  ihrer  Verbreitung  von  den  schon  vorhan- 
denen Ablagerungen  beschränkt  und  bestimmt  werden.  — Hat  aber  ein  fortdauernder 
Niederschlag  stattgefunden,  so  muss  die  ganze  Reihenfolge  der  Formationsglieder 
vom  Lias  bis  zum  Neocomien,  wie  sie  in  anderen  Ländern  Vorkommen,  in  unserem 
Gebiete  durch  Niederschläge  vertreten  sein;  jedoch  auch  nur  durch  solche,  denn 
die  Thierwelt  der  Jura-  und  Neocomien-Bildungen  von  Tirol  ist  äusserst 
beschränkt  und  ganze  Schichtenreihen  enthalten  kaum  Spuren  von  organischen 
Resten;  es  kann  daher  hier  nur  die  Aufgabe  sein,  die  wenigen  vorhandenen 
Faunen  in  ihrer  Aufeinanderfolge,  oder  auch  die  gleichartigen  Gesteinscomplexe, 
so  weit  dies  thunlich  ist,  gegen  einander  abzugrenzen  oder  einzelne  Schichten- 
complexe,  welche  durch  ihre  Versteinerungen  besonders  charakterisirt  sind,  aus 
der  ganzen  Reihe  als  selbstständige  Glieder  hervorzuheben.  Letzteres  ist  bei 
der  Beschränktheit  der  Versteinerungen  auf  einzelne  Schichtengruppen  das 


Sicherere.  Wir  unterscheiden  danach  fo 

1.  Vilser  Kalk, 

2.  Ammergauer  Schichten 


gende  Glieder: 

3.  Rossfelder  Schichten, 

4.  Gosaugebilde. 


1.  Vilser  Kalk. 

Der  terebratelreiche  Kalkstein  von  Vils  ist  wohl  eines  der  merkwürdigsten 
Gebilde  in  den  Nordalpen;  denn  wo  die  Niederschläge  in  weiter  Erstreckung 
ohne  Unterbrechung  durch  lange  Perioden  fortdauern , da  sollte  man  auch 
erwarten,  weithin  die  Schichten  gleichförmig  in  ihrer  Versteinerungsführung  und 
in  ihrer  petrographischen  Entwickelung  zu  finden.  In  der  That  gibt  auch  gerade 
der  alpine  Jura  sonst  ein  ausgezeichnetes  Beispiel  für  diese  Gleichförmigkeit  und 
wenn  im  Osten  seine  unteren  Schichten  als  Klausschichten  entwickelt  sind  und 
eine  massenhafte  Anhäufung  von  Versteinerungen  an  einzelnen  Orten  zeigen,  so 
hat  doch  einerseits  der  petrographische  Charakter  immer  noch  Aehnlichkeit  mit 
dem  der  anderen  jurassischen  Gesteine,  andererseits  ist  die  Erscheinung  nicht 
local  und  wiederholt  sich,  wie  Herr  v.  Hauer  nach  wies,  in  den  Ablagerungen 
von  Swinitza  im  Banate  und  in  der  Krim.  Der  Vilser  Kalk  hingegen  ist  eine  ganz 
und  gar  isolirte  Bildung  mitten  im  Bereiche  der  fortdauernden  Jura-Ablagerun- 
gen, beschränkt  auf  die  nächste  Umgebung  des  Ortes  Vils  *),  petrographiseh 
weit  verschieden  von  allen  gleichaltrigen  Schichten,  eben  so  in  der  Facies  der 
Fauna,  und  die  letztere  hat  nur  Analoga  bei  Windischgarsten  und,  wie  Herr  von 
Hauer  zeigte,  wahrscheinlich  auch  in  den  Südalpen.  Das  Alter  des  Vilser  Kalkes 


0 Gümbel  führt  (Band  VII  dieses  Jahrbuches,  Seite  30)  an,  dass  der  Vilser  Kalk  von 
Hindelang  in  flachem  Bogen  nach  Vils  zieht,  und  von  hier  über  den  Säuling,  Hochplatt, 
Hennerspitz,  Brunnenkopf,  Kogel,  Laberberg,  Ettoler-Mandl,  Benedictenwand,  u.  s.  w. 
immer  weiter  östlich  fortstreicht.  Allein  wie  sich  aus  dieser  Zusammenstellung  und 
aus  dem  Profil  Figur  17  (Seite  32)  ergibt,  wurde  in  jener  Abhandlung  der  gesammte 
Hallstätter  Kalk  und  nach  Fig.  16  (Seite  32)  auch  der  Hierlatz-Kalk  zum  Vilser  Kalk 
gerechnet,  da  die  drei  in  der  That  petrographiseh  nahe  verwandt  sind.  Das  östliche 
Fortstreichen  bezieht  sich  auf  den  Hallstätter  Kalk.  In  allen  späteren  Arbeiten  bat 
Herr  Gümbel  die  Trennung  durchgeführt. 


194 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[108] 

als  parallel  dem  Etage  Bathonien  und  Aequivalent  der  östlichen  Klaus-Schichten 
unterliegt  wohl  kaum  mehr  einem  Zweifel,  eben  so  wenig  aber  seine  Vertretung 
in  nächster  Nachbarschaft  durch  die  gewöhnlichen  Juragesteine  der  Nordalpen. 
Das  Gestein,  ein  weisser,  dichter,  nicht  sehr  harter  Kalkstein,  ist  bekannt,  eben  so 
die  Versteinerungen,  unter  denen  Terebratula  pala,  antiplecta  und  concinna 
die  häufigsten  sind.  Das  Lagerungsverhältniss  ist  aus  dem  in  der  zweiten  Abthei- 
lung dieser  Abhandlung  gegebenen  Profil  zwischen  Weissenbach  und  Vils  voll- 
kommen klar  und  es  bleibt  somit  nur  noch  die  Frage  zu  erörtern,  welche  Um- 
stände eine  solche  örtliche  Abweichung  des  Niederschlages  hervorrufen  konnten. 

Es  steht  unzweifelhaft  fest,  dass  die  nördlichen  Kalkalpen  trotz  der  ununter- 
brochen fortdauernden  parallelen  Niederschläge  doch  bereits  ain  Anfänge  der 
Jura-Periode  durch  langsame  Hebungen  allmälig  eine  ihrer  heutigen  ähnliche 
Gestalt  erlangt  hatten.  Die  Lagerstätte  der  Vilser  Kalke  aber  ist  jetzt  umstarrt 
von  mächtigen  Kolossen  von  Hallstätter  Kalk  und  wenn  man  sie  vom  Gernspitz 
über  den  in  einer  späteren  Zeit  entstandenen  Durchbruch  des  Lechs  nach  dem 
Säuling  fortsetzend  denkt,  so  hat  man  hier  einen  Kessel  von  älteren  Kalken,  wie 
er  in  Nordtirol  kaum  bei  einer  anderen  Jura-Ablagerung  Vorkommen  dürfte.  Solche 
Verhältnisse  konnten  wohl  hier  eine  besondere,  individualisirte  Art  des  Nieder- 
schlages und  eine  entsprechend  individualisirte  Fauna  schaffen.  Ganz  besonders 
dürfte  dafür  der  den  Vilser  Schichten  sehr  ähnliche  Charakter  der  Hierlatz-Kalke 
sprechen,  welche  auch  ausschliesslich  diesem  Kessel  angehören  und  erst  in  weiter 
Entfernung,  östlich  von  Innsbruck  ihre  nächste  Lagerstätte  haben. 

2.  Ammergauer  Schichten. 

(Oberer  rother  Annnonitenkalk,  Oxford  Emmrieh.) 

Mit  dem  Namen  der  „Ammergauer  Wetzsteinschichten“  bezeichnete  man 
wohl  zuerst  ein  charakteristisches  Gestein  der  Juragebilde  der  Nordalpen.  Da 
dasselbe  überall  in  gleicherweise  wiederkehrt  und  zugleich  im  Ammergau  neben 
den  Wetzsteinen  die  vollständige  Schichtenfblge  aufzutreten  scheint,  wie  sie  an 
anderen  Orten  bekannt  ist,  so  dürfte  es  wohl  am  geeignetsten  sein,  die  alte  Be- 
nennung für  den  ganzen  Complex  der  Juragebilde  beizubehalten.  „Oberer  Jura“ 
passt  darum  nicht,  weil  nach  den  obigen  Auseinandersetzungen  wahrscheinlich 
die  ganze  Folge  des  braunen  und  weissen  Jura  in  dem  in  Rede  stehenden 
Schichtensysteme  vertreten  ist.  Man  kann,  wie  gesagt,  weder  eine  untere  Grenze 
gegen  den  Lias  noch  eine  obere  gegen  das  Neocomien  festsetzen;  es  ist  eine 
ununterbrocheneAblagerung,  deren  Gliederung  überdies  durch  die  geringe  petrogra- 
phische  Verschiedenheit  grosser  Complexe  erschwert  wird.  Nach  unten  stellen 
sich  allmälig  die  Fleckenmergel  ein,  welche  mit  ihren  bestimmten  Fucoiden- 
formen  für  den  Lias  ganz  charakteristisch  sind.  Nach  oben  erscheinen  ebenfalls 
Fleckenmergel,  welche  aber  durch  die  Form  ihrer  Pflanzen  wie  durch  die  petro- 
graphisehe  Beschaffenheit  von  denen  des  Lias  verschieden  sind,  und  sich  durch 
den  begleitenden  Aptychus  Didayi  und  viele  andere  Versteinerungen  als  zum 
Neocomien  gehörig  erweisen.  Die  ganze  zwischenlagernde  Schichtenreihe  besteht 
wesentlich  aus  grauen,  gelben,  weissen,  röthlichen  und  dunkelbraunrothen  Kiesel- 
kalken, mit  denen  hier  und  da  ein  rothes  oder  grünes  Hornsteinlager  verbunden 
ist,  ähnlich  demjenigen,  welches  im  Lechgebiete  schon  den  Liasfleckenmergeln 
eigenthümlidh  ist.  Hoher  aber  nimmt,  besonders  in  den  östlicheren  Gebieten,  der 
Kieselgehalt  ab  und  es  treten  jene  rothen,  immer  noch  etwas  verkieselten  Kalke 
auf,  welche  Emm  rieh  „oberen  rothen  Ammonitenkalk“  nannte  und  die  als  Marmor 
technische  Verwendung  finden,  während  die  unteren  Kieselkalke  zur  Verfertigung 


195 


[109]  Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 

von  Wetzsteinen  dienen.  Die  reineren  Kalke  sind  gewöhnlich  von  Hornstein-Aus- 
scheidungen erfüllt. 

In  Tirol  gelang  es  uns  in  diesen  Schichten,  deren  Stellung  anderwärts 
bereits  mit  einiger  Sicherheit  festgestellt  werden  konnte,  nicht,  bestimmtere 
Anhaltspunkte  zu  gewinnen.  Aptychus  latus  und  unbestimmbare  Belemniten 
blieben  die  einzigen  organischen  Reste,  welche  wir  fanden. 

3.  Rossfelder  Schichten. 

Das  vorherrschende  Gestein  der  Rossfelder  Schichten  besteht  in  Nordtirol 
aus  grauen  fleckigen  Kalkmergeln,  welche  stellenweise  eine  ausserordentliche 
Mächtigkeit  erreichen  und  viele  charakteristische  Versteinerungen  des  untersten 
Neocomien  der  Provence  führen,  so  besonders  häufig  Aptychus  Didayi,  Am - 
monites  Astierianus,  Ammonit  es  Gr  asianus,  Crioceras-  Arten  u.  s.  w.  Nach  unten 
werden  die  Schichten  kalkiger  und  nehmen  einzelne  Kieselknollen  auf,  durch 
welche  ein  allmäliger  Uebergang  in  die  jurassischen  Bildungen  herbeigeführt 
wird.  So  dickbankige  Kalke,  wie  an  der  Canisfluh,  sind  in  Nordtirol  nicht  bekannt, 
dort  aber  fehlen  wiederum  die  Fleckenmergel.  Am  Rossfeld  ist  die  Entwickelung 
ebenfalls  abweichend,  da  dort  drei  Niveaux  , die  weissen  Aptychenkalke , eine 
darüber  folgende  mergelige  und  eine  höhere  sandige  Abtheilung  bestimmt  unter- 
schieden sind,  während  in  Nordtirol  die  Mergel  fast  allein  herrschen  und  nach 
oben  nur  ein  wenig  sandiger  werden. 

4.  Crosau-Formation. 

Während  die  bisher  betrachteten  Formationsglieder  eine  stetige  Reihe 
bilden,  sind  nun  die  Ablagerungen  in  unserem  Gebiet  plötzlich  für  lange  Zeit 
abgeschnitten.  Nirgends  ist  ein  Gestein,  welches  auf  eine  Zwischenstellung  hin- 
deutete und  erst  aus  dem  späteren  Theil  der  Kreideperiode  treten  wieder  eigen- 
tümliche Gebilde  auf,  welche  sich  durch  ihre  Versteinerungsführimg  der 
Gosauformation  äquivalent  erweisen.  Auch  in  den  räumlichen  Verhältnissen  der 
Verbreitung  und  Lagerung  stellt  sich  die  lange  Periode  der  Ruhe  gewisser- 
maassen  plastisch  dar.  Bisher  war  jedes  Glied  dem  vorhergehenden  parallel  auf- 
gelagert und  zeigte  in  seiner  Verbreitung  nur  geringe  Abweichungen , deren 
Gesammtbetrag  erst  so  erheblich  ist,  dass  zum  Beispiel  die  Neocomienmergel 
und  die  Hallstätter  Kalke  kaum  mehr  eine  Beziehung  zu  einander  erkennen  lassen. 
Die  Gosaugebilde  aber  weichen  von  dem  Neocomien  sehr  weit  ab;  ihre  Verbrei- 
tung und  Lagerung  sind  anderen,  neuen  Gesetzen  unterworfen,  ihre  Gesteine 
sind  ganz  und  gar  verschieden  und  ihre  Fauna  hat  keine  Analogie  mehr  mit  der 
früheren. 

Ueber  das  Hauptvorkommen  der  Gosaugebilde  im  BrandenbergerThal 
liegt  bereits  ein  vortrefflicher  Bericht  von  Herrn  Professor  Pichler  *)  vor,  auf 
den  ich  hier  verweisen  kann. 

Ein  zweites,  wohl  noch  nicht  ganz  sicheres  Vorkommen  ist  auf  dem  Mutte- 
köpf,  einem  der  bedeutendsten  Hochgipfel  zwischen  Lechthal  und  Innthal. 
Wenn  man  von  Tarenz  bei  Imst  den  Jochsteig  nach  Eimen  im  Lechthal  ein- 
schlägt, so  geht  man  am  Steinjöchl  unter  den  Wänden  dieses  Berges  hin.  Bei 


*)  »Zur  Geognosie  der  nordöstlichen  Kalkalpen  Tirols“.  Jahrbuch  der  k.  k.  geologischen 
Reichsanstalt,  Band  VII,  1856,  Seite  735  ff.  Daselbst  auch  ausführlichere  Mittheilungen 
über  die  Jura-  und  Neocomgebilde. 


196 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[110] 

dem  jenseitigen  Abstieg  findet  man  schon  oberhalb  Pfaflar,  am  meisten  aber 
abwärts  von  diesem  Ort  gegen  Boden,  in  ungeheuerer  Menge  und  Grosse  Blöcke 
eines  sehr  festen  Conglomerates  mit  grossen  Einschlüssen,  das  in  feineren  Sand- 
stein übergeht,  ferner  gelbe  sandige  Mergel  und  ähnliche  Gesteine,  welche,  wie 
Herr  Giimbel  sich  bei  einer  Besteigung  des  Muttekopfes  überzeugte,  von  der 
Höhe  dieses  Berges  stammen  und  seine  ganze  Gipfelmasse  bilden.  Aus  der  Aehn- 
lichkeit  mit  Gesteinen  der  Urschelau  im  südöstlichen  Bayern,  welche  durch  Orbi- 
tuliten  als  untere  Gosaugebilde  charakterisirt  sind,  schliesst  Herr  Gümbel,  dass 
auch  die  Gesteine  des  Muttekopfes  dieser  Formation  angehören.  Versteinerungen 
konnten  wir  nicht  finden. 

Ein  drittes  Vorkommen  der  Gosauformation,  das  gleichfalls  noch  nicht  sicher 
erwiesen  ist,  ist  in  dem  Becken  von  Häring  und  wie  das  vorige  von  Herrn 
Gümbel  entdeckt. 

B.  Verbreitung  und  Lagerung  der  Jura-  und  Neocomgebilde. 

Fasst  man  Jura-  und  Neocomgebilde  als  einen  Complex  zusammen , so 
beginnt  er  im  Westen  mit  den  tiefsten  Schichten  in  geringer  Mächtigheit;  nach 
Osten  treten  immer  höhere  Schichten  hinzu  und  die  Mächtigkeit  wächst  mehr 
und  mehr  an.  Wo  das  Trias-Lias-Gebiet  Vorarlberg  verlässt,  scheinen  diese 
beiden  Formationen  in  ihrer  Zone  noch  allein  zu  herrschen;  es  gibt  hier  nichts, 
was  mit  Bestimmtheit  auf  das  Vorkommen  jurassischer  Schichten  über  den 
Fleckenmergeln  schliessen  Hesse,  wenn  auch  der  unbestimmte  Gesteinscharakter 
es  nicht  unmöglich  macht,  dass  schon  in  Vorarlberg  die  höchsten  unserer  Algäu - 
Schichten  dem  Jura  angehören.  Die  ersten  Spuren,  welche  aber  doch  noch  nicht 
mit  Sicherheit  als  Jura  nachgewiesen  sind,  finden  sich  in  dem  System  derAlgäu- 
Schichten  unserer  vierten  Hebungswelle,  wie  wir  bereits  bei  der  Beschreibung  des 
Lechgebietes  andeuteten.  Vom  Holzgau  bis  zum  Kessel-Spitz  bei  El  men 
erstreckt  sich  als  oberste  Decke  der  Algäu-Schichten  ein  System  von  rothen  Horn- 
steinen und  röthlichen  und  weissen  Kieselkalken,  wie  sie  weiterhin  die  Jurafor- 
mation charakterisiren. 

Sehr  entschieden  und  mit  Versteinerungen  tritt  der  Jura  in  der  Umgebung 
von  Reutte  auf,  wo  Herr  v.  Hauer  zwei  Züge  nachwies.  Der  eine  steigt  bei 
Wengle  und  Holz  aus  dem  Lechthal  auf  und  erstreckt  sich,  stets  unter  die  Trias- 
Schichten  fallend,  mit  kurzer  Unterbrechung  bis  Kren;  der  andere  zieht  von 
Gacht  über  den  Sitnisschrolfen  und  den  Traualpen-See  nach  dem  Rothen  Spitz. 
Bei  Vils  treten  nur  die  Vilser  Schichten  auf. 

Bis  hieher  ist  mit  dem  Jura  noch  kein  Neocomien  verbunden;  es  folgt  nun 
eine  grössere  Unterbrechung,  nach  welcher  beide  Formationen  vereinigt  wieder 
erscheinen.  Dies  ist  bei  Bieber wier  und  Ehrwald  im  Loisachthal.  In  stetem 
westöstlichem  Zug  sind  sie  zwischen  zwei  kolossale  Massengebirge  von  Hall- 
stätter Kalk  in  der  Tiefe  eingelagert.  Der  südliche  wird  durch  Sonn-Spitz,  Grün- 
stein, Mieminger  Berg  und  den  Hohen  Mundi  gebildet,  der  nördliche  von  der 
Zug-Spitz,  Kothbach-Spitz  und  Scharnitz-Spitz.  Nur  längs  dem  nördlichen  Theil 
des  tiefen  Canals  sind  die  Jura-  und  Neoeomien-Ablagerungen  sichtbar;  im  süd- 
lichen fehlen  sie,  vielleicht  wurden  sie  hier,  wo  sich  das  Gaisthal  eingegraben 
hat  , zerstört  und  fortgeführt.  Zwischen  Gehren-Berg  und  Ofele-Berg  erreicht 
der  Zug  am  Luetasch-Thal  sein  Ende. 

Abermals  verschwinden  unsere  beiden  Formationen  auf  einige  Erstreckung. 
Im  Fortstreichen  des  vorigen  Zuges  treten  sie  gar  nicht  mehr  auf,  nur  etwas 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


197 


[ui] 


weiter  südlich  und  etwas  weiter  nördlich.  Das  südliche  Vorkommen  ist  an  deti 
Wänden  des  Innthales,  auf  der  Bogner-Alm  und  Wälder  Alm  oberhalb 
St.  Michael  und  St.  Martin,  wiederum  unter  den  Wänden  hoher  Hallstätter  Kalk- 
gebirge. Herr  Pichler,  der  das  Vorkommen  entdeckte,  glaubt,  dass  die  Schichten 
nur  der  Juraformation  angehören. 

Problematisch  ist  das  Vorkommen  von  Jura  und  Neocomien  in  dem  alpen- 
reichen Quellgebiet  des  Blaubachs,  Laliderer  Bachs  und  Ka  r bend  el- 
Bachs  unter  den  Steilwänden  des  imposanten  Hallstätter  Kalkgebirges,  welches 
das  Thalgebiet  der  Riss  südlich  begleitet. 

Weiter  abwärts  in  der  Biss  aber  beginnt  ein  Zug  von  unzweifelhaften  Jura- 
und  Neocomien-Schichten,  der  Hauptzug  derselben  im  ganzen  nördlichen  Tirol. 
Erbeginnt  bei  Mi  tten  w ald  in  Bayern,  betritt  am  Hoehreisen-Spitz  und 
Simes-Berg  die  österreichische  Grenze  und  das  Thalgebiet  der  Riss,  über- 
setzt das  Farmes-Thal  und  bildet  die  Wände  des  Riss-Thales  in  der  Breite 
einer  halben  Stunde,  von  Widum  bis  beinahe  zur  Einmündung  des  Leckthaies. 
Oestlich  setzen  dieselben  Formationen  den  Schön-Albel-Kopf  zusammen 
und  ziehen  hinüber  in  das  Gebiet  der  Dürr  ach,  wo  sie  sich  ausserordentlich 
ausbreiten.  An  der  Wasserscheide  der  Dürrach  gegen  das  Achenthal  erreicht 
nach  Herrn  Pichler's  Untersuchungen  die  Zone  ihre  bedeutendste  Breite  von 
beinahe  anderthalb  Meilen,  indem  nach  demselben  das  Pfans  - Joch,  der  Schaf- 
Spitz,  Sonntag-Kopf,  Retten-Joch  und  Juifen  aus  Juraformation 
bestehen,  der  am  letzteren  Berge  Neocomien  aufgesetzt  ist,  während  im  Uebrigen 
diese  Formation  zu  beiden  Seiten  in  der  Tiefe  bleibt.  Auch  im  Achenthal  ist 
die  Breite  der  Zone  noch  bedeutend;  der  untere  Theil  der  Thalwände  besteht 
von  dem  Dorf  Achenthal  bis  zur  Kohlstatt  fast  ausschliesslich  aus  den  in  Rede 
stehenden  Formationen.  Von  hier  aus  nimmt  die  Breite  ab,  aber  mit  um  so 
grösserer  Regelmässigkeit  und  ohne  Unterbrechung  streicht  der  Zug  gegen  das 
Thiersee-Thal  fort,  welches  noch  ganz  in  ihn  eingesenkt  ist,  und  lässt  sich 
noch  weiter  über  das  Innthal  gegen  Niederndorf  und  Walchsee  verfolgen. 
— In  dieser  ganzen  Erstreckung  von  beinahe  zehn  Meilen  folgt  der  Zug  einer 
Einsenkung  zwischen  hohen  Kalk-  und  Dolomitgebirgen,  besonders  deutlich  in 
seinem  östlichen  Theil  vom  Achenthal  bis  zum  Innthal.  Die  einzelnen  Theile  des 
Zuges  und  ihr  Verhalten  gegen  die  benachbarten  Gebirge  haben  wir  bereits  bei 
der  Beschreibung  des  Lias-Trias-Gebiets  erörtert  !)• 

Vergleicht  man  diese  fünf  Zonen  (von  Holzgau,  von  Reutte,  Bieberwier,  die 
der  Walder-Alm  und  die  von  der  Riss  nach  Thiersee),  so  haben  sie  das  Gemein- 
same, dass  sie  sämmtlich  gleichsam  tiefere  Canäle  zwischen  den  mächtigen 
Zügen  von  Hallstätter  Kalk  und  Dachsteindolomit  erfüllen.  Ferner  nimmt  ihre 
Mächtigkeit  und  Schichten-Entwickelung , so  wie  das  Hinzutreten  jüngerer 
Schichten,  zu  mit  der  Entfernung  von  der  Grenze  des  Urgebirges  gegen  Norden 
und  mit  dem  Fortstreichen  von  West  nach  Ost.  So  ist  bei  Holzgau  und  Eimen 
im  Lechthal  nur  die  Juraformation  vertreten,  in  der  Thiersee  tritt  sie  gegen  die 
mächtigen  Massen  des  Neocomien  fast  ganz  zurück;  dasselbe  Verhältniss  findet 
zwischen  der  Ablagerung  der  Walder-Alm  und  der  der  Thiersee  statt.  Endlich 
haben  die  Schichten  beider  Formationen  nur  geringe  und  beide  beinahe  vollkom- 
men gleiche  Störungen  erlitten.  — Alle  diese  Erscheinungen  geben  die  werth- 
vollsten Fingerzeige  zur  Erklärung  des  Gebirgsbaues  in  den  nördlichen  Kalk- 
alpen. 


O Siehe  2.  Abtheilung,  Gebiet  der  Riss  und  Dürrach,  Achenthal,  Tbiersee. 


198 


Ferdinand  Freiherr  von  Richtholen. 


[112] 


III.  Eocenformation. 

Auch  die  Eocenformation  erreicht  bei  weitem  ihre  grösste  Entwickelung  in 
Vorarlberg,  wo  sie  die  beiden  breiten  Flysch-Zonen  bildet,  welche  das  Kreide- 
gebiet umfassen.  Von  hier  zieht  sie,  stets  unmittelbar  die  Trias-Lias-Zone  nörd- 
lich begrenzend,  durch  das  Algäu  fort  und  lehnt  sich  als  ein  sanfteres  Mittel- 
gebirge an  die  schroffen  Abfälle  der  bayerischen  Hochalpen.  Auf  der  von  Herrn 
Gümbel  in  neuester  Zeit  veröffentlichten  geognostischen  Karte  von  Bayern  ist 
die  Zone  mit  mehrfachen  Unterbrechungen  bis  zur  salzburgischen  Grenze  ange- 
geben. Das  nördliche  Tirol  hat  daher  gar  keinen  Antheil  an  derselben,  wenn 
man  die  kleine,  rings  von  bayerischem  Gebiet  umschlossene  aber  zu  Tirol  ge- 
hörige Enclave  Jungholz  ausnimmt,  welches  gerade  am  Anfang  der  Flysch-Zone 
liegt.  Auch  andere  Eocengebilde  hat  Nordtirol  bis  zum  fernen  Osten  nicht  nach- 
zuweisen. Hier  erst  treten  nördlich  von  Kufstein  einige  Eocengesteine  der  Abla- 
gerung von  Reut  im  Winkel  auf  tirolisches  Gebiet  herüber.  Das  Becken  von 
Häring  aber,  welches  bisher  für  eocen  galt,  ist  durch  Heer's  neuere  Forschungen 
ziemlich  sicher  als  oligocen  festgestellt. 


A.  Nummulitenführende  Gebilde  in  Vorarlberg. 

In  Vorarlberg  folgen  auf  die  Seewerrnergel  Numulitengesteine  in  unerheb- 
licher Mächtigkeit.  Ausser  ihrem  schon  durch  Murchison  bekannt  gewordenen 
Vorkommen  bei  Dornbirn  gelang  es  mir  sie  noch  an  einigen  anderen  Orten,  überall 
unter  den  deutlichsten  Verhältnissen,  aufzufinden.  Folgendes  sind  ihre  Fundstätten  : 
1.  Becken  des  Sünser  See’s  (Profile  V,  VI)  am  Ursprünge  des  Mellen  - 
Thaies  (Nordabhang  des  Gerer  Falben).  Wenn  man  im  Latternser-Thal  aufwärts 
wandert,  so  erreicht  man  am  Hinterbad  vorüber  die  Alpe  Göfas.  Hier  zieht  die 
Grenze  der  Kreide  gegen  das  Eocen  durch.  Der  Hohe  Freschen  im  Norden  be- 
steht aus  allen  Gliedern  der  vorarlbergischen  Kreide  und  an  seinem  langgedehnten 
flachen  Südabhang  zieht  sich  das  oberste  Glied,  die  Seewerrnergel,  mit  flachem 
südlichem  Fallen  heran.  Ueber  diesen  dünnschichtigen,  fleckigen,  an  die  Pläner- 
mergel erinnernden  Gesteinen  folgt  im  Becken  des  Sünser  See’s  mit  gleicher 
Fallrichtung  und  parallel  aufgelagert: 

a)  Eine  wenig  mächtige  Schicht  von  ausserordentlich  nummulitenreichem  Kalk, 
der  sich  an  der  genannten  Formationsgrenze  weithin  zu  ziehen  scheint. 

b)  Ein  den  Seewerkalkmergeln  sehr  ähnliches  Gestein,  aber  voll  von  Fucoiden. 

c)  Dünnplattige  Kalke  am  Sünser  See,  wie  an  der  Alpe  Göfas  mauerförmig 
anstehend.  Auch  sie  enthalten  zahlreiche  Fucoiden. 

d)  Braune  Sandsteine;  schon  an  und  für  sich  sehr  mächtig,  werden  sie  es  noch 
viel  mehr  durch  die  bedeutenden  Schichtenbiegungen,  welche  mit  diesem 
Glied  beginnen;  sie  halten  fast  eine  halbe  Stunde  breit  von  der  Alpe  Göfas 
über  den  Gerer  Falben  bis  zum  Pass  in  der  Furchen  an. 

e)  Die  gewöhnlichen  Flyschgesteine. 

Wo  in  dieser,  regelmässigen  Schichtenfolge  die  Grenze  der  Nummulitenfor- 
mation  ist,  lässt  sich  kaum  sicher  bestimmen;  aber  die  parallele  Aufeinanderlage- 
rung lässt  vermuthen,  dass  der  gesammte  Flysch  dieser  Formation  angehört  und 
nur  durch  den  Charakter  der  Niederschläge,  gleich  dem  istrischen  Tassello,  dem 
Leben  der  Numrnuliten  ungünstig  war.  Trennt  man  aber  die  Nummulitengesteine 


f 99 


[113]  Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 

von  denjenigen  mit  denFlysch-Fucoiden,  so  muss  man  den  Flyseh  schon  mit  b)  an- 
fangen  lassen. 

2.  Gegend  von  Feldkirch  (Prodi  I).  Herr  Stöcker  in  Feldkirch  fand 
Nummulitenkalk  südlich  von  dieser  Stadt,  wie  es  scheint  ebenfalls  an  der  Grenze 
von  Kreide  und  Flyseh.  Combinirt  man  dieses  Vorkommen  mit  dem  am  Sünser 
See,  so  lässt  sich  wohl  erwarten,  dass  man  die  Formation  auch  weiterhin  an  der 
Grenze  von  Seewermergeln  und  Flyseh  auffinden  wird. 

3.  Gegend  von  Hohenems.  Das  ausgezeichnete  Vorkommen  von  Num- 
mulitenformationen  östlich  von  diesem  Ort  ist  auf  Profil  XX.  dargestellt.  Wendet 
man  sich  von  den  südlichsten  Häusern  des  Ortes  an  dem  von  Emser  Reutte  herab- 
kommenden Bach  aufwärts,  so  stehen  bei  den  ersten  Mühlen  die  Caprotinen- 
reichen  Schrattenkalke,  weiche  wir  bereits  oben  erwähnten,  mit  steilem  südöst- 
lichen Fallen  an  (Stunde  10).  Weiter  aufwärts  erscheinen  mit  gleichem  Fallen 
thonige,  schieferige  Mergel,  und  unterhalb  eines  neugebauten  Fabriksgebäudes 
Nummulitenkalk,  beide  im  Hangenden  der  Schrattenkalkbank  und,  bei  Be- 
rücksichtigung der  auf  dem  Profil  dargestellten  überstürzten  Lagerung,  auch  im 
Hangenden  der  südlich  am  Abhang  in  umgekehrter  Folge  sich  aufhauenden 
hreideformation.  Das  an  grossen  Nummuliten  sehr  reiche  Gestein  besteht  aus 
einer  eigenthümlich  chloritischen  Grundmasse  mit  zahlreichen  Fragmenten  eines 
hellröthlichen  Kalkes;  die  Nummuliten  liegen  in  der  Grundmasse.  Bei  der  Fabrik 
ist  eine  Austernbank  eingelagert,  wie  auch  sonst  neben  den  Nummuliten  noch 
viele,  grösstentheils  undeutliche  Versteinerungen  Vorkommen.  Etwas  weiterhin 
fallen  unter  den  Nummulitenkalk,  also  bei  der  verkehrten  Lagerung  eigentlich 
im  Hangenden  liegend,  gelbliche  und  dunkelgraue  flachsehalige  Mergel  mit 
glimmerigem  Schimmer  ein.  Während  die  zuerst  angeführten  Mergel  doch  viel- 
leicht noch  dem  Seewer  angehören,  sind  diese  wohl  sicher  der  Nummulitenfor- 
mation  zuzurechnen;  der  Glimmergehalt  unterscheidet  sie  auf  den  ersten  Blick 
von  allen  Seewermergeln;  vielleicht  entsprechen  sie  der  Schicht  b)  am  Sünser 
See,  wiewohl  ich  keine  Fucoiden  darin  fand  und  die  Mächtigkeit  eine  ausser- 
ordentlich bedeutende  ist. 

Verfolgt  man  die  Nummulitengebilde  weiter,  so  sieht  man  klar  dass  sie  mulden- 
förmig aber  ein  wenig  discordant,  der  Kreide  eingelagert  sind,  und  die  ganze 
zusammengeklappte  Mulde  sich  mit  südöstlichem  Fallen  in  das  Kreidegebirge 
hineinzieht.  In  südlicher  Richtung  übersteigt  man  daher  von  den  glimmerigen 
Mergeln  aus  über  den  Nummulitenkalk  und  die  Seewerbildungen  die  ganze 
Schichtenfolge  in  umgekehrter  Reihenfolge,  während  nach  Norden  zunächst 
bei  Hohenems  die  Glieder  zwischen  Nummulitenformation  und  Schrattenkalk 
verschwinden  und  erst  allmälig  gegen  Osten  sich  einstellen.  Am  Deutlich- 
liebsten  ist  die  südliche  umgekehrte  Schichtenfolge  auf  dem  Wege  von  den 
Häusern  Tugstein  nach  dem  Berg  Tugstein.  Der  Bach  stürzt  in  einer  engen 
Klamm  hoch  herab  über  die  Felsen  des  hier  mächtiger  gewordenen  Nummuliten- 
gesteins;  es  tritt  hier  nur  der  röthliche  schwach  krystallinisehe  Kalk  mit  sehr 
sparsamen  Nummuliten  auf.  Dann  folgen  graue  glimmerige  Mergel,  und  erst  über 
diesen  die  charakteristischen  fleckigen  Seewermergel. 

4.  Dornbirn.  Das  mehrfach  (von  Murchis  on,  Studer,  Eseher,  Güm- 
bel)  beschriebene  Vorkommen  von  Nummulitenformation  am  Röthelstein,  beim 
Mühlbach  südlich  von  Dornbirn  ist  dem  von  Hohenems  ähnlich.  Auch  hier  gehören 
sie  einem  überstürzten  Schichtensystem  vom  Neocomien  bis  zum  Nummuliten- 
kalk an,  aber  statt  sich  jenseits  wieder  muldenförmig  herauszuheben,  fällt  Flyseh 
darunter  ein  und  herrscht  weiterhin  allein.  Das  Nummulitengebilde  erstreckt  sich 
zwischen  Seewermergeln  und  Flyseh  mit  stetem  südlichen  Fallen  vom  Röthel- 

26 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  II.  Heft. 


200 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[H4] 

stein  bis  an  den  südlichen  Abhang  des  Berges  von  Kehlegg,  ist  aber  an  dieser 
nördlichen  Grenze  des  Kreidegebietes  gegen  die  Flysch-Zone  nicht  weiter  nach- 
gewiesen. Die  Gesteine  gleichen  denen  von  Hohenems,  sind  aber  ungleich  mäch- 
tiger, und  neben  der  chloritischen  Bindemasse  des  Conglomerats  treten  Holh- 
eisensteine in  bedeutender  Entwickelung  auf.  Die  grauen,  schwach  glimmerigen 
Mergel  sind  wie  dort  entwickelt.  Eine  Wanderung  im  Mühlbachthal  aufwärts 
gehört  zu  den  lehrreichsten  für  das  geognostische  Verhalten  verschiedener 
Formationen  gegeneinander  in  den  Alpen. 

B.  F 1 y s c h in  Vorarlberg. 

Wie  in  der  Schweiz  so  ist  auch  in  Vorarlberg  der  eocene  F ly  sch  durch 
seine  Verbreitung  und  Mächtigkeit  eines  der  wichtigsten  Glieder  im  Gebirgsbau. 
aber  wie  dort,  so  auch  hier  ein  einziger  Complex  von  nicht  weiter  gegliederten 
und  nur  durch  AJgenreste  eharakterisirten  Schichten.  Was  die  petrographische 
Beschaffenheit  anbelangt,  so  fehlen  reine  Kalke,  reine  Sandsteine,  charakteristi- 
sche Mergel  und  dergleichen,  alle  diese  verschiedenen  Elemente  vereinigen  sich 
in  den  Niederschlägen  und  häufen  Tausende  auf  Tausende  von  beinahe  gleich 
mächtigen  Schichten  aufeinander,  welche  hauptsächlich  durch  die  Unbestimmt- 
heit ihrer  petrographischen  Beschaffenheit  charakterisirt  sind.  Eben  so  wenig  ist 
irgend  eine  Gliederung  des  Complexes  zu  bemerken,  ein  Vorherrschen  gewisser 
Gesteine  oder  Pflanzenformen  in  verschiedenen  Niveau  s,  und  wenn  sie  vorhanden 
sein  sollte,  so  entzieht  sie  sich  der  Beobachtung  durch  die  ausserordentliche 
Zusammenfaltung  und  Krümmung  der  Schichten,  welche  nur  noch  bei  den  Algäu- 
Schichten  im  gleichen  Maasse  wiederkehrt.  Den  Anfang  einer  Gesteinsfolge 
führten  wir  so  eben  bei  dem  Nummulitenkalk  vom  Sünser  See  an,  sie  lässt  sich 
dort  nicht  weiter  verfolgen.  Anderwärts  aber  ist  kaum  dieser  Anfang  deutlich 
und  wir  beschränken  uns  daher  auf  eine  allgemeine  Angabe  der  Gesteine,  welche 
sich  zu  dem  mächtigen  Complex  aufbauen.  Eine  sehr  vollständige  Entblössung 
findet  sich  an  den  Wänden  des  Durchbruches  der  Bregenzer  Ache  durch  den 
südlichen  Flyschzug  zwischen  Schröcken  und  Schopernau.  Ich  notirte  dort  in 
meinem  Tagebuche  folgende  Gesteinsabänderungen: 

1.  Hellrauchgrauer  mergeliger  Kalk  in  1 Zoll  bis  1 Fuss  dicken  Schichten, 
zuweilen  ins  Bläuliche  und  Leberbraune  übergehend;  hart,  spröde,  aber 
nicht  splittrig. 

2.  Derselbe  splittrig  und  reich  an  Helminthoidea. 

3.  Schieferiger  etwas  mergeliger  schwärzlichgrauer  Kalk. 

4.  Sandiger  Kalk  mit  Glimmerblättchen. 

5.  Graue,  kalkig-sandige  Mergelschiefer,  zum  Theji  mit  überwiegendem 
Kalkgehalt;  sie  führen  häufig  Fucus  intricatus  und  haben  meist  glänzende, 
von  Pflanzenresten  schwarz  gefärbte  Schichtungsfläehen. 

6.  Dasselbe  Gestein  mit  festeren,  unrein  kieselig-kalkigen  Einschlüssen,  die 
durch  Verwitterung  als  unregelmässige  Knollen  hervorragen. 

1.  Sehr  fester  grauer,  an  der  Luft  brauner  Quarzsandstein  mit  vielem  Glimmer. 

8.  Kieseliger  Kalkschiefer  mit  schwarzen  Hornsteinknauern,  die  den  Schichten- 
flächen parallel  liegen. 

Während  alle  diese  Schichten  stetig  und  eben  fortziehen,  treten 

9.  Sandigkalkige  braungraue  Schichten  auf,  mit  einer  Mächtigkeit  vom  Schiefe- 
rigen bis  zu  einem  Fuss  und  darüber,  mit  w elliger  wulstiger  Oberfläche  und 
von  Kaikspathadern  durchzogen , welche  die  rhomboedrische  Zerklüftung 
deutlich  hervortreten  lassen.  Sie  sind  stets  überaus  uneben  gebogen,  keilen 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


201 


[115] 


sich  gegen  einander  aus  und  bedingen  die  grosse  Aehnlichkeit  des  Flysches 
mit  den  Algäu-Schichten,  besonders  wenn  sie  überdies  hornsteinrührend  sind. 
10.  Weiche,  schwarze  Flyschthonschiefer,  sehr  häufig  den  vorigen  Schichten 
zwischengelagert. 

Oie  petrographische  Verschiedenheit  dieser  Schichten  ist  unbedeutend,  ihr 
Charakter  schwankt  im  Allgemeinen  um  den  von  graubraunen  kalkigmergeligen 
Sandsteinen.  Ein  bestimmtes  Gesetz  in  der  Aufeinanderfolge  aber  lässt  sich,  wie 
gesagt,  noch  nicht  feststellen. 

Es  wurden  zuweilen  Bedenken  gegen  das  eocene  Alter  unserer  Flysch- 
gesteine  erhoben,  allein  zu  den  vielen  Beweisen,  welche  die  Geologen  der 
Schweiz  für  dasselbe  aufgestellt  haben,  kommt  die  unverkennbar  deutliche  Lage- 
rung in  Vorarlberg.  Mit  der  grössten  Regelmässigkeit  sieht  man  den  Flysch  hin 
und  wieder  durch  Vermittelung  nummulitenführender  Gesteine,  oft  aber  auch 
unmittelbar  den  jüngsten  Gliedern  der  Kreide  aufgelagert,  so  am  Südrande  des 
Kreidegebietes  allenthalben  wo  ein  deutlicher  Aufschluss  beobachtbar  ist;  hier 
sind  die  Schichten  normal  auf  einander  gelagert  und  aus  ihrer  ursprünglichen  Lage 
nur  unbedeutend  gehoben.  Der  Nordrand  verlangt,  um  dasselbe  Verhältnis 
nachzuweisen,  subtilere  Beobachtung,  allein  auch  hier  fehlt  es  bei  den  über- 
stürzten Kreidegebilden  nicht  an  untrüglichen  Aufschlüssen,  so  in  unseren  Profilen 
insbesondere  bei  Dornbirn,  wo  der  Nummulitenkalk  dazwischenlagert.  Weit 
schwieriger  dürfte  eine  obere  Grenze  für  den  Flysch  nachzuweisen  sein,  da  er 
durch  keine  Gesteine  irgendwo  unmittelbar  überlagert  wird;  nur  wo  das  Flysch- 
System  auf  die  Molasse  überstürzt  ist,  also  in  einer  Linie  von  Dornbirn  über  Egg 
nach  Balderschwang,  ist  wohl  zu  erwarten,  dass,  wie  bei  der  Ueberstürzung  der 
Kreide  auf  den  Flysch,  die  höchsten  Schichten  zunächst  auf  der  Molasse«  lagern 
werden.  In  der  Schlucht  der  Bregenzer  Ache  hei  Egg  wird  sich  dies  Verhältnis 
gewiss  erörtern  lassen. 

Was  die  sonstigen  Lagerungsverhältnisse  des  eocenen  Flysches  betrifft,  so 
ist  er,  wie  gesagt,  im  höchsten  Grade  zusammengefaltet  und  gewunden.  Die 
Mächtigkeit  muss  ausserordentlich  bedeutend  sein,  aber  sie  wird  noch  weit  ver- 
mehrt durch  diese  Faltungen  und  es  thürmen  sich  dadurch  hohe  Gebirge  auf, 
so  der  Zug  des  Hoch-Gerrach,  Löffel-Spitz  und  Tiirtsch-Horn,  das  Vintscher  Joch 
und  zahlreiche  andere  Kuppen.  Die  Streichrichtung  der  einzelnen  welligen  Auf- 
biegungen ist  ungefähr  den  Rändern  des  Kreidegebietes  parallel;  aber  an  den 
Durchschnitten  der  Abhänge  mit  ausgebildeteren  Systemen  von  derartigen  Auf- 
biegungen lässt  sie  sich  meist  nicht  mehr  erkennen;  es  entstehen  Zeichnungen 
der  ausgehenden  Schichtenköpfe,  die  man  nur  mit  dem  Damasciren  von  Gewehren 
durch  scheinbar  paralleles  Nebeneinanderlegen  von  dünnen  Schichten  und  Durch- 
schneiden mittelst  einer  gekrümmten  Fläche  vergleichen  kann.  Jede  der  zahl- 
reichen Schluchten  entblösst  derartige  Damastzeichnungen. 

Die  Formen  der  Flyschberge  sind  sowohl  in  der  südlichen  Zone  zwischen 
Trias-Lias-  und  Kreide-,  wie  in  der  nördlichen  zwischen  Kreide-  und  Molasse- 
gebiet durch  den  Contrast  leicht  erkennbar.  Es  fehlt  ihnen  die  Wildheit  und 
Zerrissenheit  der  Trias-Lias-Zone  wie  die  von  steilen  Einrissen  unterbrochene 
sanfte  Oberfläche  der  Molasse  und  der  landschaftliche  Formen  Wechsel  des  Kreide- 
gebietes. Die  Thäler  sind  eng  und  tief,  aber  keine  schroffen  Risse.  Steil  und 
selten  von  sanfteren  Wölbungen  unterbrochen,  steigen  die  Gehänge  zu  den  hohen 
Rücken  auf  und  endigen  in  Reihen  hoher  und  kühner  Gipfel,  denen  aber,  um  wild 
zu  sein,  das  Zackige  fehlt.  Daher  sind  nur  wenige  Dörfer  im  Bereiche  des 
Flysches  und  die  meisten  haben  eine  höchst  unbequeme  Lage,  wie  Fontanefla, 
Sontag,  Blons  im  grossen  Walserthaie,  Tamüls  und  andere,  Seiten  sind  grössere 

26  * 


202 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


["61 

Weitungen  wie  diejenigen,  in  welchen  die  Dörfer  Schwarzenberg,  Andelsbuch, 
Sibratsgföll,  Mittelberg  liegen.  Hingegen  trägt  der  Flysch  treffliche  Alpen, 
besonders  an  den  Südabhängen,  welche  auch  hier,  wie  im  Kreidegebhte,  sanfter 
sind,  während  die  Nordgehänge  oft  steile,  unzugängliche  Wände  bilden. 

Wenden  wir  uns  endlich  zur  Verbreitung  des  Flysches,  so  begegnen  wir 
einer  Reihe  sehr  eigenthiimlicher  und  wohl  noch  nicht  hinreichend  erklärbarer 
Erscheinungen.  Schon  mehrfach  erwähnten  wir  der  Theilung  des  Flysches, 
welcher  zwischen  Sonthofen  und  Obersdorf  von  Osten  her  an  das  Thal  der  Iller 
tritt  und  sich  hier  bei  Fischen  durch  das  aus  der  Tiefe  heraufgewölbte  Kreide- 
gebiet in  zwei  Arme  theilt,  welche  das  letztere  zu  beiden  Seiten  durch  Vorarl- 
berg begleiten.  Sie  bilden  die  Hauptmasse  des  Flysches  in  Vorarlberg;  ein  dritter 
Zug  ist  am  Rhätikon. 

1.  Nördlicher  Flyschzug. 

Dieser  Zug  trennt  das  Kreide-  vom  Molassegebiet,  unter  jenes  fällt  er  ein, 
diesem  ist  er  aufgelagert,  beiderseits  durch  überstürzte  Lagerung,  wie  es  aus  den 
Profilen  hervorgeht.  Die  Grenze  gegen  die  Kreide  wird  ungefähr  durch  eine 
Linie  von  Mühlbach  über  Bühel  bei  Andelsbuch  nach  Sibratsgföll,  diejenige  gegen 
die  Molasse  durch  eine  Linie  von  Dornbirn  über  Egg  nach  Balderschwang 
bezeichnet.  Es  gehören  der  Zone  somit  das  Hochälpele  mit  dem  Dorfe  Schwar- 
zenberg, die  Berge  östlich  von  Andelsbuch  und  die  nördlichen  Vorberge  des 
Winterstauden  an.  Die  Breite  dieser  nördlichen  Zone  beträgt  nirgends  mehr  als 
eine  halbe  Meile,  die  Formen  in  derselben  sind  sehr  sanft,  die  Höhe  bis  zu  der 
die  Berge  aufsteigen,  ist  nur  gering,  die  Aufschlüsse  und  Entblössungen  überaus 
sparsam,  so  dass  sich  die  Grenze  gegen  die  Molasse  schwer  mit  Genauigkeit  fest- 
setzen lässt. 

2.  Südlicher  Flyschzug. 

Der  andere  Arm  der  Flysch-Zone  betritt  von  Osten  her  bei  Rietzlen  das  vor- 
arlbergische  Gebiet  und  zieht  als  Grenzscheide  der  Trias-Lias-Zone  und  des 
Kreidegebietes  bis  zum  Rheinthal  fort.  Der  Flysch  ist  der  Kreide  meist  mit  flachem 
südlichen  Fallen  aufgelagert,  die  Schichten  sind  auch  weiterhin  trotz  der  zahl- 
reichen Faltungen  und  Windungen  vorherrschend  nach  Südsüdost  geneigt  und 
fallen  endlich  unter  die  Gesteine  der  Trias-Lias-Zone  ein,  wie  die  Profile  I bis 
XII  zeigen.  Die  Grenze  gegen  das  Kreidegebiet  ist  eben  so  scharf  wie  im  Norden, 
indem  weder  im  Kreidegebiet  eine  Spur  von  Flysch  noch  in  den  Flysch-Zonen 
eine  Spur  Von  Kreide  zu  finden  ist.  Von  den  Fällegatter  Häusern  bei  Feldkirch 
zieht  die  Auflagerungslinie  über  Frastanz,  Satteins  und  den  nördlichen  Rücken 
des  Muttekopfes  nach  dem  Hintertobl  im  Latternser-Thal,  von  hier  weiter  über 
das  Hinterbad  und  die  Alpe  Göfas  nach  dem  Kessel  des  Sünser  Sees  und  über 
das  hochgelegene  Dorf  Ugen  nach  Argenau  an  der  Bregenzer  Ache.  Am  rechten 
Ufer  tritt  die  Auflagerung  bei  Remen  wieder  hervor  und  zieht  am  Schnan-Baeh 
hinauf  nach  dem  Kessel  der  Subersalp.  wo  die  Lagerung  besonders  klar  ist;  von 
hier  an  hält  sie  sich  in  der  Mitte  des  Nordabhanges  vom  Zuge  des  Ochsenhofer 
Kopfes,  Geisberges  und  Heuberg-Kopfes,  bis  sie  bei  Rietzlen  das  Thal  Mittelberg 
erreicht,  an  dessen  flachem  Nordgehänge  sie  das  Algäu  betritt.  Noch  weit  deut- 
licher ist  die  südliche  Grenze  der  Flysch-Zone  gegen  das  Trias-Lias-Gebiet,  dessen 
schroffe  und  nackte  Dolomitgebirge  steil  auf  das  beraste  Mittelgebirgsland 
abfallen.  Die  Linie,  welcher  entlang  die  Flyschgebilde  unter  das  ältere  Gebirge 
einfallen,  ergibt  sich  mit  einiger  Klarheit  aus  den  Profilen  von  Vorarlberg 
(I  bis  XII),  Sie  beginnt  zwischen  Vaduz  und  Schaan  im  Fürstenthume  Liechten- 


Die  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


203 


[117] 


stein,  wo  sie  sich  aus  der  Ebene  des  Rheinthaies  hebt  und  allrnälig*  am  Gehänge 
aufsteigt,  bis  sie  zwischen  Gerrella-Kopf  und  Rovia-Berg  den  ersten  Rücken 
erreicht;  so  umsäumt  sie  den  Nordabhang  des  Gebirges  der  Drei  Schwestern, 
des  Alpilla-Berges,  Guntis-Spitz  und  Gamp-Berges,  zieht  dann  weit  hinein  nach 
der  tiefen  Thalsohle  des  Gamp-Baches  und  erreicht,  nachdem  sie  noch  einen 
Rücken  übersetzt  hat,  am  Nordabhange  des  Klamper  Schroffen  allrnälig  hinab- 
ziehend das  Illthal  östlich  von  Nenzing.  Bei  Ludesch  taucht  sie  aus  der  Thalsohle 
wieder  auf,  umzieht  in  weitem  Bogen  das  Gebirge  des  Hoch-Frassen  und  greift 
tief  hinein  an  den  untersten  Gehängen  des  Marouler-Thales.  Von  Maroul  aus 
setzt  die  Ueberstürzungslinie  an  der  Südseite  des  Walser  Thaies  fort,  übersetzt 
dasselbe  unterhalb  Fontanella  und  zieht  dann  hoch  hinauf  nach  dem  Nordabhange 
des  Zitterklapfen-Künzlespitz-Gebirges,  ist  im  Durchbruch  der  Bregenzer  Ache 
als  Liegendes  des  Lias-Trias-Gebirges  in  Form  einer  tief  eingreifenden  Zunge 
entblösst,  übersetzt  den  Rücken  des  Vintscher  Joches  und  erreicht  das  Thal 
Mittelberg  bei  Baad,  aber  nur  um  bald  wieder  nach  den  Höhen  zu  steigen,  welche 
vom  Widderstein-Gebirge  sich  in  dieses  Thal  erstrecken.  Am  Nordabhange  der 
Kanzlwarid  tritt  sie  ins  Algäu. 

In  dieser  Begrenzung  stellt  sich  das  südliche  Flyschgebiet  als  eine  im 
Westen  breitere,  im  Osten  mehr  und  mehr  an  Breite  abnehmende  Zone  eines 
einheitlichen,  stets  nach  Südsüdost  fallenden  Gesteines  mit  im  Allgemeinen 
gleichbleibenden  Oberflächenformen  dar.  Die  grösste  Breite  von  anderthalb 
Meilen  ist  zwischen  Nenzing  und  Satteins  und  zwischen  Maroul  und  dem  Gerer 
Falben,  die  geringste  von  kaum  einer  halben  Meile  bei  Baad  und  Mittelberg  an 
der  Breitach.  Dem  Trias-Lias-Gebiete  bleibt  die  Flysch-Zone  in  der  Höhe  wie  in 
der  Entwickelung  der  Formen  stets  untergeordnet,  dem  Kreidegebiete  kommt  sie  in 
der  Höhe  der  Gipfel  beinahe  gleich,  aber  in  den  äusseren  Formen  ist  weit  mehr 
Einförmigkeit.  Die  Höhen  sind  alle  mit  trefflichen  Alpen  bedeckt,  Wälder  ziehen 
sich  nur  an  den  steileren  Gehängen  hinab.  Sehr  klar  ist  der  Zusammenhang  der 
Oberflächengestaltung  mit  dem  Streichen  der  Schichten.  Die  grösseren  Thäler 
sind  dem  letzteren  parallel,  so  die  Thäler  der  Breitach  und  des  Lutzbaches  oder 
das  kleine  und  grosse  Walser  Thal,  das  Thal  des  Latternser  Baches,  des  Argen- 
baches  und  andere.  Von  den  hohen  Gebirgskämmen,  welche  sich  zwischen  diesen 
Einsenkungen  erheben,  ziehen  Querthäler  in  grosser  Zahl  herab,  die  meisten  von 
ihnen  eng  und  unbewohnbar.  Auch  die  beiden  grossen  Durchbrüche  des  Illthales 
und  der  Bregenzer  Ache  gehören  der  Querrichtung  an.  Ihre  Vereinigung  mit  den 
Längsthälern  schafft  grosse  Weitungen,  die  bewohntesten  Gegenden  des  Flyseh- 
Gebietes. 

3.  Flysch  am  Rhätikon. 

Schon  bei  der  Beschreibung  der  Lagerung  und  des  Gebirgsbaues  im  Trias- 
Lias-Gebiete  des  Rhätikon  *)  bot  sich  mehrfach  Gelegenheit,  das  auffallende  Ver- 
hältniss  anzudeuten,  in  welchem  der  eocene  Flysch  als  einziges  jüngeres  Gebilde 
dort  in  den  Gebirgsbau  eingreift  (Profile  I,  V,  VI).  Im  vorarlbergischen  Theil 
des  Rhätikon  tritt  der  Flysch  in  zwei  getrennten  Partien  auf.  Die  eine  derselben 
gehört  ganz  und  gar  dem  Fiirstenthume  Liechtenstein  an,  bildet  dort  das  Würzner 
Horn  bei  Balzers,  den  Boden  der  Elavena-Alpe  und  fällt  von  Balzers  bis  jenseits 
Triesen  unmittelbar  in  das  Rheinthal  ab.  Wahrscheinlich  gehört  dieser  Flysch 
der  im  Vorigen  beschriebenen  südlichen  Zone  an.  Ist  schon  das  Vorkommen  der 
Formation  an  diesem  westlichen  Abbruch  der  Trias-Lias-Kalkalpen  von  beson- 


D 1.  Abtheilung  (Band  X dieses  Jahrbuches),  Seite  114 — 13?  und  Fig,  1 und  10 


204 


Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen. 


[118] 

derem  Interesse,  so  wird  es  noch  durch  die  höchst  merkwürdigen  und  bis  jetzt 
wohl  nicht  hinreichend  erklärbaren  Lagerungsverhältnisse  erhöht.  Nicht  allein 
dass  (nach  Fig.  1)  der  Flysch  steil  unter  Algäu-Schichten  einfällt,  werden  diese 
wieder  von  einem  wenig  geneigten  Trias-Systeme  überlagert,  also  eine  zwei- 
fache Ueberstürzung.  Die  Trennung  von  den  Algäu-Schichten  ist  ungemein 
schwierig  und  nur  durch  den  Unterschied  der  Fleckenmergel-Fucoiden  von  dem 
Fucus  intricatus  möglich.  Wenn  man  im  Wildhaus-Tobl  aufwärts  steigt,  so 
erscheinen  viele  Schichten,  welche  gewissen  Algäu-Schichten  ähnlich  sind,  aber 
immer  führen  sie  wieder  Fucus  intricatus  und  Targionii.  Hoch  oben  werden 
jene  braunen  Sandsteine  herrschend,  welche  sich  am  Siinser  See  als  das  tiefste 
Glied  des  Flysches  erwiesen,  und  da  sie  unmittelbar  von  Fleckenmergeln  über- 
lagert sind,-  die  ihrerseits  in  grosser  Höhe  Adnether  Kalk  tragen,  so  scheint  sich 
die  ganze  Erscheinung  als  eine  überstürzte  Lagerung  eines  Systemes  herauszu- 
stellen, welches  aus  einer  Grundlage  von  Lias  und  einer  anomalen  Auflagerung 
von  eocenem  Flysch  bestand. 

Die  zweite  Partie  bildet  einen  schmalen  Zug  vom  Gaffal-Joch  längs  dem 
Nordabfall  der  Kalke  des  Schweizer  Thors,  Fornele- Jochs,  Sporer  Gletschers  und 
der  Weissplatten  (Profil  V und  VI,  Fig.  10).  Ich  suchte  bereits  in  der  ersten 
Ahtheilung  dieser  Arbeit  zu  beweisen,  dass  sie  dem  Gebirgsbau  des  Prättigau 
angehören. 


C.  Eocengestein  von  Niederndorf. 

Das  einzige  sichere  Vorkommen  von  Eoeenformation  im  ganzen  Gebiet  von 
Nordtirol  wurde  von  Herrn  Gümbel  bei  Niederndorf  am  Inn,  nördlich  von  Kuf- 
stein, entdeckt.  Wir  fanden  einen  graulich-weissen  sandigen  Kalk  mit  zahl- 
reichen Exemplaren  der  Gryphaea  Archiacina , ausserdem  zahlreiche  Austern 
und  andere  eocene  Versteinerungen.  Das  Gebilde  scheint  in  der  näheren  Umge- 
bung keine  weitere  Verbreitung  zu  haben:  es  steigt  aus  der  Thalsohle  auf  und 
lehnt  sich  an  Neocomien-Mergel. 


IV.  Oligoceii-  und  Mioceuformation. 

Auch  die  mittleren  Tertiärgebilde  spielen  nur  in  Vorarlberg  eine  einiger- 
maassen  wichtige  Rolle  im  Gebirgsbau,  indem  sie  hier  ein  Gebiet  selbstständig 
zusammensetzen,  während  sie  im  nördlichen  Tiro!  nur  untergeordnet  auftreten. 
Alle  diese  Gebilde  sind  theils  an  Ort  und  Stelle  in  unserem  Gebiet,  theils  in 
nächster  Nachbarschaft  so  häufig  und  so  genau  beschrieben  worden,  dass  es 
überflüssig  scheint,  hier  näher  auf  dieselben  einzugehen. 

Die  Mola  ss  e von  Vorarlberg,  welche  den  ganzen  Theil  dieses  Landes 
nördlich  von  der  Flyschgrenze  einnimmt,  entspricht  so  genau  derjenigen  in  den 
angrenzenden  Theilen  der  Schweiz  und  des  südlichen  Bayern,  dass  ich  auf  die 
zahlreichen  ausgezeichneten  Arbeiten  über  diesen  Gegenstand  verweisen  kann. 
Dieselben  Conglomerate  mit  Eindrücken  der  aufeinanderliegenden  Gerolle,  die- 
selben zu  Schleifsteinen  verarbeiteten  feinkörnigen  Sandsteine,  dieselben  kohlen- 
führenden Schichten,  wie  sie  allenthalben  bekannt  sind,  finden  sich  auch  hier: 
eben  so  gleicht  auch  der  Gebirgsbau  mit  sanften,  nach  Norden  steiler  gebogenen 
Gewölben  und  Faltungen  auf  das  Genaueste  dem  der  benachbarten  Gebiete,  Die 
Versteinerungsführung  aber  ist  dort  ungleich  bedeutender  und  erlaubte  besonders 


Die  Kalkdlpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


205 


[119] 


bei  Sauet  Gallen  und  weiter  gegen  Westen  so  tief  eingehende  Studien,  dass  sie 
in  Vorarlberg  kaum  vervollständigt,  wohl  aber  in  hohem  Grade  bestätigt  werden 
können.  Besonderes  Interesse  bietet  nur  die  Grenze  gegen  den  eocenen  Flysch. 
Wie  die  Trias-Lias-Gebilde  auf  den  südlichen  Flysehzug  und  die  Kreidegebilde 
auf  den  nördlichen  überstürzt  sind,  so  ist  es  auch  der  Flysch  auf  die  Molasse, 
aber  bei  weitem  nicht  in  demselben  Maasse.  Nach  Westen  fällt  das  Molasse- 
gebirge in  das  Rheinthal,  den  Bodensee  und  das  Leiblachthal  ab,  nach  Osten 
setzt  es  durch  das  Gebiet  von  Staufen  und  Immenstadt  nach  Bayern  fort. 

Ausserhalb  des  Molassegebirges  sind  mittlere  Tertiärablagerungen  in  Vorarl- 
berg nur  im  Montavon  bekannt.  Heer  hat  sie  als  unterohgoeen  nachgewiesen. 

Im  westlichen  Nordtirol  bis  Innsbruck  dürften  tertiäre  Ablagerungen 
überhaupt  nicht  bekannt  sein.  Von  hier  an  aber  beginnen  auf  ebenen  Terrassen 
an  den  Thalwänden,  in  kesselförmigen  Erweiterungen  und  an  anderen  günstigen 
Orten  sporadische  Auflagerungen,  deren  Zahl,  wie  es  scheint,  noch  bedeutend 
vermehrt  werden  wird  *).  Hier  und  da  vereinigen  sich  die  Ablagerungen  zu  Zusam- 
menhängen Zügen,  welche  die  höheren  Abhänge  des  Gebirges  begleiten. 

Da  Herr  Gümbel  (nach  brieflicher  Mittheilung)  die  Tertiärgebilde  im  süd- 
lichen Bayern  ausführlicher  zu  bearbeiten  gedenkt  und  wohl  zu  erwarten  ist,  dass 
dieser  gründliche  Kenner  dieses  Theiles  der  nördlichen  Kalkalpen  auch  die  von 
ihm  so  genau  studirten  Tertiärablagerungen  des  benachbarten  Theiles  von  Tirol 
mit  in  den  Bereich  der  Bearbeitung  ziehen  wird,  so  übergehe  ich  hier  diesen 
Gegenstand  ganz  und  gar. 


V.  Dihmnm  nud  Alluvium, 

Wie  überall,  wo  seit  der  Tertiärperiode  keine  Meeresbedeckung  mehr  stattfand, 
sondern  nur  noch  das  Süsswasser  gestaltend  einwirkte,  die  diluvialen  und  allu- 
vialen Ablagerungen  allmälig  in  einander  übergehen  und  nur  einzelne  Schichten 
durch  sporadische  Versteinerungen  das  Merkmal  ihres  Alters  an  sich  tragen,  so 
auch  in  unserem  Gebiete.  Die  sogenannten  diluvialen  Schotterterrassen  treten 
in  einer  ausserordentlichen  Mächtigkeit  auf,  so  besonders  bei  Innsbruck,  wo  sie 
ein  hohes  Plateau  bilden,  in  welches  das  Innthal  eingeschnitten  ist  und  sich  mit 
seinen  Alluvionen  ausbreitet.  Auch  diese  Gebilde  sind  bereits  aus  vielen  Theilen 
der  Alpen  auf  das  Genaueste  beschrieben  und  treten  in  Tirol  eben  so  auf,  wie  in 
allen  anderen  Thälern.  Ein  besonders  hohes  Interesse  bietet  das  Rheinthal  mit 
seinen  ausgedehnten  Terrassen-Bildungen,  seiner  breiten  Alluvialebene,  in  die 
der  Strom  stets  neue  Arme  gräbt,  mit  seinen  Torfablagerungen  und  den  unend- 
lichen Geröllmassen,  welche  der  Rhein  fortwährend  aus  dem  Gebirge  herab  dem 
Bodensee  zuführt.  Ueber  alle  diese  Erscheinungen  liegen  die  vortrefflichsten 
Untersuchungen  von  den  unermüdlichen  Geologen  der  Schweiz  vor,  daher  ich 
auch  in  dieser  Beziehung  auf  die  schon  vorhandene  Literatur  verweisen  kann. 


D So  traf  ich  im  Jahre  18S7  südlich  von  Haslau  am  Ausgang  des  Windau-Thaies  ein  eben 
erschürftes  Braunkohlenflötz  und  es  wurde  mir  versichert,  dass  in  der  Gegend  noch 
viele  solche  Schichten  Vorkommen  wie  diejenigen,  welche  das  Flötz  einschliessen.  ln 
dieser  dem  llrgebirge  angehörigen  Gegend  kannte  man  bisher  noch  keine  Tertiär- 
ablagerung; die  Thatsache  lässt  schliessen,  dass  man  sie  noch  in  weiterer  Verbreitung 
im  Bereiche  des  Urgebirges  finden  wird. 


206  Ferdinand  Freiherr  von  Richthofen.  L'ie  Kalkalpen  von  Vorarlberg  und  Nord-Tirol. 


Inhalt. 


B.  Lagerung  und  Gebirgsbau  in  der  Trias-LiasrZone  (Fortsetzung) 

II.  Trias-Lias-Gebiet  zwischen  Bludenz  und  dem  Arlberg 

Umgegend  von  Bludenz,  Bratz,  Dalaas,  Bartholomäusberg 

Das  Klosterthal  [6]  92.  — Bludenz,  Ludesch,  Alpilla,  Bothwand.  Bratz 

Dalaas,  Formarin,  Schafberg,  Spullers,  Klösterle 

Stuben,  Arlberg,  Grabach,  Zürss  [13]  99.  — Oberes  Lech-Gebiet 

(Zug,  Am  Lech,  Stubenbach),  Grub-Spitz,  Gypsi-Tobl 

Walserthal  (südl.  Gebiet)  [19]  103.  — Walserthal  (nördl.  Gebiet), 

Zitterklapfen,  Künzle-Spitz,  Grenze  mit  Flysch 

Widderstein-Gebirge 

Umgegend  von  Schröcken,  Hoch-Krumbach  und  Warth 

III.  Der  westl.  Theil  von  Nord-Tirol  von  der  Vorarlberg.  Grenze  bis  Seefeld 
Gebirge  zwischen  dem  Lech-Thale  von  Stög  bis  Elbigen-AIp  und 
dem  Stanzer  Thale  [30]  116.  — Gebirge  zwischen  dem  Lech-Thale 

von  Stög  bis  Weissenbaeh  und  dem  bayerischen  Algiiu  

Umgebung  von  Reutte,  Vils,  und  Thannheim 

Gegend  zwischen  dem  Lech-Thal  von  Elbigenalp  bis  Weissenbaeh,  dem 
Inn-Thale  von  Landeck  bis  Telfs  und  der  Landesgrenze  gegen  Bayern. 
Seefeld  

IV.  Gebirge  zwischen  Secf'eld  und  den  Berchtesgadner  und  Salzburger 

Alpen - 

Gegend  zwischen  Innsbruck  und  der  Riss 

Gebiet  der  Riss  und  Dürrach  bis  zur  Einsenkung  des  Achen-Thales . 
Gebiet  zwischen  dem  Achenthal  und  Kufstein  [70]  156.  — Kalkgebirge 
zwischen  dem  Inn  bei  Kufstein  und  der  bayer.  und  Salzburg.  Grenze  . 

II.  Jura  und  Kreide 

1.  Entwickelung  der  Jura-  und  Kreidegebilde  in  Vorarlberg 

A.  Gliederung  

a)  Juraformation 

b)  Kreideformation 

1.  Rossfelder  Schichten  [78]  164.  — 2.  Etage  Valanginien  (Desor) 

3.  Spatangenkalk  [83]  169.  — 4.  Schrattenkalk  (oder  Caprotinen- 
kalk)  [84]  170.  — 5.  Gault  [85]  171.  — 6.  Seewerschichten 

B.  Verbreitung  und  Lagerung 

1.  Nordsüdliches  Profil  von  Andelsbuch  über  Bezau  und  die  Canisfluh 

nach  Tamüls  [90]  176.  — 2.  Umgegend  von  Hohenems 

3.  Umgegend  von  Feldkirch,  Rankweil  und  Hoch-Freschen 

4.  Umgebungen  von  Bezau,  Schnepfau,  Hoch-Ifer  und  Sibratsgföll  .... 

5.  Ergebnisse  

2,  Entwickelung  der  Jura-  und  Kreidegebilde  in  Nord-Tirol 

A.  Gliederung.  

1.  Vilser  Kalk  [107]  193.  — 2.  Ammergauer  Schichten 

3.  Rossfelder  Schichten  [109]  195.  — 4.  Gosau-Schichten  

B.  Verbreitung  und  Lagerung 

III.  Eocenformation 

A.  Nummulitenführende  Gebilde  in  Vorarlberg 

B.  Flysch  in  Vorarlberg 

1.  Nördlicher  Flysehzug  [116]  202.  — 2.  Südlicher  Flyschzug 

3.  Flysch  am  Rhätikon 

C.  Eocengesteine  von  Niederndorf 

IV.  Oligocen*  und  Mio cen  f o rmati o n 

V.  Diluvium  und  Alluvium 


[<20] 


Sritr 

M]~ 
MJ  87 
[3]  89 

1 7 1 93 
[9|  95 

| 17J  103 

[20]  106 
[23]  109 
[24(  110 
[29]  115 


[39]  125 
| 44]  130 

[49J  135 
[56]  142 

[58]  144 
[58  144 
[63]  149 

[73]  159 

74]  160 

75]  161 
77]  163 

77]  163 

78]  164 
80]  166 

[87]  173 

[88]  174 

| 92]  178 
[96]  182 
[99]  185 
102]  188 

105]  191 

106]  192 
l108]  194 
109]  195 
HO]  196 
112]  198 
112]  198 
114]  200 
116]  202 

117]  203 

118]  204 
Ti 8]  204 

119]  205 


Aus  Herrn  J.  Barrande’s  Schrift:  „Defense  des  Colonies.  I.  firoupe  probatoire“  u.  s.  w.  207 


II.  Aus  Herrn  Joachim  Barrande’s  Schrift:  „Defense  des 
Colonies.  I.  Groupe  probatoire“  u.  s.  w.  25.  November  1861, 
Seite  17  bis  Ende  Seite  34. 

Uebersetzt  von  A.  Fr.  Grafen  Marsehall. 


Vorbemerkungen  von  Wilhelm  Haidinger. 

In  unserer  Sitzung  am  7.  Jänner  (dieses  Jahrbuch,  Verhandlungen  S.  1) 
habe  ich  das  Verlangen  des  Herrn  Joachim  Barrande  mitgetheilt,  den  Ab- 
schnitt seiner  oben  genannten  Schrift  von  Seite  17  bis  zum  Schlüsse  (S.  34) 
in  unser  Jahrbuch  aufzunehmen. 

„Ich  erwarte  von  Ihrer  Gerechtigkeit  und  Unparteilichkeit,  dass  Sie  gerne 
in  Ihrem  Jahrbuche  die  wichtigsten  Stellen  der  gegenwärtigen  Schrift  aufnehmen 
werden  und  vorzüglich  den  Abschnitt  von  Seite  17  bis  zum  Ende.  Sie  werden 
mir  nicht  dieselbe  Oeffentlichkeit  für  meine  Vertheidigung  verweigern,  welche 
es  Ihnen  dem  Angriffe  zu  geben  zweckmässig  geschienen  hat“  *). 

Herr  Barrande  besitzt  seit  langen  Jahren  ein  so  hohes  Anrecht  auf  die 
Verehrung  aller  Freunde  geologischer  Forschung,  dass  ich  nicht  Anstand  nehmen 
durfte,  seinem  an  mich  gestellten  Verlangen  zu  entsprechen,  wenn  ich  auch 
allerdings  hätte  wünschen  können,  dass  bei  dem  Umstande,  wo  abweichende 
Ansichten  wissenschaftlicher  Gegenstände  entstanden,  doch  die  Erörterungen  in 
mehr  objectiver  Weise,  die  Gegenstände  selbst  betreffend,  mehr  das  Wissen- 
schaftliche in  das  Auge  fassend,  geführt  worden  wären,  als  dass  nun  gewisse  per- 
sönliche Beziehungen  in  den  Vorgrund  gestellt  sind. 

Wer  ein  unabhängiges  Werk  im  Drucke  herausgibt,  wie  Herr  Barrande 
seine  „ Defense  des  Colonies“,  gleicht  einem  Hausbesitzer,  der  das  theilnehmende 
Publicum  in  sein  eigenes  Haus  einladet  und  dem  er  hier  seine  Ansichten  eröffnet, 
In  den  verschiedenen  Schriften  neutraler  periodischer  Presse  nimmt  sich  je  nach 
der  Art  derselben  eine  Mittheilung  aus  wie  in  einem  wissenschaftlichen  Sprech- 
saale, auf  dem  Markte,  auf  der  Strasse.  Durch  sein  Verlangen,  dass  seine  Erörte- 
rungen in  unserem  Jahrbuche  erscheinen  sollen,  stellt  sich  aber  Herr  Barrande 
dem  Manne  gleich,  der  Einlass  in  ein  fremdes  Haus  begehrt,  um  dort  den  Bewoh- 
nern „seine  Meinung  zu  sagen“.  So  wenig  es  nun  meiner  Neigung  ent- 
spricht, so  kann  ich  es  doch  nicht  vermeiden,  auch  wenigstens  über  einige 


*)  „J’attends  de  votre  justice  et  de  votre  impartialite , que  vous  voudrez  bien  reproduire 
dans  votre  Jahrbuch  les  parties  les  plus  importantes  de  cet  ecrit  et  notamment  ä partir 
de  la  page  17  jusqu  ä la  fin.“  „ Vous  ne  me  refuserez  pas  p mir  ma  defense , lameme 
publicite , que  vous  avez  juge  convenable  de  donner  ä V attaque“ 


K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1S61  und  1862.  II.  Heft. 


27 


208 


Ahr  Herrn  J.  Barramle’s  Schrift: 


[2] 

Aeusserungen  meine  eigene  Ansicht  nicht  zurückzuhalten.  Ich  fühle  mich  ungefähr 
in  der  Stellung  eines  Hausinspectors,  dem  vorübergehend,  — vielleicht  — in 
meinen  Lebensbeziehungen  — nicht  mehr  auf  lange  Zeit,  — die  Sorge  für 
dieses  Hauswesen  anverlraut  ist,  und  der  in  tiefster  Ehrfurcht  für  die  Quelle 
seiner  Stellung,  und  als  Vorgang  für  seine  Amtsnachfolger  Manches  nicht  mit 
Stillschweigen  hinnehmen  darf,  was  in  dem  Hause  nicht  hätte  gesprochen  werden 
sollen,  so  peinlich  als  solche  Erörterungen  immer  ausfallen  mögen.  Eine  Anzahl 
Noten  wird  daher  den  übersetzten  Text  begleiten,  nicht  jede  Stelle  kann  dabei 
in  dasjenige  Licht  gesetzt  werden,  welches  uns  das  richtige  erscheint,  aber  doch 
wünsche  ich  weuigslens  die  leitenden  Stellen  abweichender  Ansicht  zu  be- 
zeichnen. 

Es  war  mir  sehr  angenehm,  dass  Herr  Barrande  nicht  die  Aufnahme  der 
ganzen  Schrift  verlangt  hatte,  so  dass  ich  über  Mehreres  leichter  hinweggehen 
kann,  wenn  auch  das  Wichtigste  nicht  fehlt.  Er  gibt  einen  Bericht  über  die 
Geschichte  der  allmäligen  Entwickelung  der  einander  entgegenstehenden 
Ansichten,  wie  sie  aus  Herrn  Professor  KrejcTs  erstem  Berichte  an  die  k.  k. 
geologische  Reichsanstalt  (Jahrbuch  1859,  S.  112),  seiner  eigenen  Protestation 
(Jahrbuch  1859,  S.  479)  und  Herrn  Suess  Bemerkungen  (S.  481),  endlich 
meiner  Ansprache  am  30.  October  1860  (Jahrbuch  1862,  S.  115),  den  hoch- 
verehrten Lesern  zu  freundlicher  Erinnerung  gebracht  werden  sollen.  Dazu  kommt 
seitdem  noch  als  Erläuterung  Herrn  Lipold's  Abhandlung  selbst  (Jahrbuch 
1861,  S.  1),  und  meine  Anzeige  von  Herrn  Barrande’s  „ Defense  des  Colo - 
nies“  in  den  Verhandlungen  (Jahrbuch  1861  und  1862,  Verhandlungen  S.  14). 
Durch  diese  Schriftstücke  ist  die  Uebersicht  vollständig  gewonnen  und  Jeder- 
mann ist  im  Stande,  sich  selbst  die  Discussionen  zu  bilden,  je  nachdem  ihm  die 
Gründe  mehr  für  diese  oder  jene  Seite  zu  sprechen  scheinen.  In  dem  Abschnitte 
von  Herrn  Bar  ran  de’s  Schrift  Seite  17  analysirt  derselbe  zuvörderst  den  in 
französischer  Uebersetzung  gegebenen  Abschnitt  meiner  Ansprache  am  30.  Octo- 
ber 1861,  wie  folgt. 


Das  Studium  des  vorhergegangenen  Actenstückes  lässt  leicht  erkennen, 
dass  die  Definition  der  Colonien , wie  sie  Herr  Haidinger  gibt,  an  Klarheit 
Vieles  zu  wünschen  übrig  lässt- 

Ferner  sind  die  Nachweisungen  über  die  Colonie  Zippe  so  unvollständig, 
dass  es  nicht  scheint,  als  wären  sie  eine  logische  Rechtfertigung  der  sie  beglei- 
tenden Schlussfolgerung,  die  wir  im  Texte  unterstrichen  haben1). 

Dennoch  müssen  wir  diese  Schlussfolgerung  als  eine  Anerkennung  der 
Wichtigkeit  unserer  Lehre  von  den  Colonien  überhaupt  und  von  der  Existenz  der 
Colonie  Zippe  insbesondere,  betrachten.  In  der  That  ist  die  oben  unterstrichene 
Stelle  durch  folgende  Stellen  eines  Schreibens  deutlich  bestätigt,  mit  welchem 
uns  Herr  Director  Haidinger  am  31.  October — mithin  am  Tage  nach  der 
Sitzung,  in  der  er  vorhergehenden  Bericht  vorgetragen  hatte  — beehrt  hat: 

„Ich  hatte  es  für  meine  Pflicht  gehalten,  Herrn  Lipoid  recht  dringende 
Fragen  in  Betreff  des  gründlichen  Studiums  einer  oder  der  andern  Ihrer  Colonien 
Krejci  und  Haidinger  zu  stellen.  In  seinem  Berichte  gibt  er  die  Gründe  an. 


0 Die  Thatsache  der  Natur  der  nach  dem  Ausdrucke  von  Agassiz  (Barrande  S.  640) 
„prophetischen“  Fossilien-Faunen  selbst,  ist  also  wohl  vollkommen  sichergestellt.  (Jahrb. 
1860,  S.  117,  Z.  14.)  W.  H. 


Defense  des  Colonies.  I.  Groupe  probatoire“  u.  s.  w. 


209 


[3] 


die  er  hat,  um  diese  beiden  Colonien  als  dem  Begriffe  der  Colonien  nicht  ent- 
sprechend zu  betrachten,  wie  dieser  Begriff  von  den  Thatsachen  bei  der  ersten 
echten  Colonie  Zippe  hergenommen  ist.  ......  Ich  habe  erachtet,  Herrn 

Lipold’s  Schlussfolgerungen  aiinehmen  zu  sollen,  nach  welchen  die  Colonien 
Krejci  und  Haidinger  ihre  Erklärung  in  Faltungen  — wie  man  solchen  so 
zahlreich  in  Schichten  jeden  Alters  begegnet  — finden  würden.  Wiewohl  in 
dieser  Weise  die  obbenannten  Oertlichkeiten  nicht  mehr  in  den  Begriff  von  Colo- 
nien hineinpassen  würden,  bleibt  doch  dieser  Begriff  selbst  unberührt,  wie  Sie  ihn 
nach  den  Daten  der  Colonie  Zippe  abgeleitet  haben  und  wie  er  auch  in  vielen 
anderen  Ländern  erwiesen  worden  ist.  Herr  Suess  sagt  mir,  dass  er,  bei  seinen 
neueren  Studien  über  das  Tertiäre  um  Horn,  Colonien  von  littoralen  und  sub- 
littoralen  Faunen  bis  in  sehr  neue  Ablagerungen  hinein  gefunden  habe.  Wenn 
auch  der  Hauptpunkt:  die  Natur  der  echten  Colonien,  zu  fest  aufgestellt  bleibt, 
um  ferner  angegriffen  zu  werden,  so  ist  es  dennoch  sehr  wichtig,  Alles  zu  stu- 
diren,  was  sich  unter  der  scheinbaren  Form  der  Colonien  zeigt.44 

Diese  Stellen  rechtfertigen  demnach  vollkommen  die  von  uns  unterstrichene 
Schlussfolgerung  in  Herrn  Haidinger’s  Bericht. 

Indem  wir  deren  Klarheit  anerkennen,  müssen  wir  vcnimthen,  die  Nachläs- 
sigkeit irgend  eines  Abschreibers  oder  Setzers  habe  den. Theil  dieses  Berichtes, 
der  sich  auf  die  Definition  der  Colonien  und  auf  die  Colonie  Zippe  bezieht, 
verundeutlicht  oder  verstümmelt1).  Diese  Auslegung  erscheint  uns  um  so  natür- 
licher, als  der  zweite  Theil  desselben  Berichtes  — der  nämlich,  welcher  die 
Ergebnisse  aus  Herrn  Lipoid ’s  Studien  über  die  Colonien  Haidinger  und 
Krejci  darstellt  — in  dem  gewohnten  klaren  Styl  des  Herrn  Directors  Hai- 
dinger geschrieben  ist. 

Dieser  zweite  Theil  beansprucht  unsere  vollste  Aufmerksamkeit.  In  der 
That  sind  die  zu  so  vielen  Malen  und  in  so  bestimmter  und  umfassender  Gestalt 
der  Genauigkeit  der  von  Herrn  Lipoid  ausgeführten  Forschungen  ertheilten 
Lobsprüche  ein  neuer  Beweis,  wie  leicht  es  ist,  Herrn  Haidinger’s  Vertrauen 
zu  überraschen  und  seinen  Eifer  für  die  Wissenschaft  irre  zu  leiten,  zumal  wenn 
es  sich  darum  handelt,  nach  den  vielen  Verdiensten,  die  sich  die  unter  seiner 
väterlichen  Leitung  stehenden  Geologen  bereits  erworben,  ein  neues  Verdienst 
zu  verkünden.  Wir  sind  indess  überzeugt,  der  ehrwürdige  Director  der  Reichs- 
anstalt werde,  durch  unsere  Stimme  gemahnt,  nicht  säumen,  von  seinen  Täu- 


!)  Herr  Barrande  lässt  mir  geneigtest  noch  ein  Hinterpförtchen  offen,  um  mich  selbst 
jetzt  noch  seiner  Ansicht  anzuschliessen,  aber  um  den  Preis,  dass  ich  eingestehe,  ich 
habe  entweder  meine  Ansprache  am  30.  October  1860  nicht  selbst  verfasst,  oder  ich 
habe  nicht  bemerkt,  wie  ein  Abschreiber  oder  Setzer  mir  übel  mitgespielt!  Aber  seine 
Divinationsgabe  hat  ihn  doch  getäuscht.  Ja  ich  habe  selbst  meine  Ansprache  geschrieben, — 
und  unter  welchen  Gefühlen,  dürften  wahre  theilnehmende  Freunde  wohl  ermessen,  wo 
es  sich  um  Sein  oder  Nichtsein  unserer  lc.  k.  geologischen  Reichsanstalt  handelte,  und 
nur  Pflichterfüllung  uns  aufrecht  erhielt — , ich  habe  sie  persönlich  in  der  Sitzung-  vorge- 
tragen, ich  habe  die  Presse  selbst  corrigirt,  und  darf  mir  in  dieser  Beziehung  keine  Vor- 
würfe von  Nachlässigkeit  machen.  Aber  Herr  Barrande  nimmt  nicht  Rücksicht  auf 
unsere  Zustände,  auch  nicht  auf  meine  Stellung.  Meine  Aufgabe  war  nur,  einen  kurzen, 
möglichst  klaren  Bericht  über  Herrn  Lipold’s  Darstellungen  zu  geben,  nicht  aber  eine 
Abhandlung  über  die  Colonien  zu  schreiben.  Doch  wünschte  ich  auch  den  Standpunkt  der 
Frage  nicht  ganz  unberücksichtigt  zu  lassen,  als  Einleitung  zu  diesem  Bericht.  Wo  der 
Kürze  der  Darstellung  der  Verhältnisse  der  Colonie  „Zippe“  wegen  Herr  Barrande 
einen  Schatten  auf  meine  Logik  wirft,  hatte  ich  gerade  gewünscht,  seiner  Ansicht  mög- 
lichst mich  anzuschliessen.  Als  Gegensatz  zu  einer  so  empfindlichen  Verdächtigung  darf 
ich  wohl  das  Lob  der  Klarheit  für  die  nachfolgende  Stelle,  eben  nur  als  Gegensatz  auf- 
nehmen. W.  H. 


27 


210 


Aus  Herrn  J.  Barrande’s  Schrift: 


W 

schungen  zurückzukommen  und  einen  jener  edlen  und  beherzten  Entschlüsse  fassen, 
von  denen  er  uns  bereits  mehrfache  Beispiele  gegeben,  wie  sie  allein  seinem 
angeborenen  Rechtssinn  und  der  Würde  seiner  hohen  Stellung  angemessen  sind. 

Wir  seihst,  die  wir  die  unerbittliche  Pflicht  zu  erfüllen  haben , die  uns 
unsere  aufrichtige  Ueberzeugung  und  die  Verfechtung  der  Wahrheit  auferlegt, 
bedauern  lebhaft,  in  die  harte  Nothwendigkeit  versetzt  zu  sein,  der  wissenschaft- 
lichen Welt  erklären  zu  müssen,  dass  Herrn  Lipold’s  Arbeit,  weit  entfernt  Herrn 
Haidinger’s  Lob  und  Bewunderung  zu  verdienen,  mit  unglaublichen  Nachläs- 
sigkeiten, schweren  Irrthümern  und  unerhörten  Willkürlichkeiten  behaftet  sei, 
welche  alle  ihren  wesentlichen  Antheil  zu  den  vermeintlichen  Faltungen  dieses 
Geologen  geliefert  haben. 

Demgemäss  können  die  Ergebnisse  einer  solchen  Durchforschung  — mögen 
sie  auch  unter  der  doppelten  Gewähr  eines,  die  Markscheidekunst  anwen- 
denden Bergrathes  und  eines  stratigraphisch  verfahrenden  Chef- Geologen  1 ) 
angekündet  werden  — von  keinerlei  Gewicht  in  der  Frage  über  die  Colonien 
sein,  bei  der  eine  wirkliche  Genauigkeit  zu  fordern  ist. 

Die  von  uns  angedeuteten  Nachlässigkeiten,  Irrthümer  und  Willkürlichkeiten 
haben  unsere  Aufmerksamkeit  erregt,  sobald  nur  Herrn  Lipold's  Karten  und 
Durchschnitte  vor  unsere  Augen  gekommen  sind.  Wir  werden  jeden  unserer 
Leser  mit  Fingern  daraufhinweisen,  wenn  sie  nur  einmal  jene  selben  Grundlagen 
der  Erörterung  in  Händen  haben  werden.  Ohne  diese  Belegstücke  wäre  es  uns 
durchaus  unmöglich,  weder  die  Einzelheiten  noch  die  Gesammtheit  der  von  uns 
zu  erörternden  materiellen  Thatsachen  zum  Verständnis  zu  bringen. 

Wir  ersuchen  daher  dringend  Herrn  Director  Hai  ding  er,  im  Namen  des 
hohen  Interesses,  das  diese  Frage  erregt  (wie  er  sich  selbst  ausdrückt) 
und  im  Namen  der  uns  schuldigen  Gerechtigkeit,  Herrn  Lipold's  vollständigen 
Text,  seine  Specialkarten  und  seine  Durchschnitte  — kurz:  die  Gesammtergeb- 
nisse  seiner  Untersuchungen  über  die  Colonien  Haidinger  und  Krejci,  baldmög- 
lichst veröffentlichen  zu  wollen2). 


4)  Ein  hoher  Ton  und  Drohungen,  Hohn  und  Spott  verbessern  auch  eine  vollkommen  und 
unbezweifelt  siegreiche  Sache  nicht,  ja  sie  sind  deren  ganz  unwürdig.  In  dem  gegenwär- 
tigen Falle,  wo  eigentlich  doch  nur  einfache  wissenschaftliche  Erörterungen  vorliegen, 
sind  sie  wohl  noch  weniger  an  ihrem  Platze,  und  stören  auf  jedem  Schritte,  selbstgefällig 
wie  sie  durch  die  ganze  Schrift  hindurchgeführt  und  wiederholt  erscheinen.  W.  H. 

2)  Diese  Beschwörung  erscheint  mir  sehr  überflüssig.  Herr  Barrande,  von  dem  ich  noch 
nicht  die  Rückkehr  nach  Prag,  nach  achtzehnmonatlicher  Abwesenheit  ( Defense  S.  14) 
erfahren  hatte,  sandte  die  Exemplare  der  „ Defense “ zu  meiner  grossen  Ueberraschung, 
und  ich  erhielt  das  Anzeigeschreiben  am  19.  December  1861,  die  Brochüren  selbst  am 
22.  December.  An  demselben  Tage  konnte  ich  ihm  schon  die  Aushängebögen  von  Herrn 
Lipold’s  Abhandlung  von  Seite  1 bis  Seite  56  überschicken — die  Seiten  57  bis  66,  so 
wie  ein  Exemplar  der  Karte  wurden  vor  unserer  Sitzung  am  7.  Jänner  1862  abgesandt. 
Man  sieht  wohl,  dass  nicht  sein  Drängen  das  Fertigwerden  beschleunigte,  so  dass  sie  in 
dieser  Weise,  mit  umgehender  Post  gesandt  werden  konnten.  Sie  waren  bereits  gedruckt. 
Aber  es  war  uns  erst  spät  möglich  gewesen  den  Druck  wieder  zu  beginnen,  und  er  wurde 
wahrlich  sorgsamst  beschleunigt.  Die  Karten  selbst  waren  das  Letzte.  Sucht  doch  ein 
wahrer  Mann  der  Wissenschaft  bis  zuletzt  noch  zu  bessern  und  deutlicher  die  Gegen- 
stände darzustellen.  Die  Karte,  von  welcher  Herr  Lipoid  in  zuvorkommendster  WTeise 
eine  Durchzeichnung  durch  Strohpapier  an  Herrn  Barrande  gesandt,  war  das  erste 
Manuscript.  Man  weiss  wohl,  wie  in  einem  solchen  Manches  übrig  bleiben  kann,  das  in 
der  Ausführung  verbessert  wird.  Wenn  nun  anstatt  der  Ausführung,  wie  sie  am  7.  Jänner 
vorgelegt  wird,  Herr  Barrande  den  Zustand  der  Strohpapierskizze  vor  dem  30.  October 
1860  als  Basis  von  Discussionen  verlangt,  so  erscheint  uns  das  mehr  in  dem  Verfahren 
eines  Mannes  zu  liegen,  der  den  Wunsch  Recht  zu  behalten  höher  schätzt,  als  wahre, 
redliche  Naturforschung.  Was  uns  betrifft,  so  werden  wir  nicht  aufhören  Verbesserungen 
anzubringen,  so  lange  es  uns  nur  immer  möglich  sein  wird.  W.  H. 


[S] 


, Defense  des  Colonies.  I.  Groupe  probatoire“  u.  s.  w. 


211 


Die  hohe  Ehrenhaftigkeit  des  Vorstandes  der  geologischen  Reichsanstalt 
lässt  uns  hoffen,  dass  unsere  Wünsche  erfüllt  und  die  Karte  und  Durchschnitte 
völlig  unverändert,  nach  den  Original-Zeichnungen , von  denen  lins  (wie  Herrn 
Haiding er’s  Bericht  bestätigt)  eine  Durchzeichnung  ärntlich  mitgetheilt  wurde, 
werden  veröffentlicht  werden.  Wir  bestehen  lebhaft  auf  diesem  Punkt,  weil  jene 
Zeichnungen  die  Original-Acten  darstellen,  auf  deren  Grund  unsere  Colonien 
Haidinger  und  Krejcf  so  summarisch  gerichtet  und  verurtheilt  wurden.  Es  ist 
daher  vollkommen  gerecht,  diese  Beweisstücke  in  ihrer  ursprünglichen  Gesamint- 
fassung  dem  wissenschaftlichen  Publicum,  als  der  einzigen  competenten  Behörde, 
der  wir  uns  in  dieser  Streitsache  unterwerfen,  vorzulegen. 

Zum  bessern  Beweis,  dass  wir  uns,  in  Erwartung  der  eben  verlangten  Ver- 
öffentlichungen, nicht  auf  eine  blosse  Protestation  zu  beschränken  die  Absicht 
haben,  beginnen  wir  hier  eine  Reihe  von  Mittheilungen  mit  dem  Zwecke,  einzelne, 
auch  ohne  Karte  oder  Durchschnitte  leicht  verständliche  Thatsachen  festzustellen. 
Diese  Thatsachen,  welche  Jedermann  unmittelbar  an  der  angegebenen  Stelle 
prüfen  kann,  werden  den  rechten  Maassstab  für  die  so  gepriesene  Genauigkeit 
von  Herrn  Lipoid’s  Forschungen  abgeben.  Es  werden  eben  so  viele  in  Voraus 
aufgestellte  Fixpunkte  sein,  die  uns  dienen  sollen,  den  Gang  der  Erörterung  vor- 
zuzeichnen und  sie  auf  die  einfachsten  Ausdrücke  zurückzuführen.  Das  ist  für 
jetzt  das  einzige  uns  zu  Gebot  stehende  Mittel,  den  Schluss  dieses  peinlichen 
Streites,  bei  dem  wir  eine  rein  passive  *)  Stellung  einnehmen,  zu  beschleunigen. 
Wir  wollen  nun  denn  sogleich  Hand  an’s  Werk  legen. 

Viertes  Capitel. 

Beweisgruppe  (groupe  probatoire) , die  Colonien  „Haidinger“  und  „Krejcf“  und  den  Erguss 

( coulee ) „Krejcf“  umfassend. 

Der  Probirstein  dient  dazu,  die  Reinheit  des  Goldes  zu  versuchen  und 
seinen  Handelswerth  festzustellen. 

Auf  gleiche  Weise  soll  die  coloniale  Gruppe,  die  wir  „Be  weis -Gr  upp  e“ 
nennen,  noch  einmal  dazu  dienen,  den  wissenschaftlichen  Werth,  d.  h.  die  wahre 
Tragweite  und  die  Genauigkeit  der  Forschungen  unserer  Gegner  und  die  Wirk- 
samkeit ihrer  Beweisgründe  gegen  unsere  Colonien  Haidinger  und  Krejcf 
abzuschätzen. 

Diese  Gruppe  liegt  bei  Gross-Kuchel,  7 — 8 Kilometer  südlich  von  Prag; 
also  nicht  entfernter  als  das  gewöhnliche  Maass  eines  geologischen  Spazierganges. 
Die  Oberfläche  ist  an  dieser  Stelle  unbebaut,  grossentheils  offen  und  jederzeit 
zugänglich;  die  Beweis-Gruppe  kann  mithin  an  jedem  Tage  besucht  und  studirt 
werden. 

Diesen- — selten  so  vereinten — Umständen  verdankt  diese  Gruppe  das  ganz 
besondere  Vorrecht,  nach  einander  und  nach  Verlauf  mehrerer  Jahre  zwei  Mal  ein 
Gegenstand  der  Berufung  zu  werden,  an  dem  die  Studien  der  vermeintlichen  Berich- 
tiger unserer  stratigraphischen  Bestimmungen  interessante  Proben  ablegen  sollen. 

Die  erste  dieser  Proben  reicht  bis  an  das  Jahr  1859  hinauf,  und  fällt  in  die 
Zeit,  da  Herr  Krejcf  zum  erstenmal  verkündete,  dass  sich  unsere  Colonien 
einfach  durch  Dislocationen  erklären  Hessen. 


1)  So  sind  die  Ansichten  verschieden.  Mir  selbst  und  auch  vielen  andern  hochverehrten 
Freunden  erscheint  Herrn  Barrand  e’s  Rolle  in  der  That  sehr  activ  zu  sein.  W.  H. 


212 


Aus  Herrn  J.  Barrande’s  Schrift: 


[«] 

Erinnern  wir  uns,  dass  Herr  Hofrath  Haidinger  in  seinem  amtlichen 
Bericht  vom  31.  August  1859,  bei  Veröffentlichung  der  vermeintlichen  Ent- 
deckung des  Herrn  Krejcf,  nicht  ermangelt  hatte  festzustellen:  dass  dieser 
Forscher,  der  sich  den  Arbeiten  der  geologischen  Reichsanslalt  freiwillig  bei- 
gesellt hatte , den  Verlauf  der  Schichten  dem  Streichen  nach  mit  der 
höchsten  Aufmerksamkeit  verfolgt  habe.  Man  musste  nun  meinen, 
Herrn  Krejcf’s  Entdeckung  sei  das  natürliche  Ergebniss  jenes  so  gründlichen 
und  bis  dahin  im  Silurbecken  Böhmens  gewiss  beispiellosen  stratigraphischen 
Studiums. 

Durch  unsere  am  17.  October  1859  an  Herrn  Haidinger  gerichtete  Ver- 
wahrung wurde  sogleich  der  Beweis  hergestellt,  dass  Herr  Krejcf,  ungeachtet 
seiner  höchsten  Aufmerksamkeit,  nicht  so  glücklich  gewesen  war,  auf 
eine  sehr  mächtige  Colonie  zu  stossen,  nämlich  auf  die  Colonie  Haidinger  bei 
Gross-Kuchel,  ganz  nahe  der  Colonie,  die  wir  im  Jahre  1850  Herrn  Krejcf 
gezeigt  und  nach  der  Entstehung  dieser  Debatten  „Colonie  Krejcf“  genannt 
hatten  ( Colonies . Bullet.  Soc.  gäol.  de  France , XVII,  p.  604,  1860).  Unsere 
Bekanntgebung  der  Colonie  Haidinger  im  Jahre  1859  gibt  demnach  den  ge- 
nauen Maassstab  der  höchsten  Aufmerksamkeit,  die  Herr  Director  H a i- 
dinger  Herrn  Krejci’s  Forschungen  zuschreibt  *)• 

Dieser  bereits  bekannten  Thatsache müssen  wir  einige  Einzelheiten  beifügen, 
die  bei  den  gegenwärtigen  Umständen  zum  Verständnis  des  Nachfolgenden 
wesentlich  sind. 

Als  Herr  Krejcf  am  4.  November  1859  unsere  vertrauliche  Mittheilung 
über  die  Colonie  Haidinger  empfing,  schien  er  davon  sichtlich  sehr  unangenehm 
berührt;  dennoch  suchte  er  nicht  sich  wegen  des  Uebersehens  einer  so  augen- 
fälligen Ericlave  zu  entschuldigen.  Sein  Schweigen  erschien  uns  sehr  tactvoll, 
berührte  uns  angenehm  und  verleitete  uns,  ihm  einen  ferneren  Beweis  unseres 
Wohlwollens  zu  geben.  Wir  sagten  ihm  also : „Nehmen  sie  sich  in  Acht,  Herr 
Krejcf,  die  Colonie  Haidinger  ist  wahrscheinlich  nicht  die  einzige  Enclave, 
die  Sie  übersehen  haben.  Es  gibt  deren  noch  andere,  die  Ihnen  möglicher  Weise 
entgangen  sind,  und  darunter  kennen  wir  einige  sehr  kleine,  nur  auf  einige 
Meter  der  Länge  nach  sichtbare.“ 


4)  Allerdings  konnte  ich  damals  nicht  so  tief  in  die  Sache  eindringen.  Ich  musste  mich  auf 
den  Eindruck  verlassen,  welchen  auf  mich  die  erhaltenen  Berichte  hervorbrachten.  Aber 
selbst  wenn  ich  alle  B arr  and  e’schen  Hinterhalte  gekannt  hätte,  so  wäre  es  meine 
Pflicht  gewesen  durch  ein  aufmunterndes  Wort  die  Forschung  zu  fördern.  Diese  meine 
Pflicht  habe  ich  auch  erfüllt.  Wie  es  aber  Herrn  Ba  rrande  möglich  gewesen  wäre,  im 
Jahre  1850  ( Defense  S.  22)  aus  dieser  jetzt  „Haidinger“  genannten  Colonie,  wenn  er  sie 
damals  schon  gekannt  hätte,  gegenübervonHerrn  Krejcf  ein  Geheimniss  zu  machen,  als  er 
ihm  die,  seitdem  so  genannte,  Colonie  „Krejci“  mittheilte,  das — ich  muss  es  gestehen  — 
ist  mir,  nach  meinen  Ansichten  des  Ernstes  der  Naturforschung,  rein  unbegreiflich,  eben 
so  wie  dass  er  ihm  noch  1859  und  uns  und  dem  gesammten  geologischen  Publicum  noch 
am  25.  November  1861,  ja  bis  zu  dieser  Stunde  selbst  die  Zahl  der  „Colonien“  verheim- 
licht, welche  er  als  solche  betrachtet.  Freilich  bemerkt  mir  aus  dieser  Veranlassung  mein 
hochverehrter  Freund  Lipoid,  dass  in  dem  Systeme  Silurien  1852  (Seite  69,  Zeile25) 
ausser  den  Colonien  in  der  Bruska,  nur  zweier  Colonien  Erwähnung  geschieht,  einer  bei 
Motol  und  einer  bei  Gross-Kuchel.  Herrn  Barrande  war  also  wohl  damals  keine 
andere  Colonie  bekannt,  und  seine  Kenntniss  war  fortschreitend,  so  wie  er  auch  an  ande- 
ren Orten  frühere  Angaben  zurückgenommen  und  frühere  Irrthümer  als  solche  benannt 
und  verbessert  hat  (vergl.  M.  V.  Lipoid.  Ueber  die  B ar  r a n d e’schen  Colonien  u.  s.  w. 
S.  65).  Wenn  aber  Herr  Barrande  schon  mit  so  grossem  Nachdrucke  kämpft,  so  sollte 
doch  von  seiner  Seite  die  bekannt  gemachte  wissenschaftliche  Grundlage  nicht  fehlen. 
W.  H. 


m 


Defense  des  Colonies.  I.  Groupe  probatoire“  u.  s.  w. 


213 


Herr  Krejcf  beharrte  in  seinem  Stillschweigen,  während  wir  für  ihn  eine 
Skizze  der  Colonie  Haidinger  zeichneten;  indess  dachten  wir,  unser  freund- 
schaftlicher Rath  werde  bei  der  Fortsetzung  seiner  Forschungen  nicht  ohne 
Früchte  bleiben.  Wie  die  Darstellung  der  Thatsachen  in  ihrer  Reihenfolge  be- 
weisen wird,  waren  wir  indess  damit  im  Irrthum.  Für  diesmal  beginnen  wir 
damit , eine  solche , auf  die  Reweis  - Gruppe  bezügliche  Thatsache  aufzu- 
führen. 

Diese  Thatsache  ist  sehr  einfach  und  besteht  darin,  dass  die  Beweis-Gruppe 
nicht  nur  die  Colonie  Krejcf  (die  wir  im  Jahre  1850  Herrn  Krejcf  gezeigt 
haben)  und  die  Colonie  Haidinger  (die  wir  ihm  im  Jahre  1859  bekannt  gemacht 
haben)  umfasst,  sondern  auch  noch  eine  dritte  Enclave,  die,  gleich  jenen  beiden 
Colonien,  zwischen  die  Gebilde  der  Schichten  db  regelmässig  eingelagert  ist. 

Diese  Enclave,  welche  bisher  nur  aus  einem  Erguss  von  Trapp1)  zu  bestehen 
scheint,  ist  von  den  beiden  benachbarten  Colonien  vollständig  unterschieden; 
schon  aus  dem  einfachen  Grunde,  weil  sie  in  einem  dritten  Horizont,  merklich 
höher  als  jede  der  beiden  Colonien,  gelegen  ist. 

Dieser  Erguss  von  Trapp  nun,  dessen  wir  heute  zum  erstenmal  erwähnen, 
ist  weder  von  Herrn  Krejcf  — ungeachtet  des  freundschaftlichen  Rathes,  den 
wir  ihm  am  4.  November  1859  ertheilt — noch  von  Herrn  Lipoid  — unge- 
achtet seiner  zu  den  kleinsten  Einzelheiten  her  absteigenden  Studien, 
gesehen  worden.  Die  zwei  amtlichen  Karten , in  welche  die  auf  einander 
folgenden  Beobachtungen  dieser  beider  Geologen  eingetragen  sind,  liegen  uns 
vor  und  bestätigen,  dass  der  von  uns  angedeutete  Erguss  dem  einen  wie  dem 
andern  unserer  Widersprecher  entgangen  ist. 

Dies  ist  nun  die  zweite  Probe,  die  die  Benennung  unserer  „Beweis-Gruppe44 
rechtfertigt. 

Wäre  Herr  Lipoid,  jede  vorgefasste  Meinung  bei  Seite  setzend,  wirklich 
Willens  gewesen  die  Frage  über  die  beiden  Colonien  Haidinger  und  Krejcf 
zu  studiren,  so  hätte  er  begriffen,  dass  ihm  zunächst  oblag,  einen  vollkommenen 
Durchschnitt  jeder  derselben  ( au  droit  de  cliacune  d'elles),  nach  der  ganzen 
zur  Darlegung  ihrer  stratigraphischen  Verhältnisse  zu  den  Etagen  D und  E un- 
entbehrlichen wagrechten  und  senkrechten  Erstreckung,  aufzunehmen.  Anstatt 
weit  angelegter  und  deutlich  gezeichneter  Durchschnitte  finden  wir  aber  aut 
seiner  ämtlichen  Durchzeichnung  nur  zwei  kleine  unverständliche  und  verstüm- 
melte Skizzen,  welche  die  Colonien  undeutlich  darsteilen,  ohne  dass  die  Reihe 
der  oberen  und  unteren  Gebilde,  zwischen  denen  sie  eingeschaltet  sind,  und 
deren  Vergleichung  zum  Studium  des  wahren  Ursprunges  dieser  Enclaven  unent- 
behrlich ist,  daraus  ersichtlich  würde.  Sind  das  jene  merkwürdig  schönen 
und  instructiven  Durchschnitte,  die  den  hochachtbaren  Director  Hai- 
dinger bestochen  haben? 

Wir  wollen  noch  bemerken,  dass  wenn  Herr  Lipoid  auf  dem  Terrain  jene 
zwei  Durchschnitte,  die  wir  eben  als  unentbehrlich  bezeichnet  haben,  hätte  machen 
wollen,  er  nicht  fehlen  konnte,  den  Erguss  zu  durchschneiden  und  zu  sehen, 
dessen  Existenz  wir  ihm  heute  bekannt  geben. 


4)  Ist  denn  der  unorganische  „Trapp“  auch  in  dem  Begriff  einer  Colonie  enthalten?  Bezie- 
hen sich  die  Colonien  nicht  auf  Organisches,  auf  Faunen — angeblich  früher  ein- 
gevvandert,  und  dann  wieder  von  Schichten  mit  Formen  älterer  Faunen  überdeckt,  bis 
endlich  die  neue,  erst  als  Colonie  erschienene  Fauna  die  herrschende  wurde?  Wie  soll 
man  sich  denn  eine  Wanderung  von  „Trapp“  vorstellen.  Man  hat  in  Wien  diese  Stelle 
in  Herrn  Barrand  e’s  „ Defense “ mit  Erstaunen  und  Befremden  wahrgenommen.  W.  H. 


214 


Aus  Herrn  J.  Barrande's  Schrift: 


[8] 

Ist  die  Lage  dieses  Ergusses  so,  dass  topographische  Umstände  die  An- 
näherung den  Forschern  beschwerlich  oder  gefahrvoll  machen  würden?  Keines- 
weges.  Dieser  Erguss  liegt  ganz  einfach  auf  der  Fahrstrasse  von  Gross-Kuehel 
nach  Lochkow.  Sein  östliches  Ende  liegt  kaum  über  400  — 500  Meter  von 
Gross-Kuchel,  und  von  da  an  kann  man  die  Trappe  in  den  kleinen  Rissen  längs 
der  Strasse  in  einer  Länge  von  etwa  150  Meter  und  in  einer  Breite  von  6 — 8 Me- 
ter stetig  verfolgen.  Die  jenseits  dieser  Grenze  bedeckte  Oberfläche  hat  uns 
nicht  erkennen  lassen,  ob  diese  Trappe  — gleich  jenen  der  benachbarten 
Colonien  — von  Graptolithen-Schiefern  — begleitet  sind. 

Der  Erguss  — so  weit  er  sichtbar  ist  — hält  eine  mit  der  Colonie  Krejci 
parallele  Richtung  ein  und  ist  von  dieser  durch  einen  horizontalen  Abstand  ge- 
trennt, den  wir  auf  150  Meter  schätzen,  was  ungefähr  100  Metern  senkrechten 
Abstandes  in  der  Reihe  der  Gebilde  der  Schichten  d 5 gleichkömmt.  In  Anbe- 
tracht dieser  guten  Nachbarschaft  und  des  thätigen  Aritheils,  den  Herr  Krejci 
an  der  Beleuchtung  („Illustration“)  unserer  Colonien  nimmt,  werden  wir  diese 
neue  Enclave  als  „Erguss  Krejci“  bezeichnen. 

Nach  der  Nähe,  die  wir  früher  (Bullet.  XVII , p.  606 , i860)  zwischen 
den  Colonien  Haidinger  und  Krejci  festgestellt  haben , ist  es  nicht  mehr 
nöthig,  darauf  aufmerksam  zu  machen,  dass  der  Erguss  Krejci  gleichfalls  in 
geringer  Entfernung  von  der  Colonie  Haidinger  liegt.  Der  Abstand  zwischen 
beiden  mag  auf  300  — 400  Meter  geschätzt  werden.  So  bilden  denn  jene  drei, 
in  wagrechter  wie  in  senkrechter  Richtung  einander  verhältnissmässig  so  nahe 
liegenden  Enclaven  eine  naturgemässe  Gruppe,  die  eben  unsere  Beweis- 
Gruppe  ist. 


Fünftes  Capitel. 

Folgerungen  aus  der  Erscheinung  des  Ergusses  „Krejci“. 

Aus  der  unverwarteten  Erscheinung  des  Ergusses  Krejci  fliessen  wichtige 
Folgerungen,  deren  Betrachtung  uns  noch  obliegt,  und  zwar  zuerst  in  strati- 
graphischer, dann  in  moralischer  Hinsicht. 

1.  In  stratigraphischer  Hinsicht. 

Wir  bringen  in  Erinnerung,  dass  beim  Beginn  dieser  Debatte  im  Jahre  1859 
Herr  Krejci,  der  von  der  Beweis-Gruppe  nur  die  nunmehr  nach  ihm  benannte 
Colonie  kannte,  diese  Enclave  als  die  Wirkung  einer  Dislocation  zu  erklären 
vermeinte.  Diese  Auffassungsweise  findet  noch  ihren  Ausdruck  auf  dem  Theil 
der  General-Karte  unseres  Beckens,  die  nach  Herrn  Krejci’ s Arbeiten  colorirt 
und  unterm  10.  September  1860  von  Herrn  Director  Haidinger  von  Amts- 
wegen als  authentisch  unterzeichnet  worden.  Wir  sehen  auf  dieser  Karte,  parallel 
der  SO.-Begrenzung  unseres  grossen  Kalkstockes,  einen  Streif  Quarzite  colorirt 
als  Schichten  des  Berges  Brda  oder  Brdiwald,  d.  h.  als  gehörten  sie  zu 
unserer  Quarzitstufe  d1 *  3.  Diese  Stufe  wäre  also  durch  eine  Kluft  („ faille u) 
gehoben  und  zu  Tag  gebracht,  und  zwar  in  einer  stetigen  Längenerstreckung 
von  23.000  Meter  von  der  Umgebung  von  Mnienan  bis  nahe  an  Gross-Kuchel, 
d.  h,  bis  zu  den  beiden  Colonien  Haidinger  und  Krejci. 

Mit  grossem  Erstaunen  finden  wir  auf  der  ämtlichen  Karte  jene  An- 
gabe, die  mit  Herrn  Lipoid  s Special-Karte  im  offensten  Widerspruche  steht. 
In  der  That  hat  dieser  Chef-Geologe  ganz  richtig  erkannt,  dass  die  fraglichen 


Defense  des  Colonies.  I.  Groupe  probatoire“  u.  s.  w. 


215 


[9] 


Quarzite  ein  Gebilde  unserer  Stufe  dh  darstellen,  und  hat  er  ihnen  die  Benennung 
„Kosso  wer  S ch  i chte n“  gegeben,  während  er  die  schiefrige  Ablagerung 
dieser  Stufe  „Königshofer  Schichten“  nennt. 

Nachdem  Herr  Lipoid  das  Gebiet  durchgangen  hatte,  fand  er  sich  ge- 
nöthigt  die  erste  Idee  von  Dislocationen,  die  nach  Herrn  Krejci  die  Scheinbilder 
(simulacres ) unserer  Colonien  hervorgebracht  haben  sollten,  wieder  aufzugeben. 
Gedrängt  wurde  er  zu  dieser  Aufgeburig  durch  die  Nothwendigkeit  zugleich 
zwei  Colonien,  jede  auf  einen  andern  gesonderten  Horizont  gelegen,  zu  erklären, 
ansatt  der  einzigen,  welche  Herr  Krejci  vor  sich  hatte. 

Herr  Lipoid  erwähnt  also  weiter  nichts  mehr  von  Herrn  Krejci’ s Dis- 
locationen  und  substituirt  ihnen  einfach  die  beiden  oben  erwähnten  synklinischen 
Falten. 

Herrn  Lipold’s  Arbeiten  haben  mithin  zugleich  ein  doppeltes  und  beson- 
deres Verdienst.  Einerseits  stellen  sie  fest,  dass  Herrn  Krejcfs  stratigraphische 
Auffassungen  auf  keinen  wirklichen  Grund  beruhen  und  sich  vollständig 
illusorisch  gezeigt  haben,  wie  es  Herr  Haidinger  mit  Strenge  aus- 
spricht. Andererseits  bestätigen  sie  vollständig  Herrn  Krejcfs  schliessliche 
Ansichten,  nämlich:  dass  unsere  beiden  Colonien  nichts  sind,  als  von  uns  ver- 
kannte abgerissene  Theile  unterer  Etage  E. 

Für  wie  viel  Tage  hat  Herrn  Lipold’s  Auffassung  der  beiden  synklini- 
schen Falten  Herrn  Krejcfs  schliessliche  Ansichten  bestätigt? 

Ohne  für  jetzt  — aus  den  bereits  angegebenen  Gründen  — auf  die  eigent- 
liche Basis  dieser  Frage  einzugehen,  wollen  wir  nur  bemerken,  dass  Herr 
Lipoid,  der  in  unserer  Beweis-Gruppe  nur  die  beiden  fraglichen  Colonien 
kannte,  nur  daran  gedacht  hat,  zwei  synklinische  Faltungen  anzunehmen,  deren 
jede  Einer  dieser  Enelaven  entspricht.  Die  Colonie  Krejci,  in  einem  dritten 
Horizont  oberhalb  jenes  jeder  dieser  beiden  Colonien  liegend,  bleibt  eben  so 
ausser  dem  Bereich  der  beiden  Falten  des  Herrn  Lipoid,  wie  ausser  dem  der 
Verwerfung  („faille“)  des  Herrn  Krejci. 

Wenn  indess  unsere  Gegner  das  System  der  Faltungen  ernsthaft  aufrecht 
erhalten  wollen,  so  ist  offenbar  zur  Erklärung  des  Ergusses  Krejci  die  Annahme 
einer  dritten  Falte  unentbehrlich. 

In  der  That  muss  man  beachten,  dass  Herr  Lipoid,  behufs  der  Feststellung 
einer  vermeintlichen  Verbindung  zwischen  seinen  Falten  und  den  Colonien 
Haidinger  und  Krejci,  den  Trapp-Ergüssen  eine  sehr  wichtige  Rolle  zu- 
weist. Wir  wollen  hier  die  auf  seiner  Karte,  rechts  von  Wonoklas  und  Czerno- 
schitz  angegebenen  anführen.  Der  Erguss  zunächst  Wonoklas  zeigt  uns  übrigens 
ein  Beispiel  der  Willkürlichkeiten  4)  dieses  Geologen,  der,  ein  sehr  winziges 
Vorkommen  von  Trapp  nach  Belieben  vergrössernd , ihm  eine  Länge  von  1.200 
Meter  und  eine  Breite  von  150  Meter  gibt,  von  welchen  beiden  an  Ort  und  Stelle 
nichts  zu  sehen  ist.  Wenn  aber  in  derümgebung  von  Czernoschitz  und  Wonoklas 
die  Trapp-Ergüsse  den  Faltungen  entsprechen  representent“),  warum  sollte 
der  Erguss  Krejci  in  der  Nähe  von  Gross- Küchel  nicht  auch  dies  Vorrecht 
theilen?  Die  dritte  synklinische  Faltung  ist  mithin  unentbehrlich.  Wenn  Herr 
Lipoid  im  Jahre  1860,  zur  Zeit  da  er  seine  Durchforschung  vornahm,  den 


0 Während  Herr  Barrande  die  Coulee  Krejci  mit  Ostentation  einführt,  läugnet  er  bis 
auf  ein  Minimum,  ein  element  exigu  de  trap  die  Colonie  Wonoklas,  welche  allerdings  nach 
Herrn  Lipoid’ s Mittheilung  sichtbar  genug  ist,  wenn  auch  auf  der  Karte  etwas  grösser 
dargestellt.  Aber  aueb  dafür  wird  man  billig  den  Inhalt  der  Anmerkung  auf  Seite  23 
beherzigen,  die  freilichHerr  Barrande  für  sein  vorschnelles  Urtheil  zu  späterhielt.  W.  H. 

K.  k.  geologische  Reichsanstalt.  12.  Band,  1861  und  1862.  II.  Heft.  28 


216 


Aus  Herrn  .1.  Barrande’s  Schrill: 


[10] 

Erguss  Krejcf  gekannt  hätte,  kann  man  wohl  annehmen,  dass  er,  um  ihn  zu 
erreichen  („ pour  V atteindre“)  eine  dritte  synklinische  Faltung  entdeckt  hätte, 
oder  auch  irgend  eine  andere,  auf  die  drei  über  einander  liegenden  Horizonte 
unserer  Beweis-Gruppe  gleich  anwendbare  Combination. 

Heute  noch  die  so  unvorhergesehene  Ungenügendheit  des  Systems  der 
zwei  Falten  gut  machen  zu  wollen,  wäre  ein  sehr  heikliches  Unternehmen. 
Man  begreift  in  der  That,  dass,  wenn  Herrn  Lipold's  Forschungen,  mit  An- 
wendung der  geometrischen  Behelfe  der  Markscheidekunst  in  ihrer  gröss- 
ten Genauigkeit  und  mit  der  gründlichen  Erfahrung  eines  Bergrathes,  ihm  auf 
dem  durchforschten  Gebiet  nur  zwei  synklinische  Faltungen — und  nicht  mehr — 
haben  finden  lassen,  er  in  seinen  Erinnerungen  wohl  kaum  eine  dritte  wieder- 
finden würde.  Wären  auch  die  Aufzeichnungen  über  seine  Beobachtungen 
elastisch  genug,  um  sich  dieser  nachträglichen  und  verspäteten  Entdeckung 
anzupassen,  würde  er  sich  nicht  bedenken,  im  Angesicht  der  wissenschaftlichen 
Welt  das  zu  Gunsten  seiner  ersten  Aussprüche  durch  die  vielfachen  Zeugnisse 
des  hochachtbaren  Directors  Haidinger  so  laut  geforderte  Vertrauen  selbst 
zu  schwächen? 

So  bringt  eine  scheinbar  unbedeutende  Thatsache,  das  unvorhergesehene 
Auftreten  des  Ergusses  Krejcf,  Störung  in  das  neue  Angriffs-System  unserer 
Gegner.  Bevor  noch  die  regelmässige  Darstellung  dieser  Auffassung  uns  vor- 
liegt, erheben  sich  schon  Zweifel  über  die  Frage:  ob  diese  Auffassung  durch 
eine  dritte  Falte  vervollständigt  werden  könne,  oder  ob  sie  — gleich  dem 
System  der  Dislocationen  — wieder  aufgegeben  werden  soll,  um  einem  dritten 
System  das  Feld  zu  räumen  ? 

Ist  dies  wohl  die  Weise,  in  der  sich  das  Kriterium  der  Wahrheit  kund 
gibt?  ') 


2.  ln  moralischer  Hinsicht. 

Der  Erguss  Krejcf  zeigt  das  erste  Glied  („ terme “)  der  Reihe  von  unbe- 
greiflichen Nachlässigkeiten,  schweren  Irrthiimern  und  unerhörten  Willkürlich- 
keiten,  die  wir  oben  an  Herrn  Lipo I d’s  Arbeiten  hervorgehoben  haben.  Die 
folgenden  Glieder  dieser  Reihe  sollen  sich  nun  allmälig  vor  den  Augen  unserer 
Lese